Unterrichtsversorgung: Selbst wenn keine einzige Lehrkraft krank ist, fallen Stunden aus

15

In Sachsen-Anhalt sind nur etwa 93,5 Prozent des Unterrichts abgesichert, Ausfall ist damit programmiert. Bildungsministerin Eva Feußner (CDU) habe am Donnerstag den zuständigen Ausschuss des Landtags über die aktuelle Entwicklung informiert, teilte das Ministerium mit. «Dass die Lage an Sachsen-Anhalts Schulen durch den bundesweiten, enormen Lehrkräftebedarf weiter angespannt ist und vorerst bleibt, liegt auf der Hand», so die Ministerin.

Ohne Lehrkraft – kein Unterricht. Foto: Shutterstock

Der Durchschnittswert der Unterrichtsversorgung sei in etwa auf Vorjahresniveau. «Und das, obwohl durch den Krieg gegen die Ukraine und andere Migrationsbewegungen jetzt mehr als 5500 Kinder zusätzlich an Sachsen-Anhalts Schulen unterrichtet werden.» Seit Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine seien zusätzliche 190 ukrainische Lehrkräfte sowie 63 Lehrkräfte für Deutsch als Zielsprache gewonnen worden. Insgesamt würden viele Anstrengungen unternommen, um Fachkräfte für die Schulen zu gewinnen.

«Einige der Maßnahmen benötigen Zeit, um ihre volle Wirksamkeit zu entfalten. Andere wirken bereits kurzfristig und helfen, in diesen für alle schwierigen Zeiten positiv nach vorn zu blicken», erklärte die Bildungsministerin.

Lernspiele im shop.4teachers.de

Erklärtes Ziel der schwarz-rot-gelben Koalition sind 103 Prozent Unterrichtsversorgung. Somit wären Ausfallzeiten wegen Krankheit, Elternzeit oder Fortbildung abgedeckt.

Die aktuell ermittelte Unterrichtsversorgung variiert je nach Schulform. An den Grundschulen liegt sie laut Ministerium bei 95 Prozent, an den Gymnasien bei knapp 98 Prozent, an den Gesamtschulen bei 99,5 Prozent. Die Sekundarschulen und Gemeinschaftsschulen stehen mit rund 88 Prozent deutlich schlechter da. Für die Förderschulen gibt das Ministerium einen Wert von 92,3 Prozent an. News4teachers / mit Material der dpa

Nächste Idee: „Freiwilliges Pädagogisches Jahr“ soll gegen den Lehrermangel helfen

Anzeige


Abonnieren
Benachrichtige mich bei

15 Kommentare
Älteste
Neuste Oft bewertet
Inline Feedbacks
View all comments
Carabas
2 Monate zuvor

Diese Werte basieren auf welchem Verfahren? Stichtagserhebung Anfang September?

Dil Uhlenspiegel
2 Monate zuvor

Kein Grund zur Panik, die Lage hat uns unter Kontrolle.

Realist
2 Monate zuvor

„Gesamtschulen bei 99,5 Prozent“

Ich finde auch für Gesamtschulen sollten FFP2-Masken reichen. Wie für alle anderen auch…

Dil Uhlenspiegel
2 Monate zuvor

Artikelbildinterpretation:
Jenseits des verglasten Wahrnehmungshorizonts der Betrachter*innen neigt sich*außen (flacher Gag) mit schwindender Nuance das Abendlicht (Abblendlicht?) der Strahlkraft aus den Elfenbeintürmen. Im Raum ohne jede Klasse fehlen Lehrmeisterin und Magister ganz und gar, nur ein vages Kruzifix lässt sich gerade noch ausmachen am Rande der letzten Tafel vor Stühlen, hingestellt, doch niemals wirklich abgeholt.

Das hast du schön gesagt, Dil.
Alles von Ihnen gelernt, Fraulau.

Ron
2 Monate zuvor
Antwortet  Dil Uhlenspiegel

Ohne Lehrkraft – kein Unterricht. Foto: Shutterstock

Derweil die Stühle wartend stehen, über 30 ihre Zahl, erschrocken sieht’s der Magistrant, kein Platz für ihn – oh welche Qual.

Drum tut er nun ganz ohne Pflicht,
Doziert vom Flur aus – ohne so’n schönes Licht.

naste
2 Monate zuvor

Bei meinem Sohn in der Sekundarschule (Sachsen-Anhalt) sind es nur 85 Prozent, wohlgemerkt wenn alle Lehrer da sind. Bei der Elternversammlung wurde das angesprochen. Von den Eltern keine Reaktion, was man denn tun könne, um die Situation zu verbessern. Kein Sturm der Entrüstung. Nichts. Andere Schulen stünden schlechter da. Ich bin schockiert, dass es die anderen nicht zu stören scheint. Was sollen die Kinder da lernen? Die Stundentafel wurde einfach gekürzt. Und bei den Lehrkräften wird auf Verschleiß gefahren. In der angrenzenden Grundschule haben die Kinder täglich mehr Stunden als die Großen.

OMG
2 Monate zuvor
Antwortet  naste

Die Schule kann nichts daran ändern. Bei uns (Ist – Zuweisung von Soll 96,3%, Personalstand derzeit: 72,4 %) ziehen die Eltern mit. Es ist aber schlicht nichts da.

Ron
2 Monate zuvor
Antwortet  naste

Der sofortige Stopp der Ganztagsbetreuung durch Lehrer (!) könnte unendlich viele Unterrichtsstunden generieren. Klare Fokussierung auf Halbtagsschule mit reinem Unterricht und dazu dann freiwillige Nachmittagsangebote in Trägerschaft von Sozialarbeitern usw. Nennt sich dann Hort, Jugendhaus oder Mädchentreff. Kümmert sich im Idealfall um Mittagessen, Freizeitangebote und Hausaufgabenhilfe. Hier könnte man super auch den Bundesfreiwilligendienst integrieren. Da macht er nämlich Sinn und ist realistisch umsetzbar.

Martina
2 Monate zuvor
Antwortet  Ron

Ganz meine Meinung!!

Ragnar Danneskjoeld
2 Monate zuvor

Erklärtes Ziel der schwarz-rot-gelben Koalition sind 103 Prozent Unterrichtsversorgung. Somit wären Ausfallzeiten wegen Krankheit, Elternzeit oder Fortbildung abgedeckt.“

Köstlich.

Karolina Z.
2 Monate zuvor

Welche Unterrichtsversorgung halten Sie denn für realistisch/angemessen?

Ragnar Danneskjoeld
2 Monate zuvor
Antwortet  Karolina Z.

In BW fordern Verbände irgendwas zwischen 107 und 110 Prozent.

Darum geht aber nicht. Ich empfind es als aberwitzig, wenn ein Regierungsmitglied hehre Ziele deklariert, aber nicht mal das erforderte Minimum erreicht.
Oder, um eine Analogie zu bemühen: Stellen Sie sich vor, die Bundesregierung verkündet: „Wir arbeiten darauf hin, dass ab 2056 Weltfriede herrscht.“ Das kann man machen, aber ich würde dann lieber wissen: „Was tut ihr gegen den Krieg in der Ukraine?“

Ron
2 Monate zuvor

Wer meint, dass er mit 95 Prozent Unterrichtsversorgung dauerhaft 100 Prozent Unterricht erteilen kann, hat eine ausgeprägte Matheschwäche.

Ron
2 Monate zuvor

Bei den Prozentwerten wird zumindest in meinem Bundesland nur die theoretische Istbesetzung zum Schuljahresbeginn angegeben. Krankheitsfälle (derzeit nicht zu knapp), Schwangerschaften, auswärtige Fortbildungen während der Unterrichtszeit oder Kurzfristabordnungen (z.B. Gewerkschaft, Projekte, Fachseminare, Uni, Kultusministerium) addieren sich drauf. Bisweilen stehen dann auch außerhalb von Grippewellen nur 85 Prozent des Bedarfs zur tatsächlichen Verwendung. Da alle anderen auch bereits massig Überstunden angesammelt haben – und diese abbummeln möchten und gesetzlich müssen – kann man sich ausrechnen, was am Ende übrig bleibt.

Leseratte
1 Monat zuvor

In Thüringen gibt es da schon wieder eine neue geniale Idee (nach der mit dem Streamen von Unterricht in mehrere Klassenräume verschiedener Schulen):

„Bildungsminister Helmut Holter will wegen des Lehrermangels die Anforderungen an Seiteneinsteiger absenken. Holter sagte MDR THÜRINGEN, künftig solle statt dem bisher geforderten Universitätsabschluss ein Fachhochschulstudium ausreichen. Diesen Vorschlag wolle er in Kürze vorlegen. In Thüringen waren laut Bildungsministerium zuletzt fast ein Viertel aller neu eingestellten Lehrer Seiteneinsteiger.[…]

https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/index.html

Wir wissen ja schon länger, dass „Lehrer“ eigentlich jeder kann… in Zukunft wird wahrscheinlich auf der Straße gecastet…