CSU-Ministerin fordert “Digitalbotschafter” an jeder Schule – Piazolo: Gibt’s längst

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MÜNCHEN. Pünktlich zum Einjährigen der schwarz-orangen Koalition gibt es leise Misstöne zwischen zwei Ministerien um die digitale Bildung in den Schulen. Sogar der ansonsten freundlich-zurückhaltende Kultusminister reagiert erkennbar erzürnt.

Michael Piazolo ist der erste bayerische Kultusminister, der den Freien Wählern angehört. Foto: © StMUK

Zwischen dem CSU-geführten Digitalministerium und dem Kultusministerium unter den Freien Wählern gibt es leichte Dissonanzen: Digitalministerin Judith Gerlach forderte am Mittwoch mehr digitale Basisbildung und einen Digitalbotschafter an allen Schulen im Freistaat. Mit diesem Vorstoß erzürnte sie aber ihren Kabinettskollegen, Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler).

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Kinder und Jugendliche müssten intensiver in ihrem digitalen Leben begleitet werden, mahnte die CSU-Ministerin in München. Man müsse mit ihnen über die Zusammenhänge, Chancen und Herausforderungen sprechen – damit sie sich sicher in der digitalen Welt bewegen könnten.

«Digitalisierung soll das Sprungbrett für junge Menschen sein und nicht zur digitalen Falle werden», betonte Gerlach. Kinder und Jugendliche seien am stärksten von neuen Phänomenen wie Cybermobbing oder digitalem Stress betroffen. «Unser Auftrag ist deshalb, junge Menschen nicht nur in Informatik zu unterrichten, sondern sie auch für den digitalen Alltag zu rüsten. Wir brauchen digitale Basisbildung an den Schulen.» Deshalb brauche jede Schule einen Digitalbotschafter, der sich um diese digitale Basisbildung kümmere. «Mir kommt es nicht darauf an, ob feste Digitalstunden, Projektnachmittage oder Kurse angeboten werden. Entscheidend ist, dass die digitalen Themen intensiv vermittelt werden», erklärte sie.

Piazolo konterte: «Unsere Schülerinnen und Schüler werden an den Schulen sehr gut auf die digitale Zukunft vorbereitet. Unsere Lehrkräfte leisten sehr gute Arbeit beim Lernen mit und über digitale Medien.» Sie würden dabei von einem breit aufgestellten Expertennetzwerk unterstützt: 4500 pädagogischen Systembetreuern an den einzelnen Schulen, 170 Beratern digitale Bildung auf regionaler Ebene für alle Fragen der Medienpädagogik und IT-Ausstattung und 200 Fortbildungsexperten. Derzeit laufe zudem eine bayernweite Fortbildungsoffensive. «Es wäre schön gewesen, wenn Kollegin Gerlach sich vor ihrem Vorschlag zuerst im zuständigen Ressort über das schon bestehende Expertennetzwerk erkundigt hätte», sagte Piazolo. dpa

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5 KOMMENTARE

  1. Fordern ist einfach, hier nun “Digitalbotschafter”. Ein neuer Titel, den der einzige Informatiklehrer der Schule nun zusätzlich tragen darf? Eine neue Stelle, welche jemand besetzt, der ansonsten unterrichten würde? Oder Werbeträger aus der Wirtschaft, die allgemeine Visionen verbreiten, aber keine konkreten Unterrichtsentwürfe haben, wie bei unseren Fortbildungen?

    • Noch eine Beauftragung, die LuL “ganz nebenbei” erledigen dürfen, wie so viele andere Aufgaben auch.
      Warum muss man dafür Informatik-LuL sein?

      Ich fände ja an der Zeit, dass Schulen mal eine “Bildungsbotschafterin” bekommen.

        • LuL ist die Abkürzung für Lehrerinnen und Lehrer,
          SuS für Schülerinnen und Schüler,
          inzwischen soll es vor Ort in den Unterrichtsentwürfen “Lernende” heißen, wenn man es abkürzt im tabellarischen Entwurf, steht dort L, was m.E. missverständlich ist zu (L-Lehrkraft/ Lehrende/ Lernbegleitend … was auch immer)

          • ein LuL ist also ein Lehrerin und Lehrer? Könnte man auch Lehrerin oder Lehrer sagen? Wie würde man das dann abkürzen?

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