Rabe will Unterricht für alle Schüler öffnen. Mit Abstandsregel und Maskenpflicht

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HAMBURG. Seit gut fünf Monaten dürfen viele Schüler coronabedingt gar nicht mehr in ihre Klassen. Doch das soll nun ein Ende haben – in Hamburg jedenfalls. Bleibt die Sieben-Tage-Inzidenz unter 100, kommt nach den Mai-Ferien die Wende. Es bleibt allerdings beim Wechselunterricht, damit die Abstandsregel eingehalten werden kann, und bei der Maskenpflicht auch im Klassenzimmer. Die Empfehlungen des Robert-Koch-Insituts, die Bildungssenator Rabe (SPD) noch im Herbst als „sehr seltsam“ bezeichnet hatte, sorgten für einen „deutlich sichereren Schulbetrieb“, so stellt seine Bildungsbehörde nun fest.

Kündigt Schulöffnungen an: Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe, Sprecher der SPD-geführten Kultusministerien in Deutschland. Foto: Daniel Reinhardt / Senatskanzlei Hamburg

Hamburgs rot-grüner Senat will die Schulen der Hansestadt nach Ende der Mai-Ferien wieder für alle Schüler öffnen. Schülerinnen und Schüler aller Altersstufen sollen vom 17. Mai an im Wechselunterricht in die Schule dürfen. Voraussetzung sei jedoch, dass die Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen fünf Werktage hintereinander unter 100 bleibe, teilte die Schulbehörde im Anschluss an eine Sondersitzung des Senats mit.

Bereits Ende April hatte die Hansestadt angekündigt, dass Hamburgs Fünft- und Sechstklässler nach den Mai-Ferien wieder im Wechselunterricht in die Schulen dürfen. Begründet wurde das damit, dass mit Beginn der Abiturprüfungen Spielraum für eine weitere vorsichtige Öffnung sei.

Seit Mitte März sind bereits die Grund- und Sonderschüler sowie die Abschlussklassen der weiterführenden Schulen im Wechselunterricht. Das heißt, dass die Schülerinnen und Schüler die Hälfte aller Unterrichtsstunden in einer halbierten Klassengruppe in der Schule lernen, die andere Hälfte zu Hause im Distanzunterricht. Der neue Öffnungsschritt soll nun ausdrücklich auch für die Jahrgangsstufen gelten, die bislang vom Präsenzunterricht ausgeschlossen waren.

„Gleichzeitig stellt diese Veränderung die Schulen und besonders die Schulleitungen jetzt vor große Aufgaben“

Derzeit dürfen nach Angaben der Schulbehörde rund 60 Prozent der
rund 200 000 Schüler der allgemeinbildenden Schulen im Wechselunterricht lernen, rund 40 Prozent lernen dagegen ausschließlich zu Hause. «Ich freue mich, dass wir die jetzt entstehenden Spielräume nutzen und Präsenzunterricht für alle Schülerinnen und Schüler in allen Jahrgangsstufen ermöglichen können», sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD).

Gerade jüngere Schülerinnen und Schüler seien auf die Begleitung und Anleitung durch Lehrkräfte und Pädagogen angewiesen und brauchten die Schule «als Ort des sozialen Lernens, als Begegnungsstätte mit Gleichaltrigen und als Struktur für ihren Tagesrhythmus», betonte Rabe. „Die voraussichtliche Öffnung der Schulen für alle Jahrgangsstufen ist für die Eltern und Kinder sowie für die Schulen eine gute Nachricht, die große Erleichterung in vielen Familien auslösen wird. Gleichzeitig stellt diese Veränderung die Schulen und besonders die Schulleitungen jetzt vor große Aufgaben. Denn natürlich ist es für die Planung nicht einfach, dass sich diese positive gesundheitliche Entwicklung ausgerechnet in den Ferien vollzieht und dadurch die Planung des Wechselunterrichts für die Zeit ab Montag, 17. Mai, für die Schulen nicht leicht ist.“

Mit Ausnahme der Grundschulen und Abschlussklassen hätten Kinder und Jugendliche seit März letzten Jahres fast ein dreiviertel Jahr lang keinen Unterricht in der Schule gehabt und in den letzten fünf Monaten nicht mehr in der Schule lernen können. Rabe: „Ich freue mich, dass wir die jetzt entstehenden Spielräume nutzen und Präsenzunterricht für alle Schülerinnen und Schüler in allen Jahrgangsstufen ermöglichen können.“

Die voraussichtliche Öffnung der Schulen würde bedeuten, dass neben den Jahrgangsstufen 5 und 6 ab dem 17. Mai 2021 auch die Jahrgangsstufen 7, 8, 11 und 12 an den Stadtteilschulen und 7, 8, 9 und 11 an den Gymnasien in den Wechselunterricht an die Schulen zurückgeholt werden können. Damit hätten die Schülerinnen und Schüler aller Jahrgänge in den letzten Wochen vor den Sommerferien die Chance, wieder an Präsenzangeboten in Schule teilnehmen zu können. Zurzeit dürfen rund 60 Prozent der 200.000 Schülerinnen Schüler der allgemeinbildenden Schulen im Wechselunterricht in der Schule lernen, rund 40 Prozent lernen dagegen ausschließlich zu Hause.

Der Wechselunterricht wird auch weiterhin so organisiert, dass die Hälfte aller Unterrichtsstunden in der Schule erteilt wird. Kinder und Eltern können das neue Angebot wahrnehmen, sind dazu aber nicht verpflichtet. Denn die Präsenzpflicht bleibt weiterhin aufgehoben. Wenn Eltern beispielsweise aufgrund erheblicher gesundheitlicher Risiken im Familienkreis Bedenken gegen den Wechselunterricht haben, können ihre Kinder auch weiterhin im reinen Distanzunterricht zu Hause lernen. «Die Erfahrungen zeigen allerdings, dass weniger als zwei Prozent aller Eltern von dieser Ausnahmeregelung Gebrauch machen», berichtete die Schulbehörde.

Weiterhin gelten für den Schulbetrieb besondere Sicherheitsregeln. So müssen sich alle Schülerinnen und Schüler zwei Mal pro Woche mit einem Schnelltest selbst testen. Wer den Test verweigert, darf die Schule nicht betreten und lernt im Distanzunterricht zu Hause. Beschäftigte testen sich sogar drei Mal pro Woche.

«Diese und zahlreiche weitere Maßnahmen haben dazu geführt, dass der Schulbetrieb deutlich sicherer geworden ist»

Alle Schulbeteiligten müssen in der Schule durchgängig eine medizinische Maske tragen, die nur in besonderen Ausnahmefällen für kurze Zeit abgenommen werden darf. Durchgängig müssen alle Schulbeteiligten den Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten, diese Regelung gilt auch in den Klassen- und Unterrichtsräumen. Überdies müssten alle Klassen- und Unterrichtsräume alle 20 Minuten für 5 Minuten mittels Stoßlüftung kräftig gelüftet werden, um eine Infektion durch Aerosole zu vermeiden. Die Schulen verfügen zudem über ein eigenes Budget, um weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Lüftung einzuleiten, beispielsweise die Aufstellung der so genannten „CO2-Ampeln“, die bei verbrauchter Luft per Warnton zum Lüften auffordern.

«Diese und zahlreiche weitere Maßnahmen haben dazu geführt, dass der Schulbetrieb deutlich sicherer geworden ist», meint nun die Schulbehörde. Die Regelungen entsprechen den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts für den Schulbetrieb, das ab einem Inzidenzwert von 50 Wechselunterricht in den Schulen und eine Maskenpflicht auch im Unterricht vorsieht. Noch im Oktober hatte Rabe diese Vorgaben als „sehr seltsam“ bezeichnet – und behauptet, dass Schulen auch ohne die Vorgaben ein „sicherer Ort“ seien. „Die Kinder infizieren sich in ihrer Freizeit neun Mal häufiger als in der Schule“, sagte er seinerzeit, ohne die Quelle dieses Befunds anzuführen. Davon ist jetzt keine Rede mehr. News4teachers / mit Material der dpa

Affäre um mutmaßlich vertuschte Studie: Rabe räumt ein, frühzeitig informiert gewesen zu sein – und er verstrickt sich in Unwahrheiten

 

 

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16 KOMMENTARE

  1. Immerhin bleibt er beim Wechselunterricht. Das Bundesgesetz hätte auch Regelbetrieb bei Inzidenz unter 100 zugelassen.

  2. «Diese und zahlreiche weitere Maßnahmen haben dazu geführt, dass der Schulbetrieb deutlich sicherer geworden ist»
    Somit erreichen wir nun auf der gängigen 10er-Skala nach Owl Mirror im alltäglichen Schubetrieb einen Wert von stattlichen 1 oder 2 für die ungeimpften SuS und etwa 3 oder 4 für die ungeimpften LuL.

  3. „Die Schulen verfügen zudem über ein eigenes Budget, um weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Lüftung einzuleiten, beispielsweise“ können sie davon nach eigenem Ermessen Frischluft zukaufen aus Niedriginzidenz-Landkreisen.

    • Frischluft:
      Nach Waldkindergarten kommt sicher bald neben der Waldorfschule die Wal(D)dorfschule, da es die Waldschule historisch betrachtet als Freiluftschule zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor den Toren Berlins bereits gab.

      Campingmobiliar lässt sich leicht transportieren, ist leicht zu reinigen, dazu faltbar und tragbar. Weist hohe Stailität und gute Tragfähigkeit auf und ist gegenüber Luftfiltern variabler einsetzbar.

  4. Sie lernen es nicht. Sobald die Zahlen auch nur ein bisschen sinken, wird sofort wieder genau der gleiche Fehler gemacht wie beim letzten Mal.

    Luftfilter? Fehlanzeige
    Plexiglaswände? Fehlanzeige
    Teststationen mit professionellem Personal? Fehlanzeige

    Es wird genau das gleiche passieren, wie bei den vorangegangenen Versuchen dieser Art. Die Inzidenzen werden steigen, man wird wilde Ausreden suchen und dann erst wieder reagieren, wenn es zu spät ist.

    Dazu kommt, dass die Inzidenzen und deren Grenzen zunehmend ihre Bedeutung ändern, denn je mehr Personen geimpft sind, desto dramatischer werden die Folgen für die Ungeimpften. Eine Inzidenz von 200 bei einem Durchimpfungsgrad von beispielsweise 50% (das werden wir bald erreichen) bedeutet, dass die Inzidenz unter den Geimpften vermutlich unter 10 liegt, während die Ungeimpften (also nahezu alle SuS!) dann bei 400 liegen!

    Man müsste also die Grenze der Bundesnotbremse dem Impffortschritt entsprechend anpassen. Bei 50% Durchimpfung muss sie folglich halbiert werden.

  5. Unbedingt beachten!

    Sollte beim Selbsttest ein plötzlicher ununterdrückbarer Niesreiz auftreten, ist diese Handlungsreihenfolge strikt zu beachten:
    1) Stäbchen aus Nase ziehen.
    2) Maske über Mund und Nase positionieren.
    3) In die Maske niesen.
    4) Aerosole aus der Maske sofort wieder tief inhalieren, um eine Verbreitung im Raum zu reduzieren.

    Keinesfalls sollte mit in der Nase verbliebenem Stäbchen und heruntergezogener Maske geniest werden, da andere Personen durch herumfliegende Stäbchen verletzt werden könnten.

    Nach einem solchen Niesreflex-GAU ist der Raum mit ausreichend Frischluft zu versorgen, z.B. aus zugekauften Volumina aus Australien oder Neuseeland. (vgl. Post oben)

    <<>>

  6. Naja, NRW öffnet für Wechselunterrucht unter der Inzidenz von 165… Wir hätten sicher bei 100 volle Klassen…

    • Das Bundesgesetz schreibt Wechselunterricht ab Inzidenz 100 vor. Im Umkehrschluss bedeutet das Regelunterricht bei Inzidenz unter 100. Diese Regelung wird spätestens ab nach den Sommerferien eingeführt, weil bis dann die meisten Lehrer, die wollen, ihre zweite Impfung haben dürften.

  7. Industrie und Wirtschaftslobbyistin Gebauer wird schon dafür sorgen, dass die Menschen in NRW ans arbeiten kommen. Ganz nach B. Johnsons Motto: da müssen sich schon die Toten auf den Gehwegen stapeln, so das wir nicht mehr durchkommen.

    Wir liegen aktuell bei 164,3 (!) … und der Wechselunterricht soll (falls die Zahlen nicht am Wochenende wieder steigen, *lach) ab kommenden Montag wieder aufgenommen werden.

    Da bei Kultus- und Bildungsministerien nichts hilft, nichts aus der Praxis im Pandemieverlauf ankommt, nichts Wahr genommen wird und wurde, und diese Personen ihre mentale Aufnahme- und Lernresistenz wieder mal (in sachen Aufklärung, Vermittlung von Wissen durch den Beleg von Tatsachen oder den Erfahrungswerten des vorangegangenen Verlaufes der Pandemie) unter beweis stellen, sollte man deren weiter getragenen Wünsche und Vorstellungen der Industrie und Wirtschaft, einfach ignorieren und jegliche Gesetzeslücken ausnutzen um die Familien der Kita- und Schulkinder zu schützen. Und das so lange bis alle eine Schutz durch eine Impfung erhalten haben.

    • „Wir liegen aktuell bei 164,3 (!)“
      Also knapp darunter, weil wieder ein oder zwei positive Testpersonen dann entweder dem Meldetag falsch zugeordnet oder „unklar“ (z. B.Wohnort; Melde- oder Erkrankungsdatum) erst später nachgemeldet (ohne statistische Berücksichtigung) werden.

      Zurückliegende Meldetage heißt die zulässige Zauberformel.
      Genau dieses GA-Spielchen hat bei uns zum Erfolg zu Wechselunterricht ab 10.05. geführt. Positive Ergebnisse des laufenden Tages werden hochgezählt, aber dazu einen Fall auf zwei Tage zuvor angerechnet und drei Fälle dem Vortag zugeordnet. Zufälle gibt es aber auch.

      Und die Mitteilung dazu Samstagvormittag an die Schule und dann dieser Aufwand für drei Tage Wechselunterricht, da Donnerstag ein Feiertag und der Freitag überwiegend als Brückentag genutzt wurde. Hirnlos!

      Wichtiger Hinweis:
      Für die bundesweite „Corona-Notbremse“ ist die Veröffentlichung des RKI unter https://www.rki.de/inzidenzen maßgeblich. Die dortigen Daten berücksichtigen keine Fälle, die die Gesundheitsämter für zurückliegende Meldetage übermitteln und weichen daher von unserer täglich aktualisierten Corona-Meldelage ab. (MAGS-NRW)
      https://www.mags.nrw/coronavirus-fallzahlen-nrw

  8. Die Schulen werden für gute 5 Wochen Unterricht geöffnet, dann sind Sommerferien in Hamburg.
    Gerade bei den Berufsschülern, die sich gut an Onlineunterricht gewöhnt haben, macht das nicht viel Sinn. Außer sie sollen sich noch ordentlich untereinander anstecken. Zum Glück ist die Präsenzpflicht noch aufgehoben für die Schüler.
    Wechselunterricht als Unterricht in Präsenz und der Rest schaut mit Video zu und wird eingebunden, ist sehr anstrengend. Ich habe das in einer Quarantänesituation schon mal kurzfristig und freiwillig gemacht.
    Konferenzen sind in 3 Wochen, danach ist überwiegend die Luft heraus bei den Schülern.
    Die Hoffnung stirbt gerade bei mir, dass wir mal Vorlauf für die Planung haben. Warum muss das am Freitag nach 15 Uhr vor den Ferien angekündigt werden, so dass die Organisation des Wechselunterrichts dann in der unterrichtsfreien Zeit erfolgt.
    Ich hoffe nur, dass die Inzidenz einen Ausrutscher über 100 am Montag oder Dienstag in Hamburg hinlegt, dann ist der Wechselunterricht nämlich erstmal für direkt nach den Ferien vom Tisch.

  9. Tschentscher beklagt sich bitter, dass die Bundesregierung nicht geregelt hätte, wie Genesene ihren Status nachweisen sollen. – Sein Schulsenator lässt die Schulleitungen mal wieder im Regen stehen mit der Holter-die-Polter-Ankündigung. Können die doch sehen, wie sie das jetzt geregelt kriegen. Wat den eenen sin Uhl is den andern sin Nachtigall – heißt es hier so schön. Na, denn man gemeinsam in die Hände gespuckt. Sie kriegen das hin, lieber Bürgermeister wie auch wir zum x-ten Male die kurzfristige Anordnung Ihres Schulsenators umgesetzt bekommen werden. Ach übrigens, wir verzeihen nicht.

  10. Die Schulen sollten endlich wieder öffnen.
    Die Schulen sollten oberste Priorität haben.
    Die Schulen sollten für Bildungsgerechtigkeit sorgen.
    Heute wurde mir wieder berichtet, dass die Kinder nicht zum Infektionsgeschehen beitragen.
    Nur Geschwätz die ganze Zeit.

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