Auch das gehört zur Bildungskrise: Der Ausbildungsmarkt kommt nicht in Schwung. Ist die Duale Ausbildung noch zu retten?

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BERLIN. Die Pandemie ist vorbei, aber der Ausbildungsmarkt kommt nicht wieder in Schwung. So lautet das Fazit des Berufsbildungsberichts des Bundesbildungsministeriums, den das Kabinett der Bundesregierung unlängst vorgelegt bekam. Danach lag die Zahl der neuabgeschlossenen Ausbildungsverträge 2022 noch um fast zehn Prozent niedriger als im Vor-Corona-Jahr 2019. Und die Perspektive verheißt nichts Gutes. Der Bundesverband der Lehrkräfte für Berufsbildung (BvLB) zeigt sich alarmiert.

Ausbildung oder Studium? Vielen jungen Menschen fehlt die Orientierung (Symbolbild). Foto: Shutterstock

„Der Arbeitsmarkt und damit mittelbar auch das Ausbildungssystem stehen vor großen strukturellen Herausforderungen“, heißt es im Bericht zur beruflichen Bildung, mit dem Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) unlängst ihre Kabinettskolleginnen und -kollegen aufschreckte. „Diese Herausforderungen ergeben sich zum einen aus den großen übergeordneten Trends Digitalisierung, Dekarbonisierung und Demografie. Hinzu kommen aktuelle Ereignisse wie die Nachwirkungen der Corona-Pandemie und sowie die wirtschaftlichen Auswirkungen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine. Für die Umsetzung der Energie- und Mobilitätswende in Deutschland sowie für die Gestaltung von sozialer, digitaler und ökologischer Transformation sind beruflich qualifizierte Fachkräfte unabdingbar. Jedoch kann das Angebot an qualifizierten Fachkräften in immer mehr Berufen die Nachfrage nicht mehr decken.“

Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt lässt erkennen, dass es sich nicht um einen kurzfristigen Engpass handelt. Denn die ist kritisch – was sich auf das künftige Fachkräfteangebot auswirkt. „Eine besondere Herausforderung für den Ausbildungsmarkt im Jahr 2022 war die Ausbildungsnachfrage junger Menschen“, so heißt es. „Die Nachfrage ist im Vergleich zum Vorjahr weiter gesunken, wohingegen das Ausbildungsangebot weiter gewachsen ist. Aus Sicht der Jugendlichen hat sich die Marktlage demnach weiter verbessert. So liegt der Anteil unbesetzter Stellen am Gesamtangebot der Betriebe erstmals seit Erfassung über dem Anteil der noch suchenden Ausbildungsstellenbewerberinnen und -bewerber an der Gesamtnachfrage. Betriebe sehen sich folglich mit immer größeren Schwierigkeiten bei der Besetzung ihrer Ausbildungsstellen konfrontiert.“

Die Folgen sind gravierend. „Aktuelle Projektionen zeigen, dass besonders in Ausbildungsberufen, in denen heute schon viele Stellen nicht besetzt werden können (z. B. Berufe des Logistik- und Lebensmittelbereiches), auch langfristig Fachkräfteengpässe entstehen. In diesen Berufen kann der durch das Ausscheiden der ‚Baby-Boomer Generation‘ aus dem Erwerbsleben bedingte Rückgang an Fach- und Arbeitskräften nicht durch zukünftige Auszubildende aufgefangen werden. So wirken sich aktuelle Besetzungsschwierigkeiten auf dem Ausbildungsmarkt langfristig negativ auf die Rekrutierung von Fach- und Arbeitskräften aus.“

„Für die verringerte Grundgesamtheit junger Menschen gilt es, die Attraktivität einer dualen Berufsausbildung weiter zu erhöhen“

Weiter heißt es: „Das Geschehen auf dem Ausbildungsmarkt ist dabei vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung zu sehen. Die Zahl junger Menschen, die die allgemeinbildenden Schulen verlassen, steckt den Rahmen ab, der abstrakt für eine Steigerung der Auszubildendenzahlen adressiert werden kann. So haben im Jahr 2022 gemäß Prognosen der Kultusministerkonferenz (KMK) 4,7 Prozent weniger junge Menschen die allgemeinbildenden Schulen verlassen als noch 2019. Ein Tiefstand ist im Jahr 2026 zu
erwarten. Im Anschluss wird die Zahl der Schulabgängerinnen und -abgänger von allgemeinbildenden Schulen wieder ansteigen.“

Die Autorinnen und Autoren des Berichts betonen: „Für die verringerte Grundgesamtheit junger Menschen gilt es, die Attraktivität einer dualen Berufsausbildung weiter zu erhöhen sowie die gesellschaftliche Wertschätzung für die berufliche Bildung zu steigern, um das vorhandene Fachkräftepotential bestmöglich auszuschöpfen.“ Klingt gut – aber wie soll das gelingen? Zumal die nach wie vor hohe Zahl an Abbrechern das Problem zusätzlich verschärft. Im Jahr 2021 wurden 26,7 Prozent der begonnenen Ausbildungsverträge vorzeitig gelöst (2020: 25,1 Prozent; 2019: 26,9 Prozent). Die Abbrecherquote lag damit leicht oberhalb des üblichen Schwankungsbereichs von 20 bis 25 Prozent.

Die duale Berufsausbildung sei ein unverzichtbarer Pfeiler des deutschen Bildungssystem und für eine qualifizierte Fachkräftesicherung von entscheidender Bedeutung, schreiben nun die beiden BvLB-Bundesvorsitzenden Pankraz Männlein und Sven Mohr in einer gemeinsamen Erklärung – dass sie das betonen müssen, macht deutlich, wie sehr bedroht das System ist. Männlein und Mohr: „Diese Entwicklung ist äußerst besorgniserregend und verdeutlicht die weiter anhaltenden Herausforderungen, mit denen die berufliche Bildung in Deutschland konfrontiert ist.“

Was tun? Zunächst weist der BvLB auf die Bedeutung der Berufsorientierung in den allgemeinbildenden Schulen hin – der Verband fordert eine verstärkte Unterstützung der Kolleginnen und Kollegen dort, um eine Verbesserung zu ermöglichen. „Eine frühzeitig einsetzende und langfristig angelegte Berufsorientierung ist ein entscheidender Faktor für die erfolgreiche Platzierung von Jugendlichen in der dualen Berufsausbildung. Es ist wichtig, dass Schülerinnen und Schüler bereits während ihrer Schulzeit umfassende Einblicke in verschiedene Berufsfelder erhalten und sich fundiert informiert für eine passende Ausbildung entscheiden können. Dadurch werden auch Ausbildungsabbrüche vermieden“, heißt es.

„Nur durch eine konzertierte Anstrengung aller Berufsbildungsakteure können wir die berufliche Bildung in Deutschland nachhaltig verbessern“

Darüber hinaus sollten Ausbildungsplätze gezielt gefördert und die Rahmenbedingungen für Auszubildende und Ausbildungsbetriebe verbessert werden. Einen Punkt, den der BvLB ausdrücklich unterstützt, hatte Prof. Friedrich Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), unlängst in die Debatte gebracht: integriert-durchgängige Aus- und Weiterbildungsberufe weiter zu etablieren (etwa mit Formaten wie dem Dualen Studium). „Für eine moderne Berufsbildung brauchen wir ein zur akademischen Bildung durchlässiges System: Von der Berufsbildung in die akademische Bildung – und von der akademischen Bildung in die berufliche Bildung, also ein reziprokes Modell. Es muss auch integrativ sein, dementsprechend Angebote enthalten, die von akademischen und Trägern der beruflichen Bildung gemeinsam gestaltet werden“, so hatte Esser in einem Interview mit dem Branchenportal „Personalwirtschaft“ erklärt.

„Dadurch bietet sich eine kontinuierliche Qualifizierung und ermöglicht so einen nahtlosen Übergang zwischen verschiedenen Bildungsabschnitten. Der BvLB sieht darin eine zielführende Möglichkeit, die duale Berufsausbildung attraktiver zu gestalten und die Anpassungsfähigkeit an die sich wandelnden Anforderungen des Arbeitsmarktes zu verbessern“, heißt es seitens des Berufsschullehrerverbands. Appell der beiden BvLB-Bundesvorsitzenden: „Nur durch eine konzertierte Anstrengung aller Berufsbildungsakteure können wir die berufliche Bildung in Deutschland nachhaltig verbessern und den jungen Menschen optimale Startchancen bieten.“ News4teachers

Akademisierungswahn? Von wegen! Abiturienten strömen in die Ausbildung, Hauptschüler werden abgehängt

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Realist
3 Monate zuvor

Jahrelang wurde von Wirtschaft und Politik getrötet, das nur eine verstärkte Akademisierung den „Standort Deutschland“t rettet und jetzt sind plötzlich die Schulen Schuld, dass sich immer weniger junge Leute für die duale Berufsausbildung interessieren („Bedeutung der Berufsorientierung in den allgemeinbildenden Schulen“).

Lächerlich… sucht euch doch einmal einen anderen Sündenbock…

DerechteNorden
3 Monate zuvor

Bei uns wiederholen viele S*S, die für eine Ausbildung in Frage kämen, noch. Das ist nach wie vor eine Folge von Corona.
Ansonsten: Zugang zur Oberstufe erschweren und Ausbildung attraktiver machen.

Georg
3 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Danke. Ist nur von so ziemlich allen Parteien in den aktuellen Parlamenten nicht gewollt, weil Akademisierung über alles.

DerechteNorden
3 Monate zuvor
Antwortet  Georg

Die denken ja immer, dass in anderen EU-Ländern alle Abitur machen, weil man in Schweden z.B. das Elektrik-, Hotelfach-, Haargestaltung- usw. „Abitur“ macht.
Das Wort „studieren“ wird auch falsch übersetzt. In vielen Sprachen bedeutet es auch oder sogar nur „lernen“ und eben nicht „an einer Universität studieren“.
Einerseits geht es ums Prestige, andererseits ums Sparen. Letztes zwar am falschen Ende, aber muss man dann ja nicht wirklich verantworten.

Gelbe Tulpe
3 Monate zuvor
Antwortet  Georg

Bei Abiturienten ist eine Lehre erstaunlich attraktiv, fast die Hälfte entscheidet sich nach dem Abi für eine duale Ausbildung (https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/abitur-hauptschule-ausbildung-chancen-101.html)

Georg
3 Monate zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Bei denen muss man sich dann fragen, weshalb sie Abitur gemacht haben. So haben sie zwei oder drei Jahre verschenkt.

Fräulein Rottenmeier
3 Monate zuvor
Antwortet  Georg

Was für eine strunzdumme Aussage

uesdW
3 Monate zuvor
Antwortet  Georg

Weil sie so klug sind, sich die Grundlagen ihres Gebiet im Rahmen einer Ausbildung zu erarbeiten und dann studieren oder
sie in der Zwischenzeit verstanden haben, dass ein Studium doch nicht das Wahre ist.

Immer daran denken, die Schüler wechseln in der Regel nach der vierten Klasse aufs Gym. Da wissen die wenigsten, was sie später einmal machen wollen bzw. Haben noch andere Träume.
Erst einmal wird die Schule halt fertig gemacht.

Und verschenkt haben sie sicherlich nichts, weil sie mit dem Gelernten auch leichter durch Techniker und Meisterschulen kommen sollten bzw. Ihre Aufgabengebiete besser bewältigen können und dann in den Firmen besser durchstarten können.

Also solte so eine Bewertung aus meiner Sicht von einer Lehrkraft schon gar nicht kommen.

Gelbe Tulpe
3 Monate zuvor
Antwortet  Georg

Leider nicht. Ausbildungsplätze wie Fachinformatiker, Industriekaufmann etc. bekommt man ja meist nur mit Abitur.

Georg
3 Monate zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Mittlerweile, aber nicht weil das Abitur dafür zwingend erforderlich ist, sondern weil alles darunter aus den unterschiedlichsten Gründen als nicht mehr ausreichend angesehen wird.

Bart
3 Monate zuvor
Antwortet  Georg

mit Abitur kann man die Ausbildung verkürzen, man kann duale Studium machen in manchen Bundesländern usw..

Aber ich versteh dich Georg, bist nur sauer weil die nicht so ne geile Leerkraft wie du werden wollen!

dickebank
3 Monate zuvor
Antwortet  Bart

Und man muss die allgemeinbildenden Fächer in der Berufsschule nicht mitmachen, wenn man FHR oder AHR hat. Stattdessen kann man schon einmal den BWL-Teil der späteren Meisterprüfung vorziehen und nebenbei die Ausbildereignung erlangen. Ganz so blöd ist es also nicht, die ausbildung mit einem Abi zu starten. Die Volljährigkeit erleichtert ebenfalls die Suche nach einer Ausbildungsstelle bzw. den Einstieg in die Ausbildung.

Lisa
3 Monate zuvor
Antwortet  Georg

Ganz einfach. Abitur heißt : Alle Wege sind offen. Und : Eine umfassende Bildung schadet nie, sofern man die sich leisten kann.Mein Zahnarzt hat beispielsweise erst Zahntechniker gelernt und dann studiert. Meine Orthopädin hat auch die Physiotherapeutenausbildung. Gerade im medizinischen Bereich wurde die Ausbildung anscheinend eher als Zusatzqualifikation gesehen. Und ja, ist sie auch, beide sind top.

Indra Rupp
3 Monate zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Aber nicht um das später als Beruf auszuüben, sondern um zwischenzeitlich zu etwas Geld zu kommen und eine zweite Sicherheit in der Tasche zu haben. Das ist doch eigentlich noch schlimmer! Die Ausbildungen werden verschenkt an Leute, die später im akademischen Bereich arbeiten.

Nick
3 Monate zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Kann mglw. auch heißen, dass die Kids in frühen Jahren von ihren Eltern aufs Gymnasium geschickt wurden und dann später endlich den eigenen Willen leben durften. Auch sehr gute Abiturienten müssen nicht zwingend studieren.

Last edited 3 Monate zuvor by Nick
potschemutschka
3 Monate zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Nicht unbedingt bei allen verschenkt. Manchen „reinen Akademikern“ hätte es sicher gut getan, wenn sie mal das „echte“ Arbeitsleben kennengelernt hätten. Praxisbezug schadet m. M. n. niemandem, keine Ahnung von der Praxis schon eher.

Bart
3 Monate zuvor
Antwortet  potschemutschka

nicht manchen, sondern so ziemlich allen!
Die leben teilweise komplett in ihrer eigenen Welt!

447
3 Monate zuvor
Antwortet  Bart

Ausdrückliche Zustimmung.

Fräulein Rottenmeier
3 Monate zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Es gibt so viele Ausbildungsberufe, wo später noch draufgesattelt werden kann. Man denke nur an die kaufmännischen Berufe, wo sich im Anschluss ein BWL Studium sehr lohnt. Mal abgesehen davon, dass man sich das Studium dann auch gut finanzieren kann….

Nick
3 Monate zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

„Fast die Hälfte“ heißt doch wohl auch, dass fast 50 Prozent der Gymnasien eigentlich überflüssig sind.

Against Fremdbetreuung
3 Monate zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

…um dann anschließend zu studieren. Das war u. a. ein Grund, dass die Banken schon vor Jahren die Realschüler:innen als Azubis entdeckten- zu einer Zeit, als noch kein Nachwuchsproblem bestand. Die blieben nämlich am Schalter nach der teuren Ausbildung, während die mit Abi BWLer:innen wurden und nur noch als Nebenjob zur Studienfinanzierung in der Bank arbeiteten. Inzwischen qualifiziert man dort seine Leute intern, die Umstrukturierung ist außerdem nahezu abgeschlossen.
Also bitte keine Halbwahrheiten herausblasen!

Last edited 3 Monate zuvor by Against Fremdbetreuung
447
3 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Das wäre die objektiv richtige Lösung.

Also kann sie im aktuellen Zeitgeist keinesfalls durchgeführt werden.

Gelbe Tulpe
3 Monate zuvor

Mit 1.300 Euro netto im Monat als Elektriker oder Einzelhandelskaufmann im Supermarkt kann man keine großen Sprünge machen, zumal die Mieten ja auch stark gestiegen sind. Gewisse Ausbildungsberufe meidet man da halt.

Mika
3 Monate zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

1300 netto? In Steuerklasse 5 und Mecklenburg-Vorpommern vielleicht. Das Monatsgehalt liegt, je nach Bundesland, zwischen 2.800 und 3900€ brutto.

Quelle: https://www.gehalt.de/beruf/elektriker

Last edited 3 Monate zuvor by Mika
Fräulein Rottenmeier
3 Monate zuvor
Antwortet  Mika

Der Mindestlohn bei einer 40 Stunden Woche läge schon bei 2200 Euro.
Ein ausgebildeter Elektriker oder Einzelhandelskaufmann würde wohl nicht für den Mindestlohn arbeiten.
Außerdem sind Nettolöhne nicht vergleichbar, man sollte schon vom Bruttogehalt ausgehen.

ABCD
3 Monate zuvor

Dass Elektriker so wenig verdienen, ist mir neu.

Fräulein Rottenmeier
3 Monate zuvor
Antwortet  ABCD

Mir auch….

447
3 Monate zuvor
Antwortet  Mika

Elektriker ist jetzt eine Ausnahme…was staatliche oder offizielle Quellen zum Gehalt sagen können Sie eh in der Framing-Pfeiffe rauchen.

Elektriker, Dachdecker, Heizungsbauer, GALA, Maurer und Co. können auch locker das doppelte verdienen – Fleischer, Friseusen, KFZ-ler ohne „beschafften“ 😉 Stöpselsatz krebsen oft netto-real Nähe am Mindestlohn herum…Einzelhandelskaufmann/Frau kann im Prinzip jetzt schon gleich auf Hartz wechseln…Schwankungsbreite durch Schwarzarbeit und lokalen Mangel zerschießt den Aussagewert auf individueller Ebene vollkommen.

Gelbe Tulpe
3 Monate zuvor
Antwortet  Mika

1.300 € gelten bei uns im Raum Stuttgart.

Fräulein Rottenmeier
3 Monate zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Bruttogehalt ganz bestimmt nicht…..siehe oben…..

Bart
3 Monate zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

selbst im Altenheim als Helfer verdient man heute mehr als 1.300€ und ich rede explizit vom Raum Stuttgart!

Weiß nicht wo du die Zahlen herhast! Bei Teilzeit okay, aber nicht bei Vollzeit und davon geht man in der Regel aus!

Georg
3 Monate zuvor
Antwortet  Bart

Nur gibt es im Supermarkt nur selten Vollzeit …

Bart
3 Monate zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Bei Teilzeit sind die Summen drinne, bei Vollzeit ist es schon mehr was man verdient!

Aber ja, ist zu wenig, aber interessiert ja keinen! Lieber wieder Nebelkerzen zünden…..

Hans Malz
3 Monate zuvor

Waren die mal an einer Schule?
Wir fangen in NRW mit KAoA in Klasse 7 an mit der Berufsorientierung. Dann kommen jedes Jahr mehrere Veranstaltungen, Abfragen und Beratungsgespräche (mit Kreiha und IHK – Ausbildungsbotschaftern). Aber plötzlich … ganz unerwartet … sind die Kinder am Ende der 10 und haben nichts. Nein, die Schule ist daran nicht Schuld und kann auch nicht mehr leisten.
Bezeichnend war die letzte Ecko Umfrage am Ende der 9, bei der dann allen Ernstes viele Schüler ankreuzen, dass sie in der Schule niemals mit Berufsorientierung in Berührung gekommen sind und beraten wurden. Hammer! Dann hab ich die letzten Jahre wohl nur geträumt.
Jetzt, am Ende des Schuljahres, gehen wahrscheinlich 90% in weiterführende Schulen (Realschule). Weil das so schön einfach ist und einem danach „die Welt offen“ steht. So ist das ja auch jahrelang von allen Politikern rumgetrötet worden: „Wir brauchen mehr Akademiker!“. Selber schuld.

447
3 Monate zuvor
Antwortet  Hans Malz

Schule als Institution erzählt jungen Menschen bis 18 Jahre dauernd, dass jeder „gleich“ und dabei absolut „einzigartig“ ist – auch wenn das per Definition schon unmöglich ist.

Natürlich züchtet das eine völlig überzogene Anspruchshaltung, die sich nur für diejenigen realisieren lässt, die (ob durch kluge Entscheidung oder Zufall) Marktlücken besetzen können.

Klar ist das dann in der GEFÜHLTEN Welt von Kindern und Jugendlichen so, dass es „keine“ Berufsberatung gab – sowas „hundsgewöhnliches“ wie Heizungsbauer oder Dachdecker ist doch (gefühlt!!) „kein Beruf“. (Egal, wie objektiv vergoldet die realen Aussichten bei marktkonforme Verhalten sind)

NichtErnstZuNehmen
3 Monate zuvor
Antwortet  447

Du lebst wohl in einer anderen Welt, aber das denke ich immer bei deinen Kommentaren. Wir beraten die Kids ab Klasse 7 über Berufe und Lebensplanung. Noch nie hatte ich so viele Abgänger mit Ausbildungsvertrag wie die letzten Jahre.

Georg
3 Monate zuvor

Oder anders geschrieben: Noch nie haben in Ihrem Unterricht so wenige Schüler einen Abschluss mit Qualifikation zur Oberstufe geschafft.

Against Fremdbetreuung
3 Monate zuvor
Antwortet  Georg

Polemischer Unfug!

NichtErnstZuNehmen
3 Monate zuvor
Antwortet  Georg

Hauptschüler machen nie einen Abschluss mit Qualifikation zur Oberstufe Georg.

Donauperle
3 Monate zuvor

In BW können Hauptschüler einen sog. Werkrealschulabschluss machen, der den Besuch eines beruflichen Gymnasiums ermöglicht.

Georg
3 Monate zuvor

Doch, wenn auch sehr selten. Auch an Hauptschulen kann man, entsprechende Kurswahlen und Abschlussnoten vorausgesetzt, einen Realschulabschluss mit Qualifikation zur Oberstufe erreichen. Bislang hatte ich ungefähr 2-3 Schüler in Oberstufenkursen, die von einer Hauptschule kamen. Übrigens liefen sie alle im oberen Mittelfeld mit.

dickebank
3 Monate zuvor

Fama errat: NRW – HS Profiltyp B muss man halt „ErnstNehmen“ sowie die APO-SI.

Die genannte Schulform Hauptschule kann am Ende des 10. Jahrganges im Profiltyp B hier in NRW alle Abschlüsse der SekI vergeben. Dazu gehört auch der MSA verbunden mit der FOR sowie zusätzlich dem Q-Vermerk (FOR-Q).
Im Regelfall ist der Q-Vermerk ein QE, der zum Eintritt in die Einführungsphase (EF) berechtigt. In Ausnahmefällen ist auch die Vergabe des FOR-QQ möglich, der den direkten Eionstieg in die zweijährige Qualifizierungsphase ermöglicht.

447
3 Monate zuvor

Lesekompetenz hilft.

Natürlich setzt unsere Schule (wie alle anderen Schulen in NRW wohl auch, weil es **schlicht vorgeschrieben** ist!) alles von Praktika bis KAoA um – sogar mit nochmal zusätzlichen Beratungsrunden, eigenem Team zum Nachbestrahlen von Leuten die das Blaumachens und und und.

Ja, Realität und so…AUF DEM PAPIER wurde bei uns jeder einzelne SchüleriX mehrfach ausführlich beraten…wie es halt sein soll.

Das sind aber ZWANGSVERANSTALTUNGEN in der SCHULE.
Natürlich sagen die Kinder in der ganz großen Masse dann irgendwann das, was die Arge-Berater, Beratungslehrer usw. hören wollen.

Oder glauben Sie wirklich die „offiziellen Wahrheiten“, die da verkündet werden?

Ja, lol, „Nichternstzunehmen“…passt schon.

Was die Schüler wirklich denken erfahren Sie, wenn diese Schüler ihnen vertrauen und sich sicher sein können, dass der Lehrer nicht wie ’ne kleine Petze gleich die nächste Zwangsbestrahlung mit Blödsinn wie „wow, werde doch EH-Kauffrau, da ist voll der Mangel“ veranlasst.
Denn zufälligerweise wissen auch verdammt viele Kinder recht genau, WARUM da und dort „Mangel“ herrscht: Weil es „da“ richtig sch***** ist

Zwischen Anspruchsdenken (gesellschaftlich vorgeprägt vor allem durch Schulideologie) und mangelnder GUTER Perspektive wird dann eben weiter Schule gemacht und/oder sich verweigert.

NichtErnstZuNehmen
3 Monate zuvor
Antwortet  447

Diese arrogante Art so von oben herab kommt bestimmt gut an bei den Kids. So schafft man es bestimmt, dass einem die Kids vertrauen. Lassen sie sich da nix anderes erzählen.

Berufsschullehrer
3 Monate zuvor

Und wenn sich doch einige Azubis in eine Berufsausbildung, z.B. im Lebensmittelbereich und der Gastronomie, gewagt haben, treffen sie in der Berufsschule auf vier mal soviel Azubis aus diversen Ländern (vor allem Vietnam), von denen nur Einzelne rudimentär die deutsche Sprache beherrschen. An einen qualifizierten Fachunterricht, der auf einen Beruf vorbereiten soll, ist nicht mehr zu denken. Die Azubis, die auch einen solchen Anspruch haben, sind nicht lange dabei. Vor allem die Gastronomie (nicht alle, aber viele) versucht die Ausbeutung von Azubis jetzt mit abhängigen Azubis aus fernen Ländern weiter zu betreiben, wie in den vergangenen Jahrzehnten. Zum Teil kann ich das Gejammer vom Fachkräftemangel nicht mehr ertragen! Selbst schuld!

Bayer
3 Monate zuvor

Bin ganz Ihrer Meinung.
Bei uns am BSZ haben wir inzwischen im Praxisunterricht 5 fertig ausgebildete vormalige Flüchtlinge in GA angeheuert, die quasi simultan übersetzen, läuft…
Außerdem arbeiten wir mit Deutschsprechgebot unter Zustimmung der SuS.

Leider boomt bei uns die Ausbeutungswelle in Gastro, Bäckerei, Fleischerei, obwohl wir inzwischen gnadenlos an GA,BG melden, ist eine Schand für die Branche.

Bart
3 Monate zuvor

es geht darum die LÖHNE zu drücken!

Wenn man sich anguckt, was man Brutto bekommt, ist das oft sehr stark! Was aber NETTO davon übrig bleibt, ist ein Witz!

Man setzt darauf, dass Ausländer das nicht kapieren, weil sie ja kaum Deutsch können und das System nicht kennen! Also kann man sie ausbeuten!

Darum geht es! Als ob ein Schmierlappen wie Hubertus Heil, der noch nie gearbeitet hat, sich ernsthaft um faire Bezahlung für irgendeinen interessieren würde!

Lisa
3 Monate zuvor

Dazu gibt es bei Hotelfachschulen so was wie einen Ruf. Die Tochter einer Freundin will unbedingt nach Zürich, eine andere junge Dame nach Österreich. Frage mich, was die anders ausbilden.

447
3 Monate zuvor

Ich finde das wirklich interessant, dass in jeder Bildungsfrage empirische Tatsachen geschwind wie zerplatzendes Quecksilber sofort apodiktisch undefiniert werden:

Nicht „Schüler sind orientierungslos“ – nein, viele „Ausbildungsberufe“ sind ganz einfach für das Individuum (!), also die propagierte Messlatte der Gesellschaft, OBJEKTIV schlechter…und zwar um so viel schlechter, dass eher auf Biegen und Brechen Abitur gemacht, studiert werden soll, weiter Schule gemacht wird ohne Perspektive…als „dahin“.

Warum will gefühlt keiner freiwillig ins Hotelgewerbe?
Antwort: Weil es auf jeden Level objektiv schlechter ist als vieles andere: Bildungschancen, Geld, Chancen am Partnermarkt, soziale Anerkennung…minus, minus, minus.
Das gleiche gilt für diverse Berufe.

Das gleiche gilt auch für diverse „Mangelbereiche“.

Die Post-moderne Informationsgesellschaft stösdt an die Realitätsgrenze ihres Individualfetisches: Es braucht eine gewisse Zahl Indianer…und die können eben keine Häuptlinge sein.

Aber WARUM soll jemand „einen fürs Team kassieren“, sich quasi „opfern“ als Krankenschwester, Verkäufer im EH (außer Aldi), Speditionshelfer, Straßenbauer und und und?

Die eigentliche Frage geht tiefer als Lohn- und Arbeitsbedingungen…und Gen Z stellt diese Frage in der Lebenspraxis durch Verweigerung. Gut so, da ist schon lange eine Antwort drauf nötig.

Bayer
3 Monate zuvor
Antwortet  447

Daneben ist vor allem, dass gerade Berufe, die uns quasi am Leben halten, die Menschen, die sie ausüben, nicht ernähren können.
Angefangen von der Herstellung von vernünftigem Brot, über die Bereitstellung von Fleisch, das den Namen verdient, Produktion von heimischem Grünzeug…..bis hin zur Pflege, egal ob in KH oder Altenheim – Knochenarbeit, die unterste Einkommen garantiert.

Wäre nur zu ändern, wenn Menschen, die derlei noch nie taten, eine Zeit IHR DING, sich selbst verpflegen, den Opa versorgen, um 3 aufstehen, Brot backen, dann im Schlachthof helfen müssten……. – alles eine Folge unseres Abgehobenseins, es fehlt die Erdung und diese Chance sollte man jedem geben 😉

Die Löhne in den beschriebenen Bereichen müssen hochgehen, auch damit unsere LM den Namen Lebensmittel wieder verdienen.
Damit verbunden wäre eine Verbesserung des Gesundheitsstatus…..

447
3 Monate zuvor
Antwortet  Bayer

Stimme zu.

Hans Malz
3 Monate zuvor
Antwortet  Bayer

Lieber „irgendwas mit Medien“. Da andere ist ja zu anstrengend und zu schlecht bezahlt.

Bart
3 Monate zuvor
Antwortet  447

Ähm nein!
Es geht nur um Bezahlung und Arbeitsbedingungen! Krankenpflege ist als Job ne geile Sache! Aber Arbeitsbedingungen und Bezahlung sind kacke!
Dachdecker ist als Job ne geile Sache! Aber Arbeitsbedingungen und Bezahlung sind kacke!

Daran sind der Staat, die Handwerker, die Kliniken und die Medien schuld!
Einige Handwerksbetriebe nutzen ihre Azubis nur als billige Helfer, lehren ihnen nix und pöbeln sie an! In den Kliniken ist es ähnlich, nur etwas ähm ja subtiler!

Die Politik hat überhaupt keine Ahnung und lässt Minister Heil, der noch nie gearbeitet hat den „Arbeitsminister“ spielen und Groschenroman Expertin Andrea Nahles darf das Arbeitsamt leiten! Könnte man auch gleich Larry the Cat hinstellen, aber selbst der würde mehr liefern! Und sieht besser aus!

Die Medien berichten falsch über Berufe, die Journalisten dort haben tolle Fächer (Spaß) wie Geschichte, Soziologie, Politik, Literatur und Philosophie studiert und danach noch Volo oder Journalistenschule gemacht. Von Arbeit haben die auch keine Ahnung! Zumal jeder Idiot der paar Postings auf Insta oder Twitter raushaut, von denen als „Social Media Manager“ hochgejazzt wird und das zum neuen Trendberuf mit voll krasser Zukunft erklärt wird!

Lächerlich!!!

Darum geht es!

Ändert sich das alles, gibt es keine Probleme Azubis und Personal zu finden!

447
3 Monate zuvor
Antwortet  Bart

Sage ich ja.

Bezahlung und Arbeitsbedingungen sind der objektive Kern – aber genau deswegen wird über alles von „Gender“ bis „Fachkräftemangel“ gequackelt, nur nicht über das.

Und in der atomisierten Individualgesellschaft gibt es halt keinen „höheren“ Grund bzw. Grundstimmung, Infos sind per Internet reichlich verfügbar…da muss die Wirtschaft eigentlich dankbar sein dafür, dass viele Berufe überhaupt noch gemacht werden.

Chapeau Claque
3 Monate zuvor
Antwortet  447

Lohn- und Arbeitsbedingungen, z. B.Arbeit an der Hotelrezeption:. Rund um die Uhr erreichbar (Nachtdienste), immer freundlich, Schichtdienste und Rufbereitschaft

„In Deutschland haben einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft zufolge Hotel und Gaststätten allein im Jahr 2020 über 215.000 Beschäftigte verloren, größtenteils an Handel und Logistik. Es fehlt das Personal für Küche, Service und Rezeption.
Mit einem Bruttomonatslohn von 2.059 Euro landet die Branche in der Statistik der Bundesarbeitsagentur auf dem letzten Platz.“
https://www.humanresourcesmanager.de/recruiting/personalmangel-bescheidene-aussichten-in-der-tourismusbranche/

447
3 Monate zuvor
Antwortet  Chapeau Claque

Eben.

Und wenn man nicht gerade (Z.B. aus höchst seltenen, individuellen Gründen) exakt dafür „brennt“… Dann sind diese Anforderungen (ohne die es z.B. am Nachtschalter nicht geht) halt für das Gehalt und die Arbeitszeiten ganz großes „Kaka“.

Wird es Hotels mit tollen Teams, gutem Schwarzgeldbonus, leidenschaftlichen, motivierenden Chefs geben – wo sich dann trotzdem beworben wird?
Ja.

Ist das ne Massenlösung? Nein.

laromir
3 Monate zuvor

Vielleicht erzählt das mal jemand den Eltern. Wir hätten einige SuS die solide eine Ausbildung machen könnten und von ihren Eltern durch die Oberstufe geschliffen werden. Das machen die Jugendlichen auch mit, denn sie können ja in der Regel nicht einfach ausziehen, weil Lebenshaltungskosten stellenweise so hoch (Stichwort Miete). Also wurschteln sie sich so durch. Abschluss nach Klasse 10 sollte weiter gestärkt werden und dann dürften eben nicht nur Abiturienten zu den Vorstellungsgesprächen geladen werden. Hier beißt sich die Katze in den Schwanz.

Chapeau Claque
3 Monate zuvor
Antwortet  laromir

Eine solide Ausbildung, vielleicht als Kaufmann im Einzelhandel, in einem größeren angesehenen Unternehmen sind ohne Abi (Oberstufe) die Chancen dort auf Ausbildungsvertrag heutzutage dürftig, was allerdings nicht im Stellenangebot hervorgehoben wird.
Mit Abschluss nach Klasse 10 bleibt da eher ein Discounter oder Handelskette für Haupttätigkeit Waren(verräumung)präsentation als Ausbildungsbetrieb.

Lisa
3 Monate zuvor
Antwortet  laromir

Solange Abiturienten die einzigen sind, und hier zitiere ich einen mir bekannten Heizungsbauer, „die ihren Namen nur mit einem Fehler schreiben“ , wird sich das nicht ändern. Außerdem sind Abiturienten, die ins Handwerk gehen, auch motiviert dazu

Last edited 3 Monate zuvor by Lisa
uesdW
3 Monate zuvor
Antwortet  Lisa

Ich kenn hier aber auch anders Zitat von einem Personalverantwortlichen eines großen Agrarzulieferer.
Wenn ich die Wahl zwischen einem Realschüler und einem Huaptschüler, der aus einem ländlichen Betrieb kommt, habe nehme ich den Hauptschüler. Da kann ich davon aus gehen, das er weiss, wae Arbeiten bedeutet.

Lisa
3 Monate zuvor
Antwortet  uesdW

Hier Schwerpunkt: Ländlicher Bereich 🙂

Maggi
3 Monate zuvor

Solange das Handwerk, die Wirtschaft oder die sozialen Einrichtungen es nicht schaffen ein attraktiver Arbeitgeber zu werden, solange werden sie keine Azubis bekommen. Durch den demokratischen Wandel hat sich das Verhältnis umgekehrt. Es gibt mehr Arbeitsstellen als Bewerber und daher muss derjenige, der den Mangel hat eben sich besonders gut darstellen. Früher waren das die Bewerber*innen und heute müssen es eben die Unternehmen machen. Das haben diese nur noch nicht erkannt und der gesellschaftliche Diskurs geht auch mehr darum, dass die faulen Jugendlichen nicht willig und dankbar auf die angebotenen Arbeitsplätze bewerben, sondern sich erdreisten etwas zu fordern. Aber das ist in einer freien Wirtschaft nunmal so: das Angebot bestimmt den Preis und dieses Angebot ist inzwischen die Arbeitskraft und nicht mehr der Arbeitsplatz.

Chapeau Claque
3 Monate zuvor
Antwortet  Maggi

„Solange das Handwerk, die Wirtschaft oder die sozialen Einrichtungen es nicht schaffen ein attraktiver Arbeitgeber zu werden, solange werden sie keine Azubis bekommen.“
Warum wurde der Bereich Erziehung und Bildung ausgelassen oder schaffen diese Arbeitgeber teils im ÖD, was anderen von vorneherein abgesprochen wird?

Maggi
3 Monate zuvor
Antwortet  Chapeau Claque

Stimmt, ich habe den Bereich vergessen. Danke für die Ergänzung.

uesdW
3 Monate zuvor
Antwortet  Maggi

Wenn sie wüssten, was manche Schüler für Vorstellungen an ihren zukünftigen Arbeitsplatz und Lohn und Freizeitansprüche haben.
Handwerk ist in manchen Bereichen halt mal ein harter Beruf. Das bedeutet halt auch, dass man früher aufsteht und mal 8 Stunden am Tag arbeitet und nicht nur hinterm Schreibtisch sitzt und sich von Lehrkräften bepaßen lässt.

Ausbildung bedeut zu dem, dass ds sich nicht um Arbeitskräfte handelt, sondern eben dass die Betriebe in die Zukunft investieren. Und der Arbeitsplatz kommt letztendlich erst nach der Ausbildung.

447
3 Monate zuvor
Antwortet  uesdW

Es gibt eine totsimple ökonomische Wahrheit, die absolut ausnahmslos in jedem Bereich freier Wirtschaft gilt:

Eine Arbeitsstelle ist immer schlechter entlohnt als ihr gesamtes Arbeitsergebnis „netto.“

Denn sonst würde man sie streichen.

Das ist IN GRENZEN auch ok, als AN hat man auch nicht die volle Verantwortung, hat mehr echte Freizeit, nicht das Risiko usw.

In der Bundesrepublik HEUTE sind nicht die Forderungen der Arbeitnehmer überzogen, sondern die (effektiv jahrzehntelangen) Nullrunden, garniert mit immer frecheren Steuer- / Abgaben und sonstigen Erhöhungen.

Staatsquote liegt mittlerweile über 50%.

Wenn solche Verhältnisse dann noch auf die (für viele Arbeitgeber scheinbar normalen) Feudal- und Frechheitshaltungen treffen wie die Erwartung unbezahlter Überstunden, direkte und indirekte Lohnverzichte diverser Art…PLUS Bürgergeld…na ja, wenn ich keinen Job auf Akademikerniveau (echt, nicht Teilzeit-Bachelor-Museumsführer für Mindestlohn oder sowas) oder drüber haben kann, wieso ÜBERHAUPT noch im weißen Arbeitsmarkt bleiben? Der graue Arbeitsmarkt lockt mit viel Bargeld auf die Kralle und freier Zeiteinteilung, auch jenseits davon geht viel…

Traumtänzerei und „hätte-könnte-sollte“ trifft auf Realität.

„Corona“ und „Bürgergeld“ sind da nur die letzten Tropfen im überlaufenden Fass.

Nicht betroffen sind die wenigen guten AGs…bei denen platzt der Bewerberbriefkasten nach wie vor aus allen Nähten.

Gen Z scheint das verstanden zu haben – richtig so, Kapitalismus (den ich befürworte) geht nicht nur in eine Richtung.

Last edited 3 Monate zuvor by 447
Bart
3 Monate zuvor
Antwortet  447

was für grauer Arbeitsmarkt? Sag doch gleich du willst Packs verchecken! Mit so nem Gefasel versteht dich auf der Street in meiner Hood keiner Bruda, ist so, isch schwöre!

Ernsthaft, du weißt schon, dass der „Graue Arbeitsmarkt“ einfach nur aus Stellen besteht, die nicht öffentlich ausgeschrieben werden? Also nicht in der Zeitung oder im Web erscheinen? Die Stellen sind aber meistens dieselben die man in der Zeitung sucht! Manchmal will man aber Kosten und Zeit für die Stellenanzeigen sparen oder muss noch jemand nen Gefallen erweisen…

Wo willste da kräftig abkassieren??? Zahlst genauso Steuern und hast Abgaben und hast normale Arbeitsbedingungen und Arbeitszeiten wie der Kollege der über Stepstone reingekommen ist…..

Achja und Packs verchecken, das ist NICHT der Graue Arbeitsmarkt 😉

447
3 Monate zuvor
Antwortet  Bart

„Zahlst Steuern“…äh, ja, Problem detektiert. 🙂

Mit der „hood“ kann ich leider nicht mithalten. 🙁

Wenn zu mir jemand sagt „Stelle nicht öffentlich ausgeschrieben“ verstehe ich das so, dass das auch so bleibt…und das ganze eher…nicht-öffentlichen Charakter hat.

Last edited 3 Monate zuvor by 447
Gelbe Tulpe
3 Monate zuvor
Antwortet  uesdW

Handwerk klappt auch mit Arbeitsbeginn 9 Uhr und 35-Stunden-Woche. Man muss es nur wollen. Ansonsten bleiben die Leute halt weg.

447
3 Monate zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Handwerk klappt, sobald man den größten aller Blutsauger weglässt, zu jeder Tages- und Nachtzeit in guter Laune mit besten, qualitativ hochwertigen Ergebnissen.

„Blutsauger“ ist natürlich Polemik, schon richtig…nur halt zutreffende Polemik, da der Staatsbereich extrem viel tut um Handwerkern das Leben schwer zu machen und sie zu behindern sowie zu besteuern…jedoch genau null unternimmt, sie im Absatz ihrer „Produkte“ zu fördern.

Schulterzucken, machste nix. Institutionell verkrustete Wirtschaft, jahrzehntelang etablierte Mitesser…ist halt so.

uesdW
3 Monate zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Sicher geht dass! Mit Mittagspause ist dann halt dann um 16:30 Schluss. O.k.
Die Kunden sind begeistert, da der Handwerker erst um 9:30 erscheint und im 16:00 schon wieder geht.
Der Kunde ist zufrieden, wenn er die frisch gebackenen Semmel erst um 10:30 bekommt, da der Bäcker erst um 9:00 anfängt.

Die Handwerksbetriebe haben jetzt Hochkonjunktur. Flexible Arbeitszeiten kann man gerne machen, aber wenn das Wetter gut ist, dann hört man nicht einfach um 16:00 auf.

Und nun zum Beitrag der Schule:
Wir gewöhnen für unsere Schüler jetzt doch gleich mal an die 35 Stunden Woche. Schulbeginn um 09:00. Schulende um 16:30.
Mittagspause 30 Minuten.
Und damit der Rahmen natürlich passt auch am Freitag Nachmittag.

dickebank
3 Monate zuvor
Antwortet  uesdW

„Der Kunde ist zufrieden, wenn er die frisch gebackenen Semmel erst um 10:30 bekommt, da der Bäcker erst um 9:00 anfängt.“

Von Bäckerei hast du ja richtig Kenne. Die Teiglinge lassen sich zu jeder Tages- und Nachtzeit herstellen und aufbacken. Wichtig ist ja nur das die fertige Backmischung rechtzeitig im Silop landet und der Wasseranschluss nicht gesperrt ist.

uesdW
3 Monate zuvor
Antwortet  dickebank

Ne, ich habe keine Ahnung von der Bäckerei.
Vermutlich die Bäcker, die ich kenne aber auch nicht, weil die immer Nachts anfangen, damit die Ware halt um 07:00 im Laden ist. Werde sie aber diesbezüglich informieren, daher Danke für den Hinweis.

Aber meine Aussage ging ja nur auf den zeitlichen Vorschlag von GT ein. D.h. ein bischen muß der Kunde dann schon auch zurückstecken.

Chapeau Claque
3 Monate zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Die fleißigen Handwerker beginnen lieber spätestens 7 Uhr um dann nach Arbeitsende 16 Uhr manch Nebenbeschäftigung pflegen zu können. Taube Nüsse allerdings möchten lieber ausschlafen.

Maggi
3 Monate zuvor
Antwortet  uesdW

Ausbildung bedeutet, dass der Betrieb den Azubi beim bestehen der Lehre helfen soll und ihn in der Lehrzeit ausbildet. Heute werden viele unbezahlte Praktika vorausgesetzt, kaum ein Azubi wird mit Firmeninterner Nachhilfe unterstützt, wenn die Noten schlecht sind. Mein Vater war Ausbilder in einem Unternehmen und hat sich bei Problemen der Azubis teilweise am Wochenende hingesetzt und sie unterrichtet. Das gibt es heute kaum noch – lieber setzt man die Azubis als billige Arbeitskraft ein und die Noten sind egal, wenn sie nicht bestehen umso besser, dann sind es ja nur Hilfsarbeiter, die so gut sind wie ein Geselle.
Das machen die Jugendlichen zu recht nicht mehr mit. Und flexibel Arbeitszeiten sind nicht möglich… Erinnert mich an die Aussage, dass HomeOffice nicht möglich ist, da die AN dann nichts arbeiten. Komisch, dass es doch geht, wenn man mal was ausprobiert.
Es gibt von Paul Mommertz den Spruch: Wer nie was riskiert, kann nie scheitern. Und nie gewinnen.

Passt irgendwie auf das Handwerk.

uesdW
3 Monate zuvor
Antwortet  Maggi

Punkt eins bin ich dabei, allerdings gehe ich davon aus, dass viele Betriebe nicht nur um der Ausbildung willen ausbilden, sondern auch, dass sie die Leute danach betreiblich einsetzen können.

Ich kenne Ausbilder in der Industrie, die sagen, dass sie heute Schüler zu Vorstellungsgesprächen einladen, die hätten sie früher nicht mal in Erwägung gezogen, weil die Bewerbungen zurück gegangen sind. Und die Erfahrungen, die sie dabei gemacht haben, von absoluten Desintresse bis zu den Streitgesprächen mit den Mamis, waren nicht immer hochbeglückend.

Die Ausbildung umfasst auch ein zeitliches Kontingent, dass der Auszubildende leisten muß. Eine flexiblie Arbitszeit bedeutet aber auch, daß die Ausbilder flexibel sind. Mag ja bei einem Azubi einfach sein, aber wenn es mehrere werden wirds schwierig.
Aber auch hier gibt es schon Gleitzeitmodelle.

Ja, der Azubi soll etwas lernen, ja der Azubi soll auch die Praxis kennen lernen (und dazu gehören halt nicht nur die coolen und hippen Dinge).
Das das nicht in allen Betrieben klappt ist leider auch nicht so. Dann sollten die Kammern halt auch reagieren. Setzt natürlich voraus, dass sie das mitbekommen.

Mom73
3 Monate zuvor

Ich denke auch, dass sich die Bedingungen in vielen Betrieben verbessern muss. Arbeitszeit und Vergütung!
Nach 31 Jahren Handwerk im Einzelhandel drehe ich ihm den Rücken zu. Eine Ausbildung kann ich nicht weiter empfehlen. Zu schlechte Arbeitszeiten bei geringer Bezahlung bei gleichzeitigem hohen
Anspruch der Fachkenntnisse.
Das 1.Mal in meinem Berufsleben kann ich irgendein Wochenende in ferner Zukunft planen, ohne auf die Zustimmung meines Arbeitgebers angewiesen zu sein. Was für ein Traum.

Ichnichtdu
3 Monate zuvor

Wie sagt man so schön, der Markt regelt das!

Bei einem Nachfrageüberhang steigt der Preis, die Nachfrage sinkt und das Angebot steigt, bis ein neuer Gleichgewichtszustand erreicht wird. Warum also das Gejammer? Unternehmer sollten das wissen, das nennt sich Wettbewerb, ist die Grundlage unsere Wirtschaftsordnung.

Ein Beispiel, Jugendliche haben keine Lust für 2 Euro über Mindestlohn für einer Schreinerei im Akkord Fenster, Türen und Parkett zu verlegen. Lieber gehen sie bei höherem Gehalt, leichterer Arbeit und ohne Ausbildung in die Industrie als Hilfskraft. Der Schreiner hat Personalmangel, kann nicht alle Aufträge annehmen, ihm entgeht somit Umsatz und Gewinn. Er erhöht das Gehalt und verbessert die Arbeitsbedingungen (4 Tage Woche, mehr Urlaub) hierfür erhöht er den Preis.

Das bewirkt drei Dinge.

  1. Er bekommt nun mehr Personal
  2. Der Markt wird nun für andere Anbieter interessant was das Angebot erhöht
  3. Der gestiegene Preis sorgt für einen Kostendruck beim Kunden der zu Rationalisierung führt. Die Kunden werden also die (Teil)Arbeiten selbst übernehmen oder weichen auf Produkte aus, die weniger Arbeitsintensiv sind. Fenster die, dank werkseitige Vorbereitung und Normgröße, in 10 Minuten montiert sind, eine Architektur bei der das Parkett nicht zugeschnitten werden muss. Das sorgt für geringere Arbeitskraftnachfrage und senkt die Kosten für den Kunden.

Jetzt haben wir einen neuen Gleichgewichtszustand zwischen Angebot und Nachfrage. Problem gelöst, gern geschehen!