Schüler an einer Eliteschule des Sports: Ein Leben unter ständigem Leistungsdruck

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POTSDAM. Es ist kein einfaches Leben, das die Schüler der Sport-Eliteschulen gewählt haben. Konkurrenzdruck und mangelnde Freizeit gehören zum Alltag. Allerdings haben sie sich bewusst für dieses Leben entschieden. Denn: Sie haben alle denselben Traum.

Sportschüler sind gegenüber Regelschülern einem höheren Druck ausgesetzt (Symbolfoto). Foto: Shutterstock

5.30 Uhr aufstehen. Ab 6.15 Uhr zwei Stunden Cardiotraining. Danach bis 15.50 Uhr durchgängig Schulunterricht, anschließend Trainingseinheiten auf dem Wasser oder in der Krafthalle. Gegen 19.30 Uhr ist Anna Ékes schließlich wieder im Wohnheim. Die 18-jährige Ruderin hat kein leichtes Leben gewählt, als sie sich vor zwei Jahren für eine Ausbildung an der Sportschule Potsdam entschied. Ein Leben mit Sport und Schule. «Die Doppelbelastung ist nicht immer leicht. Aber ich kann das, was ich liebe – das Rudern – mit einer vernünftigen Schulausbildung verbinden. Das ist jeden Aufwand wert», sagt Ékes.

Der Leistungssport steht an erste Stelle – dann kommt der Unterricht

«An meiner alten Schule war es kaum möglich, Schule und Leistungssport miteinander zu verbinden», sagt Ékes, die eine von 682 Schülern an der Sportschule Potsdam ist. Der Leistungssport stehe an erster Stelle und ihr Stundenplan sei auf ihre Trainingspläne abgestimmt, berichtet sie.

Die Sportschule Potsdam ist eine von 43 Sport-Eliteschulen in Deutschland. «Ihre Effizienz wird nicht nur am sportlichen Erfolg der Schüler gemessen», sagt der Sprecher des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Sven Baumgarten. Die besondere Leistung der Sportschulen sei vielmehr, neben einer guten Schulausbildung auch ein umfangreiches Training von bis zu 30 Stunden pro Woche zu ermöglichen. «Unsere Schüler haben sich für ein aufregendes und herausforderndes Leben entschieden, denn nicht jeder bekommt die Chance, auf eine Sportschule zu gehen», sagt Schulleiterin Iris Gerloff. Zunächst müssten bestimmte Aufnahmekriterien erfüllt werden.

Neben einer schulischen Eignung – Noten und persönliche Kompetenzen – sei auch ein sportmedizinisches Attest notwendig, erklärt Gerloff. «Gibt es Vorerkrankungen? Ist der Schüler psychisch stabil oder hat er körperliche Einschränkungen, die ein Hemmnis für den Sport darstellen? – das sind alles Fragen, mit denen wir uns instiutionell vorab beschäftigen müssen, um eine optimale Förderung möglich zumachen.» Zuletzt müsse auch der jeweilige Landesfachverband feststellen, dass ein Schüler geeignet ist. Verbände organisieren hierfür Wettkämpfe und Sichtungen, um talentierte Sportler zu entdecken.

Fast alle Schüler träumen von einer Goldmedaille bei den olympischen Spielen

Fast alle Schüler verfolgen laut Gerloff denselben Traum: Olympisches Gold gewinnen. Was sie bis dahin alles auf sich nehmen müssten, wüssten viele vorab nicht. Vor allem der erhöhte Druck und die Konkurrenzsituation sei für die Schüler in dem Ausmaß oft neu. «Man kommt hierher, weil man als Talent gesichtet worden ist. Jetzt ist man hier unter Gleichgesinnten – eine zielstrebige Vorbereitung beginnt, weil man den Anspruch hat, am Ende des Jahres bei Meisterschaften die bestmöglichen Ergebnisse zu erreichen», sagt die Schulleiterin. Es sei ein Leben zwischen Sieg und Niederlage, zwischen Höhepunkten und Rückschlägen, zwischen Druck und Entlastung.

Der höhere Druck, dem Sportschüler im Vergleich zu Regelschülern ausgesetzt sind, führt nach Ansicht von Sportpsychologe Ralf Brand jedoch weder seltener noch öfter zu psychischen Schwierigkeiten. «Einem „Normalo“ würde das Herz wahrscheinlich in die Hose rutschen, wenn er vor Tausenden von Menschen antritt – Sportschüler haben sich für genau solche Situationen entschieden», sagt Brand. Sie könnten Situationen, die andere als Drucksituationen empfinden, etwas entgegensetzen und dann eben erst gar keinen Druck empfinden, meint er. Für Schulleiterin Gerloff sei der Konkurrenzdruck vor allem Ansporn für die Schüler, ihre Bestleistung zu bringen.

Neben dem Konkurrenzdruck hatte Ruderin Ékes anfangs nach eigener Aussage noch mit einer anderen Sache zu kämpfen: Heimweh. «Für mich war es schwierig, weit weg von meiner Familie zu sein. Ich habe eine kleine Schwester, für die ich als große Schwester natürlich nicht so oft da sein kann», erzählt die gebürtige Ungarin, die ihre Familie aufgrund von Wettkämpfen an Wochenenden oft mehrere Wochen nicht sieht. Es sind Situationen, mit denen die Schüler erst lernen müssen umzugehen. Freizeit müsse hinten angestellt werden, sagt Gerloff. Gerade in der Pubertät, wenn Freunde zuhause Party machten, während die Sportschüler trainieren müssten, sei dies nicht immer einfach.

Ékes hat gelernt, Prioritäten zu setzen. Klar könne sie auch feiern gehen und bis 2.00 Uhr nachts Alkohol trinken, sagt sie. Die Frage sei nur, ob sie dann am nächsten Tag ihre sportliche Höchstleistung bringen könne. «Jeder von uns ist hier, weil er den Sport liebt und es ein Teil von ihm ist – und es gehört nun mal dazu, Abstriche zu machen», sagt die 18-Jährige.

Die Sportschule Potsdam nimmt bereits Siebtklässler auf

Ab der siebten Klasse können Schüler die Sportschule Potsdam besuchen und das Leistungsangebot in Anspruch nehmen. Sportwissenschaftler Arne Güllich hält diese frühe Förderung nicht für zielführend. Seine Studie zur Evaluation der Eliteschulen des Sports zeige, dass bisherige erfolgreiche, erwachsene Spitzensportler erst relativ spät in die Spitzenförderung aufgenommen wurden. «Wer also etwa mit 12 oder 13 Jahren ein Überflieger in seiner Sportart ist, hat statistisch gesehen nur eine geringe Chance, es mal zu einer Weltmeisterschaft zu bringen», sagt Güllich.

Laut Schulleiterin Gerloff darf man die Studienergebnisse nicht pauschalisieren. Vielmehr müsse zwischen den Sportarten differenziert werden. Schwimmer hätten ihr Höchstleistungsalter mit Anfang 20, Ruderer hingegen Mitte bis Ende 20. «Die goldene Regel des Sports besagt, dass man mindestens zehn Jahre braucht, um Weltklasse zu werden. Ruderer könnten theoretisch auch erst ab einem Alter von 15 Jahren an die Schule kommen und gefördert werden», sagt Gerloff. «Unsere Ruderer entscheiden sich jedoch bewusst für eine frühe Förderung, um die Basis in der Athletik und in der Technikausbildung für ein höheres Niveau im Höchstleistungsalter zu schaffen.»

Bis Anna Ékes ihr Höchstleistungsalter erreicht, sind es also noch ein paar Jahre. Um zu den Besten zu gehören, trainiert sie täglich mehrere Stunden. Gegen 19.30 Uhr kehrt sie wieder ins Wohnheim der Sportschule zurück. «Hier teile ich mir ein Zimmer mit einer anderen Sportschülerin», sagt Ékes. Sie habe schnell gelernt, selbstständig zu sein. «Mutti kümmert sich nicht mehr um alles», lacht sie. Abends müsse sie selbst aufräumen, ihre Sportsachen packen oder Hausaufgaben machen. Um 21.00 Uhr sei dann meist Schlafenszeit. Denn in weniger als neun Stunden klingelt schon wieder der Wecker – um 5.30 Uhr. Von Jordan Raza, dpa

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5 KOMMENTARE

  1. Das ist typisches Schönreden bzw. unkritische „Hofberichterstattung“. Nicht einmal die eifrigen Verfechter der „einen Schule für alle“ wagen es, die Sport-Eliteschulen für die Elitebildung mit Leistungsdruck, die dort betrieben wird (selbstverständlich mit Aufnahmeprüfung), zu kritisieren oder infrage zu stellen. Im gelobten Pädagogik-Land Skandinavien gibt’s sowas nicht! Diese Eliteschulen sind ein Erbe der DDR (mit Staats-Doping) und wurden im Westen erst nach 1990 eingeführt, im Osten weitgehend übernommen:
    http://www.nolympia.de/kritisches-olympisches-lexikon/eliteschulen-des-sports/
    Ziel ist es, eine vorher geplante Zahl von olympischen Medaillen in den kommenden Jahren zu gewinnen, denn für jede Medaille fließt Geld in die Kassen der Sportfunktionäre. Und Olympia selbst ist sakrosankt, nur ein paar böse Populisten hetzen das Volk auf, hier und da eine Olympiabewerbung zu Fall zu bringen.
    Die in der DDR ebenfalls üblichen „Spezialschulen“ zu anderen Themen (Sprachen, Mathematik usw) wurden selbstverständlich abgeschafft. Außerhalb des Sports darf es keine Elitebildungen geben, das würde ja der sozialen Gerechtigkeit widersprechen. Eine Ausnahme ist vielleicht Schloss Salem für die Geldelite. Aber wohl noch niemand hat untersucht, wieviele Leute aus sportfernen Familien es in die Olympiamannschaft geschafft haben. Sowas gilt nicht als Gradmesser für Gerechtigkeit.

    • Gibt’s eigentlich irgendetwas in diesem Land, an dem Sie nichts zu meckern haben? Andauernd beschweren Sie sich, dass angeblich die Leistungen heruntergehen – hier haben Sie mal extrem leistungswillige junge Menschen. Und das ist dann auch wieder nicht richtig.

      • Na ja, wenn in anderen Fächern außer Sport die Selektion ebenso anerkannt wäre, dann würde ich Ihnen Recht geben. Ich gebe aber zu, dass die von Carsten60 zitierte Geldelite keine intellektuelle oder sportliche Elite sein muss.

        @Bernd: Wie stehen Sie zur genetischen Vererbbarkeit von sportlicher Elite?

        @Gerd Möller: Wie stehen Sie zu Sporteliteschulen?

        • Geht das schon wieder los mit Ihrer faschistoiden Vererbungslehre?

          Die Nazis glaubten auch, dass man Menschen nach Eigenschaften züchten kann. Ich nicht. Dafür ist der Mensch viel zu komplex und seine Entwicklung zu vielen Einflüssen ausgesetzt. Außer natürlich, Sie starten ein monströses Zuchtprogramm wie Vogelsang, in dem sie alles an Einflüssen entfernen, was den Menschen zum Menschen macht. Unter solchen Bedingungen lassen sich sicher auch Supersportler züchten – oder eben Monstersoldaten.

          • Dann erklären Sie mir doch bitte, wie Basketballspieler sich ihre sehr häufig über 2m Körpergröße antrainiert haben. Wenn die Genetik aus wie Sie meinen aus faschistoiden Gründen nichts damit zu tun haben kann, muss es andere Erklärungen geben.

            (Nein, nicht alle 2m großen Menschen sind gute Basketballspieler und nicht alle guten Basketballspieler sind über 2m groß. Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung sind über 2m große Menschen unter den Basketballspielern aber überrepräsentiert.)

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