Schopper: „Gendern ist in den Schulen angekommen“, Schüler*innen treiben es voran

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STUTTGART. Das Gendern erhitzt schon länger die Gemüter. Für viele junge Leute ist das Sternchen nicht mehr wegzudenken, andere wenden sich mit Grausen ab. Doch wie wird das in der Schule gehandhabt? Für Baden-Württembergs grüne Kultusministerin ist die Debatte nicht mehr aufzuhalten.

„Diese Diskussion hält man aus Schulen nicht mehr raus“: Baden-Württembergs Kultusministerin Theresa Schopper. Foto: Kultusministerium Baden-Württemberg.

Sollte das Gendersternchen in Klausuren und Klassenarbeiten als Fehler angestrichen werden? Baden-Württembergs Kultusministerin Theresa Schopper wirbt für mehr Gelassenheit bei dem Thema und hält Kulanz für angebracht. Klar sei, dass das amtliche Regelwerk für die deutsche Orthografie in den Schulen verbindlich sei, sagte die Grünen-Politikerin. «Aber niemand ist beim Gendern so hartnäckig wie junge Mädels und auch junge aufgeweckte Jungs. Diese Diskussion hält man aus Schulen nicht mehr raus. Das muss ich natürlich in Schulen diskutieren, vor allem in den Mittel- und Oberstufen.»

Die Grünen-Politikerin hatte im Sommer den Eindruck erweckt, als wolle sie es den Schulen überlassen, ob sie Genderzeichen wie das Sternchen in Aufsätzen und Prüfungen zulassen. Es sei gut, «wenn Lehrkräfte gemeinsam mit ihren Schülerinnen und Schülern eine Schreibweise bezüglich der Sonderformen beim Gendern vereinbaren», hatte Schopper den «Stuttgarter Nachrichten» gesagt. Daran hatte es heftige Kritik gegeben, etwa aus der CDU und dem Philologenverband. CDU-Fraktionschef Manuel Hagel hatte das Kultusministerium aufgefordert, den Schulen verbindliche Vorgaben zu machen.

„Dieser Diskussion wird sich die Schule stellen müssen, weil Schulen ein Spiegelbild der Gesellschaft sind“

Das Kultusministerium stellte nun nochmal klar, die Korrektur von Aufsätzen erfolge auf der Grundlage des amtlichen Regelwerks, für das der Rat für deutsche Rechtschreibung zuständig sei. «Er sieht bisher keine verkürzten Formen zur Kennzeichnung mehrgeschlechtlicher Bezeichnungen vor», erklärte das Ressort, ergänzte aber: «Die Beurteilungs- und Korrekturrichtlinien für die Abschlussprüfungen enthalten keine Aussagen zum Gendern.» Der Rat werde sich im Frühjahr 2022 mit dem Thema befassen.

Schopper sagte, sie selbst halte es eher in der altmodischen Form mit Schülerinnen und Schüler. Aber: «Gendern ist in den Schulen angekommen. Dieser Diskussion wird sich die Schule stellen müssen, weil Schulen ein Spiegelbild der Gesellschaft sind. Für viele Schülerinnen und Schüler ist das täglich Brot, für die ist es schon eingepreist.»

Die Kritik daran hält sie für übertrieben, die Lehrkräfte trieben eh andere Dinge um. «Ich glaube zudem, dass das Thema die Leute in den Schulen ruhig schlafen lässt. Zumindest war die Aufregung dort bedeutend geringer als in manchen Zeitungskolumnen.» Den Pädagogen gingen andere Punkte durch den Kopf, wie die Fragen: Wie komme ich hin mit meinem Stoff? Wie kann ich die Kinder erreichen? Die haben vor allem momentan andere Sorgen.»

Schopper sagte, sie könne grundsätzlich nachvollziehen, wenn jemand skeptisch sei gegenüber dem Gendersternchen. «Was die Schönheit der Sprache angeht, mag es vielleicht für die einen oder anderen komisch klingen. Aber für junge Mädchen, die sagen „Wir werden nie gedacht“, ist es sozusagen ihr Weg.» News4teachers / mit Material der dpa

Keine „Lehrer*innen“: Kultusminister verbietet Gender-Kunstwörter an Schulen

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167 KOMMENTARE

  1. Gendern ist nicht mehr weg zu denken und Frau Schopper macht es im Ausnahmezustand zum Thema. Dieses Thema als Aufhänger in einer Notsituation und andere wichtige Themen wie Rückenwindprogramm, Lernrückstände, Mogelpackungen ohne Inhalt sind für Schopper kein brennendes Thema. Welche Wichtigkeit ist für unsere KM Frau Schopper wichtig zu verfolgen und zu verbessern. Es fehlt an grundlegenden Dingen an Schulen und sicherlich steht für keinen das Gendern auf der Liste an oberste Stelle für Schulleitungen, Lehrer und Schüler.

  2. Denke an manchen Schulen gibt es wirklich andere Probleme. Gerechter Lohn mit A13, Entlastung, Berufsperspektiven, etc.

    Diese Genderdiskussion ist sowieso nur eine Diskussion unter eher linken Minderheiten, die gebetsmühlenartig diese Art zu Sprechen durchsieben wollen. Nach dem Motto „steter Tropfen hölt den Stein und wir wiederholen und ziehen das so lange durch, bis der Rest den Widerstand aufgibt“.

  3. Mein ceterum censeo zu der Debatte:

    Die Kernproblematik in der Debatte um vermeintl. geschlechtergerechte Sprache ist die Ideologisierung und Gefühligkeit derselben.

    Und um das klarzustellen:
    Prinzipiell kann ja im privaten Bereich und der freien Wirtschaft (z.B. bei N4T) jeder machen, was er will. Ungeachtet dessen erachte ich, der ich tendenziell linksliberal bis liberal links bin, vermeintl. geschlechtergerechte Sprache aber nicht als progressiv, sondern im Gegenteil als das Resultat einer essenziell reaktionär-ideologischen Verzerrung von Sprache, die ggü. der Intention einer Zunahme von Gerechtigkeit kontraproduktiv ist und diese konterkariert. Und ja, das ist mein copy & paste-ceterum censo für solche Gelegenheiten:

    Neben grammatischen Argumenten (Genus vs. Sexus; Partizip I etc.) existieren weitere Gründe gg. die Verwendung „geschlechtergerechter“ Sprache, mindestens jedoch gg. den Zwang zur Nutzung derselben: Die historisch-genetische Sprachentwicklung/-geschichte, Semantik, Sprachästhetik, Sprachökonomie (denen dient bps.w auch ihr Bsp. mit den Beispielen… die meisten Varianten vermeintl. geschlechtergerechter Sprache konterkarieren diesen ökonomischen Aspekt aber), Probleme der einschlägigen Forschung zu vmtl. reduzierter ‚Sichtbarkeit‘ dank nicht-inkl. Sprache (d.h. die mangelnde empirische Fundierung des Phänomens),* die Existenz des generischen Femininums, (’natürlicher‘) Sprachwandel vs. präskriptivem Oktroyismus und generell ökonomische Kosten (mehr Zeichen kosten bspw. ggf. mehr Geld) und i.w.S. soziale Kosten** des Letzteren. Die Frage, warum man gendern sollte, ist ja der Knackpunkt. Gendern torpediert den Kommunikationsprozess infolge grammatischer, semantischer und ästhetischer Unzulänglichkeiten einerseits und (sprach-)ökonomischer und sozialer Kosten andererseits. Was bleibt also als Argument für die Nutzung vermeintl. geschlechtergerechter Sprache und insb. als Argument für einen Zwang zu Dgl.?
    M.M.n. nicht viel… nur die mglw. falsch verstandene Rücksichtnahme auf die idiosynkratischen, oft emotional-irrationalen und regelmäßig ideologisch aufgeladenen Befindlichkeiten einiger (lautstarker) weniger. Mithin exponiert das Gendern eher Unterschiede, kann als reaktionär wahrgenommen werden und ist damit dem skizzierten Ziel der Inklusion ggü. kontraproduktiv (hier auch ein Hinweis auf einschlägige Kommentare von Nele Pollatschek).

    Die Problematisierung des generischen Maskulinums als vermeintl. nicht exklusiv wird vom Gros der dt. Sprachanwender berechtigterweise nicht mitgegangen, weil die Problematisierung desselben ein gewisses Mindset, vulgo einen (ideologischen) Bias i.V.m. der Negierung der grammatischen sachlich-faktischen Ebene erfordert und im ausschl. Rekurs auf (mit Rekurs auf die eigene Geschlechtsidentität als Maxim identitätspolitisch motivierte) idiosynkratische Befindlichkeiten funktioniert, die es nicht schaffen, Bedeutung als ‚objektives‘ Problem zu erlangen: Die Proponenten des Genderns posutlieren, dass durch das generische Maskulinum alle Menschen, die keine biologischen Cis-Männer sind, marginalisiert würden. Diese Marginalisierten möchten sprachlich mehr Beachtung finden…

    … diese finden mit dem generischen Maskulinum aber faktisch exakt dieselbe Beachtung, wie alle anderen Menschen auch – das Problem ist mit dem Streben nach „mehr Beachtung“ unbewusst klar benannt. Dass man durch das generische Maskulinum faktisch weniger beachtet würde, wenn man kein Cis-Mann ist, verfängt nicht, so dass hier „mehr“ auch denklogisch nicht eine Angleichung an das Beachtungsniveau meinen kann, sondern im Endeffekt in einer Exponierung von Unterschieden mündet, die – ich wiederhole mich – ggü. dem Anliegen, mehr soziale Gerechtigkeit (die abermals nicht dasselbe ist, wie Gleichberechtigung) zu produzieren, kontraproduktiv ist.

    Das Agitieren gg. das generische Maskulinum wirkt halt im besten Fall linguistisch unsensibel bis uninformiert, für subjektives Empfinden hypersensibilisiert (s. die immer wiederkehrende Verwechslung von Empathie mit Mitgefühl und den Anspruch, mehr oder weniger bedingungslos affirmativ ggü. diesem Empfinden zu sein) u./o. (evtl. auch gruppenbezogen) egozentrisch… oder einfach nur wirr, wie ein Streitgespräch, bei dem A eine eigtl. unmissverständliche Äußerung von B vollkommen verzerrt und falsch als Angriff interpretiert und im Furor einen unbremsbaren Wutanfall bekommt.

    Die Debatte ist damit geprägt von…

    …. (a) einerseits unfundierten Präsuppositionen (vulgo: Ressentiments) über die Intentionen derjenigen, die vermeintl. geschlechtergerechte Sprache ablehnen, bspw. dass die Ablehnung von Gendern in Wahrheit weniger salonfähige Motive (z.B. eine gewisse Minderheitenfeindlichkeit) kuvrieren würde oder dass diese Ablehnung seitens Frauen das Resultat internalisierter Misogynie, gewollter Selbstabwertung o.ä. ihrerseits wäre. Andererseits wird vermeintl. geschlechtergerechte Sprache als bewusst menschenfreundliche Sprache inszeniert, so dass die Ablehnung von Gendern nur noch menschenunfreundlich sein könnte; non sequitur!

    … (b) unfundierten Axiomen (Stichwort: Das Gespenst des Patriarchats) i.V.m. einer idiosynkratischen (und kontrafaktischen) Gefühligkeit (Bsp.: Man fühlt sich vom generischen Maskulinum nicht mitgemeint, marginalisiert, devalviert etc., wo dies alles faktisch nicht der Fall ist). Zum Ausdruck kommt das bspw. in regelmäßigen Bekundungen, dass einige Proponenten des Genderns das generische Maskulinum ja auch als etwas Negatives begreifen, als Ausdrucksform eines ominösen Patriarchats.

    Beides resultiert in einer kontraproduktiven Emotionalisierung der Debatte, denn wer Debatten i.w.S. arbiträren Idiosynkrasien preisgibt, also die Gefühlsebene der Sachebene voranstellt, ja letztere gar verächtlich macht, entkoppelt sie von einer nüchtern-rationalen Perspektive, öffnet sie für subjektive Deutungshoheiten und macht sie letztlich arbiträr. Deshalb ist diese Gefühligkeit auch bereits ohne die ideologische Verzerrung problematisch, bei jedem mehr oder weniger öffentlich diskutierten Thema (bzw. Thema mit sozio-/kulturpolitischer Bedeutung). Ja, das kann man als akademisch-kalte Betrachtungsweise bezeichnen, ich kann da aber nichts erkennen, das negativ wäre, resultiert doch aus dem Geschriebenen, dass diese Betrachtungsweise eben entideologisiert, ohne unfundierte Präsuppositionen, Implikationen, Axiome etc. auskommen soll – das ist nicht menschenunfreundlich, das ist nüchtern. Und mithin: Der Elfenbeinturm ist auf der Gegenseite zu verorten, also dort, wo die Maxime der Primat der (subjektiv empfundenen) Betroffenheit ist und (ideologischer) Bias nicht mehr kritisiert und dekonstruiert wird, sondern valide scheint, auch wenn er im Extremfall nicht mehr von Egozentrismus differenzierbar ist und [un-]bewusst die menschlichen Bedürfnisse aller anderen Menschen ignoriert und nur auf eine gewisse Schnittmenge mit anderen ‚Betroffenen‘ hoffen kann; egal wie die Menschen sich damit fühlen, sie haben gefälligst die Meinung aus dem Elfenbeinturm zu akzeptieren.

    Die Proponenten einer vermeintl. geschlechtergerechten Sprache schaffen es nicht, das generische Maskulinum als valides Problem zu positionieren, weil sie es (aus naheliegenden Gründen) nicht schaffen, allen anderen ihre ideologische Brille überzustülpen. Warum auch sollte man biasbasierten Partikularinteressen entgegenkommen, wenn sich bei nüchterner Betrachtung außerhalb verzerrter Wahrnehmung i.V.m. falschen / fehlerhaften Präsuppositionen, Axiomen und Co. kein Problem ergibt?
    Wenn ich morgen um die Ecke komme und gerne hätte, dass es justiziabel wird, mich nicht mit meinem akademischen Grad anzusprechen, weil ich mich diskriminiert fühle und meinem Ggü. unterstelle, er wolle durch die Vermeidung der Gradnennung mich diskriminieren, dann ist das erstmal mein Problem, das i.d.R. auch nicht in der Welt der Fakten verankert sein wird.
    Das erinnert mich an Theisten, die es nicht verstehen, dass Menschen nicht nicht an ihren Gott glauben oder Kommunisten, die nicht verstehen, dass andere nicht bei ihrem ‚Klassenkampf‘ mitmachen wollen (weil die jeweils anderen die entsprechenden unfundierten Vorannahmen eben nicht mitmachen).

    Es ist schon klar, dass das generische Maskulinum für die Proponenten einer vermeintl. geschlechtergerechten Sprache problematisch ist (und dass man argumentieren könnte, dass es ein Problem ist, dass Menschen mit dem generischen Maskulinum ein Problem haben), aber ich möchte (kontrafaktische) Gefühligkeit, subjektive Deutungshoheiten und Co. ungern zur Maxime meines (und erst recht nicht staatlichen) Handelns machen.
    Sicher, man kann den Standpunkt vertreten, dass man niemandem irgendwie auf den Schlips treten, dass man maximale Konfratationsvermeidung praktizieren möchte (was sich mit dem Beharren auf Gendern natürlich beisst), weil sich ja niemand schlecht fühlen soll etc., egal wie unnachvollziehbar das ausschlaggebende Fühlen ist, ob es bspw. auf Missverständnissen oder komplett falschen Annahmen basiert, reine Ideologie oder komplett arbiträr ist – aber ich nehme ja auch nicht auf religiöse Gefühle von Menschen Rücksicht, den Verschwörungsglauben der Aluhutfraktion o.ä.; warum sollte ich? Ich muss jetzt nicht jeden dem ich begegne in den Grundfesten seiner Selbstwahrnehmung erschüttern, aber prinzipiell sehe ich mich den Idealen der Aufklärung und der Perpetuierung unserer pluralen, säkularen (ja, eine Wunschvorstellung, ich weiß…), freiheitlich-demokratischen Grundordnung, dem Humanismus und der Progression zum Zwecke der Verbesserung der objektiven Lebensumstände der Menschen verpflichtet, da schmerzt dann schon, wenn entsprechender Druck aufgebaut wird, sich doch bitte Irrationalitäten zu beugen.

    Und dass das nichts mit einem immer wieder vorgeworfenen Empathiemangel o.ä. zu tun – ich bin halt nicht Teil einer Echokammer. Warum sollte man eine vermeintl. bessere Alternative für das generische Maskulinum finden wollen bzw. im Zugzwang ggü. den Proponenten einer vermeintl. geschlechtergerechten Sprache sein? Das generische Maskulinum ist bereits de facto inklusiv. Wenn man als Proponent vermeintl. Geschlechtergerechter Sprache das eigene Problem nicht so vermitteln kann, dass es ein gewisses Maß an Intersubjektivierbarkeit erlangt, dann ist das Problem vielleicht gar kein Problem?!

    Im Gegenteil: Trotz unzähliger (redundanter) Versuche ist es den Proponenten des Genderns bislang komplett misslungen, überhaupt irgendwelche Vorteile des Genderns außerhalb eines essenziell reaktionären Ziels oder außerhalb der Psychohygiene von Personen zu skizzieren, die ein irrationales, nicht (über die eigene Blase hinweg) intersubjektivierbares Problem mit dem generischen Maskulinum (auch ganz dezidiert entgegen des faktischen Bedeutungsgehalts desselben) haben (das empirische Fundament des oft postulierten dritten Nutzens, des vermeintl. ‚Sichtbarmachens‘, wird im Folgenden infrage gestellt).

    Und btw: Wenn ich jetzt an aktive Versuche soziopolitischer/-kultureller Sprachgestaltung denke, fällt mir (Abseits von

    Plansprachen und fiktionalen Beispielen eines J. R. R. Tolkien) echt kein Beispiel ein, das in mir nicht fragwürdigste Assoziationen evoziert. Ich finde solche Bestrebungen, insb. wenn dort Zwang (ob direktem oder indirektem) irgendwie das Wort geschrieben/geredet wird, vielmehr sehr erschreckend (sorry für Godwyn, aber ich habe da spontan die Lingua Tertii Imperii, den Sprachgebrauch der KPdSU und – doch ein fiktionales Beispiel – G. Orwells Neusprech im Kopf).

    * Ganz interessant in diesem Zusammenhang: „Im Gegensatz zum Geschlecht der Befragten erwies sich die Einstellung der Befragten zu geschlechtergerechter Sprache als relevante Moderatorvariable [….].: Die Sprachversion hatte primär dann einen Einfluss, wenn die befragte Person eine positive Einstellung besaß. Dieser Befund ist insbesondere deshalb interessant, da er nahelegt, daß Änderungen in der gesellschaftlichen Einstellung zum Gebrauch geschlechtergerechter Sprache bzw. ausschließlich generisch maskuliner Formen zu unterschiedlichen Interpretationen des generischen Maskulinums führen können“ [Stahlberg, Dagmar; Sczesny, Sabine (2001). Effekte des generischen Maskulinums und alternativer Sprachformen auf den gedanklichen Einbezug von Frauen. Psychologische Rundschau, 52, 131-140, hier: S. 138]. Das ist eine Variable, die ich im Gros der einschlägigen Forschung vermisse. Sie demonstrierte, ohne jetzt die m.E. evidenten methodischen Defizite z.B. der Studie insb. hinsichtlich ihrer Operationalisierungen zu diskutieren (Stichwort: Konstruktvalidität) und auch ungeachtet dessen, dass die absoluten Messwerte zwischen den Versuchs- und Kontrollgruppen ggf. zwar statistisch signifikant divergieren, aber wohl kaum einen substanziell signifikanten Unterschied markieren und die Demonstration rein statistisch signifikanter Unterschiede zwischen Versuchs- und Kontrollgruppen ohnehin nicht sehr brauchbar erscheint (was ist bspw. mit den Effektstärken, bevor wir überhaupt beginnen, die Ergebnisse zu interpretieren und diese dann vielleicht sogar zu diskutieren?), das Folgende:
    Das generische Maskulinum wird erst dann zum Problem, wenn wir es zu einem machen… das individuelle Mindset scheint das Problem zu sein.

    Ich habe dafür einen anderen Namen: Bias. Wenn sich eine Person durch Verwendung des generischen Maskulinums per se persönlich verletzt, angegriffen o.ä. fühlt(!), weil sie sich (bspw. dank eines ideologischen Bias, der darin eine Ausdrucksform des Patriarchats sieht) exkludiert fühlt(!), wo diese Exklusion und erst recht eine verletzende, angreifende o.ä. Intention aber de facto nicht existiert (und das generische Maskulinum per definitionem inklusiv ist), ist dieses Fühlen sachlich nicht fundiert, ohne diesen Bias undenkbar. Das zeugt nicht von einem Mangel an Empathie i.e.S. oder der Unfähigkeit zu empathischem Nachvollziehen, dafür muss man sich lediglich denktheoretisch-emotional in die entsprechende Biasperspektive hineindenken. Diesem Empfinden muss und sollte m.E. aber – im Rekurs auf meine Kritik an die Ideologisierung der Debatte –, insb. in einer öffentlichen Debatte / einem öffentlichen Diskurs, u.U. mit Bezug auf eine anonyme Masse (anstatt im direkten, ggf. freundschaftlichen Gespräch), kein Mitgefühl (mit dem Empathie regelmäßig fälschlich synonymisiert wird), keine Affirmation, Sympathie, ja Rücksichtnahme o.ä. evozieren, warum auch? Ich kann mich auch in das Mindset eines Reichsbürgers hineindenken und dessen Gefühle und die biasbasierten Ursachen derselben empathisch Nachvollziehen, Mitgefühl gibt es trotzdem nicht, im Gegenteil.

    Andere Studien haben hier auch keinen Erkenntnisgewinn gebracht, so z.B. die Versuche nachzuweisen, dass das gewnerische Maskulinum nicht generisch wahrgenommen würde… Studien, in denen durchweg die erwähnte Moderatorvariable ignoriert wurde. Bspw. Gygax et al (2008): Generically intended, but specifically interpreted: When beauticians, musicians, and mechanics are all men. In: LANGUAGE AND COGNITIVE PROCESSES 2008, 23 (3), 464-485. Methoden und Ergebnisse:

    „Each participant saw 18 continuations about women, 6 following sentences with a female stereotyped role name, 6 following sentences with a neutral stereotyped role name and 6 following sentences with a male stereotyped role name, and 18 about men. [….] In our experiment each participant saw 12 continuations of each type. Across the experiment, we created six lists to ensure that each role name was equally often followed by men and women, and by sentences portraying different situations. […] In all experimental conditions the intended response was yes (the second sentence is a sensible continuation of the first). […] The participants […] were asked to make a prompt decision, based on their first impression and not on a prolonged reflection. […] The participants pressed the yes button to make the first sentence appear, and then pressed the yes button again to make the second sentence (target sentence) appear. They then had to make a prompt decision by pressing either the yes button (i.e., I think it’s a sensible continuation) or the no button (i.e., I don’t think it’s a sensible continuation). Participants were asked to keep the index finger of their dominant hand on the yes button and the index finger of their non-dominant hand on the no button. […] there was a main effect of Continuation, with more positive judgements when the continuation sentences mentioned men (M = .69) than when they mentioned women (M = .40). […] A significant Continuation effect […] with responses to men being faster than those to women fully supported the results found in the judgements. There was neither effect of Stereotype […] nor an interaction […].“

    Bedauerlicherweise dokumentiert die Studie keinen kumulierten Wert für female, male und neutral stereotypes. Auch absolute Werte für die „Proportion of positive judgements across languages and conditions“ fehlen (sprich: Wie oft wurden „positive positive judgements“ etc. vorgenommen?), ebenso die dazugehörigen Standardabweichungen. Bei den „Mean positive judgement times“ haben wir die typischen Probleme und Unzulänglichkeiten von psychologischen Reaktionszeittests, gerade was deren Interpretierbarkeit betrifft: Einfach mal die absoluten Werte in TABLE 3 (S. 478) angucken (die Maßeinheit sind Millisekunden…) und dann bitte auf die (bei der Methode nicht überraschend) immensen Standardabweichungen schauen. Es fehlt der Studie leider an Grundlegendem: Es werden lediglich bivariate Zusammenhänge gemessen, folglich erfolgt keine probate Drittvariablenkontrolle: Gerade bei dem Thema bspw. bereits den naheliegendsten Konfunder, das Geschlecht(!), zu ignorieren, ist untragbar. Effekstärkemaße? Fehlanzeige. Stattdessen wieder der Verlass auf statistische Signifikanz…

    Weitere Probleme:
    Zwei Beispiele:

    1. Die Probanden schöpfen sich aus einem convenience sample, über dessen Hetero- bzw. Homogenität wir nichts wissen… außer dass es sich um Studenten handelt, die für credit points an der Studie teilgenommen haben. Als Studenten (u.U. sogar durchgehend aus einer Disziplin) sind sie nicht repräsentativ für die Allgemeinbevölkerung. Zudem ist es ist recht üblich, mind. Alter und Geschlecht zu dokumentieren, um relativ häufige Konfundierungen auszuschließen und Rückschlüsse auf die Extrapolierbarkeit der Ergebnisse auf die Gesamtbevölkerung ziehen zu können. Auch weitere (bspw. individualbiographische) Faktoren werden aus diesen Gründen regelmäßig erhoben. Das fehlt hier alles…

    2. Die ganze Studie ist ein Quasi-Experiment ohne Kontrollgruppe (stattdessen gibt es lediglich eine Kontrollaufgabe). Das beeinträchtigt die interne Validität u.U. erheblich, da somit Konfundierungen (antezedierende, intervenierende, verdeckte Beziehungen) nicht ausgeschlossen werden können, die einen eigenständigen Einfluss auf die abhängige(n) Variable(n) haben können.

    3. Selbst wenn die Studie sonst jeder Kritik standhalten würde, wäre ja auch die Frage offen, wie lang denn entsprechende

    Wahrnehmungen anhalten: Die Probanden sollten ja ausdrücklich Spontanurteile fällen (und längere Nachdenkzeiten wurden herausgerechnet), aber was ist, wenn es nur ein paar weiterer Millisekunden des Nachdenkens bedarf (die in realweltlichen Situationen regelmäßig zweifellos zur Verfügung stehen), um die positive judgments in allen Konstellationen in die Höhe schießen zu lassen? Da ist die ökologische Validität abermals stark in Mitleidenschaft gezogen…

    Etc.

    Ohne Effektstärke wissen wir auch nicht, wie groß die erklärte Varianz hinsichtlich der abhängigen Variablen ist. Ein fiktives Beispiel:
    Stellen wir uns vor, wir untersuchen experimentell den Einfluss der unabhängigen Variable A, des Brotkonsums, auf die abhängige Variable B, die Aggression der Brotkonsumenten. Jetzt haben wir eine robuste Studie, alle Störfaktoren ausgeschlossen etc. und können tatsächlich einen statistisch signifikanten Kausalzusammenhang zwischen A und B demonstrieren. Brotkonsum trägt zur Aggression bei. Ohne auf psychologische Messverfahren für Aggression einzugehen: Genauer gesagt demonstrieren wird damit nur eine statistische Überzufälligkeit des Zusammenhangs von A und B. Salopp formuliert können wir aber ohne Effektstärkemaße nicht differenzieren, ob der Brotkonsum jetzt bspw. 0,01 oder 100 Prozent des aggressiven Verhaltens erklärt… und da haben wir noch nicht davon gesprochen, wie hoch die Aggression denn überhaupt insgesamt ist, sondern nur davon, dass es hier um einen Prozentsatz der gemessenen Aggression geht.

    … und außerdem lässt sich statistische Signifikanz ganz einfach für alle möglichen Zusammenhänge herstellen, weshalb die Demonstration statistischer Signifikanz als einzige Methode in unzähligen psychologischen Studien seit mindestens einer Dekade heftig in der Kritik steht (berechtigterweise).
    Nein, die Studie kann man leider auch in die Tonne klopfen.

    ** Anekdote am Rande aus diversen persönlichen Gesprächen mit befreundeten Betroffenen etc.: Es gibt bspw. nicht wenige in der pen & paper-Rollenspielbranche auf Autoren- und Verlagsebene, die sich über massivsten (oft kampagnenartigen) Druck und Anfeindungen (ad hominem) beklagen, wenn sie nicht gendern. Und aus eigener Erfahrung: Nach meinem Drittstudium hätte man mir Notenpunkte abgezogen, hätte ich für meine zweite Staatsexamensarbeit keine geschlechtergerechte Sprache genutzt.

    tl:dr
    Es gibt keine strapazierbaren Gründe für das Gendern.

    Und ein paar ernstgemeinte Fragen, auch wenn ich den Brunnen mit meinem Vorwurf der Ideologisierung und Emotionalisierung zugegebenermaßen etwas vergiftet habe: Welche anderen Gründe für das Gendern gibt es? Warum gendern Menschen, außer aufgrund der skizzierten Fehlannahmen? Übersehe ich etwas?

    P.S.: Fast alle meiner Gymnasialschüler dind gegen das Gendern.

    P.P.S.: Auch der restliche Forschungsstand zu den vermeintl. positiven Effekten des Genderns / negativen Effekten des Nichtgenderns (z.B. das Mädchen keine Berufe als ergreifbar erachteten, so sie denn mit nur maskulinen Formen der Berufsbezeichnung konfrontiert wären) hält einer kritischen Analyse nicht stand.

    • Wow, PaPo, ein sehr elaborierter Beitrag!
      Hab jetzt nicht alles verstanden…. Etwas zu viele Abkürzungen….
      Vielleicht bin ich deshalb ein Fan des Genderns geblieben, besonders in der Schule.
      Eigentlich in der Grundschule, da ich an anderen Schulformen lange nicht gearbeitet habe!
      Ich möchte Ihnen auch gerne erklären, warum!
      Wie viele Foristen wissen, ist der Lehrermangel, besonders an GS, besorgniserregend!
      Wahrscheinlich liegt das daran, dass immer nur von Lehrern (s. „Lehrer“- Mangel) gesprochen wird.
      Deshalb fühlen sich Frauen und Diverse gar nicht angesprochen und ergreifen diesen wunderbaren Beruf nicht!
      Wenn wir, stattdessen, vom Lehrer*innen- Mangel reden würden, hätten wir über 50% mehr Menschen angesprochen! Frauen würden endlich bemerken, dass auch sie diesen Beruf ergreifen könnten! Das würde den Mangel sofort beheben! 😉

      (Habe ich mich mit diesem Beitrag endlich für einen Ministerposten qualifiziert? )

      • Sorry, das mit den Abkz. (*scnr*) hat sich bei mir so eingeschliffen… 😉

        Ja, der Lehrermangel hat wohl auch sehr viel mit dem Missmanagement, den Falsch- und Fehlkalkulationen der Kultusministerien und deren Augenwischerei beim tatsächlichen Bedarf an Lehrern zu tun… und bei den Grundschulen kommt noch die unverhältnismäßige Bezahlung hinzu (Kopf hoch, meine Nichte hat jüngst ein Lehramtstudium für die GS begonnen). Die Rede von „Lehrern“ statt einer vermeitnl. geschlechtergerechte(re)n Version dürfte da kaum ausschlaggebend gwesen sein… zumal (a) ja in den entsprechenden Studiengängen und auch von den ministerien etc. entsprechend gegendert wird (sich entsprechende Personen also angesprochen fühlen müssten) und (b) wird die Lehrerprofession doch primär von Frauen ausgeübt (s. https://www.news4teachers.de/2016/11/jetzt-ist-es-quasi-amtlich-lehrer-ist-ein-frauenberuf-die-letzte-maennerbastion-das-gymnasium-ist-gefallen/), gerade an Grundschulen. Jeder, der sich heute für ein entsprechendes Studium entscheidet, wird mehrheitlich Frauen als Lehrer gehabt haben. Deshalb meine These:

        Wenn ich im Rahmen von Sozialisation/Enkulturation und im Alltag primär mit weiblichen Lehrern konfrontiert werde, assoziiere ich den im generischen Maskulinum verwendeten Begriff „Lehrer“ tendenziell eher mit weiblichen Lehrern / Lehrerinnen; d.h.: Will man bspw. Frauen in bestimmten Berufs-, Bevölkerungsgruppen u.ä. in den mentalen Repräsentationen von Menschen präsenter machen, müssen Frauen in diesen Gruppen auch faktisch präsenter sein. Die einschlägige Forschung hat den hinreichenden Beleg eines entsprechenden erhöhten „Sichtbarmachens“ von bspw. Frauen durch vermeintl. geschlechtergerechte Sprache übrigens auch nicht erbracht.

        Ebenso wird oftmals angeführt, dass ja diese und jene Studie belege, dass Mädchen eher einen Wunsch für einen bestimmten Beruf fassen, wenn dieser mit einem vermeitnl. geschlechtergerechten Begriff belegt ist, aber (abgesehen von einer Vielzahl methodischer und interpretatorischer Mängel) dort fehlt es in den Studien schon an vielem, von so gravierenden Konfundierungen wie der generellen Attraktivität der Jobs, realweltlich bekannten Positivbeispielen u.ä., über die wichtige Frage, ob dieses Vermeiden nicht vermeintl. geschlechtergerecht konnotierter Berufe ein bis in das tatsächliche Erwachsenenleben persistentes Phänomen ist, bis hin zu der nicht unwichtigen Feststellung, dass Berufswünsche von Kindern ohnehin eine sehr ephemere Angelegenheit sind.

        Oder war Ihr Beitrag jetzt Satire und ich stand auf dem Schlauch (Poe’s Law und so…). 😉

        • Sorry, PaPo,
          inzwischen sind wir wohl so daran gewöhnt, jede auch noch so abstruse Behauptung ernst zu nehmen (ist ja auch meist ernst gemeint!). Egal ob von Ministern, Querdenkern, einigen Psychologen usw.
          Ein Beispiel: Vor der Pandemie waren alle Fenstergriffe bei uns an der Schule abgeschlossen. Grund dafür war zu verhindern, dass Kinder und Jugendliche unbeabsichtigt aus dem Fenster fielen, aber besonders auch damit sich kein Kind/Jugendlicher in suizidaler Absicht aus dem Fenster stürzte (was leider auch vorkam). Eine CO2 Anreicherung fand in Klassenräumen nicht statt, bzw wurde durch eine winzige Lüftungsklappe verhindert.
          Heute „wissen“ wir, dass es ausreichend ist, die Schulen offen zu halten, um die geistige Gesundheit der Jugendlichen zu gewährleisten. Selbst wenn alle Freizeitbereiche geschlossen sind (Clubs, Vereine, Spielplätze, private Kontaktbeschränkungen), solange die Schulen offen sind ist alles gut.
          Dafür hat sich das CO2 zu einer so großen Gefahr mutiert, dass selbst das Aufstellen von Luftfiltern untersagt wird, da Lehrer sonst vergessen könnten zu lüften!
          Man lernt halt nie aus!

    • Nach dem ersten Viertel hat man dann auch keine Lust mehr weiter zu lesen. So viel Text, nur um „ich will das nicht“ zu sagen. Um Wahrheit geht es hier übrigens auch nicht und deshalb ist eine Diskussion darüber sinnlos, denn Wahrheit ist relativ!

      • Liebe Indra,

        Sie schreiben: „Um Wahrheit geht es hier übrigens auch nicht und deshalb ist eine Diskussion darüber sinnlos, denn Wahrheit ist relativ!“ Sooo… what? Was hat dieser Satz mit meinem Beitrag zu tun?

        Sie können den Begriff der „Wahrheit“ ja nur ein einziges Mal in meinem Beitrag finden: Dort, wo ich mich über einen aggressiveren Teil der Proponenten des Genderns beschwere, der…

        … (a) die vermeintl. positiven Effekte des Genderns unkritisch-affirmativ in das eigene Argumentationsrepertoire adaptiert, lediglich entweder statt empirischer Studien ein Gefühl(!) der Überzeugung ins Feld führt oder dann, wenn denn dann doch auf Studien rekuriert wird, diese dann entweder ominös bleiben lässt oder – sofern überhaupt konkretisiert – diese offenbar nicht (über die Abstracts hinaus) gelesen, geschweige denn sie verstanden hat…

        … und der (b) der im gleichen Atemzug denjenigen, die dem Gendern nicht unkritisch-affirmativ gegenüberstehen, ungeachtet dessen, ob diese Gegenseite nun einfach „ich will das nicht“ intoniert, vielleicht tatsächlich aus reaktionären Gründen, Ignoranz o.ä. oder ob diese tatsächlich auch nüchterne Sachargumente anführen, auch mit Verweis auf die desaströse Studienlage zu den vermeintl. positiven Effekten des Genderns (ggf. garniert mit Mahnungen vor negativen Effekten des Genderns, von Kommunikationsproblemen bis hin zu möglicher Reaktanz bei einem Gros der Bevölkerung), wie Sie sie in meinem Beitrag finden (hätten Sie mal den gesamten beitrag gelesen), unterstellt, deren wahre(!) Motivlage läge bestenfalls ebenfalls lediglich in reaktionären Gründen, Ignoranz u.ä. vergraben. Nicht umsonst beginne ich meinen Beitrag mit einer Offenlegung meiner pol. Gesinnung und einem Plädoyer für einschlägige Kommunikationsfreiheit, weil erfahrungsgemäß in dieser ‚Diskussion‘ immer jmd. um die Ecke gesprungen kommt, sich die Finger in die Ohren steckt und lauthals brüllt „ich will das“ und dem Gegenüber, ohne sich inhaltlich mit diesem auseinanderzusetzen und einzig, weil dieses das nicht will, pauschal vorwirft, dieses sei dieses sonstwas (das Ablehnen des Genderns verleitet diesen ideologisierten Teil dann gerne zu Pauschalvorwüfen, dass das Gegenüber Misogynist sei, gegen Minderheiten, ein Nazi etc.). Sehen Sie sich da wieder?

        Zusammengefasst:
        Ich habe mich über die Dichotomisierung, die ideologisierende Infantilisierung des Diskurses beschwert, über gerade diese unreflektierte „ich will das nicht“- bzw. „ich will das […]“-Argumentationsweise, diese Unterstellung von niederen Absichten und das Führen eines wenig intellektuellen Wahrheitsdiskurses. Mir dann ein „So viel Text, nur um ‚ich will das nicht‘ zu sagen“ zu erwidern, ist dann doch eher Realsatire…

        Sie finden in meinem Beitrag übrigens eine ganze Menge an Argumenten gegen das Gendern, mit denen Sie sich konstruktiv auseinandersetzen könnten (ich hatte sogar darum gebeten) und die sich selbst mit Böswill in keinem Fall als „ich will das nicht“ lesen lassen können. Da hapert es mit dem Textverständnis. Hätte Ihnen aber auch bereits nach dem ersten Viertel auffallen können. Warum hatten Sie denn keine Lust mehr, weiterzulesen? War es mein Duktus? Wenn Ihnen das hinreichend für ihre Art der Kritik ist, sollten Sie wohl nicht mehr für das Gendern werben, wird sonst zum Bumerang: Dann reicht subjektive Sprachästhetik um diesen Diskurs zu begraben. Oder war es der kognitive Bias? Dann sei Ihnen gesagt, dass Sie diesen vielleicht als AUsgangspunkt zur Reflexion über Ihre eigene Position nutzen könnten, anfangend damit, zu versuchen, mir auf meine „paar ernstgemeinte Fragen“ zu Antworten – vielleicht lernen ich oder Sie ja was dabei. Aus wissenschaftlicher Perspektive kann meine Position zum Gendern ja gar nicht final sein.

        • Wo ist eigentlich das Problem? Nur weil Papo was nicht will, muss er uns ja hier nicht mit ellenlangen Ausführung langweilen.
          Es wird kommen, auch wenn er das nicht mag.

          • Lieber OhneWorte,

            auch an Sie: Offensichtlich haben Sie weder meinen ersten Beitrag gelesen, noch denjenigen, auf den Sie hier antworteten. Bravo. Niemand zwingt Sie, dass Sie sich mit meinen „ellenlangen Ausführungen langweilen“ müssen. Diese dann aber offensichtlich nicht gelesen oder zumindest nicht verstanden zu haben und dann trotzdem so dreist zu sein, meinen Beitrag auf ein „ich will das nicht“ (und als langweilig) reduzieren zu wollen, ist intellektuell und moralisch ziemlich unterste Schublade. Fehlt nur noch das ad hominem, von dem ich in dem Beitrag schreib, auf den Sie antworteten.

            Kurz:
            Welche meiner Ausführungen mögen Sie denn als ein simples „ich will das nicht“ wahrnehmen können? Ich bin gespannt. Wo ging es darum, was ich mag und was ich nicht mag? Gusto ist gar keine Kategorie, mit der ich argumentiert habe, sondern mit Ziel-/Zweckerreichungen und -unterminierungen. Oder bleibt es bei der meinen vorangegangenen Beitrag bestätigenden Provokation Ihrerseits?

            P.S.: „Es wird kommen, auch wenn er das nicht mag.“ Wie geschrieben, wie Sie auf den Trichter kommen, es ginge hier um das (nicht) Mögen, erschließt sich nicht. Ungeachtet dessen: q.e.d. – die Mehrheit der Bevölkerung lehnt das Gendern ab, da wäre ich mit solchen Prognosen ja vorsichtiger…

          • @OhneWorte
            Das Problem ist: Wer sachlich diskutiert und mit Sachargumenten überzeugen will, kann sich nicht so kurz fassen wie diejenigen, die im Meinungsstreit einen Sieg durch Verhöhnung oder Verunglimpfung des Meinungsgegners anstreben.

            Da Sie Papo nicht nur im Widerstreit mit Ihnen, sondern auch mit „uns“ sehen, liegt die Vermutung nahe, dass Sie mich und die anderen Leser hier beifallklatschend auf Ihrer Seite stehen sehen.
            Ich lege jedoch Wert auf die Feststellung, dass ich nicht zu „uns“ oder „wir“ gehöre und mir auch kein „Bravo“ in den Sinn kommt, sondern nur ein „Pfui“.

          • Hallo, PaPO,
            ich fürchte, sachliche Kommentare, die naturgemäß meist etwas länger sind, werden von Leuten, die auf Krawall statt Sachinteresse gebürstet sind, nicht gelesen und mit Hilfe von abfälligen Vermutungen manchmal sogar zum Vorwurf gemacht.

            Dem Dank von TaMu für Ihre ausführlichen und sachkundigen Kommentare zum Gendern schließe ich mich an, auch wenn mich das Lesen und Verstehen etwas Anstrengung gekostet hat, weil ich mich bisher immer nur oberflächlich mit dem Thema beschäftigt habe. Die Mühe hat sich aber auf jeden Fall gelohnt.

    • @PaPo, das war großartig erklärt, vielen Dank dafür! Ich hoffe, ich kann es irgendwie ausdrucken, denn es unterlegt fundiert meinen bisherigen Eindruck, dass Gendern in der eingeforderten radikalen Form, die von Schattenläufer nur leicht überspitzt wurde, den Sprachfluss und auch bisher richtige Grammatik zerstört und ganz einfach zwei wichtige Argumente für das generische Maskulinum übersieht: dieses ist bereits inklusiv und Nüchternheit ist angebracht. Nichts spricht dagegen, in angemessener Form ohne Verkrampfung von Lehrerinnen und Lehrern zu sprechen. Die Aussprache von Lehrer*innen bedarf allerdings eines kurzen Stopp mitten im Wort, das uns im Deutschen fremd ist und bei dem mein Gehirn mir nicht signalisiert: aha, Männer und Frauen, sondern „das Innere des Lehrers“, weil innen eben das Innere ist, jedenfalls bis zur Öffnung eines neuen kognitiven Schemas, gegen das sich mein Gehirn verweigern möchte. Dieses kurze Luftanhalten mitten im Wort kenne ich von einer äthiopischen Freundin, wenn sie in ihrer Sprache spricht und finde es dann auch sehr schön, vor allem, wenn es von einem Schnalzen in der Kehle begleitet wird. Meine Sprachentwicklung beinhaltet diese Elemente allerdings nicht und ich möchte sie auch nicht ins Deutsche adaptieren, nüchtern gesehen. Ich kenne persönlich keine Frau, die über ausgesprochene und nicht sternchenverbrämte direkte Ansprache wie „liebe Kolleginnen und Kollegen“ hinaus die deutsche Sprache verändert haben möchten.

    • Unabhängig davon, ob PaPo nun in der Sache Recht hat oder nicht, finde ich es bemerkenswert, dass sich anschließend hier LuL über die Länge eines Textes beschweren, den man schließlich auch überfliegen kann, um den Inhalt mitzubekommen. Da ist es kein Wunder, wenn die SuS erst recht keine längeren Texte mehr verkraften und also auch keine ganzen Bücher mehr lesen können. Bürgern sich die kleinen „Text-Häppchen“ nicht schon im Deutschunterricht ein? Irgendwo las ich, dass eine Lehrerin, die sich gegen diese Text-Häppchen wandte und für ganze Bücher plädierte, im Kollegenkreis als „reaktionär“ abgekanzelt wurde.

      • Also, ich bin keine Lehrerin, habe jeden Harry Potter Roman fünf Mal durch und finde in Gedichten von Goethe, Busch und Co auch schnell viel tiefsinniges und hintergründiges. Aber ein Meer von Fremdwörtern – nö, danke!

      • @Carsten60
        Vor gut 20 Jahren erzählte mir schon eine Gymnasiallehrerin, wie sehr viele ihrer Zehntklässler über die Lektüre „Das Leiden des jungen Werther“ gestöhnt hätten, weil das Lesen ja so schwierig und anstrengend sei. Darum wurde ein gemeinsames Anschauen des Films vorgeschlagen, das sei doch viel besser.

        Wenn man bedenkt, dass für die meisten Lehrer im Rückblick auf jene Zeit die Schule noch weitgehend in Ordnung war, könnten einem heute die Tränen kommen.

        • In der „digitalen Bibliothek“ steht der „Werther“ auf nur 49 Seiten, eigentlich nicht besonders viel, und die Schilderung von Verliebtheit könnte doch Interesse auslösen. Manche Romane bringen es auf 1000 Seiten. Eine etwas „altmodische“ Sprache wird wohl von jedem immer als schwierig empfunden, aber kann man sich da nicht reinfinden? Wenn aber dann ein Buch noch in alter Frakturschrift gedruckt ist, dann ist’s aus, das gilt wohl inzwischen als „unlesbar“.
          Deshalb werden in den KMK-Bildungsstandards für das Fach Deutsch Sek I auch Sachtexte erwähnt: „Sach- und Gebrauchstexte verstehen und nutzen“ mit dem Unterpunkt „ein breites Spektrum auch längerer und komplexerer Texte verstehen und im Detail erfassen“, vielleicht das Formular einer Steuererklärung?. Bei den literarischen Texten ist von „längeren Texten“ aber nicht die Rede. Man bemüht sich eben um Bescheidenheit bei den Ansprüchen. Auch das gehört offenbar zur „neuen Lernkultur“ der Nach-PISA-Zeit.

  4. Also ich finde das extrem wichtig.
    Schüler und Schülerinnen sollen beim benutzen der Sprache und Sprachinnen konsequent gendern.
    Ohne das Gendern und Genderinnen würde die deutsche Sprache und Sprachin ja völlig an den aktuellen Entwicklungen und Entwicklunginnen der Zukunft und Zukunftinnen vorbei gehen.

    Wie sollen die Schülerinnen und Schüler in der Gesellschaft und der Gesellschaftin der Zukunft und Zukunftin den ohne gendern überleben.
    jegliche Karriere oder Karrierin wäre aussichtslos.

    Gut wir haben momentan eine Pandemie und Pandemiin. Ein paar Tote oder Totinnen sollten uns aber nicht davon abhalten wichtige Grundsatzentscheidungen bzw. Entscheidunginnen bezüglich der Sprache / Sprachin zu treffen.

    Vor allem ist das gendern billiger als Maßnahmen / Maßnahminnen gegen die Pademie bzw. Pandemiin.
    Außerdem entspricht diese Diskussion /Diskussionin mehr den Intelekt / der Intellektin der KMK als reale Handel 7 Heldinnen in einer Krisensituation 7 Stuationin.

    Da sehen wir mal wieder zwei Dinge / Dinginnnen ganz deutlich
    1. Wir in Deutschland / Deutschlandin wissen gar nicht wie gut es uns geht, weil wir sonst keine wichtigeren Probleme / Probleminnen haben.
    2. Warum sollte man sich als mitglied 7 mitgliedin der KMK mit echten Problemen / Probleminnen beschäftigen, wenn man problemlos auf Nebenkriegsschauplätze 7 Nebenkriegsschauplätzinnen ausweichen kann?

    • Der Witz kam irgendwie schon zu oft und erinnert an die alten Herren, die sich vor einigen Jahrzehnten Sorgen machten, dass mit dem Minirock bald FKK in der Öffentlichkeit erlaubt würde oder mit dem zu langen Rock wiederum unverantwortliche Unfälle verursacht würden.
      Bestimmt hatten die auch so unlogische Witze drauf… PS : Neutrale Wörter müssen nicht gegendert werden, erst recht nicht, wenn sie eh geschlechtslos sind.

      • Ah ja, neutrale Wörter müssen nicht gegendert werden. Nun, wie ist es bei „das Mädchen“? Neutral? Das Kind? Ist es überhaupt gerechtfertigt, nach den Vorstellungen der Gender-Gerechtigkeitsverfechter das dritte und weitere Geschlechter (man weiß es nicht so genau) zu ignorieren? Man soll Soldaten und Soldatinnen sagen, aber nie hört man „Verbrecher und Verbrecherinnen“, obwohl bei beiden die Mehrheit bei der männlichen Bevölkerung liegt. Wenn es heißt „alle Lehrer treffen sich in der Aula“ fühlen sich die weiblichen Lehrer doch durchaus angesprochen (nur vielleicht ein paar extreme Emanzen nicht), man macht hier wirklich Probleme wo eigentlich keine sind (wie es @PaPo schon trefflich und äußerst sophisticated formuliert hat. Nur werden das die Wenigsten Gender-Verfechter verstehen, vor allem Frau Schopper, oder Schopperin, nicht).
        Mir als sprachwissenschaftlich Versierter dreht sich beim krampfhaften Gendern der Magen herum. Schon bei der neuen Rechtschreibung habe ich etliche Änderungen verweigert, die die Etymologie der Wörter völlig ad absurdum gekehrt haben (Majonäse z.B., Exposee, Geografie, potenziell), aber da hat sich schon vieles wieder relativiert und besänftigt, beides ist mittlerweile erlaubt, und so wird es hoffentlich mit dem Genderwahnsinn auch geschehen.
        Das aber, Indra Rupp hat nichts mit alten Männern zu tun, sondern mit Sinnhaftigkeit. Das Beispiel mit Mini- und Maxirock ist ein ungünstig gewähltes Beispiel, obwohl Sprache oft auch Modetrends ausgesetzt ist. Aber diese entwickeln sich auf natürliche Art und Weise, und verschwinden oft wieder. Gender ist ein verkrampftes Festhalten an einer vermeintlichen Identitätsfindung, die man aber sicher nicht über die Sprache erfolgreich abwickeln kann.

        • Erst einmal haben Sie etwas nicht verstanden :
          Lehrer*innen meint nicht Lehrerinnen und Lehrer, sondern das * steht für nichtbinär! Mit Lehrer*innen sind also alle Geschlechter gemeint und nicht nur zwei, lediglich das innen meint das weibliche!
          Das eher bei positiven Begriffen gegendert wird, aber nicht bei negativen ( zB Täter*in) ist richtig, aber vielen (zB mir) auch schon bewusst, weshalb viele auch schon bewusst auf solche Begriffe achten um diese dann ebenfalls zu gendern. DAS Mädchen ist natürlich weiblich, auch wenn da ein „das“ steht – einfach weil ein Mädchen (ob trans oder cis) eben weiblich ist und nicht männlich, neutral oder nichtbinär. DAS Bein dagegen ist natürlich neutral geschlechtslos und DAS Kind schließt natürlich neutral alle Geschlechter ein. Ob sich das Gendern krampfhaft entwickelt oder natürlich, können Sie nur subjektiv nach eigenem empfinden beurteilen und was soll der Maßstab grundsätzlich für so etwas sein? Denglisch und Mickey Maus – Sprache entstanden u a durch Mainstream. Wo soll man jetzt festmachen, was sich natürlich entwickelt hat? Gendern entsteht durch Bedürfnisse nach Gleichberechtigung. Wörter, wie „Neger“ entstanden aus gegensätzlichen Gründen. Und letztendlich verbreitet sich alles durch Nachahmung.

          • @Indra Rupp, das Gendern hat sich schon in den unterschiedlichsten Facetten gezeigt, mag sein, dass ich das mit den Sternchen noch nicht verinnerlicht habe, da ich auf so etwas in der Regel gar nicht achte. In der geschriebenen Sprache mag das „Sternchen“ vll. noch Wirkung zeigen, aber in der gesprochenen Sprache müssen Sie wieder „Lehrer und Lehrerinnen“ sagen, es kann keiner ernsthaft verlangen, dass man da eine künstliche Pause einsetzt, wo die deutsche Sprache im Gegensatz zu Englisch oder Französisch sowieso schon sehr abgehackt und mehr flektierend als klangvoll. Und wie sollen bei Lehrer*innen alle Geschlechter gemeint sein? Haben die Genderbefürworter das so verfügt?
            Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Deutschen es unheimlich lieben, alles kompliziert, aufwendig und anstrengend zu machen, anstatt mitunter mal die Leichtigkeit des Seins zu genießen.

          • Der Gender Stern* führt eben ganz gewaltig zum binären Wahrnehmen der Wörter, dabei ist egal was gemeint war, denn er wirkt optisch TRENNEND und das ist das entscheidende. Woanders würde man klar von einem Designfehler sprechen!

          • Bei mir führt der Gender Stern oder die künstliche Redepause überhaupt nicht zum binären Wahrnehmen der Wörter, sondern nur zu einer „gewaltigen“ Störung des gehörten oder gelesenen Sprachflusses.
            Ich kriege auch ohne optische oder akustische Hinweise mit, wann ALLE gemeint sind und brauche dazu kein besonderes Achtungszeichen für „männlich + weiblich + divers“. Mir ist die Erhaltung von Lese- und Redefluss viel wichtiger als diese künstlich ins Leben gerufene Gendergerechtigkeit.

        • Gendern ist halt ein Konzept, was nicht zu Ende gedacht wurde und momentan nur Meinungen reflektiert und daher als inkonsequentes Gewurschtel daher kommt. Solange niemand da mal aufräumt, wird es auch so bleiben und dann wieder in der Versenkung verschwinden.

          Frau Schopper ist das beste Beispiel: Sie überlässt es den Schulen, eigene Lösungen zu etablieren, ein Chaos ist also vorprogrammiert.

          Viel Spaß damit! Ich bin nicht dabei!

        • @Teacher Andi
          „Mädchen“ ist die Verkleinerungsform von “ Magd“, deshalb das „das“.
          Was die Sache aber nicht besser macht!
          Jedes Mädchen ist eine kleine MAGD?
          Warum regt sich darüber eigentlich niemand auf?

          • Richtig, Alla, und daran merkt man, dass beim „Gendern“ kein umfassendes, vielschichtiges Denken vorliegt, einfach nur ein Vorstoß ohne Wissens- und Gültigkeitsanspruch. Hauptsache die Luft „sirrt“.
            „Junge“ kommt tatsächlich von „Lehjunge“, steht dem „Mägdchen“ also in nichts nach. Der Begriff „Fräulein“ (in meiner Kindheit noch aktuell) hat sich als veraltet herausgestellt und ist auf natürlichem Wege verschwunden. Macht Sinn. Aber diese Gendervorstöße sind weder sinnvoll noch sind sie eine natürliche Entwicklung, der die Sprache üblicherweise unterliegt, Es ist einfach nur eine Wichtigtuerei in einer Zeit, in der wir unsere Energie wahrhaftig auf andere Probleme verlagern sollten.

        • „Mit Lehrer*innen sind also alle Geschlechter gemeint und nicht nur zwei …“
          Dann erwarte ich also künftig auch in Statistiken mehr als die zwei Spalten für „Schülerinnen“ und „Schüler“, schließlich spielt ja bei Tests wie PISA die „geschlechtsbedingte Disparität“ (etwa bei den Mathekenntnissen) eine wichtige Rolle. Ich wollte auch schon immer mal wissen, wie gut das dritte, vierte usw. Geschlecht bei Mathematiktests abschneidet. Bei der internationalen Mathe-Olympiade jedenfalls überwiegt bislang m bei den Teilnehmern haushoch.
          Entsprechend für die offiziellen Statistiken über die Einwohner einer Stadt oder die Alterspyramide mit den zwei Seiten m und w. Und was wird eigentlich mit der Geschlechterparität in Gremien, Ausschüssen oder in Regierungen? Wäre die mit dem Sternchen dann gegenstandslos? Anders gefragt: Wie sieht eigentlich eine „nichtbinäre“ Geschlechterparität aus?

  5. Doch, es gibt einen Grund für gendergerechte Sprache!
    Die nach wie vor vorhandenen Stereotype, Strukturen und Benachteiligungen.
    Mit dem generischen Femininum könnte ich als Übergangslösung leben.

    • @Julia, wenn Sie sich benachteiligt, stereotypisiert oder in eine Struktur gepresst fühlen, dann sollten Sie daran arbeiten, was allerdings nicht über eine Änderung der Sprache zu bewerkstelligen ist. Gerade diese gewaltsame Anpassung der Sprache an Vorstellungen einer Minderheit führt nicht zum Ziel, im Gegenteil, sie bringt Probleme, wo vorher keine waren und macht erst so richtig auf Geschlechtertrennung aufmerksam, was nun nicht unbedingt zuträglich ist. Mal ehrlich: auch Sie werden einen Lachanfall bekommen, wenn es heißen muss: „Eine 5-köpfige Gruppe von Schülern und Schülerinnen macht sich die Arbeit, eine Schüler- und Schülerinnenzeitung herauszubringen.“ Auweia.

      • Nach dem obigen Kommentar von Indra Rupp stellt sich das Thema als Abkehr von der binären Einteilung der Geschlechter dar:
        „Eine 5-köpfige Gruppe von Lernenden macht sich die Arbeit, eine Lernendenzeitung herauszubringen.“
        Ob das die Lernenden zu erhöhter Akzeptanz der Publikation bewegt sei einmal dahingestellt.

        • Wobei „Lernende“ von der Semantik her das Wort „Schüler“ nicht ersetzen kann. aber mit der Linguistik können die Genderbefürworter ganz offensichtlich wenig anfangen, sonst würden sie nicht versuchen, unsere Sprache derart zu verhunzen. Das ist eher peinlich als sinnvoll.

          • @DerechteNorden, ja da stimmt die Semantik wieder. Ihre genannten Wortprägungen sind teils aus Mangel anderen Ausdrücken kreeirt worden, wobei der „Lehrling“ durchaus noch geläufig ist, sich aber größtenteils auf die Handwerkberufe ausgerichtet hat (natürliche Entwicklung, kein Zwang). Lernende und Studierende sind kein treffender Begriff, allenfalls eine armselige verkrampfte Notlösung für Genderfans. Leute, die sich in allem benachteiligt fühlen, sollten mal an sich selbst arbeiten. Ich werde jedenfalls niemals sagen: „Meine Lernenden sind heute sehr konzentriert.“ Warum haben eigentlich andere Sprachen dieses unnötige Problem nicht?

    • These 1:
      Stereotype erodieren mit der Zunahme realweltlicher Gegenbeispiele, nicht mit der Zunahme vermeintl. geeschlechtergerechter Sprache.
      Wenn ich im Rahmen von Sozialisation/Enkulturation und im Alltag primär mit weiblichen Ärzten konfrontiert werde, assoziiere ich den im generischen Maskulinum verwendeten Begriff „Arzt“ tendenziell eher mit weiblichen Ärzten / Ärztinnen; d.h.: Will man bspw. Frauen in bestimmten Berufs-, Bevölkerungsgruppen u.ä. in den mentalen Repräsentationen von Menschen präsenter machen, müssen Frauen in diesen Gruppen auch faktishc präsenter sein. Die einschlägige Forschung hat den hinreichenden Belegm eines entsprechenden erhöhten „Sichtbarmachens“ von bspw. Frauen durch vermeintl. geschlechtergerechte Sprache übrigens auch nicht erbracht (s. https://www.news4teachers.de/2021/12/schopper-gendern-ist-in-den-schulen-angekommen-schuelerinnen-treiben-es-voran/?unapproved=420251&moderation-hash=6f51488d5152a01a8a2608f5e3c51a89#comment-420083), wenngleich oftmals das Gegenteil behauptet wird.

      These 2:
      Patriarchale Strukturen werden mit Blick auf These 1 nicht durch vermeintl. nicht geschlechtergerechte Sprache (wie z.B. das generische Maskulinum) konserviert oder gar kreiert, solche Strukturen sind unabhängig von der Sprache. Folglich erfordert die Dekonstruktion patriarchaler Strukturen der Entdeckung und Offenlegung dieser Strukturen und eines Instrumentatriums, um gg. diese Strukturen vorzugehen. Die Vermeidung dieser Stukturen benötigt ein entsprechendes Instrumentarium, dass diese Strukturen vermeidet. Zumindest hierzulande haben wir mit dem Grundrechten in Art. 3 GG ein entsprechendes Instrumentarium. Gleiches gilt für Benachteiligungen.

      D.h.: Ich verstehe nicht, was Gendern mit dem Kampf gg. Stereotype ud strukturelle Benachteiligungen zu tun haben soll.

    • Fast so erfolgreich wie Gebauers „Wochen der Demokratie und des Respekts“ oder die zwangsweise Einführung neuer Lehrpläne mitten in der Pandemie. Immer schön die LK mit anderen Aufgaben beschäftigen, dann haben die keine Zeit, über fehlenden Gesundheitsschutz zu meckern.

  6. Hat diese Frau keine anderen Probleme?
    Die Hütte brennt, auch in Ba-Wü.
    Oder will sie alle ungeimpften Schüler mit Taschentüchern bewaffnet in die Schulen schicken?

    • @xy Sie möchte sogar die Schüler*innen mit Taschentüchern zur Schule schicken, also mit Taschentüchern und Gendersternchen, damit sich niemand diskriminiert fühlt während angeordneten Zwangsdurchseuchung 😉

  7. Sehr geehrte/er/es Frau*in Schopper,
    damit wir uns auf der/die/das Wesentliche*innen konzentrieren können: der/die/das Virus*in kann Krankheit*innen bei Kinder*innen erzeugen. Deshalb sollten sie für Schutzmaßnahm*en*innen*usw… sorgen. Vielleicht mal auf ihre Untergebenen*innen hören!

    Ich danke*innen dafür!

  8. @Julia
    Was nur immer alle gegen Stereotype haben. Ein wenig brauchen wir die ja auch.
    Irgendwie muß man sich in dieser sehr komplexen Welt ja zurecht finden. Das geht nur, indem man Dinge auch einordnet und sortiert. Ansonsten würde Chaos im Kopf entstehen und man velöre völlig den Überblick. Schlimm wird es nur, wenn man die Fähigkeit verliert, die einsortierten Einsichten bei Bedarf nicht auch mal wieder umzuräumen und neu aufzustellen.
    Dazu ist es meiner Meinung nach aber nicht nötig, die Sprache völlig umzukrempeln und, sorry, zu verhunzen.
    Und was die Äußerung von Frau Schopper betrifft, junge Frauen möchten „mitgedacht“ werden: Also denken kann ich ja wohl immernoch was ich will.
    Und gemeint ist doch auch mit der bisherigen Sprachregelung schon jeder.
    Die, die sich sich nicht angesprochen fühlen, müssen sich doch einfach nur selbst „mitdenken.“
    Und wenn sie selbst gendern wollen, so sollen sie das ruhig tun. Aber bitte nicht beleidigt sein, wenn andere das nicht möchten.

    • Vielen Dank, liebe Marion! Sie haben mir aus der Seele gesprochen. Für meine Gleichberechtigung ist es bestimmt nicht nötig, die Sprache holpriger und schwieriger zu machen.
      Ich finde auch nicht gut, wenn die weit überwiegenden Mehrheit von uns Frauen etwas als „Geschenk“ aufgezwungen wird, was sie gar nicht haben will. Ich frage mich dann automatisch, ob das nicht in Wahrheit ein Selbstgeschenk ist.

  9. Sehr entlarvend ist, dass die Gegner*innen erst von Meinungsfreiheit und Meinungsdiktatur sprachen und das Sprache sich entwickelt und man hier nicht etwas vorschreiben kann.
    Nun entwickelt sich die Gendersprache, gerade bei Jüngeren aus einem bestimmten Bedürfnis heraus, kommt in der Gesellschaft an, wird immer selbstverständlicher – und nun sind es diese Gegner*innen, die diese Entwicklung nicht wollen, mit Verboten eine Meinungsdiktatur aufbauen wollen.
    Was wir hier für bestehende Vorschriften haben ist nebenbei egal, denn wie die Gegner*innen es anfangs schon, wenn auch von anderer Seite betrachtet, ansprachen : Sprache verändert sich und kann nicht in einem bestimmten Muster auf Dauer starr vorgesetzt werden!

    Aber es geht ja noch weiter mit den „jungen Mädels“ :
    Ist nämlich so, dass immer mehr – und laut manchen Studien sogar die Mehrzahl – bisexuell sind. Mehr Intimität unter Frauen war schon immer mehr toleriert als bei Männern. Dadurch das Homosexualität enttabuisiert wird, entdecken unter jungen Frauen immer mehr ihre Bisexualität (was Kinsey bestätigt).
    Dann hat sich bei einer Studie mit 35.000 Personen mit verschiedenen sexuellen Orientierungen ergeben, dass die Personen mit den meisten Orgasmen Frauen in homosexuellen Beziehungen waren (also Frau+Frau Verkehr) und die Personen mit den seltensten Orgasmen heterosexuelle Frauen waren. (Männer lagen demnach bei den Werten dazwischen).
    Die durch Männer entstandene Einstellung, Sex sei in erster Linie Penetration, oder wie Maren Kroyman mal zitierte :“ Sex ist, was der Mann mit dir macht – so hieß es früher“ wird sich dann auch nicht mehr halten. Denn Penetration ist natürlich für die Eichel aber nicht für die Klitoris stimulierend und diese könnte selbstverständlich aus geburtstechnischen Gründen auch garnicht woanders plaziert sein.
    Aber gut, dass wir Frauen ja emotionalisierte Typen sind und euch Männer dann im Falle von Verliebtheit trotz eures Fokus auf Penetration toll finden. Und weil ihr wiederum so anders gesteuerte Typen seid, wird es sowieso immer genug Nachwuchs geben – obwohl etwas weniger bei der Erdbevölkerung ja garnicht schlecht wäre.
    Apropos : Neben frechen Gendern und unverschämt vielen Orgasmen unter Frauen, gehen wir fridays natürlich auch noch futuren und was sonst so sein muss.
    In diesem Sinne : Einen guten Rutsch ins Neue!

    • Was hat denn Gendern mit Bisexualität zu tun. Sie können doch ins Bett oder sonstwo hingehen mit wem Sie wollen.
      Trotzdem können Sie niemanden zwingen in Zukunft überall ein *innen anzuhängen, genausowenig wie Ihnen jemand verbieten kann, eben selbiges zu tun.
      Jeder darf heute leben, wie er/sie/es will.
      Wen interessiert es denn heute noch, ob eine Person männlich, weiblich, divers, hetero- bi- oder homosexuell ist?
      Heute erntet doch jeder einen Aufschrei der Entrüstung, wenn er Menschen aufgrund ihrer sexuellen Idendität bzw. Orientierung verurteilt. Völlig zu recht. Also warum dieses völlig überzogene „sich nicht gehört fühlen“, „sich nicht angesprochen fühlen“, „sich benachteiligt fühlen“ ? Nie hat man in unserer Gesellschaft, in den Medien, mehr über die unterschiedlichen Geschlechtsidenditäten gesprochen als heute. Nur sollte man langsam mal anfangen zu akzeptieren, daß viele Menschen auch noch andere Probleme haben. Wer heute ernsthaft glaubt in unserer Gesellschaft als Frau, Mann, Divers oder was auch immer nicht genug wahrgenommen zu werden, hat wahrscheinlich eher ein Wahrnehmungsproblem.

      • Nun, eine Krise kriegt wohl eher die andere Seite. WO steht etwas von zwingen? Es ist davon die Rede, dass sich da etwas entwickelt. Warum ist es nötig so zu übertreiben um sich als Gendersprach-Opfer zu stilisierten? Auch wenn über spießige alte weiße Männer gelästert wird (nicht nur bei diesem Thema) ist das kein „zwingen“. Es zwingt Sie auch keiner in Micky Maus Sprache zu verfallen, auch wenn sich das aber in der Gesellschaft entwickelt hat. Man kann das gut finden oder der alten deutschen Sprache nachtrauern – es ist wie es ist. Ich fände es interessant, wenn wir mal beschließen, nur noch die weiblichen Formen zu benutzen “ Jede Lehrerin bekommt eine Gehaltserhöhung“ und dann mal schauen, ob sich Männer mitgemeint fühlen. Es ist doch problematisch, wenn diejenigen (Männer) die immer direkt durch das maskulinum angesprochen werden, meinen Frauen und Nichtbinär sollten sich doch selbstverständlich mitgemeint fühlen. Das ist aus der privilegierten Position von Männern dann auch irgendwie unangebracht und da sollten sich diejenigen zu Wort melden, die es betrifft, vor allem Nicht binäre, die quasi immer unsichtbar sind. Ich selber brauche das Gendern übrigens nicht und lasse das privat auch aus Bequemlichkeit. Wenn ich mit Leuten zu tun habe, denen das wichtig ist oder öffentlich gender ich aus Rücksicht gegenüber entsprechenden Personen. Die Frauen, die ich kenne, denen das wichtig ist, sind übrigens sehr intelligent und beruflich erfolgreich. Darunter auch Lehrerinnen, die Mint unterrichten und Fußball spielen.

        • „Ich fände es interessant, wenn wir mal beschließen, nur noch die weiblichen Formen zu benutzen […].“

          Dieser recht undurchdachte Vorschlag, dieser Versuch einer argumentativen Spiegelung zur Kritik am generischen Maskulinum wird ja häufig vorgetragen, verfängt nur leider nicht. Sie können nicht mit dem Verweis auf eine (i.w.S. ’natürliche‘) Sprachentwicklung für das Gendern und gegen das generische Maskulinum argumentieren, während Sie gleichzeitig für Ihr nicht mehr der Sprachentwicklung verhaftetes Experiment zur Nutzung des generischen Feminimums (i.S.d. Verwendung einer grammatisch femininen Personenbezeichnung, zu der es ein maskulines Gegenstück gibt) werben.

          Die Verwendung einer grammatisch maskulinen Personenbezeichnung, zu der es ein feminines Gegenstück gibt, in einem geschlechtsübergreifenden (generischen) Sinn zu nutzen, ist eine historisch-genetische Konvention, die dieses generische Femininum mutatis mutandis wohl nicht hat.

          Davon abgesehen gibt es zwar durchaus auch Linguisten, die die Meinung vertreten, dass das generische Maskulinum nicht mehr zeitgemäß sei, weil angeblich nicht (hinreichend) inklusiv, es darf aber nicht unerwähnt bleiben, dass nur weil diese Meinung auch von einigen Linguisten vertreten wird, diese Meinung dadurch plausibler würde. Andernfalls verfallen wir Autoritätsargumenten. Und wir würden den bereits skizzierten Forschungsstand komplett ignorieren, zudem das Gros derjenigen Linguisten, die das eben begründet nicht so sehen (da reicht ein BLick in wikipedia.de). Diese sind sich nämlich nicht größtenteils einig, dass bspw. der Begriff „Bäcker“ ein männliches Geschlecht wiedergibt. Solche abstrusen Positionen vertreten nur Personen wie z.B. Anatol Stefanowitsch, der ja dahingehend von einem „wissenschaftliche[n] Konsens“ fabuliert, als gäbe es die Genus-Sexus-Debatte, Martina Werner, Ewa Trutkowski und Co. gar nicht.

          Und bitte kommen Sie mir nicht mit explizit einer feministischen Linguistik verschriebenen ad verecundiam-Beispielen wie eben diesem Anatol Stefanowitsch, dessen Kritik am generischen Maskulinum offenbar primär auf der hier meinerseits bereits kritisierten Studie aus dem Jahr 2001 und einer ähnlichen aktuelleren Studie basiert, die die besagte Moderatorvariable der quasi Vorgängerstudie komplett ignorierte.

          Und ziehen Sie bitte auch nicht die immer wieder in solchen Diskussionen unkritisch angeführte Studie „Zur Diskussion: Geschlechtergerechte Sprache als Thema der germanistischen Linguistik – exemplarisch exerziert am Streit um das sogenannte generische Maskulinum“ von Gabriele Diewald [in: ZGL 2018M 46(2): 283-299]zu Rate, denn diese erkennt selbst: „Mit dem Ausdruck ‚generisches Maskulinum‘ wird eine Gebrauchskonvention des Deutschen bezeichnet, die im 20. Jahrhunderts als üblich akzeptiert wurde, und die im Wesentlichen darin besteht, grammatisch maskuline Personenbezeichnungen (im Singular oder Plural, z. B. der Kunde/die Kunden) zur Bezeichnung ‚gemischter Gruppen‘ oder zum Ausdruck allgemeiner, d. h. geschlechtsunspezifischer Referenz auf Personen zu verwenden (vgl. Duden, Grammatik 2016: 160 f.).“ Darauf folgt in dieser Studie ein „schon immer“-Strohmann als logischer Fehlschluss, der schon an Bulverism erinnert, gefolgt von noch mehr logischen Fehlschlüssen, z.B. den „Blick auf Webseiten von Bankinstituten“, als ob sich hier nicht bereits Effekte der öffentlichen Debatten/Diskurse finden würden (scheint mir eine Form von affirming the consequent zu sein). Ansonsten gilt auch hier einiges, was für die nächste Linguistin bzw. deren Ausführungen gilt, die zu nennen Sie sich sparen können.

          Die Ausführungen von Ursula Doleschal in „Das generische Maskulinum im Deutschen – Ein historischer Spaziergang durch die deutsche Grammatikschreibung von der Renaissance bis zur Postmoderne“ aus dem Jahr 2002 auf den Seiten der Universität sind für den Bedeutungsgehalt des generischen Maskulinums, ob es inklusiv ist oder nicht, vollkommen irrelevant. Zum generischen Maskulinum führt sie aus: „Diese sprachliche Norm ist seit Ende der siebziger Jahre des 20.Jh. feministischer Kritik ausgesetzt […]. Eine Frage, die meines Wissens in der Diskussion um das generische Maskulinum im Deutschen bisher jedoch weder gestellt noch beantwortet wurde, ist jene, ob es dieses Phänomen seit jeher gegeben hat, und wenn nicht, woher es denn eigentlich kommt. Denn für kleine Kinder ist die Geschlechtsabstraktion mit Hilfe maskuliner Personenbezeichnungen keine Selbstverständlichkeit, sie lernen diese semantische Regel meinen Beobachtungen zufolge nicht vor dem Schuleintritt.“ Ja, dass dies eine Selbstverständlichkeit wäre, behauptet ja auch niemand. Sprache basiert auf Konventionen und ist nichts Gottgegebenes o.ä. Diese semantische Regel wird nach dem Schuleintritt gelernt – Klappe zu, Affe tot. Die etymologische Perspektive der Autorin ist außerhalb eines rein wissenschafltichen Interesses für die gegenwärtige Debatte vollkommen irrelevant. Ob eine strikte Unterscheidung von Genus und Sexus nun bereits in der Renaissance, erst in der Postmoderne bzw. seit den 1960ern oder unter Linguisten allgemeingültig noch nie allüberall stattgefunden hat, ist für die Frage des „Sichtbarmachens“ egal… akademischer Elfenbeinturm lässt grüßen. Jedenfalls scheint das „Verständnis maskuliner Personenbezeichnungen als geschlechtsneutral […] in den sechziger Jahren des 20. Jh. [Eingang] in die Germanistik […] gefunden“ zu haben. Wichtiger wäre es da aus deskriptiver Perspektive zu wissen, wie das Gros der Sprachanwender das generische Maskulinum wahrnimmt. Und die Probleme des Indizienprozesses der Autorin sind da noch gar nicht thematisiert (Extrapolationen von Rechtstexten auf andere Sphären des Sprachgebrauchs etc.).

          Und falls Sie über „Genderlinguistik – Eine Einführung in Sprache, Gespräch und Geschlecht“ von Damaris Nübling, Helga Kotthoff und Claudia Schmitt aus dem Jahr 2018 gestolpert sind: Die dort im entsprechenden Kapitel diskutierten ca. zwei Dutzend empirische Tests sind genau so schlecht, wie die von Anton Stefanowitsch ins Feld geführten Studien, sind also unbrauchbar. Die Pressemitteilung auf den Seiten der Johannes Gutenberg-Universität Mainz teilt einem über dieses Werk eigtl. alles Wissenswerte mit. So steht dort über das generische Maskulinum: „Ein Beispiel für dieses Versagen zeigt eine Zeitungsanzeige, die ein Training für den akademischen Nachwuchs bewirbt: ‚Für immer an die Uni – wenn nicht als ewiger Student, dann wenigstens als Herr Professor!‘.“ Ah ja… da will man den Universalcharakter des generischen Maskulinums dekonstruieren und nimmt auch Fälle mit rein, die ganz ausdrücklich kein Fall des generischen Maskulinums sind. Die ganze Wortwahl in der Pressemittielung etc. ist aber auch schon sehr stark ideologisch geprägt.

          Soviel schonmal in präventiver Absicht. Bislang bleibt es also bei Meinungen versus die Normativität des Faktischen. Oder kurz: Das generische Maskulinum wird gemeinhin als… nunja… zweifellos generisch wahrgenommen und akzeptiert. Dass das generische Femininum derartige Rezeptionserfolge zeitigen können soll und nicht etwa als exklusiv Frauen meinende Bezeichnung wahrgenommen wird, auf den Nachweis wäre ich gespannt.

          Welche Studien haben Sie so gelesen, um ihre Meinung hier so vehement zu verbreiten? Oder sind wir doch am von mir so kritisierten Ort der Gefühligkeit statt Argumenten?

          „Es ist doch problematisch, wenn diejenigen (Männer) die immer direkt durch das maskulinum angesprochen werden, meinen Frauen und Nichtbinär sollten sich doch selbstverständlich mitgemeint fühlen. Das ist aus der privilegierten Position von Männern dann auch irgendwie unangebracht und da sollten sich diejenigen zu Wort melden, die es betrifft, vor allem Nicht binäre, die quasi immer unsichtbar sind. […] Wenn ich mit Leuten zu tun habe, denen das wichtig ist oder öffentlich gender ich aus Rücksicht gegenüber entsprechenden Personen.“
          Und auch dazu schrieb ich bereits was in meinem Beitrag hier von heute um 12:15 Uhr geschrieben, aber Sie haben ja nach einem Viertel des Beitrags offenbar nicht weitergelesen. 😉 Und gerade zum letzten zitierten Satz: Es wäre auch schön, wenn in diesen Debatten nicht immer von Empathie geschrieben würde (hier noch nicht geschehen, kommt aber sicher noch), wo Solidarisierung u./o. Pietät gemeint sind. Wenn mein wertgeschätztes Gegenüber darauf Wert legt, dann werde ich mich sicher nciht verstellen und Gendern, aber vielleicht – aus Pietät – um das generische Maskulinum herummanövrieren. Aber jetzt mal eine tatsächliche Meinung von mir: Das ist mir eigtl. schon zu viel Entgegenkommen, aus all den angeführten Gründen, lediglich meiner face-to-face-Grundhöflichkeit geschuldet.

        • Je mehr Einlassungen ich hier lese, desto mehr habe ich das Gefühl ( über Gefühle lässt sich ja nicht streiten … und ich habe noch eine „Ich-Botschaft“ eingebaut….also hoffentlich alles richtig gemacht) , dass die ausschließliche Verwendung von Micky-Maus-Sprache (was auch immer das sein mag – auf jeden Fall klingt es nicht anstrengend) die Lösung aller Probleme sein könnte.
          Rudimentäre Lautäußerungen zum knappen Transport von Grundbedürfnissen lassen wenig Interpretationsspielraum zur Fehldeutung.
          Vielleicht ließen sich damit sogar Missverständnisse oder sogar Kriege verhindern.
          Einzige Bedingung:
          Man hinterfragt Geäußertes nicht und nimmt nix übel….und schon läuft es.

          • „… hier spricht alles wie Micky Maus“ aus dem Lied „Poor old Germany“ von Reinhard Mey (ca 1981) – schönes Lied, passt sogar etwas zum Thema, einfach mal googeln.

        • „Darunter auch Lehrerinnen, die Mint unterrichten und Fußball spielen.“

          Sehr entlarvender Satz, der aufzeigt, wo das Problem liegt bei der Emanzipation: nicht wenn man bei den anderen MITMACHEN darf ist man emanzipiert (hier: stereotypische Männerfächer und Männerhobbies), sondern wenn man SELBST etwas kreiert, erschafft und für sich gewinnt, mit dem man sich identifizieren kann, schafft man sich Respekt.

        • Liebe Frau Rupp, Sie schreiben: „WO steht etwas von zwingen? Es ist davon die Rede, dass sich da etwas entwickelt.“
          Dann stimmt eben die Rede nicht. Wenn SICH etwas entwickelt, dann tut es das von allein. Dann braucht es keine Antreiber und keine verbale Peitsche.
          Beim Gendern gibt es sie jedoch. Ich denke an Beschimpfungen wie:
          „Wer Gendern ablehnt, ist ein Frauenverächter, Frauenfeind, Gegner von Gleichstellung oder Sexist.“
          Wer mit solchen Tönen arbeitet, übt natürlich Zwang aus. Nur eifrige Genderanhänger stellen sich dumm und sorgen damit für zusätzlichen Gegenwind von Leuten, die sonst vielleicht still blieben, weil das Thema sie zu wenig interessiert. Aber das Abstreiten dessen, was nicht zu übersehen ist, geht auch ihnen zu weit. Keiner lässt sich gern zum Deppen machen.

          • Keine Sorge, Soso, die eifrigen Genderanhänger merken das nicht vor lauter Rechthaberei, ihre Meinung hat Alleinstellungsmerkmal, und wenn kluge Argumente dagegen kommen, stellen sie sich taub, wie man auch hier in den Kommentaren bemerken kann. Nicht mal die Ironie in den Reaktionen erkennen sie, fühlen sich da noch bestätigt! Und gehen die Argumente aus, wird das Anliegen einfach mit anderen, teilweise abstrusen Wortmeldungen vermengt. Und dann wird zur Höchstform aufgelaufen, so dass man nur noch mit dem Kopf schütteln kann.

      • Ach ja, was Gendern mit Bisexualität zu tun hat :
        Gendern denkt Frauen mit – Bisexuelle denken auch zusätzlich mit an Frauen! 😉
        Maskulinum denkt nur an Männer – Sex =Pentration denkt auch nur an Männer.
        Soll heißen, sowohl beim Gendern, im Bett oder sonstwo werden Frauen unabhängiger und die Machtposition von Männern wird schwächer. Das alles brauchte seine Zeit – auch das Selbstbewusstsein! Emanzipation = ich mache den Männern alles nach = ich empfinde im Bett genau wie (es) Mann (gefällt) ect – war der erste Schritt unserer Elterngeneration und war noch keine wahre Emanzipation! Aber auch dafür brauchte es Aufsehen, Druck und Rebellion, wie immer in der Vergangenheit ob Frauenwahlrecht oder sonst was und es gab immer genörgel und „übertreibt mal nicht“ und dumme Witze. Tatsache ist, lieb und brav wäre nichts erreicht worden – genauso wenig was sexuelle Orientierung betrifft. Und nein, das reicht noch nicht aber ist auf gutem Weg. So lange Jugendliche ein fünfmal so hohes Suizidrisiko haben und denken, sie sind als Homos/Bis die einzigen, weil der Großteil der Medien/TV/Theater/Bücher/ect suggeriert, es gäbe sie nicht, muss noch mehr passieren. Aber es ist auf gutem Weg – und wie gesagt – wegen genau diesem Aufstand!

      • Nee, sorry noch mal Marion :
        Ich kann eben NICHT ins Bett, mit wem ich will, denn meine Traumfrau ist vergeben und deshalb schreibe ich stattdessen bei N4T (wie die meisten hier, vermute ich mal…).

        • @Indra Rupp

          „Ich kann eben NICHT ins Bett, mit wem ich will, denn meine Traumfrau ist vergeben“

          Sorry, was war noch mal das Thema des Artikels?
          „Schopper: „Gendern ist in den Schulen angekommen“, Schüler*innen treiben es voran“
          Ach so.

    • Joo, auch einen guten Rutsch! – Ich glaub, ich hab den Post verstanden. Aber Orgasmenfrequenz als messtechnische Einheit für sexuelle Orientierung oder gar Grad der Verliebtheit, weiß nicht, weiß nicht. Egal, die Diagrammdarstellungen dazu wären sicher lustig :o)
      Bleiben wir sodenn erstmal bei der umherwandelnden, sich wandelnden und verwandelt werdenden Sprache, egal wem was nun passt und wem was unpasst, daweil das fällt in der Veränderung Feld von Kaumwägbarkeit und Sprache ist duldend, knetig und seit jeher schabernackophil polarisierend.

          • Au hä, das kommt voll philosophisch rüber und stimmt auch noch. Je öfter man Kindern verbietet, bestimmte Ausdrücke zu benutzen, desto häufiger tun sie es. Tun die Erwachsenen es auch, wird es uncool. Dann haben wir ja die Lösung. Wer in der Schule als Lehrkraft gegen Gendern ist, sollte häufig Gendern.

    • Findet ihr nicht auch, dass gerade und insbesondere eine Wortschöpfung wie „Gegner*innen“ zur Abgrenzung und Stigmatisierung führt weil der Stern * optisch so stark TRENNEND wirkt! Ich finde das genauso wie den „:“ ein totales Eigentor der Gender-Befürworter! Und man hört sowieso nach dem „Gegner“ unterbewusst auf zu lesen, weil der Rest den Lesefluss stört.

      Wie oben gesagt: ein nicht zu Ende gedachtes Gewurschtel.

      • Ich persönlich bin auch dafür, dass da noch bequemere Alternativen gefunden werden. So lange das aber nicht der Fall ist, möchte ich da wie gesagt Leute berücksichtigen, denen das wichtig ist. Also abwarten, was noch kreatives kommt. Was passt, wird sich auch durchsetzen.

    • Liebe Indra,
      …wie froh bin ich über geeignete Medikamente, wie z.B. „Erotosibirsk“ – Kapseln zum Einnehmen – und endlich ist Ruhe.

      Seit ich die regelmäßig nehme kann ich mich viel besser auf einen völlig geschlechtsneutralen Umgangg mit meinen Mitmenschen einlassen. Ein echter Gewinn!!

      Btw:
      Du schreibst, dass immer mehr junge Frauen bisexuell ausgerichtet sind. Steckt da nicht wieder eine völlig unzulässig eingrenzende Sichtweise drin??
      Da du so sehr Bezug auf das „Binäre“ in unserer Sprache hinweist, die durch das Gendersternchen aufgelöst werden soll, müsste es doch eigentlich richtig „*sexuell“ heißen.
      Immer wieder spannend, wie mal die eine – mal die andere Orientierungsmarke gewählt wird, um den jeweils eigenen Horizont zum leuchten zu bringen.

      Wenn es eine geschlechtliche Festlegung nicht gibt / geben darf, dann möchte ich bitte – je nach Bedarf – meine sexuelle Selbstwahrnehmung jeden Tag und nach momentanen Bedürfnis selber entscheiden dürfen.
      Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob ich – allein auf meinen Hinweis hin, dass ich mich heute sehr weiblich fühle – ins „Fraze“ (Frauenkulturzentrum in Bielefeld) Einlass finde oder ob ich dort – wie üblich / gewohnt / tradiert mit massiven verbalen oder sogar physischen Angängen vom Hof gejagt.

      • Ne, falsch. Nur weil binäre Sprache einschränkt, heißt es doch nicht, dass es binär nicht gibt. Es gibt aber nicht NUR binär! Wenn sich auf Dauer herausstellt, dass die Mehrheit der Frauen bisexuell ist, habe ich dann in Abrede gestellt, dass es auch Heteras gibt? Das sind schon an den Haaren herbei gezogene Vergleiche…

      • bi*sexuell ist Unsinn! Eine Person, ob binär oder nichtbinär, die bisexuell ist steht auf Frauen Und Männer. Eine Person, die auf nichtbinäre Menschen (weitere Geschlechter) steht, ist pansexuell! Pansexuell bedeutet im Grunde, dass das Geschlecht einfach garkeine Rolle spielt. Manche Bisexuelle stellen allerdings fest, dass sie Pansexuell sind, sobald sie sich in eine Nichtbinäre Person verlieben. Inwiefern Transmenschen dazu zählen, ist mir nicht ganz klar. Frage wäre also, ob eine bisexuelle Person sich in eine Frau, die einen Penis hat, verlieben kann oder sich nur ganz binär verlieben kann. Aber das weiß man auch erst, wenn man verliebt ist. Bis mir die richtige Frau über den Weg lief, dachte ich auch, ich wäre bloß Hetero.

        • Ich hatte dich 15:48 in meinem Post erst nicht verstanden. Es scheint um den Begriff Pansexuell zu gehen, der dir nicht bekannt zu sein scheint- ansonsten hättest du recht! 😉

    • Lieber Himmel, @Indra, jetzt denke ich plötzlich an Sex, wenn ich Brötchen holen gehe… ich bin bisher nämlich einfach kurz „zum Bäcker“ gegangen, obwohl die Bäckerei von einer Frau geführt wird, und keine Ahnung, wie sie zu ihren Orgasmen kommt und ob sie überhaupt kommt. Wenn ich ab sofort zur Bäckerin gehen werde, dann nur deshalb, weil ich ihr sexuelles Wohl im Kopf habe, das mir in den 50 Jahren, die ich sie schon kenne, völlig neutral war. Das kann ich nur aushalten, wenn meine Bäckerin gut beschwipste Berliner im Angebot hat, thanks for nothing!

  10. Schön, dass das Gendern in der Schule angekommen ist.
    Ich arbeite noch nebenbei für einen Fachverlag. Wir haben kürzlich beschlossen, dass wir unsere Fachartikel nicht gendern werden. So ist es halt im richtigen Leben …

    • Im richtigen Leben entscheiden sich Menschen so oder so. Und das sollten sie auch in Schule dürfen. Ich werde jedenfalls keine gegenderten Formen bei meinen Schüler*innen anstreichen. Da kann sich Prien auf den Kopf stellen.

    • Herzlichen Glückwunsch zum Beschluss Ihres Verlages, Klaus!
      Als Frau ist mir regelrecht peinlich, wie Leute auf die Idee kommen können, mir würde ein Gefallen getan, wenn mein Geschlecht in der deutschen Sprache mehr berücksichtigt würde.
      Die Unterstellung, ich fühlte mich sonst diskriminiert, zu wenig beachtet und untergebuttert, treibt mir die Schamröte ins Gesicht.
      All meinen Geschlechtsgenossinnen, die mich durch verordnete Sprachreform von angeblicher Unterdrückung und Benachteiligung befreien wollen, möchte ich zurufen: „Bitte nicht! Lasst mir meine sprachliche Freiheit und zwingt mich nicht zu einem Glück, mit dem ihr mich und meine Wünsche (auch als Frau) mehr unterdrückt und herabsetzt, als meine MUTTERsprache – wenn überhaupt – es je getan hat und je tun könnte.“

      Ich habe mich von der deutschen Sprache nie benachteiligt gefühlt, also verschone man mich bitte mit Einreden. Ich bin auch kein dummes, hilfloses Kind, dem man unter die Arme greifen muss, damit es begreift und imstande ist, aufrechten Hauptes durchs Leben zu gehen.

      Wer eine gegenderte Sprache für sein Selbstwertgefühl braucht, möge sich ihrer frei bedienen können. Wer sie jedoch nicht braucht oder sogar schrecklich findet, dem möge man aber auch die Freiheit lassen, sie abzulehnen.
      So sieht echte Gleichberechtigung in der Sprache aus! Ob männlich, weiblich oder divers, jeder darf sich aussuchen, ob er gendern will oder nicht. Und keiner versucht Zwang auszuüben, weder durch moralische noch sonstige Gebote.

      • @Stefania Kunze
        Gut gesprochen. Ich finde diese Sternchen-Diskussion so dermaßen unentspannt, dass ich das Gefühl habe, dass das eigentliche Problem nicht gelöst, sondern eher übertüncht werden soll. So nach dem Motto: Jetzt, wenn wir darüber sprechen, wird alles gut. Nein, wird es nicht, Gleichstellung, Demokratie (unter diversen Geschlechtern) und Emanzipation müssen gelebt werden, um strukturell etwas ändern zu wollen. Da braucht‘s kein Sternchen für.

  11. Schön für Sie. Leider vergessen Sie das die absolute Mehrheit der Menschen das Gendern völlig ablehnt und es nur aufgezwungen wird. Gerne lasse ich mich als alten weissen Mann beschimpfen nur ändert das nicht an der Tatsache das dieses Verhunzen der Sprache eine Katastrophe für jeden einzelnen darstellt der noch mit Kultur aufgewachsen ist. Mörder*innen, Säufer*innen und *aussen feiern das

    • Wenn meine Schüler*innen von selbst gendern, ist das nicht aufgezwungen. Und es sind in diesem Fall ja gerade die Jungen, die hier besonders treibend sind. Ich bin auch nicht mehr jung, aber finde das Gendern nicht schwierig. Allerdings machen mir Veränderungen auch keine Angst. Vielleicht sollten sich die Kritiker*innen mal dahingehend überprüfen. Haben Sie Angst vor Veränderung?

  12. Wirklich interessant wäre doch mal die Frage nach dem Ergebnis: wie wirkt die Gendersprache nun tatsächlich in den Köpfen der Menschen und welche gesellschaftliche Folgen ergeben sich daraus?
    Repräsentative Umfragen belegen regelmäßig die extreme Ablehnung vieler Formen der Gendersprache bei der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung.
    Aus deren Sicht stellt der Gebrauch von Sprachsymbolen wie Genderstern und andere überzogen empfundene Genderformulierungen einen fundamentalen Eingriff in die Sprache, das Sprachverständnis und die Sprachgewohnheiten dar. Für viele entsteht Widerstand und Ablehnung durch das subjektiv begründete Empfinden dieser Symbole als unästhetisch, irritierend, aufdringlich usw.
    Daher hat das Gendern für die überwiegende Mehrheit eine stark abstoßende Wirkung und wird mit einer negativen Begleitvorstellung belegt. Nicht das positive „Sichtbarmachen“ oder „Wertschätzen“ der bezeichneten Personen, sondern die negative „Ablehnung“ der Symbolik, in Folge oft auch deren Akteure, Autoren und Publikationen steht gedanklich im Vordergrund. Auch erste Sprachwissenschaftler sprechen schon von dieser beginnenden Umkehrung der Stigmatisierung, also einer starken negativen Bedeutungsassoziation der Sprachsymbolik.
    Es kann nicht funktionieren, dass eine Sprachform die mit einer derart negativen Wahrnehmung verbunden ist einen positiven Effekt erzielt. Repräsentative Umfragen, unzählige genderkritische Kommentare in den sozialen Medien und die Heftigkeit der Auseinandersetzung auf vielen Ebenen belegen diese Aussagen inhaltlich immer wieder. Bei einem Verhältnis von ca.25% pro zu 75% kontra Gendersprache ist leider zu befürchten, dass das Gegenteil von dem erreicht wird wofür die Gendersprache eigentlich steht.

    • Es muss erst schlimmer werden, damit es besser wird.
      Soll heißen : Als für andere Rechte gekämpft wurde ( Sklaverei abschaffen, Frauenwahlrecht, ect) gab es die negativen Reaktionen auch. Da ging es um die Abschaffung der Sklaverei in den Südstaaten und das Ergebnis war Krieg. Soll das jetzt bedeuten, dass man die Sklaverei also besser nicht abschafft? Oder hat das Frauenwahlrecht erstmal dazu geführt, dass Männer noch mehr um ihre Vormachtstellung kämpfen wollten und Frauen noch mehr unterdrücken wollten und war deshalb nach dieser Logig kontraproduktiv?

      • Worum es geht ist, dass Begriffe/Formulierungen bei Menschen unterschiedliche Bedeutungen assoziieren bzw. ihre Bedeutung auch ändern können. Dieser Prozess ist im viel diskutierten „Framing“ wissenschaftlich hinreichend untersucht und nachgewiesen. Diese Framingmethoden, also künstliche gesteuerte Sprachänderungen, sind demnach ein unkalkulierbares Risiko, da eben diese Formen sehr oft völlig konträr zu dem, was sie eigentlich bedeuten sollten, wahrgenommen werden.
        So wird beispielweise in bestimmten Kreisen ein „*Innen“ mittlerweile als Schimpfwort verwendet. Publikationen, Autoren, Genderaktivisten werden beim Gendern als lächerlich und abwertend empfunden und abgelehnt, Publikationen werden nach den ersten Genderstern nicht mehr gelesen usw.
        Logischerweise ist dies bei Genderaktivisten nicht so, da für die ein Gendern einen positiven Denkanstoß bewirkt. Bei der Mehrzahl nun leider genau anders herum.
        Welche Bedeutungsassoziation Gendern langfristig überwiegend erhält ist offen. Das sagen sowohl pro und contra eingestellte Sprachwissenschaftler. Bei der Art und Weise der Durchsetzung und dem fundamentalen Eingriff in die grundlegende Grammatik der Sprache ist das Risiko, dass in einigen Jahren der Genderstern und Co. bestenfalls die Bedeutungsassoziation einer Lachnummer erhält sehr groß. Aktuell jedenfalls ist dies überwiegend schon heute so. Eine positive Wirkung ist damit auch in der Zukunft sehr unwahrscheinlich.

      • Ja, und manchmal wurde es sogar noch schlimmer, nachdem es schon schlimm genug war (Weltkriege und so).

        Beim Frauenwahlrecht konnte man zumindest grundlegend davon ausgehen, dass 50% der Bevölkerung dahinter stehen würden. Auch beim Bürgerkrieg in den Vereinigten Staaten gab es mit den Nordstaaten eine schlagkräftige Einheit. Hier beim Gendern sieht es momentan aber anders aus: sogar Frauen sind oft DAGEGEN. Und das hat seine Gründe.

        • Tatsächlich glaube ich, dass damals einige Frauen gegen ihr eigenes Wahlrecht waren. Sie haben sich über Frauen lustig gemacht, die das einforderten, wollten sich bei den Männern, die das nicht wollten beliebt machen und meinten somit die stärkere Seite bei sich zu haben. Es gibt auch manchmal solche TV-Rückblicke : Da war eine Gruppe von Frauen, die sich als (erste) Politikerinnen zur Wahl stellen lassen wollten und wurden von einer Frau (!) interviewt, die versuchte mit Fangfragen das Unwissen dieser Frauen zu entlarven und diese Frauengruppe damit bloßzustellen.

          • Das ist ein alt bekanntes Phänomen. Im Zusammenhang mit der Gendersprache hat Sprachwissenschaftlerin Diewald vor kurzem es als sogenannte „Identifikation mit dem Aggressor“ bezeichnet. „Frauen stellen sich auf die Seite der Privilegierten oder sie sind einfach privilegiert und sehen kein Problem in dem jeweiligen Prozess“, so die Genderaktivistin Diewald. Wie dieses Phänomen auf über 50% der Frauen zutreffen kann, die gegen die zumindest überzogenen Formen des Genderns sind, hat sie allerdings nicht erklärt. Anscheinend gibt es da mehrheitlich doch andere Gründe für die überweigende Ablehnung.

          • @ P. H.
            Frauen werden auch mitgemeint, wenn hier von LuL, EuE, KuK, SuS die Rede ist oder wenn man einfach von Lehrerinnen und Lehrern redet oder alternativ von LehrerInnen . Beim Gendersternchen geht es um Nichtbinäre , die definitiv nicht 50% der Gesellschaft darstellen.

          • Über Frau Diewalds einschlägige Publikationen habe ich in dieser Diskussion ja auch bereits exemplarisch etwas geschrieben, speziell zu ihrem Werk „Zur Diskussion: Geschlechtergerechte Sprache als Thema der germanistischen Linguistik – exemplarisch exerziert am Streit um das sogenannte generische Maskulinum“ (in: ZGL 2018, 46(2), S. 283-299), das von fragwürdiger wissenschaftlicher Qualität war; ich zitiere mich selbst:

            “Darauf folgt in dieser Studie ein ’schon immer‘-Strohmann als logischer Fehlschluss, der schon an Bulverism erinnert, gefolgt von noch mehr logischen Fehlschlüssen, z.B. den ‚Blick auf Webseiten von Bankinstituten‘, als ob sich hier nicht bereits Effekte der öffentlichen Debatten/Diskurse finden würden (scheint mir eine Form von affirming the consequent zu sein). Ansonsten gilt auch hier einiges, was für die nächste Linguistin bzw. deren Ausführungen gilt […].“

            Falls das in Unkenntnis der entsprechenden Publikation und meines Beitrags zu kryptisch ist, der soll doch bitte einen Blick in diese Studie selbst (hier zu finden: https://www.repo.uni-hannover.de/bitstream/handle/123456789/3954/Diewald%202018%2c%20Zur%20Diskussion%20Geschlechtergerechte%20Sprache%20als%20Thema%20der%20germanistischen%20Linguistik.pdf?sequence=1&isAllowed=y) und meinen weiteren Beitrag werfen.

            Aber über den Stand der einschlägigen Forshcung habe ich mich ja bereits beschwert. Der verwundert aber insofern nicht, wenn wir dort mit Akteuren konfrontiert sind, die sich z.B. selbst einer „feministischen Linguistik“ zugehörig fühlen, dabei aber (a) nicht den Widerspruch zwischen einem ideologieinduzierenden Adjektiv i.V.m. einem eine wissenschaftliche Disziplin bezeichnendem Substantiv zu realisieren scheinen (zu Recht sind ja Phänomene wie eine kommunistische Historiografie, anthroposophische Psychologie u.ä. Oxymora verpönt) und dabei (b) auch noch einen derart heterogenen Begriff wie den des Feminismus benutzen, wo dieser je nach Welle ganz unterschiedliche Ausprägungen haben kann und in seinen aktuellen Iterationen Positionen umfasst, die unter der gleichen Bezeichnung des Feminismus so unterschiedlicheund z.T. diametrale Positionen erfasst wie pro- bis antimeritrokatischem Egalitarismus, Realisierung oder Negierung von Unterschiedlichkeiten, Gleichberechtigungs- oder Gleichstellungsambitionen oder misandrische Bevorzugungs-/Benachteiligungsagenden, Intersektionalismus oder TERFS etc. Ich bin ganz entschieden für Gleichberechtigung, aber gegen Gleichstellung, ganz entschieden für Egalitarismus, aber nur im meritokratischen Sinne, ganz entschieden gegen Gleichmacherei und für die Wahrnehmung und Würdigung von Unterschieden, ganz entscheiden gegen Diskriminierung jeder Art etc. – Menschen, die sich als Feministen bezeichnen, können all das genau so sehen… oder aber in Wort und Tat diesen Punkten diametral bzw. mit ihren jeweiligen Pendants gegenüberstehen, womit diese Begrifflichkeit des Feminismus eigtl. eine Hohlformel geworden ist.

  13. Wenn ihr LuLis mit euren KuKis besprochen habt, dass ihr euren SuSis deren Gendersprache lasst, dann ist das echt fortschrittlich!
    ( Frag die Maus “ Das war Forumsprech!“)

    • Unsere BiMi in SH (Prien) hat uns verboten zu gendern. Machen wir trotzdem, wenn wir es wollen. Auch unsere Schulleitung (ein Mann;-)). Ich werde konsequent bei meinen Schülis gegendert Formen auch in Zukunft nicht anstreichen.
      BTW: Eigentlich gut, dass Prien das Gendern offiziell untersagt. Jugendliche finde sowas ja oft besonders inspirierend.

  14. Meinetwegen sollen meine Schüler Wurstbrot gendern. Ist mir echt lulu.
    Ich reagiere auf alle Plurale. Allerdings ist ein Studierendensekretariat für mich ein NoGo, da es auch einfach falsch ist und ein Verbrechen an der Sprache.

    Nenne mich auch Klugscheisser und nicht Klugscheisserin. Geschlecht sollte keine Rolle spielen. Ich klicke im Internet immer divers oder anders an, weil es andere einfach nichts angeht, welchem Geschlecht ich angehöre.

    Aber Redepulte, Schulpulte, … also die Verknüpfung mit Verben statt Personenrollen, find ich gut. Ist eine elegante Lösung.

    Und soll doch jeder halten, wie er will. Tu ich auch. Und ich will eher in Richtung Geschlechterneutralität, als das Hochpolieren der Geschlechter auf dem Gendersprachweg. Ich bin Lehrer… fertig. Das Geschlecht dahinter sollte keine Rolle spielen.

    Für mich persönlich ist jeder Gedanke an Lehrer:innen, etc. Zeitverschwendung

    • Warum? Weil Sie nur sich sehen? Könnte man jetzt annehmen. „Ich bin Lehrer … fertig.“ Und Sie scheinen ein Mann zu sein.
      Was ist, wenn Lehrerinnen so argumentieren?

      • @DerrechteNorden
        Ich bin Lehrerin. Argumentiere aber wie Klugscheisser. Ich weiß, dass ich eine Frau
        bin und habe kein Problem mich mitgemeint zu fühlen, wenn von Lehrern gesprochen oder geschrieben wird. Der Begriff „Lehrerinnen“ macht für mich nur Sinn, wenn ausschließlich Frauen gemeint sind. Aber wahrscheinlich bin ich altmodisch oder zu sehr ostsozialisiert. Für mich beginnt nämlich Gleichberechtigung im wahren Leben und da war die DDR wesentlich weiter, vollkommen ohne ideologische Sprachverhunzung (Obwohl auf letzterem Gebiet die DDR ansonsten schon viele „Ideen“ hatte).

        • Finden Sie das doch, wie Sie wollen. Von mir aus können Sie sich als Frau auch mit „Lehrer“ bezeichnen. Mir egal. Umgekehrt möchte ich aber gendern dürfen und meinen Schüler*innen gegenderte Formen nicht anstreichen müssen.

          • An ersterem wird Sie niemand hindern. Eventuellen Spott müssten Sie nur aushalten. Gegenderte Wortkonstrukte ohne Sternchen oder Doppelpunkte gehorchen schon jetzt der amtlichen Rechtschreibung und werden demnach auch nicht angestrichen. Wo ist also das Problem?

          • Geschenkt.
            „ Meinetwegen sollen meine Schüler Wurstbrot gendern. Ist mir echt lulu.“

            Jedem sein Eldorado, mir meines.

    • Und ich bin Lehrerin- und das Geschlecht hinter einer Berufsbezeichung spielt für mich sehr wohl eine Rolle. Man kann auf etwas, das einem (eben nicht einer) selbstverständlich zugestanden wird, immer großmütig verzichten.
      Aber abgesehen davon: Sobald der „Genderstein“ im Wasser Kreise bildet, wird- nicht nur hier- mit einem Wahnsinnsaufwand elaboriert und argumentiert. Und dass, wo Lehrende sooo wenig Zeit und sooo hohe Belastung haben…
      Wenn alle so ausführlich ihren Unterricht vorbereiteten…..
      Frohes Schaffen, Kolleg:innen,

      • Kann man genauso von denen behaupten, die sich so vehement DAFÜR einsetzen. Gibt es nicht wichtigere Dinge als das Gendern in der deutschen Sprache? Betreiben andere Sprachen diesen Aufwand (explizit die Sprachen, in denen überhaupt differenziert wird)?

      • Es ist schon sehr schade, daß Sie meinen es sei wichtig hervorzuheben das sie eine Frau sind, wo doch nur der Mensch und das geleistete zählt, nicht sein Geschlecht.

        Ausserdem haben „Lehrende“ immer 45min Zeit, wie das für Lehrer allgemein aussieht möchte und kann ich nicht bewerten 😉

      • Mensch, du kannst doch jetzt nach der ganzen Sternchendebatte noch nen Doppelpunkt ins Spiel bringen….das überfordert mich jetzt vollends. 😉

  15. Mich interessiert wirklich, was das für junge Mädchen und aufgeweckte Jungen sind. Alles außer linksgrün geprägte gymnasiale Oberschicht würde mich ehrlich geschrieben überraschen.

    Abgesehen sollten sich die Gender-Leute lieber für ein gleichberechtigtes Frauenbild in den konservativen muslimischen Gemeinden einsetzen anstatt sich über Nichtigkeiten wie dritte bis dreißigste Geschlechter zu echauffieren. Das wäre wirklich notwendig, wichtig und richtig, erfordert aber echten und nicht nur Gratismut.

  16. Gendern ist nichts als der versuch einen extrem langwierigen Prozess durch Zwang zu verordnen.
    Die Vorstellung von Personen beiderlei Geschlechts in den Köpfen der Menschen (Lehrer und Lehrerin) soll nicht entstehen, sondern hinein gepresst werden.
    Das funktioniert nicht!
    Es gibt den Nürnberger-Trichter nicht!
    Solche Vorstellungen und Überzeugungen müssen sich entwickeln. Da hilft auch der erzwungene Sprachgebrauch nicht weiter.

    • Vor allem, wo soll diese intersektionslisierung hHalt machen?

      Wenn wir jede Person sprachlich korrekt anreden wollen, wie viele Formen wären dafür nötig?

      Mir reicht die Form „Mensch“ völlig, ob bisexuell, männlich, weiblich divers, divers eher männlich, divers eher weiblich?

      Man verliert sich in Kleinigkeiten.

      Ich sehe Schüler,
      ob männlich, weiblich (manchmal kann ich den Unterschiednicht mal sehen…) schwarz weiß braun.. egal. Es ist ein Schüler. Sein Benehmen ist wichtig. Seine Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit. Mehr will ich nicht.

      Ich will nicht nach Aussehen kategorisieren: behinderte schwarze Frau… for what: es ist ein Mensch, fertig.

      Durch Gendern wird nur weiter kategotisiert.
      Eine Rede wird danach beurteilt, ob der Redner männlich oder weiblich ist.
      Eine Arbeit von einem Künstler witd auch oft danach beurteilt, ob der Künstler wriblich oder männlich ist.
      Ein Politiker wird anders bewertet je nach Geschlecht…
      Ein Manager…
      Ein Arzt…
      Ein Chirurg..
      Ein Automechaniker…
      Eine medizinische Fachkraft…

      Das ärgert mich. Und Gendern ändert gar nichts, es erhöht m.E. nur die Gefahr der Bewertung nach Kategorien wie männlich weiblich…

      • „Durch Gendern wird nur weiter kategotisiert.“
        Stimmt! Aber wir sollen und wollen doch nicht kategorisieren, weder bei Hautfarbe noch bei Geschlecht. Und jetzt diese Betonung unterschiedlicher Geschlechter?!
        Ich verstehe einfach nicht, dass der Antirassismus mit dem Finger besonders auf die unterschiedlichen Hautfarben zeigt und der Antisexismus besonders mit dem Finger auf die unterschiedlichen Geschlechter.
        Ich meine sogar wahrzunehmen, dass man die Hautfarben und Geschlechter dadurch besonders gegeneinander aufbringt, obwohl das Gegenteil die Absicht sein soll.

  17. Hier fordert eine Schulministerin die SuS auf, die Regeln der Rechtschreibung zu missachten bzw abzuändern, und das geschieht ungeniert und augenzwinkernd mit der Perspektive, dass sich deshalb später auch diese offiziellen Rechtschreibregeln ändern werden.
    Das ist sehr merkwürdig vom Prinzip her. Was wäre denn, wenn später „rechte“ Politiker die SuS auffordern, doch wieder die alten Regeln zu verwenden, also das Gender-Sternchen wegzulassen? Ich wette, dann gibt’s hier bei news4teachers einen Artikel mit der sinngemäßen Überschrift „Rechtspopulisten hetzen gegen Rechtschreibregeln“. Vor dem Gesetz sind eigentlich alle gleich, aber manche sind halt gleicher. Gab’s das nicht schon mal?
    NB: Ich gehe davon aus, dass das Gender-Sternchen nicht „von unten“ aus dem Volke kommt wie so manche sprachliche Schlamperei, die später dann allgemein toleriert wurde, sondern gezielt „von oben“, nämlich von bestimmten Lobbyisten-Organisationen und Partei-Funktionären. Für mich ist das ein Unterschied.

    • Lieber Carsten60,

      dass Sie Überschriften von News4teachers, die es so nie gegeben hat, imaginieren – geschenkt. Dass Sie – von Ihrer Fantasie ausgehend -, dann aber gleich eine Verbindung von News4teachers zu den Diktaturen der Vergangenheit ziehen, geht uns aber doch ein bisschen zu weit.

      Herzliche Grüße
      Die Redaktion

    • Es gab hier jedenfalls eine Überschrift „AfD will Anti-Gender-Kreuzzug in Schulen“. Das Wort „Kreuzzug“ (ursprünglich ja kriegerisch mit Waffen) wird neuerdings in seltsamem Kontext gebraucht. In der Bedeutung ist das von „hetzen“ nicht allzu weit entfernt. Und wo habe ich was von „Diktaturen der Vergangenheit“ geschrieben? Dass einige „gleicher“ sind als andere, steht meines Wissens in George Orwells „Farm der Tiere“, eine reine Fiktion. Entstehende Ähnlichkeiten zur realen Geschichte sind nur rein zufällig. 🙂

  18. Ich habe mich von der deutschen Sprache nie benachteiligt oder ausgeklammert gefühlt.
    Wahrscheinlich muss man den Menschen, wie auch anderen Gebieten auch, erst Benachteiligungen einsuggerieren, damit sie sich auch ja ungerecht behandelt fühlen und möglichst empört auf die Barrikaden gehen.
    Die typisch deutsche Spitzfindigkeit im Neiden und Missgönnen erklimmt hier Höhen, die mich an Schildbürgerstreiche erinnern, nur mit dem Unterschied, dass ich über sie nicht mehr lachen kann.
    Hoffenlich können das Generationen nach mir, wenn ein Buch erscheint über die wahren und historisch belegten Streiche im Deutschland des 21. Jahrhunderts.

  19. Gendern wurde also auch von den Schüler*innen in die Schulen getragen. Wir lassen das jetzt mal durchlaufen und beobachten sorgfältig mit Werkzeugkoffer im Anschlag die Bremsscheiben. Im schlimmsten Fall benutzen wir Taschentücher, verdammte Axt!

  20. Ich finde es schade, daß mit dieser Form der Sprache non-binäre, wie ich, konsequent ausgeschlossen werden!

    Denn der sogenannte Genderstern hat lediglich die Funktion z.B. „Schüler und Schülerinnen“ mit „Schüler*inner“ abzukürzen.
    Es wird also lediglich das weibliche und männliche Geschlecht angesprochen.

    Selbst wenn dieser Stern uns non-binäre „mit meinen“ würde, hab ich was dagegen durch einen Stern markiert zu werden (hatten wir schon mal in Deutschland und war eine blöde Idee).
    Und in der Grammatik hat der Stern die Funktion Text zu markieren, welcher nicht in den Hauptteil passt….gar nicht diskriminierend.

    Unsere Sprache hat ein Möglichkeit mit nur einem Wort alle zu inkludieren, diese ist das generische Maskulinum in seiner neutralen Form.

    Das sich einige Frauen nicht angesprochen fühlen wenn kein man sie nicht explizit nennt, ist kein Fehler in der Sprache, sondern ein Fehler im Sprachverständnis dieser Menschen.

    Hätten wir Merkel von Anfang an als „Frau Kanzler Merkel“ (sie selbst nannte sich ja auch Minister) genannt, hätten wir heute 16-jährige, welche beim Wort Kanzler an eine Frau denken.

    • Finden Sie, was Sie wollen. Aber akzeptieren Sie umgekehrt doch einfach, wenn Menschen gendern möchten. Wo ist das Problem?

      • Jeder darf machen was er will.
        Bedenklich wird es an dem Punkt, wo strukturelle Diskriminierung im Unterricht vermittelt wird, und dass anscheinend äußerst unreflektiert.

        Denn, wie gesagt, ist Gendergerechte Sprache vieles, aber auf keinen Fall gerecht allen Gender gegenüber.

      • @DerechteNorden Das Problem ist, dass viele überzogene Formen der Gendersprache von der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung als sprachliche Katastrophe empfunden werden. Aber gut, die gendern wollen können es von mir aus gerne tun. Solange sich von den Genderaktivisten niemand beschwert, dass ich mich über so lächerlich wirkende „*:_Innen“ Bezeichnungen dann auch laut lustig mache ist das alles in Ordnung.

      • @DerechteNorden
        Dass Menschen gendern möchten, ist kein Problem. Nur dass sie andere nicht in Frieden lassen, wenn diese ablehnen, ist ein Problem. Glühende Missionare, die auch noch stinkig werden, wenn man ihre Lehre nicht annimmt, können ganz schön aufdringlich und nervig sein.

    • @S.Havertz
      Vielleicht können Sie mir eine Frage beantworten, die mich umtreibt.
      Wenn Sie Erziehungsberechtigter einer meiner Schüler wären, wie sollte ich Sie ansprechen? Darf ich nach dem „äußeren Anschein“ gehen und dann entweder Herr H oder Frau H sagen, oder wäre das beleidigend?
      Wie erkenne ich eine binäre Person, bevor ich mich mit einer unbedachten Äußerung in die Nesseln setze?
      Ich möchte nicht respektlos sein, aber auch nicht auf dem ersten Elternabend die Geschlechtsidentität der Anwesenden abfragen.

      • Da antworte ich mal für das queere Forum :
        IdR finden Nichtbinäre es falsch /beleidigend wenn sie als Herr/Frau oder mit er/sie angesprochen werden. Es ist in diesen Kreisen durchaus üblich, dass man sich bei einem Treffen vorab erkundigt, wie Teilnehmende angesprochen werden wollen. Ist ja eigentlich nicht mehr, als wenn man sich auf Du oder Sie einigt. „Es“ lehnen viele ab. „They“ wird oft aus dem englischen übernommen. Viele wollen dann auch einfach nur mit Namen angesprochen werden. Viele haben einen Doppelvornamen , bestehend aus einem weiblichen und einem männlichen Namen (zB “ Hans-Christa“) oder einen NB Namen, davon gibt es ja auch jede Menge. Mein eigener Name ( Indra) ist das zufällig auch und kann sowohl weibl als auch männlich sein. Hierzulande aber eher weiblich. Ich wurde aber in Briefen auch schon mit Herr angeschrieben (was mir selber egal ist, da ich mich überall als Frau akzeptiert fühle und das ist übrigens der springende Punkt, warum es anderen wiederum nicht egal ist, vor allem NB’s und Feministinnen) . Wäre ich NB, würde ich dann also wahrscheinlich mit Indra Rupp ohne Herr/Frau angesprochen werden wollen. Das sieht aber jede NB Person anders und müsste vorab geklärt werden. Bei Bewerbungsgesprächen ist es mittlerweile üblich, vorab zu erfragen, wie jemand angesprochen werden möchte. Optisch ist nicht unbedingt zu erkennen, ob es sich um eine NB Person handelt, da muss die Person das dann auch selber ansprechen. Bei einer Lehrkraft wäre es sicher so, dass diese beim Elternabend dies vorab selber klären würde.

        • Mir wäre dieses Verfahren nicht nur zu umständlich, sondern vor allem zu peinlich, Frau Rupp. Sowohl als Ansprecherin als auch Angesprochene würde ich mich äußerst unwohl fühlen.
          Mich beschäftigen aber noch zwei Fragen:
          1) In welcher, außer der Du-Form, könnten Nichtbinäre denn konkret angesprochen werden wollen? Ich habe keinerlei Vorstellung und möchte nicht duzen müssen.
          2) Im Zusammenhang mit Gender heißt es immer, das Geschlecht könne oftmals gewechselt werden, je nachdem, wie man sich aktuell sehe oder fühle. Sollte ich deswegen jedesmal bei Leuten, die ich Sieze und von denen es viele gibt, nachfragen, wie Sie im Moment angesprochen werden wollen?
          In diesem Zusammenhang interessiert mich der Elternabend besonders. Sollte ich jedes Mal im Voraus neu klären, wie die Eltern angesprochen werden wollen? Es könnte ja sein, dass ein Wechsel stattgefunden hat.

          • Das ist so eine Nebelkerzen bzw auch einfach unrealistische Spekulation von Leuten, die da keinen Bezug zu haben. Transmenschen gehen einen langen Leidensweg durch, so lange sie „falsch gelesen“ werden. Kinder sind in ihrer Art da grausam, und reden von „echten“ und „unechten“ Jungs, wie ich letztens im Schulbus gegenüber eines Trans jungen (12J.) mitbekam. Es wird als furchtbar empfunden, wenn dann die Pubertät einsetzt. So, wie ich es als Frau auch furchtbar fände wenn nach und nach der Körper immer männlicher wird. Derweil muss man demütigende Pathologisierungen von Psycholog*innen über sich ergehen lassen und betteln, verzweifeln und leiden bis man die nötigen Hormone kriegt. Dann nimmt man vielleicht noch schmerzhafte Operationen auf sich und wenn nicht, wird man wieder in Frage gestellt. Schließlich trifft man auf eine transphobe Gesellschaft. Ein schwules Cis-Paar muss sich nicht outen und muss nicht abends Händchen haltend durch die Innenstadt gehen. Eine Transfrau ist aber immer eine Transfrau und oft auch als solche erkennbar. Durch die Hormone entstehen nahezu gleiche körperliche Verhältnisse (durch reduziertes Testosteron) wie bei Cis-Frauen. Das berücksichtigt die Gruppe Männer, die die Transfrau zusammenschlägt dann aber nicht und auch das Interesse der Gesellschaft dafür ist eher Mau – wie würden wir reagieren, wenn fünf Männer eine Cis-Frauen zusammenschlagen würden? Dann gibt es noch Feministinnen (Terfs) die Sorge haben, dass ihren mühsam erkämpften Platz als Frauen etwas genommen wird und die argumentieren, dass auf diese Weise Männer in Frauenschutzräume eindringen könnten. Tatsächlich haben Transfrauen echt andere Sorgen als Cis-Frauen zu belästigen. Transfrauen sind noch viel diskriminiertes und schutzbedürftiger als Cis-Frauen und kämpfen ebenfalls um ihre Anerkennung. Beide sollten sich also lieber zusammenschließen. Cis-Frauen suchen sich hier die „falschen“ Gegner(innen)! Nun könnte ein Heterosexueller Cis-Mann theoretisch diese Möglichkeit nutzen, um als Mann in einen Frauenschutzraum zu kommen und dort Frauen anzugreifen. Klar, geben tut es immer alles und Verbrechen wird es immer geben. Bei dem, was ich jetzt alles aufgezählt habe, können Sie sich aber vielleicht vorstellen, wie unverhältnismäßig der Aufwand und die Nachteile dafür wären. Kurz: Keiner ist mal eben zum Spaß eine Transfrau!
            Genauso ist es auch bei Nichtbinäre und allgemein. Ich bin eine Frau und ich WILL kein Mann sein und würde mich da total unwohl fühlen. Ich käme mir verstümmelt vor, wenn ich dafür etwas unternehmen würde. Schon mir einen Männer Haarschnitt zu verpassen und mir zusätzlich die Beine nicht zu rasieren und dann noch etwas um den Busen zu wickeln, so dass dieser optisch nicht mehr erkennbar wäre käme mir wie eine persönliche Misshandlung vor. Soll heißen, idR macht das niemand mal eben aus Spaß. Es wird also seltenst vorkommen, dass sie das auf einem Elternabend erfragen müssen. Wenn jemand da wirklich selber nicht weiß, was er will, kann er natürlich auch nicht verlangen, dass andere das wissen. Deshalb ist es dann an dieser Person selber, darüber zu informieren.
            Zu Ihrem ersten Punkt :“ Hans-Christa Schröder, schreiben Sie das Protokoll?“ anstelle von “ Herr“ oder“Frau“. Man kann natürlich Vornamen nutzen und trotzdem siezen (genauso wie Kinder Nachnamen nutzen und trotzdem duzen 😉 ). Nichtbinäre Personen sind sehr selten und wenn Sie wirklich auf einem Elternabend jemanden treffen sollten, dann am besten fragen, wie die Person angesprochen werden möchte. Bei Transmenschen ist das dagegen ganz binär. Eine Transfrau, wie Politikerin Tessa Ganserer zB, möchte immer weiblich angesprochen werden. Er zu sagen wäre Misgendern und wird als demütigend empfunden, vor allem das benutzen des früheren Namen ( Deadname).
            Dies ist auch als Info für Lehrkräfte wichtig, denn Transkinder gibt es schon immer wieder mal und die leiden eh schon, was sich noch verschlimmert, wenn sie von Lehrkräften ignorant misgendert werden.

      • Das ist wirklich eine gute Frage, zu der auch mir bis heute eine zufriedenstellende Antwort fehlt.

        Es wird in der Regel ja gesagt man solle Herr und Frsu weglassen, aber das klingt auch für mich wenig elegant.
        Ich persönlich bin dementsprechend offen, wenn Leute mich „Herr…“ oder „Frau…“ nennen. Auf der Arbeit, wo eigentlich wir uns auch förmlich ansprechen, hat sich inzwischen durchgesetzt mich nur beim Vornamen zu rufen.

    • @S.Havertz Das ist ja mal eine wirklich interessante Aussage. Sie als non-binäre Person fühlen sich von Genderstern nicht angesprochen, wo doch gerade aus der queeren Community die Forderung eines Ansprechens durch den Genderstern kommt. Böswillige behaupten sogar, wir hätten dieser Community die lächerlich wirkenden Sprachsymbole zu verdanken. Interessant wie extrem unterschiedlich selbst innerhalb einer Gruppe derartige Sprachsymbole wirken und welch unterschiedliche Bedeutungsassoziationen dahinterstehen. Es kann nicht funktionieren, dass diese Symbole allgemein als wertschätzende Bezeichnung wahrgenommen werden.

      • Im queeren Forum schießen die Kommentare bei dem Thema ebenfalls in die Höhe. Einfach mal queer. de und das Thema eingeben. Natürlich sind dort nicht alle derselben Ansicht, das wäre unnatürlich. Es war aber meiner Erfahrung nach immer so, dass Transmenschen und Nichtbinäre sich für das Gendern ausgesprochen haben und einen Teil der Cis Leute auf ihrer Seite hatten – oder die das Bedürfnis (wie ich) zumindest berücksichtigen wollen, so lange es keine geeigneten Alternativen gibt. Das es doch irgendwie schlecht ist, als Nichtbinäre Person durch eine Sprechpause (=*) mitgemeint zu werden, hatte ich da auch schon angesprochen. Wenn es der Person gleich ist, dann lass ich das auch. Genau wie bei Frauen. Genauso ist es doch, wenn man sich auf Sie oder Du einigt… Diejenigen, die gegen das Gendern sind, waren dann aber immer „weiße, schwule, Cis-Männer“ und das wird denen dann auch von Trans/NB – Seite vorgeworfen. Die schwulen Männer sind in der Gesellschaft nämlich deutlich privilegierter und akzeptierter als zB Transfrauen und der Vorwurf besteht darin, dass diese Männer sich darauf ausruhen und ihnen die fehlende Akzeptanz gegenüber zB Trans egal ist.
        Die Männer wiederum ( lesbische /bisexuelle Cis-Frauen sind in dem Forum sehr unterrepräsentiert) arbeiten zB im Verlag oder bei einer Behörde und haben ein Problem damit, wenn das Gendern konsequent durchgezogen wird, dann hieße es zum Beispiel auch eine*r, jede*r, der*die, usw. Damit kann ich mich auch nicht anfreunden, weil zu kompliziert. Ich belasse es bei der Anrede (um quasi symbolisch zu verdeutlichen, dass ich in meinem darauffolgenden Schreiben keine Person ausgrenzen möchte) . Bezüglich der Vorwürfe liegt die Wahrheit natürlich in der Mitte. Denn natürlich ist es auch so, dass man sich auf seinen Privilegien ausruht und es dann nicht so wichtig nimmt, so lange es einen nicht selber betrifft. Das sieht man dann ja auch daran, wieviel genauer diese schwulen Männer in diesem Forum es nehmen, wenn es plötzlich um sie geht. Community ist also nicht gleich Community und da sind schon garnicht alle gleichmäßig diskriminiert und haben somit alle dasselbe Problem. Schwule Cis-Männer heiraten / Transfrauen werden ermordet (vor allem in USA /Südamerika).

          • Das weiß doch eh jeder und da haben es Homosexuelle Cis auch nicht viel besser, wenn überhaupt.

          • Jetzt sagen Sie aber nicht, ich solle erstmal die Welt Religionen ändern, bevor ich auf Missstände im eigenen Land aufmerksam mache. Ich habe auf solche Scheinargumente echt keine Lust mehr! Wenn hierzulande ein Mann eine Frau auf der Straße sexistisch beleidigen würde, darf man das dann auch nicht kritisieren, weil Frauen in arabischen Ländern doch noch viel schlechter behandelt werden? Nein, ich möchte meinen Maßstab bezüglich des Umgangs miteinander nicht an fernen Ländern orientieren oder mich, wie von @ Fr. M als feige darstellen lassen, weil ich hier nach meinen Möglichkeiten für die Rechte von Benachteiligten spreche aber nicht nach Katar reise, um dort als Geheimagentin die Gefängnisse zu stürmen. Fr. M ist da vielleicht anders ^^…
            Übrigens : Wenn sich bezüglich Anerkennung von Homosexuellen, Abschaffung von Strafen für diese, Rechte von Frauen ect etwas in diesen Ländern ändert, dann weil westliche Länder da als Vorbilder fungieren und auch Druck ausüben. Umso fortschrittlicher westliche Länder in dieser Sache sind und umso mehr diese an einem Strang ziehen, umso besser.
            PS : Es wird oft davon geredet, dass diese menschenfeindlichen Anteile aus der arabischen Welt einen negativen Einfluss auf uns hat (und quasi zu uns rüber kommt, sich hier verbreitet – also spezielles Gedankengut). Man merke bitte einmal auch, wie es umgekehrt mit dem Einfluss aussieht! Da gehe ich so durch die Fuze und eine Frau mit Kopftuch geht an mir vorbei und stampft gerade am Handy ihren Mann in den Boden, der gefälligst mehr nach den Wünschen seiner Frau mit dem Geld haushalten soll…. 🙂

          • @Indra Rupp
            Nein, Sie müssen nicht Religionen ändern, sollten sich aber stark machen für die Änderung frauenfeindlicher Traditionen.
            Für die Glaubwürdigkeit von Gender ist unabdingbar, dass nicht gerade dort die Hände in den Schoß gelegt werden und man sich wegduckt, wo die Gleichberechtigung von Frauen und Mädchen tatsächlich mit Füßen getreten wird und sich das weibliche Geschlecht, Homosexuelle und Binäre in echten Lebensnöten befinden.
            Ich glaube nicht an die edlen Begründungen von Gender und deren angeblich so guten Auswirkungen auf unsere Gesellschaft und Kultur (u.a. die Sprachkultur), solange man nicht dort tätig wird und werden möchte, wo Frauen und sexuelle Minderheiten in echter Not sind und dringend Gleichberechtigung und Beistand brauchen.

            Es ist doch ein schlechter Witz, bei uns Diskussionen über Sternchen und Sprechpausen anzuschieben, als litten Frauen und Mädchen tatsächlich unter der deutschen Sprache, und untätig zuzusehen, wie sie woanders zwangsverheiratet, missbraucht, misshandelt, genital verstümmelt und nicht zuletzt getötet werden.

          • @Carla, und diese „Traditionen“ werden sukzessive auch bei uns eingeführt, wenn wir da unsere Augen verschließen. Hier ist Engagement gefragt, aber ist natürlich viel aufwendiger und unbequemer, als über Genderism zu dozieren.

  21. Ich lehne weiterhin, wie die Mehrheit der Deutschen auch, das Gendern ab. Politiker und Medien, die mir das aufzwingen wollen, werde ich nicht unterstützen.

  22. Da gibt es übrigens eine ganz aktuelle Studie (Masterarbeit) über: „Die Bedeutung von Gender-Sternchen für Kinder und Jugendliche“.
    Ein Kernsatz in der Zusammenfassung der Studie:
    „Sie befürworten mehrheitlich die Intention und das Ziel von geschlechtergerechter Sprache. Gleichwohl kritisieren sie die Umsetzung. Ebenso wird die Notwendigkeit teilweise hinterfragt. Die befragten Kinder und Jugendlichen präferieren insgesamt eher geschlechtsneutrale Personenbezeichnungen, um Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht anzusprechen und gleichermaßen sowohl Irritationen als auch Diskriminierungen zu vermeiden.“

    Auf den ersten Blick ist die Studie sehr einseitig pro Gendern ausgerichtet und unterschlägt teilweise wesentliche Diskussionspunkte und wissenschaftlich strittige Themen. Trotzdem ein interessantes Ergebnis aus dem Teil der Studie, die eine Befragung von Kindern/Jugendlichen zur Gendersprache vornimmt.

    https://www.grin.com/document/1158219

  23. @Carla 1.1. 20.18 Uhr
    Ich frage mich, ob solche schreibweisen eine indirekte Afd – Empfehlung durch die Hintertür sind. Nur vorsichtshalber angemerkt : Die Afd ist keine frauenfreundliche Partei und nutzt ihren Verweis auf frauenfeindliche Traditionen ( meist gemeint sind damit Kulturen) um gegen Ausländer und Migranten zu hetzen. In so einem Fall stellen sie sich dann auf die Seite von Homosexuellen und wenn es um deren Rechte geht wiederum auf die Seite von „Traditionen“. Alles nur, um die Einen gegen die anderen auszuspielen und die Lachnummern Weidel, von Storch und Co sind nur deren Alibi Frauen!
    Im Bezug auf Gendern geht es auch nicht direkt um Frauen, denn da würde auch das Binnen-I reichen. Es geht beim Sternchen um Nicht-binäre! Die gehören zur queeren Community und ja, diese Community setzt sich ein für Verbote von Intergeschlechts-operationen, Lesben für Frauenrechte, Schwule und speziell Dragqueens setzen sich auch gegen Sexismus bezüglich des „Frauenbildes “ ein. Jeder hat sein Thema. Ich weiß, wie queere Jugendliche sich in der Schule fühlen wo „schwul“ das Schimpfwort Nummer 1 ist. Ich bin dort als bisexuelle Frau geoutet und zeige das durch Tragen eines Regenbogenarmbandes. Damit will ich anderen Mut machen – mein Sohn allerdings war anfangs etwas um meine Sicherheit besorgt, da er die teilweisen Ansichten von Oberschülern (ja, männliche 😉 ) dort kennt.
    Bei unserem großen Amatheurtheater, dass von rund 8.000 Zuschauern im Jahr besucht wird, habe ich mich beim Vorstand eingebracht, dass wir mehr die Wirklichkeit repräsentieren sollten. Das ist, genau wie in TV und Medien extrem wichtig, damit Menschen mit Behinderungen, Migranten, Queere, ect in der Gesellschaft anerkannt werden. Also auch mal eines der Kinderrollen im Rollstuhl spielen, gleichgeschlechtliche Paare darstellen ect.
    Ansonsten ist Inklusion mein Thema, wo ich Erfahrungen zusammentrage um zu reflektieren, was getan werden muss, damit die Umsetzung gelingt.
    Dann schreibe ich an einem Buch, was sich im zweiten Teil ebenfalls mit Inklusion befasst und im ersten Teil mit Mobbing und sozialer Diskriminierung. Dafür muss meine Erfahrung an einer Waldorfschule herhalten – aber nein, dass ist kein „Lehrer-hasser-Buch“! Am Ende wurde mein Sohn ja auch von einer Regelschullehrerin, wie ich immer sage „gerettet“. Man kann aber anhand dieser Geschichte der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten und das hinterfragen, was da vorgefallen war. Und halt auch Kinder mit Beeinträchtigungen als Menschen näher bringen. Ich finde sowas wichtig und finde auch, dass man damit was erreicht. Man kann auch etwas erreichen, wenn man hier schreibt…
    Ach, so, da ich Straßenmusikerin (bzw Puppenspielerin) bin, habe ich in der Fuze auch Kinder aus sozial schwierigen Verhältnissen vor mir sitzen, die sonst nicht ins Theater o ä gehen würden und sich das gratis anschauen können, während die Eltern am schoppen sind. Bei mir spielt die Puppe auf einem Instrument und singt dazu alte Lieder wie „im Märzen der Bauer“ und ähnliches. Deshalb habe ich oft mehr alte Menschen zum zugucken. Sie finden es toll, dass man noch irgendwo diese alten Lieder aus ihrer Kindheit hören kann und das die Kinder von heute durch das Puppenspiel damit in Kontakt kommen.
    Ich finde, ich bringe mich ganz gut ein und wie sieht es bei denen aus, die mir hier Feigheit und Bequemlichkeit vorwerfen?

    • Nachtrag :
      Die Afd sind die wahren „Gutmenschen“, denn die wollen mit scheinbar „gutem“ die Leute ködern um damit ihre eigenen garnicht guten Belange durchzusetzen. Sie benutzen also das „Gute“ nur und sind somit nicht gut!
      Die Afd verweist vielleicht auf die armen Frauen in muslimischen Ländern, aber nur um uns gegen deren Männer aufzubringen. Würde das gelingen, wären die Frauen dann für die Afd ein leichtes Spiel und die Afd würde diese muslimischen Frauen dann NICHT unterstützen! Und auch nicht Homosexuelle, die, aufgrund der Situation für ihresgleichen in diesen Ländern, möglicherweise auf die Afd hereinfallen.
      Es bringt also garnichts, auf die Afd hereinzufallen. Es bringt aber ganz viel nach seinen Möglichkeiten ein gutes Beispiel zu geben. Das kann die Lehrerin als Vorbild für ein muslimisches Mädchen sein. Der Klassenverband und der Freundeskreis, der andere Wertvorstellungen hat, als evtl die Familien dieser Kinder. Die Europäische Union, die Ungarn sanktioniert. All das geschieht und hat auch schon viel erreicht. Wie ich schon schrieb, beeinflussen andere Kulturen nicht nur uns, sondern wir natürlich auch sie!
      Dafür reicht es nicht zu sagen, alles gut bei uns, so lange es nicht so schlimm wie anderswo ist. Ob sich das Gendern nun durchsetzt oder nicht, ob wir nun zu dem Ergebnis kommen, dass an dieser oder jener Stelle Rassismus Fakt ist oder nicht. Wichtig ist, dass es unser Anliegen ist, hier Missstände zu beheben weil wir eben keine Menschenverachtenden Zustände haben wollen und versuchen wollen, die Würde aller Menschen zu achten. Dafür dürfen wir, auch aufgrund unseres Wohlstands, ruhig die Messlatte hoch anlegen und uns nicht an Verfolgerstaaten messen.
      Auch wenn ich hier schreibe, tue ich etwas dafür! Das ist passiver Protest und somit dasselbe, wie auf der Straße zu demonstrieren. Wahrscheinlich erreicht man aber im Internet sogar mehr Menschen. Das ist nicht bequem und feige. Das ist sogar äußerst Notwendig, wenn man bedenkt, mit welchen Tricks zB die Afd den Leuten versucht den Kopf zu verdrehen. Auch das verbreitet sich im Internet und da muss man aufklären und gegenhalten.

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