Welche Behauptungen aufgestellt werden, um die Grundschulen schlecht zu machen – und was wirklich stimmt

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FRANKFURT/MAIN. Gegenüber der Grundschule hagelt es neuerdings Kritik „aus der Politik, in den Medien und an den Stammtischen“, so stellt der Grundschulverband fest. Von einem angeblichen Leistungsverfall ist die Rede. Kinder dürften schreiben, „wie sie wollen“. Es werde eine leistungsfeindliche „Kuschelpädagogik” betrieben. Offener Unterricht überfordere schwache Schülerinnen und Schüler. „Uns reicht es“, erklärt jetzt der Vorstand des Verbands, darunter die Professoren Erika Brinkmann, Hans Brügelmann und Jörg Ramseger. Sie und fünf weitere Bildungsforscher wehren sich gegen „populäre Vorurteile“ – mit einer Streitschrift, die mit wissenschaftlichen Argumenten dagegenhält. Aufgrund der Bedeutung der Debatte dokumentiert News4teachers das Papier ausführlich – Teil 2: Behauptungen und Fakten. Teil 1 hatte sich mit der Ausgangslage beschäftigt.

Nach dem Unterricht wartet die Schreibtischarbeit. Foto: Shutterstock
Grundschul-Lehrkräfte werden für ein Absinken der Schülerleistungen verantwortlich gemacht – zu Unrecht, wie der Grundschulverband meint. Foto: Shutterstock

Behauptung 1: Die Schülerleistungen werden immer schlechter

Ein allgemeiner Leistungsverfall sei empirisch nicht belegbar, erklärt der Grundschulverband, das Vorurteil in dieser Form schlicht falsch. Um überhaupt sinnvolle Vergleiche anstellen zu können, müsse genauer gefragt werden: Welche Fächer und/oder Kompetenzbereiche sind gemeint? Bezieht sich das Urteil auf das Ende der Grundschulzeit, auf mittlere Abschlüsse, auf das Abitur oder auf Leistungen in Beruf und Alltag? Welche Zeitpunkte werden jeweils zum Vergleich herangezogen: das Jahr 2000, 1950 oder noch früher? Untersuchungen mit standardisierten Tests in repräsentativen Stichproben gebe es erst seit rund 20 Jahren. Aber auch deren Befunde beschränkten sich auf wenige Fächer und in diesen nur auf leicht testbare Bereiche wie die Rechtschreibung, aber nicht auf die inhaltliche und sprachliche Qualität von Texten.

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„Aber selbst in der Rechtschreibung sind die Ergebnisse widersprüchlich bzw. in hohem Maße interpretationsbedürftig“, schreiben die Autoren. „ So werden die Vergleiche mit mindestens einer Erhebung zwischen 1945 und 2000 schon forschungsmethodisch heutigen Ansprüchen an Stichprobenziehung, Wahl der Instrumente und Erhebungsbedingungen nur bedingt gerecht. Von 16 Untersuchungen fanden vier eine Verschlechterung der Leistungen, drei eine Verbesserung und neun entweder konstante oder schwankende Leistungen. Für die Unterschiede kann es – neben den forschungsmethodisch bedingten Einschränkungen – ganz unterschiedliche Gründe geben: verschiedene Zeiträume, Altersgruppen, Aufgaben (z. B. Diktat vs. themengebundener Aufsatz vs. freier Text).“ Für den aktuell besonders bedeutsamen Zeitraum zwischen 2000 und 2016 gebe es fünf forschungsmethodisch solidere Studien – „aber ebenfalls mit unterschiedlichen Ergebnissen: je zweimal verschlechterte bzw. verbesserte und einmal konstante Leistungen.“

„Im Lesen haben sich die Leistungen von Erwachsenen langfristig in Deutschland  (…) verbessert, oder genauer: Jüngere Menschen lesen besser als diejenigen, die in den angeblich »guten alten Zeiten« zur Schule gegangen sind“, so heißt es.  Für Mathematik seien dagegen wegen der veränderten Inhalte beziehungsweise Schwerpunkte („zum Beispiel stärkere Gewichtung von Kopfrechnen früher versus gewachsene Bedeutung von mathematischem Modellieren und Problemlösen im Alltag und in der Schule heute“) aussagekräftige Vergleiche kaum möglich.

Behauptung 2: Offener Unterricht ist nichts für die Schwachen

Wenn über freies Schreiben am Schulanfang, über entdeckendes Lernen in Mathematik oder offenen Sachunterricht diskutiert werde, seien Pauschalurteile („Offener Unterricht ist leistungsfeindlich“, „Freiarbeit benachteiligt schwache Schulkinder“, „Frontalunterricht ist lerneffektiver“) schnell bei der Hand, monieren die Wissenschaftler. Tatsächlich scheine der grundlegende Überblick des neuseeländischen Bildungsforschers John Hattie, der XXX  Studien ausgewertet hatte, solchen Urteilen recht zu geben – auf den ersten Blick.

„So hat im Mittel der ausgewerteten Studien »Open Education« keine Vorteile gegenüber traditionellen Formen des Unterrichts, während systematisierte »direkte Instruktion« mit einer Effektstärke von 0.6 deutlich besser abschneidet.“ Andererseits aber, und hier „zerbröckelt dieses scheinbar so klare Bild“, wiesen Lernformen wie „kooperatives Lernen“, „Kleingruppenarbeit“, „Schülerdiskussionen“ oder, „wechselseitige Unterstützung von Schülerinnen und Schülern untereinander sehr hohe Effektstärken auf. Der  Widerspruch lasse sich damit erklären, dass Hattie in der Sammelkategorie „Oben Education“ eben höchst unterschiedliche Ansätze zusammengefasst habe. Der Durchschnittswert sage also wenig aus. Ohnehin sei die Praxis in den Grundschulen viel komplexer und vielgestaltiger, als es in einer plumpen Gegenüberstellung von „offenem“ und „klein- und gleichschrittigem“ Unterricht zum Ausdruck komme.

„Gerade im Blick auf ihre Bedürfnisse muss man fragen: Was heißt eigentlich »mehr Struktur«? Manche meinen mit »Struktur« einen fachsystematischen Aufbau des Unterrichts, z. B. in Mathematik vom Zählen über das Addieren und Subtrahieren hin zum Multiplizieren und Dividieren. Andere denken an einen didaktisch-methodischen Lehrgang in Form kleiner Schritte, z. B. beim Schriftspracherwerb: erst nach und nach Buchstaben kennenlernen und ihnen Laute zuordnen, dann sinnlose Silben lesen, dann erst zwei-, später mehrsilbige Wörter mit Konsonant-Vokal-Wechsel, anschließend Wörter mit Konsonantenhäufungen und erst danach Sätze, deren Wörterzahl ebenfalls schrittweise gesteigert wird, ehe die Kinder mit kleinen Texten konfrontiert werden“, so heißt es in dem Papier.

Bei vielen offenen Lernformen könne also von Strukturlosigkeit keine Rede sein. So oder so: Von zentraler Bedeutung für die Qualität des Unterrichts sei es in jedem Fall, die „Grundprinzipien erfolgreichen Lernens“ zu beachten, nämlich:

  • inhaltliche Bezüge auf persönliche Interessen zu schaffen, zum Beispiel Lesen von selbst gewählten Texten;
  • an persönliche Erfahrungen der Schüler anzuknüpfen, etwa durch Mathematisieren von Situationen aus vertrauten Lebensbereichen
  • den individuell „nächsten Schritt“ zu ermöglichen etwa entwicklungsbezogene Anmerkungen zu Rechtschreibfehlern zu geben.

Die Didaktik offenen Unterrichts biete ein breites Repertoire an Aktivitäten, die so flexibel einsetzbar seien, dass sie den individuellen Lernbedürfnissen einzelner Schüler entsprächen.

Behauptung 3: Falsches Schreiben prägt sich ein

„Empirische Vergleiche verschiedener Ansätze der Lese- und Schreibförderung waren bisher wenig ergiebig“, so stellen die Autoren fest. „Sie sind schon forschungsmethodisch außerordentlich schwierig, weil sich die Anwendung eines »Ansatzes« oder einer »Methode« im Unterricht nicht – wie der Einsatz eines Medikaments – kontrollieren lässt. So wird »derselbe« Ansatz (z. B. das Schreiben mit der Anlauttabelle) von verschiedenen Lehrpersonen oft sehr unterschiedlich umgesetzt. Die einen geben den Kindern keine Rückmeldung zu ihren Schreibversuchen, andere schreiben den Kindertext in »Buchschrift« daneben, wieder andere lassen die Kinder von Anfang an – parallel zum freien Schreiben – häufige Wörter systematisch üben. Außerdem kann der weiterführende Unterricht von Klasse zu Klasse jeweils unterschiedlich aussehen: bloßes Grundwortschatztraining, Einüben von expliziten Regeln, systematisches Überarbeiten eigener Texte, regelmäßige Rechtschreibgespräche – oder verschieden gewichtete Kombinationen aus diesen, evtl. noch weiteren Aktivitäten. Deshalb finden sich für jeden »Ansatz« am Ende der Grundschulzeit sehr unterschiedliche Ergebnisse, die keine Allgemeinurteile erlauben“, heißt es in der Streitschrift.

Allerdings: Der verbreitetste Einwand gegen ein Schreiben mit der Anlauttabelle im Anfangsunterricht, Kinder würden sich durch das lautorientierte Verschriften ihrer Aussprache orthografisch falsche Schreibungen einprägen, sei empirisch nicht haltbar, wie eine Vielzahl von Studien belege. Hingegen biete das freie Schreiben im Anfangsunterricht drei wichtige Vorteile:

  1. “Die Kinder können die Schriftsprache als ein mächtiges Instrument nutzen und erleben, um ihre persönlichen Vorstellungen bzw. Erfahrungen anderen mitzuteilen, und gewinnen damit eine hohe Motivation sich den Anstrengungen des Lesen- und Schreibenlernens zu stellen.”
  2. “Durch ständige Analyse und Synthese begreifen sie die alphabetische Struktur unserer Schriftsprache und festigen die einzelnen Laut-Buchstaben-Beziehungen.”
  3. “Das Verschriften der Wörter auf dem jeweiligen Könnensstand ermöglicht ein selbstständiges Individualisieren trotz Entwicklungsunterschieden von bis zu drei Jahren am Schulanfang.”

Wichtig sei aber dann, sobald das alphabetische Prinzip verstanden sei und seine Umsetzung beherrscht werde, mit Aktivitäten zu beginnen, bei denen es auf die richtige Schreibung ankommt. „Das fängt bei der Überarbeitung der eigenen Texte (zunächst nur besonders wichtiger Wörter) an, geht über Rechtschreibgespräche zu Strategien und Faustregeln bis hin zum gezielten Üben besonders häufiger Wörter“, so schreiben die Autoren.  Fazit: „Entgegen vielfach geäußerten Vorurteilen behindert das lautorientierte Schreiben am Anfang die Rechtschreibentwicklung nicht, wenn die Kinder schon im Laufe der ersten Klasse Schritt für Schritt auf orthografische Besonderheiten hin orientiert werden.“ bibo / Agentur für Bildungsjournalismus

Hier geht es zu der vollständigen Streitschrift des Grundschulverbandes.

„Dilettantismus und Schaufensterpolitik“: Grundschulverband wehrt sich mit einer Streitschrift gegen eine rückwärtsgewandte Bildungsrevolution

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95 KOMMENTARE

  1. Die empirischen Tatbestände der weiterführenden Schulen sagen, dass die neuen Fünftklässler immer schlechter rechtschreiben und rechnen können, was zumindest mit der Einführung von freiem Schreiben und offenen Unterrichtsmethoden korreliert. Statistiken von Schülerleistungen lassen sich immer so lesen, wie man gerne möchte.

    Jede Umfrage unter erwachsenen Menschen würde eine deutliche Mehrheit pro Kopfrechnen und kontra kompetenzorientierte Modellierung als wichtige Aufgabe der Grundschule ergeben. Daher ist die Fokussierung auf letzteres und Vernachlässigung des Kopfrechnens schlecht.

    • Kann man Ihre ’empirischen Tatbestände’ irgendwo nachlesen?
      Im Übrigen ist es überaus wertvoll, dass schulische Lerninhalte nicht durch ‘Umfragen unter Erwachsenen’ festgelegt werden, sondern von dafür zuständigen Ministerien.

      • In Fragen schulischer Lerninhalte sind mir unabhägige Leute mit Verstand und Vernunft lieber als partei- und regierungspolitisch gebundene und gelenkte Geister.

      • Jaja, die zuständigen Ministerien. Beim Bildungsplan 2016 in Baden-Württemberg gab es explizite “politische Vorgaben” der Landesregierung, z.B. sechs “Leitperspektiven”. Eine davon heißt “berufliche Orientierung”, und das auch in der Grundschule !
        Und so steht im Bildungsplan 2016 für den Sachunterricht in der Grundschule drin:
        “Durch die Begegnung mit unterschiedlichen Bildungs- und Erwerbsbiografien in verschiedenen Bereichen, wie auch mit Betriebserkundungen, bahnt der Sachunterricht eine entwicklungsangemessene berufliche Orientierung an. Hierfür grundlegend ist eine individuelle Förderung, die auf festgestellten Kompetenzen, Potenzialen und Interessen der Kinder basiert.”
        Ich dachte eigentlich, man will nicht schon in der Grundschule den Kindern bestimmte berufliche Perspektiven aufs Auge drücken. Ist das nicht genau das berüchtigte “Sortieren” der Kinder im Hinblick auf den Übergang nach Klasse 4 ?
        Für das Fach Mathematik heißt es u.a.:
        “Die Kinder bringen ihre Stärken und Neigungen mit ihren Zukunftsvorstellungen in Zusammenhang. Dabei werden ihre individuellen Interessen und Potenziale gendersensibel berücksichtigt und gefördert.”
        Da haben wir schon in der Grundschule die gendersensible berufliche Orientierung. Brauchen wir sowas wirklich in der Grundschule ? Wäre nicht anderes erstmal wichtiger ? Ich habe kein Vertrauen mehr in die Weisheit der Schulministerien.

  2. Auch wenn man die Standard-Tests nicht überbewerten soll: Der IQB-Vergleichstest für Viertklässler von 2016 hat ergeben, dass bei der Orthografie Bayern und das Sarrland die besten Durchschnittswerte haben und Hamburg, Berlin, Bremen die schlechtestsn. Überdies sind die Unterschiede zwischen den besten und den schwächsten Schülern (in Perzentilen gemessen) in Bayern am geringsten und in Bremen am größten (Langbericht Abbildung 6.3).
    Noch krasser sind die Unterschiede bei den Zuwanderern (Abbildung 9.5). Bei jedem Zuwanderungsstatus liegen in Bayern und im Saarland die Werte bei der Orthografie weit über denen der Einheimischen in Berlin und Bremen (erst recht denen der Zuwanderer). Auch Bayern hat mittlerweile einen deutlichen Migrantenanteil unter den Schülern. Und der bayerische Dialekt wird sich gerade bei der Orthografie hinderlich auswirken und muss für Migranten eigentlich eine Zusatz-Hürde sein. Anderes kann ich mir als deutscher Nicht-Bayer nicht vorstellen.
    Das kann viele Ursachen haben, aber es wäre doch interessant, das mit der Verbreitung dieser neuen Methoden “lautorientiertes Verschriften” in diesen Bundesländern zu vergleichen. Zufälligerweise stammt doch Frau Brinkmann aus Bremen und wohnt dort auch. Sie könnte vielleicht wissen, wie das in Bremen ist. Überblickt jemand die Verbreitung in Bayern oder im Saarland?
    Übrigens: Beim Lesen und Zuhören sind die gennnten Unterschiede auch vorhanden, aber nicht so krass, bei der Mathematik sind sie am mildesten. Hier erzielen die Einheimischen in Bremen wenigstens die Werte der Migranten in Bayern mit beiden Elternteilen aus dem Ausland.

    • Sorry: Der letzte Satz stimmt nur für Hamburg, für Bremen nur im Jahre 2011. Da war ich in die falsche Spalte geraten. Bis 2016 ist Bremen weiter abgerutscht. Aber jedenfalls ist es bei der Mathematik nicht so krass wie bei der Orthografie. Bei der Orthografie waren die bayerischen Migranten sogar besser als die einheimischen Schwaben (also BaWü). Ein voller Erfolg der grün-roten Schulpolitik.

  3. ZITAT: “Was für Behauptungen aufgestellt werden, um die Grundschulen schlecht zu machen – und was wirklich stimmt”

    Alleine der Titel ist eine Anmaßung. Es wird (wieder!) davon ausgegangen, dass die eigene Sichtweise die richtige ist und die anderen alle sich irren bzw. Grundschulen nur schlechtmachen wollen. Dagegen wird dann die “Wahrheit” präsentiert. Es ist natürlich die eigene. Ich finde das einen außergewöhnlich selbstbezogenen Umgang mit Kritik. Sie ist quasi nur erlaubt, sofern sie irgendwann “einsieht”, im Unrecht zu sein. Das sind ja schon fast ostdeutsche “Vorwendeverhältnisse” a la “Die Partei, die Partei, die hat immer Recht …” (Man könnte jetzt “Partei” durch GEW o.Ä. ersetzen.)

    Nein, wer heutige Verhältnisse an Grundschulen kritisiert, der will sie in der Regel nicht schlechtreden, sondern besser machen!

    • Nur dass Sie die Verhältnisse an Grundschulen leider nicht kennen! Sie beschränken sich darauf zu behaupten, wie es Ihrer Meinung nach ist oder sein könnte und insbesondere dort falsch sei. Wann waren Sie denn zuletzt live in einer Grundschule? Oder präsentieren Sie hier Ihre eigene Wahrheit (ist Ihr Zitat!).

    • Ach ja, werter Emil, seit wann sind Sie denn Insider von Grundschulen?
      Verlassen Sie sich etwa darauf, dass keiner mehr Ihre früheren Kommentare kennt, in denen Sie behaupteten, im reinen Unterricht für Flüchtlingskinder unterwegs zu sein und tolle Erfolgerlebnisse gehabt hätten. Bei der Ermunterung (auch durch die Reaktion von n4t) zu einem Artikel darüber, haben Sie dann gekniffen mit fadenscheinigen Ausreden gekniffen.
      Und neuerdings spielen Sie sich als Grundschullehrer auf. Welche Rolle trauen Sie sich denn demnächst zu, wenn Not am Mann ist für die Durchsetzung bestimmter Meinungen?

      • Ob Sie es glauben oder nicht, ich unterrichte immer noch Flüchtlingskinder, und nach wie vor gerne und mit Leidenschaft.
        Und weiterhin bin ich nach wie vor grundschullehrer, und die Flüchtlingskinder, die ich unterrichte, sind die, die nach wie vor regelmäßig an unserer Grundschule auflaufen. Noch Fragen?

        Im übrigen habe ich lange überlegt, ob ich einen Artikel schreibe. Warum sollte ich estun und meine Zeit und Kraft investieren für Leute wie Sie und die berühmten “Grundschulkenner” hier, die vom Alltag in der Grundschule keinen blassen Schimmer haben, aber sich hier täglich seitenweise das Maul zerreißen. Dafür ist mir meine Zeit zu schade.

        Haben Sie Erfolge irgendwo? Schreiben Sie darüber! Dann sprechen her wir uns wieder!
        In gespannter Erwartung, Emil, Grundschullehrer, der, der Flüchtlinge unterrichtet 😉

    • Diese inzwischen mehr als lächerliche Debatte insbesondere um einzelne Methoden böser Grundschulen disqualifiziert sich mittlerweise selbst:
      Kritik lässt sich bekanntermaßen bequemer formulieren, wenn sie sich nicht auf den eigenen Wirkungskreis bezieht bzw. das Sündenbockprinzip dient ja so wunderbar der Ablenkung eigener Defizite. Wenn ich an den Film “Alphabet” denke, in dem aktuell erschreckende Bedingungen und Werte internationaler Vergleiche zwischen Bildungsinstitutionen von der Primarschule bis zur Uni untersucht werden, dann kann ich Gymnasialkollegien den dringenden Tipp geben, sich ganz gepflegt selbstverantwortlich an die eigene Nase zu fassen. In diesem Sinne gute Besserung – auch gesundheitlich.

      • Debatten über Methoden sind aber wichtig. Soll immer nur über Atmosphärisches, Moralisches, Menschliches, Menschenrechtliches, Humanitäres usw. diskutiert und damit um den heißen Brei der Unterrichtspraxis herumgeschlichen werden?
        Außerdem spricht keiner von “bösen Grundschulen”, außer denen, die sachliche Kritik an fragwürdigen Methoden unbedingt als etwas Böses und gegen die Grundschullehrer Gerichtetes verkaufen wollen.
        Dazu gehört der einflussreiche und mit seinen Unterrichtsmaterialien gute Geschäfte machende Grundschulverband. Er hat natürlich kein Interesse daran, dass seine lukrativen Methoden in Zweifel gezogen oder gar angeprangert werden.
        Er sollte sich nicht als Verteidiger und Beschützer der Grundschullehrer aufspielen und damit von der Tatsache ablenken, dass er im Methodenstreit eigentlich auf der Anklagebank sitzt. Er hat vielen Grundschulen das eingebrockt, wofür sie kritisiert werden. Also sollte er sich selbst statt andere verteidigen.
        Die Lehrer medienwirksam in Schutz zu nehmen bedeutet nämlich auch, mit dem Finger auf sie zu zeigen und sich selbst einen schlanken Fuß zu machen.

      • Naja, der Grundschulverband verweist darauf, dass die Kritik an diesen “Methoden” empirisch nicht hinreichend gesichert ist. Mag sein, aber wo ist denn der empirische Nachweis, dass eben diese Methoden etwas VERBESSERT haben, was vorher schlechter war? Denn deshalb werden doch Reformen durchgeführt, nicht um hinterher sagen zu können, na schlechter ist es doch gar nicht geworden. Was also ist nachweislich besser geworden? Welche “Kompetenzen” haben sich jetzt etwa zum Ende von Klasse 4 erhöht? Bei der Rechtschreibung gibt es erhebliche Zweifel von vielen.

      • Ihr ewiger Vortrag von der angeblichen “Kuschelpädagogik”, Sofawolf, ist ein Paradebeispiel für eine Diskussion auf Stammtischniveau um die Arbeit der Grundschulen – eine Phrase, ein Schlagwort, und nichts dahinter. Ich habe Sie mehrmals gebeten zu konkretisieren, was Sie denn überhaupt damit meinen. Was kam? Nichts (außer eine schier endlose Wiederholung des Kampfbegriffs).

        Jetzt kommen Sie auch noch mit der DDR – geht’s noch billiger? Nicht jede Behauptung ist ein Faktum, und ein belegtes Argument ist stichhaltiger als ein unbelegtes. Die Aussagen, die Sie im Text oben finden, sind allesamt im Original durch Quellenangaben wissenschaftlich belegt (ich habe mal nachgeschaut). Natürlich sind auch solche Aussagen kritisierbar – durch neuere Belege beispielsweise. Die Sonne dreht sich aber nicht plötzlich um die Erde, nur weil Sie das für ein Ergebnis demokratischer Meinungsfreiheit halten.

        • Wenn Sie nachgeschaut haben, dann widerlegen Sie bitte Cavalieri. Sie werden sicherlich auch nicht mit dessen Meinung einverstanden sein.

          • Was soll ich da widerlegen? Wir reden über einen Leistungseinbruch in den vergangenen 5 Jahren in einigen Bundesländern wie Baden-Württemberg (in Schleswig-Holstein z. B. wurden die Leistungen der Grundschüler besser). Es wurden vor 5 Jahren aber keine neue Methoden in der Grundschule eingeführt – und schon gar nicht nur in Baden-Württemberg. Dafür sind die Belastungen in den Grundschulen in den vergangenen 5 Jahren bundesweit massiv gestiegen – durch Inklusion, durch Integration, durch Lehrermangel …

            Aber nein, es muss natürlich eine Methode aus den 70er Jahren schuld sein. Lächerlich … Methoden zu verbieten – und damit die Schuld an die Lehrerinnen und Lehrer weiterzureichen -, ist für die Politik ein Klacks. Die Bedingungen zu verbessern, wäre dagegen eine Herkulesaufgabe. Na, was macht eine Kultusministerin dann wohl, um die eigene (konservative) Klientel ruhigzustellen?

          • …keine neue Methoden in der Grundschule eingeführt ?

            “Sowohl in Nordrhein-Westfalen als auch in Baden-Württemberg hat Erika Brinkmann in Arbeitsgruppen der Ministerien an der Entwicklung von Bildungsplänen bzw. Handreichungen für den Deutschunterricht in der Grundschule mitgearbeitet.”
            Das schreibt Wikipedia zu Frau Brinkmann. Schließlich war sie ab 2002 Professorin an der PH Schwäbisch-Gmünd in Baden-Württemberg. Die PHs bilden damals wie heute die Grundschullehrer aus.

        • Typisch Anna, immer schön auf die Person losgehen, die eine andere Meinung vertritt. Das Vertrauen in diese Taktik, wenn eine sachliche Widerlegung schwer fällt, scheint unerschöpflich.

          @sofawolf
          Ihre Vergleiche mit der DDR finde ich einleuchtend und stimmig. Danke, dass Sie als Ex-DDR-Bürger hier zu einem Ergebnis kommen, das ich schon mehrfach aus anderem Mund gehört und gelesen habe.
          Danke auch dafür, dass Sie oftmals bestimmte Dinge zu DDR-Zeiten aus sachlichen Gründen verteidigen, auch wenn ich da gelegentlich anderer Meinung bin. Macht aber nichts, solange ich merke, dass Sie aufrichtig und ehrlich argumentieren, sogar mit Mut!
          “Ich lasse mir den Mund nicht mehr verbieten, benutze meinen eigenen Verstand und laufe keiner als korrekt vorgegebenen Meinung mehr hinterher” ist eine Einstellung, die ich mir oft bei uns Westlern als mehr vorhanden wünsche.

          • Haben Sie auch irgendeinen Inhalt zu dieser Diskussion beizutragen? Oder wollten Sie einfach nur mal zu Protokoll geben, wie wenig Sie mit Wissenschaft anfangen können – und sich deshalb die Welt lieber selbst zurechterklären.

            Hier wird übrigens niemand der Mund verboten. Es geht nur um Widerspruch – auch ich habe meine Meinungsfreiheit!

          • Erwarten Sie im Ernst, dass ich Ihnen näher antworte? Es liefe nur darauf hinaus, Ihnen erneut Vorhaltungen zu machen, die zu nichts anderem führen würden außer zu gegenseitiger Verunglimpfung.
            Da überlasse ich Ihnen gern das Feld.

          • @ Timo,

            danke. Mir geht es nicht um die DDR. Die will ich auch nicht wieder haben. Aber manche Parallelen entdecke ich gelegentlich und das ist für mich interessant, weil oft die, die es nicht selbst erlebt haben, glauben, “ihnen wäre das nicht passiert” bzw. “wie konnten die das nur mitmachen”.

            Es ist offensichtlich nicht so weit weg, wie man gerne glaubt. Einzelne Elemente leben fort bzw. wieder auf. U.U. leider.

          • Wieso widerspricht das “dem anderen” – gibt es für Sie nur eine Unterrichtsmethode? Natürlich kann (auch) Frontalunterricht Sinn machen, wobei es wiederum auf die Art und Weise ankommt.
            Ein unreflektiertes Vor-sich-hin-Dozieren macht keinesfalls Sinn.

            Lehrerinnen und Lehrer benötigen ein Methodenrepertoire, dessen Bestandteile sie je nach Unterrichtssituation nutzen und anpassen können. Wer das von oben herab beschneidet, nimmt Lehrerinnen und Lehrern ihre Professionalität – und degradiert sie zu Lehrplanerfüllern.

            Wie wäre es wohl, wenn ein Kultusminister den Gymnasiallehrern den Frontalunterricht verbieteten würde (der in der Praxis oft genug einem Vor-sich-hin-Dozieren nahekommt)? Was für ein Aufschrei ging denn dann durch dieses Land? Aber mit den “doofen” Grundchullehrern kann man’s ja machen …

          • Wollen Sie bestreiten, dass der sog. Frontalunterricht regelrecht verteufelt wurde und “out” ist? Er soll besser gar nicht wiederkommen, vgl. Seite 8 der Schrift vom Grundschulverband und die jüngste Forderung der Landesschülerkonferenz. Das “Dozieren” (alles schläft und einer spricht) findet übrigens mehr in großen Vorlesungen an der Uni statt, aber nicht in Schulen. Ich würde erwarten, dass Frontalunterricht die Schüler beteiligt, aber eben an EINEM Geschehen in der ganzen Gruppe, nicht jeder für sich. Im übrigen siehe, was der Neuropsychologe sagt. Ich kann und will da nicht Schiedsrichter spielen. Wenn alle zufrieden sind mit dem Methoden-Mix, warum gibt’s denn den heftigen Streit und warum muss der Grundschulverband “sich wehren” ? Es scheint doch nicht alles Gold zu sein, was da glänzt.

          • Es wird ja nicht (nur) der Frontalunterricht im Sinne von Dozieren und Schlafen verteufelt, es wird viel allgemeiner der lineare lehrerzentrierte Unterricht kritisiert. Ich möchte nicht oder vielleicht doch gerne wissen, wie sehr der in Grundschulklassen noch praktiziert wird, gerade wenn die Lehrkraft mal nicht 27 Zeitstunden für die Unterrichtsvorbereitung investieren konnte. Gerade bei anspruchsvollen Inhalten wie z.B. Kommaregeln, Kasusbestimmung, schriftliche Addition bzw. aus aktuellem Anlass auch die Multiplikation wäre mir das Risiko des Scheiterns beim komplett selbstverantwortlichen Lernen viel zu hoch, zumal die erarbeiteten Inhalte so oder so im Plenum geprüft werden müssen.

          • “degradiert sie zu Lehrplanerfüllern” ???
            Das ist ja interessant. Ich dachte bisher immer, die Lehrpläne “von oben herab” seien tatsächlich dazu da, um erfüllt zu werden.
            Danke, Anna, dass Sie mir die Augen öffnen und ich endlich weiß, welche perfiden Absichten hinter den Lehrplänen stecken.

            Übrigens habe ich weder bei mir noch bei Kollegen wahrgenommen, dass unser Frontalunterricht häufig “einem Vor-sich-hin-Dozieren nahekommt”. Danke auch hier, dass Sie mir klarmachen, was wir Lehrer doch so an liebgewordenen Selbstgesprächen führen und uns dabei noch einbilden, dass wir damit die Schüler erreichten.

            Und schließlich noch danke für den Hinweis auf das “Methodenrepertoire”. Verschiedene Methoden anzuwenden vergessen ja so viele von uns und dozieren lieber nur ständig vor sich hin.
            Ach, wenn wir Sie als Expertin nicht hätten, die so wunderbar klugschwätzen kann.

          • Man könnte auch mal umgekehrt fragen, welche Lehrerpersönlichkeit mehr mit dem Unterricht an sich auseinandersetzt:

            Der Dozent (im Wahrsten Sinne des Wortes) oder der nur eigenverantwortlich lernen lassende

            Ersterer hält im Extremfall eine Vorlesung (ist also dauerhaft im Thema), letzterer gibt im Extremfall den Schülern zu Beginn der Stunde einen Haufen Zettel zum Abarbeiten.

            Natürlich sind das Extremfälle, die in der Form hoffentlich nie vorkommen. Ein guter Lehrer weiß genau, welche Methode zu welchem Unterrichtsinhalt und -ziel in der verbleibenden Zeit am besten passt. Ich gehe davon aus, dass lineare Lehrerzentrierung auch in der Grundschule ökonomischer mit der zur Verfügung stehenden Zeit umgeht als die Schülerzentrierung, gerade wenn die Inklusionsschüler von der Förderschulkraft betreut werden und die Flüchtlingskinder durch eine externe Kraft Deutschunterricht haben.

          • “…gerade wenn die Inklusionsschüler von der Förderschulkraft betreut werden und die Flüchtlingskinder durch eine externe Kraft Deutschunterricht haben”

            Selten so gelacht…
            …oder ist das Ihr Ausdruck für “so gut wie nie”?

  4. Es macht gar keinen Sinn auf diesen Unsinn dieser selbst ernannten Bildungsexperten Brügelmann/Brinkmann noch einzugehen.

    • Und was soll dieser Link zum Professoren-Duo Brinkmann/Brügelmann ?
      Wie wissenschaftlich arbeitet dieses Duo eigentlich?

      • Vielleicht hätte es mal eine wissenschaftliche Kritik der Anlauttabelle als solcher geben sollen. Nehmen wir mal diese beiden Versionen hier:
        http://herder.philol.uni-leipzig.de/projekte/alpha/frames/main5.3.htm
        Folgendes fällt auf den ersten Blick auf (neben der hohen Zahl von 36 Einzellauten rechts):
        1. Es gibt nur eine Version vom “ch”, entweder weich oder hart. Wobei mir nicht klar ist, ob der Schweizer “Chinese” weich oder hart ausspricht. Egal, in der rechten Tabelle gibt es kein weiches “ch”, also kann man “weich, reich, gleich, bleich” usw. nicht schreiben. Außerdem führt dann “Christian” zur Schreibweise “Kristian” (was noch angehen mag)
        2. Das Wort “Eule” kann man nach der Tabelle nicht schreiben, obwohl es ein Bild einer Eule gibt. Man kommt nur bis “Eul–“. Das unbetonte kurze “e” am Wortende (das im Deutschen sehr häufig ist) fehlt einfach in der Tabelle, es gibt nur das lange betonte “e”.
        3. Das Wort “Vase” kann man aus demselben Grund nicht schreiben, man käme nur bis “Was–“. Und “v” gibt es nur als denselben Laut wie “f”. Also: “Fata” statt “Vater”.
        4. Ein Wort wie “Eidechse” geht schon mal gar nicht aus mehreren Gründen.
        5. Den “Dinosaurier” gibt es als Bild, aber den rein nach der Tabelle zu schreiben muss mit “Dinosaurir” oder “Dinosauria” enden, denn das kurze “e” dazwischen fehlt. Ebenso bei der “Säge”, die abgebildet ist. Weil das abgebildete “ä” aber kurz ist (“Äpfel”), wäre am logischsten die Schreibweise “Segä”. Also nicht einmal die Wörter, die direkt zu den Bildern passen, können problemlos danach geschrieben werden.
        6. Die “Maus” kann man danach schreiben, aber der Plural lautet dann “Meus–” mit fehlendem Endlaut “e” oder “Meusä”. Was bei “Mäuschen” herauskäme, will ich lieber nicht überlegen, wenn das weiche “ch” fehlt. Ebenso bei allen Verkleinerungen “–chen”,
        auch “Mädchen”, was zusätzlich mit “Med–” beginnen würde, weil man das in großen Teilen von Deutschland tatsächlich so ausspricht (ohne Dialekt). Das “Madel” würde immerhin zu “Madl”, was dann im Süddeutsch-Österreichischen schon fast wieder richtig wäre (das Madl auf dem Radl).
        7. Das Bild für “ö” soll wohl “Öl” bedeuten, aber das muss man raten. Man könnte auch an “Flasche” denken, denn wer soll genau wissen, was da drin ist?
        Das alles sind nur ein paar Dinge, die mir auffallen. Ich wundere mich, dass man das den Erstklässlern zumutet, und bin froh, dass man es mir erspart hat. Wer Dialekt spricht, ist schon mal völlig verloren. Der Berliner würde schreiben: “Ick wärd mal nachkikn” und “jutjämacht”. Die Bayern im Forum könnten sicher “würziges” beisteuern.

        • Bei uns an der Schule lernen die Schüler nach der Auer – Fibel lesen.
          https://www.klett.de/lehrwerk/die-auer-fibel-bayern-neubearbeitung-2014/konzeption
          In den weiteren Klassen führen wir Konzept mit dem Sprach- und Lesebuch fort. (Mit diesem Werk – für Klasse 3/4, da habe ich die Erfahrung – bin ich sehr zufrieden) Wer sich dafür interessiert, kann sich gerne beim Klett- Verlag die Konzeption anschauen – da gibt es ausführliche Informationen.

          In unserem Lehrplan steht für Klasse 1/2 in Bezug auf die Rechtschreibung bei Texte planen und schreiben:
          – Die SuS zeigen beim Schreiben eigener Texte Rechtschreibbewusstsein.
          – Die SuS gestalten ihren fertigen Text ansprechend und rechtschriftlich korrekt für eine Veröffentlichung.

          Außerdem haben wir einen Grundwortschatz zu den ganzen Rechtschreibstrategien. Ich denke, das macht jede Diskussion in Bezug auf die Rechtschreibung zumindest für das Bundesland, in dem ich unterrichte, überflüssig.

    • Nun ja, 20.000 Grundschulllehrerinnen und -lehrer allein in Nordrhein-Westfalen sehen diesen “Unsinn” – der im Übrigen im Original mit wissenschaftlichen Belegen versehen ist – genauso.

      https://www.news4teachers.de/2018/04/ministerin-stellt-methoden-der-grundschulen-infrage-vbe-praesentiert-petition-mit-fast-20-000-unterschriften-empoerter-lehrer/

      Und – nur mal nebenbei: Wer sind Sie denn, dass Sie anonym die Seriösität von Professoren, die mit ihrem Namen und ihrer Arbeit in die Öffentlichkeit gehen, bezweifeln? Ganz schön billig …

        • Wenn das tatsächlich stimmt, sollte eigentlich jede Zusammenarbeit mit jedem Schulbuchverlag eingestellt werden. Auch der Mathematikunterricht gelingt ohne Buch, die Lehrer schreiben dann ihre Aufgabenblätter von Hand, die Merksätze kommen mit Kreise an die Tafel.

      • Sie sind und bleiben eben eine unkritische Anhängerin dieser neuen Heilslehre und die passenden Worte entfahren ihnen nicht aus dem Mund sondern aus dem Mund.

      • @Anna
        Wenn Sire mich als “Teil eines Problems “bezeichnen, so kann es sich nur um das Problem der öffentlichen Kritik an der von ihnen vertretenen Schulpädagogik des Spracherfahrungsansatzes nach Brügelmann sein, der aber seinerseits ein Teil des Problems der Risikokinder darstellt, sich Lesen und Schreiben eigen initiativ beibringen zu müssen. Erst einmal die Schüler mal machen lassen, ohne Instruktion, Feedback und dem strukturierten Vermitteln der Haupt- und Orthographeme.
        Sie ertragen keine sachlich fundierte Kritik an diesen neuro-physiologisch umstrittenen Methoden, lehnen Vergleichsstudien ab, die eine deutlich ineffektivere Vermittlung der Grundkenntnisse im Lesen und im Schreiben nachweisen, einfach das Erlernen dieser Fähigkeiten bis zum Ende das 9.Schuljahr verschieben, wo nach dem 3.Schuljahr nicht mehr viel an den falschen, weil lautorientierten Schreib- und Lesestrategien, korrigierbar ist und Sie lehnen Lehrgänge unter der Anwendung linguistisch begründeter und strukturierte Lehrmethoden ab.
        Ihre favorisierten Methoden haben dort ihre Grenzen, wo diese nachhaltig Schäden bei Schülern im weiteren Lernprozess bewirken, deutlich ineffektiver sind als andere Methoden, z.B strukturierte Lese- und Schreiblehrgänge, oder wenn diese zu einer Benachteiligung der Risikogruppen führen, und das ist dem an Anlaut-Tabellen angelehnten Methoden mit LDS, Spracherfahrungsansatz und der Rechtschreibwerkstatt eben eigen.
        Letztendlich liegt es im Verantwortungsbereich der Kultusministerien, ob diese von Ihnen praktizierten Methoden weiter angewendet werden dürfen oder nicht, genauso wie diese in NRW durch die Einflussnahme des Grundschulverbandes, namentlich hier Frau Brinkmann und Herr Barnitzki, zur Zeit noch als Fachdidaktische Anleitung als PDF-Datei einsehbar sind.

  5. @ Anna, ich kann mich nicht erinnern, mit Ihnen über die verbreitete Kuschelpädagogik diskutiert zu haben. War das hier oder in dem anderen Forum? Oder sind Sie das Zweitprofil von Palim? Mit der hatte ich letztens darüber diskutiert, die fragte mich nach Belegen, äußerte sich aber nicht mehr zu denen, die ich brachte. Jedenfalls habe ich es nicht mehr mitbekommen. Es passiert immer wieder, dass ich eine Diskussion nicht wiederfinde …

    Jedenfalls scheinen Sie ja gut über das informiert zu sein, was ich hier immer so schreibe. Dann müssten Sie das ja wissen, was ich an Beispielen brachte oder schauen Sie halt nach. Sie haben durchaus Recht mit der Sonne und der Erde. Ich werde Ihnen nicht nachlaufen, wenn Sie etwas nicht wahrnehmen, aber Sie sollten nicht glauben, dass es nicht gibt, wovon Sie nichts wissen. DAS wäre wirklich zu billig.

  6. Wann gibt es endlich einen Bericht darüber, warum das Niveau des Abiturs so gesunken ist. xxx erzählt ja auch mal gerne hier von den gesunkenen Anforderungen. Welche Methode ließe sich wohl finden? Oder geht das angeblich immer noch auf LdS zurück, nach 12 Schuljahren?

    • Ihr Kommentar kann doch nicht wahr sein. Haben Sie alles verschlafen, was auch über die Versümnisse und Fehler im Mathematikunterricht zur Debatte stand?

      • @stillmann: Warum ziehen wir nicht endlich mal alle an einem Strang? Sie merken, dass es schwieriger ist, etwas an die heutigen Gymnasiasten ranzubringen und wir merken das in der Grundschule genauso. Also, woran liegts? Wenn Grundschullehrer jetzt einzig die ganze Leistungsfähigkeit und Zukunft eines Menschen bestimmen, dann gehört der Berufsstand aber endlich mal aufgewertet. Wenn die “Versäumnisse” der Grundschule nie mehr aufgeholt werden können, dann sind WIR die Wichtigsten hier.

        • Das “Niveau des Abiturs” kann nicht einfach auf Versäumnisse der Grundschule zurückgeführt werden, LdS führt vermutlich zu Rechtschreibproblemen, aber nicht automatisch zu mehr. Nein, wenn jeder, der halbwegs lesen und schreiben kann, aufs Gymnasium geschickt wird und am Ende eine Hochschulzulassungsquote von 60 % oder mehr herauskommen soll (eine Art politische Vorgabe im Namen der sozialen Gerechtigkeit), dann ist klar, dass man durch Veränderung der Spielregeln im Abitur dem Rechnung tragen musste. Die Inflation der vielen 1,0-Abiture spricht auch für sich. Nicht nur die Übergangsquote aufs Gymnasium ist gegenüber früheren Jahrzehnten drastisch gestiegen, sondern auch die Quote derjenigen gymnasialen Fünftklässler, die am Ende ein Abitur bestehen.
          Eine sehr simple Lösung des Problems könnte in höheren Eingangs-Hürden (hinsichtlich der Vorkenntnisse) für das Gymnasium oder wenigstens für die Oberstufe bestehen, kombiniert mit höheren Anforderungen im Gymnasium selbst, eben auch dezidiert höheren als an Gesamt- bzw. Gemeinschaftsschulen. Dieses “Aussieben” will aber keiner, es gilt als konservativ, elitär, abschottend, ungerecht, politisch rechts usw.
          Anders formuliert: Wenn man die Grundschulen autorisieren würde, nur die wirklich geeigneten Leute aufs Gymnasium zu lassen, dann könnte sich das Niveau des Abiturs wieder verbessern. Ich denke eigentlich (im Gegensatz zu vielen), dass erfahrene Grundschullehrer nach ein paar Jahren sehr wohl beurteilen können, wie es um die Fähigkeiten ihrer Schützlinge steht und was man von ihnen später erwarten kann. Aber es gibt eben Druck von allen Seiten.

          • Die Zwickmühle ist ähnlich:
            Grundschulen bekommen immer jüngere Kinder mit immer gringeren Voraussetzungen, erhalten andere Lehrpläne, sollen immer vielfältigere Themen, die Anforderungen wurden verändert und Kinder müssen ganz andere Aufgaben bewältigen.

            Gymnasien bekommen Kinder mit anderen Voraussetzungen, weil sie jünger sind, weil die GS andere Pläne hatten und viele andere Aufgaben, erwarten aber “das Übliche” und sollen diese SuS zum Abitur führen. Die Gymnasiallehrkräfte sagen selbst, die Anforderungen seien andere, passt ja zu veränderten Plänen, und das Abitur auch.
            Werden die SuS abgeschult, gibt es Druck. Bleiben die SuS auf dem Gymnasium, gibt es auch Druck.

            Da helfen auch keine Vorwürfe, die Lehrkräfte an den Schulen sollten die Zeit nicht vertrödeln, einzelne Methoden unterlassen, dann würde es auch besser mit den Leistungen klappen.

            Wenn Grundschullehrkräfte so alles entscheidend für die Schullaufbahn sind, dann sollte man in diese Schulen investieren, in die ersten 4 Jahre der Schulzeit (und 2 Jahre Kindergarten zuvor).
            Dann wären die anderen Schulen und Lehrkräfte ja zweitrangig und könnten sich stets damit herausreden, dass sie selbst nicht in der Lage seien, Kinder entsprechend zu beschulen.

            Nach der Einteilung durch die Grundschullehrkräfte läuft der Unterricht dann in den weiterführenden Schulen wie am Schnürchen mit den begabten SchülerInnen. Einfache Aufgabe für die Lehrkräfte.

            Und weil die Grundschullehrkräfte so erfahren sind und so gründlich arbeiten, legen sie auch fest, wer auf die Schule gehen kann, in der besondere Förderung mit bester Ausstattung für all die bereit steht, die es alleine nicht schaffen und ansonsten in Zukunft die Gesellschaft belasten würden als selbst mithelfen zu können. Schwierige Aufgabe für Lehrkräfte.

    • Wenn in jedem Schuljahr versäumt wird, addiert sich das im Laufe von 12 oder 13 Schuljahren. Punkt. Dabei wirken sich die Versäumnisse der frühen Schuljahre stärker aus als die der späteren. Erstens, weil das grundlegendere Dinge sind, zweitens, weil das kindliche Hirn noch schneller lernt als das jugendliche, drittens, weil das frühe Hirn das Lernen leichter lernt als das jugendliche Hirn. Daher müsste eigentlich die Grundschule so anspruchsvoll werden, dass auch die guten Schüler ackern müssten. Das widerspricht aber der sofawolf’schen Kuschel- und Wohlfühlpädagogik des selbstentdeckenden (nicht-) Lernens.

      • Nein, das widerspricht dem selbstentdeckenden Lernen gerade nicht.
        Gute Schüler erhalten die Möglichkeit in ihrem Tempo und auf ihrem Niveau zu lernen und sich mit Inhalten zu beschäftigen, die andere erst viel später erreichen (wenn überhaupt). Das beflügelt Anstrengungsbereitschaft, Neugier und Interesse, es motiviert, sich um eine Aufgabe zu kümmern, und viele Kinder sind hochmotiviert, engagiert und sehr fleißig dabei und erreichen weit mehr, als sonst üblich.
        Unterricht in der Grundschule ist so anspruchsvoll, weil alle Kinder “ackern müssen”.

        Aber dafür muss man sich als Lehrkraft mit verschiedenen Möglichkeiten beschäftigen und sich nicht einreden lassen, dass offenere Formen des Unterrichts generell ein “sich selbst überlassen” bedeuten.
        Haben Sie nicht gestern geschrieben, Sie würden die SuS bei irgendeinem Ma/Phy-Thema auch entdeckend lernen lassen? Ist das dann Kuschelpädagogik?

        Was machen denn die guten Schüler am Gymnasium, wenn sie mit dem “Standard-Programm” fertig sind?

        • Das kenne ich anders. Wenn ich meine guten und gleichzeitig faulen Schüler frage, wie viel sie in der Grundschule tun mussten, meinen die so gut wie nichts.

          • Klar.
            Wenn ich Eltern frage, sagen die einen, die Hausaufgaben seien viel zu viele und überhaupt nicht zu schaffen,
            und die anderen wünschen sich die doppelte bis dreifache Menge.

            Und wenn ich meine SuS frage, haben wir viel zu wenig (also quasi nie) Sport, Musik und Kunst gemacht und zu wenige Ausflüge.
            Das bedeutet aber nicht, dass es diesen Unterricht und diese Aktionen nicht gab.

            Was machen denn die guten Schüler nun am Gymnasium, wenn sie mit dem “Standard-Programm” fertig sind? Was bieten Sie ihnen an?

          • “So gut wie nichts…”
            Ja, das kommt vor, dass Schüler nichts Zusätzliches lernen müssen und trotzdem alles können, d.h. Unterricht und Hausaufgaben reichen für diese Schüler. In der Grundschule geht das bei wenigen Kindern.
            Manche von diesen Kindern haben dann das Problem, dass sie im Gymnasium ums zusätzliches Lernen nicht herumkommen und das lernen müssen. Diese Phänomen gab es übrigens schon immer. Ich weiß von älteren Erwachsenen, denen es ebenso erging.

        • @Palim
          “Ackern müssen” hört sich sehr nach dem Vokabular nach Brügelmanns Lehrgang “Lernstube Büffelstübchen” an. Das entspricht aber einer sehr antiquierten Methodik, anstatt die Transkription zwischen der Sprache und der Schrift anleitend und einübend zu vermitteln, mit Rückmeldungen und Hilfestellungen den Schülern gegenüber.
          Hat der Brügelmann doch was aus alten Kindertagen übernommen, nicht gerade sehr schülerorientiert.

          • @Ignaz
            Dann müsste wohl xxx Brügelmann gelesen und verinnerlicht haben, da dieser Begriff aus dem vorangegangenen Beitrag übernommen wurde.

          • XXX hat Brügelmann nicht verinnerlicht. Mir kam das so spontan in den Sinn als Assoziation.
            Also besser den kognitiven Zugang zum Lernstoff, als ein stures Auswendiglernen und fehlende nachhaltige Vertiefung der Lerninhalte.
            Englische Vokabeln lernt man auch besser im kognitiven Kontex einer in Teiolen bebilderten Geschichte, zum Beispiel mit der Figur Kwiatkowski, mit eingestreuten neuen Fremdwörtern und in Teilen mit deutschen Übersetzungen.
            Das macht den Kinder auch sehr vielmehr Spaß, wenn man gemeinsam abwechselnd die Sätze liest und kurze Eräuterungen möglich sind, so diese erwünscht sind.

      • @ xxx (ZITAT): “Das widerspricht aber der sofawolf’schen Kuschel- und Wohlfühlpädagogik des selbstentdeckenden (nicht-) Lernens.”

        Das klingt aber missverständlich. Sie meinen sicherlich, dass widerspricht der Kuschel- und Wohlfühlpädagogik, die Sofawolf kritisiert und nicht, die Sofawolf propagiert. Tut er (oder sie?) nämlich nicht. 🙂

        • Danke für die Konkretisierung. Ich meinte in der Tat Ihre Haltung zur Kuschelpädagogik. Sie sind die Person, die hier in den Kommentaren das Wort Kuschelpädagogik so ziemlich am häufigsten verwendet.

  7. Es geht doch nur um eines, die weiterführenden, allgemeinbildenden Schulen können ihre heheren Ziele nicht erreichen, da die Grundschullehrkräfte versagen. Beklagt wird j eben nicht, dass die GY-Lehrkräfte es nicht schaffen, ihre Kernlehrpläne mit der vorhandenen Schülerschaft nicht umsetzen zu können, sondern die tatsache, dass die individuellen Voraussetzungen der heutigen Schülerschaft nicht mehr denen der selben Alterskohorte von vor zwanzig Jahren entsprechen. Diejenigen, die dafür verantwortlich sind, sind die Grundschullehrkräfte. Die haben halt das Pech, am Ende der schulischen Fresskette zu stehen _ bzw. am Anfang, da es keine Kindergartenpflicht gibt.

    Ich könnte jedesmal speien bei diesen leidigen Diskussionen, schließlich schöpfen die GY immer noch den Rahm ab. Zwischen 50 und 50 Prozent der Grundschulabgänger landen nämlich an Realschulen und anderen Schulformen der SekI. Gleichzeitig sollen diese Schulformen aber die Hauptlast der Inklusion und der Integration von Migranten übernehmen. Und dafür bekommen sie anschließend wegen der sinkenden Ausbildungsfähigkeit auch noch eins drüber.

    Vielleicht sollten die GY darüber sinnieren, ob sie nicht zu einer altsprachlichen Sprachfolge zurückkehren, Latein ab Klasse 5 und Altggriechisch ab Klase 8. Viele ihrer angeblichen Probleme würden sich in Luft auflösen.

    • Wenn Sie noch den Lehrplan problemlos abarbeiten können – trotz Inklusion, Integration und ohne Realien, die ja auf dem Gymnasium sind -, dann wirft das ein sehr schlechtes Licht auf den Lehrplan der Sek I-Schulen. Es ist also kein Wunder, dass die Ausbildungsbetriebe über Qualität der Azubis meckern. Die Gymnasien haben die Lehrpläne auch schon massiv abgespeckt, was sich auf den Hochschulen bemerkbar macht.

      • Der Lehrplan bzw. die Kernrichtlinien sind größtenteils Makulatur. Sie sind allenfalls mit den E-Kursen zu erreichen. Die Erreichung der Ziele mit den G-Kursen gelingt nur bedingt, da der überwiegende Teil der angesetzten Unterrichtseinheiten für Sozialtrainings geopfert werden muss.

        • Das ist traurig und wirft gleichzeitig ein noch schlechteres Bild auf die Zentralen Prüfungen auf G-Kursniveau, die trotz des Sozialtrainings an Stelle des Unterrichts vom überwiegenden Teil der Schüler bestanden werden. Nicht zwangsläufig mit Note 1 oder 2, aber immerhin so, dass sie am Ende der Klasse 10 den Hauptschulabschluss haben.

          • Ich hab mir gerade mal die ZAP-Deutsch-NRW-Hauptschule angeguckt… Das sollte echt machbar gewesen sein. Vielleicht ist das heute anspruchsvoller, aber 2012 war das ein einziger Witz.

          • Ich habe mal sehr grob über die Matheprüfungen geschaut. Die für den E-Kurs sind schon bescheiden, für den G-Kurs kann ich das mit dem Witz unterstreichen.

            Übrigens waren die Musterlösungen auch nicht viel besser. Man konnte sich berechtigt fragen, ob die Ersteller derselbigen Mathematik in der Schule hatten oder nicht. Dabei rede ich noch nicht einmal von einem Studium.

      • Soziales Lernen oder “Sozialtrainings” stehen nun schon seit Ewigkeiten im Mittelpunkt schulischer Bemühungen, und das auf Kosten anderer Lernihnhalte.
        Wann werden diese Aktivitäten eigentlich mal hinterfragt, denn der Erfolg ist doch offensichtlich gleich null, wenn nicht sogar im Minusbereich.
        Und dann ist heute wieder von einer beabsichtigten weiteren Stärkung der Schülerrechte zu lesen. Da kann man sich doch nur noch an den Kopf fassen.
        Anna oder unverzagte traue ich höchstens zu, dieses erfolglose Sozialgedöhns zu verteidigen und ihm vielleicht sogar Lob zu spenden.

        Soziales Verhalten wird von den Schülern nur ernst genommen, wenn es von Leuten verlangt wird, vor denen sie Respekt haben, weil diese auch unbequem werden können und DÜRFEN. Wenn ihnen eine lähmende Furcht im Nacken sitzt, dass sie dafür zur Rechenschaft gezogen werden können, ist es aus mit der Respektsperson und dem Durchsetzungswillen.
        Die Kinder wissen doch genau, wie gutes Sozialverhalten aussieht. Sie können es rauf- und runterbeten, weil es so oft vorgebetet wird.
        Es fehlt nicht an Aufkärung, sondern am Umsetzungswillen, es fehlt am mangelnden Ernstnehmen der Erwachsenen, auch der Lehrer. Kinder gleichen heute goldenen Kälbern, um die alles herumtanzt und die höchstens um etwas gebeten werden dürfen, nicht aber zu etwas gezwungen.
        Deswegen brauchen Lehrer ja auch immer weniger Rechte und die Schüler immer mehr. Welch ein Irrsinn!

        Unter diesen Umständen ist das soziale Lernen ein Witz und die Kinder sind zu bedauern, dass sie Lehrer haben, die auf Geheiß von oben immer weniger als Respektspersonen empfunden werden. Bei denen hätten sie es viel leichter mit dem sozialen Lernen und Einhalten von Regeln, kurz: mit dem Erlernen von Selbstdisziplin zum Wohle aller, auch von sich selbst.

        • @ Corinna (ZITAT): “Soziales Lernen oder “Sozialtrainings” stehen nun schon seit Ewigkeiten im Mittelpunkt schulischer Bemühungen, und das auf Kosten anderer Lernihnhalte.
          Wann werden diese Aktivitäten eigentlich mal hinterfragt, denn der Erfolg ist doch offensichtlich gleich null, wenn nicht sogar im Minusbereich.
          Und dann ist heute wieder von einer beabsichtigten weiteren Stärkung der Schülerrechte zu lesen. Da kann man sich doch nur noch an den Kopf fassen. […]
          Soziales Verhalten wird von den Schülern nur ernst genommen, wenn es von Leuten verlangt wird, vor denen sie Respekt haben, weil diese auch unbequem werden können und DÜRFEN. Wenn ihnen eine lähmende Furcht im Nacken sitzt, dass sie dafür zur Rechenschaft gezogen werden können, ist es aus mit der Respektsperson und dem Durchsetzungswillen.”

          Das ist auch meine Erfahrung.

  8. Ist es nicht erstaunlich, dass wir alle immer wieder über das Niveau der Rechtschreibleistungen diskutieren (hier eher streiten?) müssen? Noch erstaunlicher ist es, dass es exakte Daten (Längs- und Querschnittsanalysen) über den orthographischen Leistungsstand von Dritt- und Achtklässlern gibt. Diese Daten wurden erhoben und liegen vor. Stopp! Leider sind diese Daten nicht öffentlich zugänglich (Ausnahme: ab und zu für Berlin). Es sind die Vergleichsuntersuchungen (VERA) 3 und 8, erstellt vom IQB, Berlin (die auch die Bildungstrend-Studien durchführen). Diese Ergebnisse wollen wir doch ALLE sehen, oder?

  9. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Das ist eine alte Weisheit.

    Kinder, die in der Grundschule bestimmte Dinge nicht gelernt haben, brechen später ein, können kaum noch mithalten, können nicht mehr nachholen, was sie versäumt haben. Oft stehe ich vor dem Problem, Grundlagen nachzuarbeiten, die nicht vermittelt worden sind. Das kostet Zeit, aber es hat oft keinen Sinn, im Stoff weiterzugehen, wenn die Grundlagen nicht vorhanden sind. So schaffe ich das so manches nicht, was ich eigentlich schaffen müsste und der nächste Lehrer steht wieder vor dem Problem, das Versäumte nachzuarbeiten oder weiterzugehen mit den wenigen, die es trotzdem können (durch Nachhilfe, Talent, Eigeninteresse …).

    Insofern sind schlechtere Abiturleistungen durchaus mit mangelnder Grundschulbildung zu begründen, aber hier sehe ich auch einen starken Grund darin, wer heutzutage alles ans Gymnasium gehen darf. Das räume ich gerne ein!

    • Wenn die ganze Bildungskarriere sich allein in der Grundschule entscheidet, bin ich dafür, die Gehälter der Grundschullehrerinnen und -lehrer zu verdoppeln – denn die tragen ja offenbar die Verantwortung für die Sek I und II mit.

      • Kann man machen, wenn die Ausbildung auch doppelt so anspruchsvoll wird. Bedenken Sie aber, dass die Erzieher einen noch viel wichtigeren Job haben.

      • Das finde ich wieder nach der Art von Palim “schlampig argumentiert”, denn was Sie als Voraussetzung für Ihre Schlussfolgerung formulieren, habe ich gar nicht gesagt. Außerdem müssten ja dann Kindergärtnerinnen oder Hebammen in Ihrer Logik am meisten verdienen. Das ist einfach selbstverliebter Quatsch. Würde man weiter denken wie Sie, müssen doch wohl die Bauern am allermeisten verdienen, denn ohne Nahrung käme wohl niemand von uns aus.

        Dass frühkindliche Bildung maßgeblich für den weiteren Lebensweg ist, ist wenigstens seit ein paar Jahren allgemein anerkannt. Die Berechtigung unterschiedlicher Bezahlung schöpft aus etlichen anderen Quellen. Da Sie ja angeblich meine Argumentation kennen, muss ich das ja hier nicht wiederholen. Benutzen Sie einfach die Such-Funktion.

        • Die Landwirte sollten echt mehr als wir verdienen! Sie arbeiten auch deut!ich mehr als Lehrer!!!! Was hier rumgeheult wird, ist unerträglich.

          • Es wäre mal interessant, was dabei herauskäme, wenn man Löhne und Gehälter nach “Überlebensnotwendigkeit” eines Berufstandes bestimmen würde, also wie sehr wir “ohne Verlust” auf diesen “Job” verzichten könnten oder nicht.

            Da würden sich manche ganz schön wundern.

          • Ich kann Ihnen nur zustimmen, Hermine. “Was hier rumgeheult wird, ist unerträglich”, auch für mich als Grundschullehrerin, die beruflich ganz andere Sorgen hat als ausgerechnet ihre Gehaltsstufe.

    • Vielleicht gehen sie davon aus, dass die Grundschule Zulieferbetrieb für das Gymnasium sind. Falsch, wir haben einen Lehrplan und den erfüllen wir nach Möglichkeit. Doch auch uns fehlen Grundlagen der Schüler die sie eigentlich mitbringen müssten. Stifthalten, mit der Schere schneiden, sich auf einem Stuhl halten ohne runter zu fallen, Anweisungen folgen und sich an Regeln halten sind heute keine Selbstverständlichkeit mehr. Da kann alles durchaus länger dauern als das vorgesehen ist. Und was heißt hier nachbessern? Wenn Schüler nach den Sommerferien wieder in die Schule kommen und man wieder bei Null anfangen kann, dann möchte ich gerne mal sehen wie sie dann arbeiten. Außerdem sitzen da nicht die vorsortierten Schüler wie im Gymnasium sondern die ganze Vielfalt und ich finde auch die Kinder die nicht auf das Gymnasium gehen haben meine Aufmerksamkeit verdient.
      Außerdem erlebe ich derzeit als Mutter das versagen einiger Gymnasialkollegen, die definitiv ihren Lehrplan nicht erfüllen und an den Kindern vorbei unterrichten. Vielleicht sollten die Kollegen mal vor der eigenen Tür kehren.

      • In irgendeiner Diskussion hier war Gelegenheit, mal über die weiterführenden Schulen zu diskutieren. Warum beteiligten Sie sich nicht daran und formulieren hier wieder nur Nebulöses?

        Selbstverständlich ist die Grundschule “Zulieferer” für die weitergehenden Schulen, wobei ich es anders nennen würde. Die Grundschule soll Grundlagen vermitteln (mindestens Lesen, Schreiben, Rechnen). Für alle weitergehenden Schularten übrigens. Dass Sie an den Grundschulen nicht alleine schuld sind, dass das immer weniger gelingt, habe ich oft gesagt und betont. Dass auch Sie auf die Vorarbeit anderer angewiesen sind (wobei es ja keine Kindergartenpflicht gibt), glaube ich Ihnen gern.

      • Ich sage es nochmal: Wir sollten endlich alle an einem Strang ziehen, anstatt gegenseitig aufeinander herumzuhacken. Das “Grundschülermaterial” ,Entschuldigung für die Ausdrucksweise, ist für uns auch anders als früher. Woran es liegt, kann ich zwar vermuten, aber ich muss mit den Schülern so arbeiten, wie sie sind.
        Dass hier so ausgiebig in einem anderen thread an der falsch beigebrachten Multiplikation herumdiskutiert wird….Dieses Beispiel ist für mich jetzt ein echter Einzelfall. Es ist schon ein grober Fehler, aber nunmal passiert. Man bringt es den Schülern halt nochmal richtig bei, das muss doch zu machen sein.
        Dass Grundschüler nach den Ferien, besonders nach den Sommerferien manches vergessen haben, sehr gerne z.B. die schriftliche Subtraktion, damit rechnen wir in der Grundschule immer und nach kurzer, aber notwendiger Wiederholung der Sachverhalte, ist bei den meisten wieder der Stand vor den Ferien hergestellt. Fünftklässler sind noch keine Gymnasiasten und müssen erst den Übergang aus der bekümmernden Grundschule schaffen.

  10. @Sofawolf
    So ist es.Und es sind diese sensiblen Zeitfenster, das 6. bis 10. Lebensjahr , innerhalb derer man das Lesen , Schreiben und Rechnen in seinen Grundlgen erlernen kann, innerhalb derer man sehr intensiv und wechselseitig mit den Schülern arbeiten muss, damit die Grundlagen angelegt werden.
    Diese Zeit in der Steuerung den Schülern als eigen initiatives Lernen zu überlassen ist fahrlässig , verhindert einen schnellen, strukturierten Lernzuwachs und ist später mit um so mehr Arbeitsaufwand nicht mehr aufholbar, da die neurologischen Fenster geschlossen sind.
    Es handelt sich auch nicht um natürliche , automatisch sich ausbildende Lernvorgänge , wie etwa das Erlernen des Gehens, des Kletterns oder das Erlernen des Schluckvorgangs.

  11. @einfällt Es ging hier ja wohl nicht um Überlebensnotwendigkeit, sondern um Arbeitsaufwand.
    Und da haben Landwirte eben deutlich mehr als Lehrer – u d nur 26 Tage Urlaub.

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