„Happy Birthday, mein Führer“: Wie eine Schule nach einem Nazi-Eklat aufräumt

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Ein Jugendlicher, der am St.-Bernhard-Gymnasium im nordrhein-westfälischen Willich den Nationalsozialismus verherrlicht haben soll, muss die Schule verlassen. Das wurde nach Angaben des Schulleiters Andreas Päßler bei Konferenzen beschlossen. Doch damit ist das Thema für die Privatschule nicht erledigt. 

Die Schule räumt auf. Foto: Shutterstock

Der Vorfall ereignete sich laut der «Rheinischen Post“ im Erdkunde-Unterricht. Demnach soll der Lehrer kurz aus dem Klassenraum gegangen sein, als er plötzlich von draußen ein Geburtstagslied hörte – Hitler zu Ehren. Drei Schüler sollen per Videostream eine alte Wochenschau-Aufnahme aufgerufen, «Happy Birthday, mein Führer» gesungen und dazu den Hitler-Gruß gezeigt haben. Zeitpunkt des Geschehens: der 20. April,,Hitlers Geburtstag. Die drei Jugendlichen wurden vom Staatsschutz aus dem Unterricht geholt. Seitdem wird gegen sie ermittelt (News4teachers berichtete).

Der Schulleiter hatte selbst Anzeige erstattet, nachdem ihm zwei Schülerinnen den Vorfall gemeldet hatten. Eine der beiden Jugendlichen habe die Schule nach dem Vorfall auf eigenen Wunsch verlassen, bestätigte Päßler einen Bericht der «Rheinischen Post». Sie habe sich an der Schule nicht mehr wohlgefühlt. Dies bedaure er sehr. Der Vorfall werde die Schule noch weiter beschäftigen, wie Päßler nun mitteilte. «Die Schule entwickelt derzeit kurz-, mittel- und langfristige Projekte zur Aufarbeitung und Präventionsarbeit.»

Als Teil der Aufarbeitung und Prävention sollten zum Ende des laufenden Schuljahres Projekttage stattfinden, die sich inhaltlich mit der historischen und gegenwärtigen Dimension des Themas auseinandersetzen, sagte der Schulleiter. «Geplant ist zudem eine gemeinsame Aktion der Schulgemeinde gegen Diskriminierung und Rassismus, die gemeinsam mit dem Netzwerk ‚Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage‘ vorbereitet wird», kündigte er an.

«Es ist keine leichte Entscheidung gewesen. Schule hat schließlich auch einen Erziehungsauftrag»

Die beiden anderen tatverdächtigen Schüler werden nach Angaben des Schulleiters vorübergehend vom Unterricht ausgeschlossen. Auf sie kommen außerdem erzieherische Maßnahmen zu, «die in einem inhaltlichen Kontext zu dem Vorfall vom 20. April 2023 stehen», schreibt Päßler in einem Bericht, der auf der Homepage der Schule veröffentlicht wurde.

«Es ist keine leichte Entscheidung gewesen. Schule hat schließlich auch einen Erziehungsauftrag. Wir haben nach den Leitlinien unserer Schule sowie denen des Schulgesetzes des Landes NRW gehandelt», sagt Päßler im Gespräch mit der «Rheinischen Post». Die beiden Schülerinnen, die den Vorfall meldeten, hätten alles richtig gemacht, betont der Schulleiter erneut. Auch er würde einen solch hässlichen Vorfall in dieser Größenordnung immer wieder zur Anzeige bringen. Die Schule habe keinen Teppich, unter den so etwas gefegt werden könne, so Päßler.

An der Schule will man nun nach vorne schauen. «Was geschehen ist, können wir nicht mehr ändern. Aber wir können weiterhin daran arbeiten, dass so etwas nicht noch einmal passiert», sagt der Schulleiter. News4teachers / mit Material der dpa

Im brandenburgischen Burg, wo an einer Oberschule eine ganze Schülergruppe immer wieder mit rechtsradikalen Provokationen auffällt, reagiert die Schulleitung völlig anders – hier geht’s zum Bericht darüber:

Mutige Lehrkräfte, die sich gegen rechtsextreme Schüler und Eltern wehren: „Müssen mit Morddrohungen rechnen“

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8 Kommentare
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Georg
1 Jahr zuvor

Ich hoffe mal, dass die Maßnahme für den Schüler zu einem echten Umdenken führt, und als abschreckendes Beispiel für potentielle Nachahmer gilt. Dazu muss sie richtig weh tun, insbesondere weit über das ansonsten übliche „dududu“ hinausgehen.

Wolkenkuckucksheim
1 Jahr zuvor

Die Schüler, die in Auschwitz waren, sind auch nur von der Schule verwarnt/getadelt worden. Zwar wird strafrechtlich ermittelt, aber-verdammt nochmal- warum wird in Schulen so reagiert???

Wolkenkuckucksheim
1 Jahr zuvor
Antwortet  Redaktion

Richtig. Aber von Schul(aufsichts-)seite? Die Suspendierung von sechs Schülern einer neunten Klasse in Leisnig wurde aufgehoben. Es erging ein „Schulverweis auf Bewährung“. Zu lesen unter https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/chemnitz/doebeln-rochlitz/leisnig-schueler-hitlergruss-auschwitz-suspendierung-100.html

Fakten sind Hate
1 Jahr zuvor

Weil im Schulgesetz der direkte Rauswurf nicht möglich ist. Nichtmals Disziplinarmaßnahmen sind ohne vorherige Konferenzen möglich. Zunächst muss erstmal genügend viele Aktennotizen gesammelt werden, damit man als Schule überhaupt etwas machen darf. Formale Fehler werden grundsätzlich kassiert. Egal ob moralisch gerechtfertigt oder nicht.

Julia
1 Jahr zuvor
Antwortet  Fakten sind Hate

Das stimmt in Rlp nicht.

Fräulein Rottenmeier
1 Jahr zuvor
Antwortet  Julia

In NRW schon…..und wehe, im Formular taucht ein formaler Fehler auf, den die Schule nicht verschuldet hat, sondern die übergeordnete Behörde, macht es schwupps und alles wird kassiert.

potschemutschka
1 Jahr zuvor
Antwortet  Redaktion

Hoffentlich erfahren wir bald!, wie die Ermittlungen des Staatsschutzes ausgefallen sind und welche Folgen das für die Schüler hat. Als Lehrerin (40 J ahre Berufserfahrung), Mutter 2er Kinder und Oma, weiß ich, dass „Strafen“ möglichst schnell erfolgen müssen, sonst bringt es nichts.