Nach dem Schulstart: Infektionsgeschehen beschleunigt sich deutlich

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ROSTOCK. Am Montag begann in Mecklenburg-Vorpommern das neue Schuljahr ohne die Abstandsregel, und prompt steigt die Zahl der Corona-Infektionen wieder schneller: Drei neue bestätigte Fälle am Montag, neun am Dienstag, am Mittwoch dann 18 – so viele wie seit April nicht mehr. Die Infektionen sind über das Land verteilt. Auch das Bildungsministerium ist betroffen.

Täglich werden neue Corona-Ausbrüche in Deutschland gemeldet. Foto: Shutterstock

Die Zahl der bestätigten Corona-Neuinfektionen ist am Mittwoch um 18 über das Land verteilte Fälle gestiegen. Außer Nordwestmecklenburg und dem Landkreis Rostock waren alle Landkreise und kreisfreien Städte betroffen, wie das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) in Rostock mitteilte. Die 18 Neuinfektionen sind der höchste Anstieg binnen eines Tages seit dem 7. April, als 24 Neuinfektionen gemeldet worden waren. Nur am 24. Juli war der Anstieg mit 17 neuen Fällen einmal fast so hoch wie jetzt, wie aus Angaben des Landesamtes hervorgeht.

Die Gesundheitsbehörden greifen mit Blick auf den Schulbetrieb durch

Die Gesundheitsbehörden sind alarmiert und greifen auch mit Blick auf den Schulbetrieb in Mecklenburg-Vorpommern Anfang der Woche durch: Für alle Teilnehmer einer Trauerveranstaltung des islamischen Kulturvereins Parchim am vergangenen Wochenende ordnete der Landkreis Ludwigslust-Parchim am Mittwoch Quarantäne an. Das betreffe auch die Familienangehörigen, so ein Behördensprecher. Vorsorgliche Tests bei mehr als 100 Personen im Zusammenhang mit der Trauerfeier am Dienstag hatten in zwei Fällen positive Ergebnisse erbracht. Weitere Tests liefen, mit weiteren positiven Ergebnissen müsse gerechnet werden. An der Trauerfeier hatte möglicherweise eine mit dem Coronavirus infizierte Person teilgenommen.

Wie der Rostocker Tropenmediziner Emil Reisinger sagte, handelt es sich in einigen Fällen um Reiserückkehrer und um familiäre Kontakte im Ausland. «Gleichzeitig gibt es eine Unvernunft einiger weniger Menschen», sagte er der dpa. Die hohe Zahl der Neuinfektionen könne gleichzeitig ein Hinweis auf die sogenannte zweite Welle sein. Sollte sich in den kommenden Tagen die Infektionen auf diesem Niveau halten, könne es notwendig sein, darüber nachzudenken, einzelne Lockerungen zurückzunehmen, sagte Reisinger.

Vier Mitarbeiter des Bildungsministeriums mussten in Quarantäne

Das Coronavirus hat auch das Bildungsministerium erreicht. Nach dem Nachweis einer Infektion im Ministerium sind aktuell vier Mitarbeiter in Quarantäne, wie Sprecher Henning Lipski sagte.

Wegen eines Corona-Verdachtsfalls ist die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg sicherheitshalber für drei Tage für Besucher geschlossen worden. Einen entsprechenden Bericht des «Nordkuriers» bestätigte am Mittwoch ein Sprecher der Behörde. Grund sei, dass eine Mitarbeiterin Kontakt zu einem Bekannten gehabt haben soll, der positiv auf das Coronavirus getestet wurde.

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hatte wiederholt betont, das Wichtigste sei, dass der Schul- und Kitabetrieb nach den Sommerferien sicher anlaufe. Einen Schwachpunkt sehen Eltern- und Lehrerverbände dabei im Schülerverkehr in oft sehr vollen Bussen. Der Landkreistag wies am Mittwoch Forderungen nach dem Einsatz von mehr Fahrzeugen zum Entzerren des Geschehens als nicht umsetzbar zurück. Hier und dort seien sicher Verstärkerfahrten möglich, doch flächendeckend sei es nicht machbar mehr Busse im Schülerverkehr einzusetzen, sagte Judith Gelke vom Landkreistag der Deutschen Presse-Agentur.

Busse stünden nicht reihenweise ungenutzt in den Depots und warteten nur darauf, zum Einsatz zu kommen. Dasselbe gelte für das Fahrpersonal. Solle der Schülerverkehr aufgestockt werden, müsse im Gegenzug der Linienverkehr ausgedünnt werden. Spielraum sei nur punktuell und in kleinem Umfang vorhanden – dieser werde auch bereits genutzt, sagte Gelke.

Landkreistag kritisiert Maskenpflicht auf den Pausenhöfen

Der Landkreistag kritisierte die Maskenpflicht auf den Pausenhöfen der weiterführenden Schulen und forderte mehr Augenmaß bei der Verhängung von Corona-Restriktionen. Wenn bereits Elf- und Zwölfjährige in der für die Erholung und Bewegung dringend notwendigen Hofpause an der frischen Luft nur noch in die Maske atmen dürften, sei das schwierig, hieß es in einer Mitteilung des Kommunalverbandes. Die Ansteckungsgefahr sei im Freien erwiesenermaßen geringer als drinnen, weshalb es keine Maskenpflicht auf Schulhöfen geben solle, sobald sich die Zahl der täglichen Neuinfektionen in Mecklenburg-Vorpommern auf einem niedrigen, einstelligen Niveau eingependelt habe, so der Landkreistag.

Die Schweriner Landesregierung hatte am Dienstag – einen Tag nach dem Schulstart – eine Maskenpflicht für die weiterführenden Schulen beschlossen. Sie gilt auf dem gesamten Schulgelände, also auch auf dem Pausenhof, jedoch nicht im Unterricht. Die Grundschulen sind von der Maskenpflicht ausgenommen. dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Leopoldina hält geplanten Normalbetrieb an weiterführenden Schulen für zu riskant – sie fordert kleine feste Lerngruppen

 

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21 KOMMENTARE

      • Alarmierende 18 neue Fälle, die mit Ausnahme des Landkreises westliches Vorpommern und Rostock sich über das gesamte Land verteilen !
        Der befragte Mediziner gibt aber an, dass die Virusträger Heimkehrer aus dem Ausland sind, die durch ihr unvernünftiges Verhalten zur Weiterverbreitung des Virus beitragen.
        Die ursprünglichen Infektionsherde sind aber nicht die Schulen.

        • @AvL
          Natürlich sind nur Erwachsene aus dem AuslandsUrlaub heimgekehrt, die Kinder sind brav zu Hause geblieben!?
          Ballermann lässt grüßen …
          Natürlich sind die Schulen nicht die ursprünglichen Infektionsherde, da sie erst teilweise seit Montag wieder geöffnet sind – noch nicht!!!

          • Achtung Mac-Pom läuft wegen der 8 neuen Fälle Gefahr zur Coronazone aufzusteigen !
            Unterlassen sie das Rauchen und stellen sie die Atmung ein !

        • Die ursprünglichen Infektionsherde sind aber nicht die Schulen.

          ———————

          Welch geistreiche Schlussfolgerung! Die Schulen waren ja geschlossen / Sommerferien???
          Italien hat die Schulöffnungen auf den Herbst vertagt, damit es nicht zu Überschneidungen mit dem Urlaubsrückreiseverkehr kommt. Nun wird durch den Regelbetrieb der Verteilungsmechanismus in Gang gesetzt.
          Dies war die These, weshalb obige Anmerkung unsinnig ist.
          Denn es war zu erwarten!

          Avl, extra für Sie:

          Manifeste Hirnschäden in 55% der COVID-19-Patienten

          Kein signifikanter Unterschied zwischen schwerem und nicht schwerem Verlauf.
          https://www.thelancet.com/journals/eclinm/article/PIIS2589-5370(20)30228-5/fulltext

          Das Robert-Koch-Institut meldet 1.045 Corona-Neuinfektionen in Deutschland. Über 1.000 Neuinfektionen für heute bundesweit, kein Hotspot, breites Infektionsgeschehen, selbst Sachsen legt deutlich zu. Jeder Kreis in Schleswig-Holstein jetzt mit gemeldeten Infektionen und nun starten die Schulen in den Regelbetrieb….ein Wahnsinn aus pandemischer Sicht.
          Ich bleibe dabei, der Spätherbst lässt die Läden runter…

          Karl Lauterbach
          @Karl_Lauterbach
          (1) Zwei neue Lancet Studien zu Schulöffnungen, dazu gute Expertenkommentare zu Ergebnissen. Modellrechnung für UK zeigt, dass bei Schulöffnung ohne deutlich bessere Arbeit der schnellen Quarantäne und Kontakte infizierter Kinder oder Lehrer Pandemie im Dezember voll zurück wäre

  1. Ich finde es interessant, wie schnell man diese Infektionszahlen auf die Schulöffnung schließt. Die Inkubationszeit beträgt bei Corona doch mehrere Tage. Glaubt der Autor dieses reißerischen Artikels (bzw. der Überschrift) wirklich, dass man Montag bei der ersten Schulbegegnung jemanden ansteckt und direkt die Symptome sieht? So funktioniert Corona nachweislich nicht. Das ist entweder naive, irrationale oder tendenziöse Berichterstattung.

      • Na ja, das ist jetzt noch eher Korrelation statt Kausalität. Den Einfluss der Urlaubsreisen halte ich derzeit noch für größer. Dennoch ist der Regelbetrieb in den Schulen mit unverantwortlich sehr wohlwollend umschrieben.

        • Anlass und Ursache.
          Ursächlich für den deutlichen Anstieg der Infiziertenzahlen sind aller Voraussicht nach infizierte Urlaubsrückkehrer. Nicht alle lassen sich testen und nicht alle halten die Quarantänevorschriften ein. Dann noch ein paar Familienfeiern vor Schulbeginn und die Schulen werden zum Umschlagplatz. Und schon haben wir den anlass für weitergehende Maßnahmen zur Corona-Eindämmung. Und so wird aus einer korrelation zweier Ereignisse eine Abfolge von Ereignissen, wodurch das eine durch das andere bedingt ist, was im allgemeinen Sprachgebrauch als Kausalität bezeichnet wird.

          Schön wäre ja es wären weder Korrelation noch Kausalität und es wäre im besten Fall eine Koinzidenz der Ereignisse, die sich nicht verknüfen bzw. korrelieren ließen.

  2. Ich finde es unglaublich und unverantwortlich JETZT die Schulen ganz normal zu öffnen. Man sieht doch schon, dass es Neuinfektionen gibt. Wir können uns nicht erlauben in Quarantäne zu gehen, zudem möchten wir selbst auch nicht daran erkranken. Das ist ja russisches Roulette was hier gespielt wird!

  3. Eine der üblichen reißerischen Artikel über Schulöffnungen. Schauen Sie doch einmal in andere Länder wie Niederlande, Dänemark, Schweiz, Finnland, Schweden, Norwegen…..es gibt so viele Länder, die ihre Schulen seit Monaten im Regelbetrieb haben…..in BW liefen die Grundschulen 5 Wochen ohne Abstand, und jetzt sollen deutsche Schulen der Hotspot werden? Wenn die Politik keinen Präsenzunterricht mehr will, dann soll sie sich dazu äußern. Vielleicht will ma hier noch mehr sparen, aber diese ganze Hysterie ist doch sinnlos. Corona ist weder morgen, noch nächsten Monat, noch nächstes Jahr verschwunden. Virologen raten zu mehr Mut und mehr Infektionen. Der WHO Präsident verkündet regelmäßig, dass es noch lange keine Impfung geben wird,vielleicht auch nie. Es werden alle mit Corona Leben müssen.

    • Sehr geehrte Frau Szidlovszky,

      mehr Mut bei der Infektion…sehr interessante Einstellung. Ich finde wir sollten überall mehr Mut zeigen. Aber es sollte jedem möglich sein, dass selbst zu entscheiden. Von anderen Mut fordern, den man selber nicht bereit ist einzugehen, finde ich passt zu unserer neuen Gesellschaft. Erst ich, dann ich und dann nochmal ich, keine Moral, kein Mitgefühl, Work-Life-Balance, unersättliche Gier und der gesunde Menschenverstand im Rückzugsmodus. Wir könnten doch einfach alle mutigen Mitbürger zwangsweise mit dem Corona-Virus infizieren. Vielleicht erreichen wir dann schnell eine Immunität und die starken Schultern würden den Schwächeren in unserer Gesellschaft helfen. Nachdem ein erneuter Lockdown finanziell nicht möglich ist, müssen andere Wege her. Schule digital funktioniert übrigens auch nur mit Notendruck, denn wer glaubt die meisten Kinder lernen freiwillig, glaubt auch, dass alle Erwachsenen nur zum Spaß in die Arbeit gehen.

      • Home-schooling – au jau!

        Wenn dann aber richtig, ohne Materialien, die von der schule gestellt werden. Informationen über die Kernlehrpläne können stehen im Netz, die Adaption für den eigenen Unterricht machen dann die Eltern. Schulen sind dann nur noch zur Abnahme von Prüfungen und die vergabe von Abschlüssen zuständig. So toll ist der Job als lehrkraft nun auch nicht, als dass man dem Unterichten eine Träne nachweinen müsste.

        Bis jetzt hat es kein „home-schooling“ gegeben, es gab allenfalls „Lernen auf Distanz“. – Bitte nicht verwechseln mit echtem „Fernunterricht“.
        Die derzeitigen Klagen laufen doch darauf hinaus, dass einige Eltern mit der Betreuung und dem eigenen Job überfordert waren. Wie wollen die dann „home-schooling“ betreiben?

  4. @Sabine Szidlovsky
    Virologen raten zu mehr Mut und mehr Infektionen.
    Wieder so eine unbelegte Aussage von Ihnen.!!! Wenn Sie so mutig sind, gehen Sie doch bitte mit gutem Beispiel voran!

  5. Interessant, dass gerne Leute, die im sicheren Home Office/Labor/Büro sitzen, mehr Mut von anderen fordern.
    Ich fordere Mut von den Verantwortlichen im Bildungsbereich, neue Wege zu beschreiten. Und kein weiteres Verschließen der Augen vor der Realität!
    Auch Ihnen wünsche ich den Mut, sich den Tatsachen zu stellen. Einer Pandemie konnte man noch nie mit Mut zu Infektionen begegnen, außer man bewegt sich im Bereich der Menschenverachtung. Mit Mut hat das nichts zu tun, wenn man Menschenexperimente fordert.

  6. @Sabine: Ich mach das mal wie Sie:

    Es ist seit fünf Monaten immer das gleiche Gejammere:

    Null Verantwortungsgefühl. Ich schätze das Problem liegt darin, dass man Eltern nicht das Kindergeld streichen kann und Steuervegünstigungen entziehen kann. Auch wenn sie ihre Kinder stundenlang vor dem PC, TV oder Handy parken und sonst nichts tun. Schnell mal ein Abendessen bei Mc Donalds. Die gesellschaftliche Hängematte ist einfach viel zu bequem.

    Da lokale Lockdowns nicht auszuschließen sind, sollten Sie sich nicht so sicher sein, dass es keinen 2. Lockdown geben wird.
    Aber als verantwortungsvolle Mutter haben Sie sich sicher in den letzten 5 Monaten ein alternatives Konzept zur Betreuung Ihrer Kinder überlegt.

    Eine Frage noch: Wieso bringen Sie ständig Schweden, Dänemark usw. als Beispiele? Diese Beispiele sind Ihnen schon so oft um die Ohren geflogen, dass Sie es langsam verstanden haben müssten. Oder wollen sie einfach nur provozieren ohne jeglichen Sinn und Zweck?

    Keine Angst; die Lehrer werden in den nächsten Wochen fast alle ihren Dienst antreten, aber sollte das Infektionsgeschehen es nicht mehr zulassen, wird halt online unterrichtet. So gut es eben geht. Finden Sie sich damit ab. Ihre Luxusvorstellungen von Schule in einer Ausnahmesituation wird es niemals geben.

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