Lehrermangel: Außerschulische Partner müssen die Mint-Bildung in den Schulen retten

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BERLIN. Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger will 45 Millionen Euro in bessere Bildungsangebote in den Bereichen Mathematik, Naturwissenschaft, Informatik und Technik (kurz: Mint) investieren. «Die Mint-Fachkräftelücke gefährdet Deutschlands Wohlstand und Innovationsfähigkeit», meint die FDP-Politikerin. Ihr Aktionsplan zielt im Ministeriumssprech darauf ab, «die schulische und außerschulische Bildung enger zu vernetzen». Tatsächlich aber geht es wohl darum, die Mint-Bildung nicht völlig zusammenbrechen zu lassen – der gravierende Fachlehrermangel schlägt durch.

Chemie-Unterricht könnte überaus spannend sein – wenn es genügend Chemie-Lehrkräfte gäbe. Foto: Shutterstock

«Wir können es uns nicht länger leisten, Mint-Potenzial ungenutzt zu lassen. Wir brauchen die Fachkräfte, um die großen Herausforderungen wie den Klimawandel zu meistern», betont Bundesbildungsministerin Stark-Watzinger. Deshalb soll es verstärkt qualitativ hochwertige Lernangebote schon in Kitas, Horten und Grundschulen geben. Auch Mädchen, sozial benachteiligte Kinder und junge Migranten sollen mit dem neuen Plan stärker als bislang gefördert werden. Der Plan sieht ebenfalls vor, Eltern stärker in den Berufswahlprozess einzubeziehen, um Jugendliche und junge Erwachsene für eine Ausbildung oder ein Studium in den Mint-Bereichen zu begeistern.

Das Problem: Lehrkräfte fehlen. Bereits im Dezember schlug die Kultusministerkonferenz (KMK) Alarm. Bundesweit bestehen für alle Lehrämter in den Fächern Mathematik, Chemie und Physik, für den Sekundarbereich II / Gymnasien im Fach Informatik sowie bei beruflichen Lehrkräften vor allem in den Fachrichtungen Metall-, Elektro- sowie Fahrzeugtechnik aber auch in der Pflege und Sozialpädagogik perspektivisch hohe Einstellungsbedarfe. Mancherorts ist der Lehrkräftemangel in den Mint-Fächern bereits so dramatisch, dass die Schulen „auf Unterstützung von Bewerberinnen und Bewerbern angewiesen (sind), die keine reguläre Lehramtsbefähigung aufweisen“, wie es in dem Beschlusspapier der KMK heißt.  „In jedem Fall ist es im Sinne einer Qualitätssteigerung des Unterrichts zielführend, bisweilen sogar unerlässlich, die Anzahl an Lehramtsstudierenden in diesen Fächern zu erhöhen.“

«Mit 45 Millionen Euro wollen wir starke Impulse für eine bessere Mint-Bildung setzen und die Kooperation auf allen Ebenen stärken»

Doch selbst wenn das gelingen sollte – bis der Nachwuchs in den Schulen ankommt, vergehen Jahre. So lange aber will die Wirtschaft offenbar nicht warten. Stark-Watzinger setzt deshalb auf externe Hilfe für die Schulen. «Mit 45 Millionen Euro wollen wir starke Impulse für eine bessere Mint-Bildung setzen und die Kooperation auf allen Ebenen stärken», sagt sie. Mit sogenannten Mint-Clustern unterstützte das Ministerium bereits «kraftvoll» den Ausbau und die Koordination von außerschulischen MINT-Bildungsangeboten (aber eben nicht kraftvoll genug, weshalb die Mittel jetzt aufgestockt werden). Zahlreiche Cluster hätten sich bereits mit Schulen vernetzt und eine Zusammenarbeit aufgebaut. Zu den geförderten Maßnahmen zählen unter anderen die Initiative Haus der kleinen Forscher und Schülerwettbewerbe wie Jugend forscht.

„Umgekehrt gilt: Viele Schulen kooperieren bereits eng mit Schülerlaboren oder Unternehmen, mir Mint-Bildungsinitiativen, Science Centern, Museen und Bibliotheken oder bieten in der Schule Computer-Kurse von externen Partnern an. Diese Zusammenarbeit wollen wir durch zusätzliche Anreize stärken, um die Vernetzung von Schulen mit außerschulischen Akteuren weiter zu steigern“, so heißt es in einer Pressemitteilung. Nach den Sommerferien werde das Ministerium einen Wettbewerb ausrufen, um bis Jahresende bestehende außerschulisch-schulische Kooperationen in der Mint-Bildung auszuzeichnen. Über den Preis sollen diese sichtbar und bekannter gemacht werden, um die Kooperationen in die Fläche zu bringen. Die Auszeichnung richtet sich an außerschulische Initiativen und Akteure, die sich bereits mit allgemein- und berufsbildenden Schulen vernetzt haben und ihre Erfahrungen teilen können.

Die Kultusminister setzen bei der Werbung um Berufsnachwuchs stark auf die Lehrkräfte selbst: „Wie Abiturientinnen und Abiturienten Mint-Fächer rezipieren, wird wesentlich durch ihre vorschulischen, insbesondere aber durch ihre schulischen Erfahrungen beeinflusst. Wenn ihnen der Unterricht Freude bereitet und ihr Interesse weckt, werden sie eher geneigt sein, ein Mint-Fach auf erhöhtem Anforderungsniveau zu wählen bzw. ein Studium und eine spätere Berufstätigkeit in diesem Bereich anzustreben. Um ein Lehramtsstudium in diesem Bereich in Erwägung zu ziehen, wird vor allem das Erleben der Mint-Lehrkräfte von Bedeutung sein. Werden diese als Vorbilder wahrgenommen, erscheint ein entsprechender Studien- und Berufswunsch eher wahrscheinlich.“

Im Umkehrschluss heißt das: Ohne geeignete Lehrkräfte sinkt die Bereitschaft, ein Mint-Studium aufzunehmen – auch fürs Lehramt. Ein Teufelskreis. News4teachers / mit Material der dpa

KMK sucht händeringend MINT-Lehrer-Nachwuchs – Lehrkräfte sollen über Berufsmessen tingeln

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Dil Uhlenspiegel
1 Monat zuvor

Nö, Naturwissenschaften sind interessant, wenn man sich für sie interessiert. Sonst dudelt alles dahin wie bei den TV-Unterhaltungswissens-Shows. Man kann Naturwissenschaften nicht „toll“ zaubern … ja gut, nicht lange. Denn dann kommen Elektronenorbitalmodell und Fotosyntheselichtreaktion und werden eure Seelen holen, Sterbliche! Harhar!

Mag jetzt jemand ein Mint-Plätzchen auf den Schock?

Georg
1 Monat zuvor
Antwortet  Dil Uhlenspiegel

Das gilt für Geisteswissenschaften, Sprachen usw. genauso…

Markus Webber
1 Monat zuvor

An den Unis werden bis zu 90 Prozent der Mathe- und Physikstudenten rausgeprüft. Diese Fächer sollte man nur studieren, wenn man kognitiv hochbegabt ist.

Georg
1 Monat zuvor
Antwortet  Markus Webber

Das sollte für jedes Studienfach gelten. IQ 120 reicht aber schon.

Carsten60
1 Monat zuvor
Antwortet  Markus Webber

Das gilt ganz bestimmt nicht für ein Wahlfach Mathematik beim Grundschullehramt. Dafür muss niemand hochbegabt sein. Wie das beim Realschullehramt ist, kann man auf den Webseiten der Pädagogischen Hochschulen in Baden-Württemberg sehen. Ich denke, da ist es ähnlich: Hochbegabung ist nicht erforderlich, eher schon solide Kenntnisse der sog. Schulmathematik und die Bereitschaft, sich mit der Materie zu befassen.

Georg
1 Monat zuvor
Antwortet  Carsten60

Die Bereitschaft und das Abstraktionsvermögen werden fehlen. Gerade das wurde aus der Schulmathematik entfernt.

Dirk Meier
1 Monat zuvor
Antwortet  Markus Webber

Das Problem ist doch, dass man in den meisten Bundesländern selbst mit einem Mathe-LK heutzutage nicht mehr vernünftig auf ein Mathe-/Physikstudium vorbereitet wird. In den Schulen soll handlungsorientierter Unterricht durchgeführt werden und die SuS lösen alle Aufgaben mit dem CAS-Rechner. Dann kommen Sie an die Uni und es wird erwartet, dass sie wissen, wie eine Partialbruchzerlegung funktioniert und in welcher Beziehung die natürliche Logarithmusfunktion zur Wurzelfunktion steht.

Die Kultusminister haben die schulischen Curricula im Fach Mathematik entkernt, damit die Abiturientenquote den gewünschten Wert erreicht. Immer häufiger wird dieser Fach selbst in Abiturkursen fachfremd unterricht. Als Folge bleiben den allermeisten SuS dann Studiengänge wie Mathe oder Physik verwehrt. Selbst bei BWL fallen weit über 50 % durch die Mathe oder Statistikklausuren, obwohl dort nur locker gerechnet wird und keine Beweise oder Herleitungen nötig sind.

Man muss auch für ein Sek II Mathe-Lehramtsstudium nicht hochbegabt sein, man sollte sein Abi aber auch nicht an einer Gesamtschule oder einem Berufskolleg in NRW, Bremen oder Brandenburg (usw.) gemacht haben.

Pit2020
1 Monat zuvor
Antwortet  Markus Webber

@Markus Webber

Wäre es nicht einfacher, wenn wir uns MINT-LuL … „aus der Zukunft leihen“? 😉

Dil Uhlenspiegel
1 Monat zuvor
Antwortet  Pit2020

Noch leichter: aktuell Fehlende mit -1 multiplizieren und schon wird aus Mangel ein Überhang an Mint’lern. Mathe macht glücklich.

Georg
1 Monat zuvor
Antwortet  Pit2020

Oh je. Die wurden dann von Unidozenten ausgebildet, die selbst als Studienanfänger keine Ahnung von Mathe hatten. Vermutlich reicht dann der heutige Leistungskurs Mathematik für den Bachelor von dann.

Riesenzwerg
1 Monat zuvor

Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger will 45 Millionen Euro in bessere Bildungsangebote in den Bereichen Mathematik, Naturwissenschaft, Informatik und Technik (kurz: Mint) investieren.

Waschbecken und funktionierende Toiletten wären auch nicht schlecht.

«Die Mint-Fachkräftelücke gefährdet Deutschlands Wohlstand und Innovationsfähigkeit», meint die FDP-Politikerin. Ihr Aktionsplan zielt im Ministeriumssprech darauf ab, «die schulische und außerschulische Bildung enger zu vernetzen».“

Ich liebe ja Verschwörungsgeschwurbel im Zusammenhang mit der Föllig Desolaten Politik-Partei……

Kann es sein, dass DIE Wirtschaft dadurch eine Finanzspritze (DIE machen das nicht umsonst!) bekommen soll?! Und die Lehrers das in ihrer Freizeit machen? Nebenbei? Ohne Entschädigung für den Mehraufwand? – Was doch für eine ausgefuchste Idee!

„«Wir können es uns nicht länger leisten, Mint-Potenzial ungenutzt zu lassen. Wir brauchen die Fachkräfte, um die großen Herausforderungen wie den Klimawandel zu meistern», betont Bundesbildungsministerin Stark-Watzinger.“

Mir deucht, da hat jefraud erkannt, dass in den eigenen Kreisen wohl keine derartigen Fachkräfte sind, die sich großen Herausforderungen wie den Klimawandel, stellen können.

Nun, es gibt unglaublich viele Menschen, die unglaublich viele gute Ideen haben. Manche davon kosten nicht viel, außer Tier-Menschen-Pflanzen-Wasser- und LuftLIEBE. Ein wenig Moral vielleicht. Etwas Verzicht – es ist gar nicht so schlecht, auf Schädigendes zu verzichten. Aber das bringt DER Wirtschaft wohl nicht so viel.

„“Deshalb soll es verstärkt qualitativ hochwertige Lernangebote schon in Kitas, Horten und Grundschulen geben. Auch Mädchen, sozial benachteiligte Kinder und junge Migranten sollen mit dem neuen Plan stärker als bislang gefördert werden.“

Oh, das braucht mehr Personal. Wird wohl nichts.
Oh, das kostet! Wird wohl nichts.
Lieber das Geld in die außerschulischen Bildungsangebote?!

Ist das „Auch Mädchen“ schon als Diskriminierung zu betrachten? Beim ersten Lesen ist es mir durchaus unangenehm aufgestoßen.

Beim generellen Fehlenden Denken Potentiell benachteiliger Kinder und junger Migranten im Zusammenhang mit der FDP werde ich ja schon wieder hellhörig. Wenn diese in`s Blickfeld geraten, wird irgendwer reich daran. (Ich habe derzeit einen großen Groll auf die Sondervermögen first – Bedenken second – Partei).

„Der Plan sieht ebenfalls vor, Eltern stärker in den Berufswahlprozess einzubeziehen, um Jugendliche und junge Erwachsene für eine Ausbildung oder ein Studium in den Mint-Bereichen zu begeistern.“

WOW! Wenn das gelingt, möchte ich gerne den Trick erfahren! Den meisten Eltern unserer Kids sind diese ziemlich egal. Der Berufswahlprozess setzt voraus, sich mit den Kids zu beschäftigen…… Ehrlich – wenn das klappt – her mit dem Rezept!

(Ich weiß, dass es ganz viele Eltern gibt, die sich mit ihren Kinder über die Berufswahl unterhalten und daran gerne Anteil haben. Aber die sind ja ohnehin schon für oder gegen MINT).

„Das Problem: Lehrkräfte fehlen.“

Oha! Wer hätte das gedacht!

„Bereits im Dezember schlug die Kultusministerkonferenz (KMK) Alarm.“

Da ist wer aufgewacht! Während wir noch coronakrank und fensteröffnend vor uns hin wurschtelten, hatte die KMK schon den Durchblick! Das KANN doch nur von DER Wirtschaft kommen. Sonst wäre das doch niemandem dieser Schlafmützen aufgefallen.

„Bundesweit bestehen für alle Lehrämter in den Fächern Mathematik, Chemie und Physik, für den Sekundarbereich II / Gymnasien im Fach Informatik sowie bei beruflichen Lehrkräften vor allem in den Fachrichtungen Metall-, Elektro- sowie Fahrzeugtechnik aber auch in der Pflege und Sozialpädagogik perspektivisch hohe Einstellungsbedarfe.“

AHA! Alles Berufe aus DER Wirtschaft! Welche Lobby mag da dahinter stecken?

OHA! Auch in der Pflege und Sozialpädagogik wird Nachwuchs gebraucht. (Was da mit MINT zu tun hat, erschließt sich mir gerade nicht, aber ich finde es sehr löblich, dass dieser „Neben“bereich Erwähnung findet – hat sie doch mit der Fahrzeugtechnik nur bei Unfällen etwas zu tun…..

„Mancherorts ist der Lehrkräftemangel in den Mint-Fächern bereits so dramatisch, dass die Schulen „auf Unterstützung von Bewerberinnen und Bewerbern angewiesen (sind), die keine reguläre Lehramtsbefähigung aufweisen, wie es in dem Beschlusspapier der KMK heißt.““

Das sind die Neben- und Quer(!)einsteiger:innen. Dank vieler Vorgaben wird ihnen die Unterstützung ganz schön schwer gemacht.

„In jedem Fall ist es im Sinne einer Qualitätssteigerung des Unterrichts zielführend, bisweilen sogar unerlässlich, die Anzahl an Lehramtsstudierenden in diesen Fächern zu erhöhen.“

Eu, da isse ja, die Abqualifizierung amtierender Lehrkräfte. Die Studierenden sollen es richten. Tja, die brauchen Anreize – lasst euch da mal was einfallen. Aber das habt ihr ja schon …. gucke da –
«Mit 45 Millionen Euro wollen wir starke Impulse für eine bessere Mint-Bildung setzen und die Kooperation auf allen Ebenen stärken»
Vielleicht könnten auch ein paar Millionen für die gesellschaftliche Bildung – Sozialverhalten – „abfallen“. Das wird nämlich seit Jahren dringend gebraucht. Es sei denn, der moralische, egoistische und sich sehr ungünstig auswirkende Zerfall der Gesellschaft ist das Ziel.

Doch selbst wenn das gelingen sollte – bis der Nachwuchs in den Schulen ankommt, vergehen Jahre. So lange aber will die Wirtschaft offenbar nicht warten.

So. Dann soll doch auch mal DIE Wirtschaft für die Schulen spenden – vielleicht geht es dann schneller. JETZT Hilfe bei der Verwahrung der Schüler:innen, weniger Burn-Outs, (Dauer)-Erkrankungen, Lehrkräfte in allen Bereichen und schon ist Kapazität frei, um sich über Fortbildungen für MINT zu qualifizieren.

Und – ob DIE Wirtschaft warten will oder nicht – die folgende Idee ist NICHT die Lösung. Denn die Frage ist doch, wo die 45 Millionen Euro hingehen – Wirtschaft oder Schule – Wirtschaft oder Schule – WoS – …..

„Stark-Watzinger setzt deshalb auf externe Hilfe für die Schulen. «Mit 45 Millionen Euro wollen wir starke Impulse für eine bessere Mint-Bildung setzen und die Kooperation auf allen Ebenen stärken», sagt sie. Mit sogenannten Mint-Clustern unterstützte das Ministerium bereits «kraftvoll» den Ausbau und die Koordination von außerschulischen MINT-Bildungsangeboten (aber eben nicht kraftvoll genug, weshalb die Mittel jetzt aufgestockt werden).“

WAS genau wird da finanziert? WER genau wird da finanziert? Außerschulisch habe ich verstanden. Irgendwelche Cluster aus DER Wirtschaft?

Ich finde, es könnten auch „starke Impulse“ für die Pflege und Sozialarbeit geschaffen werden. Das wird von der Gesellschaft gebraucht. Aber: Wirtschaft – Gesellschaft, Wirtschaft – Gesellschaft, …. nun, ich denke, das ist klar.

„Zahlreiche Cluster hätten sich bereits mit Schulen vernetzt und eine Zusammenarbeit aufgebaut. Zu den geförderten Maßnahmen zählen unter anderen die Initiative Haus der kleinen Forscher und Schülerwettbewerbe wie Jugend forscht.“

Hoffentlich vernetzt sich kein Cluster mit mir! Ist bestimmt anstecken wie Corona. Außer Worthülsen finde ich hier nur weitere Worthülsen. Beide genannten Initiativen werden von Lehrkräften (beim Haus der kleinen Forscher bin ich mir nicht sicher) vorbereitet, begleitet, unterstützt und dienen später DER Wirtschaft.

In diesem Zusammenhang sollte mal darüber nachgedacht werden, ob die Schulen und Lehrkräfte, die Unterrichtsstunden und/oder Freizeit dafür zur Verfügung stellen müssen, nicht für die kommenden 20 Jahre eine finanzielle Dauerspritze erhalten sollten…..

„„Umgekehrt gilt: Viele Schulen kooperieren bereits eng mit Schülerlaboren oder Unternehmen, mir Mint-Bildungsinitiativen, Science Centern, Museen und Bibliotheken oder bieten in der Schule Computer-Kurse von externen Partnern an.“

Das finde ich prima. Ihnen bleibt ja auch kaum eine Wahl.

„Diese Zusammenarbeit wollen wir durch zusätzliche Anreize stärken, um die Vernetzung von Schulen mit außerschulischen Akteuren weiter zu steigern“, so heißt es in einer Pressemitteilung.“

Bei diesen zusätzlichen Anreizen geht es um die 45 Millionen, nicht wahr? Ich frage mich, warum DIE davon profitierende Wirtschaft sich an den Kosten nicht angemessen beteiligt. Da wir für DIE Wirtschaft ausbilden, sollte DIE Wirtschaft auch bei den Ausbildungskosten – und nicht nur bei der Eigen-Werbung durch Unterrichtsmaterialien – involviert sein.

„Nach den Sommerferien werde das Ministerium einen Wettbewerb ausrufen, um bis Jahresende bestehende außerschulisch-schulische Kooperationen in der Mint-Bildung auszuzeichnen.“

So kennen wir das – spontan mit kurzer deadline. Ich drücke die Daumen für eine interessierte Schülerschaft, eine Lehrkraft, die dafür Kapazität hat, eine Person, die versucht, die Kontakte herzustellen und ausreichend Zeit für dieses (gewagt kurzfristige) Unterfangen.

„Über den Preis sollen diese sichtbar und bekannter gemacht werden, um die Kooperationen in die Fläche zu bringen.“

Geht es um Ergebniss aus den Kooperationen zur Klimarettung oder um die Kooperationen? Ich unterrichte nicht am Gymnasium. Vielleicht erschließt sich mir der Inhalt deswegen nicht. Vielleicht finde ich es auch nur unangemessen, in diesen Bereich soooo viel Geld zu stecken, während die Pflege und Sozialarbeit (oben noch erwähnt und hier schon längst vergessen!), wohl doch keine Bedeutung hat und keine Chance auf diesen Preis besteht.

„Die Auszeichnung richtet sich an außerschulische Initiativen und Akteure, die sich bereits mit allgemein- und berufsbildenden Schulen vernetzt haben und ihre Erfahrungen teilen können.“

War das von vorne herein klar oder erschließt sich hier erst, wer die Auszeichnung erhält? Ich hatte jetzt damit gerechnet, dass die Auszeichnung an die Schule geht. So kann man sich irren.

„Die Kultusminister setzen bei der Werbung um Berufsnachwuchs stark auf die Lehrkräfte selbst:“

Ich dachte, die Eltern sollen sich da mehr einbringen. Nun doch wieder – als kostenneutraler Notfallplan – die Lehrkräfte. Da hätte man sich das Anfangsgerede doch wirklich schenken können – wenn es doch wieder auf die Lehrkräfte hinausläuft.

„Wie Abiturientinnen und Abiturienten Mint-Fächer rezipieren, wird wesentlich durch ihre vorschulischen, insbesondere aber durch ihre schulischen Erfahrungen beeinflusst. Wenn ihnen der Unterricht Freude bereitet und ihr Interesse weckt, werden sie eher geneigt sein, ein Mint-Fach auf erhöhtem Anforderungsniveau zu wählen bzw. ein Studium und eine spätere Berufstätigkeit in diesem Bereich anzustreben. Um ein Lehramtsstudium in diesem Bereich in Erwägung zu ziehen, wird vor allem das Erleben der Mint-Lehrkräfte von Bedeutung sein. Werden diese als Vorbilder wahrgenommen, erscheint ein entsprechender Studien- und Berufswunsch eher wahrscheinlich.“

Dem stimme ich uneingeschränkt zu. Und diese Lehrkräfte sollte man besser nicht noch mehr beuteln und schlecht behandeln. Soweit ich weiß, wird knappes Gut sehr fürsorglich und pfleglich behandelt. Und es wird wertgeschätzt! Hier ist knappes Gut. Seien Sie gut zu ihm, schätzen Sie es wert, Frau Stark-Watzinger!

„Im Umkehrschluss heißt das: Ohne geeignete Lehrkräfte sinkt die Bereitschaft, ein Mint-Studium aufzunehmen – auch fürs Lehramt. Ein Teufelskreis.“

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Last edited 1 Monat zuvor by admin
Pit2020
1 Monat zuvor
Antwortet  Riesenzwerg

@Riesenzwerg

Und einmal mehr:
Vielen Dank für die viele Arbeit!
Ich hatte beim Lesen ganz ähnliche Gedanken … 🙁

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Riesenzwerg

Danke für den Beitrag.

Offen bleibt weiterhin, woher denn nun die Lehrkräfte kommen sollen … und die Erzieher:innen, die das „Haus der kleinen Forscher“ in ihren Einrichtungen zum Leben erwecken, indem sie die Vorschläge und Handreichungen mit viel Einsatz und Aufwand umsetzen.

Georg
1 Monat zuvor

Die angehenden Naturwissenschaftler, Informatiker und Mathematiker sind halt intelligent genug, um sich nicht für einen Hungerlohn als Fußabtreter verheizen zu lassen. Das gilt insbesondere für Schulformen, die nicht selbst zum Abitur führen.

Frieda
29 Tage zuvor
Antwortet  Georg

Hallo Georg, helfen Sie mir bitte auf die Sprünge. Welche Schulformen führen nicht selbst zum Abitur? LG

Georg
28 Tage zuvor
Antwortet  Frieda

Alle ohne eigene Oberstufe.

Nika
1 Monat zuvor

Ich kann es nicht mehr hören! Jahrzehntelang nur Sonntagsreden über die Bedeutung von Bildung für unser Land. In wirtschaftlich schlechten Zeiten konnte „natürlich “ nichts in die Schule investiert werden, in guten Zeiten erstaunlicherweise auch nur wenig ( und ich rede nicht von der Besoldung). Ständig Reformen (?), Reförmchen, Erlasse etc, die die Lehrer in ihrer Arbeit für die Schüler und mit ihnen immer unfreier machen, Kräfte verschleißen und Zeit für das Wesentliche rauben. Inklusion – toll ! Macht mal, aber die Bedingungen dafür werden nicht geschaffen.
Gastarbeiter-, Flüchtlingskinder ohne Deutsch- und andere Kenntnisse – macht mal ! Damals wie heute – Lehrer und Kinder werden alleine gelassen. Noch mehr Beispiele gefällig ? Ich habe noch etliche auf Lager. Ich habe 42 Jahre als Lehrerin gearbeitet und erlebt, dass sich die Arbeitsbedingungen nur verschlechtert haben und dadurch die Ergebnisse auch.
Und die Bildungspolitiker sitzen im Elfenbeinturm, wollten und wollen den „normalen“ Lehrern und Lehrerinnen nie zuhören und beklagen den Lehrermangel ? Für mich war der Beruf nie ein Job, immer Beruf ( Berufung ). Zum Schluss war ich kaputt und sage heute jungen Menschen: Bloß nicht Lehrer / Lehrerin werden. Und ich denke mit Grauen daran, was für eine Schule die Generation meiner Enkelkinder erwartet.

Carsten60
1 Monat zuvor

Soso, die MINT-Bildung soll „gerettet“ werden. Und wer hatte vorher den Karren in den Sumpf gefahren? Eben dieselben Kultusminister, die das jetzt beklagen.

Georg
1 Monat zuvor
Antwortet  Carsten60

Die MINT`ler haben sich dagegen gewehrt …

AndiBandi
1 Monat zuvor

Mit 45 Milliönchen erreicht man gar nichts! Aber ist ja auch nicht Sinn der Sache! Die Regierung redet vom Fachkräftemangel in Verbindung mit einer Änderung des Einwanderungsgesetz! Ziel ist mehr Arbeitskräfte ins Land zu holen um die Löhne zu drücken! Da hat die Lobby sich durchgesetzt!

Markus Webber
1 Monat zuvor
Antwortet  AndiBandi

Richtig. Die Einstiegsgehälter für Akademiker sind real heute erheblich niedriger als 2000, da erkennt man gut, dass kein Fachkräftemangel vorliegt.

Dil Uhlenspiegel
1 Monat zuvor

Aufgabe 1: Bildinterpretation – Was sagt der Lehrer im Bild oben gerade?
a) Herrgott, die Mengenangabe war ja viel zu hoch!
b) GBU ist für Weicheier, yeahhh!
c) Wieder mal typisch: Der Lehrer türmt und der Hausmeister soll’s richten.
d) Nein, KEINER geht mehr aufs Klo diese Stunde!

Dobby
1 Monat zuvor

Schon vor Jahren war abzusehen, dass mein 2. Fach (Französisch) an unserer Schule (in Baden-Württemberg!) keine Zukunft haben würde. 2017 hatte ich den letzten Kurs.
Die Schulleitung versprach mir, dass ich bis zur Pensionierung nie wieder Französisch unterrichten würde. Meine Französisch-Kollegin wird in 2 Jahren pensioniert und wird möglicherweise im kommenden Schuljahr ihr Deputat zu 100% mit Sort füllen müssen.
Ich unterrichte seit Jahren nur noch Biologie und in manchen Jahren 1Std. Englisch fachfremd.
Schon vor Jahren hätte ich Chemie nachqualifiziert, wenn das im Fernstudium möglich gewesen wäre. War es aber nicht. Das Regierungspräsidium hatte kein Interesse an einem solchen Angebot. Dabei hätte ich in den Ferien gut Blockpraktika an einer Uni machen können.
Aber wenn die nicht wollen – selbst schuld.
Jetzt bin ich kurz vor 50. Jetzt will ich auch nicht mehr.