Lebenszufriedenheit von Abiturienten ist eingebrochen – mehr Studienabbrüche?

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BAMBERG. Die Lebenszufriedenheit von Abiturientinnen und Abiturienten ist während der Corona-Pandemie so drastisch gesunken, wie es bei jungen Menschen sonst nur in Kriegsgebieten festzustellen ist. Dies zeigt eine Studie der Universität Bamberg und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Die Forscherinnen und Forscher fürchten, dass damit das Risiko von Ausbildungs- oder Studienabbrüchen steigt.

Wer 2020 oder 2021 sein Abitur gemacht hat, musste starke Einschränkungen erleben (Symbolfoto). Foto: Shutterstock

„Die Lebenszufriedenheit von jungen Erwachsenen während der Pandemie ist auf einer Skala von 0 bis 10 um 0,5 gesunken, während die durchschnittliche Lebenszufriedenheit in Deutschland insgesamt wesentlich weniger stark zurückgegangen ist“, sagt der Projektmitarbeiter Dr. Alexander Patzina vom Lehrstuhl für Soziologie, insbesondere Soziale Ungleichheit, der Universität Bamberg. „Dieser Einbruch ist untypisch für junge Menschen. Er entspricht zum Beispiel dem drastischen Rückgang der Lebenszufriedenheit in Kriegsgebieten.“

Ergebnisse dazu hat das Forschungsteam nun in der Fachzeitschrift „Review of Economics of the Household“ veröffentlicht. Erstmalig belegt damit eine empirische Studie die nachhaltigen, negativen Effekte der Covid-19-Pandemie auf die Bildungsentscheidungen und Karrierepläne junger Menschen. Durchgeführt wurde die Untersuchung von Forschenden aus den Bereichen Ökonomie und Soziologie der Universität Bamberg und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Die Erkenntnisse der aktuellen Veröffentlichung beruhen auf dem Datensatz der IAB-Studie „Berufliche Orientierung: Berufswahl und Studienwahl“ (BerO). Sie wird finanziert von der Bundesagentur für Arbeit. Der Datensatz enthält Informationen von rund 8.000 Abiturient*innen der Jahrgänge 2020 und 2021 im Zeitraum von Herbst 2019 bis Herbst 2021. Sie besuchten 217 Schulen in acht verschiedenen Bundesländern, unter anderem Bayern und Nordrhein-Westfalen. Mit diesen Daten haben die Forschenden untersucht, welchen Einfluss die Covid-19-Pandemie auf die Bildungswege sowie die Entwicklung des Wohlbefindens der sogenannten Corona-Abiturjahrgänge hat.

Negative Effekte einer Schulzeit unter Covid-Bedingungen

Welche kurz- und langfristigen Folgen hat die Pandemie? „Nach den ersten Schulschließungen im März 2020 zeigte die mentale Gesundheit der jungen Menschen der Abiturjahrgänge 2020 und 2021 kurzfristig keinen negativen Verlauf“, erläutert die Projektleiterin Prof. Dr. Silke Anger, die den Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Bildungsökonomik, an der Universität Bamberg innehat.

„Allerdings ging ihre Lebenszufriedenheit und psychische Gesundheit zwischen dem ersten und zweiten Lockdown im Winter 2020/21 stark zurück.“ Zwischen den untersuchten Abiturjahrgängen 2020 und 2021 zeigen sich Unterschiede: Im genannten Zeitraum stiegen vor allem die Angst- und Depressionsrisiken im Abiturjahrgang 2021 stark an und die Lebenszufriedenheit ging etwas stärker zurück. Erst nach dem Verlassen der Schule verbesserte sich ihr Wohlbefinden wieder und die Unterschiede zwischen beiden untersuchten Abiturjahrgängen verschwanden.

Einen möglichen Erklärungsansatz für die unterschiedliche Entwicklung des Wohlbefindens liefert Silke Anger: „Während junge Menschen des Abiturjahrgangs 2020 die Schule unmittelbar nach Ausbruch der Covid-19-Pandemie verließen, absolvierte der Abiturjahrgang 2021 noch ein gesamtes weiteres Schuljahr unter Covid-Bedingungen.“ Beide Abiturjahrgänge erreichten ihr Vorpandemie-Niveau mentaler Gesundheit und Lebenszufriedenheit im untersuchten Zeitraum bis zum Herbst 2021 nicht wieder.

Eine starke Verschlechterung der psychischen Gesundheit verändert Bildungsentscheidungen und Karrierepläne

Die Schlussfolgerungen, die das Forschungsteam aus den Ergebnissen der Studie zieht, fasst Alexander Patzina zusammen: „Die Ausgestaltung bildungspolitischer Maßnahmen hat kurz- und langfristige Folgen. Wenn Schulen schließen oder Distanzunterricht einführen, kann sich das auf die psychische Gesundheit junger Menschen auswirken.“

Bildungspolitische Entscheidungen in der Covid-19-Pandemie können weitreichende Folgen für individuelle Lebensverläufe haben. Vor allem eine starke Verschlechterung der psychischen Gesundheit verändert Bildungsentscheidungen und Karrierepläne junger Menschen: So steigt das Risiko von vorzeitigen Ausbildungs- oder Studienabbrüchen, weil sie mit ihrer Entscheidung weniger zufrieden sind. Diese potentiellen individuellen Folgen sind wiederum mit ökonomischen Folgen verbunden. Denn Bildungsabbrüche und -wechsel verursachen Kosten, zum Beispiel für Beratungen und für einen längeren Zeitraum im Bildungssystem. News4teachers

Publikation: Malte Sandner, Alexander Patzina, Silke Anger, Sarah Bernhard, Hans Dietrich. 2022. The COVID-19 pandemic, well-being, and transitions to post-secondary education, Review of Economics of the Household, https://doi.org/10.1007/s11150-022-09623-9

Studie: Corona-Pandemie verschärft Bewegungsmangel bei Schülern

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Marion
2 Monate zuvor

Die Zeit der Lockdowns war nicht schön. Diese Zeit war natürlich vor allem für junge Menschen schwierig.
Gerade wenn man anfängt, sich von zu Hause abzunabeln, wenn man beginnt abends mit Freunden auszugehen, wenn man sich das erste mal verknallt – also wenn das Leben beginnt richtig aufregend zu werden, hockt man zu Hause fest und hat nur noch ganz eingeschränkte Möglichkeiten der Enge zu entfliehen. Da erscheint einem ein Jahr wie eine Ewigkeit.
Aber psychische Belastung vergleichbar mit Jugendlichen in Kriegsgebieten, die jeden Tag um ihr Überleben fürchten müssen?
Geht’s nicht eine Nummer kleiner?
Ich frage mich manchmal, was wohl Jugendliche aus Syrien oder der Ukraine denken würden, wenn sie so etwas läsen.
Manchmal schäme ich mich fast ein bißchen für diese Wehleidigkeit.
Wir leben immernoch in einem der reichsten Länder der Welt.
Wir haben so viele Möglichkeiten unser Leben sinnvoll zu gestalten.
Corona war die erste größere Krise, die unsere Gesellschaft zu bewältigen hatte. Trotz aller berechtigter Kritik, sind wir bisher vergleichsweise gut da durch gekommen. Trotzdem wird ständig gejammert, wie schlimm das alles war. Wie wollen wir da die vor uns liegenden Krisen bewältigen, die uns wahrscheinlich noch viel stärker herausfordern werden. Wie werden wir damit klar kommen, wenn sich unsere Lebenssituation erst richtig verschlechtert? Denn das Risiko, daß das passieren wird, ist ziemlich hoch.
Es gibt sicher viele Menschen, bei denen keine Luft mehr nach unten ist, weil sie jetzt schon am Existenzminimum leben.
Aber alle anderen, vor allem Abiturienten aus gutsituierten Mittelstandsfamilien, wird es nicht umbringen, wenn sie auf ein wenig Wohlstand verzichten müssen.
Dann gibts halt keinen Auslandsaufenthalt nach dem Abi.
Dann fährt man halt nicht mehr jedes Jahr in den Urlaub.
Das ist alles kein Drama.
Das hatten Generationen vorher auch nicht.
Dieses verwöhnte Wohlstandsgemaule kann ich langsam echt nicht mehr hören.
Das Leben ist nämlich so:
Ersten kommt es anders,
zweitens als man denkt.
War schon immer so. Ist ganz normal.

Dirk Z
2 Monate zuvor
Antwortet  Marion

@Marion: Ich teile Ihre Meinung, dass die Ansprüche bei sehr vielen inzwischen auch extrem gestiegen sind und bei vielen wäre tatsächlich ein- oder zwei Gänge zurückschalten auch sehr gut.
Ich denke aber dass die Zeit ab März 2020 deswegen ein Problem war, dass Treffen entweder verboten waren oder nur unter bestimmten Schutzmassnahmen und weiteren Auflagen möglich war. In keiner Krise bisher gab es relevante Kontaktbeschränkungen. Selbst bisher in vielen anderen Krisen, wenn nichts mehr geht, nicht ausreichend Nahrung da ist, man frieren muss war immer noch eins erlaubt: man durfte sich mit beliebig vielen Leuten treffen und wenn sie vor Hunger nur miteinander reden konnten. Das Schlimmste was man den Menschen antun kann ist die normale Bewegungsfreiheit einzuschränken, also mal eben raus gehen, um Leute zu treffen usw. Alles andere ist natürlich auch schlimm aber dieses „eingesperrt“ sein geht schon an die Nieren.
Die eventuell bevorstehende schlechte Zeit in den nächsten Monaten wird, wenn keine Kontaktbeschränkungen (Coronamassnahmen) kommen zwar auch möglicherweise schlimm werden, für viele der finanzielle Ruin bedeuten können aber solange die Leute sich noch treffen können ist es leichter, solche Zeiten besser zu überstehen. Und das sind Grundbedürfnisse, die auch Reiche Leute doch erheblich einschränken, wenn man sich nicht mehr beliebig treffen darf.

GS in SH
2 Monate zuvor
Antwortet  Dirk Z

Ok, das verstehe ich.
Die SuS, die 2 Jahre lang in ihrem Kinderzimmer eingesperrt waren, hatten es sehr schwer!
Wenn sie in einer Abschlussklasse waren, bot nur die Schule einen begrenzten Freigang.
Einige wurden kreativ, zumindest bei uns, und fingen an zu joggen oder Radtouren zu machen. An der alten Burg mitten im Naturschutzgebiet konnte man immer einige Jugendliche sehen, die sich an den Bänken getroffen haben, aber sicherlich hatten viele die ganzen 2 Jahre hindurch auch nur online-Kontakte.

So gesehen ist es schon erstaunlich, dass die Zufriedenheit nur um 0,5 Punkte zurückgegangen ist.
Das zeigt doch, dass viele Abiturienten es geschafft haben, eine gewisse Resilienz aufzubauen!
Einige scheinen wohl nach dem Motto zu leben: „Wenn dir das Leben Zitronen gibt, mach Limonade daraus!“

Marion
2 Monate zuvor
Antwortet  GS in SH

NIEMAND war zwei Jahre im Kinderzimmer „eingesperrt“. Wenn sie jemanden kennen, bei dem das so war, hätten sie dringend das Jugendamt benachrichtigen müssen.

Schattenläufer
2 Monate zuvor
Antwortet  Dirk Z

Mensch Dirk sag doch die Wahrheit über das was dich wirklich bewegt.

Schuld sind und waren nur die bösen Masken.
Die verursachen Depressionen, Adipositas, fehlende Motivation, abfallende Leistungen, die Klimakrise, Naturkatastrophen, Kriege, Drogensucht, Schweißfüße und alle anderen Übel der Welt.

Masken sind das absolut Böse.

Wir haben es glaube ich kapiert.

Hoffe es geht dir jetzt besser. Nimm was ein und leg dich auf die Couch.

Dirk Z
2 Monate zuvor
Antwortet  Schattenläufer

@Schattenläufer: Ihr Beitrag zeigt leider jetzt final sehr deutlich, dass Ihnen realistisches Denken offensichtlich inzwischen sehr schwer fällt. Meiner Meinung sind Sie sehr schwer frustriert und das kommt hier doch zum Ausdruck. Eine Ursache könnte sein, dass die Masken nun doch nicht so zurückgekommen sind wie Sie eigentlich gehofft haben. Und dann schreiben Sie hier in Kleinkindsmanier – dass fällt alleine auf Sie zurück. Meiner Meinung betrachten Sie andere Personen als Virenschleudern, vor denen man sich schützen muss.

Mary-Ellen
2 Monate zuvor
Antwortet  Schattenläufer

In der Aufzählung fehlt ‚Panik‘.

Sissi
2 Monate zuvor
Antwortet  Mary-Ellen

@ Mary-Ellen
und ‚angstgetrieben‘ fehlt auch

@ Schattenläufer
Zur ‚Kleinkindmanier‘
Ich würde sagen pädagogischer Treffer und mehr: Wenn wir Leute da abholen, wo sie stehen, gibt’s eine gute Beurteilung.

Dil Uhlenspiegel
2 Monate zuvor
Antwortet  Marion

„verwöhntes Wohlstandsgemaule“ – Spontan schoss mir etwas Ähnliches durch den Kopf, aber wenn die Befragten nun doch echt empfunden haben sollten, dass ihre Lebenqualität in einem Maße abfiel, wie – laut Studie – es in Kriegsgebieten vorkommt, dann ist das weit weg von einem verwöhnten Gemeckere. Oder aber, die Wortwahl oder vielmehr die Antwortwahl (innerhalb der zur Auswahl stehenden Antworten) wurde routine- und gewohnheitsmäßig (?) „krass“ gewählt und die innere Bilanz war noch gar nicht so abgrundtief weit unten? Wurden die Teilnehmer z.B. einzeln oder in Gruppen befragt … ich denke, alle LuL wissen, was ich meine.

Marion
2 Monate zuvor
Antwortet  Dil Uhlenspiegel

Ich habe ja eingangs in meinem Kommentar geschildert, daß ich durchaus Verständnis für die Nöte, gerade der jungen Menschen, während der Pandemie habe. Sie waren, meiner Ansicht nach, die Gruppe, die mit am meisten unter den Pandemiemaßnahmen zu leiden hatten. Das möchte ich wirklich nicht kleinreden.
Meine Kritik gilt hier dem Vergleich mit dem Leid von Menschen in Kriegsgebieten.
Es mag sein, das die hiesigen Jugendlichen in dieser, für alle, völlig neuen Situation, subjektiv einem außerordentlich hohen Leidensdruck ausgesetzt waren, eben WEIL sie bisher von solch schwerwiegenden Erfahrungen verschont geblieben sind.
Dennoch: Eine Gleichsetzung mit dem Leid von kriegsgebeutelten Menschen halte ich für völlig überzogen. Das laste ich aber nicht den Jugendlichen an, sondern „Forschern“, die solche Vergleiche anstellen und teilweise auch unserer medialen Berichterstattung.
Hier möge sich die Redaktion von news4teachers bitte nicht persönlich angegriffen fühlen.
Ich stelle das nur ganz allgemein fest.

Jan
2 Monate zuvor
Antwortet  Marion

Das Problem an Ihrer Kritik, die durchaus berechtigt ist, ist, dass sie den Betroffenen rein gar nichts bringt. Wie wenn man einem Depressiven sagt, er solle sich nicht so anstellen. Die Frage ist doch, wie man damit umgeht, insb. wie man den Menschen sozialen Halt gibt. Und das meint nicht nur Menschen, die am Existenzminimum leben, sondern auch diejenigen, die durch die staatlichen Maßnahmen in eine soziale Isolation geraten sind, mit der sie vielleicht nicht so gut umgehen können wie Sie und ich. Dirk Z, dessen Kommentare hier nur deswegen downgevotet werden, weil er sie schreibt, hat es ganz gut auf den Punkt gebracht.

Als Gesellschaft haben wir bei all dem Schutz für bestimmte Gruppen eben übersehen, dass dies auch eine Kehrseite hat. Daher sollte man die Lehre ziehen, dass die massive Beschränkung menschlichen Zusammenseins eben ein Fehler war und bei weiteren erforderlichen Maßnahmen mehr Augenmaß an den Tag gelegt wird, was man ja derzeit auch ganz offensichtlich bereits tut.

Last edited 2 Monate zuvor by Jan
Sissi
2 Monate zuvor
Antwortet  Jan

Der Vergleich mit Depressiven ist nicht ok; diese sind, wenn schwer erkrankt, oft wirklich nicht zu sozialer Interaktion in der Lage.
Während der gesamten Pandemie hätten sich zudem, – „man muss nur wollen“ schrieben Sie an anderer Stelle – Möglichkeiten finden lassen, sich zu treffen, bewegen, unterhalten – eben in kleiner Gruppe, evtl. auch nur zu zweit.
Die Pandemie verunsicherte und verunsichert noch, Kinder, wenn die Eltern dadurch Probleme haben und in den Vordergrund stellen, „normales Leben “ also in den Hintergrund gerät
und bei jungen Erwachsenen haben wir z.B. FOS-Absolventen, die sicherheitshalber erst eine Lehre machen und dann ( wenn alles wieder normaler ist? ) ein duales Studium anstreben.
Selbst bei Jugendlichen, die auf ein stützendes festigendes Elternhaus bauen können, beobachten wir, dass das einschneidende Erlebnis Pandemie erst einmal verarbeitet sein will. Zudem teilen viele die Pandemie-ist-vorbei-Sicht nicht und sehen auch den Ukrainekrieg, Gaspreise…..als bedrohlich.
Freilich sind Gespräche, gemeinsame Unternehmungen im Freundeskreis, etc. hier hilfreich; sie geben zusätzlichen Halt.
Diese waren aber auch die letzten Jahre möglich.

Jan
2 Monate zuvor
Antwortet  Sissi

„Während der gesamten Pandemie hätten sich zudem, – „man muss nur wollen“ schrieben Sie an anderer Stelle – Möglichkeiten finden lassen, sich zu treffen, bewegen, unterhalten – eben in kleiner Gruppe, evtl. auch nur zu zweit.“

Da bezog ich mich auf die Möglichkeiten, die man als Familie hat, mit den Kindern eine gute Freizeit trotz der Maßnahmen zu gestalten. Diese sind wichtig, gleichen aber nicht die „krassen“ Beschränkungen aus, die zB an Weihnachten oder Silvester 2020 galten. Es gibt eben viele Menschen, die damit nicht gut umgehen konnten.

Sissi
2 Monate zuvor
Antwortet  Jan

Weil Alleinsein, zusätzlich an Festtagen nicht gut für Menschen ist – stimmt…..nur, wissen Sie wie viel Menschen pandemieunabhängig
in Deutschland allein, einsam sind und dadurch sogar krank werden ?
Man sollte freilich untersuchen, welche Pandemiemaßnahmen angemessen waren/sind, aber die Kirche im Dorf lassen. Derzeit wird jede gesellschaftliche und schulische Fehlentwicklung uf corona bezogen/ geschoben, coroniert, – sehr praktisch.
Man merkt aber nicht, dass gerade bez. Maßnahmen in Schulen irgendein Lerneffekt eingetreten wäre – im Gegenteil.

Jan
2 Monate zuvor
Antwortet  Sissi

„Derzeit wird jede gesellschaftliche und schulische Fehlentwicklung uf corona bezogen/ geschoben, coroniert, – sehr praktisch.“

Vollkommen richtig. Die generalisierende Kritik – in die eine oder andere Richtung – stößt mir auch immer wieder sauer auf.

Aber für mich ist es kein Argument, die Folgen dadurch zu relativieren, dass „Menschen pandemieunabhängig in Deutschland allein, einsam sind und dadurch sogar krank werden“. Das macht es ja nicht besser.

Sissi
2 Monate zuvor
Antwortet  Jan

Ist nicht relativierend gemeint, sondern Realität.
Im nachfolgenden Post schreibt @ Marion etwas sehr Wahres. Je mehr wir aus allem, was die Pandemie für die Kids an Negativem mit sich brachte, ein Drama machen, desto mehr prägt sich das Negative bei Ihnen ein. Erwachsene sollten dies wissen und Gesprächs- und Anlaufpartner sein, nicht Verstärker.
Mich schüttelte es, als ich den Begriff lost generation zum ersten Mal hörte und merkte, wie wenige 16+Jugendliche sich dagegen wehrten. – Sagt eigentlich alles.

Marion
2 Monate zuvor
Antwortet  Jan

Naja, also was das Augenmaß betraf, das war bei uns durchaus da. Während in Ländern wie Spanien und Italien die Menschen das Haus nur noch für Einkäufe, Arztbesuch oder sonstige Lebensnotwendigkeiten, verlassen durften, (monatelang), konnten wir raus gehen, wann immer uns danach war. Und nochmal: Ich stoße mich einfach an dem Vergleich mit Menschen aus Kriegsgebieten.
Es war sicher eine schlimme Zeit – für die einen mehr, für die anderen weniger. Es kommt immer darauf an, wie der Einzelne „gestrickt“ ist.
Ich weiß von einigen Jugendlichen, die sich heimlich abends draußen getroffen haben.
Manche Ältere haben sich darüber aufgeregt. Das wäre mir im Traum nicht eingefallen. Ich konnte das gut verstehen. Man kann jungen Menschen, die gerade „flügge“ werden und hungrig auf das Leben sind, nicht komplett zu Hause einsperren.
Da wäre ich in dem Alter auch durchgedreht.
In dem Artikel geht es aber auch darum, das die schlechte psychische Verfassung der Abiturienten Bildungsentscheidungen und Karrierepläne verändert.
Auch das mag erstmal unschön für die Betroffenen sein. Aber DAS IST DAS LEBEN. Wir müssen doch ALLE im Laufe unseres Lebens mit Enttäuschungen und unerwünschten Veränderungen klarkommen. Oft erweisen sich die so eingeschlagenen Wege dann im Nachhinein als die besseren. Daraus muß doch nicht immer gleich ein solches Drama gemacht werden. Wichtig ist vielmehr, daß die jungen Menschen Ansprechpartner haben, die ihnen zuhören, sie ernst nehmen und sie unterstützen. Dann kommen sie auch gut durch die weniger schönen Phasen ihres Lebens.
Eine derartige Dramatisierung, wie in dem Artikel oben, hilft doch keinem weiter.

Jan
2 Monate zuvor
Antwortet  Marion

„Wichtig ist vielmehr, daß die jungen Menschen Ansprechpartner haben, die ihnen zuhören, sie ernst nehmen und sie unterstützen.“

Das haben viele junge Menschen aber nicht, zB wenn sie in sozialen Brennpunkten leben etc. Diese Kinder hat man komplett abgehängt, als sie weder in die Schule noch in ihre Vereine durften. Glauben Sie, dass deren Eltern das annähernd aufgefangen haben?

Ja: Das ist das Leben – Sagen wir von unserem hohen Ross!

Marion
2 Monate zuvor
Antwortet  Jan

In dem Artikel geht es um Abiturienten. Die leben meistens eher weniger in sozialen Brennpunkten. Ich frag mich eh, warum da nur Abiturienten befragt werden.
Interessiert das psychische Befinden des „unerheblichen“ Rests etwa niemanden?
Da gebe ich ihnen durchaus recht. Wenn man schon Vergleiche aufstellt und die psychische Belastung durch die Pandemie in Skalen einordnet, dann wage ich mal zu behaupten, das NICHT-ABITURIENTEN sogar noch mehr belastet sind oder waren, als die im allgemeinen eher „behüteten“ Abiturienten. Also praktisch mit einem „Leidens – Faktor“, der den von Menschen aus Kriegsgebieten übertrifft. Das ist zynisch? Stimmt. Aber ich hab solche Vergleiche auch nicht aufgestellt.

Ron
2 Monate zuvor

Wer eine frostige Zukunft und eine Mangelwirtschaft am Horizont aufziehen sieht, wer sich über Blackouts, Lieferkettenunterbrechungen und Seuchenschutzmaßnahmen Gedanken macht, der muss schon ein sonniges Gemüt haben, um nicht mit Zukunftsängsten in den Tag zu starten. Beim Aldi war es heute wegen der Energieeinsparungsmaßnahmen nur noch kalt, Zucker, Klopapier und diverse Käsesorten nicht vorrätig. Neben den selbstgemachten Energienöten, ist (oder wurde) heute auch noch Nordstream 2 kollabiert und damit die letzte Chance von russisch-deutschen Gaslieferungen via Pipeline. LNG ist 8* so teuer. Statt 120€ dann 900€ monatliche Heizkosten, die gerade Selbstzahlern das Blut in den Adern gefrieren lässt. Das ist auch für Jugendliche nicht zu übersehen und zu überfühlen, denn die Stimmung in ganz Deutschland kippt gerade. Dazu haben wir zwei Jahren Unterricht mit Maske, Hygienekonzept und Impfung hinter uns, die uns tiefer geprägt haben, als wir bislang ahnen.

Last edited 2 Monate zuvor by Ron
Dil Uhlenspiegel
2 Monate zuvor
Antwortet  Ron

„Der Datensatz enthält […] Zeitraum von Herbst 2019 bis Herbst 2021.“

Marion
2 Monate zuvor
Antwortet  Ron

Wir hatten in unserer Jugend Tschernobyl, Waldsterben, Ozonloch, Wettrüsten und vom Klimawandel sprach man auch schon. Hieß damals noch „Treibhauseffekt.“ Mir hat das ziemliche Angst gemacht.
Während meiner Erzieherausbildung haben wir in der Schule einen Film darüber angeschaut, wie der Wald 2010 aussehen würde, wenn die Umweltverschmutzung so weiter ginge: Kein Grün mehr – alle Bäume kahl.
So schlimm kam es dann Gott sei Dank doch nicht.
Was ich damit sagen will: Die heutige Jugendgeneration ist nicht die erste, und sie wird auch nicht die letzte sein, die mit Katastrophen, mit Umwälzungen, mit Gefahren und Risiken konfrontiert sein wird. Zugegeben, die ökologischen, ökonomischen und politischen Probleme wachsen derzeit zu einem ziemlich unüberwindlich scheinenden Berg heran. Da kann einem schon Angst und Bange werden.
Aber das ging uns damals, zumindest teilweise, auch so. Und ich wette, der Generation vor uns, die ihre Jugend an den Krieg verloren hat, auch.
Ich glaube, daß die wenigsten Menschen, egal wann sie gelebt haben, im Rückblick behaupten können, daß sie nie irgendwelchen Zukunftsängsten ausgesetzt waren.
Und wie gesagt: Ich halte die derzeitigen Ängste junger Menschen hinsichtlich ihrer Zukunft durchaus für berechtigt.
Es bringt aber doch niemanden weiter, Vergleiche anzustellen und Ängste auf Skalen zu messen. Die Lage, in der sich die Welt derzeit befindet, ist beängstigend. PUNKT.
Und vielleicht sollten wir uns mal wieder mit dem Gedanken anfreunden, daß im Leben nicht immer alles planbar ist und daß wir schon gar nicht immer alles unter Kontrolle haben können. Die letzten Jahrzehnte des wirtschaftlichen Wohlstands und des rasenden technischen Fortschritts haben uns da ein klein wenig größenwahnsinnig gemacht. Wird Zeit, daß wir mal wieder auf „Normalmaß“ zurecht geschrumpft werden.

Pit2020
2 Monate zuvor
Antwortet  Marion

@Marion

Volle Zustimmung, auch bei der treffenden Benennung der „Highlights“ der damaligen Kindheit/Jugendzeit. Damals war die empfundene Stimmung „No future.“ und wurde auch so benannt.
Allerdings wurde nicht nur über diese Stimmung geredet – ja, dass hat irgendwann durchaus einen beachtlichen Verstärkereffekt, wenn sonst nichts weiter passiert. Damals hat man auch aktiv gehandelt, s. Ozonloch.
https://www.nationalgeographic.de/umwelt/2021/09/klimaschutz-wie-steht-es-um-das-ozonloch
Und da zeigte sich, dass durchaus jeder einzelne „kleine“ Verbraucher etwas im Alltag beitragen kann: Haarspray, Deodorants u.ä. mit schädlichen Treibgasen wurden nicht mehr gekauft und waren dann auch ganz schnell aus den Geschäften verschwunden! Alternativen gab es schnell und die wurden auch qualitativ schnell besser.
An die überaus skeptischen Stimmen in diesem Thread: Was könnte man z.B. daraus lernen?
Tipp: Stichwort „Selbstwirksamkeit“.

Damals, bei den „No future“-Kids war alles noch viiiiiel schlimmer, da konnte man noch nicht mal googeln! 😉
Und: Seltsam, sehr seltsam … Ist die vor kurzem noch hochgelobte „Eigenverantwortung“ gar nicht mehr trendy? Mag sein, dass ich da nicht mehr auf dem Laufenden bin …

Dil Uhlenspiegel
2 Monate zuvor

Ist die Studie gaga oder die jungen Erwachsenen oder ich? Gut, nach dem Prinzip des minimalsten Ansatzes wäre das natürlich ich.

„Dieser Einbruch […] entspricht zum Beispiel dem drastischen Rückgang der Lebenszufriedenheit in Kriegsgebieten.“ – Wie im Krieg? Also jetzt mal seriös: hääää?!? Und jetzt so:
Die emotionale, mentale Verfassung ist ja nunmal eine subjektive und relative Angelegenheit, niemals objektiv und niemals absolut. Wenn ich jetzt aber auf einer – sagen wir mal theoretisch herbeigezauberten – objektiven Verfassungsskala von 0 (ganz unten) bis zu 10 (alles super) in meinem bisherigen Leben zwischen 6 und 8 gelegen hätte und dann die Pandemie mit allen Maßnahmen, Einschränkungen, Risiken usw. das „Tiefste“ gemäß dieser Skala markiert, was ich je (in meinem persönlichen Leben bisher) erleben musste … könnte es dann sein, dass ich subjektiv erlebe, ich sei auf die 3 gefallen, befinden mich aber eher im Mittelfeld? Resilienz baut sich doch auch auf durch Erfahrungen der Resilienzwirkung bei früheren Tiefschlägen … und wenn es die eben noch nicht so richtig gab vorher, dann … wähne ich mich auf Kriegs-Level??

Ist das jetzt noch viel mehr gaga – ich kriege das nicht zusammen.

Und dann aber wieder: „Die Lebenszufriedenheit von jungen Erwachsenen während der Pandemie ist auf einer Skala von 0 bis 10 um 0,5 gesunken“
0,5 runter innerhalb einer 10er-Skala ist der Wohlfühlverlust beim Wechsel in den Kriegszustand? Liegt mein ich-blicks-nicht-blinder-Fleck hier vorborgen?

Oh Lehrkörper, erleuchtet mich!

Pit2020
2 Monate zuvor

Ich will die aktuellen Probleme von Abiturienten gar nicht kleinreden, allerdings zu bedenken geben, dass ein problemfreies Leben wahrscheinlich gar nicht im Bereich des Möglichen liegt – auch wenn wir das gerne und verständlicherweise glauben mögen auf dem Hintergrund eines seit Jahrzehnten vordergründig recht sorgenfreien Lebens.

Ich fürchte aber, wir (als Gesellschaft – aber auch verschiedene Berufsgruppen, die damit ihre Brötchen verdienen) neigen derzeit zu einer gewissen Übereifrigkeit im Beobachten und Forschen … ich habe grade kein passendes Wort dafür, darum nenne ich es mal mit Augenzwinkern: „Übertreiben, Skandalisieren und Dramatisieren“.
Was bin ich froh, dass Steinigungen in diesem Land offline verboten sind. 😉

Steile These:
Wenn Menschen einander etwas (!) mehr Zeit im direkten (!) Gegenüber und im direkten (!) Gespräch (Mimik, Intonation, … sind wichtig!) buchstäblich schenken würden, dann wäre schon viel „Druck raus aus dem Kessel“!
Wenn das nicht passiert, hat das leider üble Folgen (vgl. Vergangenheit und Lesetipp) und wirkt unter Umständen sehr lange nach, vielleicht für den Rest des Lebens und dann hat es Auswirkungen auf die Familie, die Freunde (sofern vorhanden), die Arbeitskollegen und und und …

Bisher hatten – nach 1945 – die meisten Menschen ein recht auskömmliches Leben und Probleme waren häufig eher Luxusprobleme.
Die in letzter Zeit gerne mal auf die Schippe genommenen „Boomer“ hatten auch so ihre Nöte, je nachdem wann genau sie geboren worden waren (Wer’s nicht glaubt, einfach mal „Boomer“ bei Wikipedia nachlesen …) : Wer gegen Ende der Boomer-Generation in der Reihe stand, stand nämlich oft verdammt lange an, weil buchstäblich alle (Ausbildungs-)Plätze belegt waren und die Bewerber buchstäblich Schlange standen für ein Bewerbungsgespräch. Verkehrte Welt im Vergleich zur heutigen Situation!
Da musste man dann vielleicht auch mal ein Jahr oder gar länger überbrücken. Wer das gemacht hat, hat allerdings oft noch wertvolle Erfahrungen für den späteren Lebensweg gewonnen:

  • Man hat durch verschiedene Jobs Einblick in etliche Branchen erhalten und unter Umständen beruflich einen anderen Weg eingeschlagen als den ursprünglich angedachten und ist damit am Ende ganz zufrieden oder gar glücklich geworden. Zudem hat man durch die ganze Jobberei auch Kontakt zu allen möglichen Altersgruppen und sozialen Schichten gehabt, wieder inklusive wertvoller Einblicke.
  • Man hat gelernt, was man in Schule (egal, welche Schulform!) und Uni so nicht lernen kann!

Lesetipp:
(Hier geht es zwar nochmal um Boomer – also ganz stark sein – aber nur am Rande, eigentlich geht hier die Zeitreise noch eine Generation weiter in die Vergangenheit!)
„…
»Die Autorin zeigt, wie Kriegskinder und -enkel in der Psychotherapie Zugang zu den unbewussten Aspekten ihrer Familiengeschichte finden und in der Auseinandersetzung damit psychisch wachsen können. Das Buch wartet mit vielen Hintergrundinformationen zu den trauma-auslösenden Situationen auf und beschreibt Beispiele für eine sensible Erinnerungsarbeit mit PatientInnen verschiedener Generationen und eigenen Kriegserfahrungen.«
Bewusster leben, Juni 2015 („bewusster leben“)“
https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1045543013
Weitere Stimmen zu dem Buch im Link unter: Beschreibungen/Weiterlesen.

Die 3 Bücher

  • „Die vergessene Generation“
  • „Nachkriegskinder“
  • „Kriegsenkel“

von Sabine Bode habe ich immer mal wieder hier verlinkt, bei Bedarf bitte selber googeln. Sabine Bode war quasi die Pionierin in diesem Themenkomplex und hatte seinerzeit noch erhebliche Probleme, gegen diese Wand des Schweigens anzukommen.
Erstaunlicherweise fühlten sich aus der „vergessenen Generation“ anfangs die wenigsten Menschen angesprochen in dem Sinne, dass sie nicht glaubten etwas Erzählenswertes beisteuern zu können!
Und nein: Das ist nicht off-topic, denn Krieg und Vertreibung ist immer wieder und eigentlich immer irgendwo auf der Welt ein Thema – das muss wohl aktuell nicht weiter erläutert werden. Die Folgen sind weitreichend und werden in der Regel nicht aufgearbeitet.
So schwelen sie von Generation zu Generation „unter dem Teppich“ weiter. Vieles erklärt sich dadurch nicht unbedingt direkt, aber die Häufung von psychischen Problemen bis hin zu ernsthaften psychischen Erkrankungen erstaunt auf diesem Hintergrund nicht.
Seitdem sind etliche Publikationen zu jdiesem Themenkomplex erschienen, teils wissenschaftlich motiviert, teils bedingt durch die eigene Familiengeschichte.
Fast jeder „Biodeutsche“ ist irgendwie auch davon betroffen.

Neu ist aktuell nach bald drei Jahren, dass wir mit einer Pandemie zu tun haben.
Damit hat auch von den älteren noch lebenden Personen niemand (aktuelles und damit medizinisch wertvolles) Erfahrungswissen.
Wir alleweltweit – tappen da noch im Dunkeln.
Wir können nicht aus der Retrospektive heraus forschen und analysieren, wir sind – bildlich gesprochen – noch immer im Karussell und darum fehlt uns die nötige Distanz zu rationalen Urteilen und daraus abgeleiteten sinnvollen Handlungen.
Dennoch gilt: Wir alle sind betroffen – wenn auch auf unterschiedliche Weise und unterschiedlich intensiv und logischerweise mit unterschiedlichen Folgen.
Da hat sich in der Vergangenheit oft Zusammenhalt als hilfreich erwiesen, aber was derzeit leider oft zu beobachten ist ist „Terz“ an allen Ecken und Enden bis hin zur Spaltung innerhalb von Familien. Ja, auch das hat es schon immer gegeben – aber selten mit gutem Ausgang. Jeder, der in einem sozialen Beruf tätig ist hat das schon oft beobachtet – mit ein bisschen Pech vielleicht sogar im eigenen privaten Umfeld.

Eine „sichere Bank“ in diesen Zeiten wäre das, was ich heute schon unter einem anderen Artikel angesprochen habe: Mal runterkommen.
Und Rücksichtnahme in Form von gegenseitigem Verständnis anstelle eines Überbietungswettkampfes Marke „Alles was du kannst, das kann ich viel besser!“ im Kampf um Aufmerksamkeit.
Zuhören.
Zuhören.
Und noch einmal Zuhören.
Viel mehr kann man ehrlicherweise derzeit (!) oft nicht tun – aber das ist schon eine ganze Menge.
Erst heute habe ich wieder irgendwo gelesen (Quelle kann ich hier nicht bieten, sorry.): „Der Mensch will gesehen und wahrgenommen werden.“
Ich denke, das ist ein Grundbedürfnis und ein wichtiger Punkt. Wenn das öfter geschehen würde, würde es weniger „Terz“ und Aggressionen geben.
Doch, ich glaube immer noch fest daran … 🙂
Und ich glaube auch, dass es dazu nicht wirklich einer Flut von neuen Studien bedarf.

Habe fertich! 🙂

Dil Uhlenspiegel
2 Monate zuvor
Antwortet  Pit2020

Hi Pit,
du meinst, da brodeln unterbewusste, vlt. kollektive „Erinnerungen“ oder eher Programmierungsmuster hoch, nachdem sie durch den Ausnahmezustand Pandemie getriggert wurden?

Pit2020
2 Monate zuvor
Antwortet  Dil Uhlenspiegel

@Dil Uhlenspiegel

Das blubbert und brodelt seit Jahrzehnten.
Allerdings haben „die Alten“ immer schön den Babbel gehalten – aus Schuldgefühlen, für die es in etlichen Fällen sicher gute Gründe gab, aber auch aus Scham für eigenes Leid, dem man sich – völlig unpassend – die Schuld gab.
Wer kennt sie nicht, die Sprüche? Z.B. „Das ging doch damals allen so!“ oder „Nimm dich bloß nicht so wichtig!“ Letzterer wurde ja gerne „weitervererbt“ und war oft das einzige „Erbe“, das viele nicht mehr losgekriegt haben. Sogar dann, wenn sie gar nicht für einen selbst bestimmt waren sondern „nur“ oft genug mitgehört wurden …

Wer guten Kontakt zu Pflegekräften in Seniorenheimen hat, kann da mal nachfragen.
Vor etwa 20 Jahren ging das vereinzelt los, das Demenzleidende sich sehr sonderbar verhalten haben und allmählich wurde bemerkt, dass das immer in ähnlichen Kontexten losging. Allerdings individuell verschieden.
Erst nach und nach hat sich das gehäuft, weil ja auch erst über die Zeit hinweg viele Menschen so alt werden konnten, dass sie nicht nur ein wenig „tüddelig“ wurden, sondern wirklich schwer an Demenz litten.
Da wunderten sich dann Pflegekräfte, warum z.B. sonst friedlich-niedliche Omis mit aller verbleibenden Kraft sich zur Wehr setzten – auch selbst körperliche Gewalt in unerwarteter Stärke – anwendeten, weil sie sich plötzlich nicht mehr zum Waschen entkleiden (lassen) wollten … Man kann sich denken, warum.
Heute ist das wenigstens im Bewusstsein der Pflegekräfte (die ich kenne), ich weiß allerdings nicht, ob das in der Pflege-Ausbildung ein Thema ist.
Das meinte ich mit Verständnis.
Und das erspart allen Beteiligten weiteres Leid.

Insgesamt habe ich mir da im Laufe von etwa 10 Jahren ganz ordentliches „Wissen“ als Hobby-Psychologe draufgeschafft.
Angefangen habe ich mit den o.g. Büchern, der Rest ergibt sich dann wenn man erst mal im Thema ist und das zieht dann immer weitere Kreise.
Bei mir hat es insgesamt zu einer relativ entspannten Grundhaltung im Umgang mit meinen Mitmenschen aller Altersklassen geführt.
Bevor aber Missverständnisse aufkommen: Das heißt keineswegs, dass ich mir alles mögliche bieten lasse oder mich verkaspern lasse. 😉

Dil Uhlenspiegel
2 Monate zuvor
Antwortet  Pit2020

Danke dir! Ich kann da gut mit, auch aus eigenen Familien-Erfahrungen und aus Beobachtungen, z.B. als Zivi damals. Bin auch Hobbypsychologe und Freizeitmediziner 🙂

Dil Uhlenspiegel
2 Monate zuvor
Antwortet  Pit2020

Achtung, jetzt wird’s schlimm:
Vor Corona ging mir jahrelang immer wieder die verflixte Frage durch den Kopf, ob es eine (durch unentschärfte, also „noch explosive“ Traumata, auch in Vorgenerationen) angelegte „Sehnsucht“ nach einem Kriegs- oder kriegsähnlichen Zustand womöglich tief drin im Menschen geben könnte, welcher regelmäßig zum katastrophalen Drama und Leid drängt (ich rede nicht von Glorifizierung und Heroismus), auch wenn doch „jeder Frieden will“ … ah ja, tatsächlich? Die Entwicklungen sahen mir anders aus im „age of stupid“.

Und jetzt wird’s ganz närrisch, aber dafür sind wir ja da: Vlt. hat Covid den Menschen in einem kaum noch kontrollierbaren Drang bewahrt vor etwas anderem Aufbrodelnden von ganz anderem Ausmaß, hat das tiefe Leidesstreben wieder für einige Zeit zur Ruhe gebracht? Hält der Mensch als Kollektiv Frieden (im weitesten Sinne) überhaupt lange aus? Ein seltsames Tier … darum entschärfe jeder sein Trauma und überlasse keine vergrabenen Blindgänger der nächsten Generation, möchte man raten.

Naja, Schwamm drüber, genug schwarzgesehen. Schließen wir mit Zuversicht: Die Schulen sind sicher.

potschemutschka
2 Monate zuvor
Antwortet  Pit2020

Die Bücher habe ich auch mit viel Interesse gelesen (gehöre zu den Boomern und „Vertriebenen_Enkeln“). Nur schade, dass die geschilderten Erfahrungen nur die West- Bundesländer abbildet. Mich würde interessieren, wie das in der DDR war. Meine Großeltern haben leider auch nur wenig aus der Nachkriegszeit und von der Vertreibung erzählt, In der Familie meines Mannes war es auch so.Es war also auch bei uns im Osten ein Tabu.

Pit2020
2 Monate zuvor
Antwortet  potschemutschka

In der Familie meines Mannes war es auch so.Es war also auch bei uns im Osten ein Tabu.

„… In der Familie meines Mannes war es auch so.Es war also auch bei uns im Osten ein Tabu.“

Ich habe mir gestern die verlinkte Doku angeschaut und mich an diesen Satz von Ihnen erinnert.

Da wird auch ein jüngerer Schriftsteller (Lukas Rietzschel) gezeigt … und ich habe mich gefragt, ob den das Thema – auch Ihr Thema – wohl interessieren könnte und ob etwas bzw. was dabei herauskommen könnte, wenn @potschemutschka zwecks Austausch Kontakt zu diesem Schriftsteller aufnehmen würde.
Ich selbst habe keine Ostbiographie und keinerlei familiäre Kontakte, das würde also bei mir selbst gar nicht funktionieren.
Aber ich tue mich leicht damit im Urlaub – gerne in „der Zone“ 😉 – mit allen möglichen Leuten in Kontakt zu kommen und auch da warten viele solcher Geschichten – vielleicht mit anderen Folgen als in der alten BRD – darauf erzählt zu werden.
Ich habe da wirklich noch nie etwas in der Art gefunden … Hoffentlich ändert sich das mal … besser bald, denn die Leute, die noch etwas erinnern und zu erzählen haben werden weder mehr noch jünger …
https://www.zdf.de/dokumentation/37-grad-leben/ostkinder-102.html

Und ganz generell zeigt auch diese Doku:
Menschen aller Altersstufen – und damit natürlich auch Kinder und Jugendliche – hatten ihre Probleme und Problemchen und tragen sie lange mit sich herum, so dass das die Biographie natürlich verändern kann.
Was Omma noch wusste: „Unter jedem Dach ein ‚Ach.'“ … Schon immer …

Sissi
2 Monate zuvor

Wie viele Universitäten müssen eigentlich noch veröffentlichen ?
So wie es postcovid gibt, gibt es anscheinend auch einen
„post-schuli“ oder globaler eine „postcoronitis“ bei Kids, die eben nicht so resilient bzw. nicht vollständig genesen sind oder zu den nicht so privilegierten 20% gehören.
Dieses verantwortungslose Laufenlassen derzeit überall, v.a. in den Schulen, wird auch bei den Kids weiteren Tribut fordern – da brauchts eigentlich keine weiteren Umtersuchungen sondern ein Hinschauen, Reden mit den kids, vlt sogar mit den LuL ? Könnten die sogar auch was zu sagen haben ?
Ohje, lieber nicht, das könnte ja wieder auf Schutzmaßnahmen hinauslaufen, um den post-schuli zu verhindern.

Grundschullehrer
2 Monate zuvor

Die Lebenszufriedenheit von Abiturienten sinkt, die Abi-Noten sind dennoch besser als jemals zuvor. Wie passt das denn zusammen?

Kaila
2 Monate zuvor
Antwortet  Grundschullehrer

liegt daran, dass die Noten entsprechend gerechnet werden! Ist an den Unis nicht anders, ein Professor für Mathematik der angehende Ingenieure unterrichtet sagte mir, dass es von „oben“ nicht gewünscht ist, wenn er ne Durchfallquote von 90 Prozent hat. Da wird dann halt gerechnet um aus 90 Prozent nur 60 Prozent zu machen. Zumal die Abiturienten von heute mit dem heutigen Stoff nicht fertig werden, auch da muss er Abstriche machen. Er meinte zu mir, würde er so wie in den 90er Jahren das Niveau anlegen, würden von 500 Studenten maximal 20 einen Abschluss schaffen und davon vielleicht 2 bis 5 mit sehr guten bis guten Abschlüssen, der Rest würde gerade so durchkommen!
Aber sowas darf er nicht laut sagen! Sollte die Gesellschaft aber wissen!

Grundschullehrer
2 Monate zuvor
Antwortet  Kaila

Kann ich mir gut vorstellen. Wenn man Grundschul-Lehrwerke in Mathe der letzten 20 Jahre miteinander vergleicht, sieht man auch einen Niveau-Abfall. Man kann schon in der Grundschule den Kindern insgesamt weniger abverlangen. Oft scheitert es schon allein an der Konzentration – z.B. beim Erwerb der Schreibschrift.