Wirtschaft pocht auf Schulöffnung im Regelbetrieb – gegen die GEW

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BERLIN. Die Berliner Wirtschaft pocht trotz Corona-Pandemie auf einen Schulbeginn mit Präsenzunterricht für alle Schüler. «Es ist höchste Zeit, dass der Regelbetrieb an den Berliner Schulen wieder startet», erklärten Industrie- und Handelskammer (IHK), Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), Handelsverband und die Unternehmensverbände (UVB) am Samstag.

Eltern im Homeschooling fallen als Arbeitskraft aus. Foto: Shutterstock

«Es liegt im Interesse der Unternehmer und ihrer Mitarbeiter, dass ihre Kinder wieder verlässlich unterrichtet und betreut werden», hieß es in der gemeinsamen Stellungnahme weiter. «Berlin muss nun die Balance zwischen Gesundheitsschutz und Wiederbelebung der Wirtschaft schaffen.» Damit der Neustart des Schulbetriebs gelinge, müssten Hygienepläne und Vorsorge für den Fall getroffen werden, dass an einer Schule Infektionen auftreten.

Am Montag beginnt in Berlin das neue Schuljahr – ohne Mindestabstand, dafür mit Maskenpflicht in Schulgebäuden außer im Unterricht und Hygienekonzept. Die Bildungsgewerkschaft GEW hält das für fahrlässig und fordert kleine Lerngruppen und eine Mischung aus Präsenzunterricht und häuslichem Lernen.

Die Wirtschaftsverbände lehnten das «entschieden» ab. «Für die Wirtschaft, die Mitarbeiter und ihre Familien wäre dies eine nicht vertretbare und derzeit unverhältnismäßige Belastung.» Nötig seien indes mehr digitale Lösungen: «Politik und Verwaltung müssen die Digitalisierung des Unterrichts sowie die Umsetzung moderner Unterrichtsformen mit aller Kraft vorantreiben – für einen verlässlichen Unterricht für alle Schüler.» Die vergangenen Monate hätten verdeutlicht, wie groß der Nachholbedarf an dieser Stelle sei. dpa

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13 KOMMENTARE

  1. Warum plädiert man für mehr Digitalisierung, wenn man die Meinung vertritt, dass die Kinder in den Schulen verlässlich betreut sein sollen?

    • Meine Vermutung: Weil die Hoffnung der Auspresser ist, dass Lehrer die Schüler dann per Webcam betreuen können. Anders kann ich mir das auch nicht erklären.

  2. Und wer „ betreut“ die Kinder in den Schulen, wenn die LK ( oder auch Kinder) krank werden?? Die Unternehmer? Die Hoteliers?

  3. Wenn in einer GS alle Klassenstufen zusammen eine feste Gruppe bilden, ist dann auch klar, dass bei einem Infektionsfall die gesamte Schule erst einmal in Quarantäne geht. Wenn an den weiterführenden Schulen je 2 Klassenstufen zusammen eine „Kohorte“ bilden, dann sind das bei einer vierzügigen Schule je 8 Klassen mit 30 Schülern, also 240 Schüler, die betroffen sind. Kleinere Gruppen wären also in jedem Fall sinnvoll, auch im Interesse der berufstätigen Eltern. Von effektiverem Lernen mal ganz abgesehen.

  4. Schön, dass so offen zum Ausdruck gebracht wird, dass es gar nicht im Interesse der Wirtschaft liegt, dass an Schulen möglichst keine Infektionsherde entstehen. Sollen doch Lehrer/innen und Schüler/innen ruhig krank werden, Hauptsache, die Wirtschaft läuft!!! Das nenne ich mal eine moralische Einstellung, die ich doch glatt meinen Schülern vermitteln kann! TOLL!!!

  5. Mal sehen, wie die Berliner Wirtschaft reagiert, wenn sich in die Auszubildenden in der Berufsschule mit Corona angesteckt haben …

    • Das ist eine Zwickmühle, man kann ja schlecht die eigenen Azubis aus den Schulen fern halten, weil es dort zu unsicher ist, während man gleichzeitig für Öffnung plädiert, damit die Kinder der anderen Angestellten betreut sind.

      Aber da wird sicher eine entsprechende Begründung zu finden sein.

  6. Vielleicht stellt sich die Wirtschaft auf eine verstärkte Produktion von Beatmungsgeräten und Sorgen ein. Kinder- und Versehrtenheime müssen auch gebaut werden. Packen wirs an. Lehrern und Erziehern Danke für dieses Wirtschaftswunder. Jetzt wäre doch mal ein nachvollziehbarer Grund für einen Streik!

  7. Um einen zweiten Lockdown zu vermeiden „setze es jedoch verantwortungsvolle Bürger voraus, die nicht demonstrativ ohne Abstand und Mundschutz die Ansteckung in großen Menschenmengen riskieren“, sagte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer zu „Bild am Sonntag“. (https://www.zdf.de/nachrichten/wirtschaft/coronavirus-wirtschaft-lockdown-100.html)

    In Schulen, wo sich ja bekanntlich nur ganz wenige Menschen in geschlossenen Räumen treffen, kann man natürlich Abstände unterschreiten und auf Masken verzichten – Ironie off.

    • Bürger sind wahlberechtigt – Schüler und Schülerinnen nicht. Insofern gibt es doch überhaupt keinen Widerspruch zu dem, was der arbeitgeberpräsident postuliert.
      Der wahlberechtigte Bürgerm der ja gleichzeitig Konsument in doppelter Hinsicht – zum einen als Nachfrager von Gütern und Dienstleistungen und zum anderen als Anbieter seiner eigenen Arbeitskraft ist – muss hingegen von der „Care-Arbeit“, wozu eben auch die betreuung des eigenen Nachwuchses zählt, entlastet werden, weshalb eben für Schulen andere bedingungen zu gelten haben. DAs ist eben der vielzitierte Unterschied zwischen Schule (Schonraum) und „richtigem Leben“.

  8. Unvorstellbar was hier abgeht. Die Wirtschaft interessiert nur der Profit und die Politiker machen mit. Union hat im Moment 36 Prozent. Also dieser Zustand ist alleine auf das Volk zurückzuführen. Interessant finde ich immer wieder die Berichterstattung, das Eltern angeblich ihre Kinder Gefahren aussetzen wollen mit Covid, Hauptsache sie können arbeiten. Na da können die Kinder ja glücklich sein, solche Eltern zu besitzen. Arbeiten ist ok, aber in erster Linie sollten Eltern sich dafür einsetzen, dass ihre Kinder unter weitgehend geschützten Bedingungen unterrichtet werden. Das passiert hier im Moment überhaupt nicht, da Mindestabstand in Schulen einfach abgeschafft wird, trotz steigender Zahlen. Die Wirtschaft wird den Rest geben so das sich die Politiker in Zukunft mehr an deren Meinung orientieren als an die Meinung der Virologen, scheint mir.

  9. Liebe Anita,

    warum sollten Eltern sich vor einer möglichen Ansteckung ihrer Kinder fürchten. Die Kids haben kaum Symptome und die Wahrscheinlichkeit eines schweren Verlaufs der Erkrankung ist verschwindend gering. Das wurde im Laufe der Pandemie doch mehr als verdeutlicht.

    Und wenn dem eigenen Kind so gut, wie nichts passieren kann, dann ist es doch völlig egal, wenn es hier und da mal einen faulen Lehrer erwischt. Hauptsache man muss sich nicht selbst kümmern! Und über Abstände und Masken brauchen wir erst gar nicht reden. Das ist eine Zumutung für die armen Kinder. Wie kann man nur verlangen, dass Kinder, selbstverständlich auch die, die schon zu jungen Erwachsenen zählen, Masken zutragen. Schon mal an die armen Kinder gedacht. Das ist doch viel zu heiß unter der Maske. Das Kind schwitzt doch!!!

    (Ironie off)

    Hab eben die Nachrichten auf NTV verfolgt. Da wurde über hunderte feiernde Jugendliche in Berlins Wäldern berichtet. Einer von Ihnen meinte:
    „Ja, aber muss doch irgendwie mal feiern!“

    Für solche Kids soll die gesamte Schulgemeinde nun das eigene Leben aufs Spiel setzen. Herzlichen Glückwunsch.

  10. Sind sich die Vertreter der Wirtschaft eigentlich bewusst, dass es hauptsächlich Jugendliche und junge Erwachsene sind, die sich nicht an die AHA-REGELN halten und dann das Virus in die Berufsschulen und somit auch in die Unternehmen hinein tragen?!

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