Ist schlechter Unterricht der Grund für den Leistungsabsturz in Grundschulen? VBE watscht Kretschmann ab

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STUTTGART. Mit einem Frontalangriff auf Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat der VBE den Streit über die Gründe für das schlechte Abschneiden der Viertklässler bei der IQB-Grundschulstudie neu angeheizt. Gerhard Brand, Landeschef des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), regte sich vor allem über Kretschmanns Vorwurf auf, die schwachen Resultate aus Baden-Württemberg hätten nichts mit der Zahl der Lehrkräfte, sondern mit der Qualität des Unterrichts zu tun.

„Tief beunruhigt“: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Foto: Staatskanzlei Baden-Württemberg

«Das war ein typischer Kretschmann: Erst sprechen, dann denken», sagte Brand. Andersherum wäre es besser gewesen. Der Regierungschef habe sich schon bei seinem jüngsten Vorstoß für mehr Teilzeit für Lehrkräfte vergaloppiert und klein begeben müssen (News4teachers berichtete).

Der Verbandschef monierte, der studierte Lehrer Kretschmann (74) habe offensichtlich nach Jahrzehnten in der Politik keine Ahnung vom Schulalltag mehr. «Er versteht davon, was heutzutage im Unterricht passiert, ungefähr genauso viel wie ein Ziegelstein vom Schwimmen.» Brand hält den Personalmangel an den Grundschulen für den Hauptgrund für das weitere Absacken der Leistungen. Er forderte Kretschmann auf: «Schaffen Sie erstmal die quantitativen Voraussetzungen, dann werden Sie sich wundern, wie qualitätvoll der Unterricht sein kann.» Derzeit sei die Lage an vielen Grundschulen so, dass wegen fehlenden Personals Klassen zusammengelegt und Stunden ausfallen müssten.

«Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir fünf bis zehn Jahre brauchen, um den Lehrermangel zu überwinden»

Brand beklagte mit Blick auf die Regierung weiter, man fahre ein «Notprogramm nach dem anderen». Die Corona-Pandemie sei immer noch nicht vorbei und dann seien die geflüchteten Kinder aus der Ukraine dazugekommen. «Ohne diese Notlagen haben wir schon zu wenig Personal.» Kretschmann hätte den Lehrkräften für ihr Engagement danken sollen, statt die Qualität des Unterrichts zu kritisieren. Viele Lehrkräfte hätten auf die Äußerung des Regierungschefs mit der Frage «Geht’s noch?» reagiert. Was Kretschmann sage, sei «Blödsinn».

Der Verbandschef appellierte an Kretschmann und Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne), den Menschen reinen Wein einzuschenken, wenn es um die Leistungen der Grundschüler gehe. «Das wird sich in nächster Zeit nicht verbessern.» Der massive Lehrermangel werde sich wegen der Pensionswelle, die 2025 auf ihrem Scheitel sei, noch verschärfen. Die Zahl der Studienabgänger werde nicht ausreichen, um diese Lücke aufzufüllen. «Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir fünf bis zehn Jahre brauchen, um den Lehrermangel zu überwinden.» Die Politik müsse zugeben: «Wir kommen im Moment nicht weiter und wir können das Niveau nicht halten.»

Lernspiele im shop.4teachers.de

Kretschmann hatte sich «tief beunruhigt» über die schwachen Leistungen vieler Grundschüler gezeigt, die die neue Studie des Instituts für offengelegt hatte. Der Grünen-Politiker warnte jedoch davor, ständig nach mehr Lehrkräften zu rufen. Das sei «immer dieselbe Leier. Die hat mit dem Problem nichts zu tun». Es gehe nicht um die Zahl der Lehrkräfte, sondern um die Qualität des Unterrichts. Er erinnerte daran, dass das Land Baden-Württemberg nach dem Absturz bei der Studie 2016 zwei wissenschaftliche Institute gegründet und eine Reihe von Maßnahmen ergriffen habe, um die Basiskompetenzen in Deutsch und Mathe zu stärken.

Der Grüne kündigte einen «Kabinettsabend» zu dem Thema an, denn alle Ministerien seien beunruhigt über den Befund der Studie. Die Regierung müsse den Blick vor allem auf die frühkindliche Bildung lenken. Jedoch dauere es erfahrungsgemäß sehr lange, bis ergriffene Maßnahmen wirkten. Das sei ein «Dilemma der Politik».

Der Regierungschef verwies darauf, dass Baden-Württemberg mit fast 50 Prozent nach Bremen die höchste Quote an Kindern mit ausländischen Wurzeln habe. Das spiele sicher auch herein in die Ergebnisse, die schwierig zu interpretieren seien. «Vieles andere ist nämlich schwer erklärbar.» Nach der Studie des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB), die im Auftrag der Kultusministerkonferenz erstellt wurde, haben die Schülerinnen und Schüler der vierten Klasse auch im Südwesten zunehmende Probleme beim Lesen und Zuhören. Der Anteil der starken Schülerinnen und Schüler, die den Regelstandard in Deutsch und Mathematik schaffen oder übertreffen, ist gesunken. Fast jedes fünfte Kind schafft die Mindeststandards in Deutsch und Mathematik nicht.

Die Leistungen der Grundschüler waren in allen untersuchten Bereichen deutschlandweit im Jahr 2021 deutlich schlechter als noch 2016

Zuletzt hatte die GEW darauf hingewiesen, dass das Land Baden-Württemberg beim Verhältnis Lehrkraft pro Schüler in der Grundschule bundesweit auf dem letzten Platz liege. Die Gewerkschaft erwarte, dass das Land die jahrelange Vernachlässigung der Grundschulen beende und im Doppelhaushalt mehr Stellen in den Grundschulen einplane. Aus dem Kultusministerium hieß es, nach den Zahlen von 2020 liege das Land mit einer Quote von durchschnittlich 16,8 Schülern zu einer Lehrkraft fast gleichauf mit Bayern, das mit einer Quote 16,7 zu 1 deutlich bessere Ergebnisse in der jüngsten Studie erreiche. Dagegen habe Bremen eine deutlich bessere Relation mit 13,8 zu 1, liege aber in der Rangliste der Leistungen ganz hinten. Es greife also zu kurz, nur von der Zahl der Lehrkräfte auf die Leistungen zu schließen.

Erste Ergebnisse des IQB-Bildungsmonitors waren bereits am 1. Juli vermeldet worden. Die am Montag veröffentlichten detaillierten Länderanalysen des IQB-Bildungsmonitors zeigen, dass die Leistungen der Grundschüler in allen untersuchten Bereichen deutschlandweit im Jahr 2021 deutlich schlechter waren als noch 2016. Ausnahmen bilden die Länder Bremen, Hamburg und Rheinland-Pfalz, wo es nur im Bereich Zuhören signifikant Verschlechterungen gegenüber 2016 gab. Grundlage waren Tests an fast 1500 Schulen in ganz Deutschland mit etwa 27.000 Viertklässlern zwischen April und August 2021. In fast allen Bundesländern hat sich der Lehrkräftemangel insbesondere in Grundschulen massiv verschärft. News4teachers

Sind die Grundschullehrkräfte schuld am Leistungsabsturz? Philologen: „Schluss mit unbrauchbaren Methoden“

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43 Kommentare
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CoronaLehren
3 Monate zuvor

Der Vergleich mit dem Ziegelstein passt, wie die Faust auf’s Auge.

Schaut man sich die Biographie des Herrn Kretschmann an, so stellt man fest, dass er im letzten Vierteljahrhundert die Entwicklung nicht aktiv im Unterricht mitverfolgt hat.

Schick -> Warminksi-Leitheußer –> Stoch –> Eisenmann –> Schopper. Und das seit 2010. Kontinuität? Fehlanzeige. Reformen? Im Übermaß und ohne Augenmaß.

Die Schaffung zweier wissenschaftlicher Institute allein wird nichts ändern, den vom Messen der Temperatur wird das Badewasser nicht wärmer und vom Wiegen die Sau nicht fetter.

Was haben diese wissenschaftlichen Institute denn schon vollbracht? Ist das schon datengestützt evaluiert worden?

Evaluo ergo sum?

Riesenzwerg
3 Monate zuvor
Antwortet  CoronaLehren

Nun, immerhin haben die beiden Institute Arbeitsplätze geschaffen und Geld gekostet – wenn das nicht nichts ist?! 😉

Konfutse
3 Monate zuvor
Antwortet  CoronaLehren

In Ihrer Aufzählung ist Eisenmann für mich die klare Siegerin, die sich gegenüber der aufgezählten Gurkentruppe profiliert hat:
Ich halte Eisenmann zugute, dass sie vehement versucht hat, den 2011er- Quatsch von RotGrün abzufedern und den Leistungsgedanken wieder hochzuheben. Außerdem hat sie regelmäßig Schulen besucht, um zu schauen, wie der Laden läuft. Und zwar nicht nur GMS wie ihre roten Vorgänger und nun ihre grüne Nachfolgerin.
Sie war klar für die Dreigliedrigkeit des Schulsystems und wollte die Realschule dahingehend stärken, dass sie die HS aus der RS herausnehmen wollte. Auch wollte sie wieder mehr WRS/HS installieren. Die GMS hat sie negiert, sie wollte eben ein breitgefächertes Schulangebot.
Sie hat klare Kante gezeigt, indem sie bei Dienstantritt gleich mal konstatiert hat, dass sie die Inklusion aussetzt, wenn Kretschmann noch mehr Stellen abbaut. Da gab es ziemlichen Krach mit Wimpfi, weil sie sich diesbezüglich gegen Ihro Herrlichkeit gestellt hat. Und sie hat den Kampf gewonnen: Ohne die erforderlichen Kräfte keine Inklusion. Schwups, hat es geklappt noch ein paar Lehrer zu rekrutieren als 5000 Stellen abzubauen (RotGrünPlan: Es gibt zu viel Lehrer, also keine mehr einstellen; wir erleben nun, wohin das geführt hat.) Eigentlich hat Eisenmann ganz schön Rückgrat gegenüber dieses Macho-Männer-Gehabe gezeigt. Schade, dass sie in der Coronazeit so versagte. Ich hoffe inständig, dass die völlig unfähige Frau Schopper in drei Jahren wieder weg ist, weil sonst BaWü die Einheitsschule droht. Und ich hoffe inständig, dass Rot in drei Jahren nicht die Wahlen gewinnt und dann den KuMi stellt. Dann gibt es die Einheitsschule mit Inklusion ohne weitere Kräfte und mit Kürzungen oder mehr Bürden denn je für uns alle im Fußvolk des Bildungsbereichs. Dann wird alles noch schlimmer als es jetzt schon ist.

Konfutse
3 Monate zuvor
Antwortet  Konfutse

Muss heißen: Die GMS hat sie nie negiert….

Lehrerin
3 Monate zuvor
Antwortet  CoronaLehren

Ein Hinweis zu Kretschmanns Werdegang: Wenn man seine Vita im Internet anschaut, stellt man fest, dass er etwa 10 Jahre im aktiven Dienst als Lehrer verbracht hat, und man liest von 5(!) verschiedenen Schulen die Namen. Wenn es an einer Schule gut klappt, wechselt man als Lehrer üblicherweise doch nicht so oft…? Wir kennen den Begriff “ Wanderpokal “ in dem Zusammenhang. Spekulation, ich weiß, aber: Könnte es sein, dass er aus der Schulzeit (als Schüler oder Lehrer?) einiges aufzuarbeiten und daher so wenig für die Schulen und Lehrkräfte übrig hat?

Georg
3 Monate zuvor
Antwortet  CoronaLehren

Die Rückkehr zu den Bedingungen von 2009 würde helfen.

Dil Uhlenspiegel
3 Monate zuvor
Antwortet  CoronaLehren

Naja, ich sage mal, die Institute haben ihren wahren ursprünglichen und ureigenen Gründungszweck erfüllt. Ob sie auch im Bildungsalltag etwas bezwecken, das wage ich nicht zu bejahen ohne transparente Fremdevaluation.
Sicher fänden sich alleine hier im Forum, aber auch in sämtlichen Schularten des Landes ein paar verlässliche Fremdevaluatoren mit Praxis. In VERA veritas oder doch nur Spaß?

Last edited 3 Monate zuvor by Dil Uhlenspiegel
Realist
3 Monate zuvor

Kretschmann ist als Ministerpräsident mittlerweile untragbar geworden: Im Innern ein schwarzer-gelber Kern, hörig gegenüber der Automobilindustrie, und das ganze grün überlackiert. Dazu mittlerweile monatlich ein Affront gegenüber den Lehrkräften in B-W, mehr Respektlosigkeit kann man gegenüber seinen Landesbediensteten kaum zeigen.

Ich hoffe nur, alle Lehrkräfte, die bisher grün gewählt haben, überdenken nächstes Mal gründlich ihre Wahlentscheidung: Nur weil irgendwo „öko“ draufsteht, kann im Innersten doch tiefste neoliberale Wirtschaftshörigkeit drinnen sein…

DerechteNorden
3 Monate zuvor
Antwortet  Realist

Ja, in Ba-Wü scheint es so zu sein. In meinem Bundesland ist es doch anders. Im Bund ebenfalls.

Martin
3 Monate zuvor
Antwortet  Realist

Widerspruch, Realist!
Im Inneren besitzt Kretschmann keine „tiefste neoliberale Wirtschaftshörigkeit“. Im Gegenteil! Als Ministerpräsident ist er allerdings gezwungen, auf das wirtschaftliche Rückgrat seines Landes Baden-Württemberg, die Autoindustrie, Rücksicht zu nehmen, wenn er und seine Grünen hier nicht nur überleben, sondern wachsen und gedeihen wollen. Hätte er das nicht getan und würde er es nicht weiter tun, wäre es schnell aus mit der grünen Herrlichkeit.

Im „Focus“ war 2016 zu lesen:
„Der designierte grüne Ministerpräsident für Baden-Württemberg Winfried Kretschmann gehörte früher einer kommunistischen Politsekte an.“ (usw)

Vielleicht interessiert Sie dieser Artikel (und andere mehr) über Herrn Kretschmanns Vergangenheit.
https://www.focus.de/politik/deutschland/einst-kommunist-heut-gruen-politik_id_2076559.html

Mel
3 Monate zuvor
Antwortet  Martin

Richtig, als Landesvater muss Kretschmann auf die Wirtschaft in seinem Lande Rücksicht nehmen.Und er tat, vor allem für seine Bürger, wohl daran
Ich bin erstaunt, wie oft hier in Kommentaren wirtschaftsfeindliche Töne angeschlagen werden, so als sei die Wirtschaft unser Feind und Blutsauger.

Das Gegenteil ist der Fall! Warum, muss wohl nicht weiter ausgeführt werden.
Besonders in der aktuellen Zeit multipler Krisen und den vielen besorgten Stimmen (auch von den linksorientierten Parteien) um unsere Wirtschaft, dürfte keinem entgangen sein, dass wir alle ganz schön in der Tinte sitzen, wenn unsere Wirtschaft den Bach runtergeht.
Eine florierende Wirtschaft ist das A und O für jeden Staat, besonders für einen, der sich Wohlfahrtsstaat nennt, denn er hat immense Sozialausgaben + Unkosten durch einen riesigen öffentlichen Dienst.

In Deutschland wurde die Wirtschaft bisher keineswegs gehätschelt, wie manche immer wieder zu glauben scheinen, sondern im Laufe der Zeit mit einer der höchsten Steuer- und Abgabenquote weltweit belastet. Vor allem die Familienbetriebe, der viel zitierte Mittelstand als das sogenannte Rückgrat unserer Wirtschaft, kamen mit ihrer Rolle als Melkkühe im Laufe der Zeit immer weniger klar, während große Dax-Unternehmen Teile ihres Betriebes in steuergünstigere Länder auslagern konnten.

Nochmals: Wenn schon „Schmarotzer“ oder „Blutsauger“, dann frage man sich mal genauer nach der Rollenverteilung bei einem überbordenden Wohlfahrtsstaat und seiner Wirtschaft.

Konfutse
3 Monate zuvor
Antwortet  Mel

Sicherlich ganz richtig. Für eine florierende Wirtschaft braucht‘s eine gute, fundierte Bildung mit Menschen, die leistungsorientiert denken und handeln.

Mel
3 Monate zuvor
Antwortet  Konfutse

Ebenfalls richtig! Leider bekommt die Wirtschaft aber nur noch wenige Menschen mit einer Bildung, wie Sie sie beschreiben.

Neben dem Demographieproblem besteht also noch ein gravierendes Bildunggsproblem. Die Wirtschaft muss Bewerbungen trotz hohen Bedarfs an Nachwuchskräften ablehnen, weil sie beim besten Willen nicht alles einstellen kann, was sich meldet.

Konfutse
3 Monate zuvor
Antwortet  Mel

Genau, Mel. Also muss doch die Schulpolitik in den letzten Jahren schlechte Entscheidungen getroffen haben bzw. Entscheidungen, die nicht konform mit der gesellschaftlichen Struktur und Entwicklung sind. Wenn ich meinen Bürgern und Schülern vorgaukle, dass jeder Abi oder einen anderen Schulabschluss ohne Mühe und Eigenverantwortung erhalten kann, muss sich nicht wundern, wenn es dann mit dem Rekrutieren von Fachkräften hapert. Glauben Sie mir, wir an der Front versuchen alles Mögliche, dass Kinder und Jugendliche relativ gut gebildet aus der Schule gehen. Wenn aber die Eltern und Kinder nicht mitziehen und Lehrern zusätzlich von der Kultus-und Schulbehörde Steine in den Weg gelegt bekommen, ihr Kerngeschäft zu erledigen, dann haben wir halt auch verloren. Und nein, aus den Steinen können wir nichts Schönes mehr bauen; wir haben ein Geröll vor uns, das über unsere Kraft geht.
Die Schulpolitiker tun alles, die Anforderungen zu senken, den Leistungsgedanken auszumerzen (Schulen ohne Noten? Ja, da hätte ich als Schüler auch nichts mehr gemacht!) und uns kein einheitliches Handwerkszeug für die dafür die erforderlichen Basics (Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit usw.) zu bieten. So kämpfen wir gegen Windmühlen bis zur Erschöpfung, damit der Laden nur für die Basics läuft. Auf der Strecke bleiben Bildung und Lehre. Politisch so gewollt. Dumme Bürger sind gute Bürger, weil die nichts hinterfragen. Fachkräfte werden aus dem Ausland rekrutiert. Ich sage nur #TheLänd….
Wir haben in BaWü durch die verfehlte Schulpolitik schon drei Schülergenerationen verloren. Wenn nicht sofort dagegen gesteuert wird, werden wir in den nächsten 10 Jahren doppelt so viel hervorbringen. Bis es in der Politik ankommen wird, dass der bisher eingeschlagene Weg nicht zielführend ist, wenn sich die verantwortlichen Politiker nicht zu den vergangenen Fehlern bekennen, wird sich nichts zum Guten ändern. Wir sehen doch jetzt, kaum sind die Ergebnisse veröffentlicht, dass andere „Schuldige“ am Desaster gesucht werden. Bis jetzt kam von keinem Kultusminister, dass der eingeschlagene Weg falsch war, dass die gesellschaftliche Entwicklung und Struktur nicht zur aktuellen Bildungspolitik passt uns dass man da jetzt mal ganz schnell umlenken muss. Das wäre ein Schuldeingeständnis. Leider haben wir heutzutage keinen einzigen Politiker mehr, der mal ganz klar verbalisieren kann, dass von der eigenen Partei schulpolitisch über Jahre Unsinn gemacht wurde, man einem Irrtum unterlag und nun beherzt dagegensteuern will.
Ich habe ganz große Angst um meine, unsere Zukunft.

potschemutschka
3 Monate zuvor
Antwortet  Konfutse

Sie haben leider so recht.

Konfutse
3 Monate zuvor

So lange Rot oder Grün in der Schulpolitik die Finger im Spiel hat, wird das überhaupt nichts mehr mit Bildung und Leistung (Das gehört nämlich m.E. untrennbar zusammen). Kretschmann scheint vergessen zu haben, dass er mit Stoch den Spatenstich für den Niedergang der Bildung in BaWü gesetzt hat.

Mein_Senf
3 Monate zuvor
Antwortet  Konfutse

Das ist sehr pauschalisiert. Auch die anderen „Farben“ haben bisher nichts vernünftiges auf den Weg gebracht. Bildung und Kinder sind halt kein Thema, mit dem man Mehrheiten gewinnen kann.

Konfutse
3 Monate zuvor
Antwortet  Mein_Senf

Nun ja, wenn ich mir die Rankings der letzten Jahrzehnte anschaue, sehe ich, dass rot oder grün besetzte Kultusministerien bildungspolitisch immer eher im unteren Level angesiedelt waren. „Konservativ“ geführte waren eher im Ranking oben.

Mel
3 Monate zuvor
Antwortet  Mein_Senf

Oh doch, die anderen Farben haben sich bisher sehr wohl an Vernünftiges gehalten und glücklicherweise nicht dauernd etwas umwerfend Neues, leider jedoch völlig Untaugliches, eingeführt, sondern an Altbewährtem festgehalten. Ich denke da an Bayern und Sachsen.
In Baden-Württemberg ging es mit den guten Schülerleistungen tatsächlich erst steil bergab, als die langjährige CDU-Regierung abgewählt wurde und Grün/Rot mit Kretschmann und Stoch das Zepter übernahm. Der Niedergang vollzog sich sogar in erstaunlich wenigen Jahren, was zeigt, dass man in relativ kurzer Zeit ein gut funktionierendes Schulwesen ruinieren kann.

Konfutse
3 Monate zuvor
Antwortet  Mel

Mel, ich bin ja so Ihrer Meinung. Danke Ihnen!

Mel
3 Monate zuvor
Antwortet  Konfutse

Und ich Ihnen!

GriasDi
3 Monate zuvor

Vielleicht steckt ja doch ein Fünkchen Wahrheit dahinter: Früher konnten die Ministerien die Besten Lehrkräfte nach dem Referendariat auswählen. Heute nehmen Sie alle, die irgendwie da sind.

GriasDi
3 Monate zuvor
Antwortet  GriasDi

Aber ohne Lehrkräfte wären die Ergebnisse sicher noch schlechter.

Jörg Wenzel
3 Monate zuvor

Beschimpfungen halte ich für kontraproduktiv. Sie wecken den Verdacht, dass man sich auf Kosten anderer profilieren möchte. Herr Kretschmanns These ist inhaltlich dabei durchaus zu widerlegen, wenn man sich ein wenig genauer mit den Ergebnissen der Hattie-Studie auseinandersetzt. Was er macht, nennt sich „Hattie light“.

Dreamghost
3 Monate zuvor

Halleluja der Buhmann ist gefunden, die dummen faulen Lehrer. Nun kann man diesen schön bequem die Schuld für das schlechte Abschneiden der SuS zuschieben. So müssen sich unsere Politiker keine Schuld eingestehen oder gar Verantwortung übernehmen…. JUHU
Zumindest solange nicht, bis man den nächsten Gedankenschritt tut und sich überlegt, wer für diese VERSAGER verantwortlich ist. Hm grübel grübel, ach ja die Schulleitungen. Yay neuer Sündenbock. Nur wer ist eigentlich für die verantwortlich. Hm grübel grübel, ach ja: Bei unserem „Bildungs“system ist eh kaum einer noch zu mehr als einem Gedankenschritt fähig. Puh nochmal Glück gehabt.
Vorsicht Sarkasmus.

Mika
3 Monate zuvor

Der „schlechte Unterricht“ und „die mangelnde Qualifikation der Lehrkräfte“ scheint das neue „Die Schulen sind sicher!“ der Regierenden für die Erklärung des Abschneidens im IQB – Bildungsmonitoring zu sein: Frau Ernst äußert sich fast wortgleich. Es ist wie immer: die Politik hat ein Erklärungsmuster, welches sie selbst von jedweder Arbeit entpflichtet und die Verantwortung auf andere, hier die faulen und unfähigen Lehrer, schiebt. Und da wundert sich noch irgendwer über Politikverdrossenheit in diesem Land?

TaMu
3 Monate zuvor

Ich erinnere mich noch gut an die Landtagswahl in Baden Württemberg. Spitzenkandidatin der CDU war Frau Eisenmann, die zuvor Kultusministerin gewesen war. Die CDU hätte ohne ihre Spitzenkandidatin gute Chancen gehabt. Da man bei Herrn Kretschmann sowieso überlegte, ob er nicht heimlich CDU ist, wurde er vermutlich auch von eisenmannablehnenden CDU-Wählern gewählt. Es war keine reine „Umweltwahl“. Seine Unfähigkeit in der Bildungspolitik hat er sofort bei seiner Personalie Schopper gezeigt. Nachdem viele seiner Wähler ganz klar Eisenmann abgewählt hatten, hat er extrem unreflektiert ausgerechnet Frau Schopper aus dem ehemaligen Eisenmann-Büro zur Kultusministerin gemacht, eine Katastrophe auf ganzer Linie! Da müssen selbst die härtesten Kritiker über die Wahl zwischen Pest und Cholera nachdenken… und natürlich über seinen unrealistischen Blick auf das heutige Bildungsgeschehen. Wahrscheinlich mag er sie wegen ihrer hausmütterlichen Hans-Dampf-Sprüche, die jedes seiner Probleme im Nu ganz klein aussehen lassen und ihn beruhigen, während es sich über seinem Kopf zu einer Katastrophe aufbaut.

Dil Uhlenspiegel
3 Monate zuvor

Auf dem langen Pfad zum Gipfel der Bildungskrise durchwandert man vorher noch den Tiefpunkt der Aufrichtigkeit.

PaPo
3 Monate zuvor

Rhetorische Frage: Ist schlechte Bildungspolitik, also sind opportune, ideologische, kontraproduktive Reformen, überfüllte, heterogene Klassen/Kurse, Unterfinanzierungen der Schulen, deren oftmals marode Zustände, die zunehmenden Probleme mit der Schülerschaft und all die anderen negativen Dinge, die diese Politik hervorgebracht hat und der sie protegiert, der Grund für den Leistungsabsturz in Grundschulen?

Fragen über Fragen…

Mo3
3 Monate zuvor

In ausgefallenen Stunden wegen des Lehrermangels kann kein qualitativ hochwertiger Unterricht stattfinden. Also gibt es da doch offensichtlich einen Zusammenhang.

Michael Felten
3 Monate zuvor

Weder Kretschmann noch die Verbände liegen völlig falsch. Natürlich hat etwa die Klassengröße Auswirkungen auf die Intensität individueller Förderung. Und natürlich gab’s mit Integration und Pandemie erhebliche Zusatzbelastungen für die Lehrkräfte und Lernerschwernisse für die Kinder.

Aber die Qualität des Unterrichts ist ebenfalls hochgradig relevant. Und nicht in allen Grundschulklassen steht es damit zum Besten.

Aktuelle methodische Mantras wie „selbstgesteuert lernen“ oder „eigenverantwortlich arbeiten“ haben sich gerade im Primarbereich als Lernbremse erwiesen, insbesondere bei Schwächeren. Grundschulkinder brauchen viel strukturiertes Unterrichten.

Entscheidende Dimensionen der UQ sind lt. Forschung: effiziente Klassenführung, kognitive Aktivierung, lernförderliches Unterrichtsklima.
Diese Dimensionen lassen sich auch in gutem Plenumsunterricht realisieren:
Beispiel 1: Brüning/Saum: Direkte Instruktion (2019)
Beispiel 2: Felten: Lob des Klassenunterrichts (2022)
https://bildung-wissen.eu/wp-content/uploads/2022/05/Flugschrift3_digital.pdf

Bettina
3 Monate zuvor
Antwortet  Michael Felten

Richtig, Herr Felten, „aktuelle methodische Mantras“, wie Sie sie nennen, haben sich in den Grundschulen verheerend ausgewirkt.
Ich frage mich schon lange, warum ausgerechnet der Primärbereich so empfänglich ist für pädagogische Phantastereien und falsche Versprechungen.
Haben Sie dafür eine Erklärung? Die würde mich brennend interessieren.

Dil Uhlenspiegel
3 Monate zuvor
Antwortet  Bettina

Weil dieser Bereich auf LuL-Seite am wenigsten organisiert dasteht, etwa in Verbänden? – Reicht das für einen Fleißsticker?

Pälzer
3 Monate zuvor
Antwortet  Bettina

Eine Erklärung? Im Gespräch mit den mir bekannten Grundschullehrerinnen fiel mir oft auf, dass diese sich bereitwilliger als Gymnasiallehrer unterordnen und mitmachen, was ihnen „von oben“ verordnet wird. Ob das nur bei meinen Bekannten so ist, kann ich nicht sagen.

K.S.
3 Monate zuvor

Wertschätzung kann man von denen nicht erwarten. Weil kleinere Klassen und mehr Personal auch mehr Geld kosten, schiebt man die Schuld einfach wieder den Lehrern zu. So ganz nebenbei gibt es weiter Pflicht zu Fortbildungen, damit wir die Quereinsteiger und Studenten wieder ganz billig selbst weiterbilden können. Macht weiter so! Auch die Lehrer werden irgendwann müde und krank von dieser Politik. Der Personalmangel nimmt so weiter seinen Lauf.

Auf die mangelnden Grundvoraussetzungen, die Kinder vor dem Schuleintritt durch ihre eigenen Eltern erhalten müssten, wird hier gar nicht erst hingewiesen.
Mehr spielerisches Lernen in den ersten Lebensjahren würde Sprach- und Zahlenverständnis für die Schule mitbringen. Dann ist auch das Schreibenlernen, Lesnlernen und Rechnen nur noch ein Kinderspiel.
Erst in der Schule das Lernen erlernen ist viel zu spät. Und dann mit 27 Kindern in einem Klassenraum, in dem mehr als die Hälfte eine Einzelbetreuung bräuchte, können so viele Defizite nicht mehr aufgeholt werden.

K.S.
3 Monate zuvor

Kinder zeugen ist einfach und macht Spaß. Kinder, wenn sie dann dann da sind, aber auf das Leben vorzubereiten, zu erziehen und ihnen die Grundvoraussetzungen mitzugeben, die sie für die Kita und für die Schule brauchen, das macht Arbeit und wird gern an andere weitergegeben bzw. abgegeben.
Doch die Erzieher und Lehrer können nicht alle 27 Kinder retten, wenn bei einigen vorher nicht viel passiert ist.

Walter
3 Monate zuvor
Antwortet  K.S.

Bei soviel Frust einfach sofort den Beruf wechseln oder mal auf die begleitete Couch legen, statt allen Eltern – sorry müsste für Sie dann Erzeuger genannt werden – nur Schuldige für Ihre gehasste Arbeitsstätte zu sehen …

Sternschnuppe
3 Monate zuvor
Antwortet  Walter

Die Frage sollte lauten, warum so viele Lehrer Frust haben. Und Eltern spielen eine entscheidende Rolle dabei. Erziehung ist erst einmal Aufgabe der Eltern. Schule kann das nicht alleine leisten und unter diesen Bedingungen schon gar nicht. Da hilft auch die Couch nicht mehr, wobei ich das ziemlich daneben finde, da die Belastung in diesem Job enorm hoch ist. Und es fehlt an Anerkennung, wie man Ihrem Kommentar entnehmen kann.

Dil Uhlenspiegel
3 Monate zuvor
Antwortet  Walter

Blutgrätsche gegen das Thema des Ausgangs-Posts noch dazu im persönlichen Strafraum, böses Foul. Das gibt Rot.

Last edited 3 Monate zuvor by Dil Uhlenspiegel
K.S.
2 Monate zuvor
Antwortet  Walter

Ich bin nicht gefrustet….ich arbeite weiter sehr gern mit allen Kindern…ich hasse meine Arbeitsstätte nicht … nur mal so am Rande !!!

Ragnar Danneskjoeld
3 Monate zuvor

Ich beiße mir aktuell in meinen Allerwertesten. Da bin ich dem Bitten und Betteln meines obersten Dienstherren um Deputatsaufstockung (plus 3,5 Stunden) im Sommer nachgekommen, nur um zu erfahren, dass die Unterrichtsqualität schlecht ist. Da reduziere ich besser mal, um nicht noch mehr Schaden anzurichten.

-mm-
3 Monate zuvor

Wenn das Geld schon nicht für Schulen ausgegeben werden kann, dann wenigstens für die relevanten Dinge im Leben eines Politikers. Herr Kretschmann muss als Landesvater halt auch seine Prioritäten setzen. Und wenn jetzt jemand meckert, dass ein Hip Hopper Namens Max Herre eigens zur Bespaßung der 100 Mann Delegation (Allesamt tüchtige Politiker aus dem Ländle, die sich in USA auf einer Geschäftsreise befinden) extra aus Stuttgart in die USA eingeflogen wird, der soll sich mal nicht beschweren. Schließlich ging es bei der Reise ja auch um eine pädagogische Angelegenheit, nämlich um den Jugendaustausch. Hat im weitesten Sinne auch was mit Schule zu tun. Zur Erklärung: Dieser Hip-Hop-Workshop, der am selben Tag wie die Abendveranstaltung gewesen ist, bildete einen wichtigen Auftakt zu einer Reihe von Projekten, an denen deutsche und amerikanische Jugendliche beteiligt sind.(Auf dem Bild zur Veranstaltung sieht man allerdings nur ein paar angestaubte ältere Männer zur Musik wippen).
Mit Kretschmann und Co. unterwegs: Kritik an Auftritt von Max Herre in den USA – STIMME.de

GaRa
1 Monat zuvor

Wie sollen denn die 4. Klässler gut abschneiden, wenn sie schulisch so wenig gefördert werden. Sieht man sich nur mal die Ganztagesschulen an mit einer vorgeschriebenen Dreiviertelstunde Hausaufgaben machen und einer viertel Stunde individuellem Lernen. Und das von der 1. bis 4. Klasse gleich! Keine Reform der letzten 15 Jahre hat die Schulsituation verbessert, sondern langsam verschlechtert! Es waren alles nur Sparmaßnahmen!!!!