Leopoldina hält geplanten Normalbetrieb an weiterführenden Schulen für zu riskant – sie fordert kleine feste Lerngruppen

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BERLIN. Der Nationale Wissenschaftsrat Leopoldina hat den Planungen der Kultusminister widersprochen, an den weiterführenden Schulen Unterricht nach dem „Kohortenprinzip“ stattfinden zu lassen. Statt die Schüler in voller Jahrgangsstärke zusammenzubringen, müssten kleine feste Lerngruppen gebildet werden, um dem Infektionsrisiko Rechnung zu tragen. Das Problem: Damit wäre der angestrebte Normalbetrieb zumindest in den weiterführenden Schulen praktisch kaum mehr möglich.

In der Schule soll auf Abstand geachtet werden, fordert die Leopoldina. Allenfalls in kleinen festen Lerngruppen lässt sich darauf verzichten. Foto: Shutterstock

„Die neueste Entwicklung der Fallzahlen macht mir und allen im Robert-Koch-Institut große Sorgen“, hatte Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts, vergangene Woche vor Journalisten erklärt. „Wir sind mitten in einer sich rasant entwickelnden Pandemie“, warnte er. Der Anstieg sei nicht auf einen Hotspot zurückzuführen, er betreffe viele Bundesländer, sei „diffus“. Wieler rief daher erneut dazu auf, die AHA-Regeln zu befolgen. AHA steht für: Abstand, Hygiene, Atemschutz. Das bedeutet mindestens 1,5 Meter Abstand zu anderen Menschen zu halten, die Hygieneregeln wie regelmäßiges Händewaschen zu beachten und eine Mund-Nasen-Bedeckung dort zu tragen, wo die Abstandsregel nicht sicher eingehalten werden kann.

„Kohorten“ sollen möglichst klein sein – „wenn möglich“

Die Bundesländer haben vereinbart, dass auf die Abstandsregel im Unterricht verzichtet werden soll, „wenn es das Infektionsgeschehen zulässt.“ Alle Bundesländer planen derzeit ohne Abstandsregel in den Klassenräumen. Das erste Bundesland, Mecklenburg-Vorpommern, ist entsprechend am Montag in das Schuljahr 2021/2021 gestartet.

Mit Blick darauf betonte Wieler, es sei wichtig, dass man Klassenverbünde zusammenhalte und die Klassen nicht mische. Es müssten sogenannte „epidemiologische Einheiten“ gebildet werden. Auch in der Freizeit sei es sinnvoll, wenn sich Schüler dann nur mit den Schülern treffen, mit denen sie schon in der Schule waren.

Praxisnah ist das allerdings nicht. In Schleswig-Holstein beispielsweise ist Unterricht in festen Klassenverbünden nur in der Grundschule vorgesehen – in den weiterführenden Schulen werden die sogenannten „Kohorten“ größer ausfallen. In Niedersachsen darf eine Kohorte einen Schuljahrgang umfassen. Im Berliner Hygieneplan heißt es: „Der Unterricht und die ergänzende Förderung und Betreuung sind in festen Gruppen bzw. Lerngruppen durchzuführen, um Kontakte soweit wie möglich zu reduzieren.“ Die Einschränkung: „soweit organisatorisch möglich…“.

In Nordrhein-Westfalen heißt es: „Der Unterricht soll jahrgangsbezogen in Klassen, in Kursen oder festen Lerngruppen stattfinden. Eine jahrgangsübergreifende Gruppenbildung ist grundsätzlich nicht möglich.“ Ausnahmen, in denen die Schüler dann doch wieder in völlig neuer Besetzung zusammengebracht werden, gibt es aber trotzdem: nämlich „bereits jahrgangsgemischt zusammengesetzte reguläre Klassen bzw. Lerngruppen, Gruppen für Ganztags- und Betreuungsangebote sowie Schulsportgemeinschaften“.

Ein Lehrer kommentiert das im Leserforum von News4teachers: „Dieses sogenannte ‚Kohortenprinzip‘ ist nicht einleuchtend (um es vorsichtig zu formulieren). Nahezu jedes Kind einer Kohorte hat engen Kontakt zu mindestens einem aus einer anderen (Geschwister, Freunde, Vereine). Als wolle man mit einem Sieb einen Raum luftdicht abschließen!“

Leopoldina spricht sich für strikte Trennung der Schüler aus

Die Nationalakademie sieht das offenbar genauso – und spricht sich in einem neuen, heute veröffentlichten Gutachten indirekt gegen das „Kohortenprinzip“ aus. So erklärt die Leopoldina, „um die Schließung ganzer Bildungseinrichtungen so weit wie möglich zu verhindern, ist es sinnvoll, überall, wo dies umsetzbar ist, kleine feste Kontaktgruppen (epidemiologische Gruppenverbände, z. B. Schulklasse oder Stammgruppe in der Kita) einzurichten, die zueinander möglichst wenige Berührungspunkte haben“. Hierdurch ließen sich Coronavirus-Ausbrüche schneller nachvollziehen und unterbrechen.

Wörtlich heißt es weiter in dem Papier, an dem unter anderem der Charité-Virologe Christian Drosten und RKI-Präsident Wieler mitgearbeitet haben: „Zur Einrichtung der empfohlenen kleinen festen Gruppen (epidemiologische Gruppenverbände) sind strukturelle und organisatorische Anpassungen in den Bildungseinrichtungen notwendig. Dabei sollte ein Wechsel von Räumen vermieden werden, möglichst wenig Wechsel von Fachkräften stattfinden und auch während der Zeiten im Außengelände die Kontakte zwischen Gruppen reduziert werden. Die Erschließung und Anmietung zusätzlicher Lernorte kann zu einer räumlichen Entzerrung beitragen. Weitere Freiräume für Kitas und ggf. Grundschulen könnten gewonnen werden, indem beispielsweise Bildungs- und Lernaktivitäten im Freien systematisch in den Alltag integriert werden. Neben der räumlichen ist auch eine zeitliche Entzerrung möglich, indem die Nachmittage und ggf. auch die Samstage für Lernangebote genutzt werden.“

Auf die Möglichkeit von Ausbrüchen in Bildungseinrichtungen müsse sich Deutschland vorbereiten. „Gerade mit Blick auf die wieder zunehmende nationale wie internationale Mobilität, die Verlagerung von Aktivitäten in Innenräume im Herbst und Winter sowie den Beginn der Grippe- und Erkältungssaison erscheint dies umso dringender.“ Die Leopoldina empfiehlt deshalb in weiterführenden Schulen eine Maskenpflicht im Unterricht (News4teachers widmet diesem Aspekt einen eigenen ausführlichen Beitrag – hier geht es hin).

Das Problem ist allerdings, dass ein Normalbetrieb in der weiterführenden Schule mit seinen oft stündlich wechselnden Fachlehrern, gewählten Fremdsprachen und Neigungskursen kaum entsprechend zu organisieren ist, ein Normalbetrieb in der Oberstufe mit seinen Kursen in ständig wechselnder Besetzung schon gar nicht. Feste Lerngruppen in Klassengröße mit fest zugewiesenem Lehrpersonal würden in den Sekundarstufen I und II eine radikal andere Unterrichtsorganisation erzwingen.

Ist Projektunterricht ein „Corona-adäquater“ Weg?

Wie die aussehen könnte? SPD-Chefin Saskia Esken hatte womöglich schon vorab Einsicht in die Stellungnahme der Leopoldina. „Wir sollten nicht der Illusion erliegen, dass die Schulen zu einem ‚Regelbetrieb‘ zurückkehren können, wie er vor Corona üblich war“, erklärte sie jedenfalls Ende der Woche in einem Interview mit «Zeit Online». Ihr Vorschlag: Unterricht in kleinen, festen Projektgruppen. „Zwei Wochen Projektunterricht mit den Lehrkräften für Geschichte und Politik, dann kommen für zwei Wochen die Naturwissenschaften zu einem Projekt zusammen.“ Ein solcher Unterricht, den auch schon die GEW in Berlin vorgeschlagen hatte, wäre ihrer Ansicht nach ein „Corona-adäquater Weg“. News4teachers

Hier lässt sich die vollständige Stellungnahme der Leopoldina herunterladen.

Im Wortlaut

Im Juni hat die Berliner GEW ein Konzept vorgestellt, das neue Lehr- und Lernformen vorsieht, die der besonderen Situation in der Corona-Krise Rechnung tragen. Darin heißt es:

„Das Lernen in Form von epochalen Lernbüros und Projekten ermöglicht es, dass zwei bis drei Lehrkräfte mit unterschiedlichen Qualifikationen (in Haupt- und Nebenfächern) über mehrere Wochen hinweg nur einer Lerngruppe fest zugeordnet werden. Die Anzahl der Sozialkontakte von Lehrkräften und Schüler*innen und damit ihr Infektionsrisiko würde so um ein Vielfaches sinken. Themen könnten zudem aus verschiedenen fachlichen Perspektiven und mit größerer Komplexität bearbeitet werden. Der fächerübergreifende und projektorientierte Ansatz wäre auch bei erneuter Notwendigkeit für die Begleitung des Fernlernens von Vorteil. Die Lehrkräfte müssten lediglich für eine Lerngruppe ansprechbar sein. Für Schüler*innen und Eltern gäbe es eine überschaubare Kommunikation.“

News4teachers berichtete ausführlich über das Konzept – hier geht es zu dem Beitrag.

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Leopoldina empfiehlt Mund-Nasen-Maske auch im Klassenzimmer

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27 KOMMENTARE

  1. Also das rollierende System mit Zoom-Meetings hat an den meisten Gymnasien sehr gut funktioniert, könnte man doch einfach beibehalten, ansonsten sind diese Schulzentren Großveranstaltungen.

    • „… hat an den meisten Gymnasien sehr gut funktioniert“

      Bitte immer die Quellen für diese (aus meiner Sicht eher fragwürdigen) Behauptungen angeben – Danke!

      • Es gibt tatsächlich viele gute praxisnahe Beispiele, wo eine Mischung aus Distanz- und Präsenzunterricht gut funktioniert hat. Ich verstehe immer diese Schwarz-Weiß-Malerei nicht. Es gibt doch nicht nur das Eine oder das Andere. Man hätte sicher sinnvolle Konzepte weiterverfolgen und weiterentwickeln können, die tragfähig wären. Wenn man aber nur „ganz oder gar nicht“ im Kopf hat, blockiert man eventuell die ein oder andere sinnvolle Idee. Keiner will eine erneute Schulschließung, ich habe nur ebenfalls die Befürchtung, dass eine Schule ohne Abstand genau dieses herbeiführen wird.

        • Mir ging es nicht um den Inhalt des Posts bzw. des Beitrags hier, sondern ausschließlich um Behauptungen, die ohne Quellenangaben aufgestellt werden. Der subjektive Eindruck ist eben leider keine empirische Untersuchung.
          Das hat auch überhaupt nichts mit Schwarz-Weiß-Malerei zu tun – ich selbst bin ein Verfechter von Zoomkonferenzen zum Vermitteln von Lerninhalten in gewissen Jahrgangsstufen – in Verbindung mit einem Medium wie beispielsweise dem IPad und GoodNotes kann man hier aus meiner persönlichen Sichtweise (abhängig vom jeweiligen Fach) heraus anschaulich Sachverhalte erläutern.

          • Und es gibt, man soll es nicht glauben, in der Zwischenzeit auch sehr gute Schulbücher, mit denen die Schüler arbeiten könnten.
            Dazu braucht man kein WLan, kein IPad…, allerdings muss man da selber lesen können.
            Wird meines Erachtens bei dem ganzen Digtal…. vergessen.
            Kann auch sein, dass einige gar nicht mehr wissen, wozu sie diese „Bücher“ zu Schuljahresbeginn bekommen bzw. wie diese zu handhaben sind.

  2. Erfreulicherweise findet man noch einen Sachverstand vor, der die Lage anders einschätzt. Besonders erfreulich, da es bestimmte Schreiber hier mit Schreibauftrag konterkariert.

    Hab von bestimmten Schreiberling nie was dazu gehört…:

    „Eine kürzlich von der Irish Nurses and Midwives Organisation (INMO) durchgeführte Umfrage hat ergeben, dass zwei Drittel der Pflegekräfte, die sich mit Covid-19 infiziert haben, immer noch unter postviraler Erschöpfung leiden.“
    https://www.leitrimobserver.ie/news/home/563781/two-thirds-of-nurses-who-recovered-from-covid-19-suffering-post-viral-fatigue.html

    Es mehren sich die Hinweise, dass Kinder Viruslasten besitzen, gleich oder höher denen bei Erwachsenen (Drosten-Studie, Ferienlager US oder CA) und das Kinder sehr deutlich zur Verbreitung beitragen können (koreanische Studie ).
    Selbst sehr hohe Luftwechselraten mit Frischluft wie in Flugzeugen (alle paar Minuten) schützen nicht vor Infektionen. Um auf ein ungefährliches Maß zu kommen, dürfen nur wenige Personen, möglichst kurz in einem möglichst großen Raum sein, der anschließend lang gelüftet wird. Wie mit SARS-CoV wurden mit SARS-CoV-2 Infektionen in Flugzeugen nachgewiesen.

    Die Argumentation mit den Studien der Unikliniken und der Stellungnahme der Kinderärzte steht auf tönernen Füßen.
    Schulöffnungen sind bereits schiefgegangen…..siehe Israel, was unserer dichten Besiedlung etwa gleichkommt im Gegensatz zu Schweden.

    Eine vorsichtigere Öffnungsstrategie sowie Schule anders zu organisieren trägt dazu bei, einen Lockdown zu verhindern.

      • Und es mehren sich auch zunehmend die Hinweise, dass auch bei Kindern Langzeitschäden zu beobachten sind…

        Studie: Covid-19 kann bei Kindern zu anhaltenden neurologischen Beschwerden führen. Als Beispiel werden Erinnerungslücken und Verhaltensänderungen angeführt.
        https://www.nbcnews.com/now/video/study-shows-link-between-covid-19-and-neurological-side-effects-in-children-89596485954

        Alleine schon deshalb müssten Schulöffnungen mit absoluter Vorsicht und Umsicht praktiziert werden……..niemand kann bisher seriös evt. Langzeitschäden beim Menschen einschätzen, aber die Hinweise auf zum Teil gravierender Folgeschäden einer Infektion mehren sich weltweit. Regelschulbetrieb heißt hier die Antwort……unfassbar.

      • Einen echten Lockdown hatten wir auch nie. Schauen Sie mal, wie die Maßnahmen in Italien waren, dagegen war das bei uns noch sehr entspannt. Und es ist eine einfache Tatsache: wenn reihenweise Lehrer erkranken ( muss „noch nicht mal“ Corona sein), werden die Kinder auch nicht in die Schulen kommen können – schlicht, weil keiner mehr da ist, um sie zu unterrichten. Das liegt an der Sparpolitik der Länder und dem auf Kante genähten Personalschlüssel.

      • Ob die Geschäfte jetzt auf Anordnung der Gesundheitsbehörden geschlossen bleiben oder infolge eines Insolvenzverfahrens ist doch nebensächlich.

      • Sabine Szidlovszky 5. August 2020 um 20:56
        Einen Lockdown wird es nicht mehr geben.

        ——————

        Dies ist ein politisch formulierter Glaubensgrundsatz, den Politiker gern so in die Welt setzten. Aber Glaubensgrundsätze bestimmen dieses Entscheidung nicht, sondern die pandemische Entwicklung.
        Und ich darf Ihnen sagen, dass europ. Regierungen sich natürlich hinter verschlossenen Türen auf dieses Szenario vorbereiten, alles andere wäre auch grob fahrlässig.

        SPIEGEL-Umfrage zur Coronakrise
        Deutsche erwarten zweiten Lockdown – mit schweren Schäden für die Wirtschaft
        https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/corona-deutsche-erwarten-zweiten-lockdown-und-schaeden-fuer-wirtschaft-a-86d9930d-a537-415b-92bc-50e4c12222b7

        • Also wir haben Woche für Woche weniger Menschen auf Intensivstation, trotz vermehrter positiv Getesteten. Trotz vieler positiver Tests gibt es wenig Kranke. Zum Gesundheitssystem Italien könnte man viel schreiben…aber das spare ich mir. Die Schulen scheinen in Deutschland ein Problem zu sein. In Skandinavien, Niederlande, Schweiz, Tschechien, Österreich funktioniert es doch auch…..ein Lockdown kann sich Deutschland nicht mehr leisten, dann ist es aus mit Beamtengehalt und Renten. Es wird noch eine Pleitenwelle nachkommen, da zur Zeit das Insolvenzrecht ruht und es nich Kurzarbeitergeld. Das Maskenthema entsetzt mich, wie kann man von Kindern verlangen, dass sie Masken in der Schule tragen? Und dann noch die ganze Zeit??? Die Kinder und Jugendlichen treffen sich doch längst Nachmittags und Abends ohne Abstand.und Schule sollte mehr sein als stupide Bildung, hier sozialisieren sich die Kinder lernen Empathie und Konfliktmanagement…..Aber jeder Tag, an dem Politiker, Virologen und anderen Vereinigungen neue Maßnahmen einfallen, gibt es mehr Kritiker, mehr Menschen die, die Maßnahmen ablehnen. Bei meiner Tochter wurde Fieber gemessen in der Grundschule, da habe ich zügig interveniert. Immer mehr Eltern setzen sich für ihre Kinder ein. In BW gab es vor den Feruen massive Proteste zwecks Anordnung von Maskenpflicht von eifrigen Schulleitern. Und viele Dienstaufsichtsbeschwerden.

          • „Zum Gesundheitssystem Italien könnte man viel schreiben, […]“
            Nur zu, ich warte. Allerdings sollten Sie bei Ihren Ausführungen darauf eingehen, dass z. B. Bergamo nicht im Mezzogiorno liegt. Das Gesundheitssystem in Norditalien ist durchaus vergleichbar mit denen nördlich der Alpen.

          • Sie setzen sich für Ihre Kinder ein, indem sie gegen Schutzmaßnahmen wie Fiebermessen intervenieren?? Sie erwarten, dass Kinder in der Schule Empathie lernen? Naja, von Eltern mit Ihrer Einstellung können sie das natürlich nicht. Und kranke Lehrer können für SchülerInnen nicht da sein. Dass es weniger Menschen auf den Intensivstationen gibt, dürfte lediglich darauf zurückzuführen sein, dass schon seit Wochen die am häufigsten Infizierten nicht die Älteren sind, auch die jüngeren Risikopersonen schützen sich besser, es gibt genügend Masken und man weiß mehr über das Virus. Die meisten Infizierten sind Jüngere. Die Anzahl der Intensivpatienten wird vermutlich steigen, wenn das Virus in die breite Masse der Bevölkerung gelangt und es zeitgleich immer mehr Menschen gibt, die die Maske unter der Nase oder auch gar nicht tragen und die sich um Abstandhalten auch nicht scheren. Dann wird für besonders Gefährdete selbst das Einkaufen zum Risiko. Und wenn ich Ihre Äußerungen so verfolge, sollten Sie evtl. erst einmal Ihre eigene Empathiefähigkeit hinterfragen. Von den Lehrern in Thüringen sind fast 20 % über 60 und damit Risikogruppe. Es kann nicht im Interesse der Gesellschaft sein, dass man es darauf ankommen lässt, wie viele davon schwer erkranken. Also besser notwendige Schutzmaßnahmen und so den Unterricht absichern.

      • @Sabine Szidlovszky

        engl. lock -> dt. schließen, Schloss, abschlißen, absperren u. ä.
        engl. lockdown -> dt. Ausgangssperre

        Es gab in Deutschland KEINEN LOCKDOWN.
        Niemand war eingesperrt. Selbst die in Bayern als einzigem Bundesland benannte Ausgangssperre war keine echte mit ihren vielfältigen Ausnahmen.

        Es kann daher gar nicht WIEDER einen Lockdown geben.

        Allerdings:
        Man kann …
        Man muss nicht …
        … den Wortüberspitzungen sensationsheischender Medienleute und Huh-uns-wurde-jede-Freiheit-geraubt-Menschen undurchdacht nachplappern. Kommt drauf an, wie man selbst so gestrickt ist und ob man sich kraft Glaubens auf dem Missionierungspfad einer Richtung befindet.

        • So, so, der Begriff „Lockdown“ gehört zu „sensationsheischenden Medienleuten“!?
          Dann sind so gut wie alle Medien sensationsheischend, auch die Redaktion von news4teachers. Überall wurde nämlich von Lockdown oder Shutdown geredet und geschrieben.
          Haben Sie auch bei den Redaktionen Ihren Protest angemeldet oder wollen Sie nur Sabine Szidlovszky vom hohen Ross herab belehren, die sich nicht ins Bockshorn jagen lässt, auch wenn viele sie wegen ihrer anderen Meinung angreifen.

          • @g. h.
            Richtig. Wer davon überzeugt ist, dass Sprache und spezielle häufige Wortverwendung Denken und im Nachgang Handeln beeinflusst und mit Überhöhungen wie Verniedlichungen nicht einverstanden ist, sollte dies genau bei den – in diesem Fall durch die Überhöhung sensationsheischend agierenden – Medien zum Ausdruck bringen. Ich habe dies bereits mehrfach Redaktionen geschrieben. Denen von ÖRR-Sendern, einzelnen Bewegtbildformaten, von scinexx, unserer Lokalzeitung … So etwas wirkt jedoch nur, wenn es viele Menschen einfordern. Genau dies scheint mir nicht zu passieren. Es sind nach meinem Eindruck (wissen kann ich es nicht) nur wenige. Mir scheint, die Masse hängt sich eher ran. Als Befürworter oder Gegner von xy-Maßnahmen. Wie es passt. Möglicherweise inzwischen auch einfach unreflektiert, eben wegen der inflationären falschen Verwendung. Wird es dehalb richtig?
            _____________

            „vom hohen Ross herab“ finde ich übrigens etwas ganz anderes: eine absolute Aussage mit zwei Komponenten als Wahrheit in den Raum stellen, obwohl beiden Komponenten keine Grundlage haben (weshalb ich überhaupt erst direkt auf den Beitrag mit einer Basissachinformation reagierte)

            Sabine Szidlovszkys Aussage ist: „Einen Lockdown wird es nicht mehr geben.“ Soloaussage.

            Komponente (1) „nicht mehr“ -> Es gab bereits Ausgangssperre(n). Menschen mussten von ein paar nicht wegzuordernden Lebensnotwendigkeiten abgesehen vollständig zu Hause bleiben. Wir sprechen nicht über individuell angeordnete Quarantäne, sondern Pauschalität. In der Fläche. – In Spanien, in Italien, in Serbien, … Ja, das gab es. In Deutschland: Falsch. Diese Situation hatten wir nicht. (zu Bayern siehe oben und inwischen fiel mir ein, dass ein paar Tage im Saarland etwas in die Richtung wegen FR ging. Da lasse ich mich gern belehren, werde auch recherchieren, ob mich meine Erinnerung trügt.)

            Komponente (2) Es wird Ausgangssperre(n) nicht geben. Ach ja? Wo bitte kann man diese Fähigkeit, ZUKUNFT zu KENNEN, lernen?
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            Was die Redaktion von news4teachers betrifft, hatte ich eigentlich gehofft, dass sie die korrekte Verwendung des Begriffs inzwischen/endlich abgrenzend zu anderen Medien beachten würde. (Abgrenzend zu unisono gleichförmigen Schul-/Bildungsbericht-Slang anderer Medien zeigte sie sich glücklicherweise schon oft durchaus beherzt.)
            Ich bin nicht der Einzige und auch nicht der Erste, der sein Missfallen zur überhöhten Verwendung von „Lockdown“ hier bei Kommentaren zum Ausdruck bringt. Redaktion liest alles mit und schaltet frei. Also sehe ich hier für eine Extraansprache keine Veranlassung. Aber Sie bringen mich auf die Idee, mir diesbezüglich mal die N4T-Beiträge der letzten Woche anzusehen. Wie es da mit der Begriffsverwendung gerade steht, weiß ich gar nicht; hatte nur einige Berichte gelesen; Zeit zum genauen Lesen aller der letzten Tage war noch nicht nach der zweiten Arbeitswoche. Die hatte es in sich. Wir erlebten jeden Tag an der Schule mit dem Anspruch aus Nichts schöpfen zu sollen.

        • Na dann schauen Sie mal die Berichte in der Presse, jeder 2. Satz, kommt wieder ein Lockdown? R-Wert über 1? Nahe an den 50 pro 100000, bekommt Kreis xy den Lockdown? Die 2./3./4. Welle, folgt ein,Lockdown? Schulschließung hier und vielleicht wieder im Herbst. Schulschließung=geschlossen, unsere Schule war in BW für meine Tochter bis 15.06. geschlossen.

          • Warum? Um mich zu informieren, sehe ich mir doch besser die entsprechenden rechtlichen Bestimmungen im Original an. Und in den regierungsamtlichen Erklärungen steht nur etwas von Kontaktbeschränkungen, die lediglich in den Freistatten nicht so heißen durften.

  3. „…überall, wo dies umsetzbar ist“, „sollte vermieden werden“, „möglichst“, „kann … beitragen“, „ könnten gewonnen werden“, „ist möglich“, „wäre ein … Weg“…. etwas viel Konjunktiv. Ja, und wenn nicht?
    Ist man in den Kultusministerien überhaupt noch bereit, solche Empfehlungen umzusetzen? Man müsste wirklich neue Pfade gehen und Schule anders organisieren. Die Empfehlungen kommen, nachdem die Länder ihre „Konzepte“ schon mehr oder weniger fertig haben. Alles neu? Daran würde ich gern glauben…

    • Das Konzept beruht auf dem bewährten Prinzip “ Wasch mir den Buckel, mach mich aber nicht nass“. Es wirden Leitplanken aus Kautschuk gesetzt und den untersten Dienststellen auferlegt. die leitplanken nicht überzustrapazieren, die Unfallzahlen zu senken udn für eine höhere verkehrsbelastung zu sorgen. Auf Schule umgemünzt heißt das, der Unterricht für alle Jahrgangsstufen soll in den „Regelbetrieb“ mit „alle Mann“ zurück kehren, ohne dass es zu einem Anstieg der Infektionszahlen kommt. Das alles soll mit möglichst vielen lehrkräften und möglichst ohne Ausnahmen geschehen.
      Beispiel: Eine Schule hat 100 Vollzeitplanstellen. Davon sind aber nur 93% besetzt. Es fehlen a priori 7 Vollzeitstellen. Corona bedingt sind von den 93 Lehrkräften nur um die 85% verfügbar, da 7% wegen attestierter und anerkannter Vorerkrankungen fehlen. Es stehen folglich nur 79 Lehrkräfte zur Verfügung. Und mit den fehlenden 21 Kollegen und Kolleginnen soll ein Regelbetrieb an den Start gehen. Das klappt schon nicht, wenn nur 10 bis 12 Lehrkräfte fehlen, ohne nennenswerte Kürzungen der Sollstundentafel. 15% weniger Planstellen heißt eben auch 15% weniger Unterrichtsstunden. Für eine Gesamtschule bedeutet das, 6 Jahrgangsstufen mit 6 Klassen a 32 Wochenstunden, die Oberstufe mit dem Kurssystem ist erst einmal außen vor, da der Unterricht in der SekII nicht nennenswert reduziert werden kann. Die gesamten Einsparungen – zumindest aber der überwiegende Teil – muss also in der SekI erfolgen. 6 mal 6 mal 32 sind insgesamt rd 1.150 Unterrichtsstunden je Woche, die personell abgedeckt werden müssen. Von den Lehrkräfte-Stunden gehen etwa 30 bis 35% in die gymnsiale Oberstufe. Also zwei Drittel der Stunden gehen in die SekI.

      !00 Vollzeitstellen nach Plan, davon 2/3 sind 67 Stellen mit je 25,5 Wochenstunden sind ohne Entlastungsstunden ca. 1.700 Wochenstunden, die auf die Gruppen und Fächer verteilt werden können. Zieht man wegen des allgemeinen Lehrkräftemangels nicht besetzten Stellen sowie die entschuldigt Fehlenden (Attest) ab, bleiben 20% der Unterrichtsstunden übrig, die nicht mit Lehrerstunden abgedeckt werden können. Das sind bis zu 340 Unterrichtsstunden je Woche, die aus den Stundenplänen der einzelnen Klassen gestrichen werden müssen. Bei den 36 Klassen des Beispiels sind das bis zu 9 Wochenstunden, die entfallen müssen. Die meisten Stunden davon entfallen dann auf den Ganztag, die individuelle Förderung und die Fächer der Fächergrippe II.

      Jetzt klar, wie die Rückkehr zum „Regelbetrieb“ aussehen könnte?

    • @Leseratte
      Ahaaa.
      Sie haben auch den Hygieneplan Mecklenburg-Vorpommerns gelesen.
      Aufschlussreiche Lektüre, nicht wahr?
      Ich kann Ihnen Ihre Frage „Ja, und wenn nicht?“ mit den ungefähren Worten unserer Schulleitung beantworten:
      Was geht, das geht. Da mussten und müssen wir unserer Köpfe anstrengen. Was nicht passt, passt auch nicht, wenn wir uns anstrengen. Das Ministerium ist im Zweifel immer raus aus der rechtlichen Verantwortung. Den Buhmann haben die Schulen; zuallererst die Schulleiter.
      ____________________

      Was geht bei uns nicht?
      * Schichtunterricht ohne zusätzliches Personal geht nicht, denn dann hätten wir als Lehrer oft zweigeteilten Unterricht – Frühschicht, Spätschicht. Alternativ: Mathelehrer gäbe Musik und Sportlehrer Deutsch. Wäre auch kein vom Ministerium angestrebter Normalunterricht. Und Sekretariat, Hausmeister, Reinigungspersonal, Essensausgabe müssten sich klonen, um doppelt anwesend zu sein.
      ——
      * festes Lehrerteam in nur einem Doppeljahrgang geht nicht; geht nicht mal in nur zweien.
      ——
      * Abstand zu halten in zu engen Gängen geht nicht. Aber da haben wir ja beim üblichen Aneinandervorbeischieben die Mund-Nasen-Bedeckungen in unterschiedlicher Ausführung, Bei den Größeren gern auch mal provozierend als Fake. (Entscheidung: Bleibst du stehen oder gehst du in den verbleibenden vier Minuten zu deiner nächsten Klasse, von der du weißt, da geht vor der Tür gern mal die Post ab?)
      ——
      * Kontrolle der nicht kohortenübergreifenden Toilettennutzung jenseits von zufällig und sporadisch durch die Schulleitung geht nicht. Toiletten sind den Klassenstufen zugeteilt. Kann auch heißen, je nach Raum marschiert Schüler durchs halbe Haus. Wir sind eine große Schule. – Wer sollte das während des Unterrichts kontrollieren? Toilettengänge verbieten geht auch nicht. Schüler halten sich ohne Kontrollen an Regeln oder nicht. Bei uns coronabezüglich nach der ersten Woche geschätzt so 80:20. Da sind wir, glaube ich, noch ganz gut dran.
      ——
      * Einbahnstraßen, wo es nur einen Zugang gibt und eng ist, geht nicht. 90% der Räume bei uns haben nur einen – gemessen an der gleichzeitig benutzenden Personenzahl zu engen – Zugang. Notausgang ist dann durch das Nachbarklassenzimmer der Rückenwand oder es gibt keinen, was uns schon manches Mal Kopfzerbrechen bereitet hat. Lt. Brandschutzplan geht in den endständigen Räumen bei Versperrung der Treppen die Klasse über den Absatz eben dieses Treppenhauses in den gegenüberliegenden Raum, von dort durch die Tür der Rückwand in den anderen Raum und von dort ins Nachbartreppenhaus. Hoffentlich sind dann diese beiden Klassen vorher schon weg.
      ——
      * Raumbelegungen für nur den jeweiligen Doppeljahrgang geht nicht. Wir sind total vollgestopft. Überbelegt. Früher gab es mal Differenzierungsräume. Lange her. Wir haben schlicht zu wenig Räume und schon die ganze Zeit zu wenig Fachräume. Es wird immer gezirkelt. Bei uns ist es so, dass die Planung VERSUCHT hat, eine Mischung der Räume zu minimieren und wie sonst auch schon, wenig den Raum wechseln zu lassen. Die 5./6. nutzen kaum noch einen Fachraum; nicht mal bei Medienbildung, was schräg ist, denn normale Räume haben bei uns mit ganz geringen Ausnahmen immer noch nur den Overheadprojektor als technische Ausstattung. (Einige Lehrer bringen ihre Privatlaptops und Privatbeamer mit in den Unterricht. Netz ist eh nicht, sonst kann in den PC-Räumen niemand online.) Mikroskopieren & Co werden pauschal nach hinten ins nächste/übernächste Jahr verschoben, damit sie nicht zu einem Bioraum müssen. Mehr geht eben nicht. – Also kann es sein, dass erst 10a, dann 6e und dann 8c den gleichen Raum nutzt bzw. die entsprechenden Kurse der Klassenstufen (Reli/Philo, Sprachen, Wahlpflicht …). Nicht immer, aber auch nicht nur einmal. Zwischendurch beim Raumwechsel die Fenster auf Kipp (Rausfallgefahr) und in den Hofpausen weit auf, aber Türen zu wg. Diebstahlschutz..
      ——
      * Häufiges Händewaschen geht nicht, weil es nur wenige Waschbecken in den Toilettenräumen gibt und kein Waschbecken im Raum bzw. eins für 22-26 Schüler. 24 Schüler à 1:30min = 36min. Zeit gerechnet ohne Pannen und Spielereien. (Selbstläuferpanne ist bei uns gerade das Fallen der vorgefalteten Einmalhandtücherstapel vom kleinen Waschbeckenrand, denn es gibt so gut wie keine Handtuchspender. Es gibt aber auch keinen Platz für einen Stuhl neben dem Waschbecken.) – Das ist übrigens etwas, das wir seit Jahren anmahnen, bezogen auf die großen herbstlichen Ansteckungen. Zwei Schüler weniger pro Klassenobergrenze, einen Tisch und zwei Stühle raus. Zwei Waschbecken (gern auch mit warmem Wasser). Handtuchspender und in den Klassenräumen zusätzlich Handtuchleiste mit Haken pro Schüler wie in der Grundschule. Das würde die Verbrauchspapierflut etwas dämmen bzw. das Trocknen der Hände an Hose und Pullover. dann könnten wir auch etwas mehr die Schüler zum Händewaschen animieren. – Seife immerhin bekommen wir genug. Das funktioniert bei uns.
      ——
      * Den Erfordernissen entsprechend lüften geht nicht. – Etwas Luftzug in die Klasse bringen, das heißt bei uns Fensterseite fast immer nur auf Kipp (denn genau davor sitzt ein Schüler) und Lehrertischfenster weit auf. Dazu Tür auf. Tja, gegenüber ist auch eine Klasse, die das gleiche macht – Schüler winken sich zu, Lehrer/Schüler können dem Unterricht des anderen folgen … also muss einer die Tür zumachen. Luft nach zehn Minuten zu wenig wie gehabt, denn wir haben leider auch recht niedrige Decken. Wir Kollegen verabreden uns schon auf Zeitraster, aber wehe, man hat die Zeit verpasst. – Es ist immer gut, nach einer 10. in den Raum zu kommen, die haben eine etwas geringere Klassenstärke und können die Fensterseite im Unterricht weit auflassen.
      ——
      Nicht zu Ende die Liste, aber als Einblick, wie es bei uns „coronaconform“ aussieht, was das Bildungsministrium MV mit seinem MÖGLICHST im Hygieneplan in der Verantwortung so von sich schiebt. MÖGLICHST bedeutet, sie müssen nichts geben. Das BM muss an das Finanzministerium keine Ansprüche stellen, das Finanzministerium keine an die Regierung, die da mit dem dem Landtag müsste … Und vor allem kann unserer Landesregierung ihr kleines großes Goldtöpfchen „Strategiefonds“ unangetastet lassen und weiterhin nach Gutsherrenart daraus verteilen.
      Ach ja, die Kommune müsste es richten. Kommunen in MV sind fast alle … hmmm … wirtschaftstark … im Glücksrausch vor Steuereinnahmen … niemals in Konsolidierungsfesseln … unbelastet von hohen Sozialausgaben („Sozialleistungen fressen mancherorts mehr als die Hälfte des Haushalts auf“ ist anderswo) … freigiebig in Bildungsausgaben …

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