OECD-Studie: Kita-Kinder in Deutschland professionell betreut

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BERLIN. Studien und Umfragen zum Fachkräftemangel im Bereich der frühkindlichen Bildung, zu fehlenden Kita-Plätzen und Sorgen der Eltern gibt es viele – jetzt hat die OECD die Erzieherinnen und Erzieher selbst befragt. Ergebnis: Sie sind gut ausgebildet, lieben ihren Job, aber fühlen sich wenig wertgeschätzt.

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Im internationalen Vergleich verfügen Erzieherinnen und Erzieher in Deutschland laut OECD-Untersuchung über besonders hohe Fachkompetenz. Foto: fotolia

Im internationalen Vergleich können deutsche Kitas mit einer besonders hohen Fachkompetenz punkten. Fast alle Erzieherinnen und Erzieher sind außerdem zufrieden mit ihrem Beruf, allerdings nicht mit der Bezahlung und der Wertschätzung durch die Gesellschaft. Das sind Ergebnisse einer Befragung von Tausenden Kita-Fachkräften durch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

97 Prozent der Betreuerinnen und Betreuer im vorschulischen und 95 Prozent im Kleinkindbereich in Deutschland sind demnach speziell für die Arbeit mit Kindern ausgebildet. Das ist der höchste Anteil im Vergleich zu den anderen untersuchten OECD-Ländern. «Wer speziell für die Arbeit mit Kindern ausgebildet ist und ein höheres Bildungsniveau hat, wendet eine größere Bandbreite von Methoden an, die die kindliche Entwicklung fördern», hieß es von der OECD.

Großangelegte Befragung

Die Organisation hatte für die Studie 18.000 Führungs- und Fachkräfte in Kitas in Chile, Dänemark, Deutschland, Island, Israel, Japan, Südkorea, Norwegen und der Türkei befragt. Das waren Länder, die an einer solchen Erhebung interessiert gewesen seien, so OECD-Bildungsexperte Arno Engel. Die Fragebögen seien aber so entwickelt worden, dass trotz kultureller Unterschiede eine Vergleichbarkeit möglich sei.

Die überwiegende Mehrheit der Erzieherinnen und Erzieher in Deutschland ist mit ihrem Beruf zufrieden (93 Prozent). Von der Gesellschaft wertgeschätzt (36 Prozent) und angemessen bezahlt (26 Prozent) fühlen sich deutsche Fachkräfte dagegen im Vergleich zu Kita-Erziehern in anderen Ländern nicht so sehr. Das ist nach Ansicht der OECD ein Problem: Mangelnde Anerkennung könne sich auf die Qualität der Betreuung auswirken. «Diejenigen, die sich in ihrer Rolle anerkannt fühlen, wenden nach eigener Aussage häufiger individuell auf die Kinder zugeschnittene Lern- und Fördermaßnahmen an.»

Nachhaltige Aufwertung gefordert

Der Chef des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, forderte, den Status des Erzieherberufs «nachhaltig aufzuwerten»: «Wertschätzung und Entlohnung für Fachkräfte an Kitas in Deutschland stehen in keinem Verhältnis zu dem, was diese Menschen tagtäglich leisten.»

Die in der Studie befragten Erzieherinnen und Erzieher nennen als größte Belastung Stress durch Personalmangel und wünschen sich sowohl bessere Gehälter als auch die Betreuung kleinerer Gruppen. Die OECD schlägt außerdem mehr Fort- und Weiterbildungen vor, um die Motivation der Mitarbeiter in der Kinderbetreuung zu erhöhen. (dpa)

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1 KOMMENTAR

  1. Sagen wir es mal so: Es wird sehr schwierig sein, in Deutschland ohne abgeschlossene Ausbildung dauerhaft in einer KiTa arbeiten zu können. Von daher ist die Quote von über 90% keine Überraschung.

    Die geringe Wertschätzung und die miserable Bezahlung ist traurig aber wahr. Die 500€ brutto, die die Grundschullehrer im Rahmen von „A13 für alle“ fordern, könnten die Erzieher viel besser gebrauchen.

    Frage: Wie ist eigentlich die Ausbildung der Tagesmütter und -väter und wie viele Kinder werden von denen betreut? In der Erhebung wurden die nicht berücksichtigt.

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