Lehrerverbände: Lasst die Flüchtlingskinder in diesem Schuljahr erst mal ankommen

32

MÜNCHEN. Viele geflüchtete Ukrainer sind Kinder und Jugendliche. Sie sollen möglichst schnell die Gelegenheit bekommen, trotz der dramatischen Erlebnisse in ihrem Land hier in den Schulen Fuß zu fassen, betonen bayerische Lehrerverbände in einer gemeinsamen Erklärung. Sie warnen allerdings das Kultusministerium davor, Druck aufzubauen – die Kinder und Jugendlichen sollten in diesem Schuljahr erst einmal ankommen.

Auf dem Weg in den Westen: Ukrainisches Flüchtlingskind, laut Bilderdienst Shutterstock am 7. März 2022 am Bahnhof Lviv. Foto: Shutterstock / Ruslan Lytvyn

Die hohe Zahl an ukrainischen Kriegsflüchtlingen erfordert nach Ansicht bayerischer Lehrerverbände eine Berücksichtigung bei künftigen Klassenbildungen. «Mit Blick auf den September ist für die gesamte Schulfamilie eine vorausschauende Planung notwendig, die eine großzügige Klassenbildung für den Schulstart 2022/23 beinhalten muss», teilten die Vorsitzenden der in der abl vertretenen Verbände am Montag in München mit. Der abl gehören der Bayerische Philologenverband (bpv), der Bayerische Realschullehrerverband (BRLV), die Katholische Erziehergemeinschaft in Bayern (KEG) und der Verband der Lehrer an beruflichen Schulen in Bayern (VLB) an.

«Im verbleibenden Schuljahr sollten die Menschen erst einmal ankommen und individuell Fuß fassen dürfen»

Die aktuellen politischen Geschehnisse brächten eine neue Situation an die Schulen, die nach Auffassung der Verbände «gemeinsam mit allen Beteiligten schrittweise, individuell und in pädagogischer Verantwortung bewältigt werden muss», hieß es weiter. Der zur Verfügung stehende Zeitrahmen sollte dazu «durchaus ausgeschöpft werden dürfen», um sich in Ruhe einen Überblick zu verschaffen und zur richtigen Zeit die ukrainischen Schülerinnen und Schüler behutsam in das bayerische Schulsystem einfädeln zu lassen. Nach dem bayerischen Schulgesetz beginnt die Schulpflicht drei Monate nach dem Zuzug aus dem Ausland.

«Im verbleibenden Schuljahr sollten die Menschen erst einmal ankommen und individuell Fuß fassen dürfen. In dieser ersten Übergangsphase muss es im Kern um Orientierung, pädagogische Betreuung und Sprachförderung gehen», betont abl-Präsident Michael Schwägerl. Für das kommende Schuljahr sei es das Ziel, in pädagogischer Verantwortung in kleinen Schritten die angekommenen Kinder in die neue Heimat zu integrieren, auch wenn nicht sicher sei, ob der Aufenthalt zeitlich begrenzt ist oder dauerhaft sein werde. Zudem sollte die Bereitschaft ukrainischer Lehrkräfte genutzt werden, um diese im Rahmen von multiprofessionellen Teams als Ansprechpartner und Betreuer für ukrainische Kinder unterstützend in den Unterricht einzubeziehen.

«Hierbei helfen keine warmen Worte oder Absichtserklärungen, sondern klare politische Entscheidungen und Lösungen»

«Es ist höchste Zeit, jetzt die Voraussetzungen zu schaffen und Entscheidungen zur Bewältigung der beiden großen Aufgaben zu treffen, die auf die Bildung in unserem Land zukommen. Hierbei helfen keine warmen Worte oder Absichtserklärungen, sondern klare politische Entscheidungen und Lösungen», erklärt Jürgen Böhm, Bundes- und (bayerischer) Landesvorsitzender des Realschullehrerverbandes.

Die Menschen, die jetzt aus der Ukraine flüchten, müssten die Möglichkeit bekommen, weiter Bildung und umfassende soziale und medizinische Unterstützung zu erhalten. «Dabei gilt es, alle Möglichkeiten zu nutzen, die auch die Menschen aus der Ukraine selbst mitbringen. Dabei müssen in Deutschland die Voraussetzungen geschaffen werden, dass ukrainische Lehrkräfte die Beschulung in der Muttersprache übernehmen können und dass online-basierte Unterrichtsmittel aus der Ukraine, die natürlich vorhanden sind, genutzt werden.» Die kulturelle, sprachliche und nationale Identität, die den Menschen von den Aggressoren abgesprochen werde, müsse erhalten und gestärkt werden.

Böhm: «Die Kinder und Jugendlichen brauchen jetzt in erster Linie Rückhalt, feste Strukturen und Zuneigung. Es geht um die volle Unterstützung der jungen Menschen, die in eine freie, demokratische Ukraine zurück wollen. Eine falsch verstandene Integration und ein Überstülpen unseres Bildungswesens sind jetzt völlig fehl am Platz. Wir brauchen jetzt klare Übersicht, Unterrichtsräume und qualifiziertes Personal zur Beschulung.»

Natürlich könnten vorerst die Strukturen der Flüchtlingswelle von 2015 genutzt werden. «Auf lange Sicht muss man diesen Jugendlichen jedoch eine eigene ukrainische Perspektive bieten.» Noch einen Punkt betont der VDR-Bundesvorsitzende in diesem Zusammenhang: die Corona-Schutzmaßnahmen an den Schulen aufrechtzuerhalten. Böhm: «Wer den Maskenschutz aufhebt, der spielt mit der Gesundheit der jungen Menschen» – eben auch der Flüchtlingskinder. News4teachers / mit Material der dpa

KMK-Präsidentin rechnet mit „vielen Hunderttausend“ zu beschulenden Flüchtlingskindern  

Anzeige


Abonnieren
Benachrichtige mich bei
32 Kommentare
Älteste
Neuste Oft bewertet
Inline Feedbacks
View all comments
KARIN
2 Monate zuvor

Liebe Leute, wer soll diese vielen Kinder beschulen???
Die KM können hier viel erzählen und versprechen. Von den Lehrer*innen kann man das nicht mehr zusätzlich erwarten!
Wir sind jetzt schon durchgängig in allen Schularten am Limit, vermehrt seit Jahren zugeschüttet mit zusätzlichen, nicht pädagogischen Aufgaben!
Bin gespannt, was die KM sich ausdenken um ihre vollmundigen Versprechungen dann umzusetzen??

Halleluja
2 Monate zuvor
Antwortet  KARIN

Da werden ausm Keller noch ein paar Stühle geholt und in die Klassen gestellt. Fertig. Mehr wird da nicht kommen Karin.

Klunkerhase
2 Monate zuvor
Antwortet  Halleluja

Genau. Man wird in jede Klasse ein paar Kinder mehr stecken und darum bitten, dies vorübergehend und als Beitrag der Solidarität hinzunehmen. Naja, ist ja auch verständlich.

Und woher sollten mehr Lehrer kommen, wenn sie jetzt schon fehlen und so teuer, wie sie sind?

ysnp
2 Monate zuvor
Antwortet  KARIN

Richtig. An meiner großen Grundschule haben die Klassen zwischen 26 und 28 Schüler, teilweise auch einmal 29 durch Zuzug. Mit einem Stuhl dazustellen ist es da nicht getan. Die Arbeitsbelastung ist bei großen Klassen der Grundschule über dem Limit und man wird keinem mehr gerecht. Die wenigen Stunden Förderung sind Tropfen auf dem heißen Stein, aber besser als nichts. Da sind wirklich kreative Lösungen gefragt bei diesem Personalmangel.
Und noch eine Bitte: Reduzierung der Wettbewerbsangebote und Label für Schulen. Reduzierung der Projekte, Entlastungsstunden, wer viele Sonderfälle hat, Reduzierung der Obergrenze für Klassen, dafür die zeitliche Möglichkeit sich wirklich mit den Kindern beschäftigen zu können, die unsere Hilfe brauchen!

Anne
2 Monate zuvor
Antwortet  ysnp

Unsere Arbeitsbelastung wird deutlich steigen, bei uns werden nämlich gerade reihenweise die Teilzeitanträge für das kommende Schuljahr abgelehnt. Prima, arbeiten die Kollegen einige Wochen/Monate Vollzeit und fallen dann wegen Überlastung krank aus. Super System!!

Georg
2 Monate zuvor
Antwortet  KARIN

Es gibt ja die Willkommensklassen.

Erzieherin
2 Monate zuvor
Antwortet  Georg

Was für eine durchdachte Antwort – das darauf sonst hier niemand gekommen ist…
Willkommensklassen existieren zu Hauf, sind derzeit praktisch leer, während die zwei bis drei parallel gesteckten Lehrkräfte nasepopelnd auf dem Schreibtisch sitzen und mit den Beinen baumeln. Hossa.

KARIN
1 Monat zuvor
Antwortet  Georg

@Georg
Ernst gemeint???

Mein Name ist Hase
2 Monate zuvor

„Die kulturelle, sprachliche und nationale Identität, die den Menschen von den Aggressoren abgesprochen werde, müsse erhalten und gestärkt werden.“ Ging es da nicht mal um „Integration“ der Ankommenden?

Tina+2
2 Monate zuvor

Was macht eine Integration auf Biegen und Brechen für einen Sinn wenn die Kinder (hoffentlich) nach einigen Wochen oder Monaten wieder in ihre Heimat zurückkehren können?

Würde es dann nicht am meisten bringen, wenn sie in erster Linie in ihrer vertrauten Sprache mit den grundlegendsten Dingen weiterlernen würden? Mathe, ukrainisch, lesen, schreiben und ganz viele Dinge, die den Kindern ein bisschen Freude machen.

Wenn ich mir vorstelle, ein Kind zu sein und von heute auf morgen in ein wildfremdes Land fliehen zu müssen, Angst um meinen Vater und andere Familienangehörige zu haben, Angst zu haben, ob unser Haus noch steht, ob ich jemals wieder zurück kann – dann würde es mich mit Sicherheit nicht glücklicher machen, wenn ich dann noch zwischen wildfremde Kinder gesteckt würde, von denen ich noch nicht einmal die Sprache verstehe und wo ich wie ein Depp im Unterricht sitze und überhaupt nichts kapiere!

Da wäre ein Unterricht in ukrainischer Sprache und unter Kindern, mit denen ich mich über meine Ängste und Sorgen unterhalten kann, doch wenigstens für die ersten Wochen und Monate tausendmal besser als den Kindern unbedingt eine „Integration“ aufzuzwingen.

Ist meine Meinung.

Kritischer Dad*NRW
2 Monate zuvor
Antwortet  Tina+2

„…nach einigen Wochen oder Monaten wieder in ihre Heimat zurückkehren können?“
Möchte Ihnen nicht zu nahetreten, aber die Berichte der Medien und Bilder der zerstörten Städte und Infrastruktur in der Ukraine in weniger als drei Wochen sind Ihnen nicht entgangen?

Nach dem zweiten Weltkrieg dauerte in Deutschland der Wiederaufbau von von 1945 bis 1960!

Unterkunft: In Deutschland dauert der Bau eines Einfamilienwohnhauses ab dem Tag der Planung etwa ein Jahr. Ein Mehrparteienwohnhaus um 18 Monate. Planungsrecht vorausgesetzt.
Fertighäuser haben kürzere Entstehungszeiten, aber wenn tausende Häuser gebaut werden müssen, Baumaterial und Manpower vorhanden sein muss werden es in der Ukraine nach dem Krieg eher Jahre des Wiederaufbaus sein.

Die Beherbergung von Wochen und Monaten wäre ideal, aber man sollte doch die Kriegssituation realistisch und nüchtern betrachten und da wird es ohne gewisse Integration und Perspektiven nicht gehen. Meine Meinung.

AvL
2 Monate zuvor

Schauen sie dieser Tage einmal in die leeren Gesichter dieser von Krieg, Flucht und Vertreibung geprägten Kindergesichter, die sich tagelang auf einer von Schlafentzug geprägten Flucht vor Krieg und unbarmherziger Zerstörung befanden, um in eine ungewisse neue Welt einzutreten.
Diese Kinder haben wahrhaft Schreckliches erbebt, angefangen mit Fliegeralarm, Sirenengeheule, gefolgt von unbarmherzigem Bombenterror in Wohngebieten.
Sie haben Menschen sterben sehen, Tote gesehen, unbegreifliche Zerstörung erlebt, und unter ständige Bedrohung durch Bombardements tagelang und nächtelang in Kellern und U-Bahnschächten verbracht. Sie wurden von lieben Verwandten getrennt, meist von ihren sie liebenden Vätern getrennt, die ihrerseits einer ungewissen Zukunft entgegensehen, bei einer Gefangennahme, diese zu überleben.
Putin ist sie Ursache dieses Übels, welches er bereits schon über Syrien brachte, und damals war der Krieg fern von Europa, die Flüchtlinge kamen aber aus dem selben Grunde, denn Putins Spur der menschlichen Entwurzelung hatte auch diese Menschen zu uns getrieben, und er wird weiter machen, so er nicht gestoppt werden sollte.

Herbert Kreisch
2 Monate zuvor
Antwortet  AvL

Man sollte schon bei der Wahrheit bleiben, AvL! Die Russen sind in den Konflikt in Syrien sehr spät eingestiegen und ich weiss nicht, wie es an ihrer Schule so ist, aber hier sind viele Schüler aus (Nachbar)Ländern, wo es kürzlich keine russische Invasion (ach nein, NATO verteitigt ja nur), Befreiung gab… Im Irak und Afghanistan sind die Russen aktuell nämlich nicht, aber dafür eine anderes Land, das sogar noch eher in Syrien war.

Puschel
2 Monate zuvor

Bei einer Freundin werden einfach 5 SuS aus der Ukraine pro Klasse hinzugefügt. Die Willkommensklassen sind schon voll. Wie das gehen soll weiß keiner. Diese Situation ist für keinen fair. Weder für die SUS noch für die LuL. Den Politikern ist es egal, sie müssen es weder ausbaden noch umsetzen.

TaMu
2 Monate zuvor
Antwortet  Puschel

Jetzt schon? Das haben vermutlich nicht die ebenfalls traumatisierten Mütter veranlasst. Ich glaube eher, dass da supergutmeinende Menschen die Kinder einfach in die Schulen stecken und den todmüden, ausgelaugten Müttern erzählen, „das sei in Deutschland eben so“. Die haben vermutlich keinerlei Kraft, um überhaupt darüber nachzudenken oder Einspruch einzulegen. Ich stelle mir vor, dass die Kinder, die vor einem Monat noch völlig unbelastet ihr normales ukrainisches Leben gelebt haben, in der Zwischenzeit die Hölle erlebt haben, nach Angst, Hunger, Schlaflosigkeit und Terror hier irgendwo aus einem Zug gestiegen sind, in einer Unterkunft gegessen, geduscht und geschlafen haben und dann pünktlich am nächsten Tag in einer deutschen Schule standen, wo sie kein Wort verstehen, aber neugierig angeschaut werden und nun irgendwie auch das noch überleben müssen.
Wer schon einmal richtig getrauert hat, kennt vermutlich das Gefühl völliger Taubheit. Alles läuft automatisch, Hände waschen, irgendwas essen, den nächsten Atemzug nehmen. Und während in dieser Blase alles so seltsam langsam abläuft, blüht draußen ein Baum, läutet eine Kirchenglocke, klappert der Deckel einer Mülltonne, als wäre NICHTS passiert. Dieses Parallele Erleben dauert eine Weile und muss sein, um sich langsam an die neue, harte Normalität OHNE diese Person, das gemeinsame, vergangene Leben zu gewöhnen. Das ist ein schmerzhafter Prozess. Man klopft Trauernden nicht am Tag nach der Beerdigung aufmunternd auf die Schulter und schickt sie an ihre Arbeitsplätze, damit sie ein bisschen Abwechslung und Normalität haben. Diese Normalität müssen sich Menschen ertrauern.
Versammt nochmal. Ich bin so fassungslos über diese unfassbare kollektive Unbarmherzigkeit dieses sich selbst völlig überschätzenden Bildungssystems, das sich seit zwei Jahren als Psycho-Retterin der Jugend aufspielt und sich nun den ausgebombten Kindern aufdrängt. Wenn man schon Traumata nicht versteht, aber Trauer wird einem doch hoffentlich etwas sagen? Kann man diese Menschen nicht einfach wie Trauerfälle behandeln? Aber nein, es müssen Lösungen her und nicht empathische Hilfe. Es geht um Zahlen und nicht um Seelen. Und offensichtlich bin ich es, die sich noch nicht an die neue Normalität gewöhnt hat.

Pit2020
2 Monate zuvor
Antwortet  TaMu

@TaMu

Die „neue Normalität“ … damit kann ich mich auch nicht anfreunden.
Es wird wieder nach dem Prinzip „1 size fits all“ gewerkelt. Dazu fehlen einem langsam echt die Worte.

Die geflüchteten Kinder – ebenso wie die geflüchteten Erwachsenen – trauern ihrem ganzen bisherigen Leben nach, denn das ist unwiderbringlich verloren. Vielen Kindern im schulpflichtigen Alter ist das schon bewusst, andere werden es schnell merken.
https://www.sos-kinderdorf.at/aktuelles/themen/familientipps/trauer
Man beachte #4 und #5!

Egal, wen oder was ein Mensch verloren hat: Es rächt sich böse, wenn man sich nicht die – individuell sehr unterschiedliche Art zu trauern und vor allem die individuell benötigte Zeit nimmt bzw. nehmen kann.
Trauer lässt sich nicht „abkürzen“!

Tina+2
2 Monate zuvor
Antwortet  TaMu

@TaMu

Wunderbar geschrieben, genau auf den Punkt.

Anstatt den Kindern erstmal Ruhe zu gönnen, sie nicht noch mehr zu stressen, müssen diese armen kleinen Seelen auf Biegen und Brechen ins ach so tolle deutsche Bildungssystem geprofft werdern. Man kann nur noch den Kopf schütteln.

Lehrer mit Seele
2 Monate zuvor

Hier sind schon sehr viele Kinder angekommen.. Das Geld soll ja sehr schnell ausgezahlt werden. Was bitte ist sehr schnell? Die stehen seit 2 Wochen ohne finanzielle Mittel.

Aber die Kinder sollen jetzt in die Schulen. Wir haben eine riesige Sammelaktion für gebrauchte Schultaschen und Material ins Leben gerufen. Heißt, dass wir auf einem kleinen Dorf 5 Ranzen pro Tag rausgeben. Es könnte noch mehr sein, aber die Spenden kommen nicht schnell genug nach.

Sorry, das kann nicht sein. Oder heißt in Ruhe ankommen jetzt mit einer Plastiktüte losgehen?

Es geht dabei ja nicht nur um die Tasche. Es geht darum, dass die Kinder dazu gehören

tachelesme
2 Monate zuvor

Es ist ein Versagen, wie bei allen anderen Problemen. Faktisch keine psychosoziale Betreuung, keine Rede von Integration. Missachtung aller Probleme. Für die Flüchtlinge gibt es drei Monate keine Schulpflicht, aber nein, sie müssen jetzt auch schnell durchseucht und psychisch zermürbt werden. Der KMK geht es nicht halt schnell genug. Virus oder Bomben, die SuS, LuLs und die Familien sollen es erdulden, koste es was es wolle, nämlich psychische oder physische Gesundheit.

Fritz Franz
2 Monate zuvor

Ach, das wird schon klappen, so wie die Coronazeit auch so wunderbar funktioniert hat. Schmeißen halt ein paar Lehrer mehr das Handtuch wegen Überforderung, die übrigen werden das schon auffangen.
…Achtung, Ironie…

Gabriele
2 Monate zuvor

Vollmundige Versprechungen der KMK-Vorsitzenden Fr. Prien, auch des bayerischen KM Herrn Piazzolo et alii, dass natürlich schnelle, problemlose Beschulung der Ukrainer in Aussicht gestellt werden kann, zeugen von völliger Unkenntnis der realen Lage an den Schulen!

Völlige Verkennung der Realität der bereits bestehenden völligen (!) Überlastung der Schulen, der Lehrkräfte und Schulleitungen!

Unkenntnis des Krankenstandes, des eklatanten Lehrermangels. Sie zeugen somit von Inkompetenz und/oder schnöder Berechnung!

Dies grenzt also schon an billigen Populismus aus politischem Kalkül!
Angesichts bevorstehender Landtagswahlen in mehreren Bundesländern schließt man sich auch mal schnell noch dem gegenwärtigen Hype der gegenwärtigen Welle der „Willkommenskultur“ an!

Damit jetzt kein falscher Eindruck entsteht: ich bin selbst, erneut, ehrenamtlich engagierter, sehr aktiver Teil dieser „Willkommenskultur“.

Dreamghost
2 Monate zuvor
Antwortet  Gabriele

Völlige Verkennung der Realität der bereits „bestehenden völligen (!) Überlastung der Schulen, der Lehrkräfte und Schulleitungen!“

Da muss ich leider widersprechen. Das 3 seitige Schreiben von Hrn Piazolo endete mit
„Wir wissen, dass viele Kolleginnen und Kollegen nach 2 Jahren Pandemie eine Belastungsgrenze erreicht haben. Trotzdem schaffen wir diese neue Herausforderung.“

Von Unkenntnis kann also keine Rede sein, ich tippe auf Bösartigkeit.

Gabriele
1 Monat zuvor
Antwortet  Dreamghost

Liebe(r) Dreamghost,

bitte meinen Text genau lesen, nicht nur selektive Informationsentnahme! Gesamtkontext und gedanklichen Zusammenhang, also Zielrichtung meines Kommentars, beachten!
Ansonsten verfremden, verfälschen Sie die Aussage meines Kommentars durch dieses Zitat!
Es hapert bei Ihnen doch wohl nicht am Leseverständnis, Textverständnis, oder?

Ich sprach u.a. von krudem politischen Kalkül angesichts bevorstehender Landtagswahlen.
Also Versuch des Stimmenfangs durch leicht durchschaubaren, billigen Populismus: da „Willkommenskultur“ gegenüber den Kriegsgeflüchteten aus der Ukraine gerade „angesagt“ ist, empfiehlt sich das Mitschwimmen auf dieser Welle und der Versuch, eigene Akzente expressis verbis an derer „vorderster Front“ zu setzen.

TaMu
2 Monate zuvor

Wissen die Flüchtlingsfamilien überhaupt von ihrer Möglichkeit, mit dem Schulbesuch noch ein paar Wochen zu warten? Diese Menschen haben vor einem Monat noch ganz normal ihr Leben gelebt. In den dazwischenliegenden Tagen haben sie das pure Grauen erlitten. Und jetzt gehen die Kinder in unvorbereitete Schulen in einem Land mit fremder Sprache, wo von ihnen verlangt wird, dass sie Normalität statt Trauma haben? Sie haben Traumata und sind von jeder Art der Normalität völlig abgeschnitten. Da unsere völlig empathielosen KM beschlossen haben, dass man nur in Schulen gehen muss und schon lösen sich sämtliche psychischen Probleme in Luft auf, ist es für sie natürlich klar, dass man die erschöpften Kinder am besten schon am Bahnhof abholt und sie DIREKT in der nächsten Schule abliefert. Ach so, vorher müssen eventuell mitgebrachte Haustiere abgenommen und in Tierheime gebracht werden. Das müssen die Kinder verstehen, Tiere in Flüchtlingsunterkünften sind nun mal nicht erlaubt. Egal, ob die Familie eher ihr Haustier durch die russische Belagerung gebracht hat, statt eine Tasche mit Proviant. Das interessiert hier nicht! Erstmal ab in die Schule. Da vergessen die Kinder ganz schnell, wo sie her kommen, was sie erlebt haben und sind in Nullkommanichts total fröhlich und kreuzfidel, wie man das von Schulkindern erwartet. BASTA !

mm
2 Monate zuvor
Antwortet  TaMu

Besser kann man die Situation nicht erfassen. Danke TaMu!

Kathrin
2 Monate zuvor
Antwortet  TaMu

Bei uns in Bielefeld kommt die Frage, wann die Kinder in Schule und Kita könnten, von den Müttern. Da wird von den Behörden gar nicht gedrängt.
2015 hatte ich ein Mädchen aus Syrien in der Klasse, das mit der Mutter in einer Turnhalle untergebracht war. Für dieses Kind war Schule die tägliche Auszeit von Enge und Lärm. Es kam ausgesprochen gerne. Schule kann doch in so einer furchtbaren Krise auch Struktur und Halt geben.
Ich schimpfe oft und m.E. völlig zurecht über die Schulpolitik, aber hier sehe ich eher das Bestreben, einen Schulbesuch schnell zu ermöglichen, als ihn aufzuzwingen.
Was ich gar nicht sehe, ist, wie es mit den vielen, vielen ukrainischen Kinder in den Schulen gehen soll. Die Kapazitäten reichen ja jetzt schon vorne und hinten nicht. Da schließe ich mich den Einschätzungen der ForistInnen zu 100 % an. Da wird man uns wieder „prötteln“ lassen und denken: Wird schon irgendwie gehen. Aber das wird es nicht!

Alla
2 Monate zuvor
Antwortet  Kathrin

@Kathrin
Ablenkung ist wichtig! 2 oder 3 Stunden außerhalb der Unterkunft, in der eine eher deprimierende Stimmung herrscht (zu Recht, keine Frage!) kann ein wenig helfen!
(Habe es selbst so erlebt, als mein Mann vor 17 Jahren plötzlich tot zusammenbrach, völlig unerwartet! Da hat es mir geholfen, zumindest den Vormittag in einer „normalen“ Umgebung zu verbringen, wo ich nur – wie zuvor – funktionieren musste.)
ABER: hier handelt es sich um Kinder, bei denen NICHTS mehr „normal“ läuft. Die sich nicht mitteilen können! Die die Räumlichkeiten und ihre Mitschüler nicht kennen! Die einfach in Regelklassen hineingestopft werden, ohne eine Bezugsperson oder ein Kind zu haben, dem es ähnlich geht.
Die vielbesungenen „Willkommensklassen“ gibt es nur an gaaanz wenigen Schulen, und sie sind von afghanischen Flüchtlingskinder schon überbesetzt! Schon vergessen? Die gibt es auch noch, liebe KuMis!
Und die meisten suchen hier nur eine temporäre Zuflucht, sie hoffen, bald wieder in ihre Heimat zurückkehren zu können!
Wie soll man diese Kinder sensibel auffangen, wenn in jeder Klasse schon viele „verhaltensoriginelle“ SuS sind, die auch ihr gerüttet Maß an Aufmerksamkeit einfordern? Personal „kann man sich nicht mal aus den Rippen schneiden“ wie die Schulämter schon seit Jahren resigniert sagen! Man hofft immer noch auf Freiwillige und Pensionäre, die es schon richten werden.
Aber sie haben es schon seit Jahren nicht gerichtet, sonst hätten wir nicht so einen Lehrermangel!
An unseren Förderzentren sind Räume frei – dank der Inklusion – aber Personal gibt es nicht!
Tolle Konzepte der KuMis gibt es zum Glück zuhauf, es mangelt nur an der Umsetzung!

Grundschullehrer
2 Monate zuvor

Die Grundschulen sind doch jetzt schon völlig überlastet. Angesichts des drastischen Lehrermangels und ohnehin schon viel zu großer Klassen werden sich dann die Bildungschancen für alle Grundschüler eben noch mehr verschlechtern. Das wird von Politikern zynisch in Kauf genommen. Die Bildung in der Grundschule ist sowieso schon gegen den Baum gefahren worden, seit Corona. Da kommt es auf fünf Schüler mehr pro Klasse anscheinend auch nicht mehr an.

Kritischer Dad*NRW
2 Monate zuvor

In Berlin die Kürzungen wie die Reduzierung der Mittel für die schulischen Verfügungsfonds von zwölf auf vier Millionen Euro wie von Giffey gerade beabsichtigt.

Letztes Jahr haben hunderte LuL in Berlin hingeschmissen. Etwa 5.400 Stellen waren zum Schuljahr 2021/22 an den Schulen in Baden-Württemberg zu besetzen. Davon waren am 9. September noch 630 Stellen für Lehrkräfte unbesetzt. In NRW fehlten im September 2021 etwa 4.000 LuL.
Die Corona-Pandemie hat ein Schuljahr vergeudet.
Nun die Flüchtlingskinder.

Da bleibt bald nur noch die Alternative der Privatschule. Zumindest für die priviligierte Mittel- und Oberschicht.

S.Bergner
1 Monat zuvor

Ich glaube nicht, dass es hier überhaupt um das WOHL der Kinder geht. Vielmehr drängt sich mir der Gedanke auf, dass es unser Herr Finanzminister gar nicht erwarten kann, den Fachkräftemangel im Lande mit dankbaren und gut ausgebildeten jungen Ukrainern zu füllen – zu dumm nur, dass die eigentlich gern wieder zurück wollen. Um die Mütter der Kinder schnell ‚in Arbeit‘ zu bekommen, müssen natürlich die Kinder ‚untergebracht‘ werden. Wie man besonders den ganz kleinen traumatisierten Kindern erklären soll, dass sie nun im fremden Land auch noch von der Mutter getrennt werden sollen…tja, liebe Erzieherinnen: macht Euch nen Kopf und lernt am besten schon Ukrainisch. Es ist nicht nur für uns Lehrer und Erzieher eine Zumutung, vor allem tun mir die Klnder dabei leid.
Dann frage ich mich auch noch, ob die Kinder hier tatsächlich einer Schulpflicht unterliegen????

Koogle
1 Monat zuvor

In der Schule sind die Kinder wenigstens für ein paar Stunden abgelenkt von dem Horror in ihrer Heimat.

Platz gibt es genug, da in jeder Klasse mindestens 3 Kinder mit Covid zuhause sind.

Und die ukrainischen Grundschüler können sehr gut auf Englisch kommunizieren berichtete mein Sohn.