Corona-Tests vor der ganzen Klasse: Lehrerverband berichtet von weinenden Grundschülern

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ERFURT. Der Thüringer Lehrerverband (tlv) hält Selbsttests in der Klasse für unzumutbar – (auch) für Schüler. Ihm seien inzwischen mehrere Fälle aus Grundschulen bekannt, wo betroffene Kinder nach einem positiven Schnelltest im Klassenraum völlig aufgelöst gewesen seien. Die professionelle Vorbereitung und Unterstützung seitens der Pädagogen und auch das tröstende Zureden der Klassenkameraden hätten dabei wenig bewirkt, so berichtet tlv-Chef Rolf Busch. Er teilt ausdrücklich die Bedenken an dem Verfahren, die der Thüringer Datenschutzbeauftragte Lutz Hasse in dieser Woche öffentlich gemacht hatte.

Sind Tests vor versammelter Klasse wirklich notwendig? Der Thüringer Lehrerverband zweifelt daran. Foto: Shutterstock

In Thüringen wie in den meisten anderen Bundesländer werden die – mit Inkrafttreten des neuen Infektionsschutzgesetz bundesweit verpflichtenden – Selbsttests von Schülern in den Klassenräumen gemeinschaftlich durchgeführt. Damit ist es kaum möglich, zu verhindern, dass die anderen Schüler es mitbekommen, wenn ein Kind positiv auf das Virus getestet wurde. „Wir teilen die Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes bei der Durchführung der Schnelltests im Klassenzimmer“, erklärte Busch. „Abgesehen davon, dass gesundheitsbezogene Daten auch rechtlich als besonders schützenswert gelten, zeigen die Erfahrungen der letzten Tage, dass ein positives Ergebnis durchaus etwas mit einer Kinderseele macht. Durch den Verzicht auf ein Testen in Gemeinschaft wären viele Kindertränen vermeidbar.“

Busch wies darauf hin, dass mehrere Fälle bekannt geworden seien, bei denen betroffene Kinder nach einem positiven Schnelltest im Klassenraum völlig aufgelöst gewesen seien. «Die Angst vor der Epidemie und das Gefühl, bei einem positiven Testergebnis etwas falsch gemacht zu haben, sitzen offenbar sehr tief», erklärte Busch. Extrem belastend sei zudem die Zeit, in der die Betroffenen darauf warten müssten, von einer betreuungsberechtigten Person abgeholt zu werden.

Busch forderte, die Tests nicht mehr im Klassenzimmer, sondern vor dem Betreten der Schule durchzuführen. In Niedersachsen beispielsweise führen Eltern die Schnelltests mit ihren Kindern zu Hause durch. In anderen Bundesländern übernehmen zunehmend Hilfsorganisationen wie die Johanniter oder die Malteser die Test-Aktionen an Schulen – auf Schulhöfen.

„Zum Testen werden die Masken abgenommen. Nicht überall kann dabei permanent richtig gelüftet werden“

Die Frage nach dem Schutz der Betroffenen sei Bestandteil einer Liste mit 20 Punkten, die der tlv dem Bildungsministerium am 13. April übermittelt habe – dessen Antworten jedoch noch ausstünden, erklärt der tlv-Landesvorsitzende.

Zu den datenschutzrechtlichen Bedenken komme außerdem, dass nach einem positiven Test auch wichtige Sicherheitsfragen im Raum stünden. „Zum Testen werden die Masken abgenommen. Nicht überall kann dabei permanent richtig gelüftet werden. Das Testmaterial ist dann kontaminiert – wer soll es wie entsorgen? Schutzausrüstungen für die Lehrer gibt es keine.“ Busch: „Das Ministerium muss hier dringend nacharbeiten: die Lösungen mit den Praktikern abstimmen, den Datenschutz gewährleisten und dabei dafür sorgen, dass dies alles nicht zu noch mehr Unterrichtsausfall führt.“

Hintergrund: Thüringens Datenschutzbeauftragter Lutz Hasse pocht auf das Einhalten von Datenschutzregeln bei Corona-Tests an Schulen, wie News4teachers bereits berichtete. Er hat in nunmehr zwei Schreiben die Schulleitungen aufgefordert, die Corona-Tests datenschutzkonform zu machen, also ausdrücklich Einwilligungen der Eltern einzuholen.

In Thüringen wie in den meisten anderen Bundesländern gilt eine Widerspruchslösung bei den Tests – Eltern, die das Testen ihres Kindes ablehnen, müssen selbst aktiv werden. Entsprechend dieser Regelung will das Bildungsministerium keine Datenschutz-Einwilligungen der Eltern einholen lassen. Den Schulen teilte das Ressort nach Hasses Vorstoß mit, dass es bei dem vom Ministerium kommunizierten Vorgehen bleiben solle. Datenschutz sei ein hohes Gut, so hieß es, müsse aber gerade in Zeiten der Pandemie mit anderen Rechtsgütern wie dem Gesundheitsschutz oder auch dem Recht auf Bildung abgewogen werden.

«Das Abwägen von zwei Grundrechten kann nicht so enden, dass eines der beiden Grundrechte wegfällt»

Hasse widerspricht – und pocht auf seine Kompetenz als Datenschutzbeauftragter. Der sei die oberste Datenschutzbehörde und dies gelte auch in Bezug auf das Bildungsministerium «und erst recht für die Schulen», betonte Hasse. Zugleich habe er den Schulen Hilfe angeboten und die entsprechenden Formulare zur Verfügung gestellt. Etliche Eltern hätten sich wegen Datenschutzfragen bei der Durchführung der Corona-Tests an Schulen an ihn gewandt. Hasse: «Das Abwägen von zwei Grundrechten kann nicht so enden, dass eines der beiden Grundrechte wegfällt.» News4teachers / mit Material der dpa

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29 KOMMENTARE

  1. Datenschutz
    Gesundheitsschutz
    Recht auf Bildung

    Bitte kreuze an, welche(s) Grundrecht(e) in NRW und anderen Bundesländern in schon krimineller Weise missachtet wird/werden.

  2. Warum gehen eigentlich nicht Mal die kompletten Schulleiter in ganz Deutschland auf die Barrikaden?? Mit der tollen 165 er Notbremse die etliche Bundesländer verwenden wollen ist das doch ein ständiges auf – zu – auf – zu.

    Unzumutbar für Kinder, Lehrer, Eltern, Rektoren

    Kompliment an MV, Bayern und paar andere Bundesländer die da nicht mitmachen.

    BW ist vom Musterknaben zum Schlusslicht geworden. Wenig PCR Tests, Schule auf Teufel komm raus auf, etc…

    • Und warum machen das nicht mal die Eltern??? Die haben nämlich deutlich mehr Macht als die schulischen Bediensteten…

      • @Genervte SL:
        Kann man da nicht was Gemeinsames organisieren – hätte mehr Gewicht? Und evtl schadet es ja auch nicht, mal über die Dienstpflicht hinwegzusehen. Tun KM und MP ja offensichtlich auch ungestraft. Das soll kein „Rückvorwurf“ sein, nur eine Idee, da ich weiß, dass auch SL am Teller drehen…

  3. Weinende positiv getestete Kinder, das gibt Superspreading vom Feinsten. Das Testen zu Hause ist am sinnvollsten für alle Beteiligten.

    • @ Lanayah („Das Testen zu Hause“)

      22.04.2021 | Philipp Woldin | WeLT

      Giftige Flüssigkeit – Hamburg setzt umstrittene Schnelltests zukünftig nicht mehr an Schulen ein

      (…) Hamburg wird nach einer WELT-Anfrage in Zukunft keine Testkits der koreanischen Marke SD Biosensor (Sars-CoV-2 Rapid Antigen Test) in der bisherigen Form an Schulen einsetzen. Die Flüssigkeit dieser Tests, von denen rund 2.089.000 Testkits eingekauft wurden, enthält eine Chemikalie aus der Gruppe der Octyl-/Nonylphenylethoxylate – doch dieser Stoff ist in der Europäischen Union als besonders besorgniserregender Stoff (SVHC) eingestuft, er kann zu Hautreizungen und ernsthaften Augenverletzungen führen. (…)

      https://www.welt.de/regionales/hamburg/article230552637/Schnelltest-in-Hamburg-Behoerde-setzt-Tests-wegen-Chemikalie-nicht-mehr-ein.html

      • Ach nee, neulich wurde ich hier noch belehrt, daß das bloß das harmlose Zeug ist mit dem die Laugenbrezeln eingepinselt sind… (nicht von Dir, Ed. V. Roy, will hier keine Mißverständnisse erzeugen).

      • @ Edward von Roy:

        Ist doch sehr (!) singuläres Ereignis!! Schwarze Schafe gibt’s doch überall.

        Beachten Sie bitte die Verhältnismäßigkeit!
        Massive (!) Überzahl der Tests ist doch wohl, nachgewiesen, völlig unbedenklich!!!

        Obacht! „Don’t feed the troll!“

  4. In Viersen an einem Gymnasium hatte man sich eigeninitiativ (das ist wahrscheinlich das größte Problem des KM in NRW) auf eine Kooperation mit einem professionelen außerschulischen Partner verständigt, der quasi ein Testzentrum in der Schule errichtet hat, sodass – den Forderungen des KM entsprechend – die SuS in der Schule getestet werden konnten. Das Ganze lief gut an – wurde dann vom KM aber wieder verboten.
    Begründung:
    Da es sich hier um eine besondere / gesonderte Gruppe handelt, die getestet wird, können diese Testungen im schulischen Rahmen nicht als „Bürgertests“ abgerechnet werden und werden somit nicht vom Bund bezahlt.

    Das beseitigt nicht die weiteren Gründe gegen das Testen in Schulen (wobei ich ausdrücklich ein Fan von flächendeckenden Testungen bin!!) aber das Prozedere wäre für alle Beteiligten deutlich entlastender gewesen.
    Aber genau das scheint für das KM in NRW nicht maßgeblich zu sein…hier geht es um Abrechnungsbürokratie … und der muss man einfach auch mal was unterordnen, wenn man das anordnet. Ich habe nur noch einen Begriff für diese Entscheider:
    „Mein Gott, was sind das für erbärmliche Arschlöcher!“

  5. In Hamburg haben sie den Schulen verboten (!!!) Luftfilter anzuschaffen.

    Ich denke auch: die Schulleiter müssten auf die Barrikaden gehen.
    Aber denen ist ihr Personal völlig egal. Und die Schüler auch.

    Hauptsache – gehorchen

    • @Martina J.

      Moin, Moin,

      wurde für das Verbot von Luftfiltern eine Begründung geliefert?

      Unser SL ist auch prima im Gehorchen und macht uns das auch immer gerne schmackhaft. Allerdings sind unserer SL weder KuKs noch die SuS und die Eltern egal. Das muss also andere Gründe haben, weshalb wir testen, testen, testen.

      Ich lebe in Absurdistan und das wird von Idioten regiert!

      Oder wie heißt das, wenn die da machen, was sie wollen?

  6. Sorry, aber wer all die Toten in Kauf nimmt, nimmt auch ein paar weinende Kinder in Kauf. Damit kann man die Kultusminister nicht beeindrucken.

    • @ mm („wer all die Toten in Kauf nimmt“) Ja, wer all die Toten nach Corona-Impfung in Kauf nimmt, nimmt auch ein paar weinende Kinder in Kauf.

  7. @Carpe noctem
    Kopfklatsch…
    Sie müssen sich nicht impfen lassen.
    Bleiben Sie zu Hause, aber nicht weinen , wenn Sie dann irgendwann Einschränkungen hinnehmen müssen.
    Es soll auch immer noch Leute geben die die Polioimpfung , MMR Impfung , oder Tetanus in Frage stellen.
    …all die Toten nach Corona-Impfung…. wie viele kennen Sie denn da?

    • Sorry, aber da missachten Sie die Relation,
      denn einige von den aufgeführten Erkrankungen führen mit Sicherheit zum Tod oder haben sehr schwere Folgen.
      Ich will damit nur sagen, dass man nicht unbedingt die Corona Impfgegner mit generellen Impfgegnern gleichsetzen kann.

  8. Hier wird aber von “ all den Toten nach Corona-Impfung“ gesprochen.
    Das ist eine nicht akzeptable Aussage.
    Es gibt nach wie vor keine Corona Impfpflicht und wird es auch nicht geben.
    Einschränkungen für Nichtgeimpfte wird es sicher geben weltweit.
    Das Feld der Coronaimpfgegner überschneidet sich aber schon zu einem großen Teil mit dem der Impfgegner. Nicht generell, richtig.

  9. Nun, die Idee im Klassenraum alle zu testen, war den meisten KuKs ohnehin schon suspekt.

    Nun ist es so, wie die Praktiker es erwartet haben.

    Nun stellt sich raus, dass auch hierfür zu wenig Personal zur Verfügung steht.

    Nun stellt sich raus, dass die Theorie (Kinder werden pädagogisch betreut und begleitet) nicht mit der Praxis übereinstimmt.

    Nun stellt sich raus, dass Kinder sich tatsächlich infiziereren können und das auch tun.

    Nun stellt sich raus, dass Eltern ihre positiv getesteten Kinder nicht sofort abholen können/wollen/werden.

    Nun stellt sich raus, dass für die positiv gestesten Kinder zu wenig Räume und Personal zur Verfügung steht.

    Nun stellt sich erneut raus, dass es um Zahlen und nicht um Menschen geht.

    Nun stellt sich raus, dass wir dank facebook etc., den Datenschutz auszuhebeln gewohnt sind.

    Nun stellt sich erneut raus, dass wir in Absurdistan leben und von Idioten regiert werden – aber das wissen wir ja schon lange.

    Nun stellt sich die Frage, wer macht was dagegen?

      • @Elly

        Stimmt.

        Auf dem Weg in meine zwei sicheren Schulen habe ich überlegt, wer da eigentlich die (hust, Entschuldigung, liebe Eltern, KuKs, EuEs, …) Idioten sind.

        32 „gegen“ 80.000.000 – da sollten wir drüber grübeln….

        Bleibt negativ und denkt positiv!

  10. @riesenzwerg
    Du schreibst das, was viele Menschen heute denken, warum aber auch so viele Menschen Angst haben, was dagegen zu unternehmen, ist mir ein Rätsel.

    • @Ela64

      Mir auch.

      Ich habe meine KuKs nicht mal (vor Jahren) dazu gekriegt, suf eine GEW-Demo für A13 für Grund- und Hauptschullehrer zu gehen…..

      Ich weiß nicht, ob es Angst ist, vielleicht spielt das auch eine (große) Rolle.

      Ich weiß nur, dass ich seit Jahren so müde, dauerhaft (!) überlastet und erschöpft bin, dass mir die Kraft fehlt.

      Wir machen SET-Tage – seit Jahren! – und scheitern an: zu wenig Personal, zu wenig Geld, interessiert das KuMi nicht.

      Ich kann mitmachen, aber nicht mehr organisieren.

      Schon vor Corona gab es zu viele Aufgaben, einfach obendrauf. Wieder und wieder.

      Erst, wenn wir alle zusammenklappen, werden die KuMis merken, dass wir wirklich nicht (noch) mehr können.

      Es gibt zuviele selbsternannte Helden in unserem Beruf, uns tun die Kinder leid, für sie sind wir da, für sie tun wir alles…. wir wissen – genau darauf wird gebaut und es klappt immer und immer wieder. Deswegen geht es auch so weiter.

      In diesem Sinn birgt das ganze CoronaChaos auch eine Chance.

      Und du hast Recht – wir sollten sie nutzen.

  11. Ich glaube, dass ist alles Probaganda der AFD. Die Dummbeutel proben grad den Aufstand gegen das bestehende System. Ich teste jetzt schon seit 2 Wochen die Kinder meiner Klasse (Grundschule in Greiz / Thüringen, Inzidenz heute 355,….)und es gab überhaupt keine Probleme. Wie gesagt, es handelt sich um einen „Lollitest“, welchen die Kinder 2 min. in ihrem Mund behalten. Mehr bekommt ein Kind von dem Test nicht mit UND mehr wird auch nicht IM KLASSENVERBAND gemacht!!! Alles weitere wird streng vertraulich behandelt. Es ist so traurig, was das alles hier für Formen annimmt. Es geht weiterhin und nie um was anderes, als LEBEN ZU SCHÜTZEN!!!!!!!

  12. Thüringen… Waren das nicht die gleichen Spaßvögel, die YouTube verboten haben wegen Datenschutzbedenken der Kinderseelen?

    Hmm, ich würde mal sagen, die Prioritäten sind eindeutig.

  13. >>[…] dass nach einem positiven Test auch wichtige Sicherheitsfragen im Raum stünden. „Zum Testen werden die Masken abgenommen. Nicht überall kann dabei permanent richtig gelüftet werden. Das Testmaterial ist dann kontaminiert – wer soll es wie entsorgen? Schutzausrüstungen für die Lehrer gibt es keine.“<<
    Fällt eigentlich irgendwem auf, wie krank und paranoid das hier ist???

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