Gastbeitrag: Was vielen Kindern zusehends fehlt, ist ein klarer erzieherischer Rahmen – und das bekommt die Schule zu spüren

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BERLIN. Lehrer sehen die Zusammenarbeit mit den Eltern als zunehmend schwierig an. Wie eine Umfrage unlängst ergab, gehört die Kommunikation mit Vätern und Müttern mittlerweile zu den größten Herausforderungen im Lehrerberuf (News4teachers berichtet). Kein Wunder: Die Erwartungshaltung gegenüber der Schule ist auf Elternseite immens. Gleichzeitig aber sinkt die Bereitschaft, dem eigenen Nachwuchs Grenzen zu setzen. Und das hat Folgen, wie Bernd Saur, Ehrenvorsitzender des Philologenverbands Baden-Württemberg, und die Landesvorsitzende des Verbands Katja Kranich, Schulleiterin des Stromberg-Gymnasiums in Vaihingen/Enz, in ihrem gemeinsamen Gastbeitrag für News4teachers feststellen. 

Verwöhnung schafft Probleme - auch (und vor allem) in der Schule. Foto: Shutterstock
Verwöhnung schafft Probleme – auch (und vor allem) in der Schule. Foto: Shutterstock

Es geht nicht „mehr“

Die entgrenzte Gesellschaft: Wenn die Gesellschaft kein spürbares Gegenüber mehr ist für unsere Kinder, kann es Schule alleine auch nicht richten

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von Katja Kranich und Bernd Saur

Warum halten zunehmend mehr Kinder keine ganze Schulwoche mehr durch? Warum entschuldigen Eltern über einen zu langen Zeitraum das medizinisch nicht begründbare Fehlen ihrer Kinder? Und warum stellen Ärzte wiederum Woche für Woche Atteste aus, damit Eltern der schulischerseits auferlegten Attestpflicht nachkommen als Konsequenz übermäßigen Fehlens mit ungeklärter Ursache? Warum ist es überhaupt so schwierig geworden, Kinder im Klassenverband zu unterrichten?

In diesem Schuljahr sind Grundschulen bis hin zu den weiterführenden Schulen mit auffallend gestiegenen Zahlen von schulischem Absentismus konfrontiert. Das heißt, dass Kinder eine stark überdurchschnittliche Zahl an Fehltagen aufbauen, ohne dass es dafür einen wirklich triftigen Grund gäbe.

Heterogenität heißt auch: Immer mehr Schüler sind nicht lernbereit

Offenbar ist die Passung zwischen dem, was in der Schule gefordert wird, und dem, was Schüler von zu Hause mitbringen, zunehmend weniger gegeben. Lehrer führen zahlreiche Elterngespräche, bei denen seitens der Erziehungsberechtigten für die spezielle häusliche und familiäre Situation um Verständnis oder um Rat gebeten wird. Lehrer führen zunehmend Gespräche mit Therapeuten und Klinikschulen, die die individuellen Voraussetzungen darlegen, unter denen ein Kind während einer Therapie oder nach einem Klinikaufenthalt beschulbar ist. Eltern „befreien“ ihre Kinder selbstverständlich vom Unterricht für private Termine. Konkret heißt dies, dass die Bandbreite des „Normalen“ schmäler geworden ist und die Zahl individuell verschiedener Lernvoraussetzungen größer geworden ist.

Wenn von zunehmender Heterogenität im Klassenzimmer die Rede ist, dann ist damit längst nicht nur gemeint, dass Kinder mit Werkrealschulempfehlung in Realschulen oder Gymnasien sitzen, sondern dass Kinder mit zunehmend psychischen Problemen im Klassenzimmer sitzen und eben aus unterschiedlichsten Gründen nicht lernbereit, also beschulbar sind.

Dies ist insofern höchst problematisch, weil Lehrer primär Profis fürs Lernen sind und einen Bildungs- und Erziehungsauftrag zu erfüllen haben. Lehrer sind Pädagogen, aber eben keine Psychologen oder gar Psychotherapeuten. An vielen Schulen wird Individualisierung nicht nur auf Lernwege bezogen. Vielmehr erheben die Eltern den Anspruch, dass für jedwede individuelle Befindlichkeit Verständnis aufgebracht wird und jede dieser Befindlichkeiten im Klassenzimmer – bei bis zu 30 Schülerinnen und Schülern versteht sich – gefälligst berücksichtigt werden muss. Doch was passiert da gesellschaftlich eigentlich gerade?

Die Fokussierung auf das eigene familiäre oder persönliche Bündel diverser Bedürfnisse und deren unmittelbare Befriedigung ist kein auf die Schule beschränktes Phänomen. Jüngst haben die Klinikärzte von Notfallpraxen am Wochenende Alarm geschlagen, weil die Wartezimmer am Samstagabend und sonntags voll sind von eben Nicht-Notfällen, die wiederum jedoch für sich den Anspruch erheben, bei jedem Halskratzen sofort behandelt zu werden. Hier müssen diese Fälle einfach warten. Wie gehen wir jedoch in der Schule mit Kindern um, die nur noch eingeschränkt aufnahmefähig sind?

Die eigentliche Aufgabe des Lehrers – zu unterrichten – rückt in den Hintergrund

Die Kernaufgabe eines jeden Lehrers, einfach guten Unterricht zu machen, ist mit den gestiegenen Anforderungen hinsichtlich Motivation, Differenzierung und Individualisierung der Lernwege, Bezug zur Lebenswelt usw. an sich schon Herausforderung genug. Was Kinder an mangelnder Arbeitshaltung bzw. Anstrengungsbereitschaft, Frustration, medialer Reizüberflutung oder Überforderung von zu Hause mitbringen, kann in der Schule nicht einfach so ‚en passant‘ aufgefangen werden.

Was vielen Kindern zusehends fehlt, ist ein klarer erzieherischer Rahmen, der ihnen Zuordnung und Orientierung ermöglicht, der ihnen die Grenze zwischen Kindern und Erwachsenen aufzeigt, ihnen ein bedingungsloses Aufgehoben-Sein anstatt eines Funktionieren-Müssens bietet, einen Rahmen, der ihnen ihren Platz in der Gesellschaft aufzeigt.

Vor uns sitzt jedoch eine heranwachsende Generation zunehmend „entgrenzter“ Kinder, die von ihren Eltern heiß geliebt und zugleich bedingungslos geschont werden. Diese Schonhaltung beginnt beispielhaft mit Bollerwagen light, in denen lauffähige Kinder samt Picknickbox für die unmittelbare Befriedigung von Durst und Hungergefühl durch die Welt geschoben und gezogen werden, anstatt dass ihnen zugemutet wird, dass sie Schritt für Schritt ihren Lebensweg selbst erkunden. Es geht weiter mit Eltern, die die Hausordnung von Jugendherbergen lesen wollen, bevor sie entscheiden, ob ihr Kind an einem Schullandheim teilnimmt bis hin zur elterlichen Einschätzung, dass die innerschulische Konfliktlösung ohne eine genaue Absprache mit den Eltern im Vorfeld als schwerer Übergriff auf das Kind, respektive auf sich selbst als Mutter oder Vater gewertet wird.

Schule darf nicht belastend sein

Gleichzeitig wollen viele Eltern Partner ihrer Kinder sein, die selbst entscheiden dürfen, auf welche Schule sie gehen und selbstverständlich keine schulischen Maßnahmen akzeptieren müssen, die anstrengend oder gar belastend sein könnten. Die fortschreitende und offensichtlich allseits reklamierte Individualisierung unserer Gesellschaft steht im Widerspruch zu Systemen, die weitestgehend auf einem gesellschaftlichen Konsens an Regeln und Konventionen beruhen. Die Schule ist ein solches System. Und solange sich an Schule nicht grundlegend etwas ändert bezogen auf ihren Erziehungs- und Bildungsauftrag, bleibt Schule auch ein solches System.

Als System, das auf einem gesellschaftlichen Konsens an Werten, Normen und Regeln aufbaut, braucht die Schule aber als Nährboden ihres Wirkens eine Gesellschaft, die hinschaut, die interveniert, die überschrittene Grenzen im sozialen Miteinander laut artikuliert. Wenn für unsere Heranwachsenden dieses spürbare Gegenüber zusehends wegbricht, dann kann es Schule alleine auch nicht mehr richten. Dann gilt beides: Es geht nicht „mehr“ und „mehr“ geht nicht!

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Der Verein “Eine Schule für alle – in Bayern” schreibt auf der Facebook-Seite von News4teachers:

Bildung kann es ohne Disziplin, Anstrengung und Fleiß nicht geben – doch wenn Schüler scheitern, ist der Lehrer schuld

 

 

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69 KOMMENTARE

  1. Da muss ich wieder einen Schulrechtsexperten zitieren:

    “Unterricht muss möglich sein – und das ist er nur, wenn Schüler anwesend, ruhig und aufmerksam sind.
    […]
    Würde der Unterrichtsausfall wegen Unterrichtsstörungen durch Schüler erhoben, kämen erschreckende Ausfallzeiten zusammen, die dem Unterrichtsausfall wegen Lehrermangels Konkurrenz machen können und eine Diskussion einforderten, ob die vorhandenen rechtlichen Möglichkeiten, Störungen schnell und effektiv zu beenden, ausreichen.”

    (Thomas Böhm: “Nein, du gehst jetzt nicht aufs Klo!”.- München 2018, S. 41 + 59)

    Mein Reden!

  2. Meiner Meinung nach liegen die Probleme, die Lehrer in den Schulen mit Kindern haben, aber auch am Selbstverständnis und den “Erziehungsidealen” mancher/vieler Lehrer selbst. Sie WOLLEN ja oft gar nicht streng(er) sein, als sie es sind. Sie lassen ja vieles zu, weil sie das so besser finden (locker-lässiges Verhalten im Unterricht), wundern sich aber über die Folgen, wenn es ausartet und Schüler vor ihnen keinen Respekt mehr haben. Sie sind selbst wie Eltern, die sich als Freunde und Partner ihrer Kinder verstehen. Auch da muss ein Umdenken erfolgen, glaube ich. Ich habe oft die mangelnden Sanktionsmöglichkeiten kritisiert oder die komplizierte Umsetzung, aber ehrlich gesagt, ich brauche sie ja kaum.

  3. Ein selten rückwärtsgewandter Artikel. Man muss hoffen, dass Anhänger der Grünen, SPD und Linken davon nichts mitbekommen.

    (Danke für den Artikel. Es wird Zeit, dass noch viel mehr Wissenschaftler, Journalisten und Politiker in dieser Richtung äußern.)

    • Warum sollen die Anhänger von Grünen, SPD und Linken davon nichts mitbekommen? Ich verstehe den “Witz” nicht.

      Der Befund, dass Kinder heute mit sehr unterschiedlichen Lernvoraussetzungen in die Schule kommen (und viele so sind wie oben im Beitrag beschrieben), ist – denke ich – unstrittig. Die Frage ist vielmehr, welche bildungspolitischen Konsequenzen daraus zu ziehen sind.

      Mal eben zu sagen, die Eltern sind verantwortlich, also sollen sie sich gefälligst mehr um ihre Kinder kümmern, hilft ja niemandem. Das ändert nichts. Tatsache ist, viele Eltern können nicht (mehr) leisten, was die Schule von ihnen verlangt – und dabei muss man noch nicht einmal die vielen dysfunktionalen Familien oder Alleinzerziehenden in den Blick nehmen. Wenn Väter und Mütter arbeiten (müssen) und deren berufliche Belastung durch Arbeitsverdichtung und Digitalisierung immer größer wird, bleibt halt wenig Kraft und Zeit für umfassende Erziehung. Die Familien benötigen mehr Unterstützung.

      Die offene Ganztagsgrundschule, die flächendeckend massiv ausgebaut wird, leistet das eben nicht: Es handelt sich lediglich um ein Betreuungsangebot und hat mit Schule und/oder Erziehung nichts zu tun. Hier und natürlich auch scbon in den Kitas die Qualität zu verbessern, in dem der Betreuungsschlüssel deutlich verbessert wird, darum muss es gehen.

      • Die so genannten progressiven Parteien stehen für eine Erziehung, die im klaren Widerspruch zu dem steht, was der Artikel fordert.

      • Aha, da sind sie ja, die berüchtigten Drittem, die es dann zu richten haben. Irgendwie habe ich den Verdacht, dass egal nun, ob “die anderen” das überhaupt leisten können, es mittlerweile modern ist, die Elternpflichten als lapidar und nebensächlich abzutun.

      • “viele Eltern können nicht (mehr) leisten, was die Schule von ihnen verlangt – und dabei muss man noch nicht einmal die vielen dysfunktionalen Familien oder Alleinzerziehenden in den Blick nehmen. Wenn Väter und Mütter arbeiten (müssen) und deren berufliche Belastung durch Arbeitsverdichtung und Digitalisierung immer größer wird, bleibt halt wenig Kraft und Zeit für umfassende Erziehung. Die Familien benötigen mehr Unterstützung.”

        Nein, wenn die Eltern nicht mehr fähig sind, sich um ihre Kinder und um deren Erziehung selbst zu kümmern, dann darf ich keine Kinder in die Welt setzen und von Bildungseinrichtungen (Kita, Kindergarten oder Schule) verlangen, dass sie die Erziehung übernehmen! Dafür sind weder Kindergärtner noch Lehrer ausgebildet!!!

        • 1. Natürlich haben Kita und Schule (auch) einen Erziehungsauftrag.
          2. Welcher konstruktiver Lösungsansatz ergibt sich denn aus sinnfreien Sprüchen wie “dann darf ich keine Kinder in die Welt setzen”?
          3. Kinder sind doch keine Privatangelegenheit. Das werden Sie spätestens dann merken, wenn jemand Ihre Rente (oder Pension) bezahlen soll – aber nicht genügend Erwerbstätige da sind, weil man ja von Bildungseinrichtungen nicht verlangen darf, dass die junge Menschen in die Spur bringen.

          Wer soll’s denn sonst machen?

      • @Sonnenschein
        Wurde zur Werbung für Kinderkrippen, Ganztagskitas und -schulen nicht vor Jahren ständig behauptet, die Kinder verkümmerten am heimischen Herd und würden erst durch eine fachgerechte, professionelle Betreuung richtig schlau und gebildet? Ich denke da z.B. an das Schimpfwort “Bildungsfernhalteprämie” für ein umstrittenes Elterngeld von mickrigen 100 Euro, wenn Mütter in den ersten Lebensjahren der Kinder zu Hause bleiben wollten, um die Kinder selbst zu erziehen. Ihnen wurde vorgeworfen, sie vergriffen sich an deren Wohl und seien nur zu altmodisch, gluckenhaft oder faul, um einem Erwerbsleben nachzugehen.

        Jetzt sind viele Eltern Doppelverdiener und nicht mehr interessiert oder fähig, “sich um ihre Kinder und um deren Erziehung selbst zu kümmern”, und schon wieder stehen sie unter Beschuss. Die Stimmen sind allerdings kleinlaut geworden, die die häusliche Erziehung als überholt schlechtreden und die institutionelle als einzig wahr und heilsbringend, weil fortschrittlich.
        Es ist längst Zeit, dass nicht nur Lehrer aus dem Schussfeld genommen werden, sondern auch Eltern, wenn es um die Kindererziehung geht. Das Unheil wurde von ideologischer Seite angerichtet, die auf die Anklagebank gehört. Eltern, Kinder und Lehrer sind Leidtragende, aber nicht Übeltäter. Die Verursacher des Eriehungsnotstandes suche man doch bitte bei den mächtigen Verkäufern falscher Theorien, also den “Experten”, Politikern und Medien.

        • Und was folgt daraus? Dass die Welt wieder herrlich wäre, wenn man nur Frauen – wie früher – von Studium und qualifizierter Ausbildung fernhielte, sodass ein Millionenheer von unentgeltlichen Erzieherinnen am heimischen Herd parat stünde?

          • Es würde schon ausreichen, wenn in bestimmten Berufszweigen, wie z.B. dem Studium der Medizin, wo der Frauenanteil bei 70 % liegt, Männer zu gleichen Teilen zugelassen würden, weil diese zum Ersten im Beruf deutlich seltener in Teilzeit arbeiten und zudem eher in die weniger frequentierten operativen Fächer gehen.
            Ansonsten sollte man sich nicht über angeworbenen Männer ferner Kulturen mit ihren archaisch anmutenden Eigenheiten beschweren oder gar wundern, die ihre Art der Herabsetzung und “Anerkennung” des weiblichen Geschlecht pflegen.

          • Sie dürfen die Welt nicht nur in Schwarz und Weiß sehen. Viele meiner Kolleginnen – gleiche Ausbildung wie alle anderen – wollen ohne Repressalien für ihr Kind oder ihre Kinder die prägenden drei Jahre da sein und anschließend in dem Maß, wie alles zu packen ist, wieder in dem anspruchsvollen Beruf arbeiten. Aber der Druck, nach der gesetzlichen Mindestzeit sofort wieder in den Arbeitsplatz zu kommen, möglichst mit 100%, steigt.

        • @Anna
          Na dann machen wir doch fröhlich so weiter, sehr zum Leidwesen von Eltern, Lehrern und vor allem Kindern. Hauptsache, Frauen werden ermutigt, die Erziehung der Kinder anderen zu überlassen und ihr persönliches Heil in der beruflichen Karriere zu sehen.
          Wer Glück und Zufriedenheit noch in der anspruchsvollen Mutterrolle sieht (zumindest in den besonders sensiblen ersten Kinderjahren) und dafür um mehr finanzielle Unterstützung und Absicherung im Alter bittet, ist weiterhin als rückständig zu belächeln oder als dumm und faul zu beschimpfen.
          Stecken wir also lieber weitere Unsummen an Steuergeld in eine institutionelle Erziehung, die teuerste aller Lösungen – deren Tücken immer offensichtlicher werden.
          Hilfreich mag sie in Fällen von Kindesvernachlässigung sein, nicht aber bei Eltern, die lieber mehr selbst erziehen möchten, sich durch vielfachen Druck aber genötigt sehen, ihre Kinder in staatliche Hände zu geben.

          • Welcher Druck ist denn der “vielfache Druck”? Existenzdruck nennt der sich – und den gab’s immer schon für Familien. Es ist ein Märchen, dass Familien früher ein passables Auskommen mit nur einem Einkommen gehabt hätten. Hinzugekommen ist “nur”, dass Frauen heute eben genauso gut (oft sogar besser) ausgebildet sind wie Männer – und eben nicht 20 Jahre gelernt und studiert haben, um anschließend (ungelernt) als Haushälterin und Erzieherin zu Hause zu bleiben.

            Wenn Sie wollen, dass Deutschland ausstirbt – bitte, dann weiter so. Staaten wie die skandinavischen oder Frankreich, die eine umfassende Kinderbetreuung anbieten, weisen hohe Geburtenraten auf. Umgekehrt fehlt den Staaten, die vorrangig auf die Familien (= Frauen) setzen, der Nachwuchs. Das galt auch für Deutschland vor der letzten Einwanderungswelle. Das können Sie lautstark beklagen, wird aber nichts ändern.

            Nebenbei: Warum schreiben Sie nur von “anspruchsvoller Mutterrolle” – kann denn die Vaterrolle nicht genauso anspruchsvoll sein?

          • Zur Lohnentwicklung: Spätestens seit der Wiedervereinigung sind in Deutschland die Löhne viel zu wenig gewachsen. Deutschland ist kein Hochlohnland mehr. Auf Wunsch der Wirtschaft wurden die Löhne immer weiter gedrückt und ein abgeschlossenes Studium ist längst keine Garantie mehr für einen gut bezahlten Job im Bereich des studierten Faches. Heutzutage mit dem Bachelor/Master wird das noch schlimmer bzw. unsicherer.

            Zu Ihrem letzten Absatz: Nichts spricht dagegen. Es geht Sabine sicherlich mehr um die Alleinverdienerfamilie als um das Hausfrauenmodell.

          • Anna, meine Mutter hat auf Grund der Trennung vom Ehemann als Folge seiner neuen Leidenschaft von ca. 1967 bis 1973 das Grundschullehramt mit uns fünf heranwachsenden Jugendlichen durchgezogen.
            Dafür wurde sie von allen möglichen Seiten angefeindet, einschließlich der 68er, die kein Verständnis dafür aufbringen wollten, dass sie schnell mit dem Studium fertig werden wollte, um in halbwegs normalen Verhältnissen uns Kinder alleine zu erziehen.
            Sie hat das Studium geschafft, auch gegen die Widerstände der 68er, die den Professoren ,z.B. Herrn Prof.Kremers in Duisburg, das Recht der Vorlesung absprechen wollten und mit Flüstertüten die Vorlesungen zu verhindern suchten.
            Ein aus Berlin angereister Student mit dem Geburtsort Mühlheim, der seine großbürgerliche Herkunft durch das Zerschneiden der Kleidung zu verschleiern versuchte, fiel durch einen besonderen Aktivismus im Sinne Maos auf.
            Es gelang meiner allein erziehenden Mutter ein selbst bestimmtes und unabhängiges Leben zu führen und uns zum Leidwesen von Palim zu dem zu erziehen, nämlich selbstbewusste und selbstständig denkende Menschen, die sich von Nachäffern einer gescheiterten Pädagogik gegen das Kind nicht verarschen zu lassen.

            Ich habe übrigens Zivildienst geleistet, auch gegen den Widerstand anderer Zeitzeugen, die in den letzten Kriegstagen junge Männer aufknüpften, weil diese den Sinn des Krieges nicht mehr einsahen.

          • Finde ich auch, die ersten zwei, drei Jahre sollte man und möchte man sein Kind selbst erleben und pflegen wollen und sollen. Das ist soo wichtig… Volkswirtschaftlich ist es eher eine Milchmädchenrechnung bei all den krankheitsbedingten Fehlzeiten bzw. wenn der Platz dann noch subventioniert wird..Falls man wirklich ein Big Player ist, dann kann man auch eine Tagesmutter engagieren. Aber die ersten Jahre sind schon unwiederbringlich.. Das sollte man schon abwägen.

          • Sie haben ja sooo Recht mit Ihren Kommentaren, liebe Sabine.
            Die elterliche Erziehung im Gegensatz zur staatlichen erst für unwichtig oder gar vernachlässigend zu erklären, damit beide Eltern für die Interessen der Wirtschaft lieber einer Berufstätigkeit nachgehen, hat sich als Sünde, besonders an den Kleinstkindern, erwiesen.
            Dass sich die Verantwortlichen für diese naturverachtende Erziehungs- und Bildungspolitik jetzt einen schlanken Fuß machen und Eltern die Hauptverantwortung für Entwicklungs- und Erziehungsdefizite bei ihren Kindern zuschieben, ist ein Skandal.

            Es gab im Vorfeld genügend Warnungen, doch ihre Vertreter wurden als Fortschrittsfeinde und ewig Gestrige im Denken verhöhnt.
            Ich kann gar nicht sagen, wie sehr mich das Ganze anwidert.
            Gibt es in der Welt der Pädagogik überhaupt mal ein Lager, das die Verantwortung für den Mist übernimmt, den es den Betroffenen an der Basis, nämlich Kindern, Eltern, Kita-Erziehern und Lehrern, vor die Füße gekippt hat? Gibt es überhaupt “Experten”, die kleinlaut Irrtümer eingestehen?
            Ich habe den Eindruck, es gibt sie nicht. Sie sagen immer nur, es sei ja alles aus geldlichen oder sonstigen Gründen nicht so gemacht worden, wie sie sich das vorgestellt hätten. Ihre Märchenvorstellungen bleiben immer Sieger.
            Kein Wunder, dass bei so viel Drückeberger-Möglichkeit vor der Verantwortung die Bildungs- und Erziehungswelt in immer tiefere Krisen gerät. Und der bittere Witz ist noch, dass sich die Leidtragenden an der Basis ganz im Sinne der wahren Verantwortlichen gegenseitig die Schuld zuschieben.

  4. Diese Gesellschaft hat dank der 68iger und in der Folge der Grünen alle Werte, wie Sitte, Anstand und Moral verloren. Die ständige Indoktrinierung der sogenannten “neuen westlichen Werte” mit Gender usw. trägt über die Politik, Kirche, der linken ideologieverseuchten Parteien das Übrige dazu bei. Die Eltern müssen arbeiten, um einen einfachen Lebensstandard zu erlangen und haben daher kaum Zeit für ihre Kinder.

    • So ein Blödsinn. Wenn vor 1968 alles toll war, dann hätten in der Nazi-Zeit ja Sitte, Anstand und Moral gegolten. Die Gleichberechtigung der Geschlechter ist ursächlich dafür, dass es verzogene Kinder gibt? Dann müsste Saudi-Arabien ja ein Erziehungsparadies sein.

      Schauen Sie sich mal an, welche Werte auf Rechtsaußen gelten: von politischem Mord über Koks, Korruption und Vaterlandsverrat ist alles dabei. Oder sind das auch die 68-er und die Grünen schuld?

    • Sitte, Anstand und Moral ?
      Wer hat denn vor Hetze im Netz gegen den ehemaligen Parteikollegen durch eine erneute und zeitversetzte Berichterstattung nicht zurückgeschreckt, auf die dann mit Hasskommentaren reagiert wurde und an deren Ende die Ermordung von Herrn Lübcke stand.
      Ein bayrischer AfD-Politiker ist noch nicht einmal im Rahmen einer Gedenkminute im Landtag für den Ermordeten aufgestanden.

      • Solange gegenseitige Hetze durch aufgeputschtes Lagerdenken nicht aufhört, wird es immer wieder Gewalttaten geben, bei denen die Täter noch das Gefühl haben, sie hätten etwas Gutes und Lobenswertes getan.
        Sitte, Anstand und Moral zeigt keiner, der noch stolz auf seine Hasskommentare ist, egal in welchem Lager er steht.

        • Mir ging es hier um das politische Ausschlachten von Zitaten und die bewusste Inkaufnahme der Entstehung von Hass in Teilen der Bevölkerung, hier die nationalistische Szene, indem die ehemalige Parteikollegin zum wiederholten Male auf die damalige Rede mit den missverstandenen Zitaten hinwies und diese durch das erneute Abdrucken als neuen Vorgang erscheinen ließ.
          Die Täter derartiger und andersartiger Gewaltverbrechen, egal aus welchem politischen Lager sie stammen, agieren in einem Umfeld politischer und sprachlicher Verrohung und Akzeptanz der Herabsetzung anderer durch die Sprache, zunehmend weniger selbstkritisch, was die Durchbrechung moralischer Grenzen ihnen zunehmend erleichtert.
          Die Grenzen des guten Geschmacks wurden längst schon niedergerissen, im Netz tobt sich der Mob aus, spricht und schreibt von Morden an politischen Gegnern, verwendet herabwürdigende Begriffe, die man so nicht gewohnt ist zu vernehmen.

        • “Gegenseitige Hetze”? Schon das ist wieder eine Verzerrung der Realität, g. h.

          Vor allem eine Seite hetzt, wie das Bundeskriminalamt feststellt: “2.270 registrierte Hasspostings in 2017 – trotz Rückgangs weiter hohe Fallzahlen. 74 % dieser Hasspostings sind nach Bewertung der Polizei politisch rechts motiviert.”

          Aggression und Heuchelei auf Rechtsaußen – selber unentwegt mit Dreck schmeißen, aber ‘rumjammern und sich zum Opfer erklären, wenn andere das kritisieren – drehen die Spirale unentwegt weiter nach oben.

          Quelle:
          https://twitter.com/bka/status/1007155590026747904?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1007155590026747904&ref_url=https%3A%2F%2Fwww.zeit.de%2Fdigital%2Finternet%2F2018-06%2Fhetze-internet-polizei-wohnungsdurchsuchungen-hasskommentare

        • In dem Artikel oben finde ich keine Erwähnung von Hetze oder rechtsextremer Politik. Dort steht allerdings der erstaunliche Satz:
          “Heterogenität heißt auch: Immer mehr Schüler sind nicht lernbereit.” Da reibt man sich verwundert die Augen. Woher kommt denn dieses “nicht lernbereit”? Es wird uns doch immer eingehämmert, dass Heterogenität eine ganz große Chance ist und dass in homogenen Schulklassen gar nicht gut gelernt werden kann. Hat irgendjemand die Erfahrung gemacht, dass das stimmt?

          • Nicht lernbereit ist falsch gewählt. Passender wäre lernfähig in Bezug auf das angebotene Lernniveau der entsprechenden Lernmaterialien, wenn diese an Hand der vorgegebenen Materialien selbstständig erarbeitet und bearbeitet werden sollen.
            Da hilft mehr direkte Instruktion, Anleitung und Unterstützung, oder man erarbeitet die Inhalte gemeinsam interaktiv im Klassenverband.

          • Ich sehe das ähnlich wie Ignaz. Bei solcher Klientel in einer Klasse hilft die individuelle Förderung im Sinne von Materialien kaum, weil diese eine gewisse intrinsische Motivation hinsichtlich eigener Anstrengungsbereitschaft voraussetzt. Knallharter Frontalunterricht mit anschließenden Übungen bringen viel mehr. Bildungsforschern und Referendaren sollte man das aber nicht zu laut sagen, weil das dem aktuellen Stil widerspricht (Forscher) und das Examen ruiniert (Referendare).

          • Anmerkung: Frontalunterricht = Lehrerzentrierter, fragend entwickelnder Unterricht.

            Wenn eine gemeinsame Erarbeitung aufgrund der Klientel nicht möglich ist, dann reine Instruktion und Übungen. Auf das “warum” bei einem zu übenden Unterrichtsinhalt muss dann halt verzichtet werden. Es würde die unmotivierte Klientel eh nicht erreichen.

          • Im Artikel steht aber nun mal “lernbereit”, und das wird als “beschulbar” interpretiert:
            “… dass Kinder .. aus unterschiedlichsten Gründen nicht lernbereit, also beschulbar sind.”
            Von den “nicht beschulbaren Kindern” hört man ohnehin in letzter Zeit viel. Da scheint auch kein Frontalunterricht zu helfen.

          • Im Artikel wird erläutert, dass es nicht um unterschiedliche Leistungsniveaus (HS-RS) ginge, “sondern dass Kinder mit zunehmend psychischen Problemen im Klassenzimmer sitzen und eben aus unterschiedlichsten Gründen nicht lernbereit, also beschulbar sind.”
            Dazu kann vieles gehören, etliches ist im Artikel genannt, z.B. eine dauerhafte Schonhaltung, sodass Kinder den Anforderungen nicht gewachsen sind, entsprechend der Schonhaltung und beginnend in Klasse 1…

            Ich bin mir nicht sicher ob ich persönlich „nicht lernbereit“ und „nicht beschulbar“ nicht trennen würde in die, die zeitweise nicht lernen können/wollen, und die, die in der Schule gar nicht nicht tragbar sind.

            Die Gründe sind vielfältig.
            Es gibt nicht _lernbereite_ Kinder, die bisher nicht erlernt haben, sich mit Inhalten auseinanderzusetzen, etwas wahrzunehmen und zu erinnern, etwas auszuprobieren, zu bewerten, zu wiederholen etc.
            Das hat nicht immer etwas mit kognitiven Fähigkeiten zu tun, sondern eher mit fehlenden Anregungen und mangelnder Erfahrung, die zu Beginn der Schulzeit fehlt, sodass diese zum Lernen grundlegenden Fähigkeiten erst geweckt oder gefunden werden müssen.

            Ebenso kann _nicht lernbereit- bedeuten, dass diese Kinder zu diesem Zeitpunkt nicht bereit sind, sich auf den Unterricht einzulassen. Da ist es ganz egal, was im Raum passiert. Sie schalten ab, sind gedanklich ganz woanders oder fahren ihr eigenes Programm – laut oder leise, mit anderen oder allein.
            Dazu gehören u.a. Kinder, die mit Trennung der Eltern, Tod eines Angehörigen, Krankheit, Hunger, Angst beschäftigt sind.

            Dazu gehören vermehrt auch Kinder, die bisher so extrem begleitet wurden, dass sie keinen Schritt alleine tun mögen, dass sie ein dauerhaftes Anleiten und Bestätigen erwarten, für jede Tätigkeit mehrfache Aufforderung benötigen und gerne und stets persönlich angeleitet werden möchten. Geschieht dies nicht, verharren diese Kinder und warten auf diese Hilfestellung, ohne die sie nichts selbstständig machen mögen, sich selbst nichts zutrauen, manchmal auch, weil die Erwartungshaltung der Eltern nicht nur an Schule hoch ist, sondern auch an die eigenen Kinder, sodass diese lieber nichts tun als etwas Falsches.
            Gleiches Verhalten zeigen die Kinder mit anderen Kindern, auf dem Schulhof, sie sind ängstlich und trauen sich kaum vor die Tür. Das ist nicht ausgedacht und es ist ganz wunderbar, wenn die Kinder innerhalb des 1. Schuljahres ihre Ängste überwinden und selbstbewusster werden.
            Das gelingt aber nicht immer, selbst wenn Schule einen neuen Rahmen setzt.

            Dazu gehört auch, dass Schule einen anderen Stellenwert erhält, vieles anderes (Unterhaltung, Freizeitverhalten) wichtiger ist, dass „er/sie soll es einmal besser haben“ abgelöst wurde von „konnte ich auch nie und aus mir ist doch auch etwas geworden“ und die Anforderungen, die Schule stellt, unreflektiert als überzogen dargestellt werden, passend zu dem, dass Kinder früher auch anderes viel eher lernten (Schuhe _binden_… wir kaufen lieber Klettverschluss, Fahrrad fahren/ eine Strecke laufen .. wir bringen das Kind lieber mit dem Auto, einer Geschichte hören … Fernsehen oder Tablet sind auch schön, … trocken werden/ mit Geld bezahlen/ aufräumen uvm.)

            Dazu gehört auch, dass das, was in Schule geschieht, häufig nicht akzeptiert wird, dass es nicht etwas Einzelnes ist, das man kritisiert oder über das man sich wundert, sondern Schule generell unter einen Generalverdacht stellt, dass Lehrkräfte kein Verständnis haben, das sie eigene Kinder nicht entsprechend wahrnehmen, der eigenen Erwartungshaltung nach Dauerbetreuung und Einzelförderung nicht nachkommen, stets die falschen Methoden einsetzen, nicht genug oder zu viel fordern oder fördern … und sich alle Welt vor den Kindern darüber aufregt und sehr häufig alles Mögliche in Frage stellt und damit auch zum Anwalt geht. Ja, es gibt sicherlich Geschehnisse in Schulen, die ein Gespräch oder sogar einen Rechtsbeistand notwendig sein lassen, dazu gehört aber nicht die Auswahl eines Arbeitsheftes, die mündliche Ermahnung eines störenden Schülers oder eine nach transparenten Kriterien vergebene schlechte Note.
            An Kindern geht diese Haltung nicht vorbei, sie lernen am Vorbild und äußern deutlich, dass Eltern alles für sie regeln und die Regeln bestimmen, sie umgehend die Schule wechseln, der persönliche Anwalt die Angelegenheit/Note schon gerade rücken wird (persönlich erlebt, z.B. Klasse 3, Fachunterricht).

            Nicht _beschulbar_ bedeutet aber auch, dass Kinder den in der Schule gesetzten Rahmen nicht wahrnehmen, nicht verstehen oder nicht akzeptieren können.
            Auch dies kann unterschiedliche Gründe haben, die genannte Schonhaltung oder das Vermissen von Regeln im häuslichen Umfeld ebenso wie tatsächliche psychische Erkrankungen oder Störungsbilder.
            Das sind Kinder, die Begleitung im sozial-emotionalen Bereich benötigen, bis sie sich an die Regeln innerhalb der Schule halten, sich und andere nicht gefährden und dem Unterricht angemessen folgen können, sodass sie sich und andere nicht stören. Hier braucht es eine sehr enge Begleitung, ein schnelles Eingreifen, eine fortwährende Rückmeldung.

            Wenn von „zunehmender Heterogenität“ gesprochen wird, denke ich an Kinder mit Migrationshintergrund, die sehr wohl die Gesellschaft bereichern, die zum Alltag gehören und mit denen gemeinsam man Völkerverständigung und Interesse an anderen Kulturen von klein auf und sehr leicht erlernen kann. Und ich denke auch an Kinder mit Beeinträchtigungen, die nicht weggesperrt oder ungesehen bleiben, sondern die ebenfalls zur Gesellschaft gehören, die sie kennt, annimmt und im Rahmen ihrer Möglichkeiten einbezieht und teilhaben lässt.
            Die Individualität, die zugestanden wird, ist womöglich höher, der soziale Druck ist dagegen nicht gesunken.

            „Es wird uns doch immer eingehämmert, dass Heterogenität eine ganz große Chance ist und dass in homogenen Schulklassen gar nicht gut gelernt werden kann. Hat irgendjemand die Erfahrung gemacht, dass das stimmt?“
            Ja. ICH!

            Es ist so, dass man innerhalb einer auf Heterogenität eingestellten Schule angemessen fördert und fordert, statt alle über einen Kamm zu scheren.
            Eine Schule, die auf Heterogenität statt auf Homogenität setzt, bemüht sich darum, dass nicht alle gleich sind, sondern dass sich alle Kinder angenommen fühlen und entsprechend ihrer Fähigkeiten herausgefordert werden. Dafür setzt sie sich ein und dafür setzt sie einen sehr deutlichen Rahmen, der auch Anforderungen, Regeln und Grenzen bedeutet, sodass alle genannten Kinder miteinander im Klassenraum sein können und lernen.

            Dennoch hat auch dies Grenzen, z.B. wenn Kinder _nicht beschulbar_ sind, sich und andere gefährden und deshalb eine enge Begleitung bräuchten, die im derzeitigen System nicht vorgesehen ist.

          • Palim: ein sehr engagierter langer Beitrag!
            Ich möchte nicht widersprechen, sondern schlicht feststellen: Die Autoren des Artikels meinen doch nach dem Kontext offenbar primär das Gymnasium. Und wenn das Gymnasium einen Sinn haben soll, dann muss es anders sein als die anderen Schulen (sonst kann man es abschaffen). Ein Gymnasium aber, das so sehr “auf Heterogenität setzt”, dass es auch nicht lernbereite Schüler aufnimmt und behält, ist verfehlt. Das entspricht nicht der Idee einer “höheren Bildung” mit der Hochschulreife als Ziel.
            Daher muss ich auch meine Frage präzisieren: Hat irgendjemand die Erfahrung gemacht, dass in der gymnasialen Oberstufe (etwa ab Klasse 10) eine riesengroße Heterogenität sich positiv auf das Lernen auswirkt und mehr homogene Klassen eher schädlich sind? Ich denke, alle Klassen sind eigentlich heterogen genug. Das war sogar bei der früheren einklassigen Volksschule der Fall.

          • Ich hatte zunächst auch im Blick, dass es Gymnasiallehrkräfte sind, die den Artikel geschrieben haben, hatte dazu auch schon etwas verfasst, habe es aber gelöscht, als ich den Beitrag noch einmal auf diesen Aspekt hin gelesen habe: Angesprochen werden sehr unterschiedliche Schulformen, “Bollerwagen light” ist sicherlich nicht auf Klasse 10 aufwärts bezogen und ich würde meinen, dass die SuS, die bereits in Klasse 1-4 Abensentismus zeigen, nie in einer gymnasialen Oberstufe ankommen.

            Gleiches denke ich bei den SuS, die laut Text mangelnde Arbeitshaltung bzw. Anstrengungsbereitschaft, Frustration, mediale Reizüberflutung oder Überforderung von zu Hause mitbringen und die dies im ersten Jahr oder wenigstens bis Klasse 2 oder 3 nicht grundlegend verändert haben.

            Dabei haben wir womöglich unterschiedliche Kinder vor Augen, wenn Sie sich eine 11. Klasse vorstellen, ich aber eine 1. Klasse.

    • Die Gendersprache ist nur Ausdruck eines ideologisch und sprachlichen, sowie politisch finanziell geförderten Kropfes, der Ausdruck einer zunehmend verloren zu gehen erscheinenden Sensibilität für die eigene Sprache darstellt.
      Und diese Veränderungen an der Sprache werden bewusst betriebenen, diese sind aber auch mit einer Abnahme der Sensibilität für die eigene Sprachkultur verbunden, sowie Ausdruck für ein fehlendes Verständnis für linguistisch,grammatikalisch und gesellschaftlich begründete Sprachregeln, die sich über 500 Jahre entwickelt haben.
      Das politische Bewusstsein wird durch diese künstlich vorgenommenen Sprachveränderungen sich nicht verändern, was sich am Beispiel anderer Sprach- und Kulturräume, die nur über ein grammatikalisches Geschlecht in ihre Sprache verfügen, siehe die Türkei, sich relativ einfach nachweisen lässt.

      • Ihre elliptische Schreibweise zeugt von einer Vielzahl von Erfahrungen, aber auch davon, dass man diese nicht alle miteinander in Einklang bringen kann. Sie stehen häufig nebeneinander und bilden keine kausale Einheit. Das sollten Sie bedenken. Die Fremden, die sie als anders empfinden, mussten vielleicht ihren Weg hierher finden, weil ihresgleichen nicht an solchen wie ihnen vorbeigekommen sind.. Man weiß ja auch nicht, was sie von einem wollen… Ist Grammatik wirklich existentiell wichtig? Denen/ ihresgleichen haben sie möglicherweise den Weg versperrt mithilfe von wortakrobatischen Meisterleistungen(?) und deswegen müssen sie und wir uns mit Mentalitäten mit anderen Prioritäten arrangieren… Haben Sie darüber schon mal nachgedacht? Ignaz? Ich habe zwei Kinder mit einem Türken. Kinder haben bei Türken oberste Priorität, was mich als Mutter unendlich beruhigt und rein biologisch halte ich die Erhaltung der Art für wichtiger als alles andere.. Ist doch klar… Reden schwingen hilft da nicht so viel, vor allem, wenn keiner weiß, worum es geht. Was unterrichten sie eigentlich? Germanistik/Deutsch und Philosophie? Und trotzdem so viele Schreibfehler und dann noch ein Pseudonym von Kurt Tucholsky nutzen? Das würde ich mir nicht trauen.. Woher kommen sie? Spanien?

        • Der Inhalt meiner Schreibblöcke richtet sich nicht gegen andere Menschen !
          Weder tauchen hier im Block meinerseits unbegründete Abwertungen auf, noch erscheinen derartige Wortmeldungen in einem anderen Block.
          Behandelt werden Methoden der Vermittlung von allgemeinbildendem Wissen, das man benötigt, um die Gegenwart verorten zu können.
          Je komplexer Satzstruktur sich darstellen, desto schwieriger wird es für den radikalen Block, den angesprochenen Inhalten zu folgen.
          Sprache wird zum Mittel der Aufklärung, der Anregung über bestehende Zustände nachzudenken oder auch diese durch Veränderungen zu verbessern.

        • Den Einklang miteinander bildet ein humanistisch geprägtes und aufgeklärtes Denken im Sinne des größten Aufklärers in der bisherigen Menschheitsgeschichte.

  5. Es ist mir auch zu einfach, wenn manche Lehrer die Schuld den Eltern zuschieben. Die sollen erziehen. Die Schule hat auch einen Erziehungsauftrag. Die Lehrer sollen auch erziehen – gerade weil nicht alle Eltern das können bzw. im Sinne unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung WOLLEN!

    Schwierige Kinder gab es immer schon. Früher hatten Lehrer dafür weniger Verständnis und haben sich weniger bieten lassen, waren darin aber auch mehr von Schulgesetzen und Verordnungen gestärkt.

    Es ist nicht nur eine Seite und nicht nur ein Faktor, an dem es heute hapert!

  6. “Es gelang meiner allein erziehenden Mutter ein selbst bestimmtes und unabhängiges Leben zu führen und uns zum Leidwesen von Palim zu dem zu erziehen, nämlich selbstbewusste und selbstständig denkende Menschen, die sich von Nachäffern einer gescheiterten Pädagogik gegen das Kind nicht verarschen zu lassen.”

    Ignaz Wrobel, solch einen Seitenhieb finde ich unfair und unnötig.

  7. Fakt ist: Die Gruppengröße 10 Kinder auf einen Erzieher im Kindergarten lässt nicht zu, die gleiche Erziehung/Beziehung zu Kindern zu haben wie dies Mütter/Väter haben. Kindergarten muss sein, deshalb kann man aber den Erziehungsauftrag der Eltern nicht einfach aufgeben. Und das, was zur Zeit geschieht (mein Kind macht keine Fehler, ist das wichtigste auf Erden und soll nie das Wort nein hören) ist das was die 68er schon gemacht haben. Laizzes-faire Erziehung funktioniert nicht, wenn man in einerGesellschaft zurecht kommen möchte. Die Freiheit des Einzelnen endet eben an dem Recht auf Freiheit des anderen. Rücksichtnahme, Toleranz, Gemeinschaftssinn sind Dinge, ohne die unsere Gesellschaft auseinander bricht (siehe rücksichtsloses Filmen schwerverletzter auf der Autobahn, Schlagen von Rettungssanitätern…) müssen zu Hause eingefordert und geübt werden. Meine Mutter hat immer Vollzeit gearbeitet und drei Kinder groß gezogen und hat es trotzdem fertig gebracht uns zu rücksichtsvollen, selbstständig denkenden Individuen zu erziehen. Sie hat trotzdem darauf geachtet, das wir uns gesund ernähren und das unsere Schultaschen gepackt sind. Sie ist zu allen Elternabenden gegangen und hat uns nicht in der Schulzeitbeurlaubt um drei Tage früher zu fliegen. Sie hat ihr Leben nach den Kindern ausgerichtet und das hieß dann eben manchmal für die Kinder zurück zu stecken.
    Ohne ein Nein wäre vieles nicht möglich gewesen.
    Es kann nicht sein, das Menschen Kinder in die Welt setzten und dann erwarten, dass die Gesellschaft alles weitere regelt.
    Kinder bekomme ich für mich und nicht für die Gesellschaft. Ich habe Kinder weil ich es wollte. D.h. auch mit allen Konsequenzen. Wenn ich nicht meine Arbeit reduzieren könnte müsste das mein Mann tun. Natürlich sind auch meine Kinder in den Kindergarten gegangen, aber ich habe das Fundament gelegt, mit festen Ritualen, festen Bettgehzeiten, mit Spielen, Vorlesen, Reden und ja, manchmal hat man keine Lust, doch es ist mein verdammter Job alsElternteil, nicht der, der Lehrkräfte.

    • Das stimmt alles, O.S., aber Sie sagen es ja auch, die Realität ist eine andere (siehe 68er Ideale). Das heißt, es gab und gibt (gab UND gibt) eben auch jene Eltern, die nicht so vorbildlich sind, wie wir es uns wünschen und dann haben wir Lehrer dort die Möglichkeit, die Pflicht und den Auftrag, Erziehung zu leisten und wahrzunehmen im Rahmen unserer Möglichkeiten.

      Darüber klagen, dass Eltern ihrer Verantwortung nicht gerecht werden und dann alles von sich weisen und nichts weiter tun, hilft auch nicht weiter. Schon gar nicht den betroffenen Kindern und letztendlich uns allen, die wir ja (später) mit ihnen zusammenleben müssen.

  8. Lehrer/innen halten sich nicht an den Lehrplan, googlen wild herum, nutzen veraltete Arbeitsblätter aus anderen Ländern und Jahrtausenden..Weil sie ihrem Gusto entsprechen..Spamen die Kinder damit zu.. Mit persönlichen Ansichten. Beugen das Schulgesetz und das Grundgesetz.. Weil es sonst mehr Arbeit für sie bedeutet. Das kann und darf nicht sein! Der Leidensdruck explodiert bei jeder Kleinigkeit, weil einfach alles anstrengend ist..Auch wenn man Dinge mehrmals sagen muss. Ein No-go.. Da ruft man lieber gleich das Jugendamt, wenn Mitteilungen im Hausaufgabenheft nicht rechtzeitig gegengezeichnet werden.. Dann sollten einem eigentlich sofort die Kinder entzogen werden. Ist ja nicht so, dass man Emails oder Briefe schreiben müsste. Viel zu aufwändig! Wenn man nicht sofort ans Telefon geht, weil man mit bockigen oder legitim nicht anwesenden Kindern klarkommen muss.. Wird die Polizei gerufen.. Ist ja nicht so, dass das zum (durch Steuergelder finanziertem Job) gehört.. Alles ist so anstrengend.. Und niemand konnte damit rechnen, mit Kindern und dann noch mit Eltern zu tun zu haben… Eeehh..Und die sind dann auch noch so total anders drauf, als man selbst.. Wahnsinn.. Irre!

  9. Ich habe vier Schulkinder und ich kann ihnen versichern, das System ist kaputt. Es war vor zehn Jahren etwas besser, aber schon schrottig. Jetzt geht eben gar nichts mehr, weil diese Bildungsprinzen und Prinzessinnen tun und lassen können, was sie wollen. Sie sind jetzt eine aussterbende Spezies und alle sind auf sie angewiesen.. Die Türsteher der Zukunft und sie missbrauchen ihre Macht noch mehr, als sie es früher getan haben..

    • @ Meyer

      einseitiger schuldzuweisungen mögen dem frustabbau dienen, wirken jedoch unreflektiert und entsprechend unglaubwürdig. ist das ihr plan?

    • @Meyer
      Das Schulsystem befindet sich unverändert im Fluss der Veränderung von den Einflussgrößen der Schüler, der Lehrer und der angewandten Methoden. Es wurde schon immer individuell gelernt, die Methodenvielfalt hat zugenommen. Zum überwiegenden Teil wurden Methoden ohne vorausgegangene, größere Feldstudien direkt eingeführt und so der Ernstfall zum realen Experiment, was leider zu Lasten mindestens einer Schülergeneration ging. Derartiges sollte sich nie mehr wiederholen ! In Teilen wurden altbewährte Methoden von Lehrern beibehalten. Vergleichende Studien wären möglich gewesen, wurden aber aus Angst vor den Ergebnissen vermieden, diese auszuführen. Statt dessen tauchen immer wieder Kleinststudien auf, die dem Auftragsgeber gefällige Ergebnissen liefern.
      Leider hat man es von Seiten der Politik und einer noch einzuführenden praktischen Schulforschung versäumt, die derzeit angewandten Methoden wissenschaftlich evident mit großen Untersuchungskollektiven auf ihre Effektivität der Wissensvermittlung hin zu untersuchen.
      Pauschale Kritik am Schulsystem bewirkt keine Änderung und wird nur als lärmende Polemik wahrgenommen.
      Jeder einzelne Schüler und Lehrer ist ein Teil des Ganzen, und somit werden die Wechselwirkungen sich höchst unterschiedlich auf den Lernerfolg auswirken.

        • Es heißt Blog neudeutsch… Und der Lernerfolg ist mittlerweile nicht das Maß allerdinge, vor allem wenn das Maß subjektiv gewertet wird. Es geht hier nicht um Studien, sondern um Akzeptanz… Vor allem, wenn Erziehungsmethoden nicht wahrgenommen werden, weil sie der eigenen Auffassung wegen und Polemik nicht wahrnehmbar oder genehm sind. Die Kinder heutzutage sind schlau.. Das muss man erstmal erkennen und dann noch tolerieren. Und Toleranz beginnt da, wo es weh tut… Da wo die Sympathie aufhört und man denkt, Erziehung fände nicht statt.. Das ist die Herausforderung. Wir sind nicht hier, um es Leuten wie ihnen, recht zu machen.. Und mit Grammatik ist kein Kampf zu gewinnen, wollte ich sagen.. Heutzutage nicht mehr. Kinder, die ruhig in der Bank sitzen, sind nicht automatisch diejenigen, die die Zukunft bestimmen. Schon seit langem (zum Glück) nicht mehr.

          • Der Artikel beschreibt sehr gut die derzeitige Situation in und um Schulen herum.

            Akzeptanz von und Toleranz gegenüber auffälligen Verhaltensweisen einzelner oder ganzer Kleingruppen, die andere Mitschüler in ihren persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten einschränken, wird man als Lehrer nicht akzeptieren müssen, sondern geneigt sein, diese einzugrenzen und zu verhindern suchen.
            Ohne gewisse Grundregeln des täglichen Miteinanders funktioniert kein zielgerichteter Unterricht, um Lerninhalte der Allgemeinbildung gemeinsam oder in kleinen und größeren Gruppen zu erarbeiten. Aber auch eine fehlende Ausdauer und eine fehlende Konzentrationsfähigkeit der Schüler, sich mit vorgegebenen Aufgaben auseinander zu setzen zu können, diese zu bearbeiten, sind dem mitmenschlichen Miteinander nicht zuträglich, wenn dann andere Mitschüler in ihrer Entfaltungsmöglichkeit beeinträchtigt werden. In der Schule haben die Schüler noch die Möglichkeit sich in bestehende Gruppengefüge einzubringen.
            Große Probleme bieten sozial delinquente Verhaltensweisen die sich gegen Mitschüler und Lehrpersonen richten.
            Frustration m Beruf muss nicht immer in ungezielte Polemik gegen das gesamte System münden.

          • Dass Lernerfolg sich an praktischem Wissen orientiert und wichtig ist, werden Sie feststellen, wenn man in der außerschulischen, beruflichen Alltagswelt erwacht und feststellen muss, dass einem die Grundlagen für die tägliche Praxis fehlen.
            In der Schulwelt mag man sich ja noch zurechtfinden können. Anders sieht es aber eben in meiner täglichen Berufswelt aus, in der zum Teil von meinen Entscheidungen ein Menschenleben abhängt und mir täglich drei mögliche System eines Regresses drohen, so ich eine nachhaltig schädigende falsche Entscheidung fälle.
            Zu ihrem Unbill haben Sie trotz einiger weniger bei mir konstatierter grammatikalischer Fehler, die aber auch Ihnen eigen sind, meine Blogs sinnentnehmend verstanden. Und zu ihrem Ärger verwendet hier noch jemand ein Pseudonym von Kurt Tucholsky. Ist das schlimm ?
            Zum Erhalt kultureller Strukturen trägt im wesentlichen Bildung bei, die in erster Linie Ihrem Berufsstand obliegt, diese an die nächste Generation nachhaltig zu vermitteln.
            Nachwuchs in die Welt zu setzen gelingt jeder Spezies.
            Man muss sich aber selbst um die Erziehung des Nachwuchs kümmern und diese Aufgabe nicht auf die Gesellschaft übertragen oder die Kinder sich gar selbst erziehen lassen. Das funktioniert nicht.

        • Meine Kinder und ich sind defensiv, wir greifen nicht an, wir schränken andere nicht ein… Im Gegenteil wir versuchen uns ständig anzupassen.. Aber es ist eine Sackgasse.. Es ist ein Klassiker, wie sie jetzt sich zu ihrem imaginären Publikum hinwenden und mit dem Finger auf mich zeigen, weil ihnen nichts einfällt, was sie mir sagen könnten. Das passierte in den letzten Jahren ständig.. Das ist AUSGRENZUNG.. Genau das, erleben meine Kinder und ich immer wieder, weil andere nicht auf uns eingehen möchten und uns vorführen möchten, auch regelmäßig vor der ganzen Klasse.. Genau das müssen sie sich abgewöhnen. Wir sind keine Aggressoren.. Wir stellen nur verbal geäußerte Dinge infrage. Das ist unser Verbrechen.. Die Schläger und Verbalaggressoren sind unser Gegenüber.. Wir haben nur manchmal nervige nervöse Tics, weil uns die gegnerische Argumentation als völlig unsachlich und ungerecht erscheint.. Toleranz müssen sie schon verfassungsrechtlich begründet üben. Ich tue das aus christlicher Nächstenliebe. Ist nicht besonders up to date.. I know.. Hab mein FSJ in nervt katholischen Grundschule geleistet. Bin aber evangelisch. Glauben sie mir, sie müssen da durch.. Egal, ob es Ihnen gefällt oder nicht. Schauen Sie sich andere Berufe an. Da haben sie es doch noch ganz gut getroffen. Müssen sich nicht die Hände schmutzig machen. Ich bin ganz froh mit meiner Karriere.. Meine Arbeit ist ziemlich gefragt. Ist nur nervig, wenn man von der Grundschule in seiner Berufsfreiheit eingeschränkt wird wegen vergessener Schulmaterialien, -ausflüge, Gelder für desgleichen (gesetzlich unbegründet) was eine echte Wissenschaft ist. Volkswirtschaftlich ein Desaster. Ich bin keine Loserin, wenn sie das meinen. Ich habe einfach keine Lust, den Lehrern ständig Arbeit abzunehmen..

        • Achso, und Konzentrationsfähigkeit für irre langweiligen Unterricht hatte ich schon nicht vor 25 Jahren.. Ich hatte körperliche Schmerzen wegen unsagbar nichtssagenden Unterrichts. Man musste still sitzen und sogar das Gehirn durfte sich nicht bewegen. Das war die schlimmste Zeit. Ich sah auch aus, wie halbtot. Zum Glück hatte ich meinen Leistungssport dreimal in der Woche. Hab auch den deutschen Meister geschafft. Mein Abitur habe ich ja noch geschafft mit 2,3.. Bin ja nicht wirklich durchgefallen.. Musste halt nur in die mündliche Deutschprüfung… Thema Max Frisch “Homo Faber”.. Meine zweite Tochter hatte tatsächlich das gleiche Thema in der Deutschprüfung auf einem englischen Internat bei einer Deutschen vor einem Jahr .. Vater vögelt seine eigene Tochter.. Wie gerne hätte ich sie davor bewahrt… Aber das scheint das Non plus ultra in der deutschen Literatur zu sein. Man muss ja die Alten bei Laune halten.. Freue mich schon auf den Culture Clash… Ich habe mich nicht getraut, etwas gegen diese intellektuellen Perversionen zu sagen..Aber bald gibt’s dafür richtig was auf die Mütze. Von den Schwererziehbaren.. Machen Sie sich bereit!

  10. Ja, wahrscheinlich, wir sind nicht nur frustriert, sondern traumatisiert .. Möglicherweise bin ich aber auch schon zu lange im Spiel, 14 Jahre Schulerfahrung plus ein Jahr Freiwilliges Soziales Jahr in einer Grundschule. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass ich weiß, wie der Hase läuft. Immer die gleichen Spielchen.. Es geht immer um Geld einsammeln und Aufgaben an die Eltern delegieren und hausgemachte Kommunikationsprobleme (ich habe schon in verschiedenen Teams und in verschiedenen Branchen gearbeitet, es liegt nicht nur an mir). Meine Grosse studiert jetzt Jura in München, meine zweite hat ihren International Bachelor, meine Kleinen sind jetzt an einem (leider nur) privaten Gymnasium… Alle hatten ständig unglaublichen Stress mit einigen ihrer Lehrer (verbale und körperliche Aggressionen seitens der Lehrerinnen, kann man nicht beweisen, ist ja klar..meistens solche Lehrerinnen, die meine Kinder bei den Fehlzeiten, krankheitsbedingt und wegen pädagogisch wertvoller Auslandsaufenthalte, weit übertrafen) Irgendwann werden sie deren großzügige Rente mitfinanzieren. Da ist soviel Wut in mir.. Das lässt sich leider nicht mehr rückgängig machen.

    • wut ist eine starke energie, versuchen sie diese kraft in eine für sie geeignetere richtung zu lenken, anstatt in der aufzählung von verfehlungen anderer steckenzubleiben, die können sie in der tat nicht ändern.

  11. Ich habe vieles erreicht, meine Kinder auch. Ich bin sehr stolz, dass sie sich nicht haben entmutigen lassen, nicht so wie ich, als meine Deutschlehrerin mich durchs Abi hat fallen lassen, einfach weil sie es konnte, obwohl ich ne stabile Zweierschülerin war. Ich habe einfach zuviel mit meiner besten Freundin im Unterricht geredet und konnte ihre Fragen trotzdem beantworten..Meine Töchter hatten das gleiche “Problem”. Das können Lehrer gar nicht ab. Multitasking.. Ich muss nichts an mir verändern. Ich bin zu alt und durch mit dem Thema.. Wut ist destruktiv. Die bringt einen nicht weit. Ruhe ist es und Vernunft und vor allem Selbstreflexion…Die habe ich all die Zeit bewahrt.. Ich möchte verhindern, daß alleinerziehende Mütter mit weniger finanziellen Rückhalt und weniger Know-how in solch eine Situation geraten.. Das macht mich aggressiv, die Tatsache, dass sich “intelligente” Menschen über schwächere und ihre Kinder hermachen, sie verurteilen und ihr Leben nachhaltig negativ beeinflussen.. Ein Armutszeugnis.. Ich habe ihre Rolle hier noch nicht durchschaut “Unverzagt”. Sie haben hier noch nichts von sich preisgegeben.. Sie sind Beobachter/-in? Oder gehören zum Blog-Personal? Eigenartig, etwas unausgegoren.. Da ist auf jeden Fall eine Veränderung nötig… Meine Wut ist nur eine Antwort auf die ganze Aggression, die wir ertragen mussten…Ich bin hier nur gelandet, weil Google mich mit Lehrer News bedient, weil Google der Meinung ist, ich bin Lehrer. Ich suche seit langem soviel Infos zu Schulrecht, Bildungspolitik,
    Inklusion… Tut mir leid, aber interessant, dass sie alle im Netz so umtriebig sind und gleichzeitig die Digitalisierung in der Schule so fürchten und ablehnen.. Eigenartig..

  12. Es heißt Blog neudeutsch… Und der Lernerfolg ist mittlerweile nicht das Maß allerdinge, vor allem wenn das Maß subjektiv gewertet wird. Es geht hier nicht um Studien, sondern um Akzeptanz… Vor allem, wenn Erziehungsmethoden nicht wahrgenommen werden, weil sie der eigenen Auffassung wegen und Polemik nicht wahrnehmbar oder genehm sind. Die Kinder heutzutage sind schlau.. Das muss man erstmal erkennen und dann noch tolerieren. Und Toleranz beginnt da, wo es weh tut… Da wo die Sympathie aufhört und man denkt, Erziehung fände nicht statt.. Das ist die Herausforderung. Wir sind nicht hier, um es Leuten wie ihnen, recht zu machen.. Und mit Grammatik ist kein Kampf zu gewinnen, wollte ich sagen.. Heutzutage nicht mehr. Kinder, die ruhig in der Bank sitzen, sind nicht automatisch diejenigen, die die Zukunft bestimmen. Schon seit langem (zum Glück) nicht mehr.

    • Zitat: “Kinder, die ruhig in der Bank sitzen, sind nicht automatisch diejenigen, die die Zukunft bestimmen. Schon seit langem (zum Glück) nicht mehr.”

      Aber Mitmenschen, die sich nicht an Regeln halten (wollen), sind diejenigen, die uns allen das Leben schwermachen. Angefangen von jenen, die keine Rettungsgasse machen und Rettungskräfte noch beschimpfen und bespucken bis hin zu jenen, die für ihre Hochzeitfeier die Straßen sperren oder in der 2. Spur anhalten, um mal kurz miteinander zu schwatzen und andere, die hupen, mit Schlägen drohen.

      Kinder, die den Unterricht massiv stören, sodass fast keiner mehr stattfinden kann, nehmen anderen Kindern das Recht auf eben diesen Unterricht. Mag sein, dass sie auch später im Leben die sind, die rücksichtslos Karriere machen und ihr Glück auf dem Unglück anderer aufbauen, aber wollen wir das?

      • Sind das Schulkinder auf der Autobahn? Warum schlagen sie so wilde Haken? Das müssten sie schon mit wissenschaftlichen Studien belegen, dass das dieselben sind. Ich kann Ihnen sagen, die unruhigen Kinder meiner Zeit sind Unternehmer geworden oder arbeiten im Straßenbau oder bei der Bundeswehr. Ich habe da einen guten Überblick in meiner Kleinstadt… Also nichts, was einen beunruhigen müsste. Und ja, ich möchte, dass meine Kinder sich austoben können. Weil sie es in der Schulzeit nicht konnten. Ich möchte nicht, daß aus ihnen später Erwachsene werden, die sich ständig austoben müssen. Ich möchte, daß sie lernen rechtzeitig Verantwortung für ihr eigenes Handeln übernehmen, weil sie sich vorher wie Kinder verhalten durften… Das Argument, “uns das Leben schwer machen” zählt für mich nicht.. Jede Argumentation, die darauf abzielt, daß es ja schlimm ist, weil es einem mehr Arbeit macht, ist für mich lächerlich. Sie können sich ihren Job selbst aussuchen und wenn er zu sehr stresst, sucht man sich einen anderen… So ist das heutzutage.

    • @Meyer
      Ich bin selbst “nur” Vater von fünf Kindern und habe sehr unterschiedliche Erfahrungen mit Lehrern gesammelt. Was mich am meisten geärgert hat, war die in großen Teilen vorhandene unstrukturierte Arbeitsweise in den ersten beiden Grundschuljahren, in denen die Grundlagen für eine sichere Automatisierung im Lesen ,Schreiben und Rechnen gelegt werden.
      Und in diesen beiden Schuljahren haben diese Lehrerinnen die Schüler sich zum nicht unerheblichen Teil diese Grundkenntnisse sehr unstrukturiert, eigeninitiativ und weitgehend materialzentriert selbstständig beibringen lassen, zum Teil unterblieb eine wichtige Unterstützung bei lernschwachen Schülern.
      Erst in einer Sprachförderschule erfolgte eine zieldifferenzierte Vermittlung der Lerninhalte mit spezifischen Arbeitsplänen in Einzel- und in Kleingruppenförderung.
      Sehr erfreulich gestaltete sich der Wechsel in eine Sprachförderschule auf die Lernentwicklung, weil man als Eltern und Lehrer dort mehr miteinander harmonierte und in die Arbeitspläne mit eingebunden wurde und sich effektiv austauschte .
      Es hängt sehr viel vom Ausbildungsstand und on der Arbeitsweise der Lehrer ab wie sich Lernerfolg ausbildet und niederschlägt.
      Die Verteilung der Fähigkeiten Einzelner im Gesamtbild entspricht wohl dem Bild dem Normalverteilungsdiagramm, so wie auch in anderen Berufsfeldern dies der Fall ist.

      • @ Ignaz Wrobel schreibt: “Erst in einer Sprachförderschule erfolgte eine zieldifferenzierte Vermittlung der Lerninhalte mit spezifischen Arbeitsplänen in Einzel- und in Kleingruppenförderung.”

        Chapeau auf Ihr Paradigma einer nachvollziehbaren, jedoch utopischen Erwartungshaltung an die leider nicht unbegrenzten Möglichkeiten von Grundschulkollegien, die Sie nonchalant mit denen einer Sprachheilschule vergleichen. Entscheidend sollte auch weiterhin ein realistischer Blick seitens Eltern auf Begabungen Ihres Nachwuchs sein, also Obacht bei der Schulwahl! Dann klappts offensichtlich auch besser mit “niederschlagenen Lernerfolgen”, die wir schulunabhängig alle verfolgen.

        • Es ist vielen Eltern schon möglich, ihre Kinder realistisch einzuschätzen und Defizite in der Didaktik zu erkennen. Ebenso wie viele Lehrer das Erziehungsverhalten der Eltern manchmal richtig einschätzen und Schwächen bemängeln.Leider ist der geschilderte Fall von Ignaz Wrobel kein Einzelfall.
          Trotz allem sollte weiterhin versucht werden, an einem Strang zu ziehen. Mehr als einmal habe ich erlebt (als Lehrerin und als Mutter), dass eine anfangs sehr kritische Einstellung mir gegenüber sich geändert hat, was in der Regel auch zu einem veränderten Blick auf das Kind und zu einer Entspannung in der Lehrer/Schülerbeziehung geführt hat.
          Wenn man mehrere Kinder hat, erlebt man schon einiges in deren Schulzeit, da muss ich einigen hier Recht geben. Meine Mutter meinte, als das letzte von uns fünf Geschwistern sein Abitur in der Tasche hatte, nun könne sie ein Buch schreiben. Das war in den Siebzigern. Das bezog sich hauptsächlich auf das Gymnasium, denn die Grundschulzeit war in den Sechzigern noch weitgehend unproblematisch, wenn man davon absieht, dass Mengenlehre und überambitioniertes systematisches Vorauslernen der Kulturtechniken in der Vorschulzeit durch einzelne Eltern Einzug in das Schulwesen fanden.
          Leider haben sich die Schulprobleme in die Grundschulzeit vorverlagert. Wenn ich obigen Artikel richtig gelesen habe sowie den Zusatzartikel, auf den im Vorwort verwiesen wird, so sind es ja hauptsächlich die Grundschullehrer, die (zu einem Drittel) die Kommunikation mit den Eltern als große Herausforderung ansehen. Die Gymnasien sind weitaus weniger betroffen. Schade, dass nun zunehmend jüngere Kinder vom Schulstress betroffen sind.
          Ältere Kinder können Misserfolge besser verarbeiten, und auch die Eltern wären besser entlastet, wenn in die Grundschulzeit endlich wieder mehr Ruhe und Konzentration auf das FÜR ALLE Wesentliche einkehren würde.
          Im übrigen hat Sabine oben in ihrem ersten Kommentar das Wichtigste sehr treffend zusammengefasst.

        • @unverzagte “Entscheidend sollte auch weiterhin ein realistischer Blick seitens Eltern auf Begabungen Ihres Nachwuchs sein, also Obacht bei der Schulwahl!”

          Das ist ja das Problem bei der weiterführenden Schule. Von der Politik wird seit Jahren das Gymnasium bzw. aktuell sogar schon der Bachelor das das Allheilmittel propagiert, sprich umgekehrt alle anderen Schulformen als das Gymnasium sind Resteschulen mit Bildungsverlierern. Kein Wunder, dass Eltern alles versuchen, um ihre Kinder am Gymnasium anzumelden. Die Politik kommt diesen Eltern entgegen, indem die Lehrpläne massiv vereinfacht wurden und das Abitur alles mögliche ist, aber keine Studierbefähigung mehr.

        • Die Begabungen und Grundfähigkeiten sind, wie bei allen anderen Menschen auch, ebenso bei meinen Kindern unterschiedlich gestreut.
          Aber es unterschied sich auch erheblich die Lernmethodik bei meinem heute 27 jährigen Ältesten erheblich von der zur Zeit im Münsterland praktizierten Methodik des Spracherfahrungsansatzes nach Brügelmann, die ergänzt durch Schulmaterialien der Rechtschreibwerkstatt und Tinto, sowie durch Jahndorf-Rechtschreibübungshefte, ihren Wirkungen erzielen entfalten konnte, ein notwendiges Intervenieren meinerseits erforderlich machte, um die wichtigsten Grundfertigkeiten des Lesen und des Schreiben in eine Automatisierung zu überführen.
          Diese Erfahrungen machten hier im Raum fast alle, die mit diesem Kapitel als Eltern zu tun hatten, wobei ich ca. 400 Eltern und betroffene Schüler selbst zu ihren Problemen befragte. Da erhielt ich ein umfangreiches Feedback zu den angesprochenen Methoden und deren nachhaltig schädigende Auswirkungen auf die fehlende Vermittlung an Grundfähigkeiten des Lesens und des Schreibens. Tröstende Worte, dass es alles noch wird erhielten die meisten betroffenen Eltern, ohne dass gezielte Maßnahmen in Angriff genommen wurden.

        • Die Sprachförderschulen sollte doch von Seiten der Politik ebenso geschlossen werden, um der verheißungsvollen Inklusion mehr Auftriebs- und Durchschlagskraft zu verleihen. Die Ergebnisse sind nun einmal anders als erwartungsfroh von manch einem politischen Träumer erwünscht.
          Nun werden in NRW eben wieder die Förderschulen dem Elternwillen entsprechend weiter gefördert werden, derweil die inkludierten Schüler erfolglos auf Abschlüsse an Gymnasien und anderswo warten werden.

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