„Frühwarnsystem Schulkinder“: Warum die Inzidenz als Maß sinnvoll ist – noch

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BERLIN. Der Bund hat für den Betrieb von Kitas und Schulen als Notbremse einen Grenzwert von 165 festgelegt – die Kultusminister möchten das Kriterium gerne «ergänzen» (gemeint ist wohl: aufweichen). Damit steht die Frage im Raum: Ist die Sieben-Tage-Inzidenz tatsächlich geeignet, um die Entwicklung der Corona-Pandemie zu messen und Schutzmaßnahmen daran zu knüpfen? Die Debatte gewinnt durch zunehmende Impfungen und Schnelltests an Fahrt. Wissenschaftler und Mediziner warnen allerdings davor, «da nun noch neue Werte aufzupfropfen». Noch jedenfalls.

Die Inzidenzwerte geben Hinweise auf das Pandemiegeschehen – wie das Fiebermessen im Verlauf einer Krankheit. Foto: Shutterstock

Greift die nächtliche Ausgangssperre? Wie viele Freunde dürfen sich treffen? Müssen Kinder zur Schule? Mit den Bundesregelungen zur aktuellen Corona-Notbremse hängen die Antworten auf viele Fragen des Pandemiealltags verbindlich von gewissen Werten ab: der Sieben-Tage-Inzidenz in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt. Das sind die gemeldeten Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen, nachgewiesen per Labortest.

Zwar sind nicht alle Betroffenen krank. Aber auch Infizierte ohne Symptome können das Virus verbreiten. Daher gilt die Inzidenz als ein Frühwarn-Indikator – wobei Experten stets appellierten, auch noch weitere Werte zu betrachten. Zuletzt sind allerdings vermehrt Forderungen laut geworden, einen anderen, angeblich geeigneteren Indikator für die Bemessung der Pandemie heranzuziehen.

«Die ausgeweitete Testung dient dem Ziel, den Schulbesuch für Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte sicherer zu machen»

Die Kultusministerkonferenz (KMK) ist damit bereits vorgeprescht. «Die ausgeweitete Testung von Kindern und Jugendlichen dient dem Ziel, den Schulbesuch für Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte sicherer zu machen und Infektionen zu identifizieren. Dadurch kann eine höhere Zahl von festgestellten Infektionen hervorgerufen werden und sich die Inzidenz in den Ländern erhöhen. Bei Entscheidungen über den Schulbetrieb ist daher perspektivisch zu prüfen, das Kriterium der Inzidenz um weitere Kriterien zu ergänzen», so heißt es in einem Beschluss vom 18. März.

Welche Kriterien das sein sollen, lässt die KMK darin offen. Sachsen und Sachsen-Anhalt hatten entschieden, den Kita- und Schulbetrieb unabhängig von der Entwicklung der Inzidenzwerte offen laufen zu lassen – wurden aber von der dann vom Bund beschlossenen Notbremse von 165 für die Bildungseinrichtungen ausgebremst.

«Aufgeheizt» finde er die aktuelle Diskussion, kommentierte der Virologe Prof. Christian Drosten am Dienstag im «Coronavirus-Update». Die Forderung, nicht nur auf die Inzidenz zu schauen, komme seit dem Herbst von Maßnahmen-Gegnern. Nun gebe es auch seriöse Kritik.

Dabei geht es nicht nur um Faktoren wie den Einfluss von Test- und Meldeverzug auf die Werte – wie rund um Ostern, als tagelang unklar blieb, wohin der Trend geht. Das Argument ist auch: Zunehmend entkoppele sich die Sieben-Tage-Inzidenz von der eigentlichen gesundheitlichen Lage.

Dazu trügen an sich erwünschte Effekte bei, sagte der Epidemiologe Prof. Gérard Krause vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig kürzlich: zunehmende (Schnell-)Tests, etwa an Schulen, und Impfungen der Risikogruppen, die hoffentlich die gesundheitliche Belastung sinken ließen. Krause sprach sich dafür aus, künftig besser auf die Entwicklung der Zahl der Covid-19-Neuaufnahmen auf den Intensivstationen zu blicken. Dies werde der Situation am ehesten gerecht, wenn man sich denn auf nur einen Messwert beschränken müsse.

Gemeint ist nicht das bestehende Divi-Intensivregister, in dem unter anderem ein Bundeswert zu Neuaufnahmen auf Intensivstationen inklusive Verlegungen ausgewiesen wird. Es geht rein um Neuaufnahmen. Mangels regionaler Daten dazu habe man ein Schätzmodell mit Grenzwerten je nach Bundesland entwickelt, schilderte Prof. Helmut Küchenhoff, Leiter des Statistischen Beratungslabors der Ludwig-Maximilians-Universität München. In einer Publikation zum Thema von Autoren um Küchenhoff und Krause heißt es, dass mit niedrigen Grenzwerten ein «etwaiger Zeitverzug» kompensiert werden könnte. Aber sie nennen auch Einschränkungen.

Für einen Fokus auf Schwerkranke sprachen sich auch zwei Professoren in einem Offenen Brief an die Bundestagsfraktionen aus: Der frühere Leiter der Charité-Virologie, Detlev Krüger, und der Ex-WHO-Virologe Klaus Stöhr warnten Mitte April, dass bei einer Kopplung von Maßnahmen an die Inzidenz «selbst dann massive Einschränkungen der Freiheitsrechte mit gravierenden Auswirkungen […] erfolgen müssten, wenn längst weniger krankenhauspflichtige Erkrankungen als während einer durchschnittlichen Grippewelle resultierten».

Krause betonte, ihm gehe es um eine sachgerechte Darstellung der Lage. Es sei ein Irrglaube zu denken, dass die Inzidenz «die Sache überschätzt». Risiken könnten durchaus auch unterschätzt werden und gebotene Maßnahmen unterbleiben. Als Beispiel nannte er «ganz besondere Dramen» in kleinen, aber sehr anfälligen Gruppen, wie in schlecht versorgten Heimen oder unter beengten Wohnverhältnissen. In der pauschalierten Inzidenz träten diese nicht deutlich in Erscheinung.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verteidigte in der Vorwoche den Blick auf die Sieben-Tage-Inzidenz: «Noch jedenfalls, in dieser Phase der Pandemie, ist es so, dass Inzidenz und Intensiv miteinander zusammenhängen.» Das sei die Erfahrung der vergangenen Monate, auch international. Eine steigende Inzidenz lasse in der Folge auch in Kliniken die Belastung steigen. Das gelte so lange, bis ein deutlich größerer Teil der Bevölkerung geimpft sei.

Er werde in letzter Zeit öfter gefragt, ob eine 100er-Inzidenz in Gruppen mit 50 Prozent Geimpften nicht anders zu beurteilen wäre, berichtete er. «Dann sage ich ja. Es wäre noch viel schlimmer.» Angenommen wird, dass Geimpfte fürs Infektionsgeschehen nur noch eine kleinere Rolle spielen. Die Gruppe derjenigen, die sich überhaupt noch anstecken kann, wird mit zunehmenden Impfungen kleiner.

Der Epidemiologe Prof. Rafael Mikolajczyk bestätigt, dass die Aussagekraft der Sieben-Tage-Inzidenz für die zu erwartende Belastung des Gesundheitssystems mit zunehmender Durchimpfung der Bevölkerung nachlasse. Auch durch vermehrtes Testen in Altersgruppen, die in der Regel nicht schwer erkranken, ändere sich das Verhältnis zwischen Infektionszahlen und den zu erwartenden schweren Verläufen. «Die Entkopplung ist momentan noch nicht so stark, wird aber zunehmen», erklärt der Professor aus Halle. Auch Drosten sagte im Podcast: «Erst in der Zukunft wird sich das ein bisschen voneinander ablösen.» Noch sei der Blick auf die Inzidenz richtig.

Laut Mikolajczyk ist der Vorteil der Sieben-Tage-Inzidenz, dass sie auch kleinräumig eingesetzt werden könne, während die Aufnahmezahlen klein sein könnten und zu stark schwankten, etwa in Landkreisen mit wenig Intensivbetten. Befürworten würde er aber, im weiteren Verlauf der Epidemie die Inzidenzschwelle anzupassen. Auch die Dynamik der Ansteckungen, also R-Wert oder Verdopplungszeit, müsse im Auge behalten werden, da ein exponentielles Wachstum der Fallzahlen das Gesundheitssystem schnell an die Belastbarkeitsgrenze bringen könne.

«Die Schulkinder sind im Moment die am besten getestete Altersgruppe – man kann sie als Frühwarnsystem deuten»

Zum Einschätzen der noch verkraftbaren Belastung zunehmend auch die regionalen Covid-19-Neuaufnahmen heranzuziehen, hält er in Phasen stabiler oder langsam wachsender Infektionszahlen aber für durchaus sinnvoll. Und auch dann, wenn sich Testzahlen stark ändern, wie etwa über Feiertage. Verbreite sich das Virus allerdings gerade stark, sei eine möglichst frühe Erfassung von Vorteil, betont Mikolajczyk: Also am besten schon beim anhaltenden Anstieg von positiven Tests.

«Die Schulkinder sind im Moment die am besten getestete Altersgruppe – man kann sie als Frühwarnsystem deuten», betonte Mikolajczyk. Zeige sich in einer Altersgruppe ein Anstieg der Inzidenz, dann sei das ein Hinweis auf eine Zunahme des Infektionsgeschehens insgesamt. Altersgruppen hätten ja Kontakte untereinander. Tatsächlich steigt die Inzidenz unter Kindern und Jugendlichen nach wie vor deutlich, wie dem aktuellen Lagebericht des Robert-Koch-Instituts zu entnehmen ist, News4teachers berichtete.

Ute Teichert, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, spricht sich ebenfalls für das Festhalten an der Sieben-Tage-Inzidenz aus: «Der Wert hat sich als ein Parameter durchgesetzt, den man gut als Grundlage für weitere Daten-Auswertungen nehmen kann», sagte sie. Er sei in viele weitere Berechnungen und Simulationen eingeflossen und stelle eine Grundstruktur dar, um die Lage zu beurteilen. Es ergebe wenig Sinn, «da nun noch neue Werte aufzupfropfen». Beim Beurteilen einer lokalen Lage behalte man natürlich auch die Kliniken im Blick, so Teichert.

Einer häufigen Behauptung widerspricht sie: «Die Inzidenz ist keine Maßeinheit für die Leistungsfähigkeit der Gesundheitsämter. Eine Größe, die beschreibt, bis zu welcher Schwelle die Kontakte von Infizierten noch nachverfolgt werden können, gibt es bisher nicht.» Wie gut die Kontaktnachverfolgung gelinge, sei sehr unterschiedlich – je nachdem, wie die Ämter aufgestellt sind und je nach Zahl der Kontaktpersonen. «Wenn Kontaktbeschränkungen gelten, gibt es weniger Kontaktpersonen nachzuverfolgen, entsprechend können wir das auch bei höheren Inzidenzen leisten», sagte Teichert. «Wenn aber alles geöffnet ist, haben die Menschen viele Kontakte und wir kommen schon bei niedriger Inzidenz kaum mehr hinterher.» News4teachers / mit Material der dpa

Steigt der Anteil infizierter Kinder nur deshalb, weil unter ihnen mehr getestet wird? Kinderärzte behaupten das – liegen aber falsch

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37 KOMMENTARE

  1. „Schulen sicherer machen“ – fahrlässiger Berechnungswahnsinn trotz Notbrems(chen)
    Realistisches Beispiel:
    1. Tag unter 165 Donnerstag
    2. Tag unter 165 Freitag
    3. Tag unter 165 Samstag
    Folge: Aufhebung Distanzunterrichtes ab dem — ÜBERNÄCHSTEN TAG –, sofern Sonntag auch U165.
    Montag Beginn des Wechselunterricht für alle SuS

    Im Wechselunterricht dann wieder alle Klassen zu 50 % ab Montag.
    Dazu folgen 2x die Woche Selbsttests.

    Und das Ergebnis wird sein, den ein oder anderen positiven Selbsttest herauszufischen besonders bei SuS, die vor Montag ja teils wochenlang nicht in der Schule waren.
    Dann evtl. positiver PCR Test und die Inzidenzwerte müssten steigen.
    Eine Woche später dann wieder Ü165 und aus Wechsel- wird wieder Distanzunterricht und alles auf Anfang, dazu Abiprüfungen.
    Die SL und LuL haben endlich wieder eine Wochenendbeschäftigung – Pläne und Informationen verbreiten.

    Die Regelung „übernächster Tag“ bei der geltenden Rücknahmeregel ist absoluter Schwachsinn.
    Herr, lass Hirn regnen… oder Steine. Hauptsache, du triffst.

    • Deswegen wäre es sinnvoller die Zahlen erst mal weiter nach unten zu drücken, und nicht an der Notbremseninzidenz immer Wechsel in der Unterrichtsform zu haben (Wechsel, Distanz,etc).
      Man könnte ja auch knapp 100 drücken, dann hat man mehr Zeit zu gucken, ob Wechsel geht… Volle Präsenz halte ich auch bei 100 mit Tests für grob fahrlässig.
      Die Landesregierungen dürfen unter der Notbremse agieren. Tun die aber nicht – außer BY mit Söder.

      Aber verrückte Idee, von sich aus neben der Notbremse dafür zu sorgen, dass Unterricht vernünftig abgehalten kann.

  2. Karl Lauterbach hat mit aller Karheit ausgesprochen:“Es kann nicht unser Wille sein die Eltern der Schülergeneration die noch nicht geimpft sind, dieser Gefahr auszusetzen. Die heranwachsenden Kinder könnten ein Elternteil verlieren und zu Halbwaiesen werden oder Eltern mit Langzeitfolgen zu betreuen. Dies rechtfertigt keine Öffnung der Schulen…..
    Die Familien, Kinder und Jugendlichen tragen die Hauptlast und sind die letzten in der Reihe.
    Den Alten hat man Schutz zugesprochen und die Familien werden wie billig Fleisch verfüttert und gibt Ihnen keinen Gesundheitsschutz.
    Wir fordern für unsere Kinder und deren Familien ein Corona Aufholjahr G9 ab September 2021! https://www.phv-bw.de/phv-bw-zu-einem-corona-aufholjahr-fuer-schueler-am-allgemeinbildenden-gymnasium-durch-uebergang-auf-g9-ab-september-2021/

    • Danke liebe Rosa!

      Wir haben zwar gar keinen Nachholbedarf, aber ich kann mir schon vorstellen, warum viele Kinder das haben. Ein Beispiel nur. Korrigierte Blätter noch 4 Wochen vor Osterferien abgegeben, noch nicht zurückbekommen. Grundschule. Also jetzt schon insgesamt 6 Wochen Arbeit. Wir brauchen es auch nicht. Aber viele schon.

      • Nur ein winziges Abschnitt unseres Lebens in der Pandemie..

        Reaktion die Grundschullehrerin unseres Sohnes darauf, dass mein Mann zu Risikogruppe gehört (die Zeit des Gesprächs November, 2020.) und auf seine Frage, ob wichtiger sei, dass das Kind im Klassenzimmern sitzt oder seine Eltern nicht verliert – ah, wo kommen wir hin, wenn alle so denken würden, dass man möglicherweise stirbt und das Kind ohne Eltern bleibt, die Menschen sterben ja jeden Tag, so die Lehrerin. Über Drohungen habe ich schon geschrieben.

        Zur selben Zeit bat die Schulleitung der benachbarten Grundschule um die Kinder Risikoeltern zuhause lassen.

        Also, ich möchte schon einiger Zeit mit unserer Pandemie – Geschichte als Eltern von schulpflichtigen Kindern in die Öffentlichkeit treten, und zwar mit den Namen aller Beteiligten. So habe ich es satt. Einziges was mich aufhält ist die Alter unserer Kinder.

        Und dafür sollten die Lehrer zuerst geimpft werden? So dass die Eltern und Kinder wieter in der Schule gezwungen werden können.

        Ne, das kann ich und werde ich nie vergessen, wass wir gerade von der Institution Schule in dieser Pandemie erlebt haben.

        • @Monika, BY:
          Aber was spricht denn dagegen, sich von einem Arzt bestätigen zu lassen, dass der Papa Risikopatient ist und somit eine Freistellung der Kinder befürwortet wird. Ich denke, da reicht ein einfaches Gespräch vielleicht nicht aus. Wenn aber ein Arzt die Gefahr für den Papa sieht und das bescheinigt… und ihr sowieso beim Lernen zu Hause besser zurecht kommt (so lese ich das zumindest raus), dann dürfte doch eine Freistellung für die Dauer der Pandemie oder bis zu einer Impfung möglich sein!?

          • Haben wir schon längst einen Atest gehabt, trozdem wurden wir bedroht, unsere Hausärztin wurde aus der Schule angerufen, letztendlich musste sie Schweigepflicht brechen und genau schreiben voran mein Mann leidet … Nie hatte sie etwas ähnliches erlebt.

            Da hatten wir Nase voll und den Anwalt engagiert. Bald darauf wurden wir in der Ruhe gelassen, da inzwischen Piazolo Beuraubung einführte…

            Aber wie auch immer, das Kind kommterst jetzt nicht in der Schule, bis es auch nicht geimpft wird. Keiner hat Recht über die Gesundheit und gar das Leben meines Kindes entscheiden, kein KM; keine Schule, nicht mal ich als Mutter, außer alles unternehmen um ihn zu beschützen.

          • @Lila
            „Aber was spricht denn dagegen, sich von einem Arzt bestätigen zu lassen, dass der Papa Risikopatient ist und somit eine Freistellung der Kinder befürwortet wird.“

            Max.14 Tage für Grundschulkinder – so war es in Niedersachsen.

        • Ich bin genauso sauer wie sie. Hoffentlich ist das hier bald vorbei, denn ich fange an, an der gesamten Gesellschaft zu zweifeln, die diese Schulöffnungen aktiv und passiv am laufen hält. Ich verstehe auch nicht die Eltern, die ihre Kinder bei einer Inzidenz von 164 (mal mehr mal ein bisschen weniger aber nicht drei Tage am Stück höher) in die Schule schicken. Und ich verstehe auch nicht die Argumentation, dass man mit geimpften Lehrern die Schulen für alle Schüler zu sicheren Orten machen kann. Meine Kinder sind auch zu Hause. Die Lernsituation als einzelner Fernschüler unter all den schulpräsenten Mitschülern ist deutlich schlechter geworden. In die Schule gehen sie jetzt trotzdem fast jeden Tag, weil sie Leistungsnachweise erbringen müssen. Normalerweise sind wir sehr entspannte und unkomplizierte Menschen, die sich nicht gerne in einer Sonderrolle sehen. Aber hier lohnt es sich aus meiner Sicht zu kämpfen, auch wenn es tatsächlich einen Lehrer gibt, der sich über uns Extrawürste aufregt und mehr oder weniger mit schwereren Nachschreibearbeiten droht.“ Sie wollen doch auch, dass ihre Tochter die Kursstufe schafft“ Ja das wollen wir, und noch mehr wollen wir, dass sie diese auch gesund erreicht. Vorhin habe ich positive Berichte über mögliche Impfungen für Kinder zwischen 12 und 15 Jahren ab Juni gelesen. Ich wünsche mir so sehr, dass diese Berichte real werden. Und wenn das mal der Fall sein sollte, dann werde ich jeden Tag genießen, an dem ich mich nicht mehr vor irgendwelchen Pappnasen rechtfertigen muss, warum mir die Gesundheit meiner Kinder am wichtigsten ist.
          Positiv vermerken möchte ich aber auch, dass die meisten Lehrer uns trotz mehr Aufwand tatkräftig unterstützen und uns vernünftige Lösungen für die Nachschreibtermine anbieten. Wir sind halt alle nur ein Rädchen im System.

  3. Was mich bei diesen ganzen Diskussionen total aufregt: warum wird nie über LongCovid gesprochen?

    Weniger stationäre Aufnahmen sind gut. Aber das heißt doch nicht, dass wir (und insbesondere die Heranwachsenden) safe sind, was die Langzeitschädigungen angeht.

    Ich will das nicht bekommen, unser Kind will das nicht bekommen. Wir wollen uns schützen, so lange es möglich ist. Ohne Konsequenzen. Ohne Ordnungsamt, ohne Strafe, ohne Präsenzpflicht.

    Das Schuljahr ist fast vorbei, wir hatten einen hervorragenden Distanzunterricht, sind bisher gesund geblieben und wollen das auch bleiben!

      • Naja, ich kenne die Verhältnisse nicht, würde aber (bezogen auf meine ehemaligen SchülerInnen) folgendermaßen handeln: das telefonische Gespräch mit den Eltern suchen. Wenn nicht erreichbar, dann per Briefpost/Mail.

        Wenn das nicht fruchtet, dann liegt es oft am Elternhaus und da kann man dann Türen einrennen und erreicht trotzdem nichts… So ist zumindest meine Erfahrung.
        Distanzunterricht ist bestimmt auch nicht für jeden geeignet, das streite ich nicht ab.
        Aber wir befinden uns in einer Zeit, in der die Natur uns Menschen einen gewaltigen Denkzettel verpasst.
        Das sollten wir nicht vergessen und es einfach bestmöglich händeln.

    • Genau das wird zum entscheidenden Punkt.

      Das Ziel kann nicht sein, sich auf x neue Intensivpatienten pro Tag „festzulegen“ und es toll zu finden, wenn man das „schafft“. Das sind alles Menschen, die mit einer ziemlich hohen Wahrscheinlichkeit lebenslange Folgen davontragen werden. Selbst wenn die Folgen nach einem Jahr oder so abklingen, so ist das ein furchtbares Schicksal… das Ziel kann doch nicht darin liegen, die verfügbaren Kapazitäten möglichst auszuschöpfen!

      Wie ich vor Tagen in ähnlicher Form schonmal schrieb: Die Verkehrsregeln vor Schulen macht man doch auch nicht an der Aufnahmekapazität der Kinderkrankenhäuser fest! So nach dem Motto: Genug Betten im Kinderkrankenhaus frei… Fußgängerüberwege werden abgebaut und man darf vor der Schule 70 km/h fahren. Sobald sich die Betten füllen, wird erst die Geschwindigkeit reduziert und irgendwann gibt es dann den Zebrastreifen wieder?

      Das ist genauso zynisch wie der Versuch, die ITS „auszulasten“, also hinzunehmen, dass sie eine hohe Aufnahmequote haben.

      • Kann ich so unterschreiben. Diese Milchmädchenrechnung und ständige Erwähnung (als sei es fast ein Ersatz für I-Zahlen) geht mir auch fürchterlich auf den Geist!

  4. Spahn: «Noch jedenfalls, in dieser Phase der Pandemie, ist es so, dass Inzidenz und Intensiv miteinander zusammenhängen.»
    Das ist so banal, es kann gar nicht falsch sein. Aber WIE es zusammenhängt, ist doch die Frage! Schweden hat z.B. ca. 3mal höhere Inzidenz, aber nur gleichviele Corona-Tote wie Deutschland, und vermutlich auch gleich viele Intensivpatienten pro Einwohnerzahl. Alle Kritiker betonen zu Recht, dass man die anderen Maßzahlen ebenso berücksichtigen müsste, nicht nur die Inzidenz.
    In unserem Landkreis gab es einen einzigen Infektionscluster mit 80 Neu-Positivtestungen, das ließ die Inzidenz um mehr als 100 hochschnellen. 75000 Menschen müssen jetzt in Lockdaun, obwohl in ihrem Wohnort das wirkliche Infektionsgeschehen nicht anders ist als zuvor. Das ist offensichtlicher Unsinn, und es liegt an dieser Ausgestaltung des Gesetzes.

    • Natürlich haben die Politiker Panik, dass es bald Corona nur noch unter Schul- und Kita-Kindern gibt.

      Das ist die letzte Gelegenheit, für mehr Schutz an Schulen zu sorgen.

      Sollte die Inzidenz dank der Impfungen bis nach den Sommerferien massiv purzeln, bleiben nur noch Einzelschicksale übrig, um ein Umdenken zu bewirken.
      So weit darf es nicht kommen.

      Ich hoffe, dass die Zeit bis zum Herbst jetzt massiv genutzt wird, um technische Lösungen zu installieren, die das permanente Lüften überflüssig machen.

    • Schön wärsich habe-mit Blick auf den Herbst-Elternvertreter,Schulleitung und Eltern angesprochen,ob man nicht,wie Privatschulen,in Eigenregie Luftfilter anschaft.Jeder etwas dazu gibt….ist nie wieder erwähnt worden.Neues Klettergerüst war wohl wichtiger.Genauso wird es mit den Kumis sein.Da kommt NiX:-(

      • @Maren
        Luftfilter in Eigenregie der Elternschaft ….

        … ist laut SL in NIERSACHSEN von höchster Stelle – KM TONNE -, offiziell und ausdrücklich VERBOTEN!

        Meine Anfrage als Elternteil an die SL betreffend Nutzung von mobilen Luftfilteranlagen im Rahmen der Abiturprüfungen ohne Maskenpflicht in Präsenz (Niedersachsen) wurde mit dem Verbot des Nds. Kultusministeriums begründet.
        Für die Abiturprüfungen einigte sich die Schülerschaft wenigstens auf freiwillige Selbsttests, die am Morgen zu Hause durchgeführt werden.

      • In Bielefeld hat der Schulträger das eigenständige Anschaffen von Luftfiltern bzw. deren Einsatz ausdrücklich untersagt – ob auf Geheiß vom Land oder aufgrund einer kommunalen Entscheidung kann ich nicht mehr erinnern…

  5. Hoffentlich hat diese Altersgruppe überhaupt noch eine Lobby. Da sie die Geimpften nicht mehr anstecken können wird kaum einer wegen ein paar Long Covid erkrankter Kindere Luftfilter anschaffen wollen. Dabei wäre es so sinnvoll gewesen auch für die Zukunft. Ich persönlich glaube, dass die Pandemie ein Problem der Zukunft bleiben wird. Regelmäßiges Impfen wird genauso zum Alltag gehören wie der halbjährige Zahnarztbesuch. Aber die Gesellschaft denkt leider sehr kurzfristig. Was juckt mich morgen, wenn es ein Heute gibt.

  6. Hat man mal über den begriff „Kinder als frühwarnsystem“ nachgedacht??? Ich bin ja fast vom Stuhl gefallen! Das ist doch wohl das Allerletzte!!! Sind Kinder jetzt ein weiteres Experiment, um all das zu rechtfertigen, was politisch gewollt ist? Mir fehlen die Worte…

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