„Grenzen sind überschritten“: SPD pocht auf Corona-Sonderurlaub für Eltern

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BERLIN. Die SPD will zusätzliche Urlaubstage für Eltern, die wegen der Corona-Pandemie besonders belastet sind. «Die Grenzen der Mehrfachbelastung durch Homeoffice und Homeschooling sind überschritten», sagte Fraktionschef Rolf Mützenich den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Die Belastung durch den Distanzunterricht für Eltern im Homeoffice ist hoch. Foto: Shutterstock

Mützenich ließ offen, wie viele Extra-Urlaubstage den Eltern zugestanden werden sollen. «Es sollte schon eine nennenswerte Zahl sein», sagte Mützenich lediglich. «Es ist Eltern nicht zuzumuten, jetzt den Jahresurlaub zur Betreuung der Kinder zu nehmen, der dann in den Sommerferien fehlt.»

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte im Dezember mit den Ministerpräsidenten der Länder beschlossen, dass Eltern zusätzliche Möglichkeiten für bezahlten Urlaub zur Betreuung ihrer Kinder bekommen sollten. Letztlich wurden dann zehn zusätzliche Kinderkrankentage für Arbeitnehmer eingeführt.

Das sei aber nur ein Kompromiss gewesen und reiche angesichts der Lockdown-Verlängerung nicht mehr aus, sagte Mützenich. Schulen und Kitas würden absehbar nur schrittweise geöffnet, die Belastung für Eltern im Homeoffice bleibe damit hoch. Hier seien nicht nur die Kanzlerin, sondern auch der neue CDU-Chef und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet sowie Bayerns Ministerpräsidenten und CSU-Chef Markus Söder (CSU) gefordert. CDU und CSU dürften nicht länger die Interessen der Arbeitgeberlobby über die Familien stellen. (dpa)

Eltern zeigen Unverständnis: Brauchen Schulen jetzt auch noch Rosenmontag frei?

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23 KOMMENTARE

  1. Verbeamtete Lehrerinnen in NRW müssen sogar bei den zusätzlichen Kindkranktagen auf guten Willen der Schulleitung setzen, der wird nämlich nur gewährt, wenn „dienstliche Belange nicht entgegenstehen“. Die Kolleginnen haben teilweise schon zu hören bekommen, sie könnten ja ihre Kinder in die Notbetreuung geben. Super, dann hat nicht nur Mama wieder viele Kontakte, sondern die Kinder auch noch.

  2. Der Vorschlag ist eine Frechheit sondergleichen, die alle kinderlosen Arbeitnehmer doppelt und dreifach benachteiligt. Erst müssen sie die Arbeit der ausgefallenen Eltern übernehmen, können keinen Urlaub nehmen, weil das Personal fehlt, zum Dank erhalten dann die Eltern, die ihre Zeit im Kreise der Familie verbracht haben, mehr Urlaub – in der Zeit muss die Arbeit wieder von den anderen übernommen werden – und natürlich ist der Sommer für Eltern und Kinder reserviert. Mir reicht es allmählich, was hier gewissen Personengruppen hinten und vorne reingeschoben wird.

    • Ich muss gleich weinen Michael. Du armer benachteiligter kinderloser Arbeitnehmer tust mir ja so leid. Die Tränen schießen direkt in meine Augen. Man reiche mir eine Großpackung Taschentücher, bevor der ganze Boden nass ist.

    • Wenn Sie jetzt, während der nächsten 2 oder 3 Monate einen Teil der Arbeit ,der zum Zwecke der Pandemieeindämmung beurlaubten Eltern, übernehmen würden, wäre dass für Sie schlimm? Habe ich das richtig verstanden? Und das Sie vielleicht, wegen der Eltern mit Schulpflichtigen Kindern, nicht im Sommer Urlaub nehmen können, ist für sie auch eine echte Zumutung?
      Wissen Sie, neben den Sorgen u. Anstrengungen die die Elternschaft bereitet, ist das Schöne an ihr nicht nur die Kinder als Personen, sondern auch so eine Art erweitertes Bewußtsein für die wirklich wichtigen Dinge im Leben…
      Ganz ab davon: Die nächste Generation Arbeitnehmer u. damit Renteneinzahler, von denen Sie selbstverständlich auch profitieren, ist, was glauben sie….. vom Baum gefallen?

    • @Michael: Ihr Kommentar klingt hasserfüllt und hat mich erstmal schockiert. Aber vielleicht mögen Sie konkret von Ihren Erfahrungen berichten? Ist das so in Ihrem Betrieb?

      @Stina:
      Niemand weiß, ob das eigene Kind jemals zu den vielzitierten Rentenzahlern gehören oder vielleicht stattdessen zusätzliche Kosten für die Allgemeinheit verursachen wird. Niemand weiß, ob das eigene Kind arbeitslos, behindert, Selbstständiger oder sonstwas wird.
      Diese gerne vorgetragene „Argument“ ist keins. Die Gründe für (geplante) Elternschaft sind vornehmlich egoistischer Natur und das ist auch vollkommen in Ordnung so. Man darf nur nicht so tun, als täte man es für andere. Kinder sind (auch) etwas Wunderbares, aber man bekommt sie zur Bereicherung des eigenen Lebens.
      Im Eingangspost dieses Threads fragte ich wegen der vielen LuL, die im Moment in ihrer Rolle als Eltern und Lehrkräfte doppelt belastet sind. Diese Doppelbelastung und -betroffenheit wird leider in der ganzen Diskussion allzu oft vergessen.

      Es kann aber auch viele andere Gründe geben, die Arbeitnehmer zusätzlich belasten.
      Und auch in der Schule wird ganz selbstverständlich von kinderlosen LuL immer wieder erwartet, dass sie Zusatzarbeit durch Stundenausfall schwangerer Lehrerinnen/Mütter ganz selbstverständlich langfristig übernehmen und dabei eigene Wünsche zurückstellen. Die Elternschaft Einzelner wirkt sich oft auch auf das Berufs- und Privatleben von KuK aus (dann allerdings ohne entsprechende Anerkennung).
      Und das ist auch deshalb möglich, weil Arbeitgeber (in diesem Fall der Dienstherr) die Situation nicht auffangen, sondern die Belegschaft damit allein lassen.

      • S.S.,
        natürlich weiß niemand, ob das eigene Kind jemals zu den Renteneinzahlern gehören wird und auch ich habe meine Kinder nicht bekommen, weil ich das Rentensystem retten wollte. Aber unser Sozialstaatswesen, unser Arbeitsmarkt und unsere Wirtschaft haben sich nun mal so entwickelt, dass Kinder ( als Wirtschafsfaktor) und junge erwerbstätige Menschen in diesen Systemen eine tragende Rolle spielen. Und diese jungen Menschen sind nun mal nicht einfach vom Himmel gefallen, sondern werden häufig unter sehr großem Engagement ihrer Eltern großgezogen.
        Wenn es jetzt zu einer Krise wie der aktuellen kommt, geraten die meisten Menschen, die sich vielen Kontakten aussetzen müssen, unter großen Stress. Wenn diese Menschen jetzt auch noch Verantwortung für Familie tragen, möglicherweise noch für Familienmitglieder die einer Risikogruppe angehören, vergrößert sich diese Anspannung noch einmal. Eine Kontaktreduktion in den Bildungseinrichtungen ist aber nur möglich, wenn Kinder von einem Elternteil zu Hause betreut werden können…Wenn aktuell kinderlose Arbeitnehmer keine Skrupel haben, auf Sorgen wie „Urlaubsverzicht im Sommer wegen Rücksicht auf Eltern schulpflichtiger Kinder“ hinzuweisen, dann wundert mich das schon sehr.

  3. Als pflegender Angehöriger, der dem Staat Geld spart, fühle ich mich nur noch verarscht!
    Ich bin auch Elternteil und sage, es gibt und gab genug Leistungen für Eltern.
    Wer denkt an pflegende Angehörige? Niemand. Immerhin über 4 Mio Wählerstimmen in Deutschland.

    • Leider zeigen solche Zahlen wie 4 Mill. pA als Wählerstimmen keinerlei Wirkung auf die Verantwortlichen. Man spielt die Menschen gegeneinander aus und schaut nicht auf einzelne Gruppen sondern : Reichts noch zum Weiterregieren !

      • Sehr geehrter Herr Schwarz,
        wenn ich darf, werde ich mich in Kürze an Sie wenden. Ich unterstütze jede Initiative, die pflegende Angehörige in den Fokus rückt!

    • Pflegende Angehörige erhalten wie Eltern coronabedingt ebenfalls 20 bezahlte Pflegetage.
      Darüber hinaus besteht die Möglichkeit sich für bis zu einem Jahr ohne Bezüge von der Arbeit freistellen zu lassen. Die Beitragszahlungen für diesen Zeitraum werden von der Pflegekasse der gepflegten Person an den Rentenversicherungsträges der pflegenden Person geleistet.

  4. Ja super! Alle Eltern, die ihr Kind weiter in die Notbetreuung bringen, sparen nicht nur den Beitrag, sondern bekommen auch noch Urlaub geschenkt. Ein so ekelhaft Fischen nach Wählerstimmen gibt es ja wohl nicht

  5. Man hat den Eindruck,die einzig wichtige Personengrupp sitzt im Homeoffice….Und muss bedauert werden. Ich möchte ja glauben,dass es schwierig sein kann und ist,aber bitte..Es gibt Menschen,die riskieren ihr Leben und würden alles dafür geben,zuhause in Sicherheit zu sein. Und wetten,mehr Urlaub gibt es für Eltern,wenn Kind unter 12!!!! sind. Die alleine zuhause klar kommenden Kinder spielen nirgends eine Rolle. Erst zählten sie zu den giftigsten…was auch etwas mit ihnen macht..dann werden sie nirgendwo betreut und dass Eltern dann dank mehr Urlaub mehr Zeit für sie haben, wird ein Märchen bleiben. Als könnte man mit 12 alleine leben.

    • Wer ,glauben die Mitarbeiter ihrer Firma, erwirtschaftet irgendwann mal ihre Rente? Und wissen sie vielleicht, ob H&M wenigstens so konsequent ist, und auf ihre Kinderabteilung verzichtet?

      Die vielen jungen Menschen, deren Dienstleistungen ( Friseure, Gastronomie, Gesundheitswesen…) sie schon jetzt beanspruchen, sind von wem nochmal aufgezogen worden?
      Meiner Beobachtung nach, vertreiben sich kinderlose Kollegen gerne ihre Zeit auf irgendwelchen Workshops, Seminaren….Wie wärs mal mit einer soliden Fortbildung in Sozialer Marktwirtschaft??

  6. Wenn noch Zeit zum Posten und Erzürnen ist, ist es wohl doch nicht so stressig, nicht wahr?

    Wir haben gerade- nach einem anstrengenden, doch inspirierenden und erfolgreichen Arbeitstag- ein leckeres Menü verspeist. Das hatte uns der nette Bote von Liefer….. gebracht.
    Unsere „Rente“ und die unserer Mitarbeiter sind übrigens über Aktien und gute Investitionen in Betongold abgesichert.

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