Nach dem IQB-Schock: Land will Grundschulen personell aufstocken (aber nur ein paar Dutzend von 2.300)

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STUTTGART. Baden-Württemberg hat das Zeugnis mit der IQB-Studie schwarz auf weiß bekommen: seine Viertklässler sind bundesweit nur Mittelmaß. Bildungsmusterland? Das war einmal. Um wieder bessere Ergebnisse zu bekommen, will das Land einen Sozialindex zum Einsatz bringen. Aber erst mal nur punktuell.

Tropfen auf den heißen Stein? Foto: Shutterstock

Die jüngste IQB-Studie über die in fast allen Bundesländern nachlassenden Leistungen in den Grundschulen hat tiefe Spuren hinterlassen, insbesondere in Baden-Württemberg. Im einstigen Bildungsmusterland haben Viertklässler immer stärkere Probleme beim Lesen und Zuhören, fast jedes fünfte Kind schafft die Mindeststandards in Deutsch und Mathematik nicht. Baden-Württemberg hat es schwarz auf weiß, der Südwesten bleibt im bundesweiten Vergleich nur Mittelmaß. Weil vor allem Kinder aus sozial benachteiligten Familien oder mit einem Zuwanderungshintergrund schlecht abschnitten, will das Land vom kommenden Jahr an mit zunächst zwei Förderprojekten probeweise gegensteuern.

Mehrere Dutzend Grundschulen sollen in den nächsten vier Jahren testen, ob Lehrer an sozialen Brennpunkten durch Fördermittel oder Profis aus anderen Branchen entlastet und Schüler unterstützt werden können. Es soll unter den Kindern und Jugendlichen mehr Chancengleichheit geben, unabhängig vom Elternhaus, wie Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) in Stuttgart ankündigte. Studien und Trends zeigten, dass ein schlechter ausgestattetes Elternhaus die Leistungen belaste. Die Einkommenssituation der Eltern dürfe aber nicht der entscheidende Faktor für Bildung sein, sagte Schopper.

«Die Schulen erhalten ein Budget, mit dem sie Unterstützungskräfte finanzieren»

In Weil am Rhein gibt es zum Beispiel Kinder aus gut situierten Stadtvierteln, wie Schopper erzählt, denen im Kindergarten vorgelesen wurde, mit denen Zahlenspiele gemacht wurden und die für ihr Alter sprachkompetent sind. «Die haben sozusagen alle Voraussetzungen, um ihren schulischen Alltag gut zu bewältigen», sagte die Ministerin. Es gebe in anderen Stadtvierteln aber auch «Kinder, die schon mal einen Stift halten, als wollten sie einen Stock in den Boden rammen», die einen kleineren Wortschatz hätten. Oft seien das Kinder aus einer Familie mit sozial schwächerem Hintergrund und denen müsse geholfen werden.

Der Plan: Zum einen sollen sogenannte multiprofessionelle Teams an je vier Schulen in den vier Regierungsbezirken eingesetzt werden. «Die Schulen erhalten ein Budget, mit dem sie Unterstützungskräfte finanzieren», erklärte Schopper. «So holen wir beispielsweise Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, Logopädinnen und Logopäden und Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten an Bord.»

Zudem werden bislang 30 Schulen in den Bereichen der Schulämter Biberach, Lörrach und Tübingen besser ausgestattet. Ab dem Schuljahr 2023/2024 soll ein entwickelter Sozialindex bestimmen, welche Schulen in diesen Schulämtern ihren Unterricht in einem schwierigen Umfeld anbieten. Erfahrungen mit einer besonderen Förderung haben diese drei Schulämter bereits gemacht. An einzelnen Schulen habe sich dabei gezeigt, dass alle von dem zusätzlichen Know-how profitieren könnten. «Ich bin deswegen sehr optimistisch, was den Erfolg unseres Vorhabens angeht», sagte Schopper.

Ähnliche Pläne haben Bundesländer wie Sachsen und Nordrhein-Westfalen schon angekündigt. Auch das baden-württembergische Regierungsbündnis aus Grünen und CDU verspricht schon im Koalitionsvertrag eine «sozialindexbasierte Ressourcenverteilung».

Der ausschlaggebende Index wird laut Kultusministerium nach sozialen Aspekten vom Institut für Bildungsanalysen Baden-Württemberg entwickelt. Es fließen unter anderem Faktoren ein wie die Kaufkraft oder die Zahl der Sozialhilfeempfänger. Der Index soll passgenau Einfluss darauf haben, welche Ressourcen eine Schule zum Beispiel für Ausstattung oder Förderung erhält.

«Um Ressourcen sozialindexbasiert verteilen zu können, müssten die entsprechenden Ressourcen zudem erst einmal vorhanden sein»

Der Grundschulverband Baden-Württemberg wirbt für das Sozialmodell. Die Ressourcen dürften aber nicht einfach umgelagert werden, sondern müssten «oben drauf kommen», sagte Vorstand Edgar Bohn. Skeptischer äußert sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Die Landesregierung könne mutiger sein, sagte die Landesvorsitzende Monika Stein. «Bisher will sie nur kleine Brötchen backen.» Um Ressourcen sozialindexbasiert verteilen zu können, müssten die entsprechenden Ressourcen zudem erst einmal vorhanden sein, kritisierte Stein. Es gebe an den Grundschulen aber nicht einmal genug Lehrkräfte für den Pflichtbereich.

Für den Verband Bildung und Erziehung (VBE) muss es landesweit multiprofessionelle Teams geben. Davon sei das Land aber «meilenweit entfernt», sagte der VBE-Landesvorsitzende Gerhard Brand. Es seien 16 Modellschulen geplant, es gebe aber 2326 Grundschulen im Land. Außerdem müssten erst alle Schulen komplett mit Lehrerstellen ausgestattet sein. «Wenn dies gewährleistet ist, können wir über einen Sozialindex reden», sagte Brand. Derzeit trügen fast alle Schulen wegen der Pandemiefolgen und der Integration von Flüchtlingskindern «ein immenses Zusatzpäckchen».

Die VBE-Forderung dürfte sich aber als unrealistisch erweisen, denn nach einer Studie fehlen im Südwesten bis zum Jahr 2035 fast 17.000 Lehrerinnen und Lehrer. Wenn das Land seine Ziele bei den Grundschulen und der Integration von behinderten Kindern und Jugendlichen erreichen will, müssten sogar noch deutlich mehr Lehrkräfte eingestellt werden.

Deshalb schaut die SPD auf die Uhr: «Wenn der Ministerpräsident heute sagt, die Modellprojekte sollen erprobt werden und dann vielleicht im Jahr 2027 erste Ergebnisse liefern, dann geht noch eine ganze Grundschulgeneration durch die Schule, ohne ein einziges Unterstützungsangebot zu erhalten» bemängelte der SPD-Fraktionsvorsitzende und ehemalige Kultusminister Andreas Stoch. Von Martin Oversohl, dpa

Alarmierende IQB-Studie: Lehrerverbände greifen die Kultusminister an – „Bildungspolitik verfehlt ihre Ziele haushoch!“

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Besorgter Bürger
9 Monate zuvor

War das Problem nur punktuell? Braucht es deshalb auch nur punktuelle Lösungen?

Seit Jahren wird die Bildung in BW kaputt gespart. Dazu kommen noch falsche Entscheidungen. An die will man aber nicht ran.

Da wird sich dann auch nichts ändern. Traurig.

Konfutse
9 Monate zuvor

Jetzt bin ich aber total baff. Da hatte sich doch 2011 die grünrote Landesregierung die Bildungs- und Chancengerechtigkeit aufs Banner geschrieben und hemdsärmlig das baden-württembergische Schulsystem formiert. Es wurde für alle gerecht gemacht (also für die einen das Gymnasium und für den Rest die Schulen der Vielfältigkeit). Für die Grundschüler wurde gerechterweise das Schreiben nach Gehör absolut befürwortet und sogar Grundschulen ohne Noten ausprobiert. Die Grundschulempfehlung hat seitdem auch gerechterweise absolut keinen Stellenwert mehr. Gerechterweise wurde die Inklusion (ohne Zusatzmittel, wäre ja sonst allen anderen Arbeitnehmern gegenüber völlig ungerecht) in den Schulen eingeführt und gerechterweise muss man auch sagen, wurden Lehrerstellen abgebaut, weil ja alles andere sonst ungerecht gewesen wäre. Ah ja und der völlig ungerechte Bildungsplan für die Kita wurde ja auch glücklicherweise erst mal ausgesetzt. War voller Bildungs-und Chancenungerechtigkeiten, die armen Kleinen.
Und jetzt diese Ergebnisse in Vera und Pisa und IQB? Woran könnte denn das jetzt liegen?
PS: Herr Stoch, bitte schweigen Sie lieber. Das sind u.A. die Ergebnisse Ihrer Schulpolitik.

Ron
9 Monate zuvor
Antwortet  Konfutse

Chancengerechtigkeit oder Chancengleichheit sind ideologische Kampfbegriffe, die im Kern keine Aussage über die Qualität der Chancen oder den Level von Gerechtigkeit zulassen. In diesem Sinne ist eine Lotterie voller Nieten die letztlich angestrebte Chancengleichheit, da eine Lotterie voller Hauptgewinne wünschenswert aber ökonomisch unmöglich ist. Niemand hat am Ende was, niemand bekommt was und niemand kann was erreichen. Das ist gesellschaftliche Gleichheit, die schon im Kommunismus versucht wurde. Dass am Ende des Schneeballsystems niemand mehr etwas hat, ergibt sich daraus, dass alles Bestehende dann umverteilt und verbraucht ist, jeder Leistungswillige aber keinerlei Anreiz zur Schaffung von neuen Recourcen hat. Schule hat sich in Teilen auf diesen Weg begeben. Leistung ist verdächtig, der öffentliche Fokus verengt sich auf tatsächliche oder erdachte Benachteiligungen und dem System gehen mittlerweile die Recourcen aus.

Last edited 9 Monate zuvor by Ron
Anti-Sozialdarwinist
9 Monate zuvor
Antwortet  Ron

Was ist denn an Chancengerechtigkeit ideologisch?

Wollen Sie Waisenkinder verhungern lassen, weil die keine Ernährer mehr haben? Darauf läuft Ihr Verdikt hinaus: Der Staat soll sich bloß nicht um die Schwachen kümmern, könnte ja Mühe bereiten (und die Reichen etwas kosten, igitt).

Kinder können nichts für die Umstände, in die sie hineingeboren werden. Es ist übrigens nicht nur Menschenfreundlichkeit, Kinder in schwierigen sozialen Lagen zu fördern. Wie Sie vielleicht bemerkt haben, gibt es in Deutschland einen wachsenden Mangel an Fachkräften sowie an Steuern- bzw. Rentenzahlern.

Wer soll denn Ihre Pension mal bezahlen, wenn die Zahl der Steuern- bzw. Rentenzahler nicht mehr ausreicht, so viele Alte zu finanzieren? Ist das dann auch Kommunismus, Sie mit einem Transfereinkommen zu unterhalten – lassen wir’s dann also sein?

Konfutse
9 Monate zuvor

Ja, aber so weit sind wir doch schon, wenn ich mich auf Ihren letzten Absatz beziehen darf. Vor lauter Negierung des Leistungsgedankens haben wir sehr viele junge Menschen hier, die denken, dass man nicht mehr morgens aufstehen muss für seinen täglichen Luxus! Ich habe lauter Schüler in der 10. Klasse, bei denen ich den Eindruck habe, dass deren Eltern Millionäre sind und dass Bildung völlig überflüssig ist. Wie auch anders, wenn seit Jahren hier in BaWü vermittelt wird, dass man alles kriegt und kann, auch wenn man nichts kann.

Hilfe
9 Monate zuvor
Antwortet  Konfutse

Wie frustriert muss man als Lehrer sein, un so einen Kommentar zu schreiben?!

Konfutse
9 Monate zuvor
Antwortet  Hilfe

Klar bin ich frustriert, sogar sehr! Ich kann seit Jahren mein Kerngeschäft, für das ich brenne, im Prinzip nicht mehr ausführen. Bin seit 25 Jahren dabei und erlebe seit ca 10 Jahren tagtäglich hautnah, wie die Schulpolitik nicht auf die (gesellschaftlichen) Veränderungen oder Entwicklungen eingeht bzw. schlechte Angewohnheiten bedient. Ja, das hinterlässt Spuren. Das ist frustrierend!
Trotzdem kämpfe ich um jeden Schüler, den ich unterrichte und ich mag auch meine Schüler. Ich mag nur nicht die leistungsnegierende Einstellung, die sich breit macht und die politisch und gesellschaftlich forciert wird. Das tut unseren Schülern nicht gut. Das tut unserer Gesellschaft nicht gut. Das tut unserer Prosperität nicht gut.
Das alles macht mir eine große Angst vor der Zukunft unseres Landes!
Ich schildere hier einfach die Realität, die ich seit Jahren tagtäglich im Schulbetrieb erlebe.

Aber dafür gibt es ja „Hilfe“ von Lehrern, die das gottseidank weniger kritisch sehen und dann solchen frustrierten Knochen wie mir mitleidig die Schulter tätscheln und die Gutelaunefee raushängen. Großen Dank an Sie, Hilfe!

Georg
9 Monate zuvor

Solange mit Chancengleichheit oder -gerechtigkeit nur bei Ergebnisgleichheit als erreicht angesehen wird, sind es alles nur Worthülsen. Der Staat, die Schule usw. kann Angebote machen, was er auch zu Genüge tut. Ich habe noch keine belastbare Erhebung gesehen, dass Kinder aufgrund von was weiß ich außer der kognitiven Leistungsfähigkeit und des Arbeitsverhaltens der Besuch des Gymnasiums verwehrt wird. Auf erstere hat Schule keinen Einfluss, letztere setzt die Kooperation und die Erziehung seitens der Eltern voraus.

DerechteNorden
9 Monate zuvor

Sie sind hier in einem Forum, in dem sich sehr viele Menschen äußern, die immer wieder ignorieren, dass sich unsere Gesellschaft verändert hat. Da kommen dann sogar solche Aussagen wie über die vermeintlich „erdachte[n]“ Benachteiligungen zustande.
Die meinen, man müsse denjenigen, die wir als benachteiligt betrachten, nur die Mittel kürzen und ihnen in den Allerwertesten treten, damit sie sich mehr anstrengen und schon ist das Problem gelöst.
Weder dürfen die Bildungsbürger-Kids irgendwie von diesen anderen jungen Menschen behelligt werden, noch darf es etwas kosten, dass man Letztere fördert, man hat schließlich schon genügend Steuern gezahlt.
Am aller schlimmsten aber wäre es für die Foristas, wenn sie womöglich selbst mit diesen Menschen in Kontakt kämen. DAS aber kann man natürlich nicht schreiben.

dauerlüfterin
9 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Das finde ich eine recht harte Unterstellung. Können Sie das belegen?
Und: was können Sie eigentlich von den beruflichen Realitäten der hier Schreibenden wissen?

Carsten60
9 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

„… die … ignorieren, dass sich unsere Gesellschaft verändert hat.“
„… denjenigen, die wir (!) als benachteiligt betrachten …“
Also die Veränderung der Gesellschaft soll darin bestehen, dass es Leute gibt, die benachteiligt sind oder die „wir“ als benachteiligt betrachten? Und wer ist „wir“ ?
Ist das nicht schon seit Jahrtausenden der Fall? Mir scheint es umgekehrt zu sein: plötzlich gibt es einen Wahn, dass niemand bei irgendetwas mehr benachteiligt sein darf. In kapitalistischen Gesellschaften sind arme Leute gegenüber den reichen nun mal benachteiligt, in sozialistischen Gesellschaften waren viele gegenüber den Partei-Apparatschiks benachteiligt, man kann das beklagen, aber wieso soll man Leute dafür verantwortlich machen, die hier mit diskutieren? Der moralische Zeigefinger ist unangebracht. Wenn überhaupt, dann sollte er gegen die gerichtet sein, die in der Realität die Macht haben, z.B. Regierungen. Und wer hier diskutiert, hat keine Macht, auch die Redaktion nicht. Die Regierungen diskutieren hier nicht.

Hilfe
9 Monate zuvor

Und dafür doppelt so viele rote wie grüne Daumen? Was stimmt eigentlich nicht mit euch hier?

Carsten60
9 Monate zuvor

Niemand denkt daran, Kinder verhungern zu lassen. Wenn Eltern ihre Kinder materiell vernachlässigen, dann widerspricht das Art. 6 GG, und dann kann das Jugendamt eingreifen. Wenn Eltern ihre Kinder aber bildungsmäßig vernachlässigen, dann widerspricht das eben NICHT Art. 6 GG, und das Jugendamt kann nicht eingreifen. Die Bildungsungerechtigkeit bzw. Chancenungleichheit scheint mir hauptsächlich aus dem Elternhaus zu resultieren, aber nicht aus Kita und Schule. Es wird ja auch immer häufiger gesagt, dass die Probleme VOR Einschulung beginnen und eben nicht erst mit dem Übergang in die Sek I. In der Schule jedenfalls darf jeder Lesen und Schreiben lernen, niemand wird daran gehindert.
In jedem Fall aber sollte man die Sprüche im Koalitionsvertrag der damals neuen baden-württembergischen Landesregierung 2011 noch mal nachlesen und dann mit der jetzigen Realität vergleichen.

Cuibono
9 Monate zuvor

Leider verwechseln Sie, wie so viele andere, „Chancengerechtigkeit“ mit „Ergebnisgleichheit“.

Kita und Schule können (vielleicht) die Umstände, in die Kinder hineingeboren werden, unter sehr günstigen Umständen etwas! angleichen, aber niemals ausgleichen.

Nichts ersetzt ein liebevolles, förderndes Elternhaus, schon gar nicht „der Staat“ bzw. seine Institutionen.

Genau diese Haltung ist ideologisch, da trotz gegenteiliger Beweise und Ergebnisse nicht nur daran festgehalten sondern intensiviert wird, weil’s ins Weltbild passt.

Dass damit gerade auch den benachteiligten Kindern geschadet wird, wird Beinhart ignoriert.

Wenn das nicht Ideologie ist, was dann?

Dabei gäbe es durchaus Möglichkeiten, die vor allem benachteiligten Kindern zugute kämen. Die will aber niemand wissen, da sie nicht dem Zeitgeist entsprechen.

Lehrerin
9 Monate zuvor
Antwortet  Konfutse

Interessanterweise ist die Niveau-Absenkung parallel zu der grün-roten und grün-schwarzen Bildungspolitik (unter starker grüner Vorherrschaft!) zu beobachten – gerade die, die immer von „Chancengerechtigkeit“ reden! Aber hier muss früher etwas passieren: Sprachförderung da, wo die Sprachentwicklung nicht altersgemäß ist, Basteln, Musik, Spiel im Freien, in der Natur, und Vorlesen im Kindergarten anstatt frühe Digitalisierung (Wischen auf dem Tablet!), von der immer wieder geträumt wird. Niemand kann die Beschäftigung von Eltern mit ihren Kindern ersetzen, Beziehung ist die beste Basis für eine gute Entwicklung. Bücher muss man nicht kaufen, die kann man in einer Stadtbibliothek auch leihen, das hängt nicht vom Geld ab. Aber manchmal hat man dass Gefühl, dass die Grünen und Roten die Kinder, deren Eltern sich mit ihnen liebevoll beschäftigen, am liebsten möglichst viel in staatliche Obhut (Kita, Ganztagsschulen!!) geben würden, damit sie keine Vorteile gegenüber denen haben, die leider hier mit Defiziten kämpfen. Denen mit schwierigen Bedingungen muss ein Angebot gemacht werden, aber nicht durch Zwang. Die Keimzelle der Gesellschaft ist nun mal die Familie, und seit hier viel von außen hineinregiert wird, um vermeintliche „Gerechtigkeit“ zu schaffen, ist nichts besser geworden.
Auch die Wertschätzung von Begabung, Anstrengung und Leistung ist ( bewusst!) zerstört worden, üben und Wiederholen sei antiquiert – so wird das nichts mehr. Wir brauchen dringend eine Kehrtwende in der Bildungspolitik, die Verflachung und Vergemeinschaftsschulisierung auf Niedrigstniveau ist ein Verbrechen an den Zukunftschancen unserer Kinder.

Konfutse
9 Monate zuvor
Antwortet  Lehrerin

Danke, Lehrerin. Auch Sie scheinen ein sehr frustrierter Mensch zu sein, der „Hilfe“ braucht 😉

Cuibono
9 Monate zuvor
Antwortet  Konfutse

Vielleicht sind auch die äußeren Umstände frustrierend?

Vielleicht brauchen die „Hilfe“ bzw. Änderungen? 😉

Lehrerin
9 Monate zuvor
Antwortet  Konfutse

Ich sehe und beschreibe nur die Realitäten, leider. Meine jahrzehntelange Unterrichtstätigkeit, meine Materialien, deren Niveau sich den Bildungsplänen „anpassen“ musste, so manche links-grün-rote Politiker und Eltern, die am liebsten ein Abi-Zeugnis für jeden ohne jegliche Leistung an die Geburtsurkunde getackert hätten, um eine „Chancengerechtigkeit“ vorzuspiegeln, bewegen mich zu solchen Äußerungen. Aber ich halte mich an den alten Physiker-Grundsatz: „Von nix kommt nix!“ Es ist offensichtlich, dass wir so in den Abgrund fahren. Was hält mich weiter dabei? Es gibt – zum Glück immer noch – die Gegenbeispiele, für die man sich gerne und mit viel Engagement und Nachdruck einsetzt: Schülerinnen und Schüler, die gut und sozialkompetent erzogen sind, die Lern- und Anstrengungsbereitschaft zeigen, die Intelligenz beweisen und denen man als Lehrerin mit viel Freude auf diesem Stück des Lebenswegs weiterhilft. Deren Recht auf Unterricht, Zeit und Förderung gegenüber den „Unwilligen“ setze ich immer noch mit Stärke durch!

Konfutse
9 Monate zuvor
Antwortet  Lehrerin

Bin sowas von bei Ihnen!

Zillegoere
9 Monate zuvor
Antwortet  Lehrerin

Wie kann man denn Intelligenz beweisen? Ist das neuerdings etwas, was man erlernen kann?

potschemutschka
9 Monate zuvor
Antwortet  Zillegoere

Von Intelligenz lernen war nicht die Rede. Es geht darum, dass immer mehr Kinder ihre Intelligenz nicht nutzen, weil zu anstrengend.

Streamer01
9 Monate zuvor
Antwortet  Lehrerin

Wir brauchen dringend eine Kehrtwende in der Bildungspolitik, die Verflachung und Vergemeinschaftsschulisierung auf Niedrigstniveau ist ein Verbrechen an den Zukunftschancen unserer Kinder.“

Die Kehrwende wird kommen, wenn die Verwerfungen so groß sind, dass sie nicht mehr ignoriert werden können – selbst nicht mit Repression und politischen Sprachverboten.

„Unser Land wird sich ändern, und zwar drastisch. Und ich freue mich darauf.“

Lehrerin
9 Monate zuvor
Antwortet  Streamer01

Unsere Kinder haben es nicht verdient, zu Versuchskaninchen zu werden, und diese Ideologen, die zum Untergang führen, müssen gestoppt werden. Ich frage mich, wer sowas wählt….
Jetzt springen alle nach Hamburg, um zu gucken, was die besser machen (IQB-Ergebnisse): Mehr Zeit, Üben und Wiederholen, um das Grundschulwissen und die Basiskenntnisse zu festigen – das hätte jeder geübte Lehrer schon lange gerne gemacht, wenn es nicht als „altmodisch und überholt“ verpönt gewesen wäre. Stattdessen digitalisiert man die Grundschule, nach dem Motto :“Wisch und weg!“ – gilt auch für´s Hirn.

potschemutschka
9 Monate zuvor
Antwortet  Lehrerin

Ja, aber wer stoppt diese Ideologen? Wer? Ich hatte auf die Eltern gehofft, aber da tut sich nicht viel, jedenfalls nicht genug, um bei den Politikern Eindruck zu hinterlassen. Am meisten hat mich diese Aussage eines Elternteils frustriert: “ Ich kann doch eh nichts ändern, wenn ich jetzt auf die Straße gehe, für mein Kind ist es eh zu spät, ehe Änderungen Wirkung zeigen.“ Deutschland ruiniert seine Zukunft.

Carsten60
9 Monate zuvor
Antwortet  Lehrerin

„Hamburger IQB-Ergebnisse“
Tatsächlich ist es so, dass beim IQB-Bildungstrend 2021 in den Tabellen zu den sozialen und zuwanderungsbedingten Disparitäten Hamburg gar nicht aufgelistet ist (Kap. 7 und 8). Nicht einmal den sozialen Gradienten gibt es für Hamburg.

Streamer01
9 Monate zuvor
Antwortet  Carsten60

…also gibt es die „Spitzenergebnisse in Hamburg“ gar nicht?

Gerd Möller
9 Monate zuvor
Antwortet  Streamer01

@Carsten60/Streamer01:
Hier die Auflösung zur geheimnisvollen Bemerkung von Carsten60 zu den sozialen Disparitäten in HH:
Im IQB-Bericht heißt es dazu:
„Bericht zu sozialen und zuwanderungsbezogenen Disparitäten setzt entsprechende Angaben zu den Kindern und ihren Familien in den Befragungen voraus.
Aufgrund teilweise hoher Anteile fehlender Angaben bei den Fragebögen für Eltern und/oder Schüler:innen im Jahr 2021 oder in den Vorerhebungen sind insbesondere Trends zu den sozialen Disparitäten für viele Länder nur eingeschränkt belastbar; in einigen Fällen ist kein Ergebnisbericht möglich.“

Nun zu den Spitzenergebnissen in HH:
Optimalstandard in Mathematik:
HH: 13,6% zum Vergleich BY: 14,5%
Optimalstandard in Lesen:
HH:10,9% und BY: 11,4%

Georg
9 Monate zuvor
Antwortet  Gerd Möller

Diese Daten könnte man erheben, scheint man aber nicht zu wollen.

Carsten60
9 Monate zuvor
Antwortet  Gerd Möller

Ach so, neuerdings werden Spitzen-ergebnisse mit den Optimalstandards gemessen. Vor einiger Zeit haben Sie mir gegenüber genau das in Bezug auf die oberste PISA-Kompetenzstufe als unsinnig zurückgewiesen.
Bei der Mathematik war beim IQB-Bildungstrend 2021 der Mittelwert in Hamburg genau derselbe (462) wie im Bundesdurchschnitt. Spitzenwerte sehen anders aus, Bayern und Sachsen hatten 490 bzw. 491, dagegen ist 462 eher mager. 2011 hatte Hamburg noch 470 und 2016 noch 469. Offenbar gilt ein solches moderates „Minuswachstum“ heutzutage schon als ein großer Erfolg, wenn es bei anderen schlechter aussieht. In der „politisch korrekten“ Interpretation: stabile Ergebnisse.
Und dass Hamburg in etlichen Tabellen nicht auftaucht, hat schon Tradition. Immer gibt’s angeblich zu wenige Daten, und das kann man wohl nicht ändern. Aber das kleine Bremen ist immer dabei. Wo bleibt der messbare Effekt der sozialindizierten Mittelvergabe?

Gerd Möller
9 Monate zuvor
Antwortet  Carsten60

@Carsten60:
Und dass Hamburg in etlichen Tabellen nicht auftaucht, hat schon Tradition. Immer gibt’s angeblich zu wenige Daten, und das kann man wohl nicht ändern.“
Angeblich? Wollen Sie wieder mal unterstellen, dass Forschungsbefunde bewusst manipuliert werden.

Gerd Möller
9 Monate zuvor
Antwortet  Carsten60

@Carsten60:
Vor einiger Zeit haben Sie mir gegenüber genau das in Bezug auf die oberste PISA-Kompetenzstufe als unsinnig zurückgewiesen.“
Nein, ich habe im Gegenteil die oberen Perzentile (75%; 90% und 95%) von D, Schw und Fin in Lesen, Mathematik und NW verglichen. Und Ihre Behauptungen widerlegt.

Carsten60
9 Monate zuvor
Antwortet  Gerd Möller

Richtig ist jedenfalls, dass bei PISA gerade die Tabelle mit den Perzentilen nach den untersten Zahlen sortiert wird und dass allgemein der MIttelwert auch als wichtig gilt. Ein Länderranking nach dem oberen Ende bzw. den Optimalstandards habe ich noch nicht gesehen (auch nicht bei den Bundesländern). Das ist ein gefährliches Argument für Sie, denn es könnte ja sein, dass die mit den Optimalstandards aus den „privilegierten“ Schichten stammen. Das wäre doch gar nicht in Ihrem Sinne.

Und wenn in 14 Ländern die Daten ausreichen und in Hamburg wiederholt nicht, dann könnte man ja vielleicht mal mehr Fragebögen verteilen oder sich sonst anstrengen. Wir möchten doch alle gerne über die neue soziale Gerechtigkeit in HH staunen. In Berlin jedenfalls ist die nicht festzustellen, trotz hoher Aufwendungen für Schulen und trotz Bonusmitteln für Brennpunktschulen und trotz 25 Jahren Schulsenatoren von der SPD. Also wo bleibt der messbare Effekt der sozialindizierten Mittelvergabe?

Aber auch ich denke, Senator Rabe in HH ist etwas bodenständiger als etliche seiner Kollegen. In einer Podiumsdiskussion bekannte er mal, seine Tochter würde Lehramt mit Mathematik studieren, da hat sie ihm später wohl öfter mal was „vermittelt“, was keine Opposition je erreicht hätte.

Lehrerin
9 Monate zuvor
Antwortet  Streamer01

Es gibt zu den vorgenannten Gesichtspunkten einfach keine Daten in dem Papier. Und eines muss klar sein: Hamburg ist zwar aufgestiegen, aber nur von ziemlich unten ins Mittelfeld, BW ist erneut weiter abgestiegen wie schon in vorherigen Berichten – aber sie treffen sich nun etwa im gleichen Bereich. Wir hatten früher einen weitaus höheren Standard, aber der wird sukzessive durch die grüne, früher rote Bildungspolitik mit GEW-Unterstützung abgebaut, siehe Kommentare weiter oben. Keine Noten in Grundschulen und GMS, Leistung ist nicht gefragt, sondern Kuscheln, Anstrengungsbereitschaft fordern ist ganz böse… Und mit den aktuellen Politik wird nichts besser werden, wetten?
Langjährige Spitze sind Bayern und Sachsen – beides Länder mit konsequenter Grundschulempfehlung und darauf aufbauendem differenzierten und passenden Schullaufbahnen, die aber viele Anschlüsse nach oben zulassen, also natürlich keine Sackgassen sind – noch Fragen?

Se Länd
9 Monate zuvor

Se Länd!

Schattenläufer
9 Monate zuvor

Das sind dann auch die Schulen welche der amtierende Kultusminister in den nächsten Jahren besuchen wird. 🙂

Hirschlgruber
9 Monate zuvor

Fakt ist: Es gibt seit über 20 Jahren zu wenig Grundschullehrer in Baden-Württemberg. Statt daraus seine Lehren zu ziehen, werden weiterhin unsinnige Versuche gestartet, einige wenige Schulen als Versuchsschulen topp ausgestattet, die Lehrer mit gefühlt monatlichen Änderungen zusätzlich belastet und missliebige Ergebnisse der Versuche ignoriert. Hinzu kommt die Veränderung „Schule der Vielfältigkeit“, wie es „Konfutse“ so nett nennt, die viele Kräfte gebunden hat, aber keinerlei Vorteile gegenüber der Hauptschule brachte.

Statt in dieser Dauerkrise sich vom Effizienzgedanke zumindest ein bisschen inspirieren zu lassen, darf jede Schule beispielsweise heute individuelle Curricula erstellen, was viel Zeit unterrichtsfremd bindet. Erinnert sich noch jemand an den Hype der Prozessbeschreibungen? Hilfen waren oft so angelegt, dass wir Lehrer den Hilfsfundus zunächst selbst erstellen sollten. Den Name dieser Projekte habe ich erfolgreich verdrängt.

Vielleicht sollte Frau Schopper daran denken, dass Lehrer Unterricht vor- und nachbereiten sollten?! Dann wird es irgendwann auch wieder was mit den IQB-Studien.

Kerstin Galinski
9 Monate zuvor

Es ist erschreckend… die Herausforderungen sind nicht erst seid der IQB Studie bekannt… es gibt zu wenig Fachkräfte in allen Bereichen…Und das ist hausgemacht, wird sich die nächsten Jahre auch nicht ändern…ausgetragen auf dem Rücken der Kinder!!

F.H.
9 Monate zuvor
Antwortet  Kerstin Galinski

Zu wenig Fachkräfte sind schon schlimm genug, wenn dann aber noch schräge Vorstellungen von einem gerechten Schulsystem und einem bildungsgerechten Umgang mit Schülern dazukommen, geraten die Schul- und Schülerleistungen endgültig unter die Räder.

D. Orie
9 Monate zuvor

Das kann es ja wohl nicht sein; 16 Modellschulen. Und dann? Und JETZT?

Dil Uhlenspiegel
9 Monate zuvor

Man könnte doch auch nur einzelnen seiner SuS in den nächsten vier Jahren unterstützend beistehen und dann mal schauen, ob sich das überhaupt gelohnt hat … wäre das richtig abgeleitet?