Schulleiter-Umfrage ergibt: „Berufszufriedenheit an Schulen im freien Fall“

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STUTTGART. Die Hälfte der Schulen hat große Schwierigkeiten, durch die Coronakrise zu kommen. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage unter Schulleitern, die der VBE Baden-Württemberg im Land aktuell hat durchführen lassen. Weil der Verband bereits im Februar die Schulleitungen zu ihren  Problemen befragt hatte, ist ein Vergleich der Ergebnisse vor und nach den Schulschließungen möglich – und der fällt erschreckend aus. „Die schulischen Problemlagen verschieben sich drastisch. Die Berufszufriedenheit an den Schulen ist im freien Fall und die technische Infrastruktur der Schulen katastrophal“, so erklärt VBE-Landesvorsitzender Gerhard Brand.

Schulleitungen stehen massiv unter Druck. Foto: Shutterstock

Seit 2018 führt forsa im Auftrag des VBE Baden-Württemberg jährlich eine fürs Land repräsentative Schulleiterbefragung zur Lage der Schulen durch. Der VBE hat die Studie dieses Jahr sowohl im Februar als auch im April, also einmal kurz vor und einmal während der Corona-Krise, durchführen lassen. Im Fokus standen dabei die Berufszufriedenheit der Schulleitungen, die größten schulischen Probleme und Herausforderungen sowie die Digitalisierung der Schulen.

Von morgens bis abends in der Schule

Ein zentrales Ergebnis der Studie lautet, dass in der Corona-Krise die Berufszufriedenheit an den Schulen drastisch sinkt. In nur drei Monaten hat sich die Zahl der Schulleitungen, die ihren Beruf nur „ungerne“ ausübt, von 9 Prozent im Februar auf 20 Prozent im April mehr als verdoppelt. „Hier zeigt sich, wie sehr die Krise den Schulleitungen zu schaffen macht. Sie mussten praktisch übers Wochenende ihren gesamten Schuljahresplan umschmeißen, den Fernunterricht auf die Beine stellen und die Notbetreuung einrichten. Viele von ihnen haben in den Osterferien durchgearbeitet und sind werktags von morgens bis abends an der Schule, um den Laden irgendwie am Laufen zu halten“, erklärt Brand.

Darüber hinaus kommt es mit der Corona-Krise zu einer deutlichen Verschiebung schulischer Problemlagen. Der Lehrermangel ist bis zur Krise das beherrschende Thema und hat sich in den letzten Jahren weiter verschärft: Hatte 2018 noch jede dritte Schule mit unbesetzten Stellen zu kämpfen, sind es dieses Jahr bereits 48 Prozent der Schulen, die vom Lehrermangel betroffen sind. „Dies bedeutet nichts anderes, als dass das Land an der Hälfte der Schulen den Unterricht auch in Normalzeiten nicht in allen Bereichen in der gewünschten Qualität sicherstellen kann,“ so Brand.

Neben dem Lehrermangel nennen die Schulleitungen vor der Corona-Krise die steigende Arbeitsbelastung, die Eltern der Schüler sowie Inklusion und Integration als Hauptprobleme der Schulen. Während der Corona-Krise rücken nun durch die Schulschließungen bedingte Problemfelder in den Vordergrund: Das Krisenmanagement, fehlende Konzepte für Homeschooling und Notbetreuung sowie die mangelhafte digitale Infrastruktur für das Homeschooling. „Die Corona-Pandemie hat die Gesellschaft im Ganzen und die Schulen im Besonderen kalt erwischt. Sie ist zudem von einer bisher ungeahnten Dynamik geprägt. Die Politik musste sich dieser Dynamik beugen und von heute auf morgen die Schüler in den Heimunterricht und die Notbetreuung schicken, ohne hierfür ausgearbeitete Konzepte in der Schublade liegen zu haben“, erläutert Brand die Ergebnisse.

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Das größte Problem: die mangelhafte digitale Ausstattung

Fragt man die Schulleitungen, welches die größten schulischen Herausforderungen infolge der Corona-Krise sind, werden am häufigsten von jeweils rund 40 Prozent der Befragten die mangelhafte digitale Ausstattung der Schulen sowie der Schüler genannt. Die weiteren Studienergebnisse belegen, dass an zwei Dritteln aller Schulen keine Klassensätze an Tablet-PC oder Smartphones verfügbar sind.

Weiterhin zeigt sich, dass es in Baden-Württemberg keinen flächendeckenden Zugang der Schulen zum Internet gibt – trotz Digitalpakt hat sich die Lage sogar noch verschlechtert. So ist die Zahl der Schulen, die in allen Klassen- und Fachräumen auf ein schnelles Internet zugreifen kann, im April 2020 im Vergleich zum Vorjahr von 40 auf 30 Prozent gesunken. „Dies bedeutet, dass sieben von zehn Schulen im Land nicht ausreichend ans Internet angeschlossen sind. Die digitale Infrastruktur unserer Schulen ist nach wie vor eine Katastrophe. Zumindest ist nun der Wille bei allen Beteiligten da, dies zu ändern. Da wir davon ausgehen, auch ins nächste Schuljahr mit einer Kombination aus Präsenz- und Fernunterricht zu gehen, gilt es nun, zügig und konsequent zu handeln“, mahnt Brand.

Vor dem Hintergrund fehlender Konzepte für den Heim- und Fernunterricht und einer mangelhaften digitalen Infrastruktur wundert es dem VBE zufolge nicht, dass die Hälfte der Schulen große Schwierigkeiten hat, durch die Krise zu kommen.  Die weiterführenden Schulen kommen dabei deutlich besser zurecht als die Grundschulen: 53 Prozent ihrer Schulleitungen sagen, dass sie insgesamt gut zurechtkommen. Bei den Grundschulen sind es dagegen nur 41 Prozent. Die klare Mehrheit von 57 Prozent der Grundschulleitungen gibt an, weniger gut oder nur schlecht durch die Krise zu kommen. „Der Fernunterricht stößt an den Grundschulen an seine Grenzen. Grundschulkinder können nur phasenweise eigenständig lernen, sind auf die starke Unterstützung ihrer Eltern angewiesen und der Einsatz digitaler Lehr- und Lernmethoden ist nur begrenzt möglich“, erläutert Brand.

Schulpolitik kommt trotzdem besser weg als vor der Krise…

Insgesamt gibt die knappe Mehrheit der Schulleitungen an, nicht gut beziehungsweise schlecht durch die Corona-Krise zu kommen. Die Schulpolitik bewerten die Schulleitungen während der Krise dennoch mit der Note 3,4 und damit um eine halbe Note besser als noch vor der Krise. „Der VBE hofft, dass das Ministerium dies als Anreiz sieht, um auch weiterhin auf die Rückmeldungen der Schulen und Verbände einzugehen. Gerne würden wir, wie für Lehrer üblich, noch bessere Noten verteilen, man muss uns nur die Gelegenheit dazu geben“, so Brand. News4teachers

Lehrer können den geforderten Sicherheitsabstand zu Schülern oft nicht einhalten

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27 KOMMENTARE

  1. In den Kollegien brodelt es mittlerweile gewaltig. Man kann die Arbeitszeiten auch nicht einfach beliebig erhöhen, nach dem Motto: Schulleiter arbeiten durch und haben keine Wochenenden mehr und Lehrerinnen und Lehrer geben von 7.30 bis 14.00 Präsenzunterricht und betreuen danach von zu Hause aus bis 20.00 den digitalen Unterricht. Die Arbeitszeit muss endlich erfasst werden! Überstunden und Wochenendarbeitszeit müssen vergütet werden!

    • Der Meinung bin ich auch. Zumal ich kein volles Deputat habe, aber als Klassenleitung jetzt alles an der Backe habe inklusive Notbetreuung, da viele Kollegen ausfallen.

      • Genauso ist es bei uns auch. Arbeitszeiterfassung? Fehlanzeige! Keiner will was davon wissen, wieviele Wochenstunden wir mittlerweile schrubben. Dann müsste man es ja auch entlohnen. Hier erwarte ich von der GEW und dem VBE zeitnahes Einschreiten!

    • Akademiker diverser Fachrichtungen gehen auch von 7.30 Uhr bis 20 Uhr arbeiten und bekommen weder bezahlte Überstunden, noch diverse Beamtenvergünstigungen.
      Nicht zu vergessen die zahlreichen Reisen und vom Arbeitgeber geforderte räumliche Flexibilität.
      Welcher andere Berufsstand kann so sicher davon ausgehen, im Sommer 4 Wochen zur freien Verfügung zu haben?
      Plus viele Wochen unterrichtsfreie Zeit, in denen man sich das Arbeitspensum nahezu komplett frei einteilen kann?
      Willkommen im Leben.

      Nichts desto trotz ist der große Einsatz der meisten Lehrer sehr zu würdigen und ich bedanke mich außerordentlich dafür.

      Aber wenn sich ein Lehrer beschwert, weil in einem Ausnahmezustand die Arbeitszeit von 7.30 Uhr bis 20 Uhr geht, dann muss ich echt lachen und frage mich, wieviel man denn sonst so täglich gearbeitet hat. Was würde ein solcher Mensch machen, wenn er meine Arbeitszeiten hätte…

      • Das ist das Problem, dass viele Lehrer komplett realitätsfremd sind. Für mich ist eine 60 Stunden Woche auch Normalität, das ist nun mal in vielen akademischen Berufen der Fall…und ich habe 30 Tage Urlaub im Jahr, in den Sommerferien kann ich maximal 2 nehmen weil nicht alle Kollegen zeitgleich in den Urlaub dürfen. Und welcher andere Berufsstand schreit so vehement danach den status quo beizubehalten und bloß nicht die Schulen zu öffnen. Ganz ehrlich so langsam muss v.a.für die Kleinsten der Präsenzunterricht wieder normal laufen…die meisten Berufsgruppen freuen sich wieder arbeiten zu dürfen und haben ebenfalls ein Restinfektionsrisiko. In keinem anderen Bereich sind 60 jährige oder bisschen Vorerkrankte automatisch raus bei voller Bezahlung. Was glauben Lehrer was passieren würde wenn alle Ärzte ab 60 oder mit einem Risikofaktor nicht mehr arbeiten würden? Und wenn man die Daten nach Berufsgruppen anschaut, dann erkranken und Sterben an Corona v.a.Pfleger und Ärzte aber keine Lehrer. Auch nicht in Skandinavien wo teilweise die Schulen nie geschlossen waren.
        Diese Forderungen der Lehrerlobby nach ihrem Luxusstatus im Home Office und den Großteil der Arbeit weiter auf die Eltern abschieben ist schlicht dreist…und dann auch noch heulen wenn man mal 10 Stunden am Tag arbeiten muss, was im Übrigen die meisten Lehrer zur Zeit sicher nicht tun.

        • Alternativ können Sie auch Lehrer werden, es gibt umfangreiche Quer- und Seiteneinsteigerprogramme. Wir freuen uns über jeden, der mitmacht. Die Lehrerarbeitszeit liegt ebenfalls bei 50-60 Wochenstunden. Gymnasiallehrer haben während der Prüfungszeit nicht selten 70 Wochenstunden. Freie Wochenenden und freie Ferien sind übrigens ein Mythos.

        • Umso wichtiger ist es, lieber Jan (??), dass die Gesetzgebung des EuGH zur Arbeitszeiterfassung endlich umgesetzt wird, wie wir bereits im Februar am ArbG Emden sehen konnten. Übrigens verlangen auch die Ärzte völlig zu Recht eine Aufzeichnung der AZ. Außerdem ist es natürlich auch völlig richtig, sich über diese Arbeitszeiten, die Lehrer und Lehrerinnen stemmen, zu beklagen. So geht es nicht, wie Sie es behaupten. Die meisten Lehrer, die ich kenne, arbeiten am Limit. Der Unterschied zu den Ärzten ist nur, dass man es nicht sieht, wenn daheim am „privaten“ Computer Materialien erstellt, Videokonferenzen abgehalten und Elterngespräche geführt werden. Jetzt mehr als jemals zuvor. Mal ganz ab davon, dass viele Eltern es ja nicht einmal schaffen, ihre eigenen Kinder zielorientiert, unaufgeregt und ausgeglichen eine Stunde, geschweige denn einen Vormittag lang zu betreuen. Das dürfen dann „die Lehrer“ mit mehr als 25 SuS in heterogenster Zusammensetzung machen. Gerne würde ich Sie mal einladen, mit Ihrer Haltung hier wirksam zu werden, hehehe!

      • Ich habe einen Partner der so wie von ihnen beschrieben arbeitet. Der bekommt aber auch ein vielfaches meines Jahresgehaltes. Ich kratze an der 20.000 € Marke im Jahr. Und in Berufen mit dieser Bezahlung erhält man sehr wohl eine Überstundenvergütung. Ich erhalte als Grundschullehrerin nicht wirklich ein hohes Gehalt. Mir stehen wie jedem anderen Arbeitnehmer 27 Urlaubstage zu, nur mit dem Unterschied, dass ich sie immer in der teuren Hauptsaison nehmen muss. Das heißt die teuerste Urlaubszeit, während ein normaler Arbeitnehmer in der Nebensaison nur einen Bruchteil bezahlt. Natürlich habe ich den riesigen Pluspunkt der Unkündbarkeit, aber ich bin dann auch sklavisch an meinen Job gebunden, da ein Wechsel riesige finanzielle Verluste bedeuten würde. Die Krankenkasse zahlt inzwischen auch bei uns längst nicht mehr alles.
        Ich war schon in der „Realität“ und brauche keine Belehrung von Neidern die nicht wissen wie es im Lehrerberuf aussieht. Die Reduzierung auf Stammtischparolen ala Bildzeitung sind hier unnötig.

        • Sie haben drei Monate Ferien und nicht 27 Tage…dir Lehrer weisen doch ständig darauf hin, dass die ganzen Ferien Überstundenausgleich sind. Wo bitte bekommt man in akademischen Berufen solch einen luxuriösen Überstundenausgleich? In anderen Berufen hat man trotzdem nur 30 Tage frei und wenn man schulpflichtige Kinder hat muss man seinen Urlaub ebenso in den Ferien nehmen. Wo ist der Unterschied? Der liegt nur darin, dass der Urlaub nicht mal ausreicht um die ewigen Ferien abzudecken. Aber da die Lehrer ja jetzt nur noch Bildungspflicht pochen und Anwesenheit in der Schule offenbar nicht wichtig ist bzw.man ganz toll von zu Hause arbeiten und lernen kann werde ich vielleicht mit meiner Familie demnächst auch Urlaub außerhalb der Schulferien machen. Ich will mal hoffen, dass die Lehrer die jetzt so vehement dafür protestieren, die Schulen geschlossen zu lassen bis Ultimo das dann auch entspannt sehen…

          Und ich habe auch eine Lehrerin in der Familie.
          Auch da das gefühlte Problem von viel Arbeit. Vormittags Unterricht, mittags nach Hause kommen. Erstmal essen, Zeitung lesen, ausruhen. Dann ein paar Besorgungen machen, evtl.kurz durch die Stadt schlendern und um 17.00 Uhr geht das Gejammer los, dass ja jetzt noch sooo viel vorzubereiten ist und man noch sooo lange am Schreibtisch sitzen muss während alle anderen Feierabend haben.
          Der kleine Unterschied, dass andere bis 17.00 Uhr durchgearbeitet haben mit kurzer Pause zum Essen während man selber alles mögliche andere gemacht hat am Nachmittag wird dann gerne übersehen.

          • Weiß man, ob diese eine Lehrkraft, die Sie kennen, sich dann von 17-23 Uhr an ihren Schreibtisch begibt und die Aufgaben erledigt, die noch anstehen? Gilt das für Sie dann nicht als Arbeitszeit, weil es für Sie nicht vorstellbar oder nicht sichtbar ist oder nicht im Schulgebäude stattfindet?

            Vielleicht beschäftigen Sie sich mal selbst mit den wissenschaftlich erhobenen und anerkannten Arbeitszeitstudien zur Tätigkeit der Lehrkräfte statt Ihre Vorurteilen zu pflegen?

            Wenn die Arbeitszeit so gering wäre, wie Sie hier darzustellen versuchen, hätten die Länder schon längst der Erfassung der Arbeitszeit zugestimmt.
            Haben sie aber nicht, obwohl gerade die Gewerkschaften dies fordern.

            Es gab zuletzt eine große angelegte Studie mit 1jährigem Erhebungszeitraum und Auswertung der Arbeitszeit, deren Ergebnisse im August 2016 veröffentlicht wurden.
            Daraufhin wurde zunächst einmal eine Arbeitszeitkommission gebildet, die wiederum 2 Jahre tagte.
            Im Abschlussbericht von Oktober 2018 werden dringend notwendige Entlastungen empfohlen, die jedoch nicht umgesetzt werden. Das Land weigert sich, die notwendige Fürsorge zu übernehmen und wartet ab, ob Klagen von Lehrkräften Erfolg haben werden.
            Die Überstundenuhr tickt
            https://www.gew-nds.de/gute-arbeitsbedingungen/ueberstunden-uhr/

            Wenn der Beruf der Lehrkraft nicht so schön wäre, hätten wohl schon viele Lehrkräfte gewechselt zu geregelteren oder klar erfassten Arbeitszeiten und verbrieften 30 Tagen Urlaub.

          • Ich frage mich immer mehr, warum so viele Lehrerstellen unbesetzt sind. Gerade wo doch die heranwachsende Generation so arbeitsscheu ist, müsste die sich doch um Lehrerstellen reißen. Grübel

          • Und von dieser einen Lehrerin in Ihrer Familie schließen Sie auf alle anderen Lehrer… Hm… finde den Fehler!

          • Ich habe nicht sechs Wochen Sommerferien. Zwei Wochen zu Beginn der Ferien leer ich das Klassenzimmer, ordne liegen gebliebenes ab und schreddere Akten. Zwei Wochen vor Ende der Ferien stehe ich oft in der Schule und putze, da die Gemeinde nicht mehr putzen lässt. Dann richte ich das Klassenzimmer wieder für das neue Schuljahr her. Alle zwei Jahre habe ich eine neue Klasse, da werden sämtliche Hefte und Bücher sowie Schubladen der Kinder beschriftet. In den Pfingstferien schreibe ich Zeugnisse. In den Weihnachtsferien verbringe ich meine Freizeit mit Empfehlungsvorbereitung oder Aufsatzkorrekturen. Sie können gerne mal meine Mann fragen, wie viel Urlaub ich habe. Kinder werden erwachsen und spätestens dann kann „Jan“ wieder außerhalb der Saison reisen. Ich immer noch nicht. Jan erhält auch sicher ein höheres Gehalt als ich, wenn nicht, hat er eben nicht studiert. Selbst mein Bruder, der nicht studiert hat, erhält in seinem großen Konzern Überstundenvergütung trotz eines dreifach höheren Gehaltes. Also lieber Jan, ich habe nichts dagegen wieder in die Schule zu gehen, am liebsten mit allen Schülern. Ich gehe die ganze Zeit schon in die Schule und war dort auch in den Osterferien, freiwillig. Aber solch unwissenden Neider wie sie, verleiden einem das gesamte Engagement. Ich habe gar keine Lust mehr mich mit Menschen abzugeben, die immer nur Bildzeitungsfloskeln verallgemeinern statt sich zu informieren. Auch in ihrer Firma gibt es sicher Drückeberger, deshalb sind sie nicht per se auch einer.
            Zur Zeit sind die Belastungen für Lehrkräfte enorm hoch und es steht in keinem Verhältnis zur Bezahlung.

      • Hallo viola. Sehr interessante Ansichten… Willkommen im Leben?… Frage mich dann ernsthaft warum es dann so ein starken Lehrermangel gibt? Sind die die fehlenden Kollegen alle als Akademiker beschäftigt…. Die von 7.30 Uhr bis 20.00 Uhr arbeiten gehen?
        Im Ernst…Es sieht leider ganz anders aus für uns. Es ist ein heftig anstrengender Beruf. Grade in der jetzigen Zeit wird einfach über unseren Köpfen entschieden und wir müssen springen. Keine Ausstattung, elementare Entscheidungen am Freitag und Montag muss alles laufen. Wir sperren am we Flure, besorgen Klebeband für den Boden, erstellen Listen für den getrennten Unterricht, telefonieren mit zig Eltern wann ihr Kind kommen soll und setzten uns einer vermehrten Ansteckung in nicht belüfteten Klassenräume aus. Fenster sind defekt und lassen sich nicht öffnen! Am Nachmittag betreuen wir von 13.30 Uhr die anderen sus per zoom von zuhause aus. Wir haben kein WLAN in der Schule. (haben 3000 sus aber kein WLAN!) über die schulrechner läuft Zoom nicht. Bin so langsam am Ende meiner Kräfte…

        • Geauso wie Sie es beschreiben, sagen es andere KollegInnen auch. Die Frage ist nur: Wie lange soll das noch so weitergehen?

      • Akademiker anderer Fachrichtungen sind entweder angestellt, verbeamtet oder selbständig. Sind sie im Rahmen von Tarifvrträgen beschäftigt erfolgt die bezahlung auf Grundlage der Tarifverträge, die ebenfalls die Arbeitszeit regen. Ausnahme hiervon sind „außertariflich“ Beschäftigte, für die eigenständige, individuelle Arbeitsverträge, die sie selbst ausgehandelt haben, gelten. Eine regelmäßige Überschreitung der gesetlich geregelten Arbeitszeit von rund 10% ist dabei eingerechnet und wird im gegensatz zu den tariflich Beschäftigten nicht ausgegelichen – weder durch Überstundenentgelte noch durch Freizeitausgleich.
        Beschäftige in Behörden – sowohl angestellt/tarifbeschäftigt oder verbeamtet – arbeiten ebenfallsin der gesetzlich geregelten Arbeitszeit, die für die Beamten höher ist als für die Angestellten. Ein Anspruch auf Vergütung von Mehrarbeit besteht nicht, es wird allenfalls Freizeitausgleich gewährt. Mehrarbeitsstunden, die bis zum Stichtag nicht abgefeiert worden sind, verfallen unentgeltlich.

        Ausnahmen im ÖD sind Ärzte, die wegen der Bezahlung der Bereitschaftsdienste bis vor den EUGH gezogen sind, und Lehrkräfte.
        Bei diesen werden nur die Deputatsstunden bezahlt und die sonstige Arbeitszeit pauschal vergütet, ohne erfasst zu werden. Hinzu kommt, dass die deputatsstunden für Beamte und Tarifbeschäftigte abweichend von den sonstigen regelungen des ÖD gleich sind.

        Wie lange Selbständige arbeiten unterliegt keiner gesetzlichen Regelung, dürfte aber durchschnittlich die 40 Stunden je Woche überschreiten.

        Dass die Masse der abhängig beschäftigten Akademiker regelmäßig und ohne Ausgleich mehr als die gesetzlich und tariflich vorgeschriebene Arbeitszeit arbeitet, halte ich für ein Gerücht.

  2. @Viola: Ein menschenwürdiges Leben zu führen ist in Deutschland eher die Regel als die Ausnahme. Weshalb man das den Lehrern jetzt untersagen will, erschließt sich mir nicht. Man kann nicht einfach zentrale Zukunftsbereiche kaputtsparen und dann in der Krise diese Systeme auf 200% Last fahren.

    • Volle Zustimmung! Mir sind Leute suspekt, die sich in Lehrerforen tummeln und Lehrern ihren Beruf erklären wollen. Nicht selten sind das einfach Trolle, die in irgendeine Richtung Stimmung machen wollen.

  3. Ja, ich bin unzufrieden. Warum? Aktuell sind die Viertklässler wieder stundenweise in der Schule präsent. Mundschutz, Abstand, Hände desinfizieren… Kindgerecht? Absolut nicht. Mag einer mal die psychischen Folgen abschätzen? Ich jedenfalls kann es kaum mit meinem Gewissen vereinbaren…

  4. Lehrer haben keine Ferien, sondern unterrichtsfreie Zeit. Auch im Studium gilt keine Semesterferien, sondern vorlesungsfreie Zeit. Dieses sollte grundsätzlich jedem Akademiker klar sein. Für alle anderen sei gesagt, wer mit der Arbeitszeit von Lehrern ein Problem und meint sie seien realitätsfern, darf gern dort tätig werden. Allerdings benötigen wir dann Personal, welches diese Tätigkeit als Berufung ansieht und nicht das Geld im Vordergrund sieht. 90% aller Lehrkräfte machen ihren Job aus Überzeugung. Und grundsätzlich lässt sich sagen, die Neiddebatte zum Thema Lehrerberuf ist ja nicht neu. Anscheinend hat es sich trauriger Weise in unserer eingebürgert, den Menschen soweit auszubeuten bis der Akku leer ist, so dass ein Burnout unabweichlich ist. Das gilt grundsätzlich für die meisten Berufe und wenn wir in unserer Gesellschaft das als Maßstab nehmen, läuft wahrscheinlich so einiges erheblich aus dem Ruder.

    • @Lorelay: „Anscheinend hat es sich trauriger Weise in unserer eingebürgert, den Menschen soweit auszubeuten bis der Akku leer ist, so dass ein Burnout unabweichlich ist. Das gilt grundsätzlich für die meisten Berufe und wenn wir in unserer Gesellschaft das als Maßstab nehmen, läuft wahrscheinlich so einiges erheblich aus dem Ruder.“

      Ich denke, genau das ist das Problem. Einen völlig überhöhte und ungesunde eigene Arbeitszeit wird als Maß aller Dinge angewendet, an dem natürlich die Arbeitszeiten anderer gemessen werden. Damit soll wohl das eigene Lebenskonzept bestätigt werden.

      Als Beispiele:
      @Viola: „Akademiker diverser Fachrichtungen gehen auch von 7.30 Uhr bis 20 Uhr arbeiten und bekommen weder bezahlte Überstunden, noch diverse Beamtenvergünstigungen.“
      @Jan „Für mich ist eine 60 Stunden Woche auch Normalität, das ist nun mal in vielen akademischen Berufen der Fall…“

      • Nicht aufregen – einfach auf Klassenfahrt gehen und nicht vergessen:

        Die Arbeitzeit beträgt 24 Stunden während der Klassenfahrt, beginnend mit der Abfahrt und endend mit der Übergabe des letzten Kindes an die abholenden Erziehungsberechtigten. Letzteres kann dann auch schon einmal ein bis zwei Stunden nach der tatsächlichen Ankunft an der Schule sein, trotz rechtzeitiger Bekanntgabe der Ankunftszeit eine halbe Stunde vor Erreichen de Schulbushaltestelle.

        Und einige Weicheier hier mokieren Arbeitszeiten von 07:30 bis 20:00 Uhr:)

        • Dickebacke: Grins… und die die sich mokieren sind die, die immer zu spät aus der Mittagspause kommen und stets pünktlich den Computer runterfahren, um dann noch in der Arbeitszeit die Zigarettenpause zu machen….

          • Herzerfrischend! Ihr sprecht mir aus der Seele! Habe letztes Mal nach einer Tagesfahrt abends 45 M bis 20:00 auf einen Elternteil gewartet, warum auch immer ?? Das wird einfach so erwartet!! Was man nicht einfach alles so macht für die lieben Kleinen!!

          • @Olle Schachtel – das Kollegium, in dem ich arbeite, hat sich ja schon für einen Drei-Schicht-Betrieb ausgesprochen, um alle Schüler (m/w/d) zu unterrichten.
            Das unterfangen ist an den fehlenden Mittelleitplanken auf den Schulfluren gescheitert. Es konnte nicht sicher gestellt werden, dass die Teile des Kollegiums, die zu spät kommen, mit denen, die zu früh gehen, zusammen stoßen und das Abszandsgebot nicht einhalten.

            Entsprechende Erfahrungen haben wir nicht selbst gemacht. Wegen der guten Zusammenarbeit mit der Elternschaft, wurden wir darauf hin gewiesen, dass dieses Problem schon vor langer Zeit in der freien und grundsätzlich effektiven Wirtschaft aufgetreten ist und bis heute nicht gelöst worden ist, obwohl eine Projektgruppe eingerichtet wurde und bereits unzählige Meetings zu diesem Top einberufen worden sind.

  5. @AugenAufbeiDerBerufswahl – schöner Alias. Aber was nutzen die besten Sehfähigkeiten, wenn mit Blick auf Schule alles rabenschwarze Nacht und in tiefe Finsternis gehüllt ist?

    Oder wie Heine schon schrieb:

    „Denk ich an deutsche Schulen bei der Nacht …“

    … oder so ähnlich, ich hatte damals kein Deutsch im Abi:)

  6. Das eigentliche Problem ist nicht die Bezahlung, sondern die Tatsache, dass an kleinen bis mittelgroßen Schulen Schulleiter*innen und erst recht stellvertetende Schuelliter*innen vor allem Unterricht zu geben haben. Schulleitung ist in Grundschulen, Förderschulen und vielen kleineren Schulen der Sekundarstufe I ein Nebenjob, aber mit Ansprüchen an mehr als einen Vollzeitjob. An großen Schulen gibt es eine*n weigehend vom Unterricht freigestellte*n Leiter*in, aber schon die Stellvertretung, die viele Managementaufgaben bewältigen soll, hat viel Unterricht, „Funktionestellen“ mit einer oder zwei oder Stufen höherer Besoldung haben ein paar-Alibi-Freistellungsstündchen, und dann gibt es Computer-Nerds, die für ’nen Appel und’n Ei neben ihrem Unterricht, ebenfalls mit ein paar Alibi-Entlastungsstündchen, die digitale Infrastruktur der Schule am Laufen halten. Deutschland geht mit diesem strukturell amateurhaften Leitungsmuster im Vergleich zu ganz Europa einen Sonderweg, der sich verheerend auf die Schulqualität auswirkt. Wo’s gut läuft, ist das nur „trotzdem“ so, nicht „weil“ die Bedingungen gut sind.
    Achim Albrecht

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