Studie: Viele Brennpunkt-Schulen werden mit sich häufenden Problemen alleingelassen

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DÜSSELDORF. Schulen, die in einem schwierigen sozialen Umfeld arbeiten müssen, bekommen häufig nicht die Unterstützung, die sie benötigen. In manchen Bundesländern werden sie nicht einmal benannt, um sie nicht zu stigmatisieren – dafür stehen sie dann mit den sich häufenden Problemen allein da. Das sind Ergebnisse einer aktuellen Studie zum Thema.

Bonjour tristesse: Bild aus Duisburg-Marxloh. Foto: Sascha Kohlmann (CC BY-SA 2.0) Wikimedia Commons
Bonjour tristesse: Bild aus Duisburg-Marxloh. Foto: Sascha Kohlmann (CC BY-SA 2.0) Wikimedia Commons

Eine von der Wübben Stiftung finanzierte aktuelle Studie hat die Förderung von Schulen in herausfordernden Lagen, auch Brennpunktschulen genannt, in den letzten zehn Jahren und je Bundesland untersucht. Prof. Dr. Pierre Tulowitzki, Leiter der Professur für Bildungsmanagement und Schulentwicklung an der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz, hat gemeinsam mit einem Team von Autoren dafür Programme und Initiativen in Deutschland identifiziert, die sich gezielt an Brennpunktschulen richten.

Ein zentrales Ergebnis: Nicht alle Bundesländer bieten gezielte Unterstützung für Schulen in herausfordernden Lagen. So konnten u. a. in Bayern und Baden-Württemberg keine Förderangebote identifiziert werden, die sich passgenau an Brennpunktschulen richten, in Bundesländern wie Berlin, Hamburg oder Rheinland-Pfalz hingegen schon. Dabei haben Schulen in herausfordernden Lagen größere Belastungen als andere Schulen.

Deutliche Unterschiede in der Identifikation von Brennpunktschulen

Eine weitere Erkenntnis der Studie: Wie in den Bundesländern Brennpunktschulen und ihre Bedarfe ermittelt werden, wird sehr unterschiedlich gehandhabt. Manche Bundesländer, wie Hessen oder Nordrhein-Westfalen, nutzen zur Identifizierung und Unterstützung von Schulen in herausfordernden Lagen Sozialindizes. Die Datengrundlagen, die die Länder jeweils heranziehen, um diese Sozialindizes zu ermitteln, unterscheiden sich aber deutlich, ebenso wie deren Qualität und Ursprung. Darüber hinaus besteht bei diesem Vorgehen die Gefahr, dass die spezifische Lage iner Schule nicht erkannt und als Folge ihr Förderbedarf falsch eingeschätzt wird.

In manchen Bundesländern werden Brennpunktschulen prinzipiell nicht als solche benannt. Dies soll einer Stigmatisierung vorbeugen. Doch: „Damit Schulen in herausfordernder Lage passgenau unterstützt werden können, müssen sie als solche identifiziert werden. Zentral ist dabei jedoch eine ressourcenorientierte Perspektive. Statt Schulen an den Pranger zu stellen, geht es darum, ihre herausfordernde Lage, ihre Stärken und ihr Potenzial zu würdigen und sie bestmöglich zu fördern“, so der Hauptautor der Studie Prof. Dr. Pierre Tulowitzki.

Auch bei der Identifikation von Schulen in herausfordernder Lage sieht Tulowitzki Handlungsbedarf: „Hilfreich wären klare, einheitliche Kriterien, die eine Definition von Brennpunktschulen ermöglichen, und eine solide Datengrundlage, damit sich Unterstützungsbedarfe konkretisieren lassen.“ Zu diesen Kriterien könnten mit Blick auf das Einzugsgebiet der Schule u. a. folgende gehören: ein überdurchschnittlich hoher Anteil von Empfängerinnen und Empfängern von Transferleistungen, eine überdurchschnittlich hohe Arbeitslosigkeit oder – bei ländlichen Gebieten – eine unzureichende infrastrukturelle Ausstattung (ÖPNV, Ärzte etc.).

Brennpunktschulen brauchen verstärkte Aufmerksamkeit

Auffällig ist außerdem das hohe Engagement von Stiftungen zur Unterstützung von Schulen in herausfordernder Lage. Die Mehrheit der Projekte, die in der Studie identifiziert wurden, werden von Stiftungen getragen oder unterstützt. Dr. Markus Warnke, Geschäftsführer der Wübben Stiftung folgert: „Was die Förderung von Brennpunktschulen angeht, gleicht Deutschland einem Flickenteppich: Jedes Bundesland macht es anders, zusätzlich gibt es bundesweite Programme. Ein Wissenstransfer zwischen Bund und Ländern zu gelungenen Ansätzen und weniger erfolgreichen Ideen findet kaum statt“. Er fordert, dass insbesondere heute, in Zeiten von Corona, das Thema Bildungsgerechtigkeit in der Politik höchste Priorität haben sollte. „Brennpunktschulen brauchen schon immer, aber insbesondere jetzt, unsere verstärkte Aufmerksamkeit und die beste Ausstattung – mit Lehrpersonal wie mit digitalen Mitteln. Sonst droht die Gefahr, dass tausende Schülerinnen und Schüler abgehängt werden“, so Warnke abschließend.

Die gesamte Studie lässt sich hier herunterladen.

Zur Wübben-Stiftung

Die Wübben Stiftung setzt sich für Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit ein und setzt dabei einen Fokus auf Brennpunktschulen. Ihr Ziel ist es, für Brennpunktschulen bessere Rahmenbedingungen zu schaffen und ihnen prioritären Zugang zu Ressourcen wie Ausstattung und Personal zu verschaffen. Darüber hinaus bietet die Stiftung konkrete Angebote für Schulleitungen an Brennpunktschulen an, wie u. a. mit dem Programm impakt schulleitung Coachings, Fortbildungen und Vernetzungsveranstaltungen.

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