Erste Bildungsministerin stellt mehr Lehrer für besseren Digitalunterricht ein

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KIEL. Wegen der Corona-Pandemie bekommen viele Schüler in Deutschland nur digitalen Unterricht. Bei der Ressourcenzuweisung für die Schulen hat das bislang keinen Unterschied zum Präsenzunterricht gemacht. Ein erstes Bundesland ändert das jetzt: Mit 250 neuen Stellen will die Landesregierung von Schleswig-Holstein für besseres Distanzlernen sorgen. Technisch laufe es zunehmend besser.

Distanzunterricht bedeutet für Lehrkräfte einen höheren Aufwand. Foto: Shutterstock

Mit neuen digitalen Konzepten, besserer Technik und 250 zusätzlichen Stellen will Bildungsministerin Karin Prien (CDU) den Distanzunterricht an Schleswig-Holsteins Schulen verbessern. «Eine Lerneinheit über Videokonferenz zum Beispiel ist ja anders aufgebaut als eine Unterrichtsstunde im Klassenraum», sagte Prien. Zudem erfordere das Zusammenspiel verschiedener Medien von Lehrern eine andere Unterrichtsplanung.

Zusätzlich will die Jamaika-Koalition 250 Stellen für die Pädagogik beim digitalen Lernen schaffen. Dafür ist aber noch die Zustimmung des Landtags bei der geplanten Verabschiedung des Haushalts Ende Februar nötig. Die genaue Verteilung der neuen Stellen ist noch unklar.

«Ich kann aber versprechen, dass alle Schulen und Schularten von diesen Stellen profitieren werden», sagte Prien. 120 Stellen sollen direkt an die Schulen gehen, um Lehrern Ausgleichsstunden zu ermöglichen. Für Weiterbildung der Lehrer im Bereich Informatik gibt es 40 Stellen und 90 für die Hochschulen sowie das Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holsteins (IQSH).

„Vermutlich werden aber besonders gefährdete Schülerinnen und Schüler längerfristig Distanzunterricht benötigen“

Wegen des bis 14. Februar verlängerten Lockdowns gibt es auch im Norden weiterhin keinen Präsenzunterricht an den Schulen. Eine Ausnahme sind die Abschlussjahrgänge. Wie lange – zumindest teilweise – noch Lernen auf Distanz nötig sei, könne derzeit niemand vorhersagen, sagte die Bildungsministerin. «Vermutlich werden aber besonders gefährdete Schülerinnen und Schüler oder solche, die mit besonders gefährdeten Familienmitgliedern zusammenleben, längerfristig Distanzunterricht benötigen.»

Prien sprach von einem «gewaltigen Transformationsprozess» der Schulen. «Naturwissenschaften, Kunst oder Musik leiden natürlich besonders unter dieser Situation.» Viele Lehrer seien jedoch sehr kreativ und bereiteten beispielsweise kleine Experimentieranleitungen für die Schüler vor oder nutzten dabei Videoschalten. «Internet-Memes wie zum Beispiel das gemeinsame Shantysingen zeigen, wie junge Leute auch über das Netz kollaborativ Musik machen.»

Prien plant bei der Rückkehr der Schüler in die Schulen vorerst mit Wechselunterricht, wobei Klassen geteilt und jeweils im Wechsel per Distanzunterricht oder im Klassenraum betreut werden. Wegen der Corona-Pandemie müssten Distanz–, Wechsel– und Präsenzunterricht mitunter zeitgleich und parallel stattfinden, sagte Prien. «Das bedeutet aber natürlich nicht, dass eine einzelne Lehrkraft dies alles parallel leisten muss.» Je nach Infektionsgeschehen müssten Schulleitungen darauf organisatorisch reagieren.

„Unterricht nach Stundentafel ist nicht gleichbedeutend mit einem parallelen Unterrichtserteilen nach Stundenplan für alle Lerngruppen“

«Unser Ziel des Unterrichts nach Stundentafel ist nicht gleichbedeutend mit einem parallelen Unterrichtserteilen nach Stundenplan für alle Lerngruppen», sagte Prien. Wechselunterricht erfordere in der Distanzphase mehr eigenverantwortliches Lernen als reiner Distanzunterricht. «Dafür gibt es aber eben auch 50 Prozent Präsenzunterricht im Gegenzug.»

Schüler und Lehrer im Land klagen über technische Probleme bei Videokonferenzen. Ihnen machte Prien Hoffnung. «Die rein technischen Probleme werden nach und nach behoben», sagte sie. «Da gibt es viele Ursachen, sowohl systemseitig als auch bei den Schülerinnen und Schülern vor Ort.» Das landesweite Jitsi-System laufe «sehr stabil». Das Land habe auch den technischen Support ausgebaut.

Um Lernen auf Distanz unter erschwerten Bedingungen sollte es auch am Samstag in einer Online-Fachtagung gehen, zu der rund 150 Schulleiter, Lehrer sowie Eltern- und Schülervertreter und Pädagogik-Experten erwartet wurden. Laut Prien ergab eine Kurzumfrage des IQSH mit mehr als 30.000 Teilnehmern, dass guter Unterricht weniger daran zu messen sei, «wie oft eine Videokonferenz stattgefunden hat». Vielmehr sei wichtig, dass Ziele geklärt und wie Schüler unterstützt werden. dpa

Neun von zehn Lehrern klagen über hohe Belastung im Distanzunterricht

 

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13 KOMMENTARE

  1. Da weiß die gute Frau nicht, was ihr Ministerium herausgibt:
    „Die Klassen werden in zwei etwa gleich große
    Lerngruppen geteilt, die im wöchentlichen Wechsel Präsenzunterricht nach Stundenplan
    erhalten bzw. am Distanzlernen teilnehmen.
    – 2 –
    Die Schülerinnen und Schüler, die jeweils in der Distanzlernphase sind, bearbeiten
    eigenständig Aufgaben bzw. arbeiten an Projekten. Lehrkräfte vereinbaren mit ihren
    Schülerinnen und Schülern Zeitfenster, zu denen sie für Fragen zu Aufgaben im
    Distanzlernen erreichbar sind.
    Die aktuellen Regelungen zur Notbetreuung und Betreuungsmöglichkeiten in Einzelfällen
    sowie zum Vorhalten von Lern- und Arbeitsmöglichkeiten für Schülerinnen und Schüler, die
    nach Erkenntnissen der Schule im häuslichen Umfeld keine angemessenen Lern- und
    Arbeitsmöglichkeiten haben, gelten auch während Phasen des Wechselunterrichts fort.“

    Jetzt also Präsenz-, Distanz- und Notbetreuung, wo wir -auch bedingt durch Long-Therm-Covid – kaum einen Lehrer pro anwesender Klasse haben.
    Wahrscheinlich werden die notbetreuten Kinder einfach auf die anderen Gruppen aufgeteilt, so wie immer, wenn nicht genügend Lehrkräfte zur Verfügung stehen.

  2. Nee, echt jetzt? 120 Lehrer für 1025 Schulen?
    Dann haben wir in unserer Stadt mit 4 Grundschulen, 2 Gemeinschaftsschulen, 2 Gymnasien und einer Berufsschule ja Anspruch auf fast einen kompletten Lehrer zur Verbesserung des Distanzunterrichts!
    Da sind wir aber erleichtert und ohne Ende entlastet!
    Aber hatte der Rechnungshof dieses Ansinnen nicht schon abgelehnt?
    Wegen der desaströsen Wirtschaftslage?

    • Kann man doch so teilen, wie die Laptops für Teilzeitlehrer….
      Passt schon. Wo soll da bitte das Problem sein?
      *Ironie aus*

  3. Aha. Und wo sollen diese zusätzlichen Lehrer plötzlich herkommen? Etwa von den Lehramtsstudenten, die ihre Finanzierung aufgrund von Corona verloren haben und ihr Studium daher unterbrechen mussten und nun nicht fertig sind? Weil sie mit Almosen abgespeist werden, die nicht reichen um die Existenz zu sichern? Ach nee, die dürfen ja noch nicht unterrichten…obwohl sie doch benötigt werden und helfen könnten, die schwächsten Schüler davor zu bewahren, abgehängt zu werden. Aber auf die Idee kommt die Politik ja nicht.
    Stattdessen lässt man diese Studenten im Regen stehen, die gerade um ihre Existenz kämpfen (es gibt noch nicht mal Hartz IV, da dies ja kein Notfall sei!!!) und ihr Wissen nicht einsetzen können. Und die Politik schaut wissentlich zu, wie die schwächsten Schüler in die Bildungskatastrophe schlittern!!! Anstatt beide Gruppen zusammen zu bringen und den Studenten die Existenz zu sichern, was eine win-win Situation für beide wäre!
    Ich würde sogar ehrenamtlich helfen, kann es aber nicht, weil ich seit dem Sommer sehen muss, wie ich von Monat zu Monat die nächsten Abbuchungen überbrücken kann und aus dem Minus rauskomme.
    Ein Armutszeugnis.

  4. Das Geld für neue Stellen wäre besser investiert für maximalen Gesundheitsschutz und Hygieneregeln in den Schulen, dann könnte auch Präsenzunterricht stattfinden. Die Klassenräume müssten ausgestattet werden mit effizienten Luftfiltergeräten (die Hochschule der Bundeswehr Neubiburg empfehlt verifizierte Geräte mit ca.1.200€), genügend Schulbusse usw. Aber da wollen die Kultusminister nichts investieren. Seit einem Jahr hat sich nichts an den Hygienekonzepten geändert.

  5. Bei uns lehren Studenten schon länger, weil es für den Normalbetrieb schon keine ausgebildeten Lehrkräfte gibt. Und es sind nicht wenige…

    • Und wo soll das sein? Lehrern die ihr eigenes Fach oder fachfremd? Wie kommen diese Studenten an die Stelle? Wie werden sie gefunden? Ich lese das immer wieder, aber es deckt sich nicht mit meinen Erfahrungen!
      Ich habe diverse Schulen angeschrieben, mich (ohne jede Erwartung) beim Arbeitsamt vorgestellt (und wurde belächelt), ich habe auf Verena geschaut und mich bis zum Umfeld von 100km beworben. Auf meine bisherigen Erfahrungen hingewiesen. Als Vertretungslehrer, als Tutor für Studenten. Resultat: NICHTS! Es kamen noch nicht mal Absagen! Bis mir eine Grundschullehrerin, Mutter eines Nachhilfeschülers, steckte, dass die Schulen mit hunderten Bewerbungen von Studenten überflutet werden.
      UND NUN?!? HALLO?!?!?! HIER BIN ICH!!!!!! So schlimm kann der Lehrermangel ja nicht sein!!!

        • Bundesland: NRW
          Lehramt: Latein (in meinem anderen Fach fehlen mir die Praxiserfahrungen, weshalb ich das ohne Abschluss noch nicht zutraue und auch nicht anbiete).

        • Grundschulerfahrung habe ich nicht.
          Dazu passt meine Fächerkombination auch gar nicht.
          DAZ ist inzwischen verpflichtend für alle Lehramtsstudenten, auch wenn man in den Modulen nicht wirklich lernt, wie man Deutsch unterrichtet.
          Mein Unterrichtsfach ist sehr grammatiklastig (s.o., mehr als der Deutschunterricht selbst!) und besteht zumindest in meinem Unterricht zur Hälfte darin, die deutsche Grammatik zu erklären.

          Meine Versuche, zusätzlich Nachhilfe anzubieten, Privatunterricht, Intensivunterricht um z.B. die Lücken zu schließen, etc, waren vergeblich, da die Nachfrage trotz der Krise und des Unterrichtsausfalls GESUNKEN ist! Gerade aufgrund des Unterrichtsausfalls haben die Schüler nur das Notwenigste getan und die Eltern kommen erst nicht auf die Idee, die Zeit zu nutzen, um die Kenntnisse per Nachhilfe aufzufrischen oder aufrecht zu erhalten.
          Die Honorare sind in den Keller gefallen, weil viele Eltern natürlich selber finanzielle Engpässe haben, aber auch, weil das Angebot steigt. Wenn ein Schüler das Fach für Lau erklären kann, dann sind die Eltern natürlich nicht bereit, mehr Geld auszugeben. Jedenfalls ist das MEINE Beobachtung. Aber vielleicht täusche ich mich auch ganz einfach.

  6. Lieber Student, schauen Sie im Hamburger Umland in Schleswig-Holstein um. Bewerben Sie sich direkt an den Grundschulen. Oftmals werden freie Stellen über Kontakte der Lehrerschaft beworben.

  7. Man muss nicht einmal Student sein. Man braucht auch keine Berufsausbildung. Es reicht schon das Abitur, um an Grundschulen unterrichten zu dürfen.

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