Zu wenig Praxis mit den Eltern: Immer weniger Kinder können Radfahren

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SCHWERIN. Motorische Fähigkeiten müssen trainiert werden: Auch das Radfahren. Die Verkehrswacht beobachtet hier bei Grundschulkindern einen besorgniserregenden Trend.

Radfahren macht Spaß – wenn man es kann. Foto: Shutterstock

Grundschulkinder können der Verkehrswacht Mecklenburg-Vorpommern zufolge immer schlechter radfahren. «Der allgemeine Trend ist, dass Kinder weitaus weniger mit dem Fahrrad unterwegs sind als früher», heißt es von der Landesverkehrswacht in Schwerin. Die Verantwortung dafür liege vor allem bei den Eltern, aber nicht nur.

Dass Kinder immer weniger selbstständig mit dem Fahrrad fahren, liegt aus Sicht der Verkehrswacht auch an der Verkehrspolitik. Die urbanen Räume seien oftmals nicht kinder-, sondern autofreundlich gestaltet. Im Nordosten komme dazu, dass viele Wege – wie zum Beispiel zur Schule – oftmals sehr lang sind, daher falle die Wahl auf das Eltern-Taxi oder den Schulbus.

Dass die häufigste Beförderungsart für Kinder bis zum Ende der Grundschulzeit das Auto ist, ist aus Sicht der Verantwortlichen damit jedoch nicht zu erklären. Insgesamt habe die Zahl der Radwege im Land zugenommen, die Möglichkeit, gefahrloser Rad zu fahren, sei also gestiegen. Trotzdem berichtet die Verkehrswacht von einer Zunahme des Übergewichts und motorischen Defiziten.

Die Verkehrswächter sehen die fehlende Praxis als Hauptursache: «Es gibt Kinder, die erstmals in der 3. Klasse auf einem Fahrrad sitzen». Verantwortung tragen demnach vor allem die Eltern, die Verkehrswacht könne hierbei nur unterstützen. Die Polizisten appellieren daher an Eltern und Großeltern, das Auto stehen zu lassen und gemeinsam mit den Kindern aufs Rad zu steigen.

Aus Sicht der Verkehrswacht tun sie damit nicht nur etwas für Familie und Gesundheit, sondern agieren mit Blick auf die Sicherheit der Kinder vorausschauend: «Kinder zwischen 10 und 14 Jahren verunglücken im Straßenverkehr am meisten mit dem Fahrrad». Mit über zwei Dritteln betreffe das vor allem Jungen. Auch insgesamt nimmt die Gefahr für Fußgänger und Radfahrer im Straßenverkehr den Angaben zufolge zu. Und das, obwohl die Gesamtunfallzahlen inklusive des motorisierten Verkehrs sinken. News4teachers / mit Material der dpa

Untrainiert: Immer mehr Grundschüler fallen durch die Fahrradprüfung

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4 Kommentare
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MB aus NRW
1 Jahr zuvor

Wie, die Eltern?!? Daran sind letzten Endes bestimmt auch wieder die Lehrer schuld! Das kann Schule doch ganz sicher auch noch leisten…(hier schreibt ein Vater UND Lehrer)

Mo3
1 Jahr zuvor

Der Weg zur Schule durfte an unserer Grundschule erst nach erfolgreicher Radfahrprüfung (4. Klasse) alleine mit dem Fahrrad gefahren werden.
Geübt wurde ab dem 4. Lebensjahr am Wochenende und in der Freizeit und im Verkehr auch mit konsequenten Regeln. Sind Eltern heute nicht mehr stolz darauf, dass das Kind endlich alleine fahren kann? Und wenn sie dann alt genug sind, muss man die Kinder ja auch nicht mehr jede kurze Strecke mit dem Auto bringen – also WinWin!

Realo
1 Jahr zuvor

Müssen Influencer Radfahren können?

Astrid Günther
1 Jahr zuvor

Man kann nicht einseitig den Eltern die Schuld an dieser Misere geben, denn es gibt mehrere Gründe:
Ein Grund sind die Elterntaxis. Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto zur Schule, weil sie den Straßenverkehr auf dem Schulweg für zu gefährlich halten, oder weil sie sowieso mit dem Auto zur Arbeit fahren und die Schule auf dem Weg liegt.
Des Weiteren gibt es immer weniger Straßen mit wenig bis zu gar keinem Autoverkehr, auf denen Kinder sicher üben können. Plätze, auf denen früher Kinder gespielt haben, mussten Parkplätzen weichen.
Und dann gibt es die Eltern, die aus Kulturkreisen kommen, wo Fahrrad fahren nicht üblich ist. Wenn die Eltern schon nicht Fahrrad fahren können, wie sollen es die Kinder dann lernen?
Hier können die Radfahrschulen des ADFC helfen.

Platz für Kinder im öffentlichen Raum zu schaffen, ohne dass man in seiner Mobilität eingeschränkt wird, ist dagegen schon eine etwas herausfordernde Aufgabe, die allerdings gelöst werden muss.