Inklusion – gescheitert? „Zu wenige Lehrer, zu wenige Räume, zu wenige Schulbegleiter, viel Gegenwind“: Eine Mutter berichtet

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BERLIN. In der kommenden Woche muss die Bundesregierung ihre Inklusionspolitik vor den Vereinten Nationen rechtfertigen. Ein dafür erstelltes Gutachten des Deutschen Instituts für Menschenrechte kommt zu verheerenden Ergebnissen – insbesondere im Bereich Bildung hinke Deutschland weit hinter den Vorgaben der UN-Behindertenrechtskonvention hinterher (News4teachers berichtete). Was das konkret bedeutet, erzählt im Folgenden eine Mutter eines Kindes mit Behinderung. Sie spricht entnervt von „Nixklusion“.

„Es ist schlimm, welche Kraftanstrengungen und finanziellen Aufwendungen wir auf uns nehmen müssen, um das Recht unseres Kindes auf Bildung durchzusetzen.“ Illustration: Shutterstock

Ich habe mal aus der Perspektive einer Mutter aufgeschrieben, was Deutschland so tut, um Inklusion zu verhindern. Unser Sohn ist ein besonderes Kind. Hier ist unsere Geschichte:

Suche nach einem Kindergarten: Sehr schwierig. Der in der Nähe kann nicht genommen werden, da man keine besonderen Kinder möchte und auch keine Erfahrung damit hat. Ausserdem sind die Gruppen zu groß. Nach Rücksprache bei der Stadt auf eigene Faust auf die Suche gemacht.

Schwierig! Ein Kindergarten in der Nähe bietet uns einen Platz an, allerdings müsse das Kind dann täglich bis 16 Uhr bleiben. (Die „gesunden“ Kinder dürfen mittags abgeholt werden.) Auf die Frage nach einer Begründung heißt es: Die Sonderschule, auf die er ja dann gehen wird, wird auch bis 16 Uhr sein. Welche Sonderschule?

„Die besonderen Kinder durften nicht im Klassenraum bei den anderen sein, sie wurden separiert“

Endlich einen Regelkindergarten gefunden, der das Kind mit Einzelintegrativplatz
annimmt. Tägliche Fahrzeit von 2 x einer halben Stunde. Viel versprochen, was man alles an Therapien macht, die man auch bezahlt bekommt. Angeblich tolle Therapeuten, die in die Einrichtung kommen und viel Ahnung haben. Es geht um Ergotherapie zum Erlangen von vorschulischen Kompetenzen. Auch angeblich besondere zeitliche Zuwendung für unser Kind in Form von Einzelspielzeit mit einem Erzieher. Papier ist geduldig! Fast nie stattgefunden!

Suche nach einer Schule, die unser Kind nimmt. Wieder das Gefühl, als Bittsteller zu agieren. Es gibt viel zu wenige inklusive Plätze für besondere Kinder, schon gar nicht in der Nähe. Die Schulen in unserer Stadt haben jedenfalls keinen für uns, obwohl wir uns sehr früh gekümmert haben.

Also Privatschule, tägliche Fahrzeit von 2 x 30 Minuten. Monatliche Kosten von 150 Euro.
Große Freude, die nehmen ihn. „Die besonderen Kinder seien mittendrin und könnten so optimal profitieren. Jedes Kind könne nach eigenem Tempo lernen und das wäre überhaupt der beste Ansatz“. Das wurde draus: Die besonderen Kinder durften nicht im Klassenraum bei den anderen sein, sie wurden separiert. Allerdings ohne sich mit Lesen und Schreiben zu befassen. Im Foyer gab es jeweils einen Erwachsenen, der ihnen vorgelesen hat. Oder sie waren im Werkraum oder Aussengelände.

Und das Schlimmste: Unser Sohn wurde als geistig beeinträchtigt beurteilt, damit
die Schule mehr Gelder erhält. Wie wir hinterher erfahren haben, sind wir leider kein Einzelfall.

Nach jahrelangem Kampf mit Hilfe eines Anwalts den Förderschwerpunkt
„Geistige Entwicklung“ losgeworden. Nach einem Gespräch mit der Schule und der Rückmeldung, dass man für die besonderen Kinder bzw. deren Beschulung doch keine Kapazitäten hätte, haben wir nach einem Jahr die Reißleine gezogen und ihn von der Schule genommen. Er hatte bisher noch gar nichts an Kulturtechniken gelernt.

Also, selber gekümmert und begonnen, zuhause mit ihm lesen und schreiben zu üben. Nach einem Tipp der Ergotherapeutin ein tolles Programm gefunden, das man auch als Nicht-Lehrerin mit ihm machen kann. Und Bingo! Kind lernt lesen und schreiben und wächst über sich hinaus. Er ist stolz auf das, was er kann, wir bleiben dran! Und das tun wir bis heute. (Wenn ich mal zusammenrechnen würde, was wir an Lernmaterialien für unser Kind auf eigene Kosten gekauft haben, geht in die Tausende.)

Neue Schule muss her. Aufgrund seines Alters kann er nicht nochmal in eine
erste Klasse eingeschult werden, das Schuljahr ist außerdem vorbei. Was
bleibt? Sonderschule ist die einzige, die einen Platz hat. Die wollten wir nie, er ist
auch privat mittendrin, wir wollen keine Parallelwelt für unser Kind. (Von der
schlechten Perspektive mal ganz abgesehen.) Das richtige Leben zählt. Aber wir haben keine Chance.

Wir sind dann froh, dass er die Sonderschule nach der Grundschulzeit hinter sich lassen
kann. Wir haben einige Lehrer kennengelernt, die nervlich am Limit sind (oder weiter) und die Kinder oft defizitär beurteilen. Ich hätte nie gedacht, was unser Sohn angeblich alles nicht kann. (Grins) Braucht kein Mensch und ist für ein besonderes Kind, das um jede Form von Anerkennung noch mehr als andere kämpft, besonders schlimm. Auch die Verpflichtung (!), unser Kind täglich bis nachmittags dort zu lassen, finden wir unter aller Kanone. Abgesehen davon, dass es auch eine Benachteiligung zu gesunden Kindern darstellt.

Dann wieder Schulsuche. Wir versuchen nochmal inklusiv, weil wir sicher sind, dass es das Beste ist für unseren Sohn. Große Freude, wir haben einen Platz. Und dann: Ganz viel Frust und Kampf, es gibt definitiv zu wenige Lehrer, zu wenige Räume, zu wenige Schulbegleiter, viel Gegenwind.

Sogar an der Inklusiven Schule wird uns immer wieder das Märchen von der tollen Sonderschule erzählt und man empfiehlt uns einen Wechsel dorthin, weil man unserem Kind nicht gerecht werden könne.

„Unser Sohn hat ein Recht darauf, inklusiv beschult zu werden und daran halten wir fest“

Und das sogar zum ersten Mal, bevor man unser Kind überhaupt kennengelernt hat!
Das heißt, zuerst schickt man uns eine schriftliche Zusage, dass wir genommen werden an dieser Schule – und dann kurz vor den Sommerferien, bevor er dort starten soll, erhalten wir einen Anruf mit ganz vielen Argumenten, die dafür sprechen, doch die Sonderschule zu wählen und uns dringend „empfohlen“ wird, dorthin zu wechseln. Wir sind wie vor den Kopf geschlagen und haben einmal mehr das Gefühl, Bittsteller zu sein und dass man unser Kind nicht möchte. Das schmerzt sehr!

Zum Glück sind wir sehr gut vernetzt und erfahren von anderen Eltern, dass man ihnen das Gleiche gesagt hat. Auch erfahren wir, dass jedes Jahr zahlreiche Kinder diese Schule
Richtung Förderschule verlassen, weil die Eltern Angst um die Bildung ihrer Kinder haben. Unser Sohn hat ein Recht darauf, inklusiv beschult zu werden und daran halten wir fest.

Es ist schlimm, welche Kraftanstrengungen und finanziellen Aufwendungen wir auf uns nehmen müssen, um das Recht unseres Kindes auf Bildung durchzusetzen.

Ich habe noch nie in meinem Leben einen Anwalt gebraucht, seit unserer Sohn die Schule besucht, mussten wir vier Mal einen einschalten, um seine Rechte wahrzunehmen. Von den unzähligen Stunden, die wir mit Recherche und Telefonaten mit Ämtern und Beratungsstellen zugebracht haben, ganz zu schweigen. Sehr traurig und auch ärgerlich! News4teachers

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers heiß diskutiert.

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DerechteNorden
10 Monate zuvor

Also, in Schleswig-Holstein lebt diese Familie schon einmal nicht.
Seit wann muss man sich denn eine Schule suchen, die das Kind aufnimmt? Meine Schule kriegt die Förderkinder zugewiesen. In welchen Bundesländern ist das denn anders?

Egvina
10 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Ich wollte auch gerade nach dem BL fragen. In NRW wird der weiterführenden Schule auch zugewiesen und bei der GS ist diejenige Schule zuständig in deren Einzugsbereich das Kind wohnt.

MaBavaria
10 Monate zuvor
Antwortet  Egvina

In Bayern auch.
Da ist die Sprengel-GS zuständig und hat gefälligst einen Stuhl dazu zu stellen. Im Falle einer Schulbegleitung eben einen zweiten. Punkt!
Fördermaterial beschafft und/oder erstellt die Lehrkraft auf eigene Kosten, wenn sich an der Schule bzw. beim Sachaufwandsträger keiner zuständig fühlt. Einen extra Etat dafür gibt es meines Wissens nicht. Ob und wie man die Eltern daran finanziell beteiligen kann, ist und bleibt fraglich. Nach meinen Erfahrungen beschränkt sich die Kostenbeteiligung auf die Anschaffung entsprechender Arbeitshefte, da die anderen Kinder ihre ja auch selbst bezahlen müssen.
Falls ein Anwalt dies abschmettert, bin ich halt mal wieder in Vorleistung gegangen und bleibe auf den Kosten sitzen. Ich habe nämlich keinen Anwalt.

Ob an die weiterführenden Schulen wie RS und Gym eine verbindliche Zuweisung erfolgen kann, weiß ich nicht.
Ich habe nur erlebt, dass diese sich da schon gern einen schlanken Fuß machen und so lange herumeiern und abblocken, bis das Kind erstmal in die Sprengelmittelschule geht. DIE muss nämlich wieder aufnehmen und behalten. Unter den selben Bedingungen wie die GS, versteht sich.

GS in SH
10 Monate zuvor
Antwortet  Egvina

In unserem Kreis (SH) mit 250.000 Einwohnern gibt es 1 Förderzentrum mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung, auf das 144 Kinder gehen. Diese sind so stark eingeschränkt, dass sie auf Therapeuten UND auf Lehrer angewiesen sind.
Aber selbst dort werden die Grundschulkinder an der nahegelegenen Grundschule unterrichtet. Wo möglich nehmen sie am Regelunterricht teil, haben aber auch ihre eigenen Lerngruppen.

Was das „besondere Kind“ dieser Mutter ausmacht, lässt sich aus dem Text leider nicht entnehmen. Um zu unserem Förderzentrum zugelassen zu werden, muss ein Entwicklungsrückstand von mehreren Jahren diagnostiziert worden sein. Ein 6-jähriger muss also beispielsweise auf dem Entwicklungsstand eines 2-3 Jährigen sein. Eine Beschulung am FöZ ist teuer. Das liegt nicht nur daran, dass die Kinder per Fahrdienst dorthin gebracht werden müssen, sondern auch an dem großen Personal- und Raumbedarf. Kleinstgruppen, Therapieräume, medizinisches Personal (da viele SuS auch unter körperlichen/gesundheitlichen Einschränkungen leiden). Eine Zulassung wird deshalb genau geprüft. Können Eltern eine solche Diagnose nicht nachweisen, muss das Kind die Regelschule besuchen.
„Normale“ Förderschulen gibt es nicht mehr. Zumindest nicht als staatliche Schule. Es gibt allerdings eine private Förderschule.

Um einen I-Status zu bekommen, muss ein Grundschulkind übrigens mehrere Bedingungen erfüllen. Es muss 3 Jahre in der Eingangsphase verbracht haben (Klasse 1+2) und trotzdem versetzungsgefährdet sein und es muss an Förder-und Präventionsmaßnahmen teilgenommen haben. Nur wenn das gegeben ist, kann die Klassenkonferenz zusammen mit der Förderschullehrkraft, die das Kind ja kennt, eine Testung veranlassen. Diese wird übrigens NICHT von einer Lehrkraft der besuchten Schule durchgeführt, sondern von Außenstehenden! Es ist also nicht so, dass eine Lehrkraft das mal eben so, aus „Überforderung“, beschließen kann. Die Testung dauert mindestens 2 Tage. Dann werden schriftliche Gutachten der Lehrkräfte und ggf noch ein Gutachten des behandelnden Kinderarztes/Ergotherapeuten usw angefordert. Die Auswertung geschieht dann wieder von einer dritten Stelle.

Ab Klasse 3 besucht das Kind dann als I-Kind seine Schule weiter und hat Anspruch auf 2 Wochenstunden Förderung duch eine Sonderpädagogin, sowie eine Befreiung von der Notwendigkeit, die Lernziele der Klasse zu erreichen um versetzt zu werden.
Es erhält Noten in den Fächern, in denen es zielgleich beschult werden konnte (z.B. Sport, Musik, Kunst) und ein Textzeugnis mit der Dokumentation des persönlichen Lernfortschritts in den Fächern, in denen es nicht zielgleich unterrichtet wurde (z.B. Deutsch, Mathe).

Ein Kind ablehnen kann eine Grundschule nur, wenn die Klassen schon 28 Kinder haben UND das Kind nicht im Einzugsbereich der Schule wohnt. (In SH gibt es die freie Schulwahl, solange noch Platz ist) Ansonsten gilt: einen Stuhl dazu stellen. Dabei geht es auch nicht um „besondere“ Kinder, das gilt ganz allgemein.

Palim
10 Monate zuvor
Antwortet  GS in SH

Aber auch da scheint es während der Eingangsstufe dann nur die Förderung zu geben, die die Schule mit Stammpersonal (abzüglich Lehrkräftemangel) leisten kann.

Kanzler27
10 Monate zuvor
Antwortet  GS in SH

Die Regelung mit der 3-jährigen Eingangszeit gibt es in SH nicht mehr.Man darf das Verfahren auch früher einleiten.

Alex
10 Monate zuvor
Antwortet  Kanzler27

Das Elend besteht ja darin, dass sich mit dem „Schein“ gar nix ändert, das Kind sitzt in der Regelschule, die LK versucht, ihm (und den 28 anderen) irgendwie gerecht zu werden. Anspruch auf bestimmt Stunden mit SoPä gäbe es theoretisch, scheitert aber an mangelnden SoPä.

potschemutschka
10 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Also meine Berliner Grundschule hat bisher keine I-Schüler abgewiesen, obwohl die personellen, sächlichen und organisatorischen Möglichkeiten nicht ausreichend vorhanden waren. Die waren einfach da und wurden so gut wie möglich mit den vorhandenen Kapazitäten beschult. (Ich kenne auch keine andere Schule, wo das der Fall war.)

potschemutschka
10 Monate zuvor
Antwortet  potschemutschka

Ergänzung: Beim Übergang von GS zu weiterführenden Schulen werden die I-Schüler in Berlin zeitlich vor den Regelschülern „verteilt“, haben also evtl. einen kleinen! Vorteil auf die Wunschschule zu kommen.

Cami
10 Monate zuvor
Antwortet  potschemutschka

„wurden so gut wie möglich mit den vorhandenen Kapazitäten beschult.“ trifft vermutlich die Realität am besten.

potschemutschka
10 Monate zuvor
Antwortet  Cami

Genau so!

Küstenfuchs
10 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Das ist das Problem an dem ganzen Artikel. Ein einziger Fall hat nicht immer mehr als anekdotische Relevanz, auch wenn ich davon ausgehe, dass hier geschilderten Probleme ganz sicher aus Gründen mangelhafter Finanzierung gehäuft auftreten.

Küstenfuchs
10 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Ich schrieb ja schon, dass ich von einer Häufung ausgehe. Doch zeigt gerade dieses Einzelbeispiel, dass es in diesem speziellen Fall zusätzliche Probleme aufgrund der Schulsuche gab, die es in den meisten anderen Bundesländern so nicht gibt.

kazoo
10 Monate zuvor
Antwortet  Küstenfuchs

Interessant vor diesem Hintergrund wäre vielleicht auch eine Info darüber, was denn genau die „Besonderheit“ dieses Kindes ist.

DerechteNorden
10 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Sorry, aber das sind zwei Paar Schuhe. Natürlich wollen wir alle Inklusion gut verwirklicht sehen. Sie ist es nicht. Das hat aber doch in der Regel nichts mit der Abweisung der Kinder durch Regelschulen zu tun. Ich denke, die meisten unzufriedenen betroffenen Eltern sind wegen der Umsetzung an den Regelschulen unzufrieden, nicht weil sie keinen Platz für ihre Kinder finden.
Ich weiß auch von Eltern, die wollen, dass ihr Kind an eine bestimmte Schule gehen soll. Wenn das nicht klappt, sind sie ebenfalls unzufrieden.

Schade
10 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Das stimmt so nicht. Zumindest die Grundschulen sind verpflichtet, alle Kinder des jeweiligen Einzugsbereiches anzunehmen, unabhängig von Ressourcen und bereits vorhandenen I-Kindern. Gerade bei einzügigen Dorfschulen kann es da schon mal zu einer sehr extremen Häufung kommen.

TschinavonMauzen
10 Monate zuvor
Antwortet  Schade

Als jemand der in Ba-Wü in einer inklusiven Kita arbeitet ist es eben doch schwer, Kinder mit Behinderung an einer Regelschule unterzubringen. Denn in der Tat reißen sich die Regelschulen nicht gerade um diese Schüler, viel eher wird nach fadenscheinigen Gründen gesucht warum es nicht geht. Im letzten Kita – Jahr bewerben die Förderschullehrer oft selbst die Förderschule für das behinderte Kind, egal ob das Kind lediglich eine körperliche Behinderung hat oder weitere Einschränkungen vorliegen. Hast du einen Behindertenausweis gibt’s nichts besseres als die Förderschule. Das diese oft personell noch verheerender ausgestattet sind egal…es geht ums Geld. Und die Maschinerie muss laufen, denn nach der Schule bietet man dann ja Ausbildungszentren aka Werkstätten für Menschen mit Behinderung an. Wunsch – und Wahlrecht des Menschen mit Behinderung werden dabei bewusst ignoriert. Ach der junge interessiert sich für Tiere und das Gärtnern??? Jo aber die nächste Werkstatt bietet nur Papierverarbeitung…Pech gehabt. Der Heimplatz wird oft noch mitgeliefert.Man muss erstmal selbst in dieser ganzen Maschinerie arbeiten um zu verstehen, einmal im System immer im System. Je länger ich von dort weg bin, desto mehr glaube ich an Inklusion. Denn in der Behindertenhilfe gibt’s Selbstbestimmung für Menschen mit Behinderung nur selten, dafür fehlen die Strukturen. Zumindest ist es in Baden -Württemberg so.

Indra Rupp
10 Monate zuvor
Antwortet  TschinavonMauzen

Danke!

TschinavonMauzen
10 Monate zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Im Grunde lassen sich alle Argumente für Förderschulen auf eine Aussage reduzieren: die behinderten Menschen sollen unter sich bleiben, damit wir ungestört weiter machen können wie bisher. Ableismus ist unserer Gesellschaft tief verankert und gleichzeitig ein großes Tabu-Thema. Niemand möchte sich wirklich damit auseinandersetzen und keiner sich eingestehen, dass er Vorurteile in sich trägt. Stattdessen holt man Gutmenschen -Argumente hervor. Due Förderung in den Förderschulen ist ja so viel besser. Wie diese ominösen Förderangebote dann tatsächlich aussehen hängt vor allem von dem Personal ab. Mir ist klar, dass viele Lehrer demotiviert sind durch den Personalmangel und die schlechten Rahmenbedingungen. Ich sage auch nicht , dass Inklusion in Deutschland wie sie derzeit praktiziert wird gut läuft. Ganz und gar nicht. Mich stört an der ganzen Diskussion aber, das der schwarze Peter hier den Menschen mit Behinderung zugeschoben wird. Vorurteil Nummer 1: behinderte Kinder sind laut, impulsiv und schnell reizüberflutet.
Vorurteil Nummer 2: durch Kinder mit Behinderung sinkt das allgemeine Leistungsniveau in den Schulen.
Es gibt noch etliche weitere. Im Grunde sind es aber vor allem die Eigenschaften und Besonderheiten, der Menschen mit Behinderung, die die Inklusion unmöglich machen. Dieses Gedankengut, will man sich selbst nicht eingestehen und deshalb argumentiert man für das Kind ohne zu wissen was das Kind überhaupt will, es sei ja das Beste es gehe mit seinen besonderen Bedürfnissen auf eine Förderschule. Das die Förderschule oft eine Sackgasse ist und viele Menschen mit Behinderung später – dank Förderschul-Stigma beruflich auf der Strecke bleiben – egal. Soweit kommt’s ja gerade noch, dass die Behinderten uns die Jobs weggenommen und der Autismus -Anton, das Büro zerlegt, wenn er mal wieder reizüberflutet ist. Und wehe der Trisomie21-Tristan nimmt dem Hauptschul- Hannes den unterbezahlten Strassenkehrer-Job weg. Ja, ich werde gerade polemisch. Und ja ich sehe die ganzen Probleme der Inklusion und stelle mich ihnen. Inklusion bedeutet für mich einerseits aus jedem Kind das Beste rauszuholen. Aber auch die Gesellschaft diverser und bunter zu machen. Zu zeigen es gibt nicht nur diesen einen Lebensweg und ein Leben mit Behinderung ist genauso lebenswert und wertvoll, wie ein nichtbehindertes. Mir geht’s es darum, dass sich bisher getrennte Lebenswelten einander begegnen und das Behinderung nicht mehr als trauriges Schicksal angesehen wird. Vor allem aber geht es mir darum, das endlich eingesehen wird dass auch Menschen mit Behinderung ein Recht auf Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung haben. Das ist für mich die beste Förderung neben dem sozialen Miteinander. Und jetzt schließe ich mit den Worten des großartigen John Lenon“ you may say, i’m a dreamer, but i’m not the only one. I hope someday , you join us and the world will live as one.“

DerechteNorden
10 Monate zuvor
Antwortet  TschinavonMauzen

„die behinderten Menschen sollen unter sich bleiben, damit wir ungestört weiter machen können wie bisher. Ableismus ist unserer Gesellschaft tief verankert und gleichzeitig ein großes Tabu-Thema. Niemand möchte sich wirklich damit auseinandersetzen und keiner sich eingestehen, dass er Vorurteile in sich trägt. Stattdessen holt man Gutmenschen -Argumente hervor. Due Förderung in den Förderschulen ist ja so viel besser. Wie diese ominösen Förderangebote da“

Ganz offensichtlich haben Sie keinen der Beiträge hier gelesen.
Wir plädieren für den Erhalt von Förderschulen für Kids, die aufgrund ihrer Einschränkungen nicht an Regelschulen unterrichtet werden können.
Doch, die gibt es.
Uns hier Ableismus zu unterstellen, ist unverschämt.

Indra Rupp
10 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Tatsächlich ist es sehr bequem, sich nur an dieses 100% Inklusion-Thema zu krallen (welches nicht einmal Thema dieses Artikels ist) . Dann kommt man mit Extrem Beispielen und meint es angeblich nur gut, weil es doch nicht sein kann, dass das Kind im Koma inkludiert werden muss. Würde die 100%-Fraktion allerdings daraufhin einlenken, weil diese Einzelfälle natürlich was anderes sind, und solche Einzelfälle gibt es immer und zu jedem Thema, deswegen werden keine Grundsatzdiskussionen (!) geführt, dann würde sich allerdings herausstellen, dass die andere Seite nicht nur für Sonderregelung von einzelnen Extrem Beispielen ist, zB für Autisten, die per Attest nachweisen könnten, dass zu viel Kontakt zur Gesellschaft schlecht für sie ist (es wäre übrigens Teil der Inklusion, solche Eigenarten von Menschen, genau wie Hochsensibilität, mit einzubeziehen, zB durch ruhigere Umgebung, Ruheplätze auf dem Schulhof ect-dies hat nichts mit Exklusion zu tun und bedeutet auch nicht, daß für Hochsensible Exklusion gut wäre!), sondern auch für die Exklusion von gaaanz Vielen!
Hier liegt die Gefahr:
Beim Anti-100%-Inklusion – Thema werden Extrem Beispiele genannt um diese 100%-Inklusion ad absurdum zu führen.
Was die rechte Seite damit erreichen will, ist ein Gesetz, dass nicht 100%ig inkludiert werden muss (wegen dieser Extrem/Einzel Beispiele). Mit Hilfe dieses Gesetzes soll dann aber die Inklusion von sehr viel mehr Kindern erreicht werden, wie es aktuell auch noch der Fall ist. Diese kleine Stelle im Gesetz aufgrund von Einzel/Extrembeispielen öffnet Tür und Tor um Inklusionskinder zu diskriminieren. Jedes Mal, wenn Eltern dann dagegen angehen wollen, dass ihr Kind nicht an einer Regelschule genommen wurde, können sich Schulen (die aus Afd-geführten Ländern werden sofort damit beginnen) auf dieses Gesetz berufen, dass nicht JEDER genommen werden muss. Es ist dann Ermessensspielraum und Willkür unter Einbeziehung persönlicher Wünsche (zB Afd – Regierung, viele Afd-Wähler oder Konkurrenz unter den Schulen und deshalb die Hoffnung auf viele leistungsstarke Schüler, ect).

Cornelia
10 Monate zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Ja, wo soll man denn die Grenzen ziehen? Das Komakind nicht, das fitte Kind mit Trisomie schon, das Kind mit Trisomie und Autismus….?
Da erkennt man doch schon, was für ein heikler und komplizierter Prozess Inklusion ist. Und das soll in kurzer Zeit stattfinden? Für manche Projekte sind auch 10 Jahre viel zu wenig.
Streng genommen muss man schon sagen, wenn Inklusion, dann für alle. Sonst wäre es ja keine Inklusion. Und man erkennt schon: Inklusion braucht Zeit. Sie muss sorgfältig geplant werden, für jedes einzelne Kind. Sie braucht nicht nur viel mehr Ressourcen und bessere Rahmenbedingungen, sondern enorm viel Zeit. Deshalb ist eben für viele Schüler die Sonderschule vorläufig die bessere Schule. Wenn Eltern diese Wahl treffen, haben sie in der Regel einiges durchdacht und sind der Meinung, dass auf dieser Schule der Bildungsanspruch ihres Kindes- unter den derzeitigen Bedingungen – am besten umgesetzt wird.
Es geht nicht nur um Teilhabe, es geht auch um das Recht auf Bildung.
Mit Schonraum hin oder her hat das recht wenig zu tun. Mit dem Begriff kann ich wenig anfangen.

DerechteNorden
10 Monate zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Wie gesagt, am Besten, wir nehmen keinerlei Rücksicht auf Menschen mit Einschränkungen, denn einen Ermessensspielraum darf es ja nicht geben. So kann man Ihre Argumentation auch auslegen.

Bla
10 Monate zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Kommt eben drauf an, ob es vom Konzept her die 100 % treffen würde/soll.
Das ist natürlich die Prämisse dahinter. An manchen Stellen sieht es nämlich genau so aus – hier in den Beiträgen. Die Extremseiten ziehen nämliche „alle Seiten“ hier heran. Das ist nichts „Einseitiges“.
Aber man kommt sich doch schon mal näher, wenn man die Erkenntnis gewinnt, dass Inklusion an Regelschulen nicht für alle Kinder sinnvoll und möglich ist. Ein sinnvoller und durchführbarer Rahmen muss geschaffen werden.

Ein „alle inkludieren“ oder „keinen inkludieren“ ist grundlegend ein Problem. Eben weil man von beiden Seiten dann darauf beruhen kann und es ggf. eben nicht zum Kindeswohl beiträgt. Sondern auf ein Beharren auf die „Quote“ und der Umsetzung dieser Zahl/Gesetzesbedingung.

Bla
10 Monate zuvor
Antwortet  TschinavonMauzen

„Im Grunde lassen sich alle Argumente für Förderschulen auf eine Aussage reduzieren: die behinderten Menschen sollen unter sich bleiben, damit wir ungestört weiter machen können wie bisher. “

Also Förderschulen generell abschaffen?

„Ableismus ist unserer Gesellschaft tief verankert und gleichzeitig ein großes Tabu-Thema. Niemand möchte sich wirklich damit auseinandersetzen und keiner sich eingestehen, dass er Vorurteile in sich trägt.“

Auch Sie sind ein Teil der Gesellschaft. Und „Niemand“ im Falle von „keiner“ und im Bezug auf „alle“ inkludiert auch Sie. Aber gut. Ist Ihre Meinung.
Ableismus wäre, wenn man gezielt und gewillt behinderte Menschen ausgrenzen und angreifen (physisch/psychisch) möchte und schlimmstenfalls auch tatsächlich macht. Also eben behindertenfeinlich ist.
Das ist eine seeehr gewagte These, dass das auf die meisten Menschen in der Gesellschaft zutreffen würde.
Vielen ist es einfach nicht bewusst. Anderen ist es egal. Andere setzen sich dafür ein. Sehr sehr wenige setzen sich weder aktiv, noch gezielt passiv gegen behinderte Menschen ein.
[Wenn wir so denken würden, dann wäre bspw. auch jeder ein Kinderhasser, der sich billig Jeans holt. Jeder ein Tierhasse, der Fleisch ist. Jeder ein Rassist, der „schwarzer Peter“ verwendet …. Oh, warte mal … Tschina … Sind Sie ein Rassist? Sie haben zumindest „schwarzer Peter“ verwendet und das als negativen Begriff…. Sie sehen – das kann nicht das Maßstab von „Ableismus“ sein. Demnach wäre ich auch ein Frauenhasser, weil ich „jeder“ nicht gegendert habe.]

„Stattdessen holt man Gutmenschen -Argumente hervor. “

Meinen Sie jetzt damit die angeblichen „Pseudo-Argumente“ wie sie Indra unterstellt?
Oder doch die „wir Inkludieren ohne Rahmenbedingungen, weil das gehen muss“ Argumente. Also in Richtung „Macht ihr mal … Wird schon gehen. Weil ich es mir einfach so vorstelle und wünsche.“?

„Due Förderung in den Förderschulen ist ja so viel besser.“
An manchen Stellen ja, an manchen nein. Das ist vielen durchaus bewusst. Sollte man deutlich rauslesen können. Wie es schon gesagt ist … Ohne Rahmenbedingungen ist es grundlegend problematisch. Egal ob an der Förderschule oder an der Regelschule.

„Wie diese ominösen Förderangebote dann tatsächlich aussehen hängt vor allem von dem Personal ab. “
Das ist generell so. Von der Schule und vom Personal (Teil der Rahmenbedingungen). Glauben Sie ernsthaft, dass die Förderung zumindest an der Regelschule von Lehrkräften momentan so „easy peasy“ nebenbei läuft und laufen kann? Wenn es an manchen Stellen sogar an Förderschulen mit gezielt ausgebildeten Personal in dem Bereich und dem Wunsch mit (stark) behinderten Menschen zu arbeiten nur bedingt klappt? Dann ist das bestimmt ganz einfach so nebenbei machbar?

„Mir ist klar, dass viele Lehrer demotiviert sind durch den Personalmangel und die schlechten Rahmenbedingungen. Ich sage auch nicht , dass Inklusion in Deutschland wie sie derzeit praktiziert wird gut läuft. Ganz und gar nicht. “
Genau hier liegt allerdings das Problem. Teils sehr schlechte Rahmenbedingungen (generell UND im Bereich der Inklusion), Personalmangel, Materialien selbst erarbeiten oder kaufen, kaum multiprofessionelle Teams, Förderstunden werden schnell mal gestrichen an Regelschulen (Personalmangel, Krankheit, usw.), Besetzung von Förderstunden bei teilweise nicht dafür ausgebildeten Leuten, oft auch mal als Alibi-Pseudo-Förderstunden gemacht/“angeboten“, dazu dauerhafte Forderungen und Erwartungen von allen Seiten ohne Ausgleich und Förderung auf der anderen Seite …

„Mich stört an der ganzen Diskussion aber, das der schwarze Peter hier den Menschen mit Behinderung zugeschoben wird. “

Wo denn konkret? Es sind hier 139 Kommentare momentan (mit diesem). Zitieren Sie mal bitte 5 Stück, wo dies gemacht wird ohne zu differenzieren und massiv etwas hinein zu interpretieren. Wo wird konkret und direkt die Schuld auf Menschen mit Behinderungen geschoben?

„Vorurteil Nummer 1: behinderte Kinder sind laut, impulsiv und schnell reizüberflutet.“

Manche. Müssen auch nicht nur behinderte Kinder sein. Das ist auch bei einigen anderen Menschen so. Genau so habe ich es hier gelesen. Und auch nur exemplarisch. Nicht als „alle Behinderte“ sind so.
Nennen Sie bitte zwei Kommentare, wo das explizit gemacht wird. Wo schreibt jemand: „Alle behinderten Kinder schreien rum, schlagen andere und sind schnell überfordert mit der Umgebung.“
Bitte zwei Stück. Das würde mir reichen, damit die Aussage auch nur ansatzweise hier halt in der Diskussion hätte und man ernst nehmen könnte. Und bitte nicht auf Einzelbeispiele verweisen, ansonsten stimmt halt die Prämisse grundlegend nicht, dass es ein Vorurteil hier auf der Plattform der Schreibenden wäre.

„Vorurteil Nummer 2: durch Kinder mit Behinderung sinkt das allgemeine Leistungsniveau in den Schulen.“

Auch das ist einzelfallabhängig. Das hat auch keiner als „grundlegend geltend“ hier erwähnt? Hätte ich zumindest nirgends pauschal so rausgelesen. Natürlich gibt es die Aussage, dass an manchen Stellen andere Kinder (und auch das betroffene ggf.) unter aktuell schlecht gemachter Inklusion leiden. Wer das allerdings abspricht, der lebt in einer Parallelwelt und will mit der Realität auch nichts zu tun haben. Da kann das behinderte Kind nichts dafür. Rein gar nichts. Das obliegt den schlechten Rahmenbedingungen. Die kann und sollte man aber eben nicht absprechen bei der Thematik.

„Es gibt noch […] Ja, ich werde gerade polemisch.“
Stammtischgesülze über Stammtischgesülze. Schubladendenken – braucht man auch nicht näher eingehen. Unfug. Wurde hier auch an keinster Stelle so behandelt.
Davon als Auszug zusätzlich rausgenommen: „es sei ja das Beste es gehe mit seinen besonderen Bedürfnissen auf eine Förderschule. “
Das stimmt auch für einige I-Kinder. Eben nicht für alle. Auch das wurde mehrfach bereits erklärt und hier geschrieben.
Für manche ist es auch „Not“ oder „Elend“ momentan. Auch das gehört zur Realität bei den aktuellen Rahmenbedingungen.

„Und ja ich sehe die ganzen Probleme der Inklusion und stelle mich ihnen. Inklusion bedeutet für mich einerseits aus jedem Kind das Beste rauszuholen. Aber auch die Gesellschaft diverser und bunter zu machen. Zu zeigen es gibt nicht nur diesen einen Lebensweg und ein Leben mit Behinderung ist genauso lebenswert und wertvoll, wie ein nichtbehindertes. Mir geht’s es darum, dass sich bisher getrennte Lebenswelten einander begegnen und das Behinderung nicht mehr als trauriges Schicksal angesehen wird. “

Alle(n) Probleme(n)? [Sry rein rhetorische Frage]
Da wären wir wieder bei „Teilhabe“, „Integration“ und „Inklusion“. Was davon will man? Was davon trägt man? Was davon ist machbar? Was wird erwartet? Wie wird es durchgeführt? Welche Mittel/Ressourcen stehen zur Verfügung? Was fehlt jeweils? Wenn wir von Inklusion sprechen, sprechen wir von Rahmenbedingungen. Ansonsten ist das Pseudo-Inklusion. Oder wir nennen es „Teilhabe“, „Anwesenheit“, „Integration“ oder eben eine jeweilige Mischform – abhängig von den Gegebenheiten und der Umsetzung.
Mit dem individuellen Fördern … Momentan an vielen Stellen einfach nicht machbar. Bei Integration und Teilhabe. Ja. Klar.
Ob dann Behinderung nicht mehr als trauriges Schicksal gesehen wird…. Kann keiner vorhersagen. Vielleicht. Vielleicht nicht. Ist wohl auch sehr stark fallabhängig.

„Vor allem aber geht es mir darum, das endlich eingesehen wird dass auch Menschen mit Behinderung ein Recht auf Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung haben.“

Auch generell bei Entscheidungen? Also bspw. Vertragsabschlüssen? Rechtliche Betreuung bei Behinderung abschaffen?
Schulwahl – okay. Aber generell? Auch bei rechtlich fragwürdigen Entscheidungen bei stark kognitiver Einschränkung?

„Das ist für mich die beste Förderung neben dem sozialen Miteinander.“

Nur gibt es eben mehrere Menschen, welche Rechte haben. Gerecht werden kann man allerdings oft leider viel zu wenigen von ihnen.
Wenn ich mir ein Wunschkonzept vorstellen würde, dann wäre dort auch vieles gaaanz anders. Inklusive Bezahlung des Schulessens, gute und funktionierende Räumlichkeiten, genug Personal mit multiprofessionellen Teams (ausgebildete Experten in den jeweilige Bereichen), viel mehr Geld für Bildung und Förderung, sinnvolle Ganztagsangebote mit mehr Einbildung von Externen, Stellung von Standardmaterialien nach Lehrplan zur Orientierung und Verwendung, sinnvolle Inklusion, Zeit und Rahmen für Differenzierung, Binnendifferenzierung und Einzeldifferenzierung, Kinder – welche alle generell „Bock haben“, Eltern – welche alle generell Kooperativ sind und man zusammen arbeitet, weniger unnötige Bürokratie, besseres Ausbildungssystem (auch Wertigkeit dessen), besseres Lehrerimage, fairen Lohn (auch für angestellte Lehrkräfte), eine Gewerkschaft – welche den wirklichen Sinn und die Umsetzung von effektive Strikes mal macht … Usw. Usf. Die Liste ist lang.
Glauben Sie mir … Vieles würde auch deutlich der Förderung für Inklusion helfen.

„Und jetzt schließe ich mit den Worten des großartigen John Lenon“ you may say, i’m a dreamer, but i’m not the only one. I hope someday , you join us and the world will live as one.““

John Lennon.
Die Worte sind super. Aber momentan halt leider noch ein Wunschgedanke. Träumen können wir, aber in den Träumen uns verfangen bringt halt auch nichts. Die Realität holt einen schnell zurück. Das bemerken viele auch bei „Berufswunsch“ und „Praxisschock(s)“. Hoffnung sollte man immer haben. Aber nur mit genug „Ich wünsch es mir aber, dann wird es schon Realität“ wird es nicht klappen.

Paul
10 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Sind in Ihrer Begrifflichkeit „Gymnasien‘ inbegriffen oder genießen diese einen Sonderstatus bei der Aufnahme von Schülern mit geistigen Beeinträchtigungen? Wenn Sie hier lediglich die sogenannten ‚Resteschulen‘ in die Pflicht nehmen wollen, dann irritiert die Wortwahl “ Regelschulen“, weil unzureichend.

Palim
10 Monate zuvor
Antwortet  Paul

„Regelschulen“ ist ein umgangssprachlicher Begriff für die GHR-Schulen, samt Gymnasien, und steht in Abgrenzung zu „Förderschulen“ oder „Sonderschulen“.

Küstenfuchs
10 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Für „mein“ Bundesland Schleswig-Holstein gilt aber doch, dass Schulen Kinder mit Behinderungen nur in Ausnahmefällen ablehnen können. Nämlich dann, wenn ein Schulbesuch aus meist räumlichen oder teilweise auch anderen Gründen nicht verantwortbar wäre. (Und gemeint sind echte Gründe, nicht vorgeschobene). Autismus, geistige Behinderung, die meisten körperlichen Einschränkungen: All das ist kein Grund für eine Ablehnung.

Indra Rupp
10 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

So kann man es auch relativieren.

Blau
10 Monate zuvor
Antwortet  Küstenfuchs

Also wir nrw Schwerpunktschule haben 18 Plätze für I-Kinder und können bei Weitem nicht alle nehmen, die sich bewerben. Wenn die Regelschulplätze für I-Kinder voll sind, muss man woanders unterkommen

Alex
10 Monate zuvor
Antwortet  Blau

Ich arbeite an einer NRW-Grundschule . Dass es eine Platzbegrenzung für I-Kinder gäbe, wäre mir neu (möglicherweise ja bei weiterführenden Schulen). Wir müssen jeden aufnehmen, der im Einzugsgebiet wohnt, egal, ob mit oder ohne Förderbedarf. Lediglich Rollstuhlfahrer dürften wir ablehnen, da die Schule nicht barrierefrei ist. In Klasse 4 haben die I-Kinder dann sogar noch den Vorteil, dass ihre Plätze vergeben werden, bevor überhaupt das Verfahren für alle anderen startet. Da könnten sich die Eltern der Regelschulkinder durchaus auch benachteiligt fühlen.

Ken Haddorf
10 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

In Niedersachsen auch nicht. Hier können keine Kinder abgewiesen werden.

Indra Rupp
10 Monate zuvor
Antwortet  Ken Haddorf

Es wird trotzdem versucht! Man muss gut über seine Rechte Bescheid wissen und sich nicht unter kriegen lassen.
Die geballte Förderschulwerbung kann ich auch bestätigen, sowie die Überredungsversuche, sowie die Ansicht in der Förderschule, das Kind könne nichts, wie „Alle“ dort. Jetzt, Klasse 7,Regelschule,ist Ruhe im Karton. Kind ist in der Regelschule glücklich, hat Freunde, weiß was es kann und was es nicht kann ist auch nicht schlimm, man muss ja nicht alles können.
Schulleitung und KL haben ihre Ansicht geändert, die Regelschule war das Richtige.
Wer würde umgekehrt so ein Theater machen?

Maya
10 Monate zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Regelschule heißt welche Schulform genau? Gymnasium?

Indra Rupp
10 Monate zuvor
Antwortet  Maya

Oberschule in unserem Dorf. Sie ging dort zuvor auch zur GS, die dazu gehört. Wir hatten in der 5. ein halbes Jahr die Förderschule ausprobiert und die letzten 4 Monate darum gekämpft, dort wieder weg zu dürfen. Sie hatte nachts Albträume, ist weinend aufgewacht und wollte dort nicht mehr hin. Die Lehrer dort hatten das als „Schulangst“ erklärt, so als wäre das bei ihr immer so und hätte nichts mit dieser Förderschule zu tun. Und nur, weil sie zu Anfang verschlossener war, also schüchterner und sich dies nach ein paar Wochen besserte, redeten sie sich gleich das sogenannte „aufblühen“ ein, so als wäre sie zuvor in der GS nur verschlossen gewesen und dank der Förderschule nun zugänglicher, was auch völlig falsch war. Es wird sich also mit allen Mitteln eingeredet, dass die Förderschule das beste sei. Kein Wunder. Der Schule fehlen die Schüler und die Schließung droht. Mir wurde dann im Gespräch Angst vor den „bösen“ Oberschülern gemacht und erklärt, dass man zwar bei der ersten Entscheidung rechtlich freie Wahl hätte, ob man das Kind inklusiv beschult oder nicht – und jetzt kommt’s –

dieses Recht hätte man aber verwirkt, wenn man sich bereits für die Förderschule entschieden hätte!

Diese Aussage merke man sich einmal!!!

Auch gerne die Redaktion, wäre ein eigenes Thema wert!

Die neue Schulleiterin unserer GOBS, die meine Tochter kaum kennen gelernt hatte, schlug in die gleiche Kerbe und meinte, es wäre was anderes, ob ein Kind von der Grundschule zur Oberschule käme oder von der Förderschule! Das hatte mich damals fast sprachlos gemacht, da meine Tochter vier Jahre in der Grundschule war und wir nach zwei Monaten Förderschule bereits den Wechsel beantragt hatten. Kleinlaut wurden erst alle, als deutlich wurde, dass man mir nicht einfach was einreden kann. Ich sagte in die Runde :“Soll das heißen, wenn man sich für die Förderschule entscheidet, darf man dort nie wieder weg?“ – da haben dann alle weiche Knie gekriegt.
Jetzt, 2 Jahre später : Die Oberschüler sind gar nicht „böse“, denn sie haben seit der ersten Klasse gelernt auf I-Kinder Rücksicht zu nehmen. Sie können rau und grob sein, aber I-Kinder lassen sie damit genauso in Ruhe wie die „Kleinen“, die 5./6. Klässler. Aber wir sind auch ein Dorf, bei uns lernen zB Migranten auch noch Deutsch und wir haben weniger soziale Probleme. Wenn diese sozialen Probleme in der Gesellschaft, Ghettoisierung, falsche Politik ect da sind, dann müssen aber diese Probleme behoben werden und nicht die Inklusion.
Zuletzt hatte ich die Schulleiterin dann noch einmal darauf angesprochen, wie gut es meiner Tochter jetzt geht und dass das an der Förderschule nicht der Fall war. Da sagte sie interessanter Weise :

„Ja, wenn die zuvor auf der Grundschule waren, ist das meistens so, dass sie sich dann auf der Förderschule nicht wohl fühlen“…

Maya
10 Monate zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Sie sollten jedoch nicht die Gegebenheiten in einer Oberschule im idyllischen Dorf nicht mit denen einer Gesamtschule in einer Großstadt gleichsetzen. Hier kann ich nicht empfehlen, in jeder Schule das Experiment der grenzenlosen Inklusion zu wagen. Aber das wissen Sie sicher selbst.

Indra Rupp
10 Monate zuvor
Antwortet  Maya

Dann ist das Modell in der Großstadt das Problem, zB Ghettoisierung und „Resteschulen“ (die Wahl so eines Namens spricht für sich, beziehungsweise unsere Gesellschaft) und nicht die Inklusion und dann muss auch das und nicht die Inklusion Thema sein. Es gibt vieles, was in der Schule schlecht läuft, demnach dürfte für niemanden mehr Unterricht stattfinden.

Lera
10 Monate zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt.

Bla
10 Monate zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Ja, ist es. Definitiv. Das Problem von „Brennpunktschulen“ ist da. Ansonsten wären es keine „Brennpunktschulen“ [fragwürdiger Begriff …].
Natürlich gibt es viele Probleme. Das momentane „Inklusionskonzept“ ist unter den (Gesamt-)Rahmenbedingungen eines davon.
Da können I-Kinder rein gar nichts dafür. Sie sind eben wie sie sind. Die Eltern auch nicht. Die Lehrer auch nicht. Wir stellen nur einen kleinen Teil des Rahmens und „spielen“ innerhalb des kleinen und großen Rahmens allerdings.
Natürlich wäre Inklusion machbarer, wenn an anderen Stellen (zusätzlich) mehr gefördert werden würde. Das ist so. Und sei es nur kleinere Klassen. Multiprofessionelle Teams. Dort profitieren dann im Prinzip mal alle davon. Genauso wie barrierefreie Schulen. Das sollte ein Standard sein bzw. werden an Schulen.
Die Probleme muss man im Einzelnen und im Gesamten betrachten. Halt die Verknüpfungen/Einwirkungen aufeinander und zueinander auch.

Thema muss beides sein.
Es wird momentan doch ein „immer weniger leistbar“ und „immer mehr Fordern“. Genau das ist ein generelles Problem. Hohe Erwartungen (Fordern) auf der einen Seite und (zu) wenig Förderung auf der anderen Seite.
Jetzt kann man natürlich sagen: „Dann müssen also viele I-Kinder und deren Eltern das ausbaden?“
Und die ehrliche Antwort darauf wäre: Ja, mitunter. Das müssen AUCH diese mit ausbaden. Auch sie können für die oftmals schlechten Rahmenbedingungen rein gar nichts. So geht es eben uns Lehrkräften an vielen Stellen leider auch.

Mal als Gedankenspiel: Warum sollten „wir“ denn nicht inkludieren wollen, wenn es sehr gute Rahmenbedingungen dafür gäbe?
Weil wir alle ableistisch sind? Das ist doch quatsch. Ansonsten müsste man grundsätzlich die Kinder von den bösen Lehrkräften (an Regelschulen) fernhalten. Das wäre demnach schonmal als „Ausgangsszenarium“ total absurd. Auf der Basis wäre Inklusion tatsächlich nicht machbar – oder?
Viele Lehrkräfte sind mit der Inklusion momentan einfach überfordert. Das „Mehr“ geht nicht. Ja, auch an anderen Stellen sollte und muss man schrauben. Definitiv, da haben Sie recht. Das wird Ihnen kaum eine Lehrkraft hier nicht bestätigen.

Ginge es um das Thema „Schulsanierungen/Gebäude“, dann würde wohl auch kaum jemand von „gegen Inklusion“ argumentieren. Die Richtung wäre dann „Schulgebäude sanieren und neue erbauen“. Oder bestenfalls „Schulen barrierefrei machen, weil sonst Inklusion nur bedingt machbar ist“ (je nach Inklusionsfall natürlich).

Hier geht es um Inklusion als Thema. Daher behandeln wir das bitte auch als Inklusion. Die anderen Probleme kommen dazu. Sie lösen das Problem nicht, sie erleichtern es allerdings massiv – auch da haben Sie recht.
Aber das sind eben auch „die Rahmenbedingungen“ von welchen mitunter gesprochen wird. Als Gesamtes in dem Kontext. Nicht als Einzelnes.

Palim
10 Monate zuvor
Antwortet  Maya

„Regelschulen“ ist ein umgangssprachlicher Begriff für die GHR-Schulen, samt Gymnasien, und steht in Abgrenzung zu „Förderschulen“ oder „Sonderschulen“.

Palim
10 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

In NDS ist die Schule des Einzugsgebietes zuständig.
In der Grundschule ist die FöS Lernen abgeschafft, die Grundschulen sind für Bedarfe Lernen und ESE zuständig, für Sprache auch, auch wenn es regional noch Sprachheilklassen gibt mit erheblich besserer Förderung, denn in der Grundschule soll es nebenher laufen.
Auch Kinder mit anderen Unterstützungsbedarfen werden regelbeschult, aber als Schule Stunden und Hilfe zu bekommen, ist ein Kampf, egal ob es um Stunden von Förderschullehrkräften oder Schulbegleitungen geht. Selbst Beratung gibt es nur sporadisch.
Kümmern sich die Eltern nicht um Diagnosen, wird es noch schwieriger für alle Beteiligten.

Es ist nicht schön, Eltern wegzuschicken,
es ist auch nicht schön, Kinder zu beschulen, dafür aber viel zu wenig Unterstützung zu haben,
es ist nicht schön, unter Lehrkräftemangel zu arbeiten,
es ist nicht schön, mit Zügelungen räumlichen Kapazitäten zu arbeiten.

Schule könnte anders und weitaus schöner sein,
das würde vielen Sorgen nehmen, nicht nur hinsichtlich der Inklusion, die mit nennenswerter Ausstattung sicher besser liefe.

DerechteNorden
10 Monate zuvor

Zweiter Kommentar …
Ich frage mich, ob hier eigentlich auch verantwortliche Politiker*innen mitlesen, denn an die richtet sich dieser Brief ja eigentlich.

Indra Rupp
10 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Dann hätte ich noch ’n paar Briefe mehr…

Indra Rupp
10 Monate zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Habe ich mal gemacht, als ich elf war. Da ging es aber um Tier Transporte. Habe Unterschriften in meiner ganzen Schule gesammelt, sogar von Lehrern bekommen. Vier Monate später kam ein seitenlanges Geschwafel vom Sekretär des Bundespräsidenten. Habe es irgendwann entsorgt. Schade im Nachhinein.

Mariechen
10 Monate zuvor

‚Wir haben einige Lehrer kennengelernt, die Limit sind… und Kinder oft defizitär beurteilen.‘
Genau das ist das Problem. Unser Blickwinkel ist ein anderer und systembedingt. Wir können diesen besonderen Kindern (alle Kinder sind besonders) nicht gerecht werden. Der Artikel spricht mich als L. nicht an. Die Politik muss sich angesprochen fühlen.

Einfach nur ich
10 Monate zuvor

Ich frage mich wirklich, ob den Schulleitungen, die so agieren, klar ist, was das mit den Kindern und Eltern macht? Leider sind das keine Einzelfälle.

Ich bin selbst Mutter eines Kindes mit Behinderung und Lehrerin. In der Grundschule lief die Inklusion meines Kindes wirklich gut. Die Lehrer haben ihr Möglichstes getan, obwohl es für alle Beteiligten herausfordernd war. Der Wechsel zur weiterführenden Schule hätte nicht schimmer laufen können: Die Information über die Behinderung meines Kindes stand zwar in der Akte, aber niemand der unterrichtenden Lehrer wusste davon, als ich durch Zufall die Diagnose erwähnte, waren alle ganz erstaunt. Plötzlich musste ich mein Kind mehrfach früher von der Schule holen, Redebedarf bestand von Seiten der Schule nicht. Auf meine Bitte nach einem Gespräch, bekam ich einen Anruf der Schulleitung, dass ich mein Kind besser auf einer Förderschule anmelden sollte.
Bei der Schulanmeldung hieß es noch: Wir haben Erfahrung! Jetzt soll mein Kind weg, weil es wie angekündigt, hin und wieder eine besondere Betreuung benötigt.

Georg
10 Monate zuvor
Antwortet  Einfach nur ich

Haben Sie diese besondere Betreuung beantragt?
Ist diese besondere Betreuung personell und logistisch im dafür nicht ausgelegten Großbetrieb weiterführende Schule leistbar?
Was ist „hin und wieder“? Nach meiner Definition ist alle zwei Wochen schon an der Grenze zu ziemlich oft.

kazoo
10 Monate zuvor
Antwortet  Georg

Und auch hier wieder die Frage: Welcher Art ist diese „besondere Betreuung“?

Wirft dieses Kind im Falle einer wie auch immer gearteten Überforderung mit Stühlen, Gegenständen,… oder schlägt es wild um sich oder läuft es weg oder müssen Windeln gewechselt werden oder ist ständig mit medizinischen Notfällen und einer (für Laien immer kritisch zu sehenden) entsprechenden Medikation zu rechnen?

Einfach nur ich
10 Monate zuvor
Antwortet  kazoo

Nein, das alles ist nicht der Fall. Unübersichtliche soziale Situationen wie die Pause können mein Kind überfordern. Also nichts, was man als Lehrer nicht auch von überforderten „normalen“ Kindern kennt.

Lera
10 Monate zuvor
Antwortet  Einfach nur ich

Pause ist zum Glück ja nur hin und wieder.

Toom
8 Monate zuvor
Antwortet  kazoo

Ich hatte einen Lehrer, der trat bei Überforderung Stühle durch die Gegend. Dann gab es für ihn mal wieder ein paar Wochen Krankenschein. Naja, er ist bestimmt schon tot. Er wäre mit Inklusion sicher auch sehr überfordert. Viele Dinge haben ihn sehr aufgeregt – Sie wissen schon, alle doof, außer er.

Marylou
10 Monate zuvor
Antwortet  Einfach nur ich

Wenn Sie selbst Lehrerin sind dann wundert es mich sehr, dass Sie nicht von sich aus auf die neue Schule und vor allem auf die neuen Klassenlehrer zugegangen sind bevor Sie ihr Kind kennenlernen und Sie nicht selbst über die besonderen Bedarfe informiert haben. Wenn Sie Lehrerin sind und Ihr Kind spezielle Begleitung benötigt dann wissen Sie doch selbst genau, wie lang die Beantragung, Bewilligung und personelle Ausstattung von zusätzlicher Betreuung dauern kann. Ich verstehe nicht worüber Sie sich aufregen da gerade Sie als Lehrerin doch das System gut genug kennen müssten um zu wissen das man als Elternteil genau in solchen Situationen aktiv werden muss und informieren muss…

Einfach nur ich
10 Monate zuvor
Antwortet  Marylou

Da genau diese Gespräche alle vorher von unserer Seite gewünscht und angeboten wurden, da uns versichert wurde, man hätte bereits Erfahrungen und Konzepte, haben wir uns als Eltern tatsächlich darauf verlassen, dass dies den Tatsachen entspricht. Ich unterrichte selbst an einer Schule, die seit vielen Jahren erfolgreich inklusiv mit zielgleichen und zieldifferenten arbeitet. Daher war ich wirklich davon überzeugt, dass auch diese Schule das hält, was sie uns Eltern versprochen hat. Begleitung benötigt mein Kind in unübersichtlichen sozialen Situationen wie den Pausen. Hier wurden uns individuelle Lösungen versprochen und leider nicht gehalten.

Hier sollte es aber eigentlich nicht darum gehen, warum Kinder mit Behinderung nicht ins System oassen. Hier sollte es darum gehen, dass Inklusion in Deutschland leider immer noch sehr stiefkindlich behandelt wird. Aber die Kinder können nichts für ihre Behinderung, sie können nichts dafür, dass das Schulsystem in Deutschland nur für Normkinder funktioniert. Sie haben aber das gleiche Recht wie alle anderen Kinder auch, ihr volles Potential zu entfalten. Das können einige Kinder tatsächlich auf der Förderschule am besten, aber andere Kinder können das auf einer Regelschule.

Cuibono
10 Monate zuvor
Antwortet  Einfach nur ich

Wenn Sie Lehrerin an einer öffentlichen Schule in Deutschland sind, dann müssten Sie die derzeitigen Zustände an den Schulen kennen.
Außer an bestimmten Privatschulen sehe ich zur Zeit überhaupt kein Kind, dass seine Potentiale voll entfalten kann.
Wo leben Sie denn?

Indra Rupp
10 Monate zuvor

Das ewige „Stuhl dazu“ hier nervt, Leute! Jedes Kind braucht einen Stuhl, aber beim behinderten Kind ist es der Stuhl „dazu“? Allein das spricht schon für sich, nämlich dass das Recht von vornherein nicht als selbstverständlich betrachtet wird.

DerechteNorden
10 Monate zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Nur weil es Ihnen nichts ausmacht, dass gerade Kids mit Einschränkungen besonders leiden müssen, wenn sie „einfach nur dazu gepackt werden“, heißt das nicht, dass es richtig und sinnvoll ist.

Indra Rupp
10 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Gutmenschendeckmäntelchen!
Können ja ’n paar Regelschüler gehen und schon wird‘ s für die I-Kinder schöner. ^^

DerechteNorden
10 Monate zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Mit Ihrer Argumentation könnten Sie eigentlich gleich dafür plädieren, dass man auf Menschen mit Einschränkungen gar keine Rücksicht nimmt. Das hieße, wir würden auch keine Barrierefreiheit brauchen, denn alle Menschen müssten mit widrigen Umständen alleine klarkommen. Das scheint ja Ihre Sichtweise bezüglich Inklusion zu sein.

Indra Rupp
10 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Bezeichnen Sie Ausschluß doch bitte nicht immer als „Rücksicht“, das ist eine rechte Masche!

DerechteNorden
10 Monate zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Ihre Logik verstehe ich leider nicht. Muss ich aber zum Glück auch nicht.

Indra Rupp
10 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Finn’s gibt es zum Beispiel sehr viele…

Schade
10 Monate zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Der „Stuhl dazu“ ist keine Lehrer-, sondern einr Politiker- Erfindung. In Niedersachsen sind dir „Ressourcen“ so geregelt: für jede Grundschulklasse stehen pro Woche zwei Förderstunden zur Verfügung (falls es ausreichend Förderlehrer gibt natürlich). Dies ist völlig unabhängig davon ob und wie viele Kinder mit Förderbedarf es gibt.

Bla
10 Monate zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Bei einigen behinderten Kindern. Nicht bei allen. Eben genau dort, wo die Rahmenbedingungen nicht gegeben sind.
Ist nicht nur bei behinderten SuS so, sondern den Stuhl dazu gab es auch 2015 schon. Dort waren ebenfalls keine Rahmenbedingungen vorhanden – sind es immernoch nicht wirklich. SuS, welche kein Deutsch verstehen haben eben manchen Stellen massive Nachteile und „sitzen“ rum.

Anik
10 Monate zuvor

Als Klassenlehrerin im Bereich der Inklusion hätte ich einfach furchtbar gern den Namen des tollen Lernmaterials zum Lesen- und Schreibenlernen. Liebe Grüße

Marie
10 Monate zuvor
Antwortet  Anik

Ich tippe mal auf IntraAct. Damit arbeitet unsere SoPä.

potschemutschka
10 Monate zuvor
Antwortet  Marie

„IntraActPlus“von Jansen/Streit/Fuchs kann ich auch sehr empfehlen – interessant finde ich auch die lernpsychologischen Erklärungen am Anfang, z. B. „Lernwege, die gegen die Gesetzmäßigkeiten der Automatisierung verstoßen“ – diese Gesetzmäßigkeiten kann ich nach 40 Dienstjahren als Sonderschullehrer nur bestätigen, aber leider verstoßen viele der neueren Lernmaterialien genau gegen diese. Vielleicht auch ein Grund für die immer schlechteren Lese- und Schreibleistungen der letzten Schülergenerationen?

Lera
10 Monate zuvor
Antwortet  potschemutschka

Ja.

IntraAct ist übrigens evidenzbasiertes Material. Einfache Dinge immer wieder üben, keine Reizüberflutung – das Gegenprogramm zu den üblichen „kompetenzorientierten“ Arbeitsheften.

Clipperstorch
10 Monate zuvor
Antwortet  Anik

Mit IntraAct habe ich ebenfalls schon gearbeitet und wirklich gute Erfahrungen gemacht!

Anik
10 Monate zuvor

Und ja, wir werden unseren Schülern nicht mehr gerecht. Als ich als Klassenleitung einer integrativen Klasse begonnen habe, hatten wir 22 Schüler in der Klassen, darunter 5 integrative. Heute hat meine inklusive Klasse 27 Schüler, darunter 7 inklusive Schüler. Parallel hat sich die Anzahl der sonderpädagogischen Förderstunden halbiert. Und ebenfalls ja, an der weiterführende Schule wird wirklich gute Inklusion schwerer, weil eben auch die Schere weiter auseinandergeht. Inklusion macht eben nur Sinn, wenn die Kinder ihren Bedürfnissen entsprechend gefördert und nicht einfach nur verwahrt werden. Zudem ist es frustrierend, sich immer wieder am unteren Ende der Klasse wahrzunehmen. Meine inklusive Schüler sind wunderbar in den Klassenverband integriert, aber auch das ist nicht immer selbstverständlich und bei Teenagern auch schwieriger zu erreichen als bei Grundschulkindern. Uns fehlen Sonderpädagogen, generell Lehrer, räumliche Möglichkeiten, Integrationshelfer, Material – wir verwalten ein Defizit und fördern alle Kinder nicht so, wie wir es uns wünschen würden. Ich würde mir trotzdem wünschen, dass man Förderschulen nicht so negativ betrachten würde. Manchmal können die echt mehr als wir an den Regelschulen. Nicht für jedes Kind ist der inklusive Platz der richtige.

Freiya
10 Monate zuvor
Antwortet  Anik

Ja. Man muss es individuell betrachten und individuelle Lösungen finden.

Blau
10 Monate zuvor
Antwortet  Anik

Für manche sind kleinere Lerngruppen besser, das kann die Realschule nucht bieten

Tim Bullerbü
10 Monate zuvor
Antwortet  Anik

Ich würde 10 Grüne Daumen klicken, wenn ich könnte.

Angelika Mauel
10 Monate zuvor

„Ein Kindergarten in der Nähe bietet uns einen Platz an, allerdings müsse das Kind dann täglich bis 16 Uhr bleiben. (Die „gesunden“ Kinder dürfen mittags abgeholt werden.) Auf die Frage nach einer Begründung heißt es: Die Sonderschule, auf die er ja dann gehen wird, wird auch bis 16 Uhr sein. Welche Sonderschule?“

In diesem Stil habe ich auch schon Krippenerzieherinnen erlebt, die von den Kindern am Mittagstisch ein längeres Sitzenbleiben erwartet haben, da diese Kinder ja später in der Schule und im Arbeitsleben auch viel mehr sitzen würden. So werden Rechte der Kinder und der Eltern ignoriert!

Woran liegt es, dass sowohl in Krippen (!!!) und Kitas, aber auch in der OGS immer noch gesagt wird, Kinder müssten bis auf wichtige Termine für die gebuchte Betreuungszeit gebracht werden? Eltern bekommen meist andere Gründe genannt als die Autorin des Beitrags. Solange es keine Kindergartenpflicht gibt, haben Eltern das Recht ihr Kind selbstverständliuch früher abzuholen. Sie müssen es nicht an einem Ausflug teilnehmen lassen, wenn sie es nicht möchten, zum Beispiel. weil sie finden, dass an einem Ausflug mehr Betreuer teilnehmen müssten. Absprachen sind natürlich sinnvoll, denn es ist nicht günstig, wenn ein Kleinkind im Schlafraum geweckt werden müsste.

Als der forcierte Betreuungsplatzausbau im vollen Gange war und die Erzieherinnen (in NRW) aufgefordert wurden, aufzuschreiben, wann Kinder gebracht und abgeholt werden, meinten manchmal Fachkräfte, Eltern seien verpflichtet, die gebuchte frühkindliche Bildung auch ihrem Kind in vollem Umfang zukommen zu lassen. Ansonsten könne ja ein anderes Kind den 45-Stunden-Platz bekommen. (Bei uns im Kindergarten waren Eltern erleichtert, als sie erfuhren, dass sie selbstverständlich ihr Kind früher abholen können und dass wir es sogar gut finden, wenn sie dies einrichten können.)

Ausgerechnet bei einem Kind mit Behinderung so rigide vorgehen zu wollen, wie die Autorin es geschildert hat, ist nicht korrekt. Erstens kannten die Fachkräfte den Jungen zunächst noch nicht. Und wenn man ein Kind kennt und begründen kann, warum man es gut fände, wenn das Kind länger in der Einrichtung bleibt, dann kann man die Eltern bitten, im Interesse ihres Kindes die Abholzeit mehr nach hinten zu verschieben.

Marie
10 Monate zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Sie müssen es nicht an einem Ausflug teilnehmen lassen, wenn sie es nicht möchten.“ Hm, behalten die dann das Kind an dem Tag zu Hause? Oder wird erwartet, dass 1 Betreuer für dieses eine Kind in der KiTa bleibt?

Angelika Mauel
10 Monate zuvor
Antwortet  Marie

Da es leider immer wieder mal vorkommt, dass einzelne Eltern vergessen, dass ein Ausflug stattfindet, werden Kinder, die zu spät gebracht werden, dann in einer Nachbargruppe betreut. Ebenso Kinder, deren Eltern kein Einverständnis für einen Ausflug erteilt haben. Letzteres kommt aber wirklich selten vor.

Es wird nicht erwartet, dass ein Betreuer wegen des Kindes in der Einrichtung bleibt. Ich wohne in einer traditionell krppenarmen Gegend. Hier haben noch einige Eltern ein soziales Netz, wenn es darum geht, dass ein Kind mal außer der Reihe daheim betreut werden soll.

Indra Rupp
10 Monate zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Die langen Uhrzeiten waren für mich auch ein Argument gegen Förderschulen/Kitas. Grundsätzlich gehen solche Einrichtungen bis Nachmittags.

Angelika Mauel
10 Monate zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Das kann ich gut verstehen. Früher hatten bei uns die Förderschulen nicht so lange geöffnet wie heute und ich staune, wie positiv sie sich auf den Lebenslauf der ersten „hyperaktiven Kinder“ ausgewirkt haben. Qualifizierte Berufsabschlüsse bis hin zum Meister wurden nach einem Verbleib auf der Förderschule für Lernbehinderte erreicht. Und so wie in Heimen die Jugendlichen nicht mehr zum Beginn der Volljährigkeit vor die Tür gesetzt wurden, sondern noch etwas länger im Heim wohnen bleiben durften, so konnten die Förderschüler (damals noch „Sonderschüler“ genannt) auch auf der Förderschule bleiben und mussten nicht zur Regelschule wechseln, obwohl die Lehrkräfte zur Überzeugung gelangt waren, dass der Schüler von seinem Entwicklungsstand und seiner Leistungsfähigkeit durchaus auf der Regelschule gut unterrichtet werden könne. – Von „Partizipation“ der Kinder war damals noch nicht groß die Rede, aber dennoch zählte sie und es war nicht eine Frage der Finanzierbarkeit wie heute. Obwohl oder weil die Schüler von der Diskriminierung als „Sonderschüler“ wussten, haben sich einige dazu entschieden, auf „ihrer Schule“ bei den vertrauten Mitschülern und Lehrern zu bleiben.

Um auf ihre Schüler gut eingehen zu können, mussten und müssen Förderschullehrer vermutlich immer noch besonders flexibel sein. Diese Notwendigkeit und ein Talent zum selbstständig entscheiden, dürften dem Schulalltag und den Schülern gutgetan haben. Hinzu kommt, dass man es im Rheinland sowieso nicht immer so wahrsonnig genau nimmt und auch schon mal „Fünfe gerade sein lassen kann“.

Indra Rupp
10 Monate zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Ja, ich bin auch nicht Teil der Gesellschaft und habe deshalb beschlossen, mich zu isolieren und spiele Zuhause mit Reborn Babys in meiner eigenen Welt. Komisch…. Da sagen Pädagogen bei Nicht-behinderten immer, das wäre gar nicht gut….

ginny92
10 Monate zuvor

Ich sitze bei solchen Geschichten immer zwischen den Stühlen, denn ich kenne die Regelschule von heute und die Förderschule von heute.
Mein Fazit des ganzen keiner der Beteiligten ist so glücklich. Es fehlt einfach an allem.

Angelika Mauel
10 Monate zuvor
Antwortet  ginny92

Mir tut es leid, dass die Förderschulen in meinem Umkreis mittlerweile nicht mehr so gut dastehen wie früher. Da kam es vor, dass Schüler, die auf die Regelschule zurück gekommt hätten, dies aber für sich nicht wollten, noch auf der Förderschule bleiben konnten. Das waren dann die Spätentwickler, die später dank eines durchlässigen Schulsystems noch eine Ausbildung im Handwerk geschafft haben. Ich weiß vob zwei Männern, die sogar den Meister geschafft haben.

Heute ist es kaum möglich, dass ein Schüler ohne festgestellten Förderbedarf noch freiwillig auf der Schule bleibt, an die er sich gewöhnt hat und die er nicht vor dem Ende der Schulzeit verlassen möchte.

Gerade weil es in allen Schulformen einiges zu beanstanden gibt, ist es wichtig, für Wahlmöglichkeiten zu sorgen. Diejenigen, die es als stigmatisierend empfinden, auf einer Förderschule zu sein, sollten unbedingt die Chance nutzen können, auf einer Regelschule zu lernen.

TschinavonMauzen
10 Monate zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Danke, hier hat jemand verstanden worum es bei Inklusion wirklich geht. Der Mensch bzw. Schüler selbst sollte entscheiden dürfen, was das Beste für ihn ist.

Bla
10 Monate zuvor
Antwortet  TschinavonMauzen

Ja, allerdings muss der Mensch bzw. Schüler dann eben auch mit möglichen Konsequenzen (rechnen und) leben.
Dann kann man unter momentanen Rahmenbedingungen ggf. nicht auf das Kind eingehen. Je nachdem findet dann eben mehr Integration – als Inklusion – statt. Wie jetzt eben auch.
Ist auch okay als Ansatz. Kann man gut vertreten die Meinung. Zur wirklichen Inklusion wird es mit den (eigentlich dazugehörigen) Rahmenbedingungen dann (erst). Oder eben nicht. Dann allerdings das bitte transparent gestalten und auch so kommunizieren, sowie „fordern“ (Erwartungshaltung genau an dem orientieren).
Dann spricht man von „Integration in das Regelschulsystem“ und bei Rahmenbedingungen von „Inklusion“. Wobei Integration als Basis steht („Teilhabe“) und Inklusion als sinnvolles Ziel/erstrebenswert. Wie bei vielen anderen Dingen auch im Schulalltag.

Schulbegleiter
10 Monate zuvor

Ich arbeite als Schulbegleiter in NRW und musste mit erschrecken feststellen, der Gedanke der Inklusion ist zwar nett, aber schlecht umgesetzt. Da ich verschiedene Schulen von innen gesehen hatte und eins meiner Kinder auch auf einer Förderschule war, möchte ich doch ein wenig davon erzählen. 
 
Als Vater eines Kindes was einen AOSF hat und als Schulbegleiter der an verschiedenen Schulen tätig war, bin ich auch etwas erschrocken über manche Kommentare aus der Umwelt. Es gibt Kinder und Jugendliche, die nicht an einer Regelschule beschult werden können, selbst mit Unterstützung einer/eines Schulbegleiter/in nicht. Denn jedes Kind ist ein individuelles Wesen, egal ob es ein Förderbedarf hat oder nicht. Als ich in NRW den Artikel von der Tagesschau gelesen hatte, in NRW die Förderschulen abzuschaffen, wurde es mir komisch in meiner Magengegend. 
 
Die Förderschule fördern Schülerinnen und Schüler in ihrem schwächen und fordert sie in ihrem Stärken, dies gilt z.B bei Förderschulen für körperlich und geistige Behinderungen, genau so wie für sozial emotionale Störungen. In der Förderschule wo ich tätig war, gab es Kinder aller Arten. 
Von Trisumi 21, über ADHS, Autismus bis hin zu Rolli Kindern die nicht am normalen Gesellschaftlichen Leben ohne Unterstützung teilnehmen konnten. Als Schulbegleiter passt man nicht nur auf Kinder auf, nein man muss auch ordentlich einstecken können. Die Gefahr bei manchen Kinder und Jugendlichen, der Fremd-und Eigengefährdung spielt da mit eine Rolle. In meiner Laufbahn wurde ich schon geschlagen, getreten, gebissen, gekratzt, gekniffen, bespuckt usw.
 
Der Unterschied zwischen Förderschulen und Regelschulen sind vor allem, die kleineren Klassen, dort sind oft 2 Lehrer gleichzeitig mit Schulbegleiter/innen in einem Raum. Es wird auf die Individualität der Kinder und Jugendlichen geachtet, was an Regelschulen oft nicht der Fall ist. Es gibt Kinder und Jugendlichen mit Autismus, die Reize aus ihrer Umwelt, heftiger empfinden als normale Kinder und Jugendliche. 
 
Was mein ich damit? Jeder sollte wissen das unser Unterbewusstsein ca.11 Millionen Sinneseindrücke pro Sekunde aufnimmt, die wichtigsten werden im Normalfall gefiltert. Doch gibt es Kinder und Jugendliche wo der Filter nicht so gut funktioniert, dass heißt ab einem gewissen Punkt leiden diese Kinder und Jugendlichen an Reizüberflutung. Oft ist Kampf oder Flucht die Folge, wo manchmal Tische und Stühle das fliegen lernen, Mitschülerinnen und Mitschüler angegriffen werden und dann die Flucht aus der Klasse angetreten wird. 
Alles das bewältigen an Regelschulen oft nur eine Lehrerin oder Lehrer und die Begleitung der Kinder und Jugendlichen. In den letzten Jahren dürfte ich Kinder und Jugendliche mit genau diesen Problemen in Klassen begleiten, die nie unter 28 Personen waren. 
 
Nun möchte ich zum Punkt kommen, warum viele nicht den Beruf der/des Schulbegleiter/in ausüben, um es plump zu sagen, wegen dem Gehalt. Manche Träger rechnen in Budgets, wo ein Teil des Jahresgehalts mit eingerechnet wird. Leider ist es bei einigen Trägern so, das somit nicht mal der Mindestlohn erreicht wird. Andere Träger bezahlen schon zwischen 12-15 Euro die Stunde, nur oft unter bestimmten Vorraussetzungen. Es gibt nämlich ein Problem beim Beruf des Schulbegleiters, solange man ein einwandfreies erweitertes polizeiliches Führungszeugnis hat, kann jeder diesen Beruf ausüben, egal ob man dafür geeignet ist oder nicht.
 
Ich möchte auch erwähnen, wie oft ich mit Lehrkräften spreche, die nicht mehr wissen wie sie den Lehrplan einhalten sollen, um eine Lehrkraft zu zitieren: „Je schlechter die Pisa Studie ausfällt, um so mehr kommt auf den Lehrplan“. Vergessen wir die Lehrkräfte nicht, die oft am Rande des Burnout entlang tanzen oder schon deswegen im Krankenstand sind. Vom Zustand der Schulen, der sozialen Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen ferner die Tatsache, dass viele Schülerinnen und Schüler, die 2 Jahre Corona nicht so gut weggesteckt haben, egal ob physisch, psychisch sowie vom Lernstoff.
 
Alles das sehe, höre und erlebe ich täglich.  

Freiya
10 Monate zuvor
Antwortet  Schulbegleiter

Danke!
Aus der Praxis. So isses. Und nicht eijeijei mit Ponystreicheln und alle haben sich lieb.

erfahrener Pauker
10 Monate zuvor
Antwortet  Schulbegleiter

Danke!
Wenn es bald wegen all der Überfordern kaum noch Lehrer gibt, werden sich manche ständig immer noch mehr fordernde Eltern wundern….

Cornelia
10 Monate zuvor
Antwortet  Schulbegleiter

Mir tun immer die Kinder leid, die aus Überforderung aggressiv werden, und dann noch womöglich dafür bestraft werden. Ich beobachte bei meiner geistig behinderten Tochter oft, dass sie gerade dann spuckt oder zwickt, wenn sie kognitiv nicht mitkommt. Das kann in ganz praktischen alltäglichen Situationen passieren. Irgendwas geht ihr zu schnell oder läuft nicht nach der üblichen Routine, und sie kann es nur durch das entsprechende Verhalten vermitteln.
Nicht ohne Grund sind gerade in Schulen für GE -Kinder nur 6-9 Kinder in einer Klasse.
Auch Kinder mit AD(H)S oder Autismus sind in SEHR kleinen Klassen besser beschulbar.

Indra Rupp
10 Monate zuvor
Antwortet  Schulbegleiter

Dann können ja alle, die an Corona gelitten haben, weggehen. Wie wäre das? Warum ist immer die Schlußfolgerung, dass das behinderte Kind gehen soll? Wie oft wird wiederholt, dass die meisten Kinder mit Beeinträchtigung sogar lieber (aus kognitiven Gründen) sind, aber wenn (gesunde) Kinder Stress machen, sollen als Lösung die Behinderten gehen. Sie haben gerade alles mögliche, was an der Schule schlecht läuft oder überfordert, genannt. Wieviel davon liegt in der Ursache von Behinderungen und warum müssen die dafür herhalten?
Das Förderschulen sich den Stärken der Kinder widmen, bestreite ich mal. Sie sind eher auf Defizite fixiert und übersehen Stärken, vor allem Talente.
Jetzt noch eine einfache Rechenaufgabe : Wie sieht die Situation an Förderschulen aus, wenn ALLE Kinder mit Behinderungen dort hin gingen? Dann müssten wir den Regelschulen einige Lehrer abzwacken um den tollen Betreuungsschlüssel zu halten. Dann ballen sich alle Probleme an Förderschulen, dann gibt es dort größere Klassen, ect. Und in der Regelschule wird es dann für ein Förderkind richtig gemütlich. Es war auch mal für ein Migrantenkind richtig förderlich. In den 80ern/90ern auf dem Dorf mit lauter deutsch sprechenden Schülern um sich. Aber was hat das alles mit den Schultypen zu tun? Soviel ist klar : Wenn Höcke die Inklusion abschaffen könnte, dann wird es in den Förderschulen viel schlechter als es je an Regelschulen war. Wir haben keine Ressourcen und die Förderschulen bräuchten die doppelten Ressourcen, wenn sie ihren Anspruch mit so vielen Schülern halten wollten. Höcke will die Ressourcen den Regelschüler lassen, deshalb sollen die I-Kinder gehen. In der Förderschule nach deren Maßstab bräuchten sie aber noch mehr davon und das würde Höcke dann erst recht nicht finanzieren, weil den Regelschüler dann noch mehr genommen werden müsste als mit Inklusion. Kurz:Die Förderschulen würden zu“ Anstalten“. Erst akzeptiert das Volk, dass I-Kinder nicht inkludiert werden und „Schuld“ an allen Defiziten in der Regelschule seien, danach gehen sie ihren Weg weiter und akzeptieren auch diese „Anstalten“ für das höhere Wohl oder so. Alles psychologische Taktik seitens Höcke, er weiß das und die Stimmungsmache gegen Inklusion in Foren dient ihm, vor allem der Mythos, jedes nervige Kind sei ein behindertes (so einfach…).

Angelika Mauel
10 Monate zuvor
Antwortet  Indra Rupp

„Das Förderschulen sich den Stärken der Kinder widmen, bestreite ich mal. Sie sind eher auf Defizite fixiert und übersehen Stärken, vor allem Talente.“

Ich fürchte, dass hat sich heute in Kitas und anderen Schulen auch schon längst eingebürgert. Früher hat man sich, – salopp gesagt – auf ein oder zwei Macken einiger weniger Kinder beschränkt, aber heute soll doch wirklich jedes Kind in all seinen Kompetenzen optimal gefördert werden. Deshalb werden leicht stammelnde, stotternde oder lispelnde Kinder schon in jungen Jahren mit einem Syndrom bedacht und viel mehr Kinder als früher gehen zur Therapie oder bekommen Psychopharmaka. Beruhigungsmittel verabreichen auch Eltern von Grundschülern ihren Kindern.

Manche Probleme der Kinder werden doch durch ausufernde Betreuungszeiten und zu große Erwartungen an die Kinder selbst geschaffen.

Indra Rupp
10 Monate zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Korrekt

Bla
10 Monate zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Alle „Inklusionskinder“ an die Förderschule wäre auch nicht sinnvoll meiner Meinung nach.
Alle „Inklusionskinder“ an die Regelschulen halt auch nicht.
Sondern vom Gedankengang her: Alle Inklusionskinder, welche sinnvoll beschult werden könnten, an die Wunschschule, wo dies möglich (gemacht) wird. Das ist erstmal ein Wunschziel. Ob das gefördert wird ist wieder etwas anderes. Daher wird die Förderung gefordert. Daher auch die Kritik bei der momentanen „Inklusionsgeschichte“.

Realist
10 Monate zuvor
Antwortet  Schulbegleiter

Ihre sicherlich richtigen Beobachtungen sind aber die „Froschperspektive“. Und Sie kennen doch die Geschichte mit dem Teich und den Fröschen, und wen man (aus Politikersicht) nicht fragen sollte… da vertraut man lieber auf „Experten“, die den Fröschen etwas vom „sokratischen Eid“ erzählen sollen…

Clipperstorch
10 Monate zuvor
Antwortet  Schulbegleiter

Danke, genau so sehe und erlebe ich das ebenfalls.
Ich bin Lehrerin an einer (Regel-) Grundschule und habe mich für meinen Sohn mit geistiger Behinderung ganz bewusst für die Förderschule entschieden.
Er ist in einer Klasse mit acht anderen Kindern, drei Lehrerinnen, einer I-Kraft und einer FSJ‘lerin. Eine Referendarin ist auch noch ab und zu dabei. Er wird jeden Tag im wahrsten Sinne des Wortes „gesehen“ und arbeitet eng betreut an seinen individuellen Zielen. Die Lehrerinnen sind großartig, mein Sohn liebt die Schule und springt jeden Morgen strahlend in den Bus.
Ich empfinde seine Situation verglichen mit der der Kinder an meiner Schule (Klassengröße 25) als privilegiert.

Und nein, ich sehe seine Schule nicht als schön möblierten Keller! Mein Kind soll einfach nicht als Versuchskaninchen für die tollen Inklusionsideen der Politik herhalten.
Ich möchte individuelle Förderung für ihn, die ihn auf ein so selbstbestimmtes Leben wie möglich vorbereitet. Ich möchte, dass er Freundschaften knüpfen, sich später auch mal verlieben kann. Und nicht nur aus Mitleid auch mal auf einen Kindergeburtstag eingeladen wird.
Teilhabe versuche ich ihm in der Freizeit zu ermöglichen, aber das ist wieder ein anderes Problem, da Menschen mit Behinderung leider auch in Sportvereinen etc. nicht immer willkommen sind.

Ich habe mich oft gefragt, wie eine Schule sein müsste, in der wirklich alle Kinder lernen und leben können. Eigentlich muss man vom anderen Ende her denken: Die Förderschule bildet die Basis, was Ausstattung, Personal, Therapiemöglichkeiten, Räumlichkeiten angeht – all das sollte allen Kindern zugute kommen.
Zudem sollte es wirklich nur noch eine Schule für alle geben. Wie soll Inklusion funktionieren, wenn schon die „normalen“ Kinder nach der Grundschule separiert werden?
Außerdem müssten alle Kinder gleichermaßen auch in den Medien ganz selbstverständlich repräsentiert sein, ohne dass es direkt zum Thema gemacht wird! Also keine „Maus-Folge“ zum Thema Trisomie 21, sondern einfach die Kinder ganz normal überall so wie sie es können, mitmachen lassen. So wird sich irgendwann auch die allgemeine Wahrnehmung ändern. Gerne auch per verpflichtender Quote (siehe Großbritannien).

Nie habe ich Kolleginnen erlebt, die Kinder „wegberaten“ wollten. Wenn es irgendwie machbar für sie war, dann wurde das auch gemacht!
Kinder brauchen aber nunmal unterschiedliche Dinge und nicht immer ist die Regelschule so wie sie zur Zeit ist, der Ort, an dem man ihnen gerecht werden kann. Das Problem liegt aber im uralten System! Nicht an der mangelnden Akzeptanz der Lehrerinnen!

Ich bin in meinem Berufsleben mit Einigem konfrontiert worden: Lernbehinderungen, Autismus-Spektrum, HK, ADHS und einer Vielzahl an Dingen, für die es kein „Etikett“ gibt. Ganz häufig bin ich überfordert gewesen und an die Grenzen meiner Kompetenz gestoßen. Ich habe mich belesen und fortgebildet und es meistens irgendwie geschafft, dem Kind zur Seite zu stehen. Aber ja, ich habe auch schon Kinder an die Förderschule empfohlen, einfach weil ich es in diesem System eben nicht mehr hinbekommen habe (vor allem bei ESE-Kindern). Die Eltern haben später allesamt bestätigt, dass dies der richtige Schritt war.
Wir können uns halt keine anderen Rahmenbedingungen zaubern. Und dieses ständige Gefühl von Stress und Hilflosigkeit macht man kein ganzes Berufsleben mit. Das, was „machbar“ ist, wird immer weniger. Man muss auch gucken, dass man selber nicht kaputt geht.

Wenn Deutschland wirklich Inklusion wollte (was ich irgendwie nicht glaube, der Elite-Gedanke zieht sich ja durch alle Bereiche), würde man die nötigen Investitionen vornehmen! Und nicht wie vor ein paar Jahren durch die schleichende Schließung von Förderschulen viel Geld einsparen, die Lehrer Konzepte schreiben lassen und das Ganze als Inklusion verkaufen.

An meiner Schule hatten wir zwei Jahre lang einen Toilettencontainer, da es so lang gedauert hat, bis die maroden Schultoiletten erneuert waren. Wie sollen da bitte ungleich aufwändigere Maßnahmen wie Pflegeräume, barrierefreie Klassenräume usw. ausgeführt werden, wenn kein Geld in die Hand genommen wird? Um wirklich alle Kinder so individuell fördern zu können, wie das derzeit an den Förderschulen geschieht, ist ein ganz anderer Personalschlüssel nötig, sowie multiprofessionelle Teams. Davon sind wir in den Regelschulen ganz weit entfernt. Wie man Kinder mit den unterschiedlichsten Behinderungen am besten fördern kann, lernen wir auch nicht im Studium oder Referendariat. Auch hier muss man ansetzen.

Ich wünsche mir für mein Kind ein wundervolles Leben als ein normaler Teil der Gesellschaft. Aber vermutlich ist er viele Jahrzehnte zu früh geboren worden.

Schade
10 Monate zuvor
Antwortet  Clipperstorch

Danke, danke, danke für diesen tollen Beitrag!

Cornelia
10 Monate zuvor
Antwortet  Schade

Da kann ich mich nur anschließen!

Indra Rupp
10 Monate zuvor
Antwortet  Clipperstorch

Womit Sie letztendlich das sagen, was so ziemlich alle Förderschule befürwortenden Eltern sagen, nämlich das sie eigentlich Teilhabe wollen…
Das außerhalb der Schule, bei Hobbys ect keine Akzeptanz ist, liegt übrigens daran, dass die Leute Menschen mit Behinderung nur von weitem kennen – unter anderem wegen der Förderschule.
Und PS: Kinder, die biologisch oder geistig weiter als 2jährige sind, brauchen Gleichaltrige um sich. Meine Tochter empfand die Kindergemeinschaft in der FS gar nicht als richtige Klasse, da neben fast jedem Kind ein Erwachsener als Kontrolle stand. Erwachsene stören Kinder mitunter beim spielen, lernen, sich entwickeln und erleben. FS= 7Kinder und 4 Erwachsene =es fehlt ein entscheidender Teil Kindheit!

Cornelia
10 Monate zuvor
Antwortet  Indra Rupp

„FS=7 Kinder und 4 Erwachsene “ ?

Solche hervorragenden Bedingungen habe ich auf der Sonderschule meiner Tochter nie erlebt . Das muss eine absolute Ausnahme sein.

Angelika Mauel
10 Monate zuvor
Antwortet  Cornelia

Solche „hervorragenden Bedingungen“ habe ich dort angetroffen, wo mehrere Kinder so stark mehrfach behindert waren, wie man es im Straßenbild kaum mitbekommt. Nicht vergessen werde ich, wie ein extrem kleinwüchsiges, vergreist aussehendes Mädchen im Arm seiner Betreuerin lag. Ich gehe davon aus, dass es die körperliche Nähe und Wärme als angenehm empfunden hat. Aber an seinem Gesicht etwas ablesen, wie man es bei den meisten Kindern kann. war nicht möglich. Diese Furcht der Anblick schwerst behinderten Kinder würde ihr eigenes Kind zu sehr seelisch belasten, bringt Eltern vermutlich unbewusst dazu, zu meinen, der Anblick würde ihr Kind viel zu sehr belasten.

Paradoxerweise ist es nicht üblich, dass Eltern Bedenken gegenüber den Abschiedsszenen haben, wenn Kleinkinder nicht von ihren Eltern in der Krippe und Kita gelassen werden wollen. Die „Bilder“, die zum Teil dramatischen Abschiedsszenen, die Kleinkinder dabei zu sehen bekommen, nenne ich schon mal „Frühkindliche Bildung“.

Angesichts geretteter Frühchen, von denen manche Mehrlingsgeburten mit vielen Gesundheitsschäden leben müssen, fände ich offene Diskussionen darüber, ab wann eine Schulpflicht nicht mehr gelten soll, sinnvoll. Für Kinder, die nicht wie weniger stark beeinträchtigte Kinder mit anderen Kindern erkennbar in Kontakt treten können, sind vielleicht feinfühlige Erwachsene – oder auch Menschen mit Down Syndrom ein angenehmerer Umgang. Ich erinnere mich an einen schwerst behinderten Jungen, zu dem ein forsches Mädchen mit Down-Syndrom einen intensiveren Blickkontakt hatte als seine Mutter und seine Erzieherinnen.

Cornelia
10 Monate zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Statt Aussetzen der Schulpflicht würde ich es besser finden, wenn bei längeren Fehlzeiten eines Schülers nicht irgendwann, ohne klärendes Gespräch, angedroht würde, den Platz anderweitig zu vergeben. Denn normalerweise behalten Eltern ihre Kinder ja nicht aus Langeweile zu Hause. ( Manche haben im Winter einen Infekt nach dem anderen. )
Auch schwer- mehrfach behinderte Menschen genießen oft das Zusammensein mit anderen Menschen, auch wenn sie nicht viel mitbekommen und kaum reagieren. Wenn man die Schulpflicht ganz aussetzt, haben sie diese Möglichkeit nicht. Eltern können nicht alles auffangen. Gerade bei sehr schwerer Behinderung brauchen sie Entlastung. Ansonsten bleibt den Eltern ja nur noch die Möglichkeit, das Kind in ein Heim zu geben.
Deshalb wäre mein Vorschlag, dass man mit der Schulpflicht in diesen Fällen flexibler umgehen soll.

Angelika Mauel
10 Monate zuvor
Antwortet  Cornelia

Das würde mir auch reichen. Allerdings wäre es mein Traum, wenn die Eltern dann daheim unterstützt werden. Im integrativen Kindergarten habe ich öfter zu Eltern gesagt, dass sie ihr Kind gern länger im Kindergarten lassen können, wenn es für das Kind passte. Sobald Geschwister da sind, ist es gut,wenn die Eltern dann noch Zeit für die Geschwister haben. Oder für den Ehepartner oder wen auch immer.

Oft kam es vor, dass beim Abholen Geschwister mitkamen und dann auch noch eine Weile im integrativen Kindergarten mitgespielt haben.

Cornelia
10 Monate zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Gerade wenn Geschwister da sind, ist es fast unmöglich, alles unter einen Hut zu bekommen. Aber auch generell, wenn die Behinderung sehr pflegeaufwendig ist oder pausenlose Aufsicht erfordert. Man hat ja keinen Tag frei und immer so eine Art Bereitschaftsdienst.
Im Förder – und Betreuungsbereich der Werkstatt unserer Tochter kann man auch spontan einen Tag frei nehmen. Alles richtet sich nicht mehr nach den Schulferien, sondern die Behinderten sind Arbeitnehmer und beantragen ihren Urlaub.
Allerdings habe ich auch schon mitbekommen, dass eine ältere, sehr schwer behinderte “ Mitarbeiterin“ , die längere Zeit krank war, gemahnt wurde. Nach einer bestimmten Anzahl von Wochen wurde der „Arbeitsplatz “ in Frage gestellt. Wie gesagt, im Betreuungsbereich, in dem nur die schwerer Behinderten sind, die nicht in der Lage sind, 8 Stunden am Tag zu arbeiten.

Ich_bin_neu_hier
10 Monate zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

„Nicht vergessen werde ich, wie ein extrem kleinwüchsiges, vergreist aussehendes Mädchen im Arm seiner Betreuerin lag.“ – Vermutung: Progerie.

KlaraName
10 Monate zuvor

Wohl typische Erfahrungen. Nebenbei bemerkt, auch Kinder ohne Behinderung haben inzwischen Schwierigkeiten mit dem lesen und schreiben, wenn die Eltern nicht „Homeschooling“ betreiben.

Ich denke, die Ansprüche an Schule sollten, auch vor dem Hintergrund der Inklusion, ein wenig heruntergefahren werden, auf ein passendes Maß. Kinder brauchen die Schule so oder so, wegen der sozialen Kontakte.

Michi
10 Monate zuvor

Ich finde es ein bisschen herzlos dem Kind gegenüber. Scheinbar geht es um das hier gar nicht.

Wenn mir eine Schule sagt, dass die Rahmenbedingungen nicht gut sind, dann würden bei mir alle Alarmglocken angehen und ich würde im Sinne meines Kindes tunlichst dem Rat der Schule folgen. Die kennt nämlich die ungeschönte Wahrheit in der Praxis… jenseits von Idealvorstellungen, Politikergeschwätz und Rechtsansprüchen.

Clipperstorch
10 Monate zuvor
Antwortet  Michi

Ganz genau so ist das!

TraurigeMutter
10 Monate zuvor

Nach dem Artikel zu Höckes Disqualifizierungsäußerung und der dortigen Diskussion in der Kommentarspalte hatte ich bei der Überschrift hier die Hoffnung, die Redaktion hätte den Mut, hier auch mal eine differenzierte Gegenstimme zu Wort kommen zu lassen. Aber nein: hier wird eine Einzelstimme hervorgeholt, die wieder verdeutlichen soll, dass es ein „Abschieben“ auf die Föderschulen gäbe. Wenn es sich um ein Kind mit dem Förderschwerpunkt körperlich-motorische Entwicklung handelt, wird kaum eine Lehrkraft einer Regelschule die Möglichkeit der inklusive Beschulung ablehnen. Meine Tochter (geistige Entwicklung) ist seit letztem nach vielen Enttäuschungen auf der Regelschule endlich an einer Förderschule und wird endlich gefördert und ist endlich glücklich. Ich empfinde hier es daher hier als eher eine „Märchenerzählung“ von der tollen Inklusion an der Regelschule, für die es sich zu kämpfen lohne. Ich habe für meine Tochter eben für die Förderschule kämpfen müssen, wo sie endlich super gefördert wird. Kleine Gruppen, tolle Lehrer, die sich mit den Bedürfnissen der Kinder auskennen. Mein Kind geht endlich gerne zur Schule. An der Regelschule saß sie nur daneben, ganz ohne Förderung. ich sehe die Inklusion an den Regelschulen für eine Förderbedarfe als gescheitert und die Empfehlungen der Lehrkräfte dort für die Förderschule als sinnvoll an. Ich musste in Niedersachsen lange für die Förderschule kämpfen, weil die Plätze dort voll sind und man eher an die Regelschule muss, was beim Prinzip „Stuhl dazustellen“ einfach traurig ist.

Aber ich bin müde, es hier jetzt immer wieder zu schreiben, wie es viele in meiner Perspektive sehen! Denn die leider einseitige und tendenziöse Ausrichtung der Redaktion ist in diesem Punkt ja mehr als offenkundig. Schade, ist es doch eine Seite, die ansonsten so interessante Themen bedient.

DerechteNorden
10 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Das muss man alles sehr differenziert sehen. Es gibt so viele unterschiedliche Formen und Grade von Einschränkungen, dass man doch nicht einfach Inklusion an Regelschulen für alle fordern kann.
Ebenso sind Eltern sehr unterschiedlich. Einigen geht es nur ums Prinzip. Andere müssen in bestimmten Gegenden kämpfen, obwohl es anderswo kein Problem gäbe. Einige wollen eine bestimmte Schule für ihr Kind, obwohl sie gar nicht geeignet ist.
Wieder andere arbeiten ganz toll mit den Schulen zusammen. …
Diese Mutter hier kann man so gar nicht einordnen.

Bla
10 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Fordern kann man erstmal alles. Grundlegend. Ich kann fordern, dass ich auf den Mond fliegen will/soll. Dazu kann ich auch fordern, dass die Erde flach sein soll.
Ob es machbar ist, ist was anderes. Ebenso, ob es realistisch ist. Auch ob jemand daran Interesse hat usw.

Daher: Fordern, dass alle I-Kinder in die Regelschulen kommen – kann man.
Die Frage hier ist eben, ob es sinnvoll und machbar/realistisch ist.
Anwesenheit? Na klar.
Inklusion? Momentan – nein. [Nur an manchen Stellen]
Dann wäre die nächste Frage, ob „wir“ uns mit „Anwesenheit“ „alle“ zufrieden geben. Wenn ja … Gut, „go for it“. Erwartungen dementsprechend bitte anpassen. Generell.
Ansonsten: Rahmenbedingungen (erst) stellen und sinnvoll machbar machen.

So sehe ich es (momentan):
Ja – zur Inklusion.
Nein – zur Pseudo-Inklusion ohne Rahmenbedingungen und mit hohen Erwartungen/Erwartungshaltung an der anderen Stelle.
Geteilte Meinung – zur „Anwesenheit“ von I-Kindern ohne „gerechte“ Förderung

Angelika Mauel
10 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Ja, die Eltern sind sehr unterschiedlich und es kann sogar eine Ehekrise auslösen, wenn ein Elternteil das gemeinsame Kind lieber auf der Förderschule sehen möchte und der andere genau dies vehement ablehnt. Kinder leiden manchmal enorm unter ehrgeizigen Eltern, die nicht akzeptieren können, dass ausgerechnet ihr Kind nicht so gut lernen kann wie sie es sich erhoffen.

Indra Rupp
10 Monate zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Schauen Sie sich noch einmal die Berichte von Eltern hier an. Da ist kein Ehrgeiz, sondern Wunsch, dass das Kind ein Teil der Gesellschaft ist!!!

Angelika Mauel
10 Monate zuvor
Antwortet  Indra Rupp

In diesem Forum schreiben besonders viele Pädagogen. Berufserfahrung und der Austausch mit Kollegen dürften hilfreich sein, um verantwortungsbewusst eine Entscheidung für ein Kind zu treffen, dass sich vielleicht noch nicht selbst äußern kann.
Allerdings lassen sich viele Kinder im Schlaf anmerken, ob es ihnen eher gut geht oder nicht. Starke Unruhe und Alpträume über einen längeren Zeitraum muss man ernst nehmen und sich fragen, woran es liegt und wie man damit umgehen möchte.

Uwe
10 Monate zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Ich glaube das meinte „die Redaktion“ mit „warum können sie nicht akzeptieren das andere Eltern ihr Kind nicht an der Förderschule haben wollen. Der Vater der die Förderschule geil findet ist realistisch, die Mutter die das anders sieht kann die realität nicht wahrnehmen. mal als rückmeldung: Menschen die andere standpunkte derart widerlich abwerten sind charakterlich ziemlich anstrengend.

Bla
10 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Fakt ist eben auch, dass Inklusion, so wie sie jetzt stattfindet im breiten Rahmen nicht funktioniert. An den meisten Stellen auch keine Inklusion ist – wir also hier von einer Pseudo-Inklusion sprechen würden
Daher: Funktionierend machen.
Ansonsten diskutieren wir hier von Anwesenheit in manchen Fällen. Integration in den meisten Fällen (Anpassung an die Regelschule mit IHREN Rahmenbedingungen) und über Inklusion in manchen Fällen (Anpassung der Regelschule auch an die Bedürfnisse der I-Kinder -> Rahmenbedingungen vorhanden/werden gemacht).

Daher wäre hier der Gedanke:
– Schule für alle frei wählbar, soweit es eben geht
– Rahmenbedingungen stellen
– Ansonsten „Pech“
-> Kind dürfte trotzdem anwesend sein. Von (individueller) Förderung sprechen wir allerdings bei weitem dann nicht. [Das kann auch nicht realisiert werden und darf dann auch kein Anspruch (mehr) sein. Dann wäre das halt so.]

DerechteNorden
10 Monate zuvor
Antwortet  Bla

Also alle ans beste Gymnasium der Stadt?
Wenn alle ihre Schule frei wählen können sollen, würde es das ja heißen, oder nicht?

Maya
10 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Gymnasien = Regelschulen

Bla
10 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Könnte man so dann fordern. Hier wäre man allerdings schnell wieder bei der „nicht Machbarkeit“. Also im Sinne von: Keinen Platz.
Hätte man diesen Platz rein theoretisch: Ja, alle (erstmal) an das Gymnasium laut dem Gedanken/der Forderung.
Logische Konsequenz: Einige werden die vorgegebenen Rahmenbedingungen nicht schaffen (Noten in dem Fall) – d. h. sie würden bei Vorgabe von Mindestnoten erst gar nicht drauf kommen. Wenn es diese auch nicht gäbe sondern die reine Auswahl an Schule(n), dann würden ganz viele nach einem Jahr eben „durchfallen“.

Also: Auch hier wieder. Wo liegt die Erwartung? Wo die Durchsetzbarkeit? Was ist realistisch und was realistisch möglich? Usw.

Ich habe in meinem obigen Beitrag auch aufgefächert, was dann eben wahrscheinlich möglich sein könnte. Auch dort eingegrenzt, dass es ab und an eben dann „nur den Stuhl dazu“ gäbe bei der Forderung und realistischen Umsetzung.
So auch hier … Das würde gaaaanz schnell von der Realität eingeholt werden – also solche Forderung.

Beschließen könnte man sie trotzdem mal. Geht halt dann nicht. Ganz einfach. Ist ein Platzproblem.

Wir können auch fordern, dass jede Person auf der Welt einen eigenen Wohnblock bekommt. Das wird dann eben von der Realität seeeehr schnell eingeholt & als nicht machbar festgestellt. Ergo: Funktioniert nicht. [Daher wird das auch nicht gesetzlich gefordert…]

Maya
10 Monate zuvor
Antwortet  Bla

Das Platzproblem stellt sich jedoch auch an den Gesamtschulen. Auch hier gibt es eine zahlenmäßig sehr starke Schülerschaft. Gegenüber den Gesamtschulen besteht ja die Erwartungshaltung, gefälligst alle gesellschaftlichen Probleme zu lösen.
Die Machbarkeit eckt natürlich auch bei den Gesamtschulen an. Auch hier müssen Vokabeln gelernt, Mathematik-Aufgaben gelöst, chemische Formel gebüffelt werden.
Bei den Gesamtschulen stellt sich ebenfalls die Frage des erreichbaren Abschlusses. Wenn die Fähigkeiten für den Hauptschulabschluss nicht vorhanden sind, dann stellt sich die Frage des Sinnhaftigkeit.
Anwesenheit bedeutet noch lange nicht Teilhabe.

dickebank
10 Monate zuvor
Antwortet  Maya

Hinzu kommt in Bezug auf die I-Kinder, dass sie zwar bei der Bei der bildung von neuen Klassen im fünften Jahrgang doppelt angerechnet werden, danach aber nicht mehr. Ebenso gilt die doppelte Anrechnung nicht für die Bildung von Kursen im Rahmen der Fachleistungs- und Neigungsorientierung. D.h. bei der Bildung von Grund- und Erweiterungskursen, von Kursen in den Wahlpflichtfächern und von AGs werden die I-Kinder genauso angerechnet wie die Regelkinder.
Das hat insbesondere Auswirkungen auf die Grundkurse sowie Wahlpflichtfächer wie Arbeitslehre und Darstellen&Gestalten.

Alex
10 Monate zuvor
Antwortet  dickebank

In Grundschulen werden I-Kinder auch nicht doppelt gezählt. Migrantenkinder ohne jegliche Deutschkenntnisse übrigens auch nicht.

Bla
10 Monate zuvor
Antwortet  Maya

So ist es.

Angelika Mauel
10 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

„Es geht um das Recht, einen isolierten Schonraum für das eigene Kind ablehnen zu dürfen.“ – Die Bezeichnung „Schonraum“ finde ich in Ordnung, aber muss man Förderschulen als „isolierten Schonraum“ bezeichnen? Die Kinder unternehmen Ausflüge und Schnupperpraktika, der Berufsberater kommt in die Schule und nimmt sich Zeit. Auch mit Rollstühlen und anderen Hilfsmitteln besuchen Förderschüler Museen, botanische Gärten und Zoos. Übrigens werden an Grundschulen die ins Gebäude führenden Türen seit etlichen Jahren üblicherweise zugeschlossen, bevor der Unterricht beginnt. Die Gefahr des Weglaufens von Kindern wird dadurch reduziert und ebenso das unerwünschte Eindringen von Fremden, die steheln oder Kinder sexuell belästigen könnten.

Wenn man die Förderschule als „isolierten Schonraum“ bezeichnet, müsste dass auch für viele andere Schulen gelten. Zumal viele Schüler länger in der Institution sind als die Erwachsenen an ihrer Aebeitsstelle.

Angelika Mauel
10 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Weil für Inklusion – allein wegen körperlicher Beeinträchtigungen und des benötigten besseren Personalschlüssels mehr Geld ausgegeben muss als für Regelgruppen in Kitas und Schulklassen ohne Kinder mit Förderbedarf, sehe ich sehr wohl eine Wohltätigkeit des Staates. Nur wenn der Lebensstandard es hergibt, kann eine Gesellschaft es sich leisten, behinderte Kinder nicht nur leben zu lassen, sondern sie auch noch zu fördern und ihre Eltern zu unterstützen und zu entlasten. (Da könnte gern noch mehr passieren.).

Früher war die Säuglingssterblichkeit unter behinderten Kindern auch deshalb höher, weil schon mal in einer kalten Nacht ein Fenster offen gelassen wurde, damit das Kind eine Lungenentzündung bekam. Wir müssen uns auch fragen, ob behinderte Kinder heute wirklich medizinisch immer so gut versorgt werden, wie gesunde Kinder. Bei Tim, der eine Abtreibung überlebte, war das zunächst nicht der Fall. Gerne anschauen: https://www.google.com/search?client=firefox-b-d&q=Video+Tim+Behinderte+Junge+hat+Abtreibung+%C3%BCberlebt#fpstate=ive&vld=cid:d3927113,vid:hXy_L6ByBc4

Dass es Rechte und berechtigte Ansprüche gibt, hindert nicht daran, einige Leistungen des Staates als Wohltätigkeit anzusehen.

Angelika Mauel
10 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Anstelle einer Erwähnung des Weihnachtsmannes bietet es sich an, vom „Wohlfahrtsstaat“ zu sprechen, wenn es um Geldmittel geht, die der Staat für Kinder zur Verfügung stellt. Lisa Paus ist auch nicht die Weihnachtsfrau 😉

Übrigens haben die Senioren alle vorher für ihre Rente gearbeitet und in die Rentenkasse eingezahlt. Aufgrund der langen beitragsfreien Ausbildung können übrigens viele Erzieherinnen nicht von ihrer Rente leben.

Indra Rupp
10 Monate zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Mit isolieren ist nicht Tür abschließen gemeint und mit Schonraum ist nicht Hände sauber lassen gemeint.

Cornelia
10 Monate zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Mit Isolieren ist nicht Tür abschließen gemeint, natürlich nicht. Trotzdem ist es interessant, dass man einerseits die “ Isolation“ der Schüler in Förderschulen kritisiert und andererseits sich Regelschulen durch den gebundenen Ganztag zu einem Bereich entwickeln, auf dem die Schüler den ganzen Tag, ja, ich möchte fast sagen “ eingesperrt“ sind.

Indra Rupp
10 Monate zuvor
Antwortet  Cornelia

Ich habe meine Tochter u a in der GS angemeldet, damit sie mittags wieder Zuhause ist und finde den Ganztag gerade für im Geist jüngere Kinder eine Zumutung. Den Ganztag gibt es wegen Wirtschaftsinteressen, das sind also zwei Paar Schuhe.

Cornelia
10 Monate zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Natürlich weiß ich, dass das zweierlei ist.

TschinavonMauzen
10 Monate zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Ich denke viele wissen gar nicht worum es bei Inklusion geht. Es geht vor allem um Sichtbarkeit und Teilhabe. Nicht im Sinne von, aber die gehen doch auch vor die Tür. Nochmal, ich habe 12 jahrelang in einer Einrichtung der Behindertenhilfe gearbeitet in einem Wohnheim für Kinder und Jugendliche. Schon während meiner Ausbildung war Inklusion das Thema. Doch schein rein personell kamen wir hier an unsere Grenzen obwohl ich mit vielen engagierten KollegInnen gearbeitet habe. Man war schon froh um 2-3 Ausflüge im Jahr. Waren wir dann tatsächlich mal mit den Kindern draußen wurden wir angeschaut wie die bunten Vögel. Selbst wenn wir Feste im Ort besuchen, ernteten wir seltsame Blicke. Ganz zu schweigen davon ins gesellschaftliche Leben des Ortes eingebunden sein. Die Einrichtung öffnete sich nach außen den Inklusion ist keine Einbahnstraße. Also kamen die Jugendlichen des Dorfes und spielten auf unserem Basketball oder Fußballfeld. Schön wäre gewesen unsere Kinder hätten mitspielen können. War aber Fehlanzeige. Wenn unsere Kinder mal am Spielfeldrand standen und versuchten mit den Jugendlichen in Kontakt zu kommen wurden sie ignoriert. Dafür kamen irgendwann die halbstarken mit ihren dicken Autos und lauter Musik angebraust und belegten die Feuerwehr -Einfahrt zum Haus oder ließen auch ihren Müll liegen. Da war einfach null Respekt da. Ich mache den Jugendlichen da nicht mal einen Vorwurf, denn sie sind eben nie in Kontakt mit Menschen mit Behinderungen gekommen und hatten dementsprechend viele Hemmungen. Trotzdem hat es mir gezeigt wie unsichtbar Menschen mit Behinderung für die meisten von uns sind. Was ich übrigens immer noch erlebe, wenn ich von meinem Beruf erzähle: “ also mit Behinderten arbeiten, das könnte ich ja nicht“ es gibt keinen Satz der mich wütender macht. Als wären behinderte Menschen irgendwelche abstoßenden Monster, dabei sind es ganz einfach Menschen.

Die letzten 3 Jahre habe ich in einer inklusiven Kita gearbeitet. 10 Regelkinder, 6 Kinder mit Behinderung. 2 Erzieherinnen für den Regelbereich, eine davon in Vollzeit, die andere in Teilzeit. 2 päd. Fachkräfte für die behinderten Kindern ( eine Fachlehrerin in Vollzeit und eine Heilpädagogin in Teilzeit) sowie eine FSJ-Kraft. Das ist natürlich eine super Besetzung und so konnten wir auf die Kinder eingehen. Wir sahen uns als Team und waren Ansprechpartner für alle Kinder und fühlten uns für alle Kinder verantwortlich. Entsprechend spielten auch wir Regelerzieherinnen mit den behinderten Kindern und Bänden sie in unsere Angebote mit ein. Ging das aufgrund des kognitiven Entwicklungsstandes nicht, machten wir eben Binnendifferenzierung. Die Regelkinder behandelten das Thema dann eben ihrem Wissensstand angemessen während die behinderten Kindern eher basal an das Thema herangingen. Das erforderte im Team viel Absprache, aber es kamen dabei auch ganz tolle Ideen zu Stande.

So nun aber noch ein Erlebnis weshalb, ich an Inklusion glaube. Neben vielen kleinen schönen Momenten, war dieser besonders eindringlich. Eine Junge, lernte erst im letzten Kitajahr mit 5 Jahren alleine aufzustehen. Unsere Regelkinder halfen ihm dabei in dem sie ihn motivieren und unterstützen in dem sie ihm immer wieder die Bewegung vormachten. Eines denkwürdigen Vormittages nahm sich mal wieder ein Mädchen seiner an, die seine Versuche aufzustehen bemerkte. Sie motivierte ihn , machte mit ihm zusammen die Aufstehbewegungen und feuerte ihn an. Das zog die Aufmerksamkeit aller anderen Kindern auf sich so dass alle ihn schließlich mit anfeuerten und sich alle freuten und in Jubel ausbrachen, als er es zum ersten Mal schaffte selbst aufzustehen. Für den Jungen ein absolutes Erfolgserlebnis, aber auch die Gruppe schweissten solche Erlebnisse enger zusammen. Allgemein haben unsere Regelkinder ganz viel mitgenommen. Sie sind einerseits den behinderten Kindern gegenüber sehr empathisch und achten auf ihre Besonderheiten, anderseits verlangen sie aber auch den Kindern mit Behinderung einiges ab. Es kommt zum Streit, wie es sie eben um normalen Miteinander gibt. Die Kinder mit Behinderung müssen lernen sich durchzusetzen und auch sich zu verständigen, denn die Regelkinder lesen ihnen nicht wie die Erwachsenen alles von den Lippen ab. Manchmal geht’s auch etwas ruppiger zu und es gibt keinen Behindertenbonus. Ja ich gebe zu, das ist bei uns schon sehr besonders. Gerade die Personalsituation ist in diesem Fall optimal und mir ist durchaus bewusst, das es nicht überall so ist. Mein Traum wäre allerdings, das es genauso überall wäre, denn wir als Gesellschaft können bei richtig gelebter Inklusion nur gewinnen.

Bla
10 Monate zuvor
Antwortet  TschinavonMauzen

Aber dann geht es doch mehr um „Integration“, als um Inklusion? Sehen Sie das als absoluter Experte in dem Bereich denn anders? Ist für Sie Inklusion schon eben die „Sichtbarkeit“ und „Teilhabe“ an der Gesellschaft?
Wenn das das Ziel ist. Und die Umsetzungsansprüche eben „der Stuhl dazu und mal schauen“ ist, dann wäre die Diskussion auch grundlegend eine andere. Die „Erwartungshaltung“ wäre dann eben nicht die individuelle Förderung, sondern die „Anwesenheit“. Wo eben möglich und durch Rahmenbedingungen unterstützt (wie an Ihrem Beispiel zu sehen) wäre es erst Inklusion meines Erachtens nach. Und das ist leider nicht (flächendeckend) gegeben und möglich. Individuelle Förderung ohne Rahmenbedingungen an der sowieso schon „überforderten“ Regelschule sowieso nicht.

Angelika Mauel
10 Monate zuvor
Antwortet  TschinavonMauzen

Danke für diese konkreten Beispiele aus der Praxis. Uns hat es im integrativen Kindergarten besonders gut getan, als ein Mädchen (kein Integrationskind) nach dem Kindergartenfest mit Zirkusvorführungen für die Eltern zu uns stolz sagte, dass sie den Tusch (Trommelwirbel nach einem Sprung der Kinder auf ein Trampolin) genauso gut kann, wie ein stark behinderter Junge. Nachdem ein Mädchen mit Down Syndrom Chiffontücher auf dem Trampolin zufällig abgelegt hatte, zeigte sich, dass diese wegschwebten, wenn ein Kind auf sprang. So entstand eine Nummer. Und das Mädchen, das genaussogut den Tusch spielen konnte, hatte schon vorher eine besondere Vorliebe für den stillen, schwerst geistig behinderten Jungen. Jeden Tag umarmte sie ihn nach einer kurzen Spielunterbrechung mehrere Male herzlich. Die beiden sahensich liebevoll in die Augen. Das war „alles“ und das war sehr viel und wichtig. Jeder Tag in diesem Kindergarten war mit positiven Erlebnissen angereichert, die gezeigt haben, wie leicht überall Integration gelingen könnte, wenn sie von früh an selbstverständlich wäre. Auch ich habe den Personalschlüssel dort wirklich gut gefunden. – Und es ist bitter, zu erfahren, dass die guten Zeiten auch dort vorbei sind.

Cami
10 Monate zuvor

Die Visionen einer inklusiven Schule haben die Erwartungshaltung geweckt, welche sich im vorliegenden Text der betroffenen Mutter wiederfindet. Sie stellt dann fest, dass die real existierenden Schulen und Lehrer nicht gemäß der erträumten und verlangten Inklusion arbeiten, und vermutet, dass dies aus niedrigen Gründen (Faulheit, Geiz, starres Denken) geschieht. Nun klagt sie an und stellt ihre Forderungen auf. „Unser Sohn hat ein Recht darauf, inklusiv beschult zu werden und daran halten wir fest.“

Rüdiger Vehrenkamp
10 Monate zuvor
Antwortet  Cami

Natürlich kann jeder auf sein Recht pochen. Nur wenn die notwendigen Voraussetzungen nicht da sind, bringt es wenig. Doch wie so oft in Sachen Bildung, sind die Schulen und Lehrer die falschen Ansprechpartner.

Realist
10 Monate zuvor
Antwortet  Cami

Lehrkräfte sind weder für die personelle und sächliche Ausstattung der Schulen verantwortlich noch für unrealistische Erwartungen, welche die Politik formuliert. Wer bestellt (= die Politik) hat auch die Rechnung (= hinreichende Ausstattung der Schulen) zu bezahlen. Ist in JEDEM Wirtschaftsbereich so (was der Kunde will, hat er zu bezahlen). Warum sollte das ausgerechnet bei den Schulen anders sein (auch wenn einige Experten von einem (nicht existenten) „sokratischen Eid“ faseln).

Realist
10 Monate zuvor
Antwortet  Cami

„Experten“ muss man hier selbstverständlich in Anführungszeichen setzen…

Maya
10 Monate zuvor

Die Umsetzung einer UN- Regelung bedarf der nationalen Gesetzgebung. In Deutschland werden das wohl die Schulgesetze der Länder sein. In den Schulgesetze dürfte festgeschrieben sein, was „Regelschulen“ sind. Nach meinem Dafürhalten werden hierunter auch die Gymnasien erfasst. Also, die Inklusion wäre somit grenzenlos an den Gymnasien umzusetzen. Da die Eltern ein Elternwahlrecht besitzen kann ich nur empfehlen, das Recht in Anspruch zu nehmen und an den Türen der Gymnasien scheu vorbeilaufen.

kommentare
9 Monate zuvor

Beim Lesen des Artikels ist mir aufgefallen, dass die Mutter des Kindes gekämpft hat, um die geistige Entwicklung ihres Sohnes nicht zu klassifizieren, und sogar rechtliche Hilfe in Anspruch genommen hat. In der Schule meiner Tochter erwägen sie, diese Klassifikation anzuwenden, um ihr ab der zweiten Klasse mehr Unterstützung zu bieten. Derzeit erhalten sie bereits Hilfe, aber sie sagen, dass, wenn wir diese Klassifikation für meine Tochter beantragen, sie noch besser betreut wird (sie besucht eine Regelschule). Es wurde auch erwähnt, dass sie später zur „lernen“-Klassifikation wechseln könnte und dass ihr die Klassifikation entzogen wird, wenn sich ihre Leistungen verbessern. Anfangs klang das vielversprechend, und ich habe zugestimmt, dass Tests durchgeführt werden, die jedoch noch nicht erfolgt sind. Jetzt finde ich jedoch Informationen, die Bedenken hinsichtlich dieses Ansatzes aufwerfen. Einige behaupten, dass Kinder sehr wenig lernen und ihre Studienmöglichkeiten begrenzt sind, zum Beispiel könnten sie nur bis zur zehnten Klasse multiplizieren lernen. Es wird auch darauf hingewiesen, dass ihre Karrieremöglichkeiten eingeschränkt sein könnten, etwa indem sie Küchenhilfe werden. Ich suche nach ehrlichem und objektivem Rat. Sollte ich akzeptieren, dass diese Klassifikation bei meiner Tochter angewendet wird? Was sind die Konsequenzen und Vorteile dieser Klassifikation? Ist es wahr, dass dies eine Kennzeichnung für das ganze Leben sein wird? Ich möchte meiner Tochter die bestmögliche Hilfe bieten, ohne ihre Zukunft einzuschränken oder sie dauerhaft zu kennzeichnen. Ich würde Ihre Orientierung und Ratschläge sehr schätzen!