Seiteneinstieg: Nur noch ein Viertel der neuen Kollegen an Berliner Grundschulen sind als Lehrer ausgebildet

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BERLIN. Die GEW Berlin betrachtet die neue Lehrkräfte-Einstellungsrunde nach eigenen Angaben „mit großer Sorge“. Nur ein Viertel der zum Februar 2018 neu eingestellten Lehrkräfte an Berliner Grundschulen seien ausgebildete Grundschullehrkräfte. Über alle Schulformen hinweg beträgt der Anteil von Seiteneinsteigern an den Neueinstellungen zum zweiten Schulhalbjahr 38 Prozent. Die Lage dürfte sich zudem weiter verschlechtern, prophezeit die Gewerkschaft.

Immer mehr Menschen kommen über den Seiteneinstieg in den Schuldienst. Foto: pixabay
Immer mehr Menschen kommen über den Seiteneinstieg in den Schuldienst. Foto: pixabay

„Der Lehrkräftemangel spitzt sich mit jeder Einstellungsrunde zu. Die Qualität rückt dabei immer weiter in den Hintergrund“, stellte Tom Erdmann, Vorsitzender der Berliner GEW fest. „Die Senatsverwaltung muss jetzt alles dafür tun, die Schulen mit vielen Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern bestmöglich zu unterstützen“, so Erdmann. „Die Senatsverwaltung muss es den Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern an unseren Schulen ermöglichen, gute Lehrkräfte zu werden. Dafür brauchen sie eine bessere pädagogische Anleitung, mehr Mentorenstunden und eine Reduzierung ihrer Unterrichtsverpflichtung“, erläuterte Erdmann. Er wies auf die extrem hohe Arbeitsbelastung der Seiteneinsteiger hin, die neben einer Unterrichtsverpflichtung von 19 Stunden ihre berufsbegleitende Ausbildung zu absolvieren haben.

Ungleiche Verteilung

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Der GEW-Landesvorsitzende stellte fest, dass die im Dezember 2017 vom Abgeordnetenhaus beschlossenen Entlastungen für Quereinsteiger bisher nicht umgesetzt worden seien. Mit Blick auf Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) erklärte er: „Die Senatorin hat die Chance verpasst, jetzt zum zweiten Schulhalbjahr erste Maßnahmen zur Entlastung umzusetzen. Die Stundenermäßigung und der pädagogische Vorbereitungskurs müssen sofort kommen!“ Um die nötigen Verbesserungen umsetzen zu können, werde die Senatsverwaltung trotz Lehrkräftemangel mehr Personal einstellen müssen. Zudem müssten die Studienkapazitäten zur Weiterqualifizierung von Quereinsteigern deutlich ausgebaut werden, um die derzeit langen Wartezeiten zu verkürzen.

Die GEW macht auch auf die ungleiche Verteilung der Quereinsteiger aufmerksam. „Der Lehrkräftemangel trifft die Schulen in schwieriger sozialer Lage besonders hart“, so Erdmann. Bei den Neueinstellungen zum Februar 2018 verzeichnen die Bezirke Mitte (52 Prozent), Spandau (53 Prozent) und Neukölln (50 Prozent) erneut die höchsten Quereinsteiger -Quoten. Hier müsse der Senat aktiv steuern. Überlegungen der rot-rot-grünen Koalition, die Unterrichtsverpflichtung in sozialen Brennpunkten generell zu reduzieren, begrüßt die GEW. Maßnahmen zur Arbeitsentlastung müssten jedoch für das gesamte pädagogische Personal und nicht nur für Lehrkräfte gelten, forderte Erdmann. News4teachers

GEW-Erhebung: Vielerorts gäb’s ohne Seiteneinsteiger keinen Unterricht mehr

 

 

 

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62 KOMMENTARE

  1. Und nur diese 25% “richtige Grundschullehrer” kommen in den Genuss von A 13 + Erfahrungsstufe 5 (also rund 5000,- Euro), oder?

    • Wobei es die Erfahrungsstufe 5 ja schon seit Jahren (2013?) in Berlin gibt und es hat den wachsenden Lehrermangel auch nicht verhindert.

      Warum???

  2. Die “weitere Verschlechterung der Lage” passt natürlich wunderbar zu dem katastrophalen Ergebnis von VerA 3 und anderer Tests der letzten Jahre. Die Schulsenatorin wird sich noch mehr im Schönreden üben müssen, vielleicht braucht es einen extra Staatssekretär fürs Schönreden. Die seit über 20 Jahren regierende SPD verkündet immer, wie wichtig Bildung ist, aber die Praxis sieht eben anders aus.

  3. Nun gehen Berlin sogar die Seiteneinsteiger aus; obwohl man doch in Berlin derzeit am meisten verdienen kann (5300,- Euro Einstiegsgehalt für alle).

    “An Berlins Schulen werden sogar die Quereinsteiger knapp
    Berlins Bildungssenatorin Scheeres umwirbt jetzt auch Studenten, um Lücken in der Lehrerschaft zu schließen. Weitere Notlösungen: freiwillige Mehrarbeit – und eine „Giftliste“. ”

    https://www.tagesspiegel.de/berlin/lehrermangel-in-berlin-an-berlins-schulen-werden-sogar-die-quereinsteiger-knapp/22627446.html

    • Sollte mich ja nicht wundern, wenn aus der freiwilligen Mehrarbeit bald eine obligatorische Mehrarbeit wird. Irgendwie muss man das Geld ja wieder reinholen, das man den Kollegen dort zugestanden hat (A 13 für alle).

  4. In dem Artikel steht, dass Quereinsteiger nur 19, bzw. demnächstnur 17 Stunden unterrichten.Wer meint, ohne jegliche Qualifikation Grundschullehrer sein zu können, der kann auch ruhig richtig einsteigen, nämlich mit 28 Stunden. Dann merken die selbstbewußten Leutchen nämlich schnell, dass sie den Grundschullererberuf mächtig unterschätzt haben! Mal ganz abgesehen von der Mehrarbeit, die die eigentlichen Lehrer durch die Quereinsteiger haben.

    • Frage an Emil: Werden die Quereinsteiger eigentlich auch fachlich fortgebildet neben ihren 17 bzw. 19 Wochenstunden Unterricht? Ich meine ausdrücklich fachlich, eine (fach-) didaktische und (sonder-) pädagogische Fortbildung wird sicherlich dabei sein und ist auch zwingend notwendig.

      • Hier ist es so, dass die Vertretungslehrkraft (Studierende, Studierte) gar nicht qualifiziert werden, aber bis zu 28 Stunden erteilen.
        Die Quereinsteiger nehmen neben ihrem Deputat an einem Pädagogikseminar (normales Ausbildungsseminar) teil. Dafür werden 5 Stunden verlagert.

      • Das stand in dem von sofawolf angegebenen Artikel nicht.
        Ein grundständig ausgebildeter Grundschullehrer studiert 4 Jahre, macht dann das Staatsexamen und danach 2 Jahre Referendariat und ein weiteres Staatsexamen.
        Egal, welche Mini-Qualifikation Seiteneinsteiger besuchen, ich halte das für absolut waghalsig – für die Kinder!!!, Die leiden nämlich möglicherweise den Rest ihres Lebens unter den Folgen dieser Selbstüberschätzung der Leute, die meinen, sie könnten das auch ohne Qualifikation.
        Im übrigen frage ich mich immer, was aus ihrem ehemaligen Job geworden ist? Wer inseinem Job gut klarkommt, muss kein Quereinsteiger in einem anderen Beruf werden….

        • Bei allem, was Sie gegen Quereinsteiger vorbringen, vermisse ich den Gedanken, dass Lehrer aus den verschiedensten Gründen an allen Ecken und Enden fehlen. Da sind mir Quereinsteiger lieber als Notlösungen anderer Art wie etwa viel zu große Klassen, möglichst noch mit Inklusion und zahlreichen Migrantenkindern.
          Ihre Behauptung, dass Kinder, die von Quereinsteigern unterrrichtet würden, möglicherweise bis zum Lebensende an den Folgen zu leiden hätten, halte ich für eine maßlose Übertreibung.
          Die Diffamierung dieser Leute, zu der auch Ihre Behauptung gehört, sie litten an Selbstüberschätzung und seien in ihren früheren Berufen wohl nicht klargekommen, ist mir zuwider.
          Allein ein Pädagogikstudium macht noch lange keinen guten Lehrer aus, auch keinen Grundschullehrer. Da spielen noch ganz andere Faktoren eine wesentliche Rolle.
          Mir hat in früheren Kommentaren schon Ihre ständige Verunglimpfung der (studierten!) Gymnasiallehrer missfallen, Ihre jetziges Dreinschlagen auf Quereinsteiger an den Grundschulen stößt mir mindestens ebenso übel auf.
          Inzwischen frage ich mich, aus welcher Ecke Sie kommen und was Sie bezwecken wollen.

          • Sie sehen die Quereinsteiger halt anders als ich. Kein Problem!

            Was Ihre Fragen betrifft, möchte ich Sie natürlich nicht im Unklaren lassen:
            zur Ecke: wohl eher ‘Kreis’, da läuft das Denken nicht so oft vor die Wand,
            zum Bezwecken: dasselbe wie Sie.
            Schönen Tag noch.

          • Ein Kreis, lieber Emil, hat den Nachteil eines beschränkten Radius’, während eine Ecke durch zumindest theoretisch unendlich lange Schenkel gebildet wird. Ich wünsche mir auch, dass Sie mal von Ihrem aus Ihrer Sicht hohen Ross herunterkommen. Die Vergleichbarkeit der verschiedenen Lehrämter ist nicht gegeben, weder fachlich, noch didaktisch noch pädagogisch. An Ihrem Frust über die derzeitigen Arbeitsbedingungen können die Räte nichts ändern, an den Beschwerden der Räte über die Unfähigkeit sogar der Gymnasiasten können Sie als Grundschullehrer nichts ändern. Wir setzen alle die Vorgaben der Lehrpläne unter den bereitgestellten Bedingungen um.

          • Mein Kommentar war eine direkte Reaktion auf die Art, wie Sie auf die Räte reagieren am Beispiel von heute morgen um 6:49 Uhr. Es steht außer Frage, dass die Ausbildungsqualität bei Quereinsteigern anders ist als bei grundständigen Lehrern. Das gilt aber für alle Schulformen, wobei ich bei der gymnasialen Oberstufe leichte Abstriche mache, weil es dort eher auf Fachwissen als Fachdidaktik ankommt. Das Fachwissen wird aber bei Quereinsteigern genauso vorausgesetzt wie bei angehenden Referendaren.

            Meine Frage von gestern nach der fachlichen Fortbildung von Quereinsteigern haben Sie übrigens noch nicht beantwortet.

          • Nein, haben Sie nicht. Da steht nur etwas von 4+2 Jahre grundständig und “Mini-Qualifikation” für Quereinsteiger.

          • Im übrigen bezieht sich mein Kommentar von heute morgen auf e.s. Ich weiß nicht wer und was er oder sie ist. Hat mit “Räten” (???) nichts zu tun und ist ziemlich harmlos. Da hat sich sowohl e.s. als auch Sie weitaus mehr aus dem Fenster gelehnt.
            Im übrigen haben Sie recht, Seiteneinsteiger sind in jeder Schulform schlecht, allerdings habe ich nichts anderes behauptet. Quereinsteiger sind eine Katastrophe, ist und bleibt meine Meinung.

          • Können Sie lesen?
            Ich habe geschrieben, dass zur Qualifikation in dem Artikel von sofawolf, auf den sich mein Kommentar bezog, nichts steht.

            Wenn Sie grundsätzliche Aussagen möchten, recherchieren Sie bitte selbst.

          • Kleiner Tipp: So wie Sie in den Wald hineinrufen, schallt es auch wieder hinaus. Wenn Sie als Grundschullehrkraft ernst genommen und nicht mehr belächelt werden wollen, dann empfehle ich eine sachliche Diskussionskultur und keinen persönlichen Angriff. Da sind Sie aber nicht der einzige aus der Grundschullehrerschar, die hier kommentiert.

            Aus Ihrem Kommentar ganz oben, auf den E.S. reagiert hat, geht nicht hervor, dass er sich auf sofawolf bezieht, was aber in erster Linie der recht verwirrenden Antwortfunktion hier geschuldet ist. Sie dürfen im Übrigen ruhig zugeben, wenn Sie eine Antwort auf eine Frage nicht wissen. Die Fortbildung der Quereinsteiger scheint allerdings nicht so prall zu sein, wenn ich Ihren Beiträgen zu diesem Artikel Glauben schenken darf.

            Ich nehme an, dass Sie bereits mit Quereinsteigern im Kollegium zu tun gehabt haben. Daher frage ich Sie mal direkt: Wenn ein Quereinsteiger Schwierigkeiten mit der Ausübung des Lehrberufs hat, liegt das dann an fachlichen Dingen, an pädagogisch-didaktischen Dingen oder an der Masse an Arbeit? Über letztere dürften Sie wie jeder andere Junglehrer in den ersten Jahren nach dem Referendariat nicht zu klagen gehabt haben. Wie hat sich die Arbeitsqualität der Quereinsteiger im Laufe der Zeit verändert? In welchem der drei von mir genannten Bereiche gab es nach wie vor Schwierigkeiten?

            Ich frage Sie persönlich, weil offizielle Lehrpläne von Fortbildungsinstituten oder Werbebrochüren für den Lehrberuf nur selten bis nie die schonungslose Wahrheit wiederspiegeln. Auf der Homepage Ihrer aktuellen Schule wird sicherlich auch nicht stehen, dass die Inklusion nicht funktioniert, dass Erziehungsrückstände den reibungslosen Unterricht lahm legen, dass das Gebäude total marode ist, dass es kein dauerhaft besetztes Sekretariat gibt usw.

  5. Nicht streiten, Jungs. Ich denke mal, dass der Seiten-oder Quereinstieg egal in welches Lehramt nicht unterschätzt werden darf. “Schlechte Quereinsteiger” werden sich wohl nicht lange halten. Allein in meinem privaten Umfeld kenne ich 5 Seiten – bzw. Quereinsteiger: Eine promovierte Chemikerin – sie wurde von den SuS nicht ernst genommen, hat nach ein paar Monaten aufgegeben (im Gymnasium). Eine Diplom-Biologin (auch Gymnasium) – Zitat: “Das do kann ich net länger machen.” 3 oder 4 Jahre hat sie es immerhin geschafft. Eine Germanistin, die von der Zeitung kam – eine Woche oder so (Gymnasium). Ein Diplom-Physiker – das hat gut geklappt, denn er ist der Typ dazu, war immer schon in der kirchlichen Jugendarbeit aktiv und hat das zweijährige Referendariat in Bayern komplett durchgezogen. Er ist Mathe- und Physiklehrer seit 1992 im Gymnasium in RLP. Ein anderer Diplom-Physiker, der Quereinsteiger in Berlin in der Grundschule ist und aber bald wieder aufhören möchte…

    • <3

      Bei dem Diplom-Physiker kommt dazu, dass ihm wie bei den grundständigen Physiklehrern auch eine gewisse "Nerdigkeit" (im positiven Sinne) zugestanden wird. Die Fächer Mathematik und Physik gelten als die anspruchsvollsten und daher unbeliebtesten Fächer in der Schule, die Physiker aber oft auch als Spielkinder, die für ihr Fach brennen. Die Jugendarbeit und das komplette Referendariat haben sicherlich beim Gelingen geholfen.

    • Aber in Berlin werden jetzt sogar die Quereinsteiger knapp:
      https://www.tagesspiegel.de/berlin/lehrermangel-in-berlin-an-berlins-schulen-werden-sogar-die-quereinsteiger-knapp/22627446.html
      Es reicht offenbar vorne und hinten nicht. Welche Szenarien könnte man denn diskutieren, falls das auf Dauer so bleiben sollte, also: falls kaum jemand noch Lehrer/in werden will? “Rette sich, wer kann?” Die vielen Horrormeldungen müssen jedenfalls abschreckend wirken. Und Berlin verbeamtet nicht mehr.
      Ich hätte ja folgenden Vorschlag: Die Landesinstitute für Schulentwicklung auflösen und alle, die unterrichten dürfen, zurück an die Schulen versetzen, den übrigen einen Quereinstieg anbieten. Das wird aber auch nicht reichen.

      • “Die Landesinstitute für Schulentwicklung auflösen und alle, die unterrichten dürfen, zurück an die Schulen versetzen, den übrigen einen Quereinstieg anbieten.”

        Volle Zustimmung.

        Eine Evaluation sollte ohnehin nur erfolgen, wenn eine Schule über die vorausgegangenen 3 Jahre eine vollständige Unterrichtsversorgung sowie besetzte Schulleitung hatte.

  6. @E.S.
    Mich stört Emils diffamierender Kommentar (31. Mai 2018 at 23:43) über Seiteneinsteiger ebenso wie Sie. Diesen Kollegen zu unterstellen, sie litten an Selbstüberschätzung, seien in anderen Berufen wohl nicht klar gekommen und stellten möglicherweise ein Leid für Kinder bis an deren Lebensende dar, ist an übler Nachrede kaum zu überbieten.
    Quereinsteiger sind nach meiner Erfahrung ebenso gut oder schlecht wie andere Lehrer, denn das Pädagogikstudium ist bei Weitem nicht alles. Gerade im Grundschulbereich hat es sogar Tücken. Was da zuweilen an Erziehungs- und Bildungsideologie gelehrt wird, ist abenteuerlich.
    Vielleicht stört es Emil, dass Quereinsteiger damit so wenig geimpft sind, “nur” Lebenserfahrung und Fachwissen mitbringen und in der kurzen Zeit ihrer “Mini-Qualifikation” vor allem auf die nüchterne Praxis vorbereitet werden.
    Ich kann mir, ehrlich gesagt, keinen Grundschulkollegen vorstellen, der gegen quereinsteigende Personen so giftet wie Emil. Deswegen ist er auch für mich in seiner Selbstdarstellung als Grundschullehrer, der begeistert und erfolgreich Flüchtlingskinder unterrichtet, ein warmes Herz hat und voller Menschenfreundlichkeit steckt, völlig unglaubwürdig.

    • Ihren Worten stimme ich voll zu.
      Es drängen sich tatsächlich unschöne Vermutungen auf, wenn jemand als Grundschullehrer auftritt und Quereinsteiger unter dem Vorwand, allein an das Wohl der Schüler zu denken, dermaßen mit Dreck bewirft.

      @sofawolf und Mississippi
      Ihren nachfolgenden Kommentare möchte ich ebenfalls zustimmen.

  7. Die Seiteneinsteiger sind unsere Rettung, deshalb sollten wir ihnen jegliche Hilfe und Unterstützung geben, die wir geben können.

    Ohne Seiteneinsteiger sähen sich die Bildungsministerien vermutlich einfach schon genötigt, die Stundenverpflichtung auf 30 oder mehr Wochenstunden zu erhöhen und Teilzeit oder Frühpensionierung schlicht und ergreifend zu verbieten. Was jetzt in Berlin schon als freiwillig angedacht ist, wäre dann Pflicht für uns alle.

    Natürlich gibt es keine Garantie darauf, ein guter Lehrer zu sein oder guten Unterricht zu machen, egal, ob man als Seiteneinsteiger oder als “grundständiger” Lehrer eine Ausbildung gemacht hat. Ich bin immer noch der Meinung, der ganze theoretische Kram an der Uni hat mir wenig genützt. Wichtig war das Referendariat / Vorbereitungsdienst. Alles andere habe ich mir später angeeignet und muss ich mir immer wieder neu aneignen, wenn ich fachfremd eingesetzt bin.

    Ja, ich habe auch schon Seiteneinsteiger scheitern und hinschmeißen sehen; aber ich habe auch schon “richtige Lehrer” scheitern und hinschmeißen sehen und nicht jeder, der im Schulalltag besteht, besteht mit Bravour.

  8. Vielleicht denken Quereinsteiger, es wäre einfacher, in der Grundschule einzusteigen. Ist nur eine Vermutung.
    Grundständige “schlechte Lehrer” halten sich wahrscheinlich länger, weil sie nix anderes gelernt haben.:)
    Die gibt es natürlich genauso.

  9. Ich hatte -Gott sei Dank- nur mit einer zeitlich befristet eingestellten Quereinsteigerin zu tun. Tatsächlich Quereinsteigerin, also ohne jegliche fachliche oder didaktische oder pädagogische Vorkenntnisse. Aber mit der berühmten Einstellung, dass Grundschule ja jeder kann. Und dem Stolz, einen Job bekommen zu haben, für dessen Qualifikation die eigenen Leistungen nie ausgereicht haben ….
    Die Situation ist in relativ kurzer Zeit eskaliert. Es brannte an allen Ecken, die Kinder kamen oft nach Hause und hatten nichts verstanden, es gab keine Führung in der Klasse, keine Rituale, keine Orientierung, dafür das Geschreie, das man bei überforderten Menschen vor dr Klasse kennt, es fehlt am Blick für die Ursache von Verständnisproblemen, an der Beweglichkeit im Umgang mit verschiedensten Kindern, dem fachlichen Hintergrund, der as tagesaktuelle Programm in einen größeren Zusammenhang stellt, die Eltern beschwerten sich relativ schnell, die Dame hatte keinerlei professionelles Rollenverständnis gepaart mit einem überdurchschnittliche Selbstbewußtsein, nicht zuletzt im Umgang mit den Eltern, die Jahrgangskollegin musste komplett für die Dame mit vorbereiten (weswegen die Kollegin auch immer Schuld War, wenn mal wieder etwas schief gelaufen ist), u.s.w. Um das Ganze abzukürzen: Stelle offiziell besetzt, Schule am Rande der Verzweiflung, Kollegin am Ende – und Gott sei Dank keine Vertragsverlängerung. Reicht das?
    Nur mal als Vergleich: Ich würde mir nicht anmaßen als Berufsfremdr bei einer Elektrfirma einzusteigen und mal eben die Hauselektronik zu machen. Es würde mich auch keiner dranlassen. Aber an unsere Kinder darf ja jeder dran. Da stimmt doch was nicht!!!!

    • Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich!!!!
      Zur Frage “Reicht das?”: Nein!

      @Mississippi
      Sie sagen: “Grundständige ‘schlechte Lehrer’ halten sich wahrscheinlich länger, weil sie nix anderes gelernt haben.:)” Humorvoll, aber auch wahr!

    • Danke für die Schilderung. Fachliche Vorkenntnisse wird die Dame gehabt haben, weil sie andernfalls Analphabetin in Wort und Schrift gewesen sein muss. Das Beispiel zeigt halt, wie wichtig die pädagogische und — noch viel wichtiger — didaktische Fortbildung gerade in der Grundschule ist. Die Einstellung der Dame wird sich wohl auf das fachliche bezogen haben, wozu ich ihr auch nach wie vor recht gebe. Allerdings beträgt der fachliche Anteil im Grundschullehrerberuf maximal 20%, während er in der gymnasialen Oberstufe 80% oder so betragen dürfte.

      Ihre Analogie mit dem Elektriker ist schief, weil es sich auf fachliche Lücken bezieht, während den Grundschulstoff jeder des flüssigen Lesens, Schreibens und Kopfrechnens fähige Mensch zum allergrößten Teil beherrscht.

    • emil schrieb: “Ich hatte -Gott sei Dank- nur mit einer zeitlich befristet eingestellten Quereinsteigerin zu tun.”

      Das qualifiziert Sie natürlich ungemein für all die unverschämten Pauschal-Aussagen über Quereinsteiger, die Sie in diesem Diskussionsstrang von sich gegeben haben – und die allesamt noch nachzulesen sind.

  10. Ich will es noch einmal ganz klar sagen, ohne Seiteneinsteiger hätte man aus der Not heraus

    – unsere Unterrichtsverpflichtung erhöhen

    – die Klassengrößen erhöhen

    – Teilzeitmöglichkeiten massiv einschränken

    – Frühpensionieren massiv beschränken

    – sämtliche Arten von Stundenentlastungen/anrechnungen bzw. anderweitigem Einsatz von Lehrkräften massiv zurückfahren

    – und wer weiß, was noch MÜSSEN.

    Das ist alles teilweise bereits in der Diskussion (siehe Bericht aus Berlin) und kann uns auch noch auf Umwegen treffen, wenn die KuMins versuchen, die Gelder für A 13 an anderer Stelle wieder einzusparen. Personalkosten waren und sind bekanntlich immer der Hauptposten in den Haushalten und deshalb immer am stärksten vom Rotstift bedroht. Leider.

    Ich glaube inzwischen, wir könnten die Arbeitslosigkeit massiv senken, wenn der Staat wieder mehr einstellt: öffentliche Verwaltung, Justiz, Polizei, Erzieher, Lehrer, Sozialämter, Jugendämter, Ordnungsämter (und und und), wo überall Personalmangel zu Problemen führt. Nur geht das eben nicht mit gleichzeitigem Senken von Steuern und in die Höhe getriebenen Gehältern.

    • Gerade gelesen:

      “Jugendämtern fehlen 16000 Jobs

      Eine Überforderung konstatiert auch die Sozialwissenschaftlerin Kathinka Beckmann von der Hochschule Koblenz. Sie hatte kürzlich erstmals die Arbeitsbedingungen in deutschen Jugendämtern umfassend und systematisch untersucht. Mit erschreckenden Ergebnissen. Zwei Drittel ihrer Zeit wenden Jugendamtsmitarbeiter für die Dokumentation auf – anstatt sich um Fälle zu kümmern. […] Nach ihren Berechnungen fehlen bundesweit 16000 ASD-Stellen in Jugendämtern. Die Zahl der zuständigen Fachkräfte müsste verdoppelt werden.”

      https://www.focus.de/politik/deutschland/betr-die-u-berforderte-republik-recht-und-unordnung_id_8983142.html

      Das ist letztendlich alles ein Ergebnis der Mehr-netto-vom-Brutto-Politik” und den entsprechenden Einparungen der öffentlichen Hand. Aber Hauptsache, die Lehrer verdienen noch mehr als bisher und Millionen werden locker gemacht für A 13 statt A 12 (was wohl Mitarbeiter von Jugendämtern bekommen? E 9? E 10?). Aber das alle betrifft uns ja nicht und ist uns deshalb egal.

      • “Zwei Drittel ihrer Zeit wenden Jugendamtsmitarbeiter für die Dokumentation auf.”
        Beispiel Kindergartengebühren: Für jedes Kindergartenkind müssen die Jugendämter dicke Akten über die Einkommensverhältnisse der Eltern anlegen. Sie müssen die Nettoeinkommen und die daraus resultierenden Gebühren berechnen, und zwar nach anderen Vorgaben als die Finanzämter das tun. Ein Steuerbescheid zählt beim Jugendamt nichts. Sie müssen ggfs. bei Nichtzahlung anmahnen, Einsprüche müssen auch bearbeitet werden, etwaige Gerichtsverfahren auch, außerdem muss das von Jahr zu Jahr angepasst werden usw. Ich weiß nicht, ob diese Bürokratiekosten jemals realistisch berechnet werden.
        Dasselbe gilt übrigens für jedes unehelich geborene Kind. Da müssen Akten über den Vater und dessen Einkommensverhältnisse angelegt werden, es muss eine notariell beglaubigte Vaterschaftsanerkennung in die Akten usw. Und das auch, wenn die Mutter erklärt, sie habe keinen Zweifel, wer der Vater ist. Dann muss berechnet werden, was der Vater nach der “Düsseldorfer Tabelle” monatlich zahlen muss, die sich öfter mal ändert usw. Im Amtsdeutsch heißt dann ein unehelich geborenes Kind eine “Pflegschaftsangelegenheit”, das Jugendamt übernimmt auf dem Papier die Pflegschaft, kümmert sich ansonsten aber nicht um das Kind und sein Wohlergehen. Wenn im Extremfall ein Kind totgeprügelt wird, verweist das Jugendamt darauf, dass die Akten ordnungsgemäß geführt wurden.

        • Na, das ist ja dann ein gutes Argument für die Gebührenfreiheit der Kindergärten vom ersten bis zum letzten Jahr.

          Das spart sogar “auf Umwegen” Geld, denn die Jugendamtsmitarbeiter müssen diese Dokumentationen nicht mehr führen; haben also mehr Zeit für anderes, sodass womöglich nicht mehr 16.000 Mitarbeiter fehlen, man also weniger einstellen muss und das spart Personalkosten, wenngleich nur, wenn man sie ansonsten eingestellt hätte. 😉

  11. Seiteneinsteiger haben es auf jeden Fall schwerer. Lehramtsstudenten lernen von Grund auf die Pädagogikseite mit. Sie wachsen sozusagen hinein und können sich langsam darin entfalten. Seiteneinsteiger werden hineingeworfen und müssen von heute auf nachher – mit Unterricht und was es ausmacht, klarkommen. So wie ich gelesen habe, werden Seiteneinsteiger dennoch betreut. Das ist schon einmal gut.

    Als Zweites muss man als Lehrer einen Schülerbezug herstellen. Lehramtsstudenten haben schon von vorneherein diese Affinität, dass sie eine gewisse Altersgruppe unterrichten wollen, weil sie sich für diese Altersgruppe interessieren.

    Seiteneinsteiger müssen sich genau überlegen, ob sie zu der Altersgruppe, die sie unterrichten wollen, wirklich einen Bezug haben und willens sind, sich mit dieser Altersgruppe zu befassen mit allen Konsequenzen (und das sind an Grund- und Hauptschulen hohe pädagogische Herausforderungen wegen des nicht einfachen Schülerklientels, fachlich dürfte es für Seiteneinsteiger, wenn sie vom Fach sind, kein Problem geben) und sie dürfen nicht zuerst ihr Fach sehen. Ich glaube, dass das genau bei Emils beschriebenem Beispiel falsch lief.

  12. @ ZITAT: “ysnp 1. Juni 2018 at 23:38
    Wegen den hohen grundschulspezifisch pädagogischen und didaktischen Anfroderungen glaube ich, dass es für Seiteneinsteiger in der Grundschule mit am schwersten ist.”

    Da wären wir aber mal wieder an dem Punkt, an dem im umgekehrten Falle Grundschullehrer es arrogant und anmaßend finden, wenn Gymnasiallehrer die Arbeit eines Grundschullehrers einschätzen. Ist es dann nicht genauso arrogant und anmaßend von einem Grundschullehrer, die Arbeit eines Gymnasiallehrers einzuschätzen i.S.v. für Seiteneinsteiger “weniger schwierig”, weil an der Grundschule ja “am schwersten”?

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