Das Beste draus machen: Einschulung in Zeiten von Corona

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MAINZ. Es ist eine ungewöhnliche Einschulung, die Kinder und ihre Lehrer in diesem Jahr erleben müssen. Großeltern können meist nicht dabei sein, Eltern dürfen nicht in die Klassenräume gehen. Dagegen sind Masken allgegenwärtig. Morgen sind 37.100 Erstklässler in Rheinland-Pfalz betroffen.

 Corona beeinflusst auch die Einschulungsfeiern. Foto: Shutterstock

Der erste Schultag – lang erwartet und herbeigesehnt, vielleicht auch ein bisschen ängstlich beäugt und dann doch ganz anders. Mit Schultüte und Mund-Nasen-Schutz, dafür womöglich ohne Geschwister, Patenonkel und Tante, Oma und Opa. Wie genau die Einschulung für die 37 100 Erstklässler in Rheinland-Pfalz am kommenden Dienstag gestaltet wird, entscheidet jede Grundschule für sich. «Wahrscheinlich können die Feiern nicht so stattfinden wie im letzten Jahr», sagt die Abteilungsleiterin im Bildungsministerium, Elke Schott.

Möglich seien vielerorts Feiern im Freien mit den Eltern der Erstklässler, aber möglicherweise je nach Entscheidung der Schulleitung auch mit den Großeltern. Dabei müsse die Abstandsregel eingehalten werden, sagte Schott.

Um die zu wahren, darf etwa an der Goethe Grundschule in Mainz jedes Kind nur von seinen Eltern begleitet werden. Paten und Großeltern, aber auch Geschwister müssen zu Hause bleiben, wie Schulleiterin Gabriele Erlenwein berichtet.

Nacheinander für jede Klasse einzeln auf dem Sportgelände der Schule

Die Einschulungsfeiern finden nacheinander für jede Klasse einzeln auf dem Sportgelände der Schule statt. Insgesamt werden es laut Erlenwein vier Klassen mit rund 80 Kindern sein. Auf dem Sportplatz sollen bunte Reifen ausgelegt werden, so dass genügend Abstand eingehalten werden kann. Wenn die Kinder mit ihren Lehrerinnen und Lehrern für eine Schulstunde ins Schulgebäude gehen, bleiben die Eltern draußen. «Sonst haben wir es immer so gemacht, dass die Eltern die Kinder in die Klasse begleiten können», erklärt Erlenwein.

Die fünfjährige Katja wird ab kommender Woche die katholische Martinus-Schule in Mainz besuchen. Vor etwa drei Wochen seien die Eltern darüber informiert worden, dass es voraussichtlich einen Gottesdienst zur Einschulung gebe und auch andere Verwandte neben den Eltern dabei sein könnten, sagt Katjas Vater Stefan Seidel.

Seit dieser Woche ist jedoch klar: «Die Feier findet nur klassenweise statt, außer uns Eltern darf keiner dabei sein», erklärt Seidel. Seidel ist selbst Lehrer und kennt daher die Abläufe an den Schulen. «Die erste Info-Mail hat zu viel Hoffnung gemacht, das war etwas unglücklich», sagt er. Sorgen um die Einhaltung der Regeln an den Schulen mache er sich nicht.

«Eine Maskenpflicht während des Unterrichts wäre für mich überraschend, aber in Ordnung.» Der aktuelle Hygieneplan, der am Donnerstag veröffentlicht wurde, sieht das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung auf dem gesamten Schulgelände vor, auch im Freien. Sobald Schüler und Lehrer ihren Platz erreicht haben, dürfen sie den Schutz jedoch absetzen.

Der Fünfjährige hat mit der Maske kein Problem

Mit der Maske habe sein Sohn Jonas gar kein Problem, meint Andreas Garcia-Bardon. Der Fünfjährige finde es sogar toll, sie anzuziehen. Jonas wird ab kommender Woche die Grundschule in Gau-Algesheim (Kreis Mainz-Bingen) besuchen. «Die Einschulung wirkt sehr gut geplant», sagt Garcia-Bardon. Auch ein Gottesdienst sei vorgesehen. Was die Zukunft betrifft, ist Garcia-Bardon skeptisch. «Egal wie es weitergeht, es macht keinen Sinn, jetzt schon Pläne dafür zu schmieden.»

«Es ist uns ein Herzensanliegen, eine schöne Einschulungsfeier zu gestalten», sagt Lars Lamowski, stellvertretender Landesvorsitzender des Lehrerverbands VBE Rheinland-Pfalz. An seiner Grundschule, der Michaelschule in Kirchen (Sieg) im Landkreis Altenkirchen, wird ähnlich wie in Mainz die Einschulungsfeier auf dem Schulhof stattfinden, der traditionelle Gottesdienst entfällt. Die vier Klassen mit insgesamt 70 Schülern kommen getrennt voneinander. Eltern dürfen nicht ins Gebäude.

Der Gewerkschafter bemängelt, dass der fünfte Hygieneplan der Landesregierung nicht mal eine Woche vor Schulstart veröffentlicht worden sei. Die Schulen seien da schon längst aktiv geworden und hätten ihre Regeln für das neue Schuljahr bereits erarbeitet und die Eltern informiert.

«Das sorgt für unglaublichen Druck und Verwirrung», kritisiert Lamowski, «auch wenn klar ist, dass man jetzt akut auf gestiegene Infektionszahlen reagieren muss». Die Schulen seien nicht darüber informiert worden, dass überhaupt ein neuer Hygieneplan in Arbeit sei.

Die Eltern seien vor den Sommerferien noch verständnisvoll gewesen, jetzt könnte das nach Lamowskis Einschätzung anders aussehen. Bereits zum Ende des Schuljahres habe es Nachfragen gegeben, wie das Schuljahr organisiert werde, insbesondere von Eltern, die beide berufstätig sind.

Prof. Miriam Leuchter rät Eltern, die Ruhe zu bewahren und ihren Kindern zu zeigen, dass sie den Überblick haben. Dazu gehöre auch, das Kind darüber zu informieren, dass die Schule vielleicht wieder schließen könnte. «Für Kinder ist es wichtig, dass sie sich sicher fühlen können», sagt die Leiterin des Arbeitsbereiches Grundschulpädagogik an der Universität Koblenz Landau. Deshalb empfiehlt sie, offen zuzugeben, was man wisse und was nicht.

Für die Kinder sei diese Einschulung auch deshalb anders, weil ihre Eltern am ersten Tag häufig nicht mit in die Klassenräume könnten. Zudem sei es bei einer Teilung der Klassen nicht möglich, sich schnell mit anderen Kindern zu vernetzen. Trotzdem freuten sich die Kinder auf ihre Einschulung. «Sie haben nicht die gleichen Möglichkeiten sich frei zu entfalten wie andere Jahrgänge, aber sie werden das Beste daraus machen», ist Leuchter überzeugt. (Bernadette Winter, dpa)

 

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