Rechtschreib-Streit: Philologen kritisieren Kretschmann – und die Grundschulen

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STUTTGART. Mit scharfen Worten hat der Vorsitzende des Philologenverbands Baden-Württemberg, Ralf Scholl, die Aussagen von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) zum Thema Rechtschreibung zurückgewiesen – und dabei den Grundschulen einen Seitenhieb versetzt: Die hätten mit der Methode „Schreiben wie Hören“ dafür gesorgt, dass eine „ganze Generation von Kindern“ mit Rechtsschreibproblemen aufwachse.

Um die Rechtschreibung scheint mittlerweile ein Kulturkampf ausgebrochen zu sein. Foto: Claudia Hautumm / pixelio.de

Kretschmann hatte die Ansicht vertreten, dass die Bedeutung, Rechtschreibung zu pauken, abnehme, «weil wir heute ja nur noch selten handschriftlich schreiben» (News4teachers berichtete). Außerdem gebe es «kluge Geräte», die Grammatik und Fehler korrigierten.«Ich glaube nicht, dass Rechtschreibung jetzt zu den großen, gravierenden Problemen der Bildungspolitik gehört», hatte er gesagt und Widerspruch von der CDU und deren Kultusministerin Susanne Eisenmann im eigenen Land geerntet.

„Winfried Kretschmann sollte sich vor solchen Aussagen zuerst einmal gründlich informieren. Die Professoren der baden-württembergischen Hochschulen klagen lautstark über mangelhafte Rechtschreibung in den Semester- und Examensarbeiten Ihrer Studentinnen und Studenten“, sagt Scholl nun. Es sei dem Ministerpräsident natürlich unbenommen, zu jedem Thema seine persönliche Meinung zu äußern. „Wenn er aber keine Ahnung hat, sollte er im eigenen Interesse besser schweigen: ‚Si tacuisses, philosophus mansisses‘ lernte man früher im Latein-Unterricht.“

Dem Ministerpräsidenten sei — nach eigenen Worten — in den 50-er und 60-er Jahren in der Schule eine fehlerfreie Rechtschreibung vermittelt. „Kein Wunder, dass er kein Problem sehen kann: Er ist ja nicht betroffen“, meint Scholl. Er betont: „Die Autokorrektur der Textprogramme ersetzt keineswegs eigene Rechtschreibkenntnisse: Wer öfter Texte liest, die – trotz automatischer Rechtschreibkorrektur – nur so vor Fehlern strotzen, weiß, dass es nicht so einfach funktioniert.“

„Mangelhafte Rechtschreibung ist auch heute noch eine soziale Hürde“

Weiter meint der Philologen-Landesvorsitzende (dessen Verband vor allem Gymnasiallehrer vertritt): „Und die lautstark geäußerte Meinung einzelner pubertärer Schüler: ‚Rechtschreibung muss ich doch nicht beherrschen, das korrigieren in Zukunft mein Computer und meine Sekretärin‘, können sich eben nur die Erben von Familienbetrieben leisten. Für alle anderen gilt: Eine berufliche Position mit Sekretärin musst du erst einmal erreichen.“ Fakt sei: „Mangelhafte Rechtschreibung ist aber auch heute eine harte soziale Hürde, die sich nur schwer aus dem Weg räumen lässt: Rechtschreibfehler in Bewerbungsschreiben verhindern sehr effektiv die Einladung zu Bewerbungsgesprächen“, so betont Scholl.

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Die Stärkung des Deutsch-Unterrichts und der Rechtschreibung, nachdem in den letzten 25 Jahren in den Bildungsplänen immer weniger Wert auf Rechtschreibung gelegt wurde, sei überfällig und richtig. „Die fatale Methode ‚Schreiben nach Hören‘ in der Grundschule hat ein übriges dazu getan, eine ganze Generation von Kindern mit massiven Rechtschreibproblemen aus der Schule ins Leben zu entlassen. Es ist gut, dass daraus mittlerweile Konsequenzen gezogen wurden“, meint Scholl mit Blick auf einen Erlass von Landeskultusministerin Susanne Eisenmann (CDU), mit dem die Methode nach einem Absturz Baden-Württembergs im IQB-Länderranking „Schreiben wie Hören“ verboten wurde. Dies hatte der Philologenverband zuvor gefordert (News4teachers berichtete).

„Fünf bis zehn Fehler pro Seite sind keine Seltenheit mehr“

„Die Professoren an den Hochschulen sind zunehmend fassungslos, wie katastrophal Rechtschreibung und Grammatik in den wissenschaftlichen Arbeiten ihrer Studenten, selbst in wichtigen Abschlussarbeiten, mittlerweile sind“, so sagt Scholl. „Fünf bis zehn Fehler pro Seite sind trotz Rechtschreib- und Grammatikprüfung im Textprogramm keine Seltenheit mehr.“ Die Äußerungen des Ministerpräsidenten seien ein Bärendienst für alle Bemühungen, Baden-Württembergs Schüler wieder vom Mittelmaß an die deutsche und internationale Leistungsspitze zu bringen.

Auch Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) hatte Kretschmann widersprochen. «Ich wundere mich sehr über Winfried Kretschmanns Ansicht, dass Rechtschreibung heutzutage keine Rolle mehr spielen soll», sagte sie (News4teachers berichtete). Heute meldete sich die frisch ins Amt als KMK-Präsidentin eingeführte rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) zu Wort. «Wir müssen in den Schulen dafür Sorge tragen, dass unsere Schülerinnen und Schüler richtig rechnen, lesen und schreiben lernen. Das ist die Grundlage für alles Weitere», betonte sie. «Dazu gehört vor allem auch die Rechtschreibung.» Digitale Endgeräte wie Handys und Tablets hätten viele Vorteile, so Hubig. «Aber wer sich in Sachen Rechtschreibung auf sie verlassen muss, ist schnell verlassen.» News4teachers / mit Material der dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Streit um “Lesen durch Schreiben”: Kritiker der Methode räumen nun ein, dass Probleme mit dem Rechtschreiben daher kaum rühren können

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48 KOMMENTARE

  1. Dann können Professoren und Philologen ja mal per Umfrage ermitteln, welche der Schüler in ihren Klassen tatsächlich mit der Methode „Schreiben durch Lesen“ in der ersten Klasse unterrichtet wurden – zumal in BW.

    Tatsächlich wurden diese Kinder übrigns gar nicht nach der ersten oder zweiten Klasse aus den Schulen ins Leben entlassen, sondern haben danach in der Regel weiterhin die Grundschule und im Anschluss weitere 7 oder 8 Jahre eine weiterführende Schule besucht, in der sie auch ihre Hochschulreife ablegen konnten, bevor sie studieren gehen durften.

    Entsprechend können PhilologInnen und ProfessorInnen erfragen, wie der Rechtschreibunterricht in den weiterführenden Schulen die dringend eingeforderten Kenntnisse vermittelt hat und in welchen Gymnasien der richtige Umgang mit einer digitalen Korrekturfunktion erlernt wurde, wie es Curricula seit längerem vorsehen.

    • Die wesentlichen Grundlagen für die Vermittlung orthographisch Kenntnissen werden nun einmal in der Grundschule gelegt. Was man dort an basalem Wissen nicht vermittelt bekommen und gelernt hat, gelingt nach der zweiten Klasse nur noch mit einem sehr großen Aufwand .

      • „…gelingt nach der zweiten Klasse…“????? Bitte tun Sie uns allen den Gefallen und lesen Sie den Bildungsplan. Mit orthografischen Strategien vor der zweiten Klasse zu beginnen ist absolut nicht zu empfehlen. Der Rechtschreibrahmen BW verschafft einen sehr guten Überblick, wann was gelehrt werden soll.

        • Nun, genau die „orthografischen Strategien vor der zweiten Klasse“ könnten das Entscheidende sein – falls damit gemeint ist, dass man den Kindern gleich am Anfang sagt, wie ein Wort richtig geschrieben wird, damit sie es sich nicht falsch einprägen. Unsere Freunde haben das mit ihren Kindern gut durchkämpfen können, weil sie genug Grundschullehrerinnen in der eigenen Familie haben.
          Ist vielleicht Der Rechtschreibrahmen BW ein Teil des Problems?

          • Das kann nur jemand schreiben, der keine Erfahrungen mit dem Schriftspracherwerb bei Kindern hat. NATÜRLICH werden die Kinder auf die korrekte Schreibung aufmerksam gemacht. Aber ein Kind ist keine Maschine, dem man einmal was „einprogrammiert“ und dann weiß es das.
            Googlen Sie mal „Beate Leßmann“, die hat es ganz verständlich, auch für Leute die nicht vom Fach sind, beschrieben.

        • „Mit orthografischen Strategien vor der zweiten Klasse zu beginnen ist absolut nicht zu empfehlen.“
          Danke, Keks.

          Aber BW hat ja „Schreiben nach Gehör“ angeblich verboten, da werden in Zukunft nur noch rechtschreibsichere Kinder aus der 2. Klasse in die Freiheit entlassen werden.

    • Ihrer Schuldabwälzung kann ich nicht zustimmen, Palim, denn „was Hänschen nicht lernt,…“. Was in den ersten beiden Schuljahren versäumt oder falsch angewöhnt wurde, ist schwer wieder aufzuholen oder umzupolen.
      Den Lehrern mache ich die unselige Methode „Lesen durch Schreiben“ weniger zum Vorwurf als den sogenannten „Experten“, die immer wieder meinen, sich mit etwas Aufsehen erregend Neuem einen Namen machen, Geld scheffeln und in die Geschichte der Pädagogik eingehen zu müssen. Was sie sagen (auch an der Hochschule!), gilt meist als geheiligte Wahrheit.
      Die ersten beiden Schuljahre, die für möglichst sattelfeste Grundlagen im Lesen- und Schreibenlernen sorgen sollten, können nicht gegen 7 oder 8 weitere Jahre aufgerechnet werden.
      Was auf Sand gebaut ist, steht leider oft und dauerhaft auf wackligen Füßen.
      Außerdem haben die w e i t e r führenden Schulen nicht die Aufgabe, Falsches zu korrigieren, sondern richtig Gelerntes zu erweitern.
      Es kann auch nicht sein, dass „der richtige Umgang mit einer digitalen Korrekturfunktion“ falsch Erlerntes ständig ausbügelt, zumal die Korrekturfunktion kaum in der Lage ist, abenteuerliche Eigenschreibungen zu verbessern. Dann streikt auch sie.
      Außerdem hilft die Korrekturfunktion nicht für besseres Lesen. Wir wissen doch: Schreib- und Leseschwächen haben in der Regel miteinander zu tun.

      Ich verstehe nicht, warum Sie immer wieder die LdS-Methode verteidigen, ihre Folgen verharmlosen und die weiterführenden Schulen zu Unrecht auf die Anklagebank setzen.
      Keinem Lehrer fällt doch ein Zacken aus der Krone, wenn er zugibt, auf falsche Empfehlungen und Versprechungen von „Experten“ reingefallen zu sein. Das sind wir doch alle schon mal. Zur Schande wird’s erst, wenn wir Fehler nicht zugeben und andere zum Ausbügeln verpflichten.

      • „Außerdem haben die w e i t e r führenden Schulen nicht die Aufgabe, Falsches zu korrigieren, sondern richtig Gelerntes zu erweitern.“
        Ach so. Dann lassen also die KollegInnen in der weiterführenden Schule die Fehler in sämtlichen Fächern stehen ohne sie zu korrigieren und beschweren sich nach 7 Jahren, dass sich die SuS u.a. in ihrer Rechtschreibung nicht verbessert haben?
        Ein wahrlich interessanter Ansatz!

        Es ist nicht schön, wenn Sie mit Unterstellungen argumentieren, ebensowenig, wenn fachlich nurmehr Behauptungen in den Raum gestellt werden.
        Eine LRS _kann_ einher gehen, muss sie aber nicht. Auch ist sie nicht an den Einsatz einer bestimmten Methode im Erstunterricht gebunden, denn tatsächlich arbeiten die meisten Lehrkräfte nicht mit LdS, ebenso nicht alle gleich, dennoch gibt es Kinder mit LdS quer durchs Land.
        Von einer Vernachlässigung des Lesens und Schreibens war an keiner Stelle die Rede, außer dass dies von Lehrkräften, die gar nicht in Klasse 1+2 unterrichten, stets den Grundschullehrkräften angelastet wird, wobei gerne unterstellt wird, man würde nach LdS unterrichten UND jegliche Fehler ignorieren. Aber bei Ihrer Einstellung hinsichtlich des Umgangs mit Fehlern haben Sie da wohl eher von sich auf andere geschlossen.

        Tatsache ist allerdings, dass Lehrkräfte der SekI sehr wohl die Aufgabe haben, Rechtschreibung zu vermitteln. Das ist Ihnen offenbar entgangen. Wie Keks schon schrieb, könnte eine Beschäftigung mit dem Rechtschreibrahmen helfen, der ja in BW wirklich übersichtlich ist im Vergleich zu den seitenstärkeren Vorgaben anderer BL. Er zeigt deutlich, welche Inhalte in welcher Klassenstufe neu vermittelt werden sollen, so auch das Verwenden medialer Hilfen in Klasse 7/8 sowie das Erkennen der Grenzen dieser Möglichkeiten.

          • Haben Sie sich mit unterschiedlichen Methoden des Erstunterrichts sowie deren Verbreitungsgrad und den Bildungsstandards bzw. dem BW-Rechtschreibrahmen für Klasse 1-10 auseinandergesetzt
            und möchten auf dieser Grundlage Ihrer Aussage etwas Fachliches hinzufügen?

  2. Für mich ist Kretschmanns Äußerung einfach nur populistisches Stammtischgeschwätz. Der Mann ist im Wahlkampfmodus….

    • Ob wohl Kretschmanns Kritiker ebenso im Wahlkampfmodus sind? Wie oft wird aus einer nebenbei gemachten Aussage ein Halbsatz, der eigentlich gar nicht so zentral gemeint war, herausgezogen und daran ein Skandal gezimmert! Das ist schon Politikern aller Parteien geschehen. Aber Kretschmann ist beliebt genug, dass man ihm die Chance bieten könnte, sich nochmal richtig zur Sache zu erklären.

      • Bestimmt sind Kretschmanns Kritiker auch im Wahlkampfmodus. Aber ich erwarte schon, dass ein Volksvertreter nicht „nebenbei“ eine Aussage tätigt, die wie diese genügend Brennstoff liefert. Der Mann ist ein Profi und ich denke schon, dass er genau weiß, was er sagt und bei wem das gut ankommt. BaWü ist nämlich in dieser Hinsicht im Moment tief gespalten!
        Seine Aussagen bzw. Zitate zu diesem Thema sind in verschiedenen Zeitungen zu lesen; es sind keine Halbsätze (es sei denn, es gibt sie wirklich, die Lügenpresse…???). Außerdem glaube ich nicht, dass einem Politiker wie Kretschmann die Chance verwehrt wird, sich nochmals dazu äußern zu dürfen…

  3. Da hat der gute Herr Scholl wohl nicht wirklich aufgepasst und wie (die Laien auch) so oft die Phase des lautgetreuen Schreibens im Schriftspracherwerb mit der Methode „Lesen durch Schreiben“ verwechselt. Wir Grundschullehrer hingegen kennen diesen Unterschied sehr genau. Ich habe in meinem ganzen Berufsleben noch keinen Lehrer getroffen, der die Methode „Lesen durch Schreiben“ gelehrt hat. Von „einer ganzen Generation“, die deswegen keine Rechtschreibung gelernt haben soll, kann man da wohl kaum sprechen.

    • @Keks
      Ich will sie nicht belehren, ich mache sie aber trotzdem darauf aufmerksam, dass nur 5 % der deutschen Wörter lautgetreu geschrieben werden !
      Sobald ihre Schüler zweisilbige Wörter in der ersten Klassen schreiben, die auf den Schwalaut-e als Vokal in der Endsilbe enden, endet die Lauttreue und das Basisregelverständnis für zweisilbige Wörter mit einem deutschsprachigen Sprachstamm sollte vermittelt werden, weil ihre Schüler sonst nämlich „aba“ anstatt „aber“, „Muta“ statt „Mutter“ und „Fata“ statt „Vater“ schreiben werden !
      Die einübende Vermittlung orthographischer Schreibregeln verhilft gerade den Risikoschülern schneller zum Erwerb einer praktischen und orthographisch fundierten Schreibautomatik zu gelangen .
      Es ist schön für sie, dass sie die theoretischen Phasen einer Schreibentwicklung nach Uta Frith et all. derart verinnerlicht haben, allein der praktische Bezug zur praktischen Vermittlung von Rechtsschreibfähigkeiten fehlt dabei, denn Umlernen verzögert den Lernprozess, weil diese selbst entwickelten eigen Regeln der Schüler mit ihren lautgetreuen Übergeneralisierungen synaptisch im Gehirn hinterlegt werden und dort auch jedes mal wieder mit aktiviert werden, wenn ein derartigen Schreibproblem bearbeitet wird.

      Das menschliche Gehirn ist kein Computer, den man mal eben umprogrammiert.
      Synaptische Verschaltungen werden mit jeder neuen Aktivierung umstrukturiert und fester miteinander verbunden. Das ist Physiologie !
      Wenn selbst Lehrern, wie ihnen, die Bedeutung der Vermittlung der einfachsten Regelkenntnisse in den ersten beiden Schuljahren fehlt, wird es für ihre Schüler um so schwieriger, diese einfachen Regeln zu erlernen.
      Dann wird „Messer“ weiter als „Mesa“ geschrieben, „Hunt“ statt „Hunde“, „runt“ statt „runde“ lautgetreu geschrieben und wir warten alle gespannt auf die nächste theoretische Schreibentwicklungsstufe ihrer Schreibnovizen.
      Und es ist sehr wohl eine ganze Generatipon an Schülern von diesem Experiment des eigenständigen Schriftspracherwerb und der Selbstalphabetisierung betroffen.
      Und diese Nichtkenntnisse einfach zu vermittelnder orthographischer Schreibhilfen wirken sich sehr wohl auf deren berufliche Chancen ihrer Schüler aus.
      Darum beenden sie ihre Versuche, das Problem klein zu reden.

      • avl zum x ten mal grüßt das murmeltier:

        Zur Möglichkeit einer Konstruktion des Sündenbocks: Wie eine Methode einer Generation schriftsprachlich scheitern lässt?

        ihr lieblingsfrustthema ist absolut nachvollziehbar, mit verlaub, es nervt nicht nur langsam.

        • Mich nervt es nicht. Ich muss es ja nicht (ganz) lesen, wenn ich nicht will. Es ist ja auch im wesentlichen richtig. Wenn man bei den eigenen Kindern erlebt hat, wie sie in der Rechtschreibung in den ersten Jahren komplett versagen ( bei mir waren 2 betroffen), dann vergisst man das gewiss nie. Zumindest vor einigen Jahren waren die Diktatnoten noch sehr maßgeblich für die spätere Schullaufbahn. Wie sich das anfühlt, wenn man mit dem Üben zu Hause mit den Kindern gar nicht mehr hinterherkommt, will ich lieber gar nicht beschreiben.
          Und wir sind kein Einzelfall.

        • Mich nervt das Thema genauso wenig wie Cornelia. Es ist nach wie vor wichtig!
          Wer aber selbst die Rechtschreibung verachtet und auch die Schüler frei schreiben lassen möchte, den nervt natürlich jegliche Rückbesinnung auf den Wert guter Rechtschreibung und die Kritik an Lernmethoden, die Rechtschreibung noch wichtig nehmen.

      • @AvL
        „Ich will sie nicht belehren“
        Doch. Genau DAS wollen Sie und genau DAS versuchen Sie immer wieder und unterstellen jedem, der Ihre Behauptungen hinterfragt, er sei glühender LdS-Verfechter und würde den Untergang des Abendlandes befeuern.

        Was meinen Sie, wie viel Erfolg Sie haben können bei denen, die Einblick in den Erstunterricht haben, weil es nach langer Ausbildung ihr Beruf ist, den sie mit Engagement ausüben, die sich mit sprachwissenschaftlichen Hintergründen wie auch methodischen Möglichkeiten auseinandergesetzt haben?
        Und wieder einmal: Wie würden Sie es wohl finden, wenn ich IHNEN IHREN Beruf erklären würde. Würden Sie etwas ändern und anders machen, als alles, was sie bisher gelernt und erfahren haben, weil ICH mir das privat und persönlich wünsche und besser vorstellen kann?

        • Wenn ich mich nicht an die wissenschaftlich fundierten Leitlinien halte und der Patient Schaden davon trägt, dann drohen mir ein Verfahren bei der Ärztekammer, ein zivilgerichtliches Verfahren und im schlimmsten Fall ein staatsanwaltliches Ermittlungsverfahren !

          Es kann nicht die Aufgabe der Lehrer in den weiterführenden Schulen sein, das auf Grundlage theoretischer Denkmodelle im Schriftspracherwerb erzeugte Schreibdesaster ausbügeln zu versuchen, nur weil man in Teilen der Ausbildungsbereiche der Hochschulen Ideen anhängt, die im deutlichem Widerspruch zu psychologischen und medizinisch-physiologischen Erkenntnissen des Lernens stehen.

          • Wenn sich Lehrkräfte auf wissenschaftlich fundierte Beiträge und ihre Ausbildung stützen und gewissenhaft mit den SuS arbeiten,
            ist dies ebenso keine Garantie, wie sie nicht jedem Patienten die Heilung versprechen können, vermutlich nicht bei generell gesunden Menschen, weniger aber bei Menschen mit Vorerkrankungen.

            So eindeutig, wie sie stets Ihre Erkenntnisse des Lernens darstellen möchten, ist es nicht!
            Weder lassen Lehrkräfte die Lernenden einfach machen und – wie Sie es gerne ausdrücken – verwahrlosen,
            noch können sie die schwachen Vorläuferfähigkeiten oder Vorkenntnisse oder gar Beeinträchtigungen bei Kindern in kürzester Zeit auflösen.

            Davon abgesehen wird es die Aufgabe von Lehrkräften bleiben, Schülerinnen und Schülern entsprechend der Ausgangslage fehlende Kenntnisse entsprechend der Vorgaben zu vermitteln und sie so gut wie möglich zu unterstützen, zu fördern und herauszufordern.
            DAS gilt für alle Schulformen.

          • Eine wissenschaftliche Arbeitsweise eines Herrn Brügelmann steht in Anbetracht seiner Vorgehenseisen der Neuinterpretation alter Studien eindeutig zur Disposition.
            Auf der Internetseite http://www.grundschrift.info kann man sich über dessen Vorgehensweisen und seine Neuinterpretationen älterer Studien und seiner zitierten Kleinststudien zur Untermauerung seiner Thesen bestens und nachhaltig informieren.

        • Wenn sich Probleme mit der Darstellung der Grapheme der deutschen Schrift ergeben und deren Darstellung als eine Belehrung empfunden wird, so stellt das sich herauskristalisierende Problem als ein eigenes dar. Herr Prof. Thomé wird wohl auch bereit sein Hilfgestellung anzubieten.

  4. Ein ehem. Gymnasiallehrer trifft eine bescheuerte Aussage zur Rechtscheibung – zack, bei den Philologen sind trotzdem die Grundschullehrer schuld. Am Gymnasium gibt es ja keine Baustellen – wer’s glaubt!

  5. Zu AvL: „Ich will sie nicht belehren, ich mache sie aber trotzdem darauf aufmerksam, dass nur 5 % der deutschen Wörter lautgetreu geschrieben werden !
    Sobald ihre Schüler zweisilbige Wörter in der ersten Klassen schreiben, die auf den Schwalaut-e als Vokal in der Endsilbe enden, endet die Lauttreue und das Basisregelverständnis für zweisilbige Wörter mit …“ In diesen 50 Wörtern sind 11 Wörter NICHT lauttreu geschrieben (= enthalten also ein Orthographem): wiLL, belEHren, troTZdem, daSS, sobalD, IHre, KlaSSen, Vokal, EnDsilbe, unD, BasisregelVerStÄnDnis. Hochgerechnet auf 100 Wörter wären das 22 Wörter (also 22 Prozent nicht-lauttreue Wörter) und damit 78 Prozent lauttreue Wörter. Oder habe ich mich verrechnet? Mein Einwand ist übrigens nicht böse gemeint!

    • D.Orie
      Alle Wörter mit dem Schwalaut-e sind nicht lautgetreu, ebenso die Wörter mit einer Endlauthärtung.
      Nicht lautgetreu sind also : bE lEh rEn, ma chE, dEU/ÄUT schEn, Wör tEr, laut gE trEu/Äu, geschrIE/I/IH bEn, wer dEn, so balD/T, ih/IE/I/Ieh rE, Schü lEr, zwei sil bi/ie/ich/Ieh gE, Wör tEr, ers tEn, Klas sE, schrEi/Ai bEn, als/z, EnD/T sil bE, en dEn, en dEt, Laut trEu/Äu E, unD/T, Ba sis re gEl v/fer stä/enD/T nis/ss….

      Quelle : Günther Thomé ABC und andere Irrtümer über Orthographie, Rechtschreiben, LRD/Legasthenie ,
      Irrtum 3 : Seite 35 bis Seite 48 :Mit dem ABC schreiben wir die Laute unserer Sprache.

    • Hier sind einmal die Phonem/Graphem- Beziehungen dargestellt .
      Quelle Günther Thomé ABC und andere Irrtümer über Orthographie, Rechtschreiben LRS/Legasthenie Seite 47
      a-aa-ah (war, sah, Haar), e-eh-ee (Weg, Reh, Fee), ie-ih-i-ieh (Riese, ihr, wir, Vieh), o-oh-oo (groß, wohnt, Moor), u-uh (Zug, Kuh), ä-äh (schälen, fährt), ö-öh (schön, fröhlich), ü-üh (müde, führt), b-bb (bunt, Ebbe), d-dd /die, Kladde), g-gg (gut, Egge), w-v (wie, Vase), p-b-pp (Preis, gelb, Suppe), t-dt-tt-dt-th (rot, Wald, fett, Stadt, Theater),k-g-ck-ch-c (kam, weg, dick ,Chor, Clown) s-ss-? (Eis, wisst, Fuß), f-ff-v-ph (für, Riff, von, Phon), r-rr-rh (rot, irre, Rhein), l-ll (lat, hell), n-nn (nicht, rennt), m-mm (mit, komm), ng-n (Gang, krank), chs-x (Hexe, Wachs), sch-s (schön, steil), z,tz (Zahl, Katze), s-z (Gans, ganz), ü-y (Münze, Physik), e-ä (hell, fällt), i-ie (nicht, vierzig)eu-äu (heute, Träume), ei-eih-ai (ein, Geweih, Mai), k-q-u (Kuh, quer)
      Wenn sie diese einmal anwenden, so erklären sich die 5 % lautgetreue Wörter.

      • Dieh koräckte Annvendung Ortogra-Fischer Rächtschraibung unt iehrer Grafemä isst zumm erlesbarän Algemainsferstentniss fonn Techsden wichtik. Dässhalp ißt ess auch nichd egahl , welchä Grafhäme zurr Anvendunk komen, dah mann sonst Probblämä baim obtischän erfaßän derr Textä hadt.

      • Weitere gleiche gleichlautende Grapheme : ie-i-ih-ieh-y (Liebe, Igel, ihm, sieht, Yvonne), sch-st-sp-ch (schwarz, Stein, Spitze, Charme),
        tz-z (Spatz, Herz)

        Die in Teilen praktizierte Form der Selbstalphabetisierung der Schüler ohne eine strukturierte Anleitung durch Lehrer führt ins Desaster einer Rechtschreibkatastrophe .
        Die bewusste vom Schüler gesteuerte Anwendung der Verbindung von Lesen und Schreiben durch die Methoden des Spracherfahrungsansatzes und von „Lesen durch Schreiben“ in selbstmotivierender und selbst gesteuerter Form führt zur systematischen Lese- und Rechtschreibschwäche der Schüler, und diese Methoden sind ein Teil des neu propagierten Methodenmixes.
        Die Untergliederung des Schrifterwerbs nach Frith in die logographische Phase, die alphabetische Phase und die orthographische Phase ist ein schönes Modell für die Theorie, es verhilft leider keinem Schreibnovizen zu besseren Schreibergebnissen, sondern es wiegt Grundschullehrer in der scheinbaren Sicherheit, dass sich die Rechtsschreibleistungen auf „natürliche Weise“ irgend wann noch zu einem Besseren wenden werden.

        • @AvL
          Ihre Behauptungen sind hanebüchen und unverschämt.
          Lehrkräfte führen SchülerInnen nicht absichtlich zur Lese-Rechtschreibschwäche.
          Ebenso könnte man Mitgliedern Ihres Berufsstandes unterstellen, sie würden Patienten mit Absicht falsch behandeln, um von Folgeverordnungen profitieren zu können.

          LRS geht nicht auf eine einzelne, in den meisten Regionen gar nicht angewandte Methode zurück, ebensowenig auf Methodenvielfalt mit oder ohne Unterstützung durch eine Lehrgang.

          SuS mit Schwierigkeiten fallen gut ausgebildeten Lehrkräften schon in den ersten Wochen des Schulbesuchs auf. Das deckt sich mit der Feststellung, dass 2/3 der Kinder, die später eine LRS entwickeln, schon im Vorschulalter anhand von Schwächen in der phonologischen Bewusstheit erkannt werden können.
          Allerdings ist das Schulsystem gar nicht dafür aufgestellt, ihnen von Beginn an eine ordentliche Förderung zu bieten, sodass die innere Differenzierung ausreichen muss.

          • Das ist eine nette Unterstellung, die sie da an mich richten, wo doch die von mir beschuldigten Methoden nach ihren eigenen Worten gar nicht praktiziert werden bzw. wurden, weil hier vor Ort und anderswo diese Methoden sich auf Druck von außen im Abgang der Geschichte befinden, eben auch wegen der desaströsen Ergebnisse mit einem deutlichen Anstieg an methodenbedingten Legasthenikern.
            Normalerweise liegt der Anteil der Legastheniker weltweit bei 5 %.
            Die Methoden der Selbstalphabetisierung des Spracherfahrungsansatz bewirkten, dass 25 % der Neuntklässler größere Textabschnitte inhaltlich nicht erfassen bzw. diese nicht automatisiert erlesen können.
            Da muss dann der „Textknacker“ ran, eine Methode zu erfassen von Texten auf Bildzeitungsniveau, womit diese späteren Erwachsen um so einfacher zu manipulieren sind.
            Wenn die Grundlagen in den ersten Schuljahren nicht vermittelt werden, dann wird es später um so schwieriger.

          • Nach Ihren Aussagen hat sich ja dann mit dem Verbot dieser einen Methode das Problem erledigt und niemand muss sich um weitere Verbesserungen bemühen.

            Und letztlich werden weltweit keine Legastheniker und Analphabeten mehr zu verzeichnen sein, schließlich lehrt ja niemand mit von Ihnen angeklagtem Vorgehen.
            Schön, wenn Mediziner Allheilmittel finden!

    • Vor Jahren kam mal ein Junge wegen Familienumzugs am Anfang des 2. Schuljahrs in meine Klasse und konnte absolut nicht lesen. Glücklicher Weise merkte ich bald, woran das lag. Er hatte buchstabieren gelernt, aber nicht lautieren. Statt „Bus“ las er z.B. „Beues“. In mühevollem Einzeltraining konnte ich dem Schüler den Lautwert der Buchstaben beibringen. Er gehörte später zu den besten Lesern der Klasse.
      Mit der Anlauttabelle habe ich auch mehr schlechte als rechte Erfahrungen gemacht, weil ein Buchstabe im Anlaut oft anders klingt als im In- oder Auslaut.

  6. Was streiten wir uns um lautgetreue Grapheme?
    Bei der englischen Sprache muss man noch viel mehr Wörter ohne Strategie auswendig lernen und das klappt auch!
    Zu mir kommen im 3. Schuljahr kaum Kinder (so gut wie keine), die das oben angesprochene Schwalaut Problem haben. Das kann man durch richtigen Aufbau und gezielte Übungen im 1. und 2. Schuljahr gut in Griff bekommen.
    Die deutsche Rechtschreibung ist immer ein Mittelding zwischen dem Auswendiglernen von Wörtern und dem Anwenden von Strategien.
    Die Entwicklung eines Wortbildgedächtnisses bzw. die damit verbundene Automatisierung halte ich für unverzichtbar, die strategische Betrachtung ist der Ausgangs- und Dreh- und Angelpunkt zum besseren Verständnis der Rechtschreibung.
    Bei uns erfolgt die Alphabetisierung systematisch für alle durch eine Fibel mit Einbezug der Anlauttabelle als Differenzierung.

    • „Die Entwicklung eines Wortbildgedächtnisses bzw. die damit verbundene Automatisierung halte ich für unverzichtbar“
      Diese Aussage von Ihnen möchte ich nicht nur fürs Schreiben, sondern auch fürs Lesen dick unterstreichen.

    • Kinder, denen schon bei lautgetreuen Wörtern das Abbilden des Gehörten schwer fällt, werden Unterstützung benötigen, die Rechtschreibung erlernen zu können.

      Um so besser, wenn dies früh auffällt und man früh helfen könnte.
      Sinnvoll wäre es, hierfür Ressourcen zu haben, um Kindern bereits in Klasse 1+2 zwingend notwendige Förderung ermöglichen zu können.

  7. Zur Rechtschreibung am Gymnasium:
    Als ich vor vielen, vielen Jahren in Baden – Württemberg auf das Gymnasium ging, hatten wir mindestens in der 5. und 6. Klasse ebenso Rechtschreibunterricht (neben Grammatik, Lektüre und Aufsatz) mit neuen, aus der Grundschule nicht bekannten Rechtschreibregeln (z.B. Groß- und Kleinschreibung, Zeichensetzung, Fremdwörter, Zusammen- und Getrenntschreibung) und schrieben gesalzene, lange Diktate. Da musste man auch noch vom Gymnasium aus zuhause die Rechtschreibung üben!
    Man kann nicht von den Grundschulen erwarten, dass sie diese Aufgabe, die das Gymnasium früher geleistet hat, jetzt noch die Grundschulen übernehmen.

  8. Die Wortbildtheorie von einem Herrn K.Bormann von 1840 ist längst widerlegt.
    Man kann sich als Schreibanfänger weder die Wortbilder der deutschen Schrift merken, noch als Erwachsener die fremden Schriftzeichen geschriebenen Texte anderer Sprachen visuell merken. Erst durch das Schreiben der Wörter und das praktizierte Erfassen der Systematik der angewandten Schreibung werden diese sich einem nachhaltig erschlossen.
    Lesen und Schreiben beeinflussen sich gegenseitig indirekt und begünstigen sich gegenseitig in ihrem Lernzuwachs.

    • Ich selbst denke auch, dass analytisches Strategiewissen zum Erlernen der Rechtschreibung und des Lesens wichtig sind.
      Es ist dennoch notwendig, die Wörter durch Übung zu automatisieren. Das alleinige Strategiewissen reicht nicht aus.

      Ganz von der Hand weisen kann man Wörterbilder nicht.
      Dennoch hat man früher über Ganzwörter hauptsächlich das Lesen gelernt. Ich selbst habe alles – auch die Rechtschreibung – ohne großes Strategiewissen gelernt. Die Strategien wurden mir erst in meinem Studium bewusst. Das war früher einfach nicht so bekannt.
      Warum können sich dann Schüler englische Wörter ohne jegliche Strategie merken?
      Also ganz ist die Wortbildtheorie nicht von der Hand zu weisen, obwohl diese inzwischen das Mittel 2. Wahl wäre und man eben durch die Strategien bessere Mittel zur Hand hat.
      Nur darf der Fehler nicht passieren, dass man es bei den Strategien belässt. Es muss danach (wie auch beim 1×1) der Automatisierungsprozess erfolgen.

      • Ergänzung:
        Deswegen haben sich auch die Lernwörter als Grundlage bewährt, die Bayern nie aufgegeben hat. Wir haben einen verpflichtenden Grundwortschatz, sowohl in Deutsch als auch in Englisch.

        • Ich halte es für sehr wichtig, dass zuerst die Hauptgrapheme den Schülern vermittelt werden, also jene Grapheme, die ihre Anwendung in Wörtern mit dem zweisilbigen deutschsprachigen Wortstamm finden.
          Dadurch können auch die wichtigsten Strategien und Regelhaftigkeiten dieser deutschem Sprachstamm entspringenden Regeln systematisch eingeübt und automatisierend eingeübt werden.
          Christa Röbers drei Häuser-Eingliederung ist eine erweiternde Hilfe zur Erfassung von Doppelkonsonanten bei verschmolzenen Silbenhäusern wie Hütte, kämmen, rennen, Hacke, Halle, Quallen und Pollen in Haus C gegenüber Haus A mit Qua len, Po len, Hü te, ka men etc.

          • Sie sind kein Lehrer, aber Sie haben sich aufgrund der schlechten Erfahrungen mit Ihren Kindern theoretisch eingelesen, vor allem in die Literatur, die ein anderes Konzept als das, was Ihre Kinder erfahren haben. Das ehrt Sie.
            Doch generalisieren Sie bitte nicht Ihre Erfahrungen auf alle Grundschullehrer in Deutschland. Aus der ganzen Palette der Angebote, was das Lesen und das Rechtschreiben betrifft, schauen wir schon genau hin.
            Wir machen für uns das schon so, wie es unserer Erfahrung nach erfolgreich ist. Die theoretischen Hintergründe kennen wir – da sind wir die Profis – darüber haben wir genug im Studium und in Fortbildungen erfahren und wir sehen an den Ergebnissen, ob diese Wege das halten, was sie versprechen.
            Wir an unserer Schule arbeiten so wie oben beschrieben. Unser LehrplanPLUS schreibt in Bayern vor, in welcher Richtung die Rechtschreibung vermittelt werden sollte. Dieser Weg ist erfolgsversprechend. Wir arbeiten in der Rechtschreibung nach einem guten Konzept eines Sprachbuches (Auer), das an die FRESCH – Methode und an die Montessori – Symbole angeknüpft ist. Dennoch kommt man ohne Übung nicht aus. Bei uns in Bayern favoritisieren viele das Tagesdiktat (1-2 Sätze) verbunden mit Lernwörtern. Das Tagesdiktat wird anschließend von der Grammatik und der Rechtschreibung her beleuchtet. Andere wiederum arbeiten nach einem Rechtschreibwerk oder nach einem Sprachbuchkonzept (wie ich). Allen gemeinsam ist die Vorgabe des Lehrplans zur Rechtschreibvermittlung.

          • Wenn sich Wortbilder nicht so schnell festigen, bräuchte man nicht zu behaupten, dass sich Fehlschreibungen darüber festsetzen würden.
            Gleichzeitig wird darüber auch deutlich, wie schwierig es tatsächlich ist und dass es von allem etwas braucht.
            Offensichtlich hat das jedeR Lernende zu unterschiedlichen Anteilen und Fähigkeiten, zudem ist die Vorbildung zum Zeitpunkt der Einschulung differierend, was dazu führt, dass einige Schüler Inhalte kaum oder gar nicht üben müssen, während andere unendlich viel Zeit und Übung benötigen, was in der Rechtschreibung bzw. beim Schreiben und Lesen sofort deutlich sichtbar werden kann.

            Wer Silbenhäuser oder anderes heranziehen möchte, baut auf phonologisches Bewusstsein auf. Das muss jedoch bei vielen SuS zunächst einmal aufgebaut werden. Außerdem braucht es einen Einblick in das Schriftsystem als solches. Ist beides nicht vorhanden, können Regeln und Strategien nicht nachvollzogen werden. Genau darauf zielt auch die Einteilung des Schreibenlernens in Phasen ab, auf die man den Unterricht bzw. die Förderung individuell abstimmt,
            was wiederum die Öffnung von Schreiblehrgängen und die Methodenvielfalt bedingt, sodass man den Kindern mit ihren verschiedenen Fähigkeiten und Lernständen mit verschiedenen Anreizen, Herausforderungen und Übungen gerecht werden kann.

          • „Wenn sich Wortbilder nicht so schnell festigen, bräuchte man nicht zu behaupten, dass sich Fehlschreibungen darüber festsetzen würden.“
            Stimmt genau.
            Genauso stimmt es, dass es in der Rechtschreibung von allem etwas braucht und es individuelle Unterschiede gibt, wer von was etwas braucht.
            Es gibt begabte Kinder, die sich nur durch das Lesen die Rechtschreibung merken können (also Wortbilder), andere dadurch überhaupt nicht, obwohl sie viel lesen.
            Deshalb ist es wichtig, dass alles gefördert bzw. alle Wege angesprochen werden.

          • Es sind aber gerade die rechtschreibschwachen Schüler, die von den einübenden Regelvermittlungen in Verbindung mit den gleichen Silben profitieren, da diese sowieso schon Probleme damit haben, die einzelnen Unterlaute der Silben zu verschleifen.
            Automatisierende Übungen mit den gleichen Anfangs- und Endsilben, die miteinander unterschiedlich kombiniert, unterschiedliche Worte ergeben, erleichtern die lautorientierte orthographisch korrekte Schreibung in der automatisierenden Schreibweise.
            Profitieren von der korrekten Vorgabe der richtigen und regelhaften Schreibweise, profitieren aber auch die begabten Schüler. Wer sich falsche Automatisierungen angeeignet hat, wird diese als Schreibprogramm hinterlegt haben, und so werden diese immer wieder aktiviert, wenn sich eine schreibtechnische Auseinandersetzung mit dem orthographischen Problem ergibt.
            Hinzu kommt die Tendenz der Übergeneralisierung der Schreibanfänger bei ähnlich oder gleichklingenden Lauten, die sich auf Grund der Wortstammunterschiede aber in der unterschiedlichen Anwendung der Grapheme niederschlagen, siehe oben.

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