Lehrermangel: Bildungsministerium will Lehrer über Pensionsgrenze hinaus halten

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ERDFURT. Die Not mit dem Lehrermangel ist groß – auch in Thüringen. In einem Schreiben an alle Schulen wirbt das Bildungsministerium nun für die Möglichkeit, Lehrer auch über die Pensionsgrenze hinaus im Schuldienst zu halten. Der Thüringer Lehrerverband hält die Aktion für überstürzt.

Erfolg ist im Lehrerberuf relativ - damit müssen Lehrerinnen und Lehrer umgehen können. Foto: Shutterstock
Immer weniger Lehrkräfte erreichen die gesetzliche Regelaltersgrenze im Beruf – sollen aber weiterarbeiten? Foto: Shutterstock

Mit einem Schreiben an alle staatlichen Schulen hat das Bildungsministeriums bei Lehrern dafür geworben, auch im Ruhestand weiterzuarbeiten. «Gerade in sogenannten Bedarfsfächern trägt auch ein auf wenige Stunden begrenzter Einsatz zur Unterrichtsabsicherung bei und ist generell hoch erwünscht», heißt es in einem Schreiben des Bildungsministeriums, das am Freitag an alle Schulen verschickt wurde. Ein Sprecher des Ministeriums sagte, man wolle alle Register ziehen, um Lehrermangel und Unterrichtsausfall einzudämmen. Dazu gehöre auch, Lehrer darauf aufmerksam zu machen, dass sie weiter arbeiten können.

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tlv: Viele Lehrer hörern früher auf, weil sie nicht mehr können

Der Thüringer Lehrerverband (tlv) kritisierte, dass die Aktion ohne Vorwarnung und kurz vor Schuljahresende gestartet wurde. «Das wird einigen Kollegen bitter aufstoßen. Denn es gibt viele Lehrer, die früher aufhören und dafür auch Abschläge in Kauf nehmen, weil sie einfach nicht mehr können», sagte tlv-Chef Rolf Busch. Er bezeichnete das Schreiben als «puren Aktionismus». Der Ministeriumssprecher entgegnete, dass der Hauptpersonalrat bereits vor einigen Tagen über das Schreiben informiert worden sei.

Aus dem Brief geht hervor, dass verbeamtete Lehrer ihren Ruhestand um mindestens ein Jahr und bis zu drei Jahre aufschieben können. Auch angestellte Lehrer können das Ende ihres Arbeitslebens per Antrag mehrfach zeitlich nach hinten schieben. Arbeitnehmer, die nach Erreichen der Regelaltersgrenze weiterarbeiten, seien von der Arbeitslosenversicherung befreit, heißt es in einem Hinweisblatt des Bildungsministeriums.

Lehrer können in Teilzeit weiterarbeiten – auch als Mini-Jobber

Außerdem können Lehrer auch als Teilzeitkräfte weiterarbeiten – als reguläre Lehrkraft oder als betreuender Lehrer, der zum Beispiel neue Kollegen unterstützt. Man freue sich zwar über viele neue Nachwuchskräfte. «Der Erfahrungsverlust durch ausscheidende Kolleginnen und Kollegen ist dennoch überall spürbar», heißt es in einem Hinweisblatt zu dem Schreiben. Auch Verträge für Minijobs auf 450-Euro-Basis seien möglich.

Eine Zielsetzung, wie viele Lehrer durch die Aktion an den Schulen gehalten werden sollen, gibt es laut Ministerium nicht. Für die Weiterbeschäftigung von Lehrern soll Geld für bereits vorgesehene Stellen genutzt werden, die im Doppelhaushalt 2018/2019 eingeplant sind. dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

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1 KOMMENTAR

  1. Und während man bei früherem Ausstieg Prozente von Rente/Pensionierung verliert, bekommt man sie dann zusätzlich hinzu, weil man dem Land hilft?

    Da ja kaum Lehrkräfte bis zur Regelaltersgrenze Durchhalten, werden es nur wenige sein, die das Angebot annehmen.
    In NDS gibt es das schon länger, allerdings wurde die Zuverdienstgrenze für Pensionierte nicht gelockert, sodass die Lehrkräfte viele Abgaben hatten oder nur sehr wenige Stunden unterrichten konnten.
    Hier umgeht man das Problem, indem die Pensionierung aufgeschoben wird.

    Lehrkräfte zu entlasten wäre womöglich hilfreich, dass weniger Lehrer früher aussteigen. Reguläre Verteilung von Aufgaben wie Förderung, Beratung, Organisation sowie deren Anerkennung als Arbeit würde Lehrkräfte insgesamt entlasten.

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