Trotz – oder wegen? – Inklusion: Schon jeder 13. Schüler (in NRW) hat sonderpädagogischen Förderbedarf

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DÜSSELDORF. Bei immer mehr Schülerinnen und Schülern wird ein sonderpädagogischer Förderbedarf festgestellt. Beispiel Nordrhein-Westfalen: Im Schuljahr 2021/22 hatten 7,7 Prozent der rund 1,9 Millionen Kinder und Jugendlichen an allgemeinbildenden Schulen im Land einen entsprechenden Status, so meldet die Landesstatistikbehörde IT.NRW aktuell. Bereits seit Jahren wächst die Zahl der betroffenen Kinder und Jugendlichen stetig, auch bundesweit.

Warum steigt die Zahl der Förderschüler in NRW und im gesamten Bundesgebiet? Mehrere Ursachen sind möglich. (Symbolfoto) Foto: Shutterstock

Zunächst die – vermeintlich – gute Nachricht: Nordrhein-Westfalen macht auf dem Weg hin zu einem inklusiven Schulsystem Fortschritte, scheinbar jedenfalls. Die Inklusionsquote, die den Anteil der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf wiedergibt, die eine allgemeine Schule besuchen, liegt bei mittlerweile 44,7 Prozent. Sie ist im Vergleich zum Schuljahr 2020/21 nochmals leicht um 0,1 Prozentpunkte gestiegen. Im Zehnjahresvergleich zeigt sich ein stattliches Plus von 20,1 Prozentpunkten.

Einen Haken hat die vermeintliche Erfolgsmeldung: Im Schuljahr 2018/2019 gab es noch 132.500 Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Nordrhein-Westfalen, im Jahr darauf waren es bereits 137.500 – ein Plus um 3,8 Prozent. 2020/21 stieg die Zahl dann auf 140.900. Aktuell liegt sie nochmals um 2,4 Prozent höher, nämlich bei 144.280. Das bedeutet: Die Inklusionsquote steigt zwar; gleichzeitig steigt aber auch die Zahl der Schülerinnen und Schüler an Förderschulen.

„Woher kommen denn all die vielen, vielen Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf, die nun zu den aufgeblasenen Inklusionsquoten führen?“, fragte der emeritierte Professor für Lernbehinderten- und Inklusionspädagogik Hans Wocken, bereits 2019 in einem Beitrag für „bildungsklick“. „Ganz einfach: Die ‚neuen‘ Förderschüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf sind nicht ehemalige Sonderschüler, sondern sie kommen fast ausschließlich aus den Regelschulen selbst.“

Das bestätigt eine Studie der Bertelsmann Stiftung von 2020. Mit Blick auf ganz Deutschland heißt es darin: „Die gestiegene Inklusionsquote an allgemeinen Schulen hat dazu geführt, dass sich die Zahl der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf in den Jahren seit 2008/09 um 150.400 Kinder und Jugendliche erhöht hat. Nur ein Teil von ihnen – nämlich 43.957 – ist auf die Verringerung der Exklusionsquote zurückzuführen“, so heißt es dort unter Bezug auf den Anteil der Kinder und Jugendlichen, die eine Förderschule besuchen.

„Das Geheimnis der Inklusionsquote ist in Wahrheit eine unkontrollierte und ausufernde Etikettierungsschwemme“

Warum aber gibt es mehr Kinder und Jugendliche mit Förderstatus? Diese Problem- und Risikoschüler würden, so Wocken, „per großherziger sonderpädagogischer Diagnostik“ als Schülerinnen und Schüler „mit sonderpädagogischem Förderbedarf“ identifiziert und etikettiert. Weil die neuen, etikettierten Förderschüler aber in den Regelschulen verblieben, würden sie als „inkludiert“ gelten – und für politisch gewollt hohe Inklusionsquoten sorgen. „Das Geheimnis der Inklusionsquote ist in Wahrheit eine unkontrollierte und ausufernde Etikettierungsschwemme“, schreibt Wocken – und spricht von einer „Pseudo-Inklusion“.

Warum sollten die Schulen bei diesem Spiel mitmachen? Wocken erklärt: „Der wichtigste Grund für leichtfertige und freizügige Etikettierungen dürfte das Bemühen um zusätzliche personelle Ressourcen sein, insbesondere um zusätzliche Sonderpädagogen-Stunden. Für diagnostisch nachgewiesene Förderbedarfe können bekanntermaßen zusätzliche Fördererressourcen reklamiert und akquiriert werden.“

Die Bertelsmann Stiftung hält das für glaubwürdig – sieht aber darüber hinaus zwei mögliche Ursachen für die Vermehrung der Förderschüler. In zahlreichen Ländern sei die Ressourcenzuweisung an allgemeine Schulen tatsächlich an die Zahl der dort diagnostizierten Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf gekoppelt. „Dieser Zusammenhang könnte dazu verleiten, einen solchen Förderbedarf bei zusätzlichen Schülerinnen und Schülern zu diagnostizieren, um damit die an den einzelnen Schulen verfügbaren Lehrerstellen zu erhöhen – nicht zuletzt zugunsten eben dieser Kinder und Jugendlichen.“

„Lehrkräfte könnten aufmerksamer und individualisierender auf einzelne schwächere Schüler blicken“

Gleichzeitig könne es aber auch sein, dass sich die Diagnosekompetenzen von Lehrkräften verbessert hätten. „Der Anstieg der diagnostizierten Fälle könnte eine Folge der Tatsache sein, dass im Verlauf des Ausbaus inklusiven Unterrichtens in den allgemeinen Schulen Lehrkräfte aufmerksamer und individualisierender auf einzelne schwächere Schülerinnen und Schüler blicken – also auf diejenigen Kinder und Jugendlichen, die ‚immer schon‘ in allgemeinen Schulen unterrichtet wurden. Dieses genauere Hinsehen wäre sehr wünschenswert.“ Darüber hinaus sei möglich, dass entsprechende Diagnosen in Zeiten der Inklusion weniger stigmatisierend wirkten – und deshalb weniger Vorbehalte bei Eltern und Lehrkräften bestünden.

So oder so – die Zahl der exkludierten Schülerinnen und Schüler wächst: Von den 144.280 Kindern und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf in NRW wurden im vergangenen Schuljahr knapp 80.000 an Förderschulen unterrichtet (was einem Plus von 2,1 Prozent gegenüber dem Schuljahr 2020/21 entspricht). Übrigens: Davon waren zwei Drittel Jungen. News4teachers

GEW schlägt Alarm: Lehrermangel bedroht die Inklusion – Förderstunden fallen aus

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Lera
2 Monate zuvor

Diese Quoten sagen nichts darüber aus, welche Bildungsangebote die SuS mit FB bekommen.

Sie zeigen nur, ob mehr oder weniger von ihnen den Vormittag in den Räumen einer Regelschule verbringen.

Der Begriff „Inklusionsquote“ ist grob irreführend, da Inklusion einen viel höheren Anspruch hat (der m.E. so gut wie nie eingelöst wird, auch wenn der Sonderpädagoge tatsächlich zwei Stunden pro Woche am Start wäre).

Lessi
2 Monate zuvor
Antwortet  Lera

Bei mir sitzt der Sonderpädagoge nur an einem Tag im Klassenraum herum und ,,beobachtet“. Manchmal habe ich Glück und es kommt ein einziger Hinweis. Den Rest vom ,,Rattenschwanz“ muss ich allein erledigen. Ganz ehrlich- kann man sich sparen!

Marc
2 Monate zuvor
Antwortet  Lessi

Und dafür bekommt er A13, der Klassenlehrer nicht.

ABC
2 Monate zuvor

Bei „trotz oder wegen?“ sage ich ganz klar „wegen“.
Die Inklusion ist allerdings nicht an allem Schulelend schuld.

Emil
2 Monate zuvor

Warum immer mehr Kinder sonderpädagogischen Förderbedarf haben?
Weil sie ohne Erziehung (ist anstrengend), ohne Sprache (Handy in der Hand der Mutter, schon am Kinderwagen), ohne Erfahrungen (Sofa ist bequemer als Ausflug), ohne Bewegung (schon wieder Sofa), ohne……. aufwachsen!
Konsequenz: Entwicklungsrückstände.
Wer anderes behauptet, hat schlicht keine Ahnung.

447
2 Monate zuvor
Antwortet  Emil

Je desolater und „bunter“ das gesellschaftliche Umfeld bei gleichzeitig sinkender Forderung PLUS die massiven Krisen der letzten Jahre… desto mehr SuS kommen praktisch vorgeschädigt in die Schule. Wundert mich nicht.
Diese Zustände dann über die üblichen Wege wegzuleugnen oder kleinzuhalten („Due Ettikettäähn! Die machen überall Ättikähhten drauf und fälschen im Dienst Dokumente!!! 11“) wundert mich genau so wenig.

Konfutse
2 Monate zuvor
Antwortet  447

Genau. Und die Sprachförderung an den KiTas zu streichen und die Gruppen zu vergrößern (wie in BaWü) bewirken das Übrige.

nanling
2 Monate zuvor
Antwortet  Emil

Alle über einen Kamm scheren, ist so nicht richtig. Ich habe zwei Söhne. Einer ist super in der Schule. Der andere hat leider Entwicklungsstörungen und damit sonderpädagogischen Förderbedarf. Er wurde bereits so geboren. Wir sind eine ganz normale Familie und unsere Kinder sind gut erzogen worden. Wir versuchen den Kleinen zu fördern, wo es uns möglich ist. Aber abstempeln lassen, das tun wir ganz sicher nicht. Wir zählen im Übrigen definitiv nicht zur bildungsfernen Schicht. Schlimm, dass mein Sohn eventuell von seinen Lehrern in so eine Schublade gesteckt wird. Er ist sozial – emotional sehr gut entwickelt, allerdings auch sehr sensibel und unauffällig. Und er kämpft in der Schule wie ein Löwe. Mir blutet das Herz, wenn ich sehe, dass er nicht alles erreichen kann, was er möchte.

Last edited 2 Monate zuvor by nanling
gehtsnoch
2 Monate zuvor
Antwortet  nanling

Ab 2013 sprach man in NRW unter Schulministerin Löhrmann (Grüne) von „Inklusion mit Brechstange“
Inklusion und Unterstützungsbedarf? Bist du nicht das eine, bist du automatisch eher das Gegenteil. Abstempeln, einsortieren, verallgemeinern und andere in Schubladen stecken als beliebtes Klischeedenken.

Ich denke, @Emil hat dies im Kommentare ja deutlichst beschrieben und eine andere Meinung als „schlicht keine Ahnung“ abgestempelt. Da fragt man sich nur, hat nun der Außenstehende oder doch der Betroffene mehr Sachkompetenz und Ahnung, wenn angeborene Schwächen in der subjektiven Denkweise einzig auf Sozialaspekte abzielend zu Inklusion nicht einmal vorkommen.

Cornelia
2 Monate zuvor
Antwortet  nanling

Danke für Ihren Kommentar. Genau so kann es sein. Mich stört auch ganz massiv dieses „über einen Kamm scheren“. Wir Lehrer wollen ja auch nicht pauschal beurteilt werden. Auch Lehrer sind ganz verschieden, und eigentlich kann jeder nur für sich sprechen.
So geht es uns Eltern auch.
Bei uns zum Beispiel , wir haben vier Kinder, hat einer der Söhne eine schwere chronische Erkrankung. Seine Lungenfunktion war irgendwann unter 50 %.
Seine schulischen Leistungen entsprechend. Die Noten im untersten Bereich! Unser Kind war nicht faul!!! Er gab sich alle Mühe, wollte alles gewissenhaft erledigen! Und er hat seine Begabungen! Er litt sehr unter der Situation. Wie sich das für Eltern anfühlt, das weiß nur der, der es selbst erlebt. Und so schnell kann man gar nicht nachhelfen, weder im gesundheitlichen noch im schulischen Bereich!! Das war seine Grundschulzeit. Wir konnten verhindern, dass er auf die Sonderschule abgeschoben wird. Er machte einen mittleren Bildungsabschluss, auch das war eine Odyssee. Seine gesunden Geschwister haben mehr erreicht. Das macht ihm oft heute noch zu schaffen.
Sein Sohn , unser Enkel, hat ebenfalls eine gesundheitliche Beeinträchtigung, er hat schon sehr viele Ohren – OP ’s hinter sich. Er war/ist beeinträchtigt beim Sprechen lernen. Natürlich wurde er von Anfang an entsprechend gefördert. Er besucht eine Sprachheilschule. Dort musste er das erste Schuljahr wiederholen. Auf einmal war das fröhliche Kind ganz verändert. Als er dann die Wiederholung hinter sich hatte, wirkte er allmählich wieder entspannter. Aber eines Tages sagte er nachdenklich zu unserer ältesten Tochter, seiner Tante:“ Weißt du, eigentlich wäre ich jetzt schon in der dritten Klasse!“
Manche Lehrerkommentare hier finde ich, obwohl ich selbst als Lehrerin tätig war, schwer erträglich. Und nein, das ist kein Lehrerbashing, und ich bin nicht grundsätzlich gegen Notengebung!!!!
Jedes Kind ist anders, sie kommen schon grundverschieden zur Welt!

Stromdoktor
2 Monate zuvor
Antwortet  Cornelia

@nanling
@gehtsnoch
@Cornelia

Weil es hin und wieder hier nochsolche empathischen Beiträge, ehrlichen Schilderungen und persönlichen Betroffenheiten gibt, lese und schreibe ich hier überhaupt noch.

Ich finde es bezeichnend, dass der Ausgangsbeitrag von Emil in Sachen Zustimmung durch die Decke geht und Ihre persönlichen Schilderungen weder eine Reaktion noch breite, positive Resonanz erfahren.

Ich weiß wirklich nicht, was mit dieser Gesellschaft los ist…

Vielen Dank in jedem Fall!

Lehrerin
2 Monate zuvor

Interessant wäre ja auch eine statistische Auswertung der Förderschwerpunkte.
Meiner Beobachtung nach haben ja vor allem immer mehr Schüler (und Schülerinnen) Unterstützungsbedarf im Bereich der sozial-emotionalen Entwicklung und auch im Bereich Lernen.
Das kann auch ein Zeichen einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung sein und hat gar nicht in erster Linie etwas mit Inklusionsquoten zu tun.

Carsten60
2 Monate zuvor
Antwortet  Lehrerin

Das kann sein. Aber „gesamtgesellschaftliche Entwicklung“ müssen auf jeden Fall präzisiert werden. Was ist gemeint? Die Spaltung der Gesellschaft in eine obere und eine untere Hälfte steht ja häufig im Raum als Szenario. Andererseits sind die Kinder heute gewiss viel weniger strikten Regeln unterworfen als noch vor 50 Jahren. Also stellt sich auch die Frage, ob die sozial-emotionale Entwicklung durch strikte Regeln oder deren Abwesenheit positiv bzw. negativ beeinflusst wird.
Möglicherweise schafft unsere Gesellschaft durch Reformen und andere Veränderungen gerade diejenigen Dinge, die sich dann später in einer höheren „Förderquote“ niederschlagen? Aber auch die genaue Definition von „Förderbedarf“ wird eine Rolle spielen. Verfeinerte Diagnose in der Medizin produziert immer auch mehr Leute, die nach irgendwelchen Kriterien krank sind, ohne es zu merken.

Riesenzwerg
2 Monate zuvor
Antwortet  Lehrerin

Weil der Bereich „sozial-emotionale Entwicklung“ in den letzten Jahren extremst angestiegen war, wurde er glatt aus dem Programm genommen. (zu teuer, nehme ich an. Und tausend Schulbegleitungen in einer Klasse sind auch, nun, sehr eng).

G- und L-Kinder haben wir, und natürlich Kids mit körperlichen Beeinträchtigungen – sehen, hören, gehen, Rolli-Kids, …..

Schade
2 Monate zuvor

Nach meinem Empfinden wird WEGEN der Inklusion die „Inklusionsquote“ immer höher bzw. WEGEN der Bedingungen, unter denen die Inklusion umgesetzt wird. Bei gleichbleibendem (oder eher schlechter werdendem) Personalschlüssel stehen wir Lehrer einer deutlich heterogeneren und schwierigeren Schülerschaft gegenüber als noch vor einigen Jahren. Ohne zusätzliche Hilfen, ohne zusätzliche Ressourcen und vor allem ohne umsetzbare, realitätsnahe Vorgaben seitens der KM! So manches leistungsschwache Kind, dass vor einigen Jahren noch mit viel Unterstützung der Lehrer durch die Regelschule bis zum Hauptschulabschluss begleitet werden konnte, kann durch die enorme Aufmerksamkeit, die die Inklusionskinder, aber auch die anderen „verhaltensorigenellen“ Kinder (oder DAZ-Kinder, oder Kinder mit ADHS etc.) binden, nicht adäquat begleitet werden, so dass früher oder später für diese Kinder eben auch erhöhter Förderbedarf angemeldet werden muss. Ich empfinde die gegenwärtige Situation als zutiefst frustrierend.

Lessi
2 Monate zuvor
Antwortet  Schade

Ich würde gern noch mehr Daumen dafür geben. 😉

Carsten60
2 Monate zuvor

Klar dürfte doch sein: wenn es für Kinder mit Förderbedarf mehr Ressourcen gibt, dann lohnt es sich für die Schulen, mehr Kindern das Etikett „Förderbedarf“ umzuhängen. Sogar Prof. Wocken scheint das anzudeuten. Das Prinzip gibt’s bestimmt bei Subventionen aller Art. Auch International und auch nach Bundesländern sind solche „Quoten“ höchst unterschiedlich. Hier eine — allerdings ältere — Tabelle:
https://www.european-agency.org/sites/default/files/special-needs-education-in-europe_sne_europe_de.pdf
In Finnland hatte man damals 17,8 %, in Frankreich 3,1 %. Woran liegt’s? Doch offensichtlich an der Definition von „Förderbedarf“.

Marie
2 Monate zuvor
Antwortet  Carsten60

Wo gibt es denn für Förderbedarf mehr Ressourcen?? Unsere Schule hat 1 SoPä, egal, wie viele Kinder eigentlich Bedarf hätten.

gehtsnoch
2 Monate zuvor
Antwortet  Marie

Sollten diese „Ressourcen“ nicht klarer als das, was es ist, Geldmittel und Fördertöpfe statt „guter Ideen“ benannt sein?

Palim
2 Monate zuvor
Antwortet  Carsten60

Das Märchen über die Ettiketierung von Herrn Wocken wird nicht wahrer, weil er jährlich ein Buch dazu herausgibt.
Auch in Bundesländern, in denen die Zuweisung von Stunden gar nicht pro Kopf gewährt wird, steigt die Quote der Förderschüler:innen.

Keine Lehrkraft wird sich einfach mal so ein Förderschulverfahren ans Bein binden, weil es auffallend viel Arbeit ist für einen sehr geringen persönlichen Nutzen.
Die Hürden sind hoch, die Auffälligkeiten müssen deutlich und über einen langen Zeitraum dokumentiert sein. Die Feststellung selbst erfolgt nicht durch die Lehrkraft, sondern durch die Landesschulbehörde, die von Jahr zu Jahr die Bedingungen ändert und vorab vielfältige Förderung und Differenzierung samt Dokumentation erwartet.

447
2 Monate zuvor
Antwortet  Palim

Sowas von – die Unterstellung grenzt echt an Verschwörungstheorie: Welcher nicht völlig gehirnamputierte Lehrer

  1. fälscht (Straftat)
  2. im Dienst (Diszi, Kündigung)
  3. unter Verabredung mit anderen LuL (siehe 1 und 2)
  4. dienstliche Meldungen an vorgesetzte Behörden
  5. wovon er noch nichtmal was hat?

Auf den schrägen Trichter können nur praxisferne Polit- oder (((Stiftungs)))schranzen kommen.

Carsten60
2 Monate zuvor
Antwortet  Palim

Aber warum gibt es diese riesigen Unterschiede bereits zwischen den europäischen Ländern? Auch zwischen den Bundesländern gibt es Unterschiede. Das kann doch nur an den Kriterien liegen, welchen Kindern nun Förderbedarf attestiert wird und welchen nicht, und natürlich der Praxis, wie das gehandhabt wird. Und wie passt eine internationale (!) UN-Konvention zu diesen Unterschieden?
Zum Vergleich: es gibt auch riesige Unterschiede in der Zahl bestimmter Herz- oder Gelenkoperationen zwischen den europäischen Ländern. Das hat was mit den unterschiedlichen Finanzierungssystemen zu tun, also mit den Ressourcen.

Palim
2 Monate zuvor
Antwortet  Carsten60

Nur dass Lehrkräfte die Kriterien gar nicht vorgeben, sondern vorgesetzt bekommen, und auch nicht daran verdienen, ob ein Kind einen Status mehr oder weniger hat. Die Lehrkräfte haben das Kind in der Klasse und die damit verbundene Arbeit, eine Entlastung gibt es in der Regel nicht. Dennoch müssen sich Lehrkräfte den Vorwurf anhören, sie würden aus persönlicher Vorteilsnahme Förderschüler beziffern.

An anderer Stelle wird durchaus über die Benachteiligung vieler Schüler geschrieben, es werden Zahlen zur Kinderarmut erhoben, es wird dargelegt, dass viele Kinder Logopädie benötigen, etc.

Statt dem in der Schule angemessen begegnen zu können und Schulen angemessen auszustatten, tritt Herr Wocken mit seinen Äußerungen für eine spärlich ausgestattete, kostengünstige Inklusion ein, genau das, was wir täglich erleben müssen.

Carsten60
2 Monate zuvor
Antwortet  Palim

Ist ja alles richtig, aber es erklärt doch nicht, warum einige europäische Nachbarländer mit integrativen Schulsystemen eine viel höhere Zahl (oder auch eine niedrigere) von Schülern mit Förderbedarf haben. Die Kriterien werden „höheren Orts“ gemacht, das ist schon klar. Sie scheinen nicht annähernd objektiv zu sein. Offenbar wird auch die Inklusion in jedem Land anders umgesetzt, in Schweden gibt es eigene Förderklassen, wie berichtet wurde. Das ist dann wieder in der Nähe der Förderschulen.
Im übrigen vermissen wir alle wohl eine Evaluation über die Erfolge der Inklusion. Man könnte schulische Leistungen erheben, aber auch den Grad der Schulzufriedenheit unter den inkludierten Kindern und deren Eltern. Gibt es da Statistiken?

Ron
2 Monate zuvor

Warum immer mehr Kinder sonderpädagogischen Förderbedarf haben?

Einerseits kommen immer mehr Kinder aus sozial schwierigen Verhältnissen, aus fernen Kulturen oder bildungfernen Schichten. Dieses Gemisch bedingt sich teils gegenseitig oder verstärkt sich sogar in seinen Auswirkungen. Trotzdem ist es aber auch richtig, dass Inklusion Sonderrechte eröffnet. Auf Seiten der Betroffenen generiert sich daraus der (nicht immer erfüllbare) Anspruch auf Unterstützung, auf Seiten der Schule ergibt ein Inklusionsschüler einen Doppelzähler in der Statistik. Trotzdem bleibt festzustellen, dass die rein quantitativen Zahlen erschreckend sind und dass mancherorts klassischer Unterricht durch zu viele Förderbedürftige fast zum Erliegen kommt. Inklusion kann in den momentanen Strukturen für Mitschüler und Kollegen extrem fordernd sein. Während in den alten Förderschulklassen durchschnittlich 8 (!) Schüler waren, sollen diese jetzt in übervollen Lerngruppen und zu kleinen Räumen so nebenbei mitbeschult werden. Dabei ist auch nicht jede Assistenz (wenn es sie denn überhaupt gibt) ein Gewinn.

potschemutschka
2 Monate zuvor
Antwortet  Ron

Also an meinem ehemaligen Förderzentrum“ Letnen“ waren im Durchschnitt 15 Schüler pro Klasse, davon mindestens 2 noch zusätzlich mit ADHS oder. verhaltenskreativ.

Pit2020
2 Monate zuvor
Antwortet  potschemutschka

@potschemutschka

Hallo liebe @potschemutschka,
ich habe Ihnen eine Antwort (zu einem anderen Thema und Artikel) geschrieben.
Da, wo es um die 3 Bode-Bücher geht und dass so etwas im Osten nicht gibt, also ziemlich weit runterscrollen …
https://www.news4teachers.de/2022/09/lebenszufriedenheit-von-abiturienten-ist-in-der-corona-krise-eingebrochen-risiko-von-ausbildungs-oder-studienabbruechen-steigt/
Wenn Sie das hier gelesen haben, wäre ein kurzes „Rauchzeichen“ nett, dann muss ich nicht das ganze Forum nerven indem ich Ihnen in Dauerschleife den ewig gleichen Hinweis verlinke! 😉

Ron
2 Monate zuvor

Schüler mit Entwicklungsrückständen können, wenn es schlecht läuft, den Lernfortschritt einer ganzen Lerngruppe ausbremsen, die dann mit der Zeit als Gesamtheit unter Entwicklungsrückständen leidet.

SonderBar
2 Monate zuvor

Genau, man hat dann mehr Lehrerstunden durch Förderlehrkräfte und die kann man prima zur Vertretung einsetzen. Bei den Förderschüler/innen kommt nix an. Außerdem kann man dann als Regelschullehrkraft prima die Verantwortung an die Förderlehrkraft abgeben und muss sich um die Unbequemen nicht mehr kümmern. UND dann sollte man auch mal genauer schauen, wie hoch der Anteil der Förderschüler/ innen mit Migrationshintergrund ist. Die haben nämlich zusätzliche und andere Lernbedarfe…. ist dann einfacher sie als Förderfälle zu diagnostizieren….dann ist ja die Förderlehrkraft zuständig und man selbst muss nichts anders machen. Ich kann das natürlich nicht verallgemeinern. Aber ich arbeite als Förderschullenrkraft und das erlebe ich täglich…. Häufig passiert es auch noch, dass eben keine Untersuchung stattfindet, weil man dann ja dafür eine Akte zusammenstellen muss und das auch wieder Arbeit macht. Dann werden alle Leistungen auf ausreichend geschönt und das Kind weiter geschleift. Klingt böse, erlebe ich aber so. Viele Lehrkräfte pflegen immer noch den Aberglauben, dass es möglich ist alle Schüler/innen identisch zu unterrichten ohne DIFFERENZIERUNG…

447
2 Monate zuvor
Antwortet  SonderBar

Das war es komischerweise über sehr, sehr lange Zeit.

Erimnert sich noch jemand an die Legasthenie/-Dyskalkulie-Wellen?

Eine echte Förderung (und ganz besonders eine solche, die auch z. B. ihren berechtigten Ansprüchen als FL gerecht wird) kann ich nicht leisten und will das auch nicht. Sonst wäre ich ja selbst FL geworden.

Differenzierung in Maßen ist leistbar, in der Masse (z. B. 4 mal L, einmal L UND E/S plus zweimal hartes LRS bei 29 SuS) ist das schlicht nicht darstellbar.

Und nein, toll ist das nicht, NATÜRLICH will man jedem S helfen.

Wenn ich an der Regelschule zur Triage gezwungen werde geht bei mir die massive Mehrheit halt vor. „The needs of the many“ und so.

FL und Teamteaching begrüße ich übrigens ausdrücklich und habe damit ein Jahr lang sehr gute Erfahrungen gemacht bzw. machen dürfen.

Lessi
2 Monate zuvor
Antwortet  SonderBar

Das erlebe ich genau anders herum. Unsere Sonderpädagogin macht sich rar und überlässt die ganze Arbeit den KL.

Ron
2 Monate zuvor
Antwortet  Lessi

Sie sprechen da ein richtiges Problem an. Einerseits werden genehmigte Förderstunden mangels Förderschullehrer gerne im allgemeinen Stundenplan verbraten – die Klassenlehrkraft darf dann alleine sehen, wie sie mit ihren auffälligen Schülern zurechtkommt, andererseits haben manche A13-bezahlte Spezialkräfte durch die Schließung der Förderschulen scheinbar einen angenehmen Tausch gemacht, weil sie nur noch stundenweise einzelne Schüler zu begleiten haben und mancherorts wohl auch recht frei über ihre Stunden verfügen können. Da wird (reine subjektive und nicht repräsentative Beobachtung) dann gerne die Förderstunde eines Schülers in den Kunst- oder Sportunterricht gelegt, angeblich, weil dort die beste Gelegenheit ist, diesen aus der Lerngruppe zu nehmen und individuell zu betreuen.

DerechteNorden
2 Monate zuvor
Antwortet  SonderBar

Irgendwie ist das schräg. Wer soll denn Gutachten und Förderpläne verfassen, wenn nicht die Förderschullehrkräfte? Wenn wir Regelschullehrkräfte schon sonst fast alles allein wuppen müssen, weil viel zu wenige von euch da sind?
Es ist einfach falsch, z.B. Gymnasiallehrkräfte ohne Ahnung (wie ich z.B.) auch noch Förderschülys unterrichten zu lassen. Ich muss u.a. Abitur abnehmen und hier bereits Gutachten schreiben.
Ich mache auch noch Drogen- und Gewaltprävention und Berufsorientierung usw. … Und sind Sie Klassenlehrkraft? Nein, oder? Also.
Ihre Kritik trifft die Falschen.

SonderBar
2 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Natürlich schreibe ich Gutachten und Förderpläne. Die Vorarbeit ( Lernplan schreiben und die Förderakte zusammenstellen- BEVOR es überhaupt zu einem Gutachten kommen kann) liegt jedoch bei den Regelschullehrkräften.
Und ich habe ausdrücklich geschrieben, dass ich das NICHT verallgemeinere, aber in MEINEM Umfeld so erlebe. Nur darüber kann ich berichten. Und NEIN, ich habe keine Klassenleitung. Ich arbeite an mehreren Schulen, fahre hin und her und bin in 15 unterschiedlichen Klassen tätig. Da ergibt sich das mit der Klassenlehrertätigkeit nicht so….

DerechteNorden
2 Monate zuvor
Antwortet  SonderBar

Ja, ich weiß, dass die Situation für Förderschullehrkräfte auch nicht einfach ist, finde es aber sehr wichtig, die wahren Schuldigen für diese Misere zu benennen. Die Politiker*innen und Expert*innen, die sämtliche unserer Sorgen und Nöte einfach ignorieren und abtun.
Im Moment schieben wir alle Frust, da immer mehr Kolleg*innen ausfallen und wir so viele Vertretungen ableisten müssen, dass wir quasi eine heimliche Arbeitszeitanhebung erhalten haben.
Die Besprechungsstunden mit der für meine Schülys zuständige FLK sind für mich übrigens auch extra Stunden, die nirgends auftauchen, während die für sie in ihrem Deputat enthalten sind. Das missgönne ich ihr nicht, sehe aber nicht ein, weshalb das für mich nicht gilt.

SonderBar
2 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Für uns gibt es keine Besprechungsstunden- weder für FL noch für Regelschullehrkräfte….alles in den Pausen, extra, per Mail/Telefon…wenn man an mehreren Schulen eingesetzt ist…..kommt Freude auf….

Riesenzwerg
2 Monate zuvor
Antwortet  SonderBar

Das ist bei uns – Regelschulkraft – nicht anders.

GS in SH
2 Monate zuvor
Antwortet  SonderBar

Also werden nun zu viele gemeldet oder zu wenige, weil das Anlegen einer Akte Mühe macht? Und wenn zweites, warum unterstützt die FL dann nicht dabei?
Wer hat die Verantwortung für I-Kinder, ist das allein der Regellehrer? Unterstützt die FL auch die Kollegen, indem sie Material für die I-Kinder bereitstellt, das im normalen Unterricht bearbeitet werden kann? (Spoiler Alarm: Nein, denn das fällt unter Differenzierung, wofür sie nicht zuständig ist)
Unterrichtet die Förderlehrkraft auch große Gruppen differenziert, also z.B. die ganze Klasse? Oder zeigt sie nur mit dem Finger auf die unfähigen LK?
Welche Zusatzaufgaben (Fachleitung, Klassenleitung etc) übernimmt eine Förderlehrkraft an der Einsatzschule?

Es gibt einige, die sehr kollegial sind, auch mal als Vertretung einspringen wenn es wirklich brennt, Kollegen mit Materialien unterstützen, zu Elterngesprächen nach Unterrichtende dazukommen, auch mal mehr als 2 Kinder gleichzeitig beschulen, in der Prävention (Klasse 1/2) nicht ausschließlich als Doppelbesetzung in den Unterricht dazukommen, sondern sich auch mal gezielt und alleine um einzelne Kinder kümmern, mal für eine FK ein Thema vorbereiten usw.
Wir haben jetzt zum Glück so eine Perle!

Davor hatten wir eine FL, die streng nach Vorschrift arbeitete und für nichts alleine zuständig war. Ihre Aussage war immer: „Ich habe mich als GS-Lehrerin zur Förderlehrkraft weitergebildet, um nicht vorzeitig auszubrennen!“ Die 500€ mehr waren nur ein nettes Zubrot.

SonderBar
2 Monate zuvor
Antwortet  GS in SH

Ich übernehme keine Zusatzaufgaben an der Einsatzschule. Ich arbeite an mehreren Schulen und bin für 15 Klassen zuständig ( Prävention und überprüfte Förderschüler), muss auch an den Konferenzen der Regelschulen UND des Förderzentrums teilnehmen. Die Zusatzaufgaben müssen wir am Förderzentrums leisten- dort sitzt eine Leitung, die erwartet, dass wir uns dort einbringen. Wenn man an mehreren Schulen arbeitet, schleppt man auch schön das Material herum, fährt dann wieder zum Förderzentrum, um es dort auszuleihen/ zurück zu bringen oder kauft es auch lieber gleich selbst. In kaum einer Schule gibt es Platz, um Material zu lagern, geschweige denn einen Raum, in dem man mit Kindern arbeiten könnte. Förderlehrkräfte kann man immer schnell erkennen: Sie arbeiten im Abstellraum, auf dem Flur/ im Treppenhaus. Man glaubt sogar, dass ich es schaffe, im Treppenhaus mit Kindern ohne Deutschkenntnisse Laute aus Wörtern heraus zu hören ( Atmosphäre wie auf dem Hauptbahnhof). Außerdem habe ich auch eine Reparaturwerkstatt für Kinder, die nicht funktionieren ( alter Aberglaube- bis morgen muss das aber dann fertig sein).
Und natürlich springe ich als Vertretung ein, wenn es brennt. Aber die spärlichen Förderstunden gehören den Förderkindern- die haben es eh schwer genug und gehen immer zuerst unter oder fallen durchs Raster.
Ich habe nach über 20 Jahren Grundschullehrkraft auch diese Weiterbildung zur Förderschullehrerin gemacht- weil ich es besser machen wollte als die Förderlehrkräfte, die ich so erlebt habe ( Modell Stehlampe/ Kaffeebecherhalter) und weil ich es nie verstanden habe, was die mehr können als ich. Außerdem hatte ich eh schon etliche Zusatzausbildungen und Weiterbildungen gemacht.
Und nichts lässt sich verallgemeinern. Das Funktionieren der Inklusion hängt leider von den einzelnen beteiligten Personen und den Bedingungen vor Ort ab- schade für die Kinder ( für die nach meiner Auffassung Regellehrkräfte genauso zuständig sind wie ich – in den zwei Stunden pro Woche, die ich im Höchstfall für ein Förderkind zur Verfügung habe).
Nur, um mal so einiges zu benennen, was ich in MEINEM Alltag erlebe. Das kann natürlich überall anders sein- egal auf welcher „Seite“.

Palim
2 Monate zuvor
Antwortet  SonderBar

Es greift zu kurz, zu sagen, die Inklusion hinge von einzelnen Beteiligten ab, gerade weil das diesen die Verantwortung innerhalb einer unausgegorenen, völlig unzureichend ausgestatteten Inklusion zuweist.
Das könnte ganz anders sein, wenn Schulen ausreichend Räume und Materialien hätten, Lehrkräfte und zusätzliche Kräfte im Team und Zeit für pädagogische Kommunikation wie auch Differenzieungsleistungen in vielerlei Hinsicht zur Verfügung stünde und entlohnt würde.

Petra
2 Monate zuvor
Antwortet  Palim

Ja, alles könnte anders sein, wenn….
 
Die Inklusion selbst ist aber der entscheidende Fehler (Rückschritt) in der Förderung von Kindern mit Behinderung.
Jetzt kritisieren Sie Herrn Wocken, der nebst GEW wesentlich zur Einführung zur Inklusion beigetragen hat. Wörtlich schreiben Sie weiter oben: “ Statt dem in der Schule angemessen begegnen zu können und Schulen angemessen auszustatten, tritt Herr Wocken mit seinen Äußerungen für eine spärlich ausgestattete, kostengünstige Inklusion ein.“
Dafür ist er immer eingetreten und nicht erst „jetzt“. Er ist sich also treu geblieben und hat sein Mäntelchen nicht in den Wind gehängt wie so viele andere, die im Rausch des edlen Gedankens von „gesellschaftlicher Teilhabe“ und „sozialer Gerechtigkeit“ das Unheil nicht haben kommen sehen (wollen). Fragwürdige Gesichtspunkte moralischer Art gingen ihnen über alles. Und wer die Dinge im Voraus anders beurteilte und die Inklusion verhindern wollte, wurde massiv angegriffen (diffamiert).

Jetzt haben wir das Unheil und ich finde es nicht redlich, im Nachhinein unbezahlbare Voraussetzungen und Rahmenbedingungen für die Inklusion zu fordern, nur um nicht zugeben zu müssen, dass man sich vor Jahren geirrt und auf den Sachverstand gepfiffen hat.
Die Inklusion ist und bleibt nun mal ein faules Ei, das den Regelschulen ins Nest gelegt wurde. Leidtragende sind Lehrer und alle Schüler, nicht zuletzt die Kinder mit Handicap. Das Konstrukt „Eine Schule für alle“ kann einfach nicht funktionieren, auch wenn es moralisch noch so schönklingend begründet wird.

Palim
2 Monate zuvor
Antwortet  Petra

Ja, ich habe ja geschrieben, dass Herr Wocken es jährlich veröffentlicht. Dadurch wird es nicht besser.

Die Bedingungen für die Inklusion waren von Beginn an in den Bundesländern sehr unterschiedlich und sind es auch heute noch. Davon, dass es eine Gleichstellung zur Beschulung in den FöS geben sollte, ist nichts zu merken.
NDS hat die Bedingungen damals gar nicht benannt und erst knapp vor den Sommerferien bekannt gegeben. Es gab auch damals Forderungen nach gute Ausstattung, das ist nichts Neues. Die in NDS umgesetzte Ausstattung reichten damals schon nicht, aber gerade in NDS gibt es die Pro-Kopf-Zuweisung in der GS gar nicht, die Grundversorgung muss reichen, weshalb das Märchen von der Etikettierung zu Gunsten von Stunden in die Irre führt.
Es war dazu auch der Landesrechnungshof NDS, der die Verfahren kritisiert hat, weil jedes von ihnen mehr als 40 Stunden Arbeit benötigt, sich die Einschätzung der Lehrkräfte in der Prüfung bewahrheitet und entsprechend nahezu nur die Kinder überprüft werden, deren Beeinträchtigung nicht vage, sondern deutlich erkennbar ist – seit längerer Zeit, dafür sorgen die Hürden des Verfahrens.

Es ist aber so, dass die zunächst gesetzten Bedingungen gar nicht gehalten werden, sondern ständig zu Ungunsten der Lernenden und Lehrenden verschlechtert werden.
Wenn eine Grundversorgung nicht umgesetzt wird, wenn Sprachförderung vor der Einschulung gestrichen ist, wenn Zusatzbedarfe zwar bewilligt werden, aber nicht als Förderstunden umgesetzt werden, weil immer Vertretung ansteht, dann muss Inklusion und Integration immer ohne weiteres Personal stattfinden.
Dann steigen die Zahlen nicht, weil man Inklusion umsetzt, sondern die Etikettierung liegt darin, dass man Inklusion verkündet, die Umsetzung in den Schulen aber einspart. Von „Inklusion“ kann man nicht reden, wenn man die Kinder mit in den Unterricht der Regelschule setzt, sich aber sonst als Landesschulbehörde nicht für entsprechende Ausstattung einsetzt und diese auch nicht garantiert. Vielmehr wäre es sinnvoll, eine Pro-Kopf-Zuweisung einzusetzen, damit die Schüler:innen einen Anspruch auf Förderung erhalten und diesen auch einfordern können.

Petra
2 Monate zuvor
Antwortet  Palim

„dass man Inklusion verkündet, die Umsetzung in den Schulen aber einspart.“

Von einer kosten- und personalintensiven Umsetzung der Inklusion war war vor ihrer Einführung aber nie die Rede. Vor der Abstimmung über das Inklusionsgesetz im Bundestag wurde den Abgeordneten sogar erzählt, die Inklusion bedeute keinen Mehraufwand und wirke sich eher kostengünstig aus.

Nein, die Politik hat in diesem Punkt kein falsches Spiel betrieben, wie Sie andeuten. Das waren die radikalen Inklusionsvertreter, zu denen sich Prof. Wocken nach wie vor bekennt, während sich andere heute in die Büsche schlagen und illusorische Nachforderungen stellen.
Die Inklusion wurde von politischer Seite geliefert wie von Anhängern bestellt. Wenn ausgerechnet die Besteller sich heute am meisten darüber aufregen, ist das Verdrehen der Tatsachen.
Der Staat macht vieles falsch in der Bildungspolitik, doch er wird von ideologischen „Experten“ und Interessevertretern auch zu viel Falschem gedrängt. Hinterher will es dann keiner gewesen sein, vor allem nicht die GEW.

Riesenzwerg
2 Monate zuvor
Antwortet  Petra

Die kostengünstige Inklusion, die Herr Wocken propagiert, wird u.a. auf meinem Rücken, meiner Gesundheit und meiner – ich spreche schon lange nicht mehr von FREIzeit, sondern von ERHOLUNGSzeit ausgetragen.

Er kann das gerne mal für drei Wochen übernehmen. Ich bin gern bereit, in der Zeit ein Buch zu schreiben.

Petra
2 Monate zuvor
Antwortet  Riesenzwerg

Da stimme ich Ihnen absolut zu. So sieht der Schulalltag für die Lehrer leider aus.
Mich ärgert nur, dass so viele Leute, die ohne Wenn und Aber einst glühende Anhänger der preiswerten Inklusionsidee von Herrn Wocken waren, heute so tun, als hätten sie mit ihrer überlegenen Haltung noch immer recht und alles Scheitern läge nur an der bösen Politik, die bessere Arbeits- und Rahmenbedingungen verweigere.
Inklusionsgegner wurden als rechts, als behindertenfeindlich und inhuman beschimpft, obwohl genau sie es waren, die auf die Gefahren dieser „kostengünstigen Inklusion“ aufmerksam machten und eindringlich davor warnten.
Jetzt ist das böse Erwachen da und jeder schreit nach Hilfe. Vor Befürwortung und Einführung der Inklusion hätte man besser nach den Rahmenbedingungen fragen sollen, anstatt nur die Idee anzubeten und Versäumnisse bei anderen zu suchen.

DerechteNorden
2 Monate zuvor
Antwortet  SonderBar

Das Problem ist, dass Regelschullehrkräfte aber nun einmal nicht so ausgebildet sind. Solche Weiterbildungen, wie Sie sie gemacht haben, wären doch absolut zwingend, oder nicht? Und Sie wollten das so.
Müssen wir das jetzt alle wollen?
Das sehe ich nicht so. Ich möchte meine Fächer unterrichten. Mein Schwerpunkt sind Fremdsprachen, die tatsächlich aktiv verwendet werden sollen.
Ich gebe mir wirklich Mühe. Und die Förderschul-Kids können nichts dafür, weshalb ich sie natürlich nicht im Regen stehen lasse. Jedoch geht das so einfach nicht weiter.
Ich bin ausgebildete Gymnasiallehrkraft und arbeite an einer GemS, nehme dort ESA, MSA und Abitur ab. Ich bilde mich weiter. Ich möchte aber nicht zur Förderschullehrkraft ausgebildet werden. Und das betrachte ich als mein gutes Recht.

Riesenzwerg
2 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Ja, Ja. Immer der Anspruch, dass Lehrys alles können oder / und machen sollen.

Aber mal ehrlich:

Beruf Pilot:
Kann jeder Pilot einfach mal eben so alles fliegen? Heißluftballon, Rakete, Hubschrauber?

Beruf Kapitän:
Ich würde niemals mit einem Binnenschiffer auf Hochseetour über den Atlantik fahren.

Wird von uns erwartet – wir müssen alles können.

Beruf Dolmetscher für Polnisch und Griechisch, Muttersprache Italienisch:
Da kann er doch bestimmt simultan Altgriechisch, Hebräisch, Chinesisch und Mexikanisch übersetzen (soll dem Spanischen recht ähnlich sein. Ist ein bisschen wie Italienisch, nur ganz anders. Geht bestimmt!)

Beruf Arzt:
Ab morgen gehen wir bei Zahnschmerzen zum Urologen. Das Grundstudium war bestimmt das gleiche.
Der Herzchirurg übernimmt die Orthopädische Abteilung (Überlastung und Krankheitsfälle – kaum noch wer da) und der Augenarzt kümmert sich um die Hühneraugen. Klingt ja ähnlich, liegt nur woanders.

Beruf Altenpfleger:
Nächste Woche auf die Kinderabteilung. Dort muss auch gefüttert werden.

Wenn man den absolut kleinsten gemeinsamen Nenner findet, WIN-WIN 😉

Oder doch nur ein Träumchen mit etwas Ironie?! 😉

Pit2020
2 Monate zuvor
Antwortet  Riesenzwerg

@Riesenzwerg

Mal wieder eine treffende und dennoch launige Darstellung der Situation, mit schönen Beispielen zu Berufsbildern und Kompetenzen – ich liebe das Wort „Kompetenzen“! 🙂

Ich_bin_neu_hier
2 Monate zuvor
Antwortet  SonderBar

„schade für die Kinder ( für die nach meiner Auffassung Regellehrkräfte genauso zuständig sind wie ich – in den zwei Stunden pro Woche, die ich im Höchstfall für ein Förderkind zur Verfügung habe).“ – De iure ist das so – de facto ist das nicht zu wuppen bzw. es müssen so große Abstriche gemacht werden, dass die Grundidee der Inklusion ad absurdum geführt wird.
Im Prinzip handelt es sich also um eine weitere Variation von „Wenn diese faulen Säcke endlich mal anfangen würden zu arbeiten, würde das deutsche Schulsystem problemlos funktionieren/die zweitausendste Reform endlich den ersehnten Erfolg bringen/…“

Lera
2 Monate zuvor
Antwortet  SonderBar

Die Auflösung der Förderschulen hat durchaus Nachteile, die Sie anschaulich geschildert haben.

Aber gut, dass die Inklusionsquote steigt 😉

dickebank
2 Monate zuvor

Das Interessante dabei ist doch, dass die Testung, ob denn de jure ein Förderbedarf besteht, nur mit Zustimmung beider Elternteile erfolgen darf. Und ohne Testung kann kein AOSF-Verfahren eingeleitet werden.
Förderschüler ist also nur derjenige, der in einem AOSF-Verfahren als Förderschüler eingestuft worden ist.
Ferner ist doch entscheidend, in welchen Förderschwerpunkten denn die Zahlen überproportional angestiegen sind.

nurmalso
2 Monate zuvor
Antwortet  dickebank

Und eben diese Einwilligung wird an einer inklusiven Schule eher gegeben, da das Kind bei festgestelltem Förderbedarf an der Schule verbleiben kann. Auch dies könnte ein Grund für
eine steigende Anzahl von Förderschüler*innen wegen Inklusion sein.

gehtsnoch
2 Monate zuvor

Inklusion bedeutet, dass kein Mensch ausgeschlossen, ausgegrenzt oder an den Rand gedrängt werden darf. Hier scheint es aber nur um Integration zu gehen.

„Etikettierte“ SuS (also oberflächlich/vorschnell eingeordnet).
LuL identifizieren durch „verbesserte Diagnosekompetenzen“ Werden nicht eher (Förder)-Empfehlungen erarbeitet, denn das Feststellen und Benennen einer Erkrankung als Befund (z. B. ADS, ADHS, Hochbegabte od. Entwicklungsstadium) solte ohne Fachstudium doch sicher im ärztlichen Kompetenzbereich bleiben.

Wer Sonderpädagogik als Intergration ansieht muss auch die Menschen mit einer Behinderung (körperlich, angeboren oder Unfall) sehen und kann nicht alles auf soziales Umfeld, subjektive Empfindung oder geistige Fähigkeit für eine Lernbehinderung mit Förderbedarf reduzieren.

Indra Rupp
2 Monate zuvor

Was für eine Nebelkerze! ALLE Eltern (die zu 60 % ihre Kinder auf dem Gym haben) entscheiden (und auch nur mit knapper Mehrheit), dass die paar Prozent beeinträchtigter Kinder von ihnen fern bleiben sollen? Was käme wohl heraus, wenn anonym nach dem gewünschten Migranten Anteil an ihrer Schule gefragt würde?
Merke : Schwache, benachteiligte Mehrheitsgesellschaft bestimmt über starke, mächtige Minderheit = Demokratie!
Starke , mächtige Mehrheitsgesellschaft bestimmt über schwache , benachteiligte Minderheit = keine Demokratie!
Man sollte einmal die Verhaltensunauffälligen Haupt-und FS Schüler fragen (oder deren Eltern), ob sie per neumoderner sogenannter ESE-Behinderung ALLE intelligenten Kinder vom Gym, Real, ect haben wollen, die sich daneben benehmen. Dazu intelligente Daz-Schüler, die einfach nur noch nicht gut Deutsch können und wo die Integration einschließlich dem Beharren auf unsere moralischen nicht-fundireligiösen Werte mühe macht und Kinder, die scheinbar ihrem Schulniveau (Haupt/FS) entsprechen, aber auch nur aus Verwahrlosungsgründen, was in geballter Form ebenfalls zu unerträglichen Schulsituationen führt.
Dann sollte man ALLE Kinder mit Behinderung einmal wirklich ein paar Jahre am sozialen Miteinander teilhaben lassen und danach (!) fragen, ob Sie sich wirklich ein Leben in einer Parallelgesellschaft ( FS und Beschützende Werkstätten) wünschen.
Und deren Eltern genauso, ohne (!) Sie in der Regelschulen mit Absicht ins Messer laufen zu lassen, damit Sie von der FS überzeugt werden ^^
BTW: Ich kenne einige Eltern, die ihre schwierigen Kinder gerne auf eine Waldorf-oder Förderschule schicken wollen, weil sie glauben, dass ihr Kind dort weniger tun muss und dies den Eltern somit Zeit und Ärger erspart! Das ist das Gleiche, wie Kind mit Handy beschäftigen, ect. Keine Bereitschaft mehr, Mühe und Unangenehmes durchzuhalten. Das Kind soll lieber für behindert erklärt werden, auch wenn das sein ganzes Leben beeinflusst, und Ruhe ist.

Indra Rupp
2 Monate zuvor
Antwortet  Indra Rupp
Carsten60
2 Monate zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Konfus ist er so oder so.

Sandra
2 Monate zuvor

Verschiedene Psychologen sehen den Anstieg bei den „auffälligenn“ Kindern im frühen Besuch der Krippe. Nach deren Schätzung erwerben bis zu 20% der Kindern eine Auffälligkeit dadurch, dass sie sich nicht sicher an ihre Eltern binden und mit vielen anderen Kindern um die Aufmerksamkeit der Erzieher*innen buhlen müssen. Und um welche Kinder kümmert man sich zuerst? Nicht um die ruhigen und lieben. (Quelle https://www.24vita.de/praevention/kinder-kita-stefanie-stahl-psychologin-warnung-schaeden-alter-trier-91397516.html).

Hierdrin könnte mit ein Grund für einen Anstieg zumindest im Sozial-Emotionalen Bereich liegen.

Inklusion in Schulen ist keine Definitionsgerechte Inklusion:

Inklusion bedeutet, Diversität zu schätzen, sie anzuerkennen und so zu leben, dass alle Menschen der Gesellschaft in ihrer Verschiedenheit psychisch und sozial integriert und toleriert werden (vgl. Müller und Gingelmaier 2018, S. 9). Diversität ist normal ist und alle Menschen gehören ganz natürlich dazu. Dabei sind die unterschiedlichen Merkmale der Individuen unerheblich (vgl. Aktion Mensch 2022). Die Gesellschaft wird in diesem Konstrukt allen unterschiedlichen Bedürfnislagen gerecht (vgl. Müller und Gingelmaier 2018, S. 9).

Gemeinsam Lernen in der Grundschule hingegen bedeutet, dass Kinder mit (diagnostiziertem) sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf an einer Grundschule gemeinsam mit Kindern ohne sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf unterrichtet werden (vgl. Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen 2022b).
Entlang der VN-BRK verhindert das gemeinsame Lernen eine Ausgrenzung von Kindern mit Behinderung. Die wohnortnahe Beschulung mit Kindern aus ihrem Lebensumfeld und somit die Teilhabe am gemeinsamen Bildungswesen soll die Regel werden (vgl. Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen 2022) (vgl. SpeckHamdan 2015, S. 13) (vgl. Bengel 2021, S. 22).

Während in der Inklusion Diversität normal ist und jeder Mensch ganz natürlich teilhaben kann und die Gesellschaft allen Bedürfnislagen gerecht wird, wird im gemeinsamen Lernen weiterhin von zwei Gruppen Kindern ausgegangen: die mit Sonderpädagogischem Förderbedarf und die ohne (Müller und Gingelmaier 2018, S. 10). Hänsel führt dazu aus: „(…) die Separierung von Kindern wird auch im Zusammenhang von Inklusion nicht überwunden. Der zentrale Glaubenssatz der Sonderpädagogik, auf den sich das deutsche Sonderschulsystem gründet, besagt, dass Kinder, denen die allgemeine Schule nicht gerecht werden kann, Behinderte sind und sonderpädagogischer Förderung bedürfen“ (Hänsel 2015, S. 61). Somit kann gemeinsames Lernen als eine Annäherung an Inklusion gewertet werden. Münch betont, dass es für Schulen unmöglich ist, direkt alles richtig zu machen. Alle Beteiligten müssen sich neu orientieren, sich öffnen und lernen, mit Vielfalt umzugehen und Barrieren abzubauen (vgl. Münch 2013, S. 17f.).

Wir sollten uns also abgewöhnen, beim gemeinsamen Lernen von Inklusion zu reden.

Bei Klassen mit zu 30 Kindern in Grundschulen können einzelkämpfende Lehrkräfte nicht alle Kinder inkludieren. Hier werden natürlich AOSF Verfahren früher gestellt, wenn damit den Kindern geholfen ist. Und damit meine ich auch die Kinder ohne Förderbedarf. Sie schaffen es einfach nicht, allen Kindern gerecht zu werden und nicht wenige Lehrkräfte enden so im Burnout oder resignieren.

Kinder mit SPF leben und lernen entlang der VN-BRK gemeinsamen mit anderen Kindern und die Lehrkräfte haben die notwendige Haltung, dass sie die Kinder mit ihrer Diversität positiv annehmen, womit auch SchulG §2 Absatz 5 genüge getan wird. Allerdings können Lehrkräfte nicht, wie beispielsweise von Müller und Gingelmaier gefordert, allen unterschiedlichen Bedürfnislagen gerecht werden (vgl. Müller und Gingelmaier 2018, S. 9).
Kinder müssen sich immer noch dem Konstrukt Schule anpassen, da es das Schulsystem und die Gesellschaft es (noch) nicht schafft, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass alle Kinder ganz natürlich mit ihren unterschiedlichen Merkmalen gleichberechtigt teilhaben können.

Allerdings wird das SchulG aufgrund der auslegbaren Formulierungen zum gemeinsamen Lernen trotz der Rahmenbedingungen eingehalten: Schüler*innen werden bei Bedarf individuell sonderpädagogisch gefördert.

Wie viele Stunden diese Förderung umfasst und dass sie auch unabhängig von Personalausfall stattfinden soll, wird nicht festgehalten (Schulgesetz für das Land Nordrhein-Westfalen vom 15.02.2005, vgl. § 19 (1)).
Somit ist die Aussage der deutschen UNESCO Kommission von 2014 weiterhin aktuell: Damit inklusive Bildung alle Lernenden mit ihren Bedürfnissen erreichen kann, sind Änderungen in den Inhalten, Ansätzen, Strukturen und Strategien im Bildungswesen erforderlich (vgl. Deutsche Unesco-Kommission 2014, S. 9).

Damit Inklusion gelingt, sollten neben der Betrachtung der theoretischen Erkenntnisse die Lehrkräfte nach ihren Erfahrungen und Einschätzungen gefragt werden. Sie sind wertvolle Hinweisgeber, wie gemeinsames Lernen gelingen kann.

DerechteNorden
2 Monate zuvor
Antwortet  Sandra

Die Kids an meiner Schule, die einen emotional-sozialen Förderbedarf haben, sind solche, die sehr, sehr seltsame Eltern haben. Das sage ich nicht nur so. Wir kennen die Eltern nämlich bzw. kennen sie nicht, weil sie nie auftauchen, nie erreichbar sind und auch auf Schreiben nicht reagieren. Da sind sogar das überforderte Jugendamt und die Polizei machtlos.
Hier ist kein zu früher Krippen- oder Kita-Besuch verantwortlich. Im Gegenteil, man muss feststellen, dass diese Kids TROTZ des Besuchs einer solchen Einrichtung total verkorkst sind, weil sie ja die meiste Zeit doch zuhause verbringen.

rroseselavy
2 Monate zuvor

Auf die Idee, dass je nach Einzugsgebiet tatsächlich immer mehr, vor allem psychisch stark belastete Schüler*innen in den Schulen sind, kommt auch Herr Wocken nicht. Stattdessen scheint es einfacher den Schulen und den Lehrer*innen mal wieder Eigennutz zu unterstellen.
Finde ich zu simpel.

447
2 Monate zuvor
Antwortet  rroseselavy

Es ist tatsächlich eine Verschwörungstheorie.

Denn diese Argumentation würde erfordern, dass sich sehr viele Menschen gemeinsam zu strafbarem Handeln verabreden und das auch tun, obwohl sie KEINERLEI PROFIT davon haben. UND es dürfte nie einer merken UND es dürfte nie jemand auspacken.

So blöd müsste man erstmal sein… und wer fälscht die Elterzustimmungen, die bei AOSF fällig sind an jeder Ecke?
Gibt es da einen „AK AOSF-Fälschungen“ und wir hier wurden nur nicht eingeladen?

Manche Behauptungen sind einfach und schlicht Schwachsinn. Egal mit wie vielen Worten und Büchern sie vorgetragen werden.

Last edited 2 Monate zuvor by 447