Philologen fordern Luftreiniger – Kultusministerin verweist an die Schulträger

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STUTTGART. Baden-Württemberg steigt als letztes Bundesland ins neue Schuljahr ein. Die vermeintlich wichtigsten Corona-Regeln hat das Kultusministerium festgezurrt – zuletzt gab’s noch Regelungen zum Trompetenspielen und Singen in Klassenräumen. Das reicht nicht, kritisiert der Philologenverband. Die Kultusministerin gibt sich empört.

«Die Behauptung des Philologenverbands deckt sich nicht mit der Realität»: Baden-Wüttembergs Kultusmnisterin Susanne Eisenmann. Foto: Kultusministerium Baden-Württemberg

Trotz neuer Hygieneregeln für Klassenzimmer und Unterricht sind Kinder und Jugendliche nach Ansicht der Gymnasiallehrer zum Schulstart nicht gut genug vor Corona-Infektionen geschützt. Fenster ließen sich oft aus Sicherheitsgründen nicht vollständig oder gar nicht öffnen, kritisierte der Philologenverband Baden-Württemberg (PhV). Deshalb müssten Raumluftreiniger beschafft werden, um die Aerosolkonzentration niedrig zu halten. Die winzigen Tröpfchen gelten als ein Hauptgrund für die Ansteckung mit dem Coronavirus (News4teachers berichtete mehrfach ausführlich über die Diskussion um Aerosole in den Klassenräumen – hier zuletzt).

Philologen: Luftfiltern könnten Infektionsschutz in Schulen massiv verbessern

«Eine solche technische Lösung könnte den Infektionsschutz für alle betroffenen Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte massiv verbessern und Schulschließungen verhindern», sagte der PhV-Landesvorsitzende Ralf Scholl am Freitag in Stuttgart. Auch das Umweltbundesamt bewerte die Geräte als sinnvolle zusätzliche Maßnahme. Zudem hatten Forscher der Universität der Bundeswehr München einen Raumluftreiniger untersucht und eine Halbierung der Aerosolkonzentration binnen weniger Minuten festgestellt.

Das in der Studie verwendete Gerät kostet allerdings mehr als 4000 Euro. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht daher zwar auf lange Sicht ebenfalls die Vorteile eines Raumluftreinigers, ist aber skeptisch mit Blick auf Zeitplan und Kosten. «Die Geräte sind sinnvoll», sagte der GEW-Landesgeschäftsführer Matthias Schneider der Deutschen Presse-Agentur. «Aber wenn man sich anschaut, wie die Schulen derzeit ausgestattet sind und wie teuer so ein Reiniger ist, dann ist eine schnelle Umsetzung zum Schulstart unrealistisch.» Außerdem sei es schwierig, Handwerker für den umgehenden Einbau zu buchen.

Durch die Anlagen wird die Raumluft meist über Ventilatoren ausgewechselt. Die Außenluft wird angesaugt, gefiltert, gegebenenfalls aufgeheizt und schließlich in den Raum gelassen. Gleichzeitig wird die Abluft durch Unterdruck abgesaugt und vom Zentralgerät ins Freie befördert.

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Eisenmann: Schulträger müssen gewährleisten, dass sich die Fenster in Klassenräumen öffenen lassen

Das Kultusministerium reagierte verärgert auf die Kritik des PhV. «Wir haben für den Regelbetrieb der Schulen im Rahmen des Pandemiegeschehens ein umfassendes Hygienekonzept mit zahlreichen Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen erstellt», sagte Kultusministerin Susanne Eisenmann. «Dieses Konzept sollte sich der Philologenverband vielleicht einmal durchlesen, bevor er die Behauptung in die Welt setzt, dass wir mit der Gesundheit der Lehrkräfte sowie der Schülerinnen und Schüler spielen», kritisierte die CDU-Politikerin weiter. «Die Behauptung des Philologenverbands deckt sich also nicht mit der Realität.»

Schulträger seien die Kommunen – und diese müssten gewährleisten, dass sich die Fenster an den Schulen öffnen ließen. «Das regelmäßige Lüften aller Räume ist eine der zentralen Infektionsschutzmaßnahmen», sagte Eisenmann. Schulträger müssten auch selbst entscheiden, ob Lüftungsanlagen eingesetzt würden. «Sie sind etwa dann sinnvoll, wenn eine ausreichende Belüftung der Räume nicht sichergestellt werden kann», sagte auch Eisenmann.

Die CDU-Spitzenkandidatin für die Landtagswahlen im kommenden März verwies auf die millionenschweren Mittel, die den Kommunen für die Sanierung ihrer Schulen zuständen. Das Land habe in den vergangenen drei Jahren unter anderem einen kommunalen Fonds aufgelegt, der zu 80 Prozent für Schulsanierungen eingesetzt werde. «Die Mittel in Höhe von 476,4 Millionen Euro sind vollständig bewilligt und werden fortlaufend von den Schulträgern abgerufen», erklärte die Ministerin. dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Laschet lässt Lüftungssysteme an allen Schulen checken – und erwägt Luftfilter

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14 KOMMENTARE

  1. Immer schön die Verantwortung abschieben.
    Eisenmann schiebt auf die Schulträger. Der Bürgermeister auf seine Fachreferenten. Die Verweisen an die Schulleiter.. Am Ende steht der Hausmeister, der hats verbockt.

    Warum diese hochkompetenten Leute wenn es ernst wird, keine Verantwortung haben wollen, bei Wahlen genau diese aber von uns Wählern bekommen wollen? Posten und Einkommen, das wollen sie haben. Die Verantwortung – das lieber nicht. Solche Politiker kann niemand gebrauchen.
    Schönwetterpolitiker hats genug.

    • Was soll die Ministerin auch anderes machen? Sie ist nicht für die Schulen selbst zuständig – das sind die klammen Kommunen als Schulträger.

      • Der Bund ist auch nicht für die Schulen zuständig, macht aber hunderte Millionen für PCs locker.

        Als Kultusministerin an die Kommunen zu verweisen – mit dem Wissen, dass die meisten kein Geld haben – ist feige und ungehörig.

        Da hätte sie sich auch anders positionieren können:
        Absprache mit Finanzminister, Kommunen kriegen Geld für Luftfilter vom Land erstattet.

  2. Ind Schule ist es wie im Krimi: Es ist imer der Hausmeister 🙂
    Die Frau kann einem leidtun. Hat die eine Ahnung, wie die Schulträger das ohne Hilfen des Landes bezahlen sollen? gar nicht. Also bedeutet ihr Hinweis darauf klar: Es gibt diese nicht.

  3. Der Schulträger ist leider nicht bereit die Gelder für unser Schulgebäude abzurufen, da er gerade im Ort eine andere Schule saniert. Leider hat auch das angekündigte Verlegen des WLan in alle Klassenräume nicht geklappt, da zwar die Kabel geliefert wurden, die Bauarbeiten aber von der Netzfirma nie begonnen wurden. Nun beginnt bald die Schule und nix ist passiert. Denn die Firma hat erst Mal Urlaub gemacht (6Wochen????). Aber es sind ja immer die Lehrer Schuld, wenn es mit der Digitalisierung usw. nicht klappt.

    • Hach ja die berühmten zu verlegenden „W-LAN Kabel“ ich garantiere Ihnen keine Firma der Welt wird diese verlegen können.*lach*
      Verzeihen Sie mir diesen Seitenhieb, was Sie allerdings inspechen ist im Kern wahr. Es wird halbherzig was gemacht, dann ist es zu teuer und wird liegengelassen und wir Lehrkräfte müssen es ausbügeln. Same procedure as every year, miss Sophie…

    • Das ist ja die Crux mit dem WLAN. Die Access Points müssen halt ans WWW angeschlosen. Dahu braucht es eine vernünftige Netzinfrastruktur und auch eine Erweiterung des Energie Netzes im Haus.
      Und nachdem die Bauwirtschaft boomt, muss erst einmal eine Firma gefunden werden, die das umsetzen können und noch wichtiger wollen. Versucht mal heute eine Fachfirma zu bekommen, die so einfach 3-4 Tage Lücken ha und am besten schon morgen.t.

      Man kann davon ausgehen, dass die Kommunen den Ausbau für alle Schulen koppeln und Ausschreibungen starten

      Bis vor kurzen haben sich einige gegen WLAN an der Schule aus gesundheitlichen Gründen ausgesprochen. Der Landkreis hat daher bis vor zwei Jahren sogar ein Beschluss gehabt, der den Ausbau dkesbezüglich abgelehnt hat.
      Diese Klientel ist zur Zeit sehr ruhig, aber die ersten 5G Gegner gibt es schon wieder, und irgendwann geht das Thema sicherlich wieder los.

      * Musste oben auch erst mal an die berühmten WLAN-Kabel denken*

  4. Wer sich den Spass mal machen will: Googelt mal nach „ASR A 3.6“. Da stehen die Anforderungen an die Lüftung von Arbeitsstätten – wohlgemerkt OHNE Corona. Wenn man dann weiter googelt nach „SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel“, dann steht da, dass diese Regeln möglichst zu überbieten sind.

    Diese Regeln (Fensterlüftung, vermutlich einseitig) kann man dann auf ein Klassenzimmer mit 30 Kindern anwenden und nachrechnen, wieviel offene Fensterfläche man eigentlich braucht. Da kommen wesentlich mehr Quadratmeter als ein oder zwei Fensterflügel raus. Auch das berühmte „Stoßlüften“ kann man mal durchrechnen… und dabei im Hinterkopf behalten, dass der Raum dazu natürlich leer sein muss (ersichtlich daran, dass es nur nach Quadratmeter geht, während das Dauerlüften nach Personenzahl geht).

    Das ganze gilt natürlich für „Arbeitsstätten“ und somit mag man einwerfen, dass die Schule ja für die SuS eben keine Arbeitsstätte ist. Für die LuL ist es das aber schon und vor allem: Die Kinder sind auch Menschen!

    Inhaltlich zum Artikel: Der Abschnitt mit „ins Freie befördern“ gilt für das von der Uni der Bundeswehr getestete Filtersystem (Trotec TAC V+) gerade nicht. Ebenso muss das nicht installiert werden… einfach mal nach dem Gerätenamen googeln. Das Ding stellt man einfach in den Raum und steckt den Stecker in die Steckdose, es hat sogar Räder, um da leicht hinbefördert zu werden. Eine RICHTIGE maschinelle Lüftungsanlage braucht Frisch- und Fortluft, die über einen Wärmetauscher laufen (damit die warme Luft von drinnen berührungslos die kalte Luft von draussen anwärmen kann und man nicht für draussen heizt) und dann als Zuluft in den Raum geht bzw. als Abluft abgesaugt wird. Das kann man aber nicht mal eben nachrüsten, das ist ein riesiger Aufwand und braucht vor allem Fachleute.

    • Das „Ding“ läuft lt. Herstellellerangabe in er kleinsten Version mit 57dB. Bei 50dB sagt man, ist das Empfinden in etwa leises Gespräch. Daher vermute ich, dass das Gerät im Unterricht sehr störend ist. Wenn ich die Maße anschaue, dann wüssfe ich bei unseren Klassenzimmer nicht einmal, wo ich es hinstellen. Es gibt zwar Steckdoesen, aber die sind halt nicht unbedingt da, wo sie benötigt werden. Und mit Verlängerungskabel ist das ja auch so eine Sache.
      Und ein Satz in der Beschreibung war noch, dass die Filter jeden Tag für 30. Minuten auf 100Grad erhitzt werden müssen, damit sie nicht zur Virenschleuder werden. Das darf dann der Reinigungsdienst machen, der einmal die Woche kommt.

      • Wir testen das Gerät gerade an unserer Schule. Das Gerät gibt es nur in einer Ausführung mit unterschiedlichen Stufen. Zusammen mit dem Schallschutz ist es eher ein Geräusch wie eine Lüftungsanlage oder Klimaanlage, also ein kontinuierliches Geräusch, an das man sich schnell gewöhnt und daher nicht mehr als störend empfunden wird.
        Die Erhitzung des Filters macht das Gerät automatisch, dafür wird kein Personal benötigt. Daher macht es den Eindruck als wenn es eine sehr leicht umzusetzende Lösung ist.

  5. BaWü liegt bei Neuinfektionen auf 100000 Einwohner an 1. Stelle.

    Warum wird nicht auch wie in Bayern 2 Wochen mit Maske im Unterricht begonnen.
    Verstehe ich nicht: Für 2 Wochen zum Start völlig vertretbar.

    Viele unserer Eltern fragen bereits per Mail nach, ob das noch kommt.
    Bitte Hr. Kretschmann nächste Woche noch nachbessern….

    • Ja, es ist absolut vertretbar und notwendig obendrein!
      Man muss sich wirklich fragen, warum man immer auf den letzten Drücker Entscheidungen fällt.

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