GEW-Landeschefin Moritz: Lehrer fühlen sich als Versuchskaninchen missbraucht

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STUTTGART. Das baden-württembergische Kultusministerium hat seinen Fahrplan für das kommende Schuljahr unter Corona-Bedingungen vorgestellt. Seife allein sei kein Konzept für den Start ins nächste Schuljahr, kritisiert GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz. Sie bezeichnet die Vorgaben als „riskant und falsch“.

Doro Moritz sieht die Pläne von Baden-Württembergs Kultusministerin Eisenmann überaus kritisch. Foto: GEW BW

„Nachdem gestern die Konzepte des Kultusministeriums an die Schulen geschickt wurden, erreichten uns in kurzer Zeit viele empörte Schreiben. Lehrkräfte fühlen sich von ihrem Arbeitgeber, der grün-schwarzen Landesregierung, als Versuchskaninchen behandelt“,  sagte Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Baden-Württemberg.

Sie betont: „Es fehlen klare Zusagen, welche Schutzmaßnahmen für die 1,5 Millionen Schülerinnen und Schüler und 130.000 Lehrkräfte am 14. September zur Verfügung stehen werden. Gibt es zum Beispiel FFP2-Masken für Vorerkrankte, wird das Reinigungspersonal an allen 4.500 Schulen aufgestockt, gibt es Corona-Tests für Lehrkräfte? Übliche Hygieneregeln und Seife alleine sind kein sicheres Konzept für den Start ins nächste Schuljahr. Lehrkräfte, Eltern und Schüler freuen sich, wenn der Schulbetrieb läuft. Unter den angekündigten Bedingungen stellt er ein Risiko für alle Beteiligten dar.“

Wieso gilt die Abstandsregel nur in Schulen nicht?

Die GEW sieht es überhaupt kritisch, dass Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) die Schulen direkt nach den Sommerferien komplett öffnen will. Die Baden-Württemberger würden dann gerade aus dem Urlaub kommen und niemand könne wissen, ob dann eine höhere Infektionsgefahr bestehen werde, meint die Gewerkschaft.

„An anderen Arbeitsplätzen ist es selbstverständlich, dass alle Beschäftigten Schutzmasken erhalten, Schutzschilder beschafft werden und zusätzliche Reinigungskräfte für Hygiene sorgen. Wir erwarten klare Zusagen, dass das auch für Kitas und Schulen garantiert wird. Lehrkräfte bekommen zum Beispiel derzeit keine Mund-Nasen-Bedeckungen, obwohl das nach der Corona-Verordnung vorgeschrieben ist. Wenn die Abstandsregel in der Öffentlichkeit gilt, muss sie auch in den Schulen und in den Klassenzimmern umgesetzt und den Schüler*innen Mund-Nasen-Bedeckungen mindestens außerhalb der Unterrichtsräume nahegelegt werden“, forderte die GEW-Landeschefin.

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Lehrermangel verschärft die Situation

Laut GEW berichten schon jetzt Schulämter, dass am 14. September nicht genügend Lehrkräfte für den Pflichtunterricht zur Verfügung stehen werden. „Dabei sind die Lehrkräfte, die nicht im Präsenzunterricht eingesetzt werden können, noch nicht einmal eingerechnet. Die Schulen brauchen zusätzliches Personal, zum Beispiel pädagogische Assistentinnen und Lehramtsstudierende, die angeleitet durch Lehrkräfte Fördermaßnahmen anbieten. Das wäre eine echte Unterstützung. Außerdem gewinnen Studierende so Praxiserfahrung und können mit der Vergütung weggefallene Jobs zur Finanzierung des Studiums ausgleichen“, so Moritz.

Die GEW setzt sich für ein Förderkonzept für alle Schularten für das nächste Schuljahr ein. „Trotz Fernunterricht haben Schülerinnen und Schüler Lerninhalte versäumt. Es gibt auch keine zusätzlichen Ressourcen für die Schulen, um dies aufzuholen. Freiwillige Lernbrücken in den Sommerferien sind kein Ersatz für regulären Unterricht. Sie werden die soziale Ungleichheit nicht reduzieren. Die Beschränkung auf Deutsch und Mathematik ist weder motivierend noch sinnvoll“, kritisiert Moritz.

Unmut und Enttäuschung bei den Lehrern im Land

Die GEW berichtet, dass die Schreiben, die gestern aus dem Kultusministerium an die Schulen gingen, für Unmut und Enttäuschung gesorgt haben. „Statt Unterstützung zu leisten, macht Kultusministerin Susanne Eisenmann den Schulen jede Menge Vorgaben zur Dokumentation und zur Gestaltung des Unterrichts. Das wird als Misstrauen gegenüber der Lehrerschaft und den Schulleitungen wahrgenommen. Schulleitungen sind seit März im Dauerstress und erhalten jetzt durch neue Regelungen zusätzliche Arbeit. Ein Dankeschön der Kultusministerin ist gut, konkrete Entlastung wäre besser und dringend notwendig“, sagt die GEW-Landesvorsitzende. News4teachers

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Eisenmann hebt die Schulbesuchspflicht fürs kommende Schuljahr auf

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36 KOMMENTARE

  1. Aufhebung der Schulpflicht?
    Wegen eines Virus mit einer Letalität von 0,2%??? Wir nehmen unseren Kindern das Recht auf Bildung? Wir fahren unsere Wirtschaft komplett gegen die Wand? Ich vermute dass wenn ein Lehrer psychisch und physisch gesund ist, er/sie ähnlich andere Berufsgruppen ein gutes Immunsystem besitzt, da er in der Vergangenheit mit sehr vielen Viren jeden Winter in Kontakt war.
    Wie kommt es dass alle ihre Mitmenschen nur noch als potentielle Virenschleudern sehen und sich vor Ängsten nicht mehr in die Schule trauen? Habe das Gefühl dass die Mehrzahl der Menschen eher paranoid gemacht wird durch das permanente Schüren von Angst und Panik!
    Beschäftige mich eher damit wie man die große Masse manipuliert, durch Wiederholung von immer gleichen Statements. Aber leider scheinen alle Politiker und Medien ja nahezu gleichgeschaltet.
    Ich lasse mich von dieser „Coronoia“ nicht anstecken. Versuche meinen Körper und mein Immunsystem zu stärken so gut es geht.
    Vor was ich Angst haben, sind die staatlichen Maßnahmen, die nicht auf evidenzbasierten Daten gemacht werden und über einen indirekten Impfzwang mit genverändertem Impfstoff.
    Anscheinend darf ab Sommer 2021 nur noch arbeiten der einen Immunitätsnachweis hat (Info Ärzteblatt)!!!

  2. Lehrer sehen sich als Versuchskaninchen?
    Mein Unmut über diese Berufsgruppe wird seit dem Lockdown wirklich von Tag zu Tag größer.

    Ich arbeite als Erzieherin an einer gebundenen Ganztagsgrundschule am Richardplatz in Berlin und zum einen war während der gesamten Schulschließung kein einziger Lehrer in der Notbetreuung bei den Kindern, die seit März mehrere Stunden in den Schulhorten verbrachten, weil ihre Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten. Dies bedeutete, dass wir Erzieher diese Kinder beschulten.

    Ständiges nachfragen von Seiten der Eltern, wieso nicht mal für 2 Stunden ein Lehrer vor Ort sein könne, konnten wir auch nur mit traurigen Schulter Zucken beantworten. Aber gut, das ist ein internes Problem, ein Armutszeugnis ist es dennoch.

    Dann kam es noch schöner, die Schulleitung hat nach Schulöffnung so oft wie möglich Unterrichtstage für die Schüler angeboten. So unrealistisch viel, dass dieser natürlich auch wieder zu 1/3 von Erziehern übernommen werden musste. Natürlich bei nicht angepasster Bezahlung und alleinigem Schulterklopfen für die Lehrer: O-Ton stellvertretende Schulleitung: da haben die Lehrer wirklich großartiges geleistet und da können wir sehr stolz auf uns sein.
    Ich breche…

    Dann kam der Obergau, als in Berlin pünktlich zu den Sommerferien die Abstandsregel aufgehoben und die Notbetreuung beendet wurde. Wir kehrten also in die ganz normale Ferienbetreuung zurück. Nur halt mit Corona.

    Und jetzt kann man sich ja noch mal überlegen, wer hier die eigentlichen Versuchskarnickel sind. Das sind wie immer die Erzieher. Die unterbezahlten Erzieher, denen es an den meisten Grundschulen auch noch untersagt wird außerhalb der Ferien Urlaub zu nehmen und es sich damit finanziell also kaum erlauben können in der teuersten Zeit (immer schon die Schulferien gewesen) in den Urlaub zu fahren.

    Aber ja, immer sind es die armen Lehrer.

    • Das hängt doch davon ab, wie das organisiert wird an der jeweiligen Schule? An unserer Grundschule machen auch nicht die LehrerInnen die Notbetreuung, sondern die Erzieher. Anschließend machen die Kinder ihre Aufgaben zu Hause, nicht etwa in der Notbetreuung.
      An meiner Schule (weiterführend) machen die Lehrer die Notbetreuung, weil wir eine Ganztagsschule sind. Ich bin immer noch jede Woche für die Notbetreuung eingeteilt.

      Völlig am Thema vorbei…!

      • Nee, das hängt vom Bundesland ab, in dem man zur Schule geht.

        In NRW z.B. gibt es keine Schulhorte mehr.
        An Schulen des offenen Ganztags (meist Grundschulen) wird der Ganztag durch die Kommunen als Schulträger organisiert, die sich dazu einer Vielzahl von Dienstleistern bedienen., denen die auswahl des personals obliegt. Einzige Voraussetzung, die Vorlage eines erweiterten Führungszeugnisses.
        An Schulen im gebundenen Ganztag gibt es gantägig Untericht durch Lehrkräfte, weshalb zusätzliche Erzieherstellen fehlen.

        • Den Hinweis auf die Umstände samt Region oder Bundesland greife auch ich auf.
          Das Wort „Hort“ ist hier ein Fremdwort. ErzieherInnen gibt es vor Ort nicht in Schulen.

          Die Notbetreuung übernehmen Lehrkräfte, während der Schulzeit.
          Außerdem musste diese auch in den Osterferien samt Wochenenden und Feiertagen gewährleistet werden, einen Zeitausgleich gab es nicht.

          Die Betreuung am Mittag übernehmen pädagogische Mitarbeiterinnen – siehe Beitrag von dickebank: man braucht ein Führungszeugnis. Das könnte auch eine Erzieherin sein, muss aber nicht.
          Wenn es ein offenes Ganztagesangebot an der Schule gibt, teilen sich dieses Lehrkräfte und pädagogische Mitarbeiterinnen und externe Anbieter (Übungsleiter, Sport, Musik).

          Davon ganz unabhängig sollte der Arbeitsschutz für alle gelten und umgesetzt sein.

    • So sehe ich das auch. Die Lehrer können doch Abstand halten. Wir in der Kinderkrippe nicht. Trotzdem läuft bei uns bereits der normale Regelbetrieb…
      Versuchskaninchen sind ausschließlich die Erzieher/innen!

      • Und wie, wenn die erste Reihe Schülertische direkt vor dem Pult steht? Meistens gibt es zeitgeistig nicht einmal mehr ein Pult und man steht direkt vor der ersten Reihe. Die 60qm Richtgröße eines Klassenraumes ist die Bruttofläche ohne Möblierung. Jeder Tisch, jeder stuhl, jedes Regal, jeder Schrank reduziert die Bruttofläche. Teilen Sie die Netto-Fläche durch die Schülerzahl, landen Sie im Ergebnis unter einem Quadratmeter, da die Möblierung etwa ein Fünftel bis ein Viertel der zur Verfügung stehenden Fläche klaut.

    • Was ist denn da jetzt am Thema vorbei? Zum einen machen Kinder, wenn sie nach 8 Stunden oder länger, keine Schulaufgaben mehr zuhause. 17 Uhr zuhause ankommen, Abendbrot und dann noch 3 Stunden Schulaufgaben? Ja, ist klar.

      Und nein, ich möchte auch kein Lehrer werden, ich habe mich halt bewusst für den Job des Erziehers entschieden. Wofür ich mich nicht entschieden habe, ist das Politik es den Schulen überlässt, wie sie gebundenen Ganztag umsetzen und Erzieher für Aufgaben verheizen, für die sie nicht entlohnt werden. Eine Krankenschwester ist auch kein Arzt. Ganz einfache Geschichte.
      Und es ist auch nicht die Rede von einer Überbezahlung, wenn man seinen Job macht. Aber Mammuts ganz klar unterbezahlt, wenn noch den Job einer anderen Berufsgruppe übernimmt und sich am Ende dann noch die entsprechende Berufsgruppe gegenseitig den Bauch pinselt, obwohl das wieder mal nur durch den Einsatz der Erzieher geklappt haben.

      Aber das ist leider oft das Problem

      Aber wenn man in den Medien gerade ständig von den armen Lehrern hört, die jetzt plötzlich doch mal nach Wochen in Kontakt mit Kindern kommen, panisch werden, dann wird es doch langsam etwas peinlich. Also in Kontakt mit Kindern… vorne an der Tafel, hinter ihrem Schreibtisch.

      Und kein Lehrer, der seinen Job ordentlich macht, in der Notbetreuung gesessen hat und auch während harter Bedingungen für Chancengleichheit sorgt, muss sich jetzt angesprochen fühlen.

      • Also ich sitze im Klassenraum nicht hinter (m)einem Schreibtisch. Einen solchen im klassischen Sinne gibt es nämlich gar nicht. Und ich kann nur bestätigen, dass jetzt schon mit halben Klassen der Abstand zwischen Lehrer und Schülern der ersten Reihe teilweise nicht mal einen Meter beträgt. Im Unterricht ist es üblich, den Schülern über die Schulter zu schauen, beim Durchgehen durch die Klasse Hinweise zu geben, in die Gruppen- oder Partnerarbeiten hineinzuhören (die wird es sicher im neuen Schuljahr wieder geben) Aufgabenblätter auszuteilen usw. Man verschanzt sich ja nicht hinter einem Tisch. Ich weiß nicht, was Sie für Lehrer hatten…

      • nein, im gebundenen Ganztag werden keine Erzieher und auch keine Soz.-Päd unterrichtlich eingesetzt. Das ist alleinige Aufgabe von lehrkräften, da ja an Schulen im gebundenen Ganztag zwischen 32 und 34 Wochenstunden Unterricht verpflichtend sind. Die APO-SI schreibt für die SuS im gebundenen Ganztag der SekI in NRW verpflichtend 188 Wochenstunden bis zum Ende des 10. Jahrgangs vor.
        Das wöchentliche Zeitraster ermöglicht maximal 4 mal 8 und einmal 6 Stunden Unterricht je Woche. Verpflichtend sind zumindest 4 Tage a 7 Unterrichtsstunden und ein Tag a einer Unterrichtsstunde oder mindestens 3 Tage a 8 Stunden und 2 Tage a 6 Stunden. Für die „Langtage“ gilt verpflichtend die Einhaltung einer einstündigen Mittagspause.

        Das Erziehungspersonal wird aber für die Aufsichten und die Betreuung der SuS außerhalb des Unterrichtes benötigt; und damit sind keine Vertretungsstunden gemeint.

      • Das:
        „Mein Unmut über diese Berufsgruppe wird seit dem Lockdown wirklich von Tag zu Tag größer.“

        Und das:
        „Ständiges nachfragen von Seiten der Eltern, wieso nicht mal für 2 Stunden ein Lehrer vor Ort sein könne, konnten wir auch nur mit traurigen Schulter Zucken beantworten.“

        zum Beispiel. Im diesem Artikel geht es nunmal um Schulen und LehrerInnen. Wenn Lehrer nicht eingeteilt sind für Notbetreuung (je nach Schule / Bundesland, wie wir ja nun festgestellt haben), ist es nunmal auch nicht ihre Aufgabe. Ich weiß nicht, was daran nicht zu verstehen ist?

    • Es wäre schön, wenn nicht alle über einen Kamm geschert werden. Ich bin auch Lehrerin an einer Grundschule in Lichtenberg. Ich gehöre der Risikogruppe an ( mit Arztschein! ) . Ich war freiwillig während der Ferien im April in der Notbetreuung ( ist übrigends nicht meine Arbeitsbeschreibung ). Ich habe Kontakt zu meinen Schülern gehalten, habe sie sogar zu Hause besucht…jeden einzelnen !!! War nach Öffnung arbeiten. ALSO BITTE… und so wie ich gibt es viele. Ich kenne auch Erzieher, die ihre Zeit damit verbringen auf dem Stuhl zu sitzen und ihren Blick schweifen zu lassen. Trotzdem verteufel ich nicht alle Erzieher und sage sie wären faul. Bitte lass die Kirche um Dorf.

  3. Ihr Gejammer, Marie, bringt auch nicht weiter. Es sollte Ihr Anliegen sein, die Lobby sowohl von Lehrern als auch Erziehern zu stärken und nicht infrage zu stellen. Ich kenne viele sehr engagierte Lehrer, gerade in Corona-Zeiten. „Schwarze Schafe“ gibt es leider in jeder Berufsgruppe . Wenn Sie diese der „armen Lehrer“ so „bedauern“, dann schulen Sie doch einfach um, denn Lehrer werden überall gesucht. Dann werden Sie nicht nur die nach Ihrer Meinung „überbezahlten“ Lehrer sehen, sondern feststellen, dass zum Lehrerberuf noch mehr dazugehört .

    Ein Versuch wäre es doch wert – oder?
    Übrigens, ich bin über 40 Jahre in diesem Beruf und weiß, wovon ich rede…

  4. Ich bin Lehrer mit Vorerkrankung und habe große Angst vor dem Wegfall des Abstandsgebots im Unterricht. Und wenn ich rational an die Sache rangehe, scheint mir diese Angst auch sehr begründet (Herbst, Aerosole, Studien, RKI, Elftklässler sind keine Kinder, …). Sie ist momentan so groß, dass ich mich psychisch nicht in der Lage sehe, nach den Ferien ohne Abstandsgebot in die Schule zu gehen. Das ist jetzt kein Spruch, sondern schlicht die Wahrheit. Vielleicht zur Klarstellung: ich bin gerne Lehrer, kein „schwarzes Schaf“ und mache meine Arbeit gut. Aber in dieser existentiellen Situation scheint es mir angebracht, auf meine Angst zu hören. Es stellt sich sofort die Frage: Was wenn das viele so machen? Auf den ersten Blick bricht dann alles zusammen. Aber vielleicht werden so auch Weichen gestellt hin zu einer Lösung, bei der die Kultusminister ihrer Verantwortung gegenüber Schülern, Schulbediensteten usw. gerecht werden?

    • Mittlerweile glaube ich, nur dann, wenn viele auf ihre existentiellen Ängste hören und nicht mehr kommen, werden diese Weichen gestellt werden! Wenn die Verbände jetzt mit Streikvorbereitungen beginnen sollen, müssten sie das zeitnah über ihre Mitglieder erfahren Ohne Schutz Lehrer und Erzieher in einen Raum mit hoher Personendichte zur Arbeit zu zwingen, ist eine grausame Tat und hat mit „Restrisiko, welches viele Berufsgruppen tragen“ nichts mehr zu tun. Das ist einfach Menschenleben verheizen Von daher haben Sie bitte kein schlechtes Gewissen. Die, die Ihnen die Schutzmaßnahmen vorenthalten, scheinen auch keines zu haben, und wer weiß wie viele Menschen sie mit ihrer Haltung retten.

    • Also momentan gibt es in BW um die 450 positiv Geteste, wohlgemerkt nicht krank. Das sind 0,004% der Bewohner von BW. Also sind 99,996% der Bewohner gesund. Bei Tönnies wurden 1700 positiv getestet, 11 wurden krank, einer schwer. Die anderen wurden nicht krank. Hier von Versuchskaninchen zu sprechen ist schon…sehr gewagt. Ich bin jeden Donnerstag in der Grundschule und mache Mittagsbetreuung und dann AG ohne Abstand. Nein ich empfinde weder mich, noch die Kinder als Versuchskaninchen. Auch von Eltern habe ich bisher nichts derartiges gehört. Wenn ich die Zahlen (ohne Dunkelziffer) anschaue, ist die Chance einen Sechser im Lotto zu haben gleich groß, wie mich mit Corona anzustecken. Wenn wir mit Dunkelziffer rechnen, dann sind wir auf einmal im Letalitätsbereich von Grippe oder noch weniger…..

      • Hallo Gerhard,

        wer wird sich zur Arbeit in einem Fleischbetrieb melden? Älter als 50 und vorerkrankt? Die jungen „Muckimänner“, die mir in der Gütersloher Innenstadt begegnet sind, gehören rein optisch nun wirklich nicht zur Risikogruppe für schwere Covid-19-Verläufe. Aber ein Drittel unserer Lehrerschaft ist über 50, ist berufsbedingt täglich über Stunden an den Schreibtisch gebunden, und von daher schon für Erkrankungen wie Diabetis, Bluthochdruck etc. prädisponier!

    • Aus dem Artikel : „ Des Weiteren darf nur eine Person sich auf vier Quadratmetern Fläche befinden. In Klassen, Lernräumen und Lehrerbüros müssen die Menschen mindestens einen Meter Abstand voneinander halten.“ Dies würde für meinen Klassenraum bedeuten, dass max. 10 – 12 Personen rein dürften – also genau das, was LK immer wieder fordern. Warum geht das in der Türkei, aber nicht in D ?? Und was genau unterscheidet das Virus bei uns von dem dortigen?? Manchmal bin ich versucht, solche Berichte gesammelt an unsere Frau Gebauer zu senden. Dann jedoch fällt mir wieder ein, dass diese die Meinung „ihrer“ LK absolut nicht interessiert, sondern hier nur gilt: Hauptsache, alles auf und die Eltern wieder alle an den Arbeitsplatz und zum Einkaufen im Land der Küchenbauer…

  5. Wir sollten aufhören, ständig gegeneinander zu argumentieren, wer mehr in Gefahr ist, Lehrer oder Erzieher. Sitzen wir doch bezogen auf die Problematik alle in einem Boot(oder sinkendem Schiff) – vor unseren Ferien in NRW erlebte ich den Probelauf in dem „normalen Regelbetrieb“ als Erzieherin im offenen Ganztag und habe mich trotz Freude über die Anwesenheit der Kinder in vielen alltäglichen Situationen sehr unwohl gefühlt. Zumal auch einige Kollegen es nicht mehr ganz so genau nehmen mit dem Abstand zum anderen Personal(was mit der neuen Regelung zu tun haben mag) .
    Ich finde es bei corona nicht sinnvoll, ständig nur über Sterblichkeit allein zu reden, da sich immer mehr abzeichnet, dass sogar bei milden Verläufen wochenlang die Leistungsfähigkeit und somit Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sein kann. Wie wirkt sich das dann auf die Personallage aus???!!!

    Und, nicht zuletzt, haben wir doch wieder die Problematik, dass wir die älteren Verwandten in Gefahr bringen. Davon wird auch gar nicht mehr gesprochen.Warum wohl…

  6. Heute: Hongkong schließt alle Schulen.

    https://www.pnp.de/nachrichten/bayern/Giffey-gegen-Lockdown-im-Fall-einer-zweiter-Corona-Welle-3727927.html

    Schulen werden wohl bei uns offen bleiben… und wie man Vermischung von Gruppen vermeiden und Infektionswege vor allem in den großen Schulen mit Kurssystem usw. nachverfolgen will, ist mir ein Rätsel. Schlicht unrealistisch. Ich lese immer nur: Infektionswege nachverfolgen. Ich lese nichts mehr von Infektionen vermeiden / vorbeugen. Man geht also scheinbar davon aus, dass Letzteres sowieso nicht geht und bemüht sich auch nicht mehr darum. Vor 4Wochen hat Frau Karliczek noch zu äußerster Vorsicht bei Schulöffnungen gemahnt und fürs neue Schuljahr das Ausweichen auf Versammlungsräume, Vereinsheime usw. vorgeschlagen, um mit Abstand unterrichten zu können. Ist wohl alles vom Tisch, und die Länder machen sowieso, was sie wollen. Von Karliczek war in letzter Zeit zu den Plänen der Länder nichts zu hören. Oder habe ich da was verpasst?

  7. Lehrer und Erzieher! – hört die Signale! Alle in die Gewerkschaften! Auf zum Streik!

    Die Versuchskaninchen sind sie alle, Lehrer und Erzieher! Die1,50 m Abstandsregel schützt vor zu großen Gruppen. Deshalb verringert sie die Wahrscheinlichkeit einer hohen infektiösen Aerosolkonzentration und sie schützt vor direkter Tröpfcheninfektion Sie ist 2x wichtig! Wenn ein Arbeitgeber Schutzmaßnahmen streichen muss, dann müssen Alternativen her! Ihnen werden bislang aber wirkungsvolle Alternativen z.B. FFP2-Masken vorenthalten. Das selbst ältere Schüler keine Masken tragen müssen, ist der Gipfel der Pädagogenentwertung! Alle Arbeitgeber sind zum bestmöglichen Infektionsschutz ihren Arbeitnehmern gegenüber verpflichtet Die Ministerien scheinen sich dem entziehen zu wollen oder was meinen Sie, warum wochenlang über Sinn und Unsinn von Teste für Lehrer und Erzieher diskutiert wird, sinnvollere Maßnahmen wie Klimabelüftungen oder FFP2-Masken, öffentlich auf jeden Fall nicht, besprochen werden? Und Sie? Anstatt sich hier über alte und neue Kränkungen in den Haaren zu liegen, sollten Sie sich jetzt gemeinschaftlich organisieren! Keiner weiß wie die Corona-Viren mutieren, Folgeerkrankungen für Lunge, Niere, Herz und Hirn treten auf ………aber natürlich kann man noch nichts Genaues sagen. Konsequenzen aus dieser Ungewissheit scheinen die Kultusminister für ihre Berufsgruppen nicht zu ziehen. Neue Erkenntnisse werden wie ihr Infektionsschutz ignoriert Auf jeden Fall wirkt das auf einen Außenstehenden so. Wenn sich das nicht ändert, wäre es nur konsequent, wenn sie zum Schul- oder Kindergartenstart nicht erscheinen würden! Menschlich wäre das für jeden einigermaßen mitfühlenden Menschen gut nachvollziehbar. Für einige Eltern und Kinder wäre das sicher eine Entlastung, für andere ein Fiasko, da Schule und Kita heute Eltern die Berufsausübung ermöglichen. Aber das muss ich Ihnen ja nicht erzählen. Die Verbände müssen deshalb sehr früh informieren. Da es aber um umfassenden Gesundheitsschutz für alle geht, werden die meisten Eltern froh sein, dass dieses von der Politik verdrängte Thema in die Öffentlichkeit getragen wird.
    Marie, was Ihnen an ihrer Berliner Schule passiert ist, finde auch ich Ihnen gegenüber unachtsam und ungerecht Aber eine ganze Berufsgruppe deshalb zu verunglimpfen ist auch ungerecht. Durch meine Kinder habe ich Kindergarten und Schule erlebt. Das Gehalt der Erzieher ist gemessen an ihrer beruflichen Leistung ein Witz. Aber daran sind nicht die Lehrer schuld. Sie sind durch ihre Verbände nur besser vor Lohndumping geschützt! Auch die Erzieher werden nur mit einem starken Verband im Rücken zu ihren Rechten kommen! Bei mir in SH hat sich schon zu Beginn der Notbetreuung die GEW, öffentlich gut wahrnehmbar, für die Erzieher sehr stark gemacht. Das würde ich mir auch für Sie in Berlin wünschen. Für uns alle wünsche ich mir jetzt ein Zurück in ein demokratisches, zivilisiertes Miteinander. Wenn das nur durch einen Streik zu erreichen ist, dann ist das traurig aber unvermeidbar!

  8. Lehrer, lasst euch nicht hinter die Fichte führen!
    Ist es denn zu glauben? Das Infektionsschutzgesetz ist ein Grundlagengesetz. Wenn es zu einem epi- oder pandemischen Infektionsgeschehen kommt, wird nach Maßnahmen gesucht, um dieses einzudämmen. Diese Maßnahmen sind aktuell Menschenansammlungen meiden, deshalb waren z.B. Schulen geschlossen und Fußballspiele abgesagt. Weitere Maßnahmen sind Abstand und MNS. Diese Maßnahmen gelten für alle! Die Pandemie soll eigedämmt werden! Jede Person hat ein Recht durch diese Maßnahmen geschützt zu werden. Und jetzt fragt ihr euch, wie das in meinem Job geht? Mein Arbeitgeber kann mir den gesetzlich vorgeschriebenen Schutz nicht voll bieten, da das Abstandsgebot nicht eingehalten werden kann. Er muss mir alternativ dann den bestmöglichen Schutz gewährleisten, aktuell z.B. zur FF2 Maske ein Visier für Tätigkeiten, bei denen es zu Flüssigkeitskontaminationen kommen kann. Diese Pflicht hat er mir und der Gesellschaft gegenüber. Wir wollen die Pandemie ja eindämmen, um insbesondere Menschen mit Risikofaktoren vor schweren Verläufen zu schützen! Die Maßnahme „Menschenansammlung meiden“ kollidierte mit dem Recht auf Religionsfreiheit und mit dem Recht auf Bildung. Daher haben wir für beide Bereiche, immer unter Berücksichtigung der Infektionszahlen, die sehr wichtige Maßnahme „Meidung von Menschenansammlungen“ aufgehoben. Die Konsequenzen folgten prompt, z.B. Masseninfektionen nach Gottesdiensten, Infektionen in Schulen und in der häuslichen Umgebung der Schüler etc. Jetzt kann man streiten, ob das Recht auf Bildung nur durch Homeschooling zu verwirklichen ist (dieser Meinung ist eine Freundin von mir, allerdings hat sie auch verständige, lernbereite Kinder und ist selber fit genug für den Schulstoff). Für die Eindämmung der Pandemie wäre das natürlich an besten. Da sich einige Eltern dem Homeschooling nicht gewachsen fühlen und dieses Homeschooling von seiten einiger Lehrer ja auch nicht immer geklappt haben soll, soll jetzt voll Anwesenheitsunterricht stattfinden. Durch diese Vollanwesenheitsbeschulung entsteht eine Situation, die wir eigentlich unbedingt vermeiden wollten: Viele Personen in einem kleinen Raum bei einem Virus welches sich unbemerkt überträgt! (Personen sind meist dann infektiös wenn sie es nicht merken) Da Schulgemeinschaften sich täglich sehen sollen, wird das mit dem Unterbrechen der Infektionsketten auch schwierig! Nun sind auch Personen in der Schule, die zur einer Risikogruppe gehören oder Risikoangehörige haben, und natürlich müssen diese geschützt werden! Da der beste Schutz das Meiden von Menschenansammlungen ist, sollten sie außerhalb dieser arbeiten. Ich persönlich kenne niemanden der daran zweifelt. Wir können doch nicht erwarten, dass u. U. Menschen sterben, weil Eltern, aus welchen Gründen auch immer, auf Anwesenheitsunterricht bestehen. Hinzu kommt, dass wegen der räumlichen Enge die andere Maßnahme Abstand auch nicht mehr eingehalten werden kann, und stimmt es, dass Schüler keine Masken tragen müssen? Damit wären alle im Raum komplett schutzlos. So eine Situation hat das medizinische Personal nicht!!! Mir fällt keine einzige Berufsgruppe ein, für die alle 3 Maßnahmen aufgehoben wurden! Welche Ersatzmaßnahmen eignen sich für diese Situation? Wie kann da Infektionsschutz überhaupt noch gewährleistet werden? Als Krankenschwester und als Mutter kann ich mir die Idee Vollanwesenheitsbeschulung bei Sars Cov 2 nicht erklären! Haben Sie jetzt bitte keine Angst, dass sich hier jemand ablabern möchte, ich möchte, dass die Lehrer auf ihre Rechte bestehen, deshalb eine kleine Geschichte aus meinem Leben: Als ich sehr jung war, habe ich im Infektionsbereich, speziell HIV, gearbeitet. Damals war vieles über die Erkrankung noch unbekannt und wir hatten wenig wirksame medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten. Zahlreiche Patienten haben also das Vollbild AIDS entwickelt und sind daran verstorben. Man nahm an, dass Schwererkrankte sehr infektiös seien. Wir hatten daher alle Angst! Unser Arbeitgeber hatte uns Handschuhe zur Verfügung gestellt. Wir Krankenschwestern hatten uns aber über geprüfte Handschuhe informiert und waren auf die der Firma Hartmann aufmerksam geworden. Diese Handschuhe kosteten sehr viel mehr und wir wollten diese hochwertigeren Handschuhe haben! Unser Arbeitgeber hat sich gesträubt. Wir haben ihn auf seine Pflicht zum bestmöglichen Schutz hingewiesen und auch Anspielungen gemacht, wenn das jetzt nicht passiere, dann könnten wir ja auch gehen und… schwuppdiwupp war das Lager mit teuren hochwertigen Hartmann-Handschuhen gefüllt. Wie ist das jetzt mit euch Lehrern? Von euch wird verlangt, auf alle 3 Infektionsschutzmaßnahmen zu verzichten! Anstatt sich für diesen unverschämten Anspruch an euch zu entschuldigen, werdet ihr immer wieder in eine Situation geredet, wo ihr euch für das was während des Lockdowns die meisten Menschen machen mussten, nämlich Homeoffice, entschuldigen müsst. Findet ihr das nicht komisch? Ihr rechtfertigt euch für Maßnahmen, die für andere berufliche Bereiche auch getroffen worden sind. Die meisten sind noch immer im Homeoffice.
    Im Krankenhaus ist es üblich, dass Mitarbeiter, die sich die Versorgung von bestimmten Patientengruppen nicht mehr zutrauen, wenn möglich in andere Bereiche wechseln können. Krank sein, Angst haben, das nehmen wir sehr ernst! Wir wollen ja Arbeitskraft erhalten und nicht zerstören. Von daher verstehe ich die Diskussion um ältere oder ängstliche Lehrer jetzt nicht – natürlich wären sie im Homeoffice am besten aufgehoben!
    Worüber ich mich auch immer wundere, sind Eltern, die ihre Anfeindungen gegenüber Lehrern damit begründen, dass sie mit der Begleitung des Homeschoolings „komplett am Ende“ gewesen wären, und das auch bei Grundschülern! Oje, oje oje… Meine Kinder fanden, wie die meisten ihrer Kumpels übrigens auch, dass ihre Mamas immer die besten Lehrerinnen waren (zumindest war das bis Jg. 8 oder 9. so). Was ja keinen wundert, denn keiner kennt das Kind so gut wie seine Mama und daher weiß die ja auch über welche Antenne welches ihrer Kinder am besten lernt!
    Für Außenstehende ist die Situation um Schule besorgniserregend, aber auch extrem komisch. Alle wollen was von den Lehrern. Ihr sollt die Kinder unterrichten, betreuen… Dafür sollt ihr eure Gesundheit, die eurer Lieben und auch die der Schüler etc. aufs Spiel setzen. Ihr habt die professionelle Kompetenz, ohne euch läuft nichts! Erklärt das doch mal eurem Arbeitgeber und vor allen Dingen auch den Eltern: Beste Unterrichtsqualität nur bei bestmöglichsten Infektionsschutz! Sonst gründet ihr eure eigenen Schulen. Und da gelten dann eure Konditionen!

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