Gegen den Lehrermangel: Teilzeit-Referendariat soll die Ausbildung attraktiver machen

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STUTTGART. Das baden-württembergische Kultusministerium möchte die Lehrerausbildung in Zeiten des Lehrermangels attraktiver machen: Von 2019 an können angehende Lehrerinnen und Lehrer ihr Referendariat auch in Teilzeit absolvieren. “Diese Möglichkeit richtet sich an Lehrkräfte aller Schularten, die ein Kind betreuen oder einen Angehörigen pflegen sowie für schwerbehinderte Lehrkräfte”, so heißt es. Im vergangenen Jahr hatte bereits Nordrhein-Westfalen ein Teilzeit-Referendariat eingeführt.

Immer mehr Bildungsministerien möchten Nachwuchs in den Lehrerberuf locken – (auch) mit Teilzeit-Angeboten. Foto: Shutterstock

Von 2019 an können angehende Lehrerinnen und Lehrer in Baden-Württemberg erstmals ihren Vorbereitungsdienst („Referendariat“) auch in Teilzeit absolvieren. Zum Jahreswechsel hat das Land die gesetzlichen Grundlagen dafür geschaffen. Voraussetzung war eine entsprechende Änderung des Landesbeamtengesetzes, die der Landtag Ende des Jahres 2018 auf Initiative des Kultusministeriums vollzogen hat. Auch die Ausbildungs- und Prüfungsordnungen wurden angepasst.

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Vereinbarkeit von Familie und Lehrerberuf

„Mit dem Vorbereitungsdienst in Teilzeit greifen wir einen berechtigten Wunsch zahlreicher junger Menschen auf, die neben der anspruchsvollen Lehrerausbildung ein Kind großziehen oder einen Angehörigen pflegen. Das neue Modell bedeutet eine Erleichterung für angehende Lehrer bei gleichbleibender Qualität der Ausbildung. Damit machen wir den Lehrerberuf attraktiver“, sagte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU). Ihre Initiative sei beim gesetzlichen Anhörungsverfahren auf eine breite Zustimmung der Verbände, Gewerkschaften und Gremien gestoßen.

Im Teilzeit-Modell wird der regulär 18 Monate dauernde Vorbereitungsdienst im Umfang von 60 Prozent geleistet und verlängert sich dadurch auf 30 Monate (fünf statt drei Schulhalbjahre). Aus Gründen der Unterrichtsorganisation bleibe der Umfang auch des Teilzeitvorbereitungsdienstes an den Schuljahrestakt gebunden, individuelle Teilzeitquoten seien deshalb nicht möglich, so informierte das Ministerium. Leitlinie für den Vorbereitungsdienst in Teilzeit sei es, die Qualität der Ausbildung zu erhalten, den unterrichtsorganisatorischen Erfordernissen Rechnung zu tragen (Schuljahresrhythmus) und die prüfungsrechtlich gebotene Chancengleichheit zu wahren. Der zweite Ausbildungsabschnitt, in dem eigenständiger Unterricht stattfindet, werde dabei von einem auf zwei Schuljahre verlängert.

Die neuen Kurse der Vorbereitungsdienste beginnen für die Lehrämter des höheren Schuldienstes (Gymnasien und beruflichen Schulen) am 7. Januar. Für das Grundschullehramt, das Lehramt Werkreal-, Haupt- und Realschule sowie das Lehramt Sonderpädagogik beginnen die Kurse am 1. Februar. Stand heute werden rund 30 Personen erstmalig ihren Vorbereitungsdienst in Teilzeit beginnen.

Nordrhein-Westfalen hatte bereits im April 2018 die Einführung eines Teilzeit-Referendariats angekündigt, das am 1. November erstmals starten sollte. Das NRW-Modell sieht vor, dass die im Vorbereitungsdienst zu erbringende schulische Unterrichtsverpflichtung aus familiären Gründen von 18 auf 24 Monate gestreckt werden kann, was einer Reduzierung der Arbeitszeit auf 75 Prozent entspricht. News4teachers

Zwei Ausbildungsphasen bleiben bestehen

Der regulär 18 Monate dauernde Vorbereitungsdienst wird in Baden-Württemberg in der Teilzeitform auf 30 Monate gestreckt und ist weiterhin von zwei Ausbildungsphasen geprägt:

  1. Ausbildungsabschnitt (ein Schulhalbjahr, Beginn im Januar/Februar):
    Einführung, Ausbildung am Seminar, Hospitation und begleiteter Unterricht an einer Schule; am Ende: Entscheidung, ob selbstständiger Unterricht verantwortet werden kann.
  2. Ausbildungsabschnitt (zwei Schuljahre):
    Selbständiges Unterrichten mit eigenem Lehrauftrag an einer Schule; die Lehramtsanwärterin/Studienreferendarin bzw. der Lehramtsanwärter/Studienreferendar wird als vollwertige Lehrkraft mit einer vorgegebenen Stundenzahl an der Schule eingeplant, Fortsetzung der Ausbildung am Seminar.

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Referendariat für angehende Lehrer in NRW künftig auch in Teilzeit

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4 KOMMENTARE

  1. Und damit bekommt man schneller wieder mehr Lehrer an die Schulen?

    Und die hätten alle ohne Teilzeitmöglichkeit kein Referendariat gemacht?

  2. Man könnte tum Beispiel den eigenverantwortlichen Unterricht reduzieren. das widerspricht aber dessen Sinn, nämlich Unterrichtsdeckung für wenig Geld

  3. Man könnte auch ganz einfach die befristet angestellten Lehrkräfte entfristen. Dieses würde das Problem mit Sicherheit etwas besser machen. Wer will schon ewig mit einer Befristung von Sommerferienende bis -anfang leben, würde den Job auch “attraktiver” machen. Aber es ist nun mal billiger Hire-and-Fire zubetreiben, als diesen Lehrkräften ebenfalls eine Planungssicherheit für ihre eigene Zukunft zu geben.
    Denn irgentwann sagt sich eine befristete Lehrkraft :Ohne mich. und ist damit für immer weg vom Fenster, wenn sie dann gebraucht werden könnte, kommt diese Lehrkraft nicht, weil ihr das Spiel bekannt ist (Hire-and-Fire) und sie inzwischen eine planungssichere Stelle hat.
    Ist alles nur so ein Gedanke.;-)

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