„Arme raus, Abstand halten“: So lief der erste Schultag des Schuljahres 2020/2021

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SCHWERIN. Ihre Schule hatten viele Schüler vor den Sommerferien nur sporadisch besucht, die Aufgaben meist über das Internet erledigt. Mit dem neuen Schuljahr soll der tägliche Präsenzunterricht nun wieder Normalität werden. Doch die Bedrohung durch das Coronavirus ist nicht vorbei, wie der erste Schultag zeigt. Ortsbesuch in Mecklenburg-Vorpommern, dem ersten Bundesland, das aus den Ferien gekommen ist.

Abstand halten bleibt auch im neuen Schuljahr wichtig – und will geübt werden. (Symbolbild) Foto: Shutterstock

Am Innerstädtischen Gymnasium (ISG) in Rostock beginnt das neue Schuljahr mit einer praktischen Übung: «Arme raus, Abstand halten», lautet die Anweisung von Schulleiter Markus Riemer. Im begrünten Innenhof hat er am Montagmorgen rund 150 Siebtklässler vor sich. Für sie beginnt wie für die anderen knapp 153.000 Schüler im Nordosten wieder die Schule. Als erstes Bundesland versucht Mecklenburg-Vorpommern nun nach den Sommerferien, unter Pandemiebedingungen zu einem weitgehend regulären Schulbetrieb zurückzukehren. Wie im coronageprägten Alltag lautet dabei eine der wichtigsten Grundregeln: Möglichst wenige Kontakte zum Nebenmann.

Der Regelbetrieb in den Schulen wird zum Experiment

Vom normalen Schulalltag, das spüren an diesem sonnigen Morgen auch die Jungen und Mädchen in Rostock, ist man noch ein ganzes Stück entfernt. Dennoch schaut Deutschland auf Mecklenburg-Vorpommern, wo nach dem coronabedingten Rumpfunterricht der zurückliegenden Monate in einer Art Großexperiment der Neustart erprobt wird.

Präsenzunterricht soll die Regel, Homeschooling via Internet die ergänzende Ausnahme sein. Ob auch in Schulgebäuden eine Maskenpflicht gelten soll, darüber wird noch diskutiert. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) appellierte in einer Twitter-Botschaft an alle Bürger des Landes, die Hygieneregeln zur Eindämmung des Coronavirus einzuhalten. Nur wenn die Infektionszahlen weiter niedrig blieben gebe dies auch Sicherheit für den Schulbetrieb.

Wie in allen anderen Schulen Mecklenburg-Vorpommerns liefen in den vergangenen Wochen auch am ISG die Vorbereitungen auf Hochtouren. Hygienekonzepte wurden erstellt. Um das Infektionsrisiko zu verringern, wurden die Schüler in feste Gruppen eingeteilt, die sich in der Schule nicht begegnen sollen. Innerhalb der Gruppen sind die Abstandsregeln aber aufgehoben. Es gehe darum, den 850 Schülern und gut 80 Lehrern maximale Sicherheit bieten zu können, sagt Riemer. Auf dem Schulhof wurden daher Treffpunkte für die unterschiedlichen Klassenstufen eingerichtet, Laufwege in den Fluren aufgezeichnet und Desinfektionsmöglichkeiten geschaffen. Selbst über die Organisation der Toilettengänge musste nachgedacht werden, berichtet Riemer.

„Wir haben wegen der Schulschließung viel aufzuholen“

Auch in Schwerins größter Grundschule im Stadtteil Lankow war der Schulstart intensiv vorbereitet worden. Auf dem weitläufigen Pausenhof scharen sich am Montagmorgen die Jungen und Mädchen um ihre Klassenlehrer, die sie in Empfang nehmen und dann im Gänsemarsch in die Klassenräume führen. «Wir freuen uns, dass es nun wieder losgeht und hoffen, dass uns nichts zwingt, den Präsenzunterricht wieder zu unterbrechen», sagt Maria Hochbaum-Bese, bevor sie ihre 2c durch den extra gekennzeichneten Eingang ins Schulgebäude bringt.

Tagelang hat Schulleiterin Hannelore Schulze mit ihren Kollegen an der Umsetzung des Hygieneplans gearbeitet – und musste dabei nach eigenem Bekunden auch mache kurzfristige Änderung noch mit einbauen. «Da gab es schon manches Hü und Hot. Aber wir versuchen, das beste daraus zu machen, Gelassenheit auszustrahlen und so Kinder und Eltern zu beruhigen», sagt die erfahrene Pädagogin. So werde es gestaffelte Essenszeiten geben und zur Überbrückung kleinere Zusatzpausen, etwa als Lesezeiten. «Wir haben ja wegen der Schulschließung im Frühjahr viel aufzuholen», berichtet Schulze.

Auch davon, dass Landesbildungsministerin Bettina Martin (SPD) nun nach Schulbeginn doch noch über eine Maskenpflicht für Schüler sinniert, lässt sie sich nicht aus der Ruhe bringen. An ihrer Schule seien die dort unterrichteten gut 400 Kinder ohnehin aufgefordert, außerhalb des Klassenraums eine Schutzmaske zu tragen. Doch einer landesweit einheitlichen Regelung kann auch Schulze viel abgewinnen.

Eine Maskenpflicht in den Schulen gibt es nicht – noch nicht

Eine generelle Pflicht, wie sie zuletzt auch Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) befürwortete, gibt es in Mecklenburg-Vorpommern bislang nicht. Martin will das Thema nun überraschend am Dienstag im Kabinett zur Sprache bringen und begründete dies mit den inzwischen wieder steigenden Infektionszahlen. Andere Bundesländer hatten bereits angekündigt, in Schulgebäuden – nicht aber im Unterricht – eine Maskenpflicht einzuführen. Überraschend kam da am Montag die Meldung aus Nordrhein-Westfalen, dass im bevölkerungsreichsten Bundesland an weiterführenden und berufsbildenden Schulen zunächst bis Ende August eine Maskenpflicht auch im Unterricht gelten soll (News4teachers berichtet ausführlich darüber – hier geht es zum Beitrag).

Kathlen und Renè Tümmel, die ihre Tochter Hannah in Schwerin bei ihrem ersten Schultag begleiten, gehen mit gutem Beispiel voran und tragen selbst Masken – was aber längst nicht alle Eltern so machen. Auch das Ehepaar bekommt ein Formular in die Hand, mit dem es Auskunft über den Gesundheitszustand in der Familie und die jüngsten Reiseziele geben soll. Vater René findet das in Ordnung. Schließlich gehe es um den Schutz der Kinder und auch der Lehrer. «Gerade jetzt, da die Infektionszahlen in ganz Deutschland und auch bei uns ja wieder hochgehen, ist es gut, wenn man besonders vorsichtig ist.»

Auch die Gymnasien in Rostock haben klare Anweisungen gegeben. «In den Fluren des Hauses herrscht Maskenpflicht», sagt Jan Bonin, Leiter des Gymnasiums im Stadtteil Reutershagen, wo mehr als 600 Schüler unterrichtet werden. So gab es zum Schulstart auch kein Pardon für Schüler, die sich nicht an die Maskenpflicht hielten. Sie wurden aufgefordert, sofort den Schutz anzulegen. Wer keine Maske dabei hatte, bekam eine von der Schule.

Nur fünf Unterrichtsstunden am Tag? „Das ist zu wenig“

«Die Zeit vor den Ferien war schwierig», sagt ein 17-jähriger Zwölftklässler in Rostock-Reutershagen. Er erwartet, dass es einen normalen Stundenplan mit bis zu acht Schulstunden pro Tag geben wird. «Mit täglich fünf Stunden, wie von Bildungsministerin Martin als Minimum gefordert, werden wir das Abitur nicht schaffen», befürchtet er. Auch der Neuntklässler Theo Semmler vom Innerstädtischen Gymnasium freut sich auf die Rückkehr zum täglichen Unterricht an der Schule. Doch die Erfahrungen aus dem vorigen Schuljahr haben ihn auch skeptisch gemacht. So richtig will er noch nicht daran glauben, dass das Schuljahr problemlos über die Bühne gehen wird. Von Joachim Mangler und Frank Pfaff, dpa

Robert-Koch-Institut schätzt Infektionsgefahr in vollen Klassen ohne Abstand als hoch ein

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4 KOMMENTARE

  1. Es ist doch seltsam in diesem Artikel, MV hat keine Maskenpflicht erlassen, aber anscheinend irgendwelche Schulleiter. Sehr geehrter Redakteur, das ist rechtlich nicht möglich. Also für eine Maskenpflicht seitens des Ministeriums muss als Basis ein Ermächtigungsgesetz vorhanden sein. Ist es übrigens zur Zeit auch in BW nicht, diese Maskenpflicht hängt noch in der Luft. Ein Schulleiter ist in keinster Weise autorisiert eine Maskenpflicht einzuführen, wenn es dumm läuft gibt es eine Dienstaufsichtsbeschwerde. So geschehen in BW, als viele Schulen Maskenpflicht und Fieber messen angeordnet haben. Die Eltern haben bei den Schulämtern und beim Ministerium beschwert. In unserer Grundschule trug in den letzten 5 Wochen vor den Ferien kein Kind Maske. Übrigens liefen die Grundschulen in BW schon 5 Wochen vor den Ferien ohne Abstand. Warum wird jetzt vom Experiment gesprochen? In unserem Landkreis mit 266000 Einwohnern lief es gut, in der Stadt Stuttgart auch.

    • Doch, kann er oder sie. Kein Bundesland ist so dämlich die Maskenpflicht komplett aufzuheben. Also lauten die entsprechenden Empfehlungen „Aussetzung der Maskenpflicht, wenn es die örtlichen und unterrichtlichen Verhältniss zulassen“. Das heißt, von vornherein wird die Ausnahme mit gedacht. Dies ist die Öffnungsklausel, um von der Vorgabe nach Ermessen der örtlich Zuständigen abweichen zu können. So etwas wird nicht per Gesetz und vor alem nicht durch ein „Ermächtigungsgesetz“ geregelt. Des Weiteren wird eine etwaige nochmalige Schließung einzelner Schulen oder einzelnen Klassen oder Jahrgängen ebenfalls von der Lage vor Ort und der Entscheidung der lokal verantwortlichen Stellen abhängig gemacht. Und das ist nicht das Schulministerium sondern die Stadt, die Gemeinde oder der Landkreis als Schulträger. Alle Schulleitungen sind qua Amt „Diener zweier Herren“ – also des Landes und der Kommune.

  2. Es ist nicht mehr in Worte zu fassen was den Kindern angetan wird.
    Das verstößt nicht nur gegen die Menschenrechte und das Grundgesetz, es schädigt Körper und Seele gleichermaßen.
    Hinzu wird noch mit perfiden Schuldgefühlen gearbeitet.

    Ich bin mir sicher, dass hier alle Verursacher und Mitläufer in einem absehbaren Zeitraum zur Rechenschaft gezogen werden.
    Das so viele Menschen weder Liebe noch Mitgefühl kennen.

    Schämt euch

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