Gilt: „Schnupfenplan“ (kranke Schüler bleiben zuhause) und „Lüftungskonzept“ (Fenster auf)

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KIEL. Das neue Schuljahr beginnt wie das vergangene und das vorvergangene: mit einem frommen Wunsch. «So viel Normalität wie möglich» will Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) im neuen Schuljahr. «Ich bin sehr froh, dass wir das Schuljahr in Präsenz beginnen können und dass wir in diesem Jahr auch wieder die Einschulungen in den Grundschulen und den weiterführenden Schulen miteinander feiern können», so erklärte die amtierende KMK-Präsidentin. In Schleswig-Holstein werden in der kommenden Woche knapp 24.000 Kinder eingeschult.

Ministerien geben sich aktiv, in dem sie banalste Regelungen zum „Plan“ oder „Konzept“ aufblasen – wie die, dass Kinder mit Symptomen zuhause bleiben sollen („Schnupfenplan“). Foto: Shutterstock

Der Unterricht kann laut Prien vor allem aufgrund der hohen Impfquote bei Jugendlichen (88 Prozent) und der insgesamt entspannten Corona-Lage in Präsenz stattfinden. Es würden aber trotzdem weiter bestimmte Regeln zum Schutz aller in den Schulen gelten.

Die sind allerdings banal: Dazu gehörten «das richtige Lüften» (Fenster auf alle 20 Minuten und in den Pausen), der «Schnupfenpla (ein Kind soll zu Hause bleiben, wenn Symptome wiederholt oder dauerhaft auftreten) sowie Quarantäne-Regelungen für an Covid erkrankte Schülerinnen und Schüler. Luftfilter gibt es an den Schulen von Schleswig-Holstein in der Regel nicht. Das Tragen einer Maske werde freiwillig sein und sei «das Mittel der Wahl, um sich selbst zu schützen» oder eine Infektion von vulnerablen Menschen zu vermeiden. Was Prien auslässt: Medizinische Masken schützen den Träger nicht – und FFP2-Masken können nicht über den ganzen Schultag lang getragen werden. Mit Blick auf den Herbst und Winter könnten bestimmte Regelungen aber auch abgeändert werden, kündigte die Bildungsministerin an.

Kurz vor Schuljahresbeginn sind 211 Vollzeit-Lehrerstellen noch nicht besetzt

Eine durch die Corona-Pandemie entstandene Herausforderung sei zudem das Aufholen von Lernrückständen. Das Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) stelle Schulen Unterstützungsinstrumente zur Verfügung – unter anderem eine Online-Testplattform für den 5. Jahrgang. Mit dem bis zum Ende des ersten Halbjahr 2022/23 fortgesetzten Programms «Aufholen nach Corona» stünden zudem rund 20 Millionen Euro für zusätzliches Personal und für Lerncoaching zur Verfügung. Der Schulalltag mit persönlichen Kontakten sei «unabdingbare Voraussetzung für das erfolgreiche Aufholen von Lernrückständen», sagte Prien.

Bei der Besetzung der Lehrerstellen allerdings hapert es. Die Sicherung der Unterrichtsversorgung sei eine weitere Herausforderung, räumt die Bildungsministerin ein. Für sie gilt gleichwohl als «gute Nachricht»: An den allgemeinbildenden Schulen sind derzeit  noch 211 Stellen offen, oder – nach Lesart des Ministeriums – aktuell 98,9 Prozent der Stellen besetzt. Das seien aber deutlich weniger unbesetzte Stellen als im Vorjahr, sagte die Bildungsministerin. Zu Beginn des vergangenen Schuljahres waren den Angaben zufolge noch rund 250 Stellen frei. Auch die Verträge von 123 Lehrkräften aus der Ukraine hätten nun verlängert werden können; sie unterstützen im «Deutsch als Fremdsprache» (kurz DaZ)-Bereich.

Insgesamt gibt es 19.564 Vollzeitstellen für Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen. Auf 1903 dieser Stellen wurden für das neue Schuljahr 2882 neue Lehrkräfte befristet oder unbefristet eingestellt. An den 393 Grundschulen waren zuletzt noch 67 Stellen offen, an den 85 Förderzentren 59, an den 181 Gemeinschaftsschulen 76 und an den 99 Gymnasien 9. An den Berufsschulen blieben 9 Stellen unbesetzt. Die fehlenden Stellen betreffen Prien zufolge vor allem sogenannte MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) sowie regional die Kreise Stormarn und Herzogtum Lauenburg.

«Die Schulen bleiben offen und kein Kind wird frieren müssen»

Für 278.200 Kinder und Jugendliche startet kommende Woche an den 759 allgemeinbildenden Schulen das neue Schuljahr. Das sind 2.500 Schüler mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Berufsschülerinnen und -schüler blieb mit 83.500 konstant. «Im Herbst und Winter müssen wir der Lage angepasst unter Umständen mehr Schutzmaßnahmen ergreifen. Aber es gilt auch dann die Prämisse: Die Schulen bleiben geöffnet», sagte Prien.

Vor dem Hintergrund der Energiekrise betonte Prien, dass die Schulen im Land prioritär versorgt würden. «Die Schulen bleiben offen und kein Kind wird frieren müssen.» Dennoch sollen auch dort Einsparpotenziale gefunden werden. «Diese dürfen den Unterricht aber nicht beeinträchtigen», sagte die Ministerin.

Der SPD-Bildungspolitiker Martin Habersaat verwies auf einen Anstieg der Exklusionsquote. Damit wird der Anteil von Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf bezeichnet, die an Förderzentren unterrichtet werden. Fragen der Inklusion kämen nur noch am Rande vor. «Klassenlehrkräfte müssen endlich entlastet werden, werden es aber in diesem Schuljahr wieder nicht.» Die Grundschulen stünden mit der Einführung des Rechts auf Ganztag vor einer großen Aufgabe und in einer Phase, in der ohnehin viele Fachkräfte fehlten. «Diese Aufgaben werden sich nicht ausschließlich durch Ankündigungen und Selbstlob lösen lassen. Das erfährt schon heute, wer sich bei der Schule um die Ecke nach der Lage erkundigt.»

Der FDP-Bildungspolitiker Christopher Vogt vermisste klare Aussagen Priens zu den größeren Baustellen im Bildungsbereich. «Wir erwarten von der Ministerin jetzt zeitnah konkrete Pläne, mit denen der Betrieb der Schulen und auch der Hochschulen im Herbst und Winter so normal wie möglich gewährleistet werden kann.» Zum Präsenzbetrieb der Hochschulen im kommenden Winter fehle noch immer ein klares Bekenntnis der Landesregierung. News4teachers / mit Material der dpa

„Warum Maskenpflicht an Grundschulen nicht angeordnet werden kann, ist absolut nicht nachvollziehbar“

 

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2 Kommentare
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gehtsnoch
1 Monat zuvor

Na wenigstens mal ein Bundesland, was nach den Sommerferien einen Plan hat, wenn auch nur einen „Scnhupfenplan“. Auch brauchen andere BL für Konzepte länger.
Prien: „Die Schulen bleiben offen und kein Kind wird frieren müssen“,
eigentlich ein Widerspruch bei offenen Schulen und Fenstern mit Minusgraden nicht frieren zu müssen.

Last edited 1 Monat zuvor by gehtsnoch
TaMu
1 Monat zuvor

O-Ton der MEISTEN Eltern: „ein Kind mit Schnupfen ist nicht krank und ich kann nicht wegen jedem Schnupfen das Kind zu Hause lassen! Und Testen verstört das Kind und außerdem habe ich gar keinen Test da und Zeit ist jetzt auch keine mehr. Und außerdem sind die anderen Kinder auch alle verschnupft“.
Einfach durchzählen, was so eigenverantwortlich in Schulen und Betreuungen herum schnupft: eins, zwei, Treffer, eins, zwei, Treffer…