Nürnberg öffnet Kitas und Grundschulen – und schließt sie gleich wieder

28

BERLIN. In viele Grundschulen und Kitas in Deutschland ist am Montag ein bisschen Leben zurückgekehrt. Nach rund zwei Monaten Schließung, Notbetreuung oder nur sehr eingeschränktem Betrieb wurden die Jüngsten wieder in der Schule unterrichtet und mehr Kinder in den Kitas betreut. Der Schritt war sowohl von Zustimmung als auch von Skepsis begleitet. In Nürnberg schlossen Kitas und Grundschulen umgehend nach der Öffnung gleich wieder.

Das Coronavirus wirbelt das Schuljahr durcheinander. Foto: Shutterstock

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder warnte am Morgen vor der Gefahr einer dritten Pandemiewelle, hält die weiteren Schulöffnungen aber dennoch für richtig. «Nein, es ist kein Fehler», sagte der CSU-Chef am Montag vor einer Sitzung des Parteivorstands in München. Die Schüler brauchten eine Perspektive. Zur Erinnerung: Bayern geht mit der Öffnung ab diesem Montag schneller voran, als es Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bei der Konferenz von Bund und Ländern vertreten hatte. Sie hatte Öffnungen vor dem 1. März abgelehnt.

«Wir haben jetzt Wechsel-Unterricht, wir haben eine Inzidenz-Abhängigkeit, wir haben Maske, wir haben Testkonzepte, also viel mehr an Sicherheitsfragen, das geht fast nicht», betonte Söder. In den kommenden zehn Tagen werde sich zeigen, wie sich die Öffnungen auf die Ausbreitung des Virus auswirkten. Der Sprecher von Merkel, Steffen Seibert, sagte am Montag in Berlin: «Es ist ganz wichtig, dass man sich dann auch ganz genau anschaut, ob und wenn in welchem Umfang das wiederum Veränderungen im Infektionsgeschehen bringt.»

Gesundheitsminister: Erzieher und Lehrer können schon vom heutigen Montag an Impftermine vereinbaren

Die Gesundheitsminister der Länder berieten am Montag außerdem über frühere Impfungen für Lehrkräfte und Kita-Personal. Durch eine Änderung der Corona-Impfverordnung werden sie voraussichtlich in der Impfreihenfolge eine Gruppe nach vorn rücken. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der die Verordnung ändern müsste, hatte sich bereits dafür ausgesprochen. Er rechnet damit, dass der Prozess bis zu eine Woche dauert. In den Ländern gibt es bereits konkrete Pläne: So erklärte der baden-württembergische Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) für den Südwesten, Erzieherinnen, Erzieher und Lehrkräfte könnten bereits von diesem Montag an Termine für eine Corona-Impfung vereinbaren.

Der Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, Dario Schramm, sagte am Montag bei «Welt», dieses erste Zeichen der Öffnungen sei lange ersehnt worden, dennoch gebe es auf der anderen Seite «ein bisschen dieses Bauchschmerzengefühl» und Unsicherheit mit Blick auf den Infektionsschutz. Bildungsgewerkschaften und Lehrerverbände hatten bereits vor der Öffnung vor Gesundheitsrisiken gewarnt. Hintergrund sind die aktuelle Entwicklung bei den Corona-Zahlen und die Befürchtungen über einen schnellen Wiederanstieg wegen der Ausbreitung neuer Virusvarianten. Die Zahl der Corona-Neuinfektionen war am Wochenende gestiegen, sank dann am Montag wieder ganz leicht.

Viele Eltern wollen Schulschließungen, andere nicht mal die Maskenpflicht im Unterricht

Bei den Eltern gehen die Ansichten oft auseinander: «Es gibt die Eltern, die finden es gut, dass es losgeht», sagte der Berliner Landeselternausschuss-Vorsitzende Norman Heise. «Die anderen sagen, arbeiten gehen kann ich trotzdem immer noch nicht – mein Chef denkt, die Schulen sind offen, und erwartet jetzt, dass ich wieder Vollzeit zur Verfügung stehe.» Die Polarisierung setzt sich nach Heises Beobachtung bei der Einschätzung der Infektionsrisiken fort. Die einen kritisierten, es sei zu wenig passiert, während andere schon monierten, dass Kinder in der Schule Maske tragen müssen. Allerdings hätten nur wenige Eltern ihre Kinder am Montag zu Hause gelassen, sagte ein Sprecher der Bildungsverwaltung. In Berlin und einigen anderen Bundesländern wurde die Schulbesuchspflicht ausgesetzt.

In insgesamt zehn Bundesländern öffneten zum Wochenbeginn Kindertagesstätten und Grundschulen oder weiteten ihren Betrieb aus. Niedersachsen und Sachsen waren bereits im Januar und in der vergangenen Woche vorangegangen. Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg, Bremen und Sachsen-Anhalt starten später. Unterricht gibt es entweder im sogenannten Wechselbetrieb mit halben Klassen, die abwechselnd zur Schule kommen, oder im Vollbetrieb mit festen Gruppen, die sich möglichst nicht begegnen. In den Kitas werden wieder mehr oder alle Kinder betreut. Ältere Schüler – mit Ausnahme von Abschlussklassen – müssen weiterhin zu Hause bleiben. Die Einzelheiten regelt jedes Bundesland für sich. Je nach Corona-Lage – abhängig von den Inzidenzzahlen – bleiben in bestimmten Landkreisen und Städten die Einrichtungen auch weiterhin zu.

Am Montag zeigte sich dann auch gleich, wie wenig Planungssicherheit Familien und Beschäftigte in Schulen und Kitas weiterhin haben: Nach nur einem Tag erfuhren etwa die meisten Schülerinnen und Schüler in Nürnberg, dass sie ab Dienstag wieder von zu Hause aus lernen müssen, weil die Corona-Zahlen zu hoch sind. Auch die Kitas kehren zur Notbetreuung zurück. Die nächtliche Ausgangssperre gilt wieder, erklärte Oberbürgermeister Marcus König (CSU). Die Zahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche lag nach Angaben des Robert Koch-Instituts in Nürnberg am Montag bei 101,5. Nur wenn die Inzidenz in einer Region stabil unter 100 liegt, gibt es in Bayern sicher wieder Präsenzunterricht an den Grundschulen und für die Abschlussjahrgänge etwa von Real-, Mittel- und Wirtschaftsschulen sowie eingeschränkten Normalbetrieb in den Kitas.

GEW-Landeschef Erdmann: „Die steigenden Infektionszahlen erfüllen uns alle mit Sorge“

In Thüringen liegt der Inzidenzwert im Landesschnitt bei 126 – Kitas und Schulen öffneten trotzdem in den meisten Landkreisen des Freistaats. Die GEW forderte klare Richtwerte. Wenn die Corona-Fallzahlen weiter stabil blieben, sei eine behutsame Öffnung der Schulen durchaus gerechtfertigt, sagte der Berliner GEW-Vorsitzende Tom Erdmann am Montag. «Die steigenden Infektionszahlen erfüllen uns alle jedoch mit Sorge. Was passiert, wenn wir Ende der Woche wieder bei 100 sind?», fragte Erdmann mit Blick auf die Bundeshauptstadt (Inzidenz aktuell: 57). Das Fehlen von klaren Richtwerten führe zur Verunsicherung bei den Lehrkräften. Erdmann forderte, auch über andere Faktoren als die Sieben-Tage-Inzidenz nachzudenken. News4teachers / mit Material der dpa

Intensivmediziner: „Kaum vorstellbar, dass wir das Schuljahr vernünftig beenden“

Anzeige


28 KOMMENTARE

  1. Herr Spahn arbeitet seit 2 Wochen an der Anpassung der Impfverordnung, was nach seiner Aussage 1 Woche dauern soll.

    Genau wie bei der letzten Anpassung.

  2. ein Beobachten des Infektionsgeschehens von 10 Tagen ist viel zu kurz um verlässliche Erhebungen zu machen und bestätigt eine große Experimentierfreudigkeit der Politik.
    persönlich klingt das wie eine Ankündigung zur Verschleppung der Tatsachen, denn nach 10 Tagen, kann man wieder sagen das alles bestens läuft!
    mal sehen wo uns das hinführen wird, ich denke wir sind alle gespannt auf das Ergebnis,
    nach unseren Erfahrungen des letzten Jahres.

    • Experimentierfreudig??? Also so würde ich die Regierung nicht bezeichnen wollen. Ausser „noch mehr Maske tragen, am besten auch allein im Wald“, „alles zusperren, am besten auch noch die supermärkte“ und „ausgangssperre für die Bürger, am besten auch noch tagsüber“ kommt da nicht wirklich viel. Und ja, ich habe übertrieben. Aber wundern würde es mich nicht mehr…

  3. Immerhin . Inzidenz über 100 und Schulen wieder zu . Jetzt kann Angela Merkel sich die Hände reiben . Sie hat es kommen sehen und den Ministerpräsidenten die Schulen überlassen . Und sie sind schön in die Falle gelaufen …

  4. Da keiner Astrazenika will und davon jetzt viel übrig ist. Rutschen die Lehrer und Erzieher in der Impfreihenfolge plötzlich ganz nach oben. Mh ob das zusammenhängt?

    • Dieses Geunke ist so derbe daneben. Ich würde mich lieber heute als morgen impfen lassen. Woher kommt diese Arroganz, sich für etwas besseres zu halten und nur den angeblichen Premium Impfstoff zu wollen. Wer Astra angeboten bekommt und ablehnt, sollte sich ganz hinten anstellen müssen.

        • Ganz einfach ,weil sie einen gesunden Menschenverstand haben,was bei vielen leider fehlt.
          Die wissen was in naher Zukunft mit dem Menschen passiert die sich mit dem Dreckszeug impfen lassen.
          Wenn sie Gesichtslähmungen bekommen wenn Frauen unfruchtbar werden,wenn Mensch kollabieren und sterben.
          Schalte Mal die. Gehirn ein,so blöd kann man doch nicht sein.

      • Genau. Und ich finde, dass gerade die besonders gefährdeten älteren Menschen den scheinbar wirksameren Impfstoff bekommen sollten.Da müssen sich jetzt nicht alle Lehrer und Erzieher vordrängeln. Und da der astra zeneca Impfstoff nun mal nicht für ü64 zugelassen ist, ist das nun mal so. Und wer nicht da it geimpft werden will, stellt sich eben hinten an und wartet.

      • Es geht *nicht* darum „Premiumimpfstoff“ haben zu wollen!

        Es geht darum nicht weitere Versuchskaninchen sein zu wollen für einen Impfstoff, der scheinbar deutlich mehr Probleme verursacht bei geringerer Wirksamkeit, als der andere Impfstoff!

        Mögen doch einfach alle, die sich damit „jederzeit“ oder „sofort“ impfen lassen würden, den Vortritt erhalten!
        Vorteile: 1) Freiwillige Versuchskaninchen; 2) keine Impfpflichtdiskussion; 3) Keine „Scheinnebenwirkungen“ aufgrund von Angstzuständen; 4) Wir würden viel schneller eine deutlich höhere Durchimpfungsrate erreichen und das auch noch ohne Zwang!

        Hört doch einfach auf mit diesem „Wenn du diesen Stoff nicht willst, dann solltest du als Letzter an die Reihe kommen!“
        Das hilft niemandem!

        Lieber „Wenn du diesen Impfstoff möchtest, dann komm bitte nach vorne.“

        Nicht Contradenken, sondern Prodenken!

        • „Die Diskussion ist völlig aus dem Ruder gelaufen.“ – O-Ton Herr Wieler vom RKI. Bei Ihrem Kommentar sieht man, dass er absolut recht hat. Unerträglich!

  5. Guten aben Ferreira ist meine name,ich arbeite in Krankenhaus,bin schon 2 mal gehimpft,worden und ich habe keine Wirkung’keine Symptome bekommt,mir gehst ganz gut,mann hört zu viele meinung,ich weiß nicht ob alles stimmt ist

  6. „Wir haben jetzt Wechsel-Unterricht, wir haben eine Inzidenz-Abhängigkeit, wir haben Maske, wir haben Testkonzepte, also viel mehr an Sicherheitsfragen, das geht fast nicht“

    Wie wäre es mit… Luftfiltern?

  7. Sächsische Schweiz-Osterzgebirge liegt der Wert bei 110…die Kinder sind seit 15.2.wieder in der Schule…Sie lernen in ihren festen Klassen…haben zeitversetzt Hofpause…Im Schulhaus und in der Hofpause müssen Masken getragen werden…

  8. In Hannover liegt die Inzidenz seit Wochen über 100 und die Grundschulen machen fleißig Präsenzunterricht….
    Das handhabt man in Nürnberg dann wohl anders….wie soll man da Politik noch ernstnehmen können?

  9. Wann endlich wird zukunftsweisend in eine Umstrukturierung des Bildungssystems investiert.
    Das bedeutete eine Verbesserung der Rahmenbedingungen.
    Kleine Klassenverbände
    In den Kitas Gruppen von maximal 15 Kindern
    Dann wäre Bildung, Gesundheitsschutz und Inklusion tatsächlich lückenlos machbar

  10. Kleinere Gruppen bedeuten: Mehr Personal. Aus welchem Hut wollen Sie das denn zaubern?
    Da würde es nur helfen, wenn Eltern mit kleinen Kindern bereit wären, sich wenigstens in den ersten drei Jahren beruflich einzuschränken. Aber wir leben in einer Gesellschaft, in der die Meisten auf nichts mehr verzichten wollen. Das Leben hat gefälligst perfekt zu sein. Glückliche Familie, erfüllte Beziehung, Haus, Garten o. tolle Wohnung und selbstverständlich Erfolg im Beruf. Und das natürlich alles GLEICHZEITIG!
    Und ich spreche hier nicht von Alleinerziehenden oder von Menschen, die finanziell am Existenzminimum herumkrebsen und keine andere Wahl haben.
    Ich rede von den satten, selbstzufriedenen Vorstadtmuttis – und vatis, die Ihre Kinder mit
    einem knappen Jahr in die Krippe stecken und dann aber über jeden Furz, den ihr Kleines dort den Tag über gemacht hat, informiert werden wollen. Die zwar gerne die Verantwortung abgeben, aber bitte trotzdem über alles die Kontrolle haben wollen. Die ihren Nachwuchs auch krank in die Kita bringen, weil sie ja im Job unabkömmlich sind, oder der/die Kleine sonst vielleicht ein pädagogisch besonders wertvolles Angebot verpasst.
    Ich bin in einer Zeit großgeworden, in der es auf dem Land noch nicht mal einen Kindergarten gab. Ich wurde nicht „auf die Schule vorbereitet“. Wenns so weit war, sind wir halt eingeschult worden. Heute scheint man zu glauben, wenn die Kinder nicht schon vor der Einschulung eine 5jährige Kita-Karriere hingelegt haben, dann schlafen sie später mal unter der Brücke. Ich bin echt froh, heute kein Kind zu sein – dauerüberwacht, dauerkontrolliert, dauerbeobachtet und dann in einem sog. Beobachtungsbogen analysiert und eingeordnet.
    ich muß jetzt aufhören – ich schreibe mich schon wieder in Rage, und das ist schlecht für meine Gesundheit. Ändern kann ich an diesen irren Zuständen nämlich nichts.

  11. Ich habe schon einen Kommentar an Marion. Genau! Ich kann nur Marions Wörter unterschreiben.

    Meine Kinder sind meine Verantwortung. Ihre schulische Liestungen ebeso.

    Es kann nicht sein, dass irgendjemand erwartet, dass die Kinder für die Arbeitswelt und für das Leben in der Schule vorbereiten werden sollen oder müssen sogar!?

    Ich frage mich wirklich wie ich UNI geschafft habe und ein ganz normales Leben führe und einen ganz normalen Partner fürs Leben gefunden habe.

    Kein Kindergarten habe ich besucht, nie Ganztagschule, beide Eltern arbeiteten, seit ich 7 war kam ich um 12/13 Uhr nach Hause, erwärmte das Essen und machte meine Hausis.

    Nachmittag/Abend kamen die Eltern und halfen mir da, wo ich eventuell Probleme mit dem Schulstoff hatte. Und das war es.

  12. Und ja ich hatte keine Geschwister. Ziemlich oft war ich allein zu Hause, wie viele meiner Schulfreunde auch. Wir hatten unsere Hausis, unsere Freizeit haben wir für verschiedene Zwecke genutzt, mal lesen, malen, irgendwas bauen, recherchieren oder einfach träumen. Am Wochenende trafen wir uns zum Spielen und zwar überwiegend draußen.

    Und was machen wir heute aus diesen unseren Kindern!? Eine reine Katastrophe. Von Helikopter-Eltern bis… you name it.

  13. Ich halte es für problematisch, dass in den Medien häufig nur die Doppelverdiener mit Eigenheim und Projekt Kind gezeigt werden. Die meisten Eltern sind viel bodenständiger und jammern nicht. In einer außergewöhnlichen Lage müssen alle zurückstecken.
    Aber ständig werden Muttis präsentiert, die Kinder wie Schaufensterpuppen behandeln und völlig ausblenden, dass viele Kinder mit Distanzunterricht gar nicht so unglücklich sind. Kein Mobbing, kein Schulbus, kein ekliges Schulessen.
    Um Kinder/Teenager geht es nicht. Die werden auch nicht befragt. Es werden die dauerempörten saturierten Eltern gehört, die ein Kind in die Karriereplanung pressen und die dem Staat die Erziehung überlassen und das als Grundrecht betrachten. Ist es nicht.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here