Entrechtete Lehrer: Wie der eingeschränkte Grundrechtschutz von Beamten auf die Arbeitsbedingungen in der Schule wirkt

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BERLIN. Die Corona-Krise hat bei vielen Lehrerinnen und Lehrern Ohnmachtsgefühle ausgelöst. Sie mussten sich Entscheidungen der Kultusministerien beugen, die erkennbar nicht am Gesundheitsschutz von Schülern und Lehrkräften ausgerichtet waren. So galt die „SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung“ des Bundesarbeitsministeriums für Kitas und Schulen ausdrücklich nicht. Dass der Staat mit seinem pädagogischen Personal so umgehen konnte, hat Gründe. Ein wesentlicher: das Beamtenrecht. Eine Lehrkraft aus Hessen, die ungenannt bleiben möchte, beleuchtet im folgenden Beitrag, wie weit die Einschränkungen im Grundrechtsschutz von verbeamteten Lehrkräften geht. Teil drei des dreiteiligen Beitrags: die Auswirkungen des eingeschränkten Grundrechtschutzes auf die Arbeitsbedingungen der verbeamteten Lehrerinnen und Lehrer.

Lehrkräfte können sich zum Zustand der Schule kaum offen in der Öffentlichkeit äußern. Foto: Shutterstock

Die Auswirkungen des eingeschränkten Grundrechtschutzes auf die Arbeitsbedingungen der verbeamteten Lehrerinnen und Lehrer

Wie aber wirkt sich die Einschränkung ihrer Grundrechte in der Praxis heute auf viele Lehrerinnen und Lehrer aus?

Während Abordnungen und sogar Versetzungen von den betreffenden Lehrerinnen und Lehrern zwar meist nicht gerade mit Begeisterung, aber doch recht stoisch hingenommen werden, steckt der Teufel der Grundrechtschutzeinschränkungen im Detail, d. h. in den einzelnen, für Nicht-Insider oftmals überhaupt nicht sichtbaren, Aspekten des höchst vielschichtigen Lehrerberufs.

Kein Streikrecht führt zu katastrophalen Arbeitsbedingungen

So hat die Tatsache, dass Lehrerinnen und Lehrer der Streik als das einzig wirklich wirksame Instrument des Arbeitskampfes verwehrt ist, über die vergangenen dreißig Jahre dazu geführt, dass die Arbeitsbedingungen an sehr vielen deutschen Schulen sich derart verschlechtert haben, dass der Lehramtsberuf vermutlich für lange Zeit für Studienanfänger nicht mehr attraktiv sein dürfte.

Wer zunächst einmal eine Idee davon zu gewinnen will, welche politische Macht ein Streikrecht  Lehrerinnen und Lehrern verleihen würde, muss sich nur einmal vor Augen führen, was ein landes- oder gar bundesweiter Lehrer-Streik für unsere Gesellschaft im Allgemeinen und für unsere Wirtschaft im Besonderen bedeuten würde: Nämlich Schulen, die möglicherweise tagelang geschlossen wären und die von hunderttausenden Schülerinnen und Schülern nicht betreten werden könnten, so dass ebenso viele Väter und Mütter nicht ihrer geregelten Arbeit nachgehen könnten! Und zwar ohne dass die Schüler/-innen während dieser Zeit ein Anrecht hätten auf  Wechselunterricht, Digitalunterricht oder gar Notbetreuung.

Man darf wohl annehmen, dass angesichts derartiger Szenarien sowohl die Eltern als auch deren Arbeitgeber den Lehrer/innen dabei helfen würden, die verantwortlichen Politiker so unter Druck zu setzen, dass diese sich ernsthaft, und damit meine ich ernsthaft lösungsorientiert, mit den Problemen an der Basis auseinandersetzen müssten. Dann nämlich könnte kein Politiker mehr darüber hinwegsehen, dass sowohl Lehrer als auch Schüler an unseren Schulen mittlerweile oft katastrophalen Verhältnissen ausgesetzt sind, was nur noch durch eine sehr nachhaltige Verbesserung der Arbeitsbedingungen wieder positiv verändert werden kann.

Aufgrund des Streikverbots für Lehrer aber können und konnten sich die entsprechenden Politiker jahrzehntelang bequem zurücklehnen und die alarmierenden Zustände, die das deutsche Schulsystem mittlerweile vielerorts nahe an den Zusammenbruch geführt haben, mehr oder weniger ignorieren.

Dass sogenannte Überlastungsanzeigen (als die einzige den verbeamteten Lehrerinnen und Lehrern erlaubte Form, auf ihre katastrophalen Arbeitsbedingungen hinzuweisen) die (Bildungs-)Politiker aller Bundesländer in den meisten Fällen sehr wenig berühren, dürfte mithin allen Leser/innen dieser Seite bekannt geworden sein.

Zu dem Streikverbot gesellt sich für verbeamtete Lehrer außerdem die oben bereits erwähnte Verpflichtung zur Amtsverschwiegenheit, was dazu führt, dass Lehrer sich hinsichtlich ihrer Arbeitsbedingungen nicht gegenüber den Medien äußern dürfen.

Auf dieser Grundlage, also weil sich die Lehrerinnen und Lehrer an der Basis des deutschen Schulsystems in Bezug auf ihre Arbeitsbedingungen, bei aller noch so dringlichen Notwendigkeit, nicht auf wirksame Weise bei den verantwortlichen Politikern Gehör verschaffen dürfen, konnte es geschehen, dass die Republik in den derzeitigen Bildungsnotstand geraten ist, aus dem sie auch so schnell nicht mehr heraus gelangen dürfte.

Eingeschränkte Meinungsfreiheit führt in die Orientierungslosigkeit

Das deutsche Schulsystem wurde während des vergangenen Jahrzehnts einem Paradigmenwechsel unterworfen, bei dem es darum ging, den traditionellen Schwerpunkt, der bis dahin auf den in den Lehrplänen festgelegten, althergebrachten Wissensinhalten gelegen hatte, zu sogenannten „Bildungsstandards“ und „Kompetenzorientierungen“ hin zu verlagern.

Was uns Lehrkräften zu Beginn keine so große Sache zu sein schien, entpuppt sich mittlerweile als eine stille Zersetzung unseres altehrwürdigen, auf humanistischem Gedankengut basierenden Wissens- und Wertekanons und damit natürlich auch unseres althergebrachten Lehrerberufsbildes als dem Träger und Vermittler eben dieser humanistischen Gedanken und Leitbilder.

Für uns Lehrkräfte ist dies umso fataler, als dass uns mit der Zersetzung des humanistischen Weltbildes, das innerhalb der alten Lehrpläne noch seinen unverrückbaren Platz hatte, die einzige reale und allgemein verbindliche ethische Grundlage verloren geht, auf die wir verbeamteten Lehrkräfte uns – trotz unseres Neutralitätsgebots – bei der Arbeit mit unseren Schülerinnen und Schülern jederzeit berufen durften, und zwar sowohl in erzieherischer als auch in moralischer und philosophischer Hinsicht. [13]

Die Politik, die es niemals versäumt, Schulen mit immer neuen Vorschriften und Verordnungen zu überhäufen, hat es bis heute nicht fertig gebracht, uns Lehrerinnen und Lehrern brauchbare und vor allen Dingen allgemein verbindliche ethische Leitlinien an die Hand zu geben, und zwar abseits von meist zusammenhangslos hingeworfenen, politisch korrekten Phrasen, die selbst junge Schüler  bereits als hohl und wenig überzeugend zu entlarven pflegen.

Lutz Bernhard , stellvertretender Chefredakteur der „Frankfurter Neuen Presse“, bringt in einem Artikel das Versagen der Politik in Bezug auf unser Bildungssystem treffsicher auf den Punkt:

„Was ist nur los an Hessens Schulen? … Die Überlastungsanzeigen folgen ganz konkret auf das Ausufern des Aufgabenspektrums der Lehrer. … Die größte Last ergibt sich … aus den Mammutaufgaben Integration und Inklusion. Hier wurden – zu Recht – gesellschaftspolitische Ansprüche formuliert. Aber … am Ende wird eine ehemals gut gemeinte Sache dann zum Brandsatz, wenn an der Basis keiner weiß, wie es denn gehen soll.

Weil Wunsch und Realität nicht zusammenpassen. Weil auf halber Strecke dann doch der politische Mut fehlt, sich mit der Praxis wirklich auseinanderzusetzen. … Es fehlen Leitlinien, die verbindlich regeln, wie genau beispielsweise Inklusion und Integration pädagogisch und organisatorisch umgesetzt werden sollen. Es fehlt vor allem aber die Bereitschaft seitens der Politik, sich ideologiefrei mit den Problemen an der Basis zu beschäftigen. Durch die Überlastung unserer Schulen pflanzt sich das Politikversagen in tausenden Schülerbiografien fort – und wird damit zum Nährboden für Demagogen.[14]

Die katastrophale Vorhersage, die Lutz Bernhard in seinem abschließenden Satz trifft und die sich an allen deutschen Schulen bereits zu vollziehen im Gange ist, könnte möglicherweise noch abgewandt werden, wenn es der Politik gelänge, das oben beschriebene ethische Vakuum wieder zu füllen mit Inhalten, die für alle Beteiligten nicht nur eine formale äußere, sondern auch eine inhaltliche innere Gültigkeit besäßen. Dazu jedoch wäre ein Sprung in eine alle Religionen und Ideologien umfassende Dimension notwendig, für den ich allerdings derzeit in keinem der politischen bzw. gesellschaftlichen Lager, und schon gar nicht der religiösen, irgendwelche Ansätze sehe.

Die Würde des Menschen geht unter im Chaos an unseren Schulen

Zwar mag es trotz der jeden gesunden Menschenverstand abschnürenden Beamtenknebeln vielen einzelnen Lehrerinnen und Lehrern noch gelingen, ihren Schülerinnen und Schülern kraft ihrer echten, inneren Menschlichkeit ein überzeugendes Leitbild vorzuleben und sich auf diese Weise bei ihren Schützlingen immerhin einigen Respekt zu erhalten. Aber je geringer der Spielraum dieser Lehrerinnen und Lehrer wird durch die wachsende Flut von Verordnungen von hoher und höchster Stelle und je weniger Zeit und Raum ihnen auf diese Weise für echte pädagogische Arbeit und Beziehungsbildung bleiben, desto geringer wird ihr Einfluss auf ihre Schülerinnen und Schüler werden, und desto stärker werden sie ihre Schülerinnen und Schüler dem heranbrandenden Chaos und der Orientierungslosigkeit, unter denen unser gesamtes Schulsystem mittlerweile hin und her wankt wie ein leckes Schiff im Sturm, anheimfallen lassen müssen.

Dass diesem Chaos aber als erstes die Würde des Menschen zum Opfer fallen wird, zeichnet sich an unseren Schulen bereits auf massive Weise ab: Aktuelle Studien zeigen, dass verbale und tätliche Angriffe auf Lehrerinnen und Lehrer, und natürlich auch auf Schülerinnen und Schüler, täglich an deutschen Schulen stattfinden, wobei sich die betroffenen Lehrerinnen und Lehrer gegen diese Übergriffe in sehr vielen Fällen nicht wehren können, weil sie an ihren Schulen nicht über wirksame Möglichkeiten zu pädagogischen Maßnahmen verfügen.[15]

Wenn aber die Lehrerinnen und Lehrer nicht mehr in der Lage sind, ihre eigene Würde im Klassenzimmer zu schützen, dann können sie auch nicht mehr die Würde der schwächeren unter ihren Schülerinnen und Schülern schützen vor den Angriffen der  aggressiven Mobber und gewalttätigen Krakeler: Es ist ein offenes Geheimnis, dass es meist die freundlichen, sanften, sozial oftmals hochkompetenten und meist lern- und arbeitswilligen Schülerinnen und Schüler sind, die bei fehlender Durchsetzungskraft ihrer Lehrerkraft ihren aggressiven und destruktiven Klassenkameraden zum Opfer fallen, so wie diesen am Ende der gesamte Unterricht zum Opfer fällt.

Das staatliche (Schul-)System, welches es zulässt, dass seine Lehrerinnen und Lehrer als Repräsentanten der im Grundgesetz verankerten staatlichen Gewalt nicht mehr dazu in der Lage sind, die Würde ihrer Schützlinge zu schützen, weil sie sich selbst gegen die täglichen Angriffe aus den Reihen ihrer eigenen Schülerinnen und Schüler nicht mehr wirksam zur Wehr setzen können, missachtet somit die Würde derer, die seinem besonderen Gewaltverhältnis unterworfen sind: Nämlich die Würde der Lehrerinnen und Lehrer sowie die ihrer Schülerinnen und Schüler.

Es ist die tägliche und schreckliche Verletzung des Grundrechts auf die menschliche Würde, die mittlerweile so viele Lehrerinnen und Lehrer an deutschen Schulen verzweifeln und krank werden lässt.

Der Preis für ihre Planungssicherheit nimmt heute für viele Beamten selbstzerstörerische Züge an

Die meisten von uns Lehrerinnen und Lehrern aus der Baby-Boomer-Generation, die die Eltern der jetzigen angehenden Referendare und Referendarinnen sein könnten, sind in den Beamtenstatus hineingeschlittert, ohne dass wir uns allzu viele Gedanken darum gemacht hätten, welche grundlegenden Menschenrechte wir dafür aufgeben würden, einzig und allein aus dem Grunde, dass wir, wie ich es bereits oben erwähnt habe, nach unseren oft viele Jahre dauernden Zeitarbeits-Odysseen zu fast allem bereit waren, um Planungssicherheit zu erlangen.

Unseren Preis für diese damals so heiß ersehnte Sicherheit haben wir dann in den vergangenen zwanzig Jahren bezahlen müssen: Keine Möglichkeit, sich gegen beständig schlechter werdende Arbeitsbedingungen zu wehren, keine Möglichkeit, eigene Ideen und Überlegungen zu deren Verbesserung einzubringen, keine Möglichkeit, sich über das Versagen von Schule und Schulpolitik in angemessener Form äußern zu dürfen in der Öffentlichkeit. Keine Möglichkeit, angesichts dieser Umstände unsere innere Würde zu bewahren – denn ein Lehrer, der täglich erleben muss, wie er die Schwachen nicht mehr angemessen schützen kann, weil er selbst keinen Schutz mehr besitzt, verliert mit der Zeit jegliche Selbstachtung. Keine Möglichkeit, seine körperliche und seine seelische Gesundheit zu bewahren – in keinem anderen Beruf gibt es mehr Menschen, die wegen schwerer psychischer Erkrankungen vorzeitig ihren Dienst beenden müssen als im Lehrerberuf. Keine Möglichkeit, rechtzeitig zu kündigen und sich umschulen zu lassen – denn der Beamtenstatus ist auf „lebenslänglich“ angelegt und bestraft all jene sehr schwer, die nach einigen Jahren merken, dass sie den hohen Preis, nämlich ihre Würde, nicht mehr zu zahlen bereit sind und die sich deshalb dazu entschließen, eine andere Berufslaufbahn zu ergreifen. News4teachers

[13] „§ 68 Politische Betätigung:

(1) Der Beamte hat bei Ausübung seines Rechts auf politische Betätigung diejenige Mäßigung und Zurückhaltung zu wahren, die sich aus seiner Stellung gegenüber der Gesamtheit und aus der Rücksicht auf die Pflichten seines Amts ergeben.

(2) Beamte haben sich im Dienst politisch, weltanschaulich und religiös neutral zu verhalten. Insbesondere dürfen sie Kleidungsstücke, Symbole oder andere Merkmale nicht tragen oder verwenden, die objektiv geeignet sind, das Vertrauen in die Neutralität ihrer Amtsführung zu beeinträchtigen oder den politischen, religiösen oder weltanschaulichen Frieden zu gefährden.

Bei der Entscheidung über das Vorliegen der Voraussetzungen nach Satz 1 und 2 ist der christlich und humanistisch geprägten abendländischen Tradition des Landes Hessen angemessen Rechnung zu tragen.“ (§68 HBG)

[14] http://www.fnp.de/nachrichten/meinung-der-redaktion/Schulpolitik-Ein-gesellschaftlicher-Stoerfall;art743,2936680

[15] https://www.sueddeutsche.de/bildung/umfrage-zu-gewalt-an-jeder-vierten-schule-werden-lehrer-taetlich-angegriffen-1.3964176

Entrechtete Lehrer: Wie das Beamtengesetz den Grundrechtsschutz seiner Staatsdiener einschränkt

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48 KOMMENTARE

  1. Mit vielen Einschränkungen der Würde haben wir uns abgefunden, haben gelernt damit umzugehen, das Beste draus zu machen – um der Schüler willen und weil wir den Beruf ja nicht aus einer Laune heraus ergriffen haben.
    Uns wird vermittelt, es sei eben so und nicht zu ändern, man droht mit Disziplinarverfahren – und das nicht wegen Dingen, die man als „Dienstvergehen“ nachvollziehen könnte, wegen Dingen, die auch in anderen Berufen zum Rauswurf führen wie Sexuelle Belästigung, Diebstahl, Körperverletzung etc., sondern wegen beispielsweise dem Ansinnen, mit einem höheren Dienstvorgesetzten bezüglich eines sachlichen Missstandes Kontakt aufnehmen zu wollen, um Abhilfe zu suchen…
    Die Würde wird verletzt, wenn Stellen gestrichen werden, wenn Unterricht nicht mehr geregelt stattfinden, nicht mehr den Bedürfnissen der Schüler angepasst werden kann, wenn man einem Kind vermitteln muss, dass keine Zeit ist, dass wir die Anforderungen nicht machen, wenn wir Eltern und Schülern nicht sagen dürfen, dass wir sehr wohl wissen, dass viele Kinder total überfordert sind, dennoch aber durch das System geschleust werden, um das „Image“ der Schule (vordergründig) nicht zu gefährden.
    Das alles hat nichts mit Würde, nichts mit meinem pädagogischen Verständnis und meinem Berufsethos zu tun.

    Aktuell sehe ich die Würde der Lehrer und Schüler jedoch in ganz neuer Dimension gefährdet:
    Wir sind gezwungen, Kinder in gesundheitsgefährdende Situationen zu zwingen. Wir müssen ihnen die Schulpräsenzpflicht vermitteln, sie im Zweifel durchsetzen, Verstöße verfolgen, wohl wissend, dass weder Schüler noch Lehrer nicht geschützt werden können, dass nicht mal wir selbst uns schützen können, dass es keine Luftfilter gibt, keine Impfungen, dass alle wie die Heringe nebeneinandersitzen müssen mit der Aussicht, im Zweifelsfall in der heißen Jahreszeit Wochen in Quarantäne zu verbringen. Wir Lehrer wissen, dass einige Schüler gerade unter dieser Aussicht besonders leiden, wissen sie doch, dass ihre Wohnverhältnisse nicht „quarantänetauglich“ sind, dass sie es kaum aushalten würden, nicht raus zu dürfen.
    Als Lehrer lebe ich in dem Dilemma, zwar meinem Dienstherrn (wenn auch nicht unwidersprochen) gehorcht zu haben, die Kinder in die Schule gezwungen zu haben, sie damit aber Infektionsgefahren auszusetzen, die ich nicht kontrollieren kann, die mein Arbeitgeber/der Träger der Schule aus unerfindlichen Gründen nicht zu verändern gedenkt.
    Im Zweifel fühle ich mich mitverantwortlich dafür, wenn in Familien (im besten Fall nur) Ängste, womöglich aufgrund der familiären und Wohnsituation aber unhaltbare Zustände ausgelöst werden, im schlimmsten Fall Todesfälle vorkommen.
    Gleichzeitig wird berichtet, dass unser Innenminister Firmen nicht erlaubt, von der Vorgabe abzuweichen, Homeoffice wo immer möglich anbieten zu müssen! Die Pandemie sei ja nicht vorbei!
    Ja, eben! Die Pandemie ist nicht vorbei! Sie wird noch lange nicht vorbei sein!
    Wir Lehrer sind sogar gezwungen, zu ihrer Verlängerung beizutragen.
    Die Tatsache, vom Arbeitgeber Staat zum Werkzeug dieses Vorgehens gemacht zu werden, geht m.E. weit über das Ausmaß hinaus, das vor Grundgesetz und Charta der Menschenrechte/Charta der Grundrechte der Europäischen Union als „Dienstpflicht“ verkauft werden dürfte!
    Aber vielleicht habe ich da als nicht juristisch ausgebildete Person einfach nur Illusionen…

    Ich würde als letztes und geringstes Mittel, in der Pandemie ein bisschen Würde der Lehrer und der Schüler und ihrer Familien zu wahren, doch von meinem Dienstherrn erwarten, dass die Präsenzpflicht aufgehoben würde! Damit hätten Eltern und Schulen ein Minimum an Freiheit, angepasste Modelle unter bestmöglicher Wahrung der Würde des Einzelnen zu ersinnen.
    Auf die Weise würde der Dienstherr zwar nicht seiner Fürsorgepflicht nachkommen (denn das ist die Kehrseite, die Pflicht, die aus dem Beamtentum und auch dem Angestelltenverhältnis zwischen Lehrer und Staat erwächst), dieser aber auch nicht aktiv und m.E. grundrechtswidrig im Wege stehen.

    Allein die Tatsache, dass wir hier nicht mit unseren Klarnamen schreiben (uns trauen zu schreiben), sagt viel aus!
    Allein die Tatsache, dass wir jederzeit mit Sanktionen rechnen, wenn wir unserem Recht und unserer Pflicht zu remonstrieren nachkommen, sagt viel aus!

    All das wirkt auch auf unsere Arbeit, auf die Schule, auf die Schüler.
    Das dürfte nicht sein!!
    Das ist dem Umgang mit Kindern unwürdig.
    Besonders schlimm: Wir verlieren die Festigkeit unserer Person, unserer Position, auch unseres Amtes, den Rückhalt unserer Dienststellen – werden angreifbar auf so vielen Ebenen, für so viele Beteiligte und eigentlich Unbeteiligte, dass Meinugen und Kräfte Einfluss gewinnen können, die in einer zur Neutralität, Gerechtigkeit und Offenheit gegenüber Persönlichkeit und Kulturen, Religionen und Weltanschauungen aufgerufenen Insitution wie der Schule nichts zu suchen haben!

  2. „Es ist ein offenes Geheimnis, dass es meist die freundlichen, sanften, sozial oftmals hochkompetenten und meist lern- und arbeitswilligen Schülerinnen und Schüler sind, die bei fehlender Durchsetzungskraft ihrer Lehrerkraft ihren aggressiven und destruktiven Klassenkameraden zum Opfer fallen, so wie diesen am Ende der gesamte Unterricht zum Opfer fällt.“

    Dieser Aussage kann ich mal zustimmen, aber was das wieder mit dem Beamtenstatus zu tun hat, ist mir schleierhaft, sprich bei den angestellten Lehrern ist alles dieses anders? Die können sich besser durchsetzen, weil sie angestellt sind und deshalb gibt es bei angestellten Lehrern kein Mobbing?

    Diese Artikelserie (3) ist von einer verbeamteten Lehrerin für verbeamtete Lehrer geschrieben und hat nicht im Geringsten darauf geachtet, was hat wirklich mit dem Beamtentum URSÄCHLICH zu tun und was sind einfach Arbeitsbedingungen an unseren Schulen infolge … (aber nicht infolge Verbeamtung !!).

    Komisch nur, dass fast alle ostdeutschen Bundesländer in den letzten Jahren zur Verbeamtung zurückgekehrt sind, weil sie sonst keine Lehrer mehr finden würden (glaubten sie zumindest).

    • Ganz einfache Erklärung.

      Das Beamtenverhältnis beinhaltet natürlich einige Vorteile.
      Ohne diese Vorteile wird es extrem unattraktiv sich den Mist an zu tun.
      – Eltern die grundsätzlich ALLES auf die Schule abwälzen wollen.
      – Technische Ausstattung wie kurz nach dem 2. Weltkrieg.
      – Gebäude im Zustand russischer Gulags
      – Reformen von Leuten die von Schule genau so wenig Ahnung haben wie sie, gute Frau. Völlig sinnlos aber sehr arbeitsintensiv.
      – Immer neue Verschlechterungen bei Bezahlung (Nullrunden dank Schuldenbremse), Versorgung (Zuzahlungspauschalen in der Krankenversicherung), Mehrarbeit die unter der Hand einfach mal so vorausgesetzt wird.
      – Immer schwierigere Schüler die laut ihren Eltern einfach nur hochbegabt sind.

      Dazu eine schlechtere Bezahlung als in der Wirtschaft. Die Lehrer wären ja nicht Hilfsarbeiter oder Harz 4 Empfänger wenn sie nicht Lehrer wären. Wir haben Studiert. Wenn jeder beliebige Besserwisser und Nörgler Lehrer werden könnte, dann wären ja auch Sie qualifiziert.

      Hubs, haben wir da des Pudels Kern gefunden.
      Neid?
      Oder Groll weil in der eigenen Schulzeit die Hochbegabung auch verkannt wurde??

      • Seltsamer Kommentar: Nörgler nennt Nörgler Nörgler? Das bin nicht ich, der in 3 Artikeln das Beamtentum schlechtredet, obwohl fast alle es haben wollen.

        Man scheint hier wohl nach außen den Eindruck erwecken zu wollen, Leute, seid nicht neidisch auf all die Annehmlichkeiten, die die Beamten haben, „in Wirklichkeit“ geht es ihnen ganz schlecht und sie sind bemitleidenswert.

        Die „ganz einfache Erklärung“ ist also schlichtweg keine. Genau wie die Artikel pauschalisiert sie unzulässig und übertreibt maßlos. Vieles wird genannt, was in der Realität nie so abläuft. Will man potenzielle Beamtenanwärter verschrecken? Nein, ich glaube, darum geht es nicht. Man will, ich sagte es schon, Ungerechtigkeitsgefühle anderer „hinwegreden“ (REDEN) !

        • Honigkuchenpferd: An der Stelle sollte doch mal gefragt werden: Warum setzt der Staat bzw. die Bundesländer darauf Lehrkräfte zu verbeamten? Welcher Vorteil ergibt sich daraus? Man kann doch alle Lehrkräfte anstellen, dann müssten wir nicht mehr unsere „großen Vorteile“ des Berufsbeamtentums wegreden. Für mich ist die Antwort klar.

          • Ich erlaube mir mal zu antworten, Elfe, wenn Sie die Diskussionen um die Verbeamtung der Lehrer in den letzten Jahren verfolgt haben/hätten, dann wüssten Sie, dass das nicht etwas ist, was der Staat, wie Sie jetzt suggerieren, den Lehrern „antut“ um seines eigenen Vorteils willen, sondern was Lehrer und einige Lehrerverbände massiv gefordert haben/fordern, weil angeblich NUR SO der Lehrermangel beseitigt werden kann, sprich weil man nur so die Lehrerberuf attraktiv halten und die Abwanderung von Lehrkräften in andere Bundesländer aufhalten könne. In Berlin drohten gewisse Lehrer sogar damit, nach Brandenburg abzuwandern, wenn sie nicht endlich verbeamtet werden (scheint aber auch ein Sturm im Wasserglas gewesen zu sein).

            Komisch, dass das Beamtentum so attraktiv sein soll, wenn es das doch gar nicht ist, wie uns manche hier weismachen wollen.

          • Die Länder setzen deswegen auf die Verbeamtung, weil sie so heute keine Sozialabgaben abführen müssen. Würden sie die Lehrer anstellen, müßten sie Rentenbeiträge etc. abführen. So gesehen ist der verbeamtete Lehrer für den Dienstherren heute billiger zu haben als jeder angestellte.
            Das Problem ist das Morgen. Denn morgen geht der angestellte Lehrer in Rente und fällt damit aus dem Personalhaushalt raus. Der verbeamtete Lehrer geht außer Deinst, bekommt aber weiterhin seine Pensionsbezüge, steht also bis zu seinem Tod im Personalhaushalt der Länder als ausgabenposten.

            Jetzt könnte man argumentieren, daß es trotzdem für das Land langfristig sinnvoller wäre die Lehrer anzustellen statt zu verbeamten. Aber so langfristig denkt kein Politiker. Politiker denken nur in Legislaturperioden. Die verbeamteten Lehrer eröffnen dem Politiker heute mehr finanziellen Handlungsspielraum, weil die Pensionsrücklagen regelmäßig (seit den 1950ern) nicht wirklich zurückgestellt sondern im aktuellen Haushalt für Wahlgeschenke ausgegeben werden. Wenn der verbeamtete Pensionär dann miorgen die Kosten verursacht, ist der aktuelle Politiker schon lange nicht mehr im Amt und hat sich von dem Geld der Pensionsrückstellungen ein Denkmal in Form eines Schwimmbads etc. hingestellt.

          • @ Elfe: Versuchen Sie jetzt etwa, den Spieß umzudrehen und den Eindruck zu erwecken, der Staat/die Bundesländer wollten unbedingt den Beamtenstatus für die Lehrer? Nee, ne?! Das ist doch nicht Ihr Ernst! Umgekehrt wird nämlich ein Schuh draus. Die meisten Lehrer wollen unbedingt den Beamtenstatus und lassen sich damit dahin locken, wo es ihn noch bzw. wieder gibt.

          • Genau, gute Frage! Die Antwort: Weil das Ganze dann sehr viel teurer würde und Angestellte sich wehren können und nicht wie Sklaven alles tun müssen, was in das schwarze Loch ’nicht sichtbare Arbeitszeit‘ (nicht auf dem Tennisplatz!!) gestopft wird! Verbeamtete Lehrer haben keine Jobbeschreibung, daher scheitern sie auch vor Gericht: Wo kein Maßstab, da keine Maßstabsverletzung, auch wenn der gesunde Menschenverstand längst sagen würde: das kann doch nicht wahr sein!
            Übrigens: In Schleswig-Holstein hat man dieses Experiment gemacht – und ist reumütig zum Beamtentum für Lehrer zurückgekehrt …

          • Es sind aber gar nicht DIE BUNDESLÄNDER; die die Lehrer verbeamten WOLLEN; es sind die Lehrer, die verbeamtet werden wollen. Das ist der Punkt.

            Vor allem die eher linken Parteien wie SPD, Grüne und Linke wollen oder wollten kein Beamtentum mehr für Lehrer. Es wurde in Berlin 2005 abgeschafft. Nur angesichts des Lehrermangels ist die SPD (intern heftig umstritten) wieder zum Beamtentum zurückgekehrt, sie konnte sich nur nicht durchsetzen gegen Grüne und Linke und das nehmen ihr viele Lehrer(verbände) übel.

            Ähnlich ist es in anderen ostdeutschen Bundesländern gelaufen. Es wurde schon darauf hingewiesen. @Chris, Sie verdrehen die Tatsachen!

        • „… was in der Realität nie so abläuft.“ Kennen Sie die Realität an einer normalen Schule? Sicher, vom Hörensagen. Ich kenne die Realität aus fast 40 Berufsjahren und ich kann Ihnen sagen, die vielen Beispiele aus den Schulen sind Realität. Sicher nicht an allen Schulen ist es so, aber glauben Sie bitte nicht, dass alle Schulen so aussehen, wie die Beispiele, die medienwirksam von Politikern besucht werden.

        • Liebes Honigkuchenpferd, ich weiß nicht, in welcher Mission Sie hier unterwegs sind, aber diese „Die Beamt*innen wollen ihre Privilegien kleinreden, obwohl es ihnen in Wirklichkeit doch total super und so viel besser geht als allen anderen“-Nummer ist ein bisschen sehr penetrant. Die Schilderungen gehen an der Realität vorbei? Nein, gehen sie nicht. Und die Vorteile des Beamtentums verkommen spätestens dann zur Farce, wenn die Nachteile entwürdigend und gesundheitsgefährdend sind. Und das sind sie. Seit Corona massiv, aber auch vorher schon. Ja, das gilt unterm Strich auch für Angestellte. Mit weniger Privilegien. Aber das kann doch kein Argument dafür sein, dass verbeamtete Lehrkräfte nicht mehr ihr Leid klagen dürfen. Sie haben alles Recht (na ja, noch nicht mal…) und allen Grund dazu. Sie wissen schon: Two wrongs don‘t make a right und so. Ihr permanenter Feldzug gegen Beamt*innen riecht nach biographiebedingter persönlicher Agenda, sorry. Ich bin nicht verbeamtet, werde es nie werden und bin glücklicher als je zuvor, dass das so ist und ich mir das auch leisten kann. Ich habe es schon einmal geschrieben, und Sie haben es auch gelesen: Im Moment kriechen alle auf dem Zahnfleisch, und meine Solidarität gilt nicht weniger denjenigen, die zwar im Gegensatz zu mir eine sehr gut Pension bekommen werden, die davon aber auch nicht viel haben, wenn ihre Gesundheit in späteren Jahren total runtergerockt ist im Gegensatz zu meiner. Und diese Prognose wage ich mit inbrünstiger Überzeugung: Die aktuellen Arbeitsbedingungen werden eine erstaunliche Quote an frühen Burnouts produzieren. Und alle, die‘s betreffen wird, können sich dann ein Ei auf ihre Planungssicherheit pellen. Hätten sie sich aber nicht ausmalen können, als sie den Pakt mit dem Teufel aka MSB eingegangen sind. Also hören Sie doch bitte auf damit, das Märchen von den Beamt*innen, denen es aufgrund ihrer Privilegien ach so gut geht, weiter zu forcieren. Es geht ihnen nicht gut. Punkt.

          • Entschuldigung, Kai Loebbert, das ist doch Quatsch. Ich sehe es auch so, dass die Beamten zahlreiche Privilegien haben, vor allem auch finanziell, und auf hohem Niveau jammern über Nachteile, die größtenteils nur empfunden, aber nicht real sind. Ich glaube, die Beamten sollten mal arbeiten wie Otto Normalverbraucher, damit sie das verstehen!!!!!!!!!!!!

        • @Honigkuchenpferd

          Meine Güte!

          – ja, wir verdienen als verbeamtete Lehrkräfte recht viel
          – ja, vollständige Lohnfortzahlung im Krankheitsfall
          – ja, mit Glück und rechtzeitig angefang hohe Pension

          Aber hier wird m.E. darüber gemeckert, gemotzt, geklagt, gemimimit, gemumumut, weil wir NICHTS für Ihre Kinder – verdammt noch eins! – erreichen können.

          Damit auch nicht für die Kinder Ihrer Kinder, für die Gesellschaft und die Wirtschaft (was mich persönlich am wenigsten davon stört).

          Wissen Sie, wie entmutigend und frustrierend das ist?!

          Ja, ich bin verbeamtet – ich genieße viele Vorteile – aber ein schlechtes, defizitäres, konzeptloses Schulsystem schönreden zu müssen, das sich allein durch Mangelverwaltung, dauerhafte Überlastung durch Schwachsinnsaufgaben und chronische personelle Unterbesetzung im Sinne einer guten Schulbildung (hä) auszeichnet, gehört(e) nicht zu meinem Plan.

          Auf die Fragen meiner Schüler:innen zum Thema Politik in, bei und während der Coronabekämpfung (hä) darf ich nicht antworten, soll sie aber dazu bringen, offen und ehrlich ihre Meinung zu vertreten!

          Das passt was nicht zusammen – gemerkt?

    • Ja, das Kündigungsrecht ist der entscheidende Unterschied. Sechs Wochen zum Quartalsende und ich bin als Tarifbeschäftigter raus. Danach drei Monate Sperrfrist und anschließend ALGI (altersgemäß 24 Monate). Die Auswirkungen auf die Rente sind im Gegensatz zu beamteten Lehrkräften zu vernachlässigen.

      Der Punkt Arbeitszeiterfassung ist abgesehen von der Lehrereingruppierungsordnung der entscheidende Knackpunkt im Verhältnis von Kollegien und Ministerien. Der Punkt hat vor dem Hintergrund des EuGH-Urteiles gewaltige Sprengkraft und sorgt in naher Zukunft dafür, dass es in den Schulministerien gehörig knallen wird. Dauerhaft lässt sich das Thema Arbeitszeiterfassung nämlich nicht mehr aussitzen.

      • Ich kenne nur Lehrer-Arbeitsverträge, die eine Kündigung während des Schuljahres ausschließen. Nun kenne ich allerdings nicht alle Verträge. Notfalls kann man sich aber krankmelden. Beamte machen das ja auch gerne, denn sie wissen, sie bekommen ihr Gehalt unbegrenzt weitergezahlt und nicht nur 6 Wochen wie Angestellte.

        In den anderen 2 Artikeln wurde schon geschrieben, dass der Arbeitgeberanteil für ehemalige Beamte nachgezahlt wird und sie den Arbeitnehmeranteil selbst nachzahlen können. Ungerecht? Nein, denn wie bereits geschrieben wurde, haben sie den ja ausgezahlt bekommen mit ihrem Netto, da sie nicht in die Rentenkasse einzahlen.

        Und es soll doch soooo viele tolle Möglichkeiten geben, außerhalb des Bildungswesens Fuß zu fassen und noch besser zu verdienen. Also, nur zu!

        • „Aus der auf dem Lebenszeitgrundsatz beruhenden Alimentationsverpflichtung nach Art. 33 Absatz 5 GG folgt, dass der Dienstherr die Altersversorgung zu tragen hat. Von der allgemeinen gesetzlichen Sozialversicherungspflicht sind Beamte deswegen befreit.

          Stattdessen sind im System der Beamtenbesoldung und -versorgung seit den 50er-Jahren die Pensionen wirtschaftlich betrachtet auch aus einbehaltenen, lediglich nicht förmlich ausgewiesenen Gehaltsbestandteilen aufgebaut. Dies bedeutet, dass bei der Bemessung der Besoldung der aktiven Beamten der spätere Versorgungsanspruch bereits berücksichtigt ist. „

          • @Elfe, was ja letztlich auch nur bedeutet, dass das Gehalt der Beamten-Lehrer in Wirklich noch höher ist als „ausgewiesen“, weil ja noch die Pensionsanteile dazukommen. Warum ist dann aber ihr Netto auch noch deutlich höher als das der angestellten Lehrer? Dann ist ja der „Betrug“ noch viel größer!

        • In meinem vertrag gibt es keine Kündigungsklausel von Seiten des AN – und deshalb gilt die gesetzliche. Btw was will mein AG denn machen, wenn ich einfach nicht mehr zur Schule komme? – Mich rauswerfen? – Super, dann entfällt die dreimonatige Sperrfrist.

          Warum sind Sie jetzt nicht auf den Zündstoff eingegangen, die sich aus dem Punkt Arbeitszeiterfassung und angemesene Vergütung der MAV ergibt?

        • „Ich kenne nur Lehrer-Arbeitsverträge, die eine Kündigung während des Schuljahres ausschließen.“

          Warum sollte man solche Extrawürste durchgehen lassen, wenn man seine Angestellten wie ein normales Unternehmen anstellen und eben nicht verbeamten möchte? Wird doch immer gerne argumentiert mit der „Privatwirtschaft“ (und warum Lehrer nicht verbeamtet werden sollten), aber „privatwirtschaftliche“ Kündigungsfristen sind dann wohl doch zu privatwirtschaftlich? Ich würde mal sagen, dass man dieses cherry picking getrost ignorieren kann.

        • @Honigkuchepferd

          Und nun mal bitte darüber nachdenken, warum Lehrkräfte (mit und ohne Verbeamtung) rauswollen!

          Und mal gucken, in welcher Schulart das überwiegend der Fall ist.

          Vielleicht wird Ihnen dann manches klarer.

  3. Also ich erlebe die Ungleichbehandlung schon seit Jahren. Schließlich gilt für verbeamtete Lehrer in NRW die Arbeitszeitverordnung – AZVO nicht (siehe §1, Absatz 2, 3). Begründet wird das damit, daß man den Lehrern nicht verbieten will auch noch um Mitternacht Klausuren zu korrigieren.

    Ergebnis für mich am Berufskolleg: Ich habe morgens die Vollzeitschüler & Azubis vor der Nase und abends zusätzlich noch das Abendgymnasium. Wenn man dann am nächsten Morgen wieder zur 1. Stunde antreten muß, was regelmäßig der Fall ist, komme ich auf 10.30 Stunden Nachtruhe, obwohl mindestens 11 Stunden vorgeschrieben sind. Setzt die Schulleitung dann in der Mittagspause nach der 8. Stunde noch eine Konferenz an, überschreite ich auch regelmäßig die maximal zulässige Arbeitszeit von 10 Stunden. Dann werden es eher 12-13 Stunden.

    Ich rede jetzt nicht von Unterrichtsvor- und -nachbereitung, die ich mir frei einteilen kann. Ich rede ausschließlich von Unterrichtsstunden, die gemäß Einsatzplan zu halten sind.

    Bei so einem Pensum hat man zwar seine wöchentlichen Unterrichtsverpflichtungen nach bereits 3 Tagen erfüllt und dabei sogar noch überstunden aufgebaut. Aber ich muß zugeben, daß es mir am dritten Tag eines solchen Marathons schon passiert ist, daß ich vor einer Klasse auf dem Pult eingepennt bin. 🙁

  4. Ich bin selbst verbeamteter Lehrer und nehme die angesprochene Problematik ebenfalls war und diese löst bei mir enorme Wut aus. Noch mehr Wut löst allerdings das ungeheure „Duckertum“ von Kolleginnen und Kollegen aus. Denn faktisch passiert erst einmal gar nichts, wenn mann sich kritisch äußerst oder auch einmal vehement Konter gibt. Im Zweifelsfall erstmal eine eventuelle Ermahnung oder kleine Einträge in die Akte. Ich war vorher in der freien Wirtschaft, wo man ggf. tatsächlich um seinen Job fürchten musste, wenn man den Mund aufgemacht hat und es auch da geschafft. Denn ich bin der Meinung, dass genau da das „Vorleben“ anfängt. Ich finde es beängstigend, dass eine große Mehrheit der Lehrerinnen und Lehrer sich entweder so sehr in ihrer „angeordneten“ Angepasdtheit ausruhen oder offenbar eine so paranoide Angst vor Nachteilen oder Auseinandersetzung haben, dass man ein Rückradt nur vermuten kann. Also vielleicht sollte man auch da einmal drüber nachdenken, neben dem sicher auch berechtigen Jammern, in das ich sonst such gerne einstimme.

    • Das sehe ich genauso. Die meisten Lehrerkollegien sind eine träge Masse an braven Schafen. Selbst gegenüber der eigenen Schulleitung wird nicht der Mund aufgemacht, sondern alles hingenommen. Ist ja der Vorgesetzte, dem muss man gehorchen. Diese tumbe, obrigkeitshörige Unterordnung von gestandenen, fachkompetenten Menschen kann mich zur Weißglut bringen.

    • Ein Kollege,
      das empfinde ich als Außenstehender ähnlich. Erzählungen meiner Frau und anderer Lehrer ergaben, dass in Lehrerzimmern geschimpft und getobt wird und große Reden geschwungen werden, auf den Lehrerversammlungen aber alle wieder zu servilen Teppichvorlegern werden.
      In der Wirtschaft gibt es mehr offenen Streit und weniger Duckmäusertum, denn wenn es knallt, wird eine neue Stelle gesucht.
      Das wird als Lehrer schwierig. Aber warum sollte ein Lehrer bei berechtigter Kritik Probleme bekommen? Dazu müsste der Chef doch eine richtige Pfeife sein und von Mitarbeiterführung keinen Schimmer haben. Ich weiß nicht, wovor Lehrer Angst haben.
      Gibt es Mobbing, ab zum Anwalt und Anzeige. Auch Lehrer haben Rechte. Man gibt seine Persönlichkeitsrechte doch nicht an der Tür zum Beamtentum ab.
      Was leben Lehrer, die solche Duckmäuser sind, denn den Schülern vor? Das ist doch eine Farce, wenn solche Windeier im Unterricht von Zivilcourage und Widerstand reden.

      • Wird nach fünf oder sieben Jahren aus der Akte entfernt – Zeit für neue Untaten!

        Das Schreiben wurde ordnungsgemäß übergeben, der Empfang mit Stolz bescheinigt.

        Nicht so schön earen die Sanktionen, die so „nebenbei“ aus „organisatorischen“ Gründen „leider“ nicht anders zu machen waren. Drei Jahre schlimmster Stundenplan e v e r. Drei Jahre schlimmste Klassen „Sie kriegen das ja immer gut hin!“, Wegnahme der eigenen (gut eingespielten) Klasse…..

        Das nur am Rande, aber es zeigt sehr deutlich, was da alles „geht“ und gemacht wird, um Aufmüpfige zur Raison zu bringen.

        • Bei Sanktionen von Kleingeistern wird auch der motivierteste Mitarbeiter kleinlich. Dieser hartnäckige Schnupfen, diese falschen Excel Sheets. Als langjähriger freier Wirtschaftler weiß ich, dass nichts einer Firma mehr schadet als Mitarbeiter, die gemobbt oder sanktioniert werden. Sind Sie hochqualifiziert, haben Sie im Technik Bereich Narrenfreiheit.
          Ich habe in meinem ersten Job gelernt, wie man auf Psychopathen in Führungspositionen reagiert. Gleiches mit Gleichem vergelten.
          Lieber Riesenzwerg, Sie verstehen, was ich meine? 🙂

  5. @anonym
    Genau so ist es!
    Leider nicht selten, sondern oft!
    Auch die große Pause hat man schon öfters in einer kurzfristig angesetzten Kurzkonferenz ( 2 Min. vor Unterrichtsende, über Lautsprecher!) gerne, mit großem Gedränge im viel zu kleinem Lehrerzimmer verbringen dürfen, um frisch eingetroffenen Änderungen vom KM zu lauschen, welche natürlich auch sofort umgesetzt werden müssen!
    Dies hat sich gottseidank in letzter Zeit wesentlich verbessert!

    • Und das, liebe KARIN, soll nur die verbeamteten Lehrer betreffen? Weil die angestellten Lehrer dem nicht Folge leisten müssen und mal eben so trotzdem ihr Päuschen machen?

      Es geht hier um die angeblichen Nachteile des Beamtentums für Lehrer. Der besteht dann z.B. darin, dass während einer großen Pause eine Dienstberatung abgehalten wird (damit sie nicht nach Unterrichtsschluss abgehalten werden muss, hm, auch wieder nicht richtig, auch wieder jemand unzufrieden). Und die angestellten Lehrer sind davon nicht betroffen?!?

      • @ Schuppentier20
        Wer sagt hier, dass ich Beamtin bin?
        Ich habe nur auf die Aussage von @anonym reagiert!
        Auch die angestellten Lehrer finden sich dort brav ein!
        Also, was soll dieser Angriff?

  6. @Honigkuchenpferd: Ehrlich gesagt, ich verstehe nicht, warum Sie sich so aufregen. Denn:
    1. In dem Artikel finde ich für meinen Teil nichts, das sachlich falsch wäre.
    2. Tatsache ist, dass der Beamtenstatus Vor- und Nachteile mit sich bringt und dass das Angestelltenverhältnis Vor- und Nachteile mit sich bringt.
    3. Die Entscheidung, ob man für sich selbst die Vor- und Nachteile des Beamtenstatus oder eines Angestelltenverhältnisses wählt, sollte der/die Betreffende von seiner/ihrer persönlichen Situation bzw. von der eigenen Persönlichkeit abhängig machen können. Dazu ist es aber zunächst einmal unabdingbar, dass die/der Betreffende alle Vor- und alle Nachteile sowohl des Beamtenstatus als auch des Angestelltenverhältnisses wirklich kennt.
    4. Während anscheinend die Nachteile eines Angestelltenverhältnisses jedem geläufig zu sein scheinen, werden die Nachteile des Beamtenstatus offenbar weder in den Universitätsseminaren für Lehramtsstudenten noch an den Studienseminaren für Referendare in ausreichend ausführlicher Weise thematisiert.
    5. Da ich persönlich es für außerordentlich wichtig halte, dass junge Menschen beide Seiten einer Medaille genau kennen, bevor sie eine wichtige Entscheidung für ihr Leben treffen, bin ich dem Autor, wie gesagt, dankbar für seinen Artikel.
    Seine Absicht, junge Menschen zu informieren über eine derart essentielle Entscheidungsgrundlage bezüglich ihres Werdegangs zu informieren, halte ich für durchaus ehrenwert.

    • Also ich kenne nur einen Vorteil des Lehrerberufs im Angestelltenverhältnis: das Recht, jederzeit zu kündigen. Im Übrigen hat das ein Beamter auch, er kann nicht gezwungen werden, aber er will natürlch seine Beamtenansprüche nicht schmälern.
      Nennen Sie mir mehr Vorteile der Angestellten… Nettogehalt? Rente? Aufstiegsmöglichkeiten? Allein die Berufsbezeichnung (LAss) ist schon ein Affront.

    • „Während anscheinend die Nachteile eines Angestelltenverhältnisses jedem geläufig zu sein scheinen, werden die Nachteile des Beamtenstatus offenbar weder in den Universitätsseminaren für Lehramtsstudenten noch an den Studienseminaren für Referendare in ausreichend ausführlicher Weise thematisiert.“

      …und das sollte auch so bleiben, denn in einem Studium geht es um die fachliche Ausbildung. Ehrlich gesagt, ein angehender Lehrer (oder Ingenieur oder Arzt oder oder oder), der es nicht eigenständig hinbekommt einen eigenen Gedanken in Gang zu setzen und sich selbstständig zu informieren, der hat es nicht verdient Akademiker genannt zu werden.

  7. Das waren meine Gedanken gestern, die ich einem Freund und (verbeamteten) Kollegen habe zukommen lassen. Denn ich glaube, dass sich seit ungefähr 1 Jahr wirklich zeigt, was der Eid bedeutet – und das zeigt sich auch in dem Artikel, der dem einen oder anderen sicher zu einseitig vorkommt. Bisher habe ich eigentlich selten genug Grund zum „Jammern“ gehabt, weil ich den Beruf bisher wirklich mochte und die Einschränkungen, die damit einher gehen, gerne in Kauf genommen habe. Aber seit Corona wurde eben auch das Ausmaß klarer, also…
    ich habe deine Mail an Frau Gebauer gelesen. Ob sie es auch tun wird – wer weiß. Und wenn, dann wirst du sicher salbungsvoll auf irgendwas hingewiesen. Was mich so fassungslos macht und gemacht hat, ist, dass ich natürlich wusste, was es bedeutet verbeamtet UND im Schuldienst zu sein. Nicht erst seit Corona. Das flackerte über die Jahre davor ja auch immer mal auf. Womit ich aber nicht gerechnet habe, ist, dass das Staatsdienertum bis zum Erbrechen ausgenutzt worden ist und immer noch wird. Und man das Gefühl vermittelt bekommt, dass andere – ebenfalls im Staatsdienst – diese Tatsache, dass man sich unterzuordnen hat, mehr als ausgereizt haben und immer noch mehr dazu kommt und im Gegenzug (außer Forderungen und Anordnungen) nichts unternommen worden ist, mich als Menschen und Bürgerin zu schützen – vor allem in der Phase seit Ostern, und dies mit Bildungsgerechtigkeit, Schulen sind sicher, Lehrer*innen sind geimpft usw. zu begründen – und das parteiunabhängig. Hinter dem Rücken aller Beteiligten sind Vereinbarungen und Festgeschriebenes gebrochen worden, Gesetze durchgedrückt worden, die noch mehr in die winzige Anzahl von Grundrechten Verbeamteter eingreifen (ich lass mir wahrscheinlich deswegen noch ein Tattoo machen, sobald das wieder möglich ist). Das Ausmaß dessen, was man mal als Eid gelobt hat, zeigt sich mir seit geraumer Zeit – vor allem das, was eine Landesregierung daraus macht und machen kann. Daraus ergibt sich für mich leider ein Bild, dass zwar gefordert wird, aber nichts im Gegenzug kommt. Mit schon vorher nervigen Anweisungen, deren Sinn sich auch im Nachhinein nicht erschloss, lebt und arbeitet man ja schon lange – die Liste ist endlos. Aber das hat man irgendwie gewuppt. Aber jetzt vor Augen geführt zu bekommen, dass der Gesundheitsschutz oder irgendeine andere Art von Schutz vom Land gar nicht gewollt zu sein scheint – das verstört mich zutiefst, vor allem, wenn man Fehler über Fehler auch aus dem vergangenen Jahr damit ausbügeln und ausbaden muss, da sämtliche Warnungen und Empfehlungen ignoriert worden sind. Und auch die Schülerschaft badet das aus und wird mit ihren Sorgen nicht ernst genommen – bleiben ein Experiment. Das macht mich nicht nur wütend, sondern hat zu einem echten Vertrauensverlust geführt – und politisch hat mich vieles schon vorher nicht mehr wirklich überrascht. Aber was die Landesregierung im Zuge des Wahlkampfes veranstaltet und damit bewusst die Gesundheit vieler aufs Spiel setzt, das macht mich sprachlos und das bedeutet nicht, dass ich mich politisch verabschiedet hätte, dafür habe ich viel zu viel Angst vor rechten Tendenzen. Aber was eine (Landes-) Regierung an Krisenbewältigung in einer Pandemie geleistet hat, ist fast unterirdisch und von einer Hybris gekennzeichnet, die ich so nicht für möglich gehalten hätte. Und das Schlimme ist, dass ich aus der Richtung auch nichts mehr erwarte, was mich zur Abwechslung mal positiv überraschen könnte. Und das ist das eigentlich Traurige…

    • gilmore girl- Zustimmung. Durch die Pandemie ist nochmal Einiges deutlich geworden. Und ja so’n Tattoo sollte schon drin sein. Hatte noch nie Probleme damit (Arme fast vollständig und ein Bein). Bunt geht immer und politisch korrekt.

  8. @ Schuppentier20
    Wer sagt hier, dass ich Beamtin bin?
    Ich habe nur auf die Aussage von @anonym reagiert!
    Auch die angestellten Lehrer finden sich dort brav ein!
    Also, was soll dieser Angriff?

    • @KARIN, Sie stimmten @ anonym zu („Genau so ist es!“). @ anonym klagte aus der Sicht eines verbeamteten Lehrers über die zu hohe Arbeitsbelastung. Ich verwies darauf, dass das nichts mit dem Beamtentum zu tun hat, was Thema dieser Artikelserie ist.

  9. Sag mir, dass du nicht verstanden hast was Kompetenzorientierung bedeutet, ohne mir zu sagen, dass du nicht verstanden hast, was kompetenzorientierung bedeutet: „Bildungsstandards und Kompetenzorientierung zersetzen das humanistische Bildungsideal!“

  10. Das Beamtenrecht als solches stammt aus dem Kaiserreich und in Teilen – oft in den länderrechtlichen Versionen – nicht selten aus noch früheren Zeiten. Novellierungen in Anpassung an das Grundgesetz oder die Verfassungen der Länder haben nicht vollumfänglich stattgefunden. Das ist ähnlich, wie mit Gesetzen z. B. zur rechtlichen Gleichstellung der Geschlechter im Bürgerlichen Gesetzbuch, die ebenso erst nach und nach an das Grundgesetz angepasst wurden bzw. werden. Wenn man die Sache genau betrachtet, handelt der Staat an seinen Bürgerinnen und Bürgern spätestens seit Gründung der Bundesrepublik widersprüchlich – und auch an seinen Dienenden.

  11. Ich bin froh, verbeamtete Lehrerin zu sein mit all den damit verbundenen Vorteilen und ich weiß, dass meine Gewerkschaft, die Bildungsgewerkschaft GEW unseren Anliegen sehr wohl Öffentlichkeit und Gehör verschafft. Als Mutter von 3 erwachsenen Kindern, als Großmutter von inzwischen 5 schulpflichtigen EnkelInnen in 2 Bundesländern und als Lehrerin weiß ich allerdings inzwischen zur Genüge, wie langsam die Mühlen in der Schule mahlen und wie viel von der gerade herrschenden Politik und Ideologie der Landesregierung abhängt.

    • Wie war das mit der GEW? Ich bin Mitglied und war noch nie so enttäuscht von dem „Verein“ wie im vergangenen Jahr. Viel Bla-Bla und Stellungnahmen, aber nichts, was KuK oder SuS irgendwie hätte helfen können! Als „alter Knochen“ mit vielen Kindern (wenn ich die Zahl nenne, könnte ich meinen Klarnamen verwenden) und schon fast so vielen Enkeln, kann ich durchaus mitreden…
      Ich denke die Mühlen mahlen nicht langsam, sondern werden vorsätzlich gebremst, wobei die Kultusministerien oft sandigen Kies, anstatt Getreide einschütten.

  12. Ich verstehe die Welt nicht mehr. Als ich Beamter wurde, wusste ich genau, worauf ich damit eingelassen habe, ich habe das damit verbundene Dienstherrenprinzip und die althergebrachten Grundsätze des Berufsbeamtentums akzeptiert.
    Für mich stellt sich aber immer noch die Frage, ob Lehrer:innen überhaupt verbeamtet werden müssen. Meine Antwort ist hier eindeutig, Lehrer:innen müssen keine Beamten:innen sein. Damit würde sich auch die leidige Diskussion über die Beiträge zur den gesetzlichen Sozialversicherungen erübrigen. Ich habe für mich entschieden, dass das Berufsbeamtentum abgeschafft werden muss. Hätte auch den Vorteil, dass Mitarbeiter:innen auch entlassen werden könnten.

  13. @ kalkspatz, Sie schreiben weiter oben: „die Beamten sollten mal so arbeiten wie Otto Normalverbraucher“…

    Zum einen lade ich Sie gerne ein, eine Woche mit mir „Schule“ zu machen, mit wirklich allem, was dazugehört – und frage Sie dann nochmals nach Ihrer Meinung über Arbeit in einer Schule.

    Zweitens sind die wenigstens von uns Lehrern von Vaters Tischtuch direkt und mit viel Geld ausgestattet ins Beamtentum gebeamt worden.
    Ein ehrliches Beispiel wie es bei mir lief: Nach dem Abi erst Bundeswehr 18 Monate mit Krankenpflegeausbildung, noch ein Jahr bis zum (zivilen) Examen drangehängt. Im Krankenhaus als Pfleger bis Studienplatz verfügbar war. Im Studium: Arbeiten als Wäscher in der Krankenhauswäscherei, Fensterputzer, immer wieder einige Wochen LKW-Fernverkehr für eine blaue Cola-Marke(oft Handabladung, sogar in Birstein bei der Brauerei), dann neben dem Studium her, meist ab Mittags Homeservice-Getränkefahrer für Bier und andere Getränke, alles in Glasflaschen (Beispiel: 80 Kasten Cola für Karateklub im 5. Stock, ohne Lift, zwei 12 er Kästen links, 2 rechts hochtragen, mit Leergut wieder runter und so…), aber auch als Reiseleiter für Busreisen und als Hauslehrer. Dann, nach dem Studium, bekam man als Lehrer (auch mit einer 1 vor dem , in der Prüfung nicht gleich eine Stelle: 3 Jahre Warteliste. Ich hatte schon Frau und 2 Kinder, war aber trotzdem kein Härtefall für schnellere Einstellung. Als Krankenpfleger fand ich keine Stelle, also weitergesucht und dann Arbeit in einer Chemiefabrik. Fässer und anderes schwere Zeug von Hand und mit Sackkarren transportieren , giftige, brennbare und explosive Chemikalien abfüllen (10,72DM nicht Euro, also heute wären das rund 5,30€ die Stunde), weil‘s Geld nicht gereicht hat mit anderen Jobs am Abend weitergemacht. im letzten Wartejahr dann 1/2 Jahr als Flaschenputzer bei einem Mineralbrunnen Flaschen geputzt. Was nicht in der Maschine sauber wird, vergipste, verölte, verteerte und von Baustellen dreckige Flaschen werden dort von Hand freigekratzt und innen ausgeschruppt, meist mit Salpetersäure. In den letzten beiden Monaten dann dort als Staplerfahrer, wo ich mit Überstunden mehr verdiente als drei Monate später als Lehrer. Sicher habe ich manches vergessen, aber sonst stimmt alles
    Ist das @kalkspatz genug „richtiges Arbeiten“ für Sie? Mann, Sie und die meisten, die eine solche Meinung von sich geben, haben echt keine Ahnung!

  14. Sehr schön. Typisch Lehrer hier. Was war nochmal das Thema? Ach egal, hauen wir aufeinander drauf.
    DAS ist es, was „oben“ gewünscht wird. Kann man ja schon bei Marx&Engels nachlesen. Oder in noch älteren Schriften. Wir wären schon viel weiter, wenn wir mal zusammenhalten würden und nicht immer gucken würden, welchem Kollegen es grad mal einen Millimeter besser geht.

    Es liegt definitiv nicht daran, dass viele verbeamtet sind. Ich bin es nicht. Hätte es gern werden wollen und war in MV zu alt mit grad mal 45 Jahren.

    Was an Schlimmem passiert, baden nicht nur die Beamten aus. Die sehen das regelmäßig so, aber letztlich trifft es uns alle.

    Allerdings Angst vorm Rauswurf muss doch kaum noch einer haben. Mal ehrlich. Bei dem Personalmangel?! Da macht ihr Euch was vor. Und wie lange es dauert, wegen Alkoholmissbrauch, unentschuldigtem Fehlen, Nichtschreiben von Zeugnissen und Dokumentationen, verbummeln von Schulschlüsseln, Verletzung von Aufsichtspflicht etc. gekündigt zu werden – das glaubt ihr nicht. Ich habs mit ansehen müssen. (Die Kündigung ist noch immer nicht erfolgt).

  15. Ich wäre ja schon froh, wenn wenigstens die letzte der verbliebenden Toilettenspülungen im Lehrerklo funktionieren würde, aber selbst das funktioniert nicht.

  16. Als verbeamteter Lehrer verlierst du doch keine Grundrechte! #wtf
    Ob Gewalt zunimmt, dazu hätte ich gerne mal ’ne geschrite Studie, ansonsten versuche ich das mal unter gefühlte Realität.
    Wer als Lehrer*in ethische/moralische Leitlinien haben möchte, evtl sogar von der Politik schaue sich mal um,…. aufgeregtes Populistengebrabbel aller Orten. Von korrupten egozentrischen Politikern benötigt es definitiv keine Tipps was Moral und Integrität angeht.Das die Welt scheinbar komplizierter ist als im kalten Krieg steht ausser Frage, und dass sich Lehrkräfte besser P ä d a g o g e n mit einer sich verändernden Gesellschaft aktiv auseinandersetzen müssen gehört zur Betufsbeschreibung. Ich habe selten soviel Jammerte auf einmal gelesen. Extrem gruselig!

  17. Tatsächlich viel Gejammer! Die Welt steht nun mal nicht still. Jeder hat die Möglichkeit mit zu gestalten. Allerdings habe ich das Gefühl, dass hier wenig Struktur in der Argumentation vorhanden ist, alles Querbeet: Politik…Grundrechte…Gewalt…Ethik…Pädagogik…Lehrer… Beamtentum…Schüler?
    Bin auch Beamtin, allerdings nicht im Lehramt. Doch gibt es im Beamtentum m. E. keine großen Unterschiede. Man muss nicht alles akzeptieren, man darf auch Kritik üben und jeder Beamte hat ein Remonstrationsrecht. Es gehört natürlich auch etwas Sachlichkeit und Mut dazu, es auszuüben. Man sollte auf keinen Fall Angst vor einem Karriereknick haben und das ist aus meiner Sicht das eigentliche Problem: lieber kuschen und jammern, als mal den Mund aufzumachen und seine Sicht darzustellen. Gute Führungskräfte werden nicht personifizierte, sachlich vorgetragene Kritik akzeptieren und vielleicht sogar begrüßen.

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