Wie lassen sich Lehrkräfte gewinnen? Philologen loben SWK-Gutachten

13

BERLIN. Der Deutsche Philologenverband hat positiv auf die gestern vorgestellten Empfehlungen zur „Lehrkräftegewinnung und Lehrkräftebildung für einen hochwertigen Unterricht“ der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission (SWK) der Kultusministerkonferenz (KMK) reagiert – auch vor dem Hintergrund, dass darin kein duales Lehramtsstudium empfohlen wird.

Wie lassen sich junge Menschen für den Lehrerberuf gewinnen? Foto: Shutterstock

In einer ersten Reaktion auf die gemeinsame Pressekonferenz von SWK und KMK sagt Philologen-Vorsitzende Prof. Susanne Lin-Klitzing: „Es gibt einen deutlichen Qualitätsunterschied zwischen der ersten Ad-hoc-Stellungnahme der SWK zu Beginn dieses Jahres zur Bekämpfung des Lehrkräftemangels und nun den profunden Empfehlungen im heute vorgestellten Gutachten der SWK. Damals dominierten unter Zeitdruck entstandene, eher politisch kurzfristig angeregte Zusammenstellungen. Dazu gehörte der Vorschlag für eine generelle Aufstockung des Stundendeputats von Teilzeitlehrkräften, dessen Grundlage u. a. auch eine fehlerhafte Addition von Referendaren in die Gruppe der Teilzeitlehrkräfte war und den wir als Zumutung kritisierten. Jetzt nehmen wir reflektierte, wissenschaftlich solide Empfehlungen der SWK als Schritte in die richtige Richtung für eine verbesserte Personalplanung sowie ein umfassendes und strukturiertes Konzept für die Lehrkräftebildung und für die Fort- und Weiterbildung der Lehrkräfte wahr!“

Hintergrund: Die SWK hatte im Januar eine Empfehlungsliste veröffentlicht, die darauf abzielt, den Lehrkräftemangel einzudämmen – mit teilweise hoch umstrittenen Vorschlägen wie einer Einschränkung der Teilzeitmöglichkeiten für Lehrkräfte, größeren Klassen, Hybridunterricht und Mehrarbeit (News4teachers berichtete).

„Wir hoffen, dass die Kultusminister und -ministerinnen diese Chance ergreifen und sich neu ihrer Verantwortung stellen, um sich über den bisherigen bunten Flickenteppich hinaus gemeinsam an den wissenschaftsbasierten Empfehlungen für eine bessere, an gemeinsamen Leitlinien orientierte Lehrkräftebildung zu orientieren“, so erklärt Lin-Klitzing nun mit Blick auf das neue Gutachten (News4teachers berichtete auch darüber).

Der Philologenverband unterstützt bis auf einige Abstriche die SWK-Empfehlungen für die erste Phase der Lehrkräftebildung an der Universität, für die zweite, am Studienseminar zu erhaltende Phase und neu für ein qualifiziertes Mentoring in der Berufseinstiegsphase. Damit habe die Kommission dem diskutierten „dualen Lehramtsstudium“ erfreulicherweise eine Absage erteilt.

Wasser im Wein ist aus Sicht des Philologenverbands, dass sich die SWK bei der Beibehaltung der zweiten Phase für ein „in der Regel 12-monatiges Referendariat“ ausspreche, um der Forderung nach einer sechsjährigen Lehramtsausbildung insgesamt vor dem Hintergrund der in vielen Bundesländern umgesetzten „Bologna-Lehrerbildung“ mit Bachelor-Master-Abschlüssen zu entsprechen. Diese führe mit einem dem Lehramt fremden ersten, angeblich berufsqualifizierenden BA-Abschluss und dem anschließenden Master zu einer verlängerten Regelstudienzeit von 10 Semestern, woraus häufig eine Kürzung des Referendariats resultiere. Das Positive eines in der Regel 12-monatigen Referendariats sei jedoch, dass dies gleichwohl umsichtig Spielräume für die Länder eröffne. So könnten die Bundesländer, die das Lehramtsstudium mit einer kürzeren Regelstudienzeit umsetzten, wie dies beim universitären Abschluss Staatsexamen unkompliziert der Fall sei, fürsorglich ein entsprechend deutlich längeres Referendariat für ihre Lehramtsanwärterinnen und -anwärter anbieten.

„Bayern und Hessen mit Staatsexamen und 24- bzw. 21-monatigem Vorbereitungsdienst bleiben hier für den Philologenverband Vorbild“, so Lin-Klitzing abschließend. News4teachers

Wegen Lehrermangels: Erstes Bundesland führt (bezahltes!) duales Lehramtsstudium ein

Anzeige


Info bei neuen Kommentaren
Benachrichtige mich bei

13 Kommentare
Älteste
Neuste Oft bewertet
Inline Feedbacks
View all comments
Dejott
2 Monate zuvor

Welche Relevanz hat eigentlich der Philologenverband für die Schulformen, in denen die meisten Lehrerinnen und Lehrer fehlen?
Also dort, wo es völlig Wurscht ist, ob man Goethe oder Schiller liest-sondern froh ist, wenn man es überhaupt hinkriegst, ein Buch in der Klasse zu lesen.

Dil Uhlenspiegel
2 Monate zuvor
Antwortet  Dejott

Versuch einer Antwort:

Für die, die die Dienstleistung der Gymnasien bzw. das 2- oder 3- oder 4-gliedrige System mögen: Stabilisierend, bewährt.
Für die, die die Differenzierung an Einheits- oder Gesamtschule mögen: Blockierend, abschaffenswert.
Für die, die die Differenzierung an Einheits- oder Gesamtschule gerne mögen möchten, aber auch gerne mehr bessere SuS darin hätten: Rosinenpicker, Abschuler.

Palim
2 Monate zuvor
Antwortet  Dejott

Eine große Relevanz, wenn der Philologenverband mittels seiner Klientel-Politik sowohl Verbesserungen an den anderen Schulformen wie auch Abordnungen der Philolog:innen zum Ausgleich des Mangels dorthin verhindert oder Verträge und Absprachen tätigt, die den Einsatz der Philolog:innen betrifft und zu Lasten der Stammlehrkräfte dieser Schulformen geht.
Eine ebenso große Relevanz, wenn der Philologenverband durchsetzt, dass Gymnasien sich weit weniger an Inklusion und Integration beteiligen und dies damit zu erheblich höheren Anteilen dieser Schüler:innen an den anderen Schulformen führt.

Und eine besonders große Relevanz, wenn Gewerkschaften und Verbände nicht mit einer Stimme sprechen (können), weil nicht gemeinsam eine gute Versorgung aller Schulen gefordert wird.

Tim Bullerbü
2 Monate zuvor
Antwortet  Palim

Ist es nicht grundsätzlich falsch, wenn Schulformen oder deren Interessenvertretung gegeneinander ausgespielt werden?
Ich bin am Gymnasium, aber ich wünsche mir gute Arbeitsbedingungen für alle Lehrkräfte.
Und ich wünsche mir Verbände, die das GEMEINSAM fordern.

Anonym
2 Monate zuvor

Wenn Auslaendische Profesoren fast unmoeglich ist mit Anerkennung
Denn:
1. Im Ausland wird nur ein Fach studiert und unterrichtet und es gibt KEIN Lehramtstudium.
2. Die Lehrer aus tuerckei wird nix Anerkannt..
3. Aus EU muessen 2 Facher hqben, jetzt: wer Physik studiert hat, kann Mathe, aber umgekehrt nicht..und Leider auch kein Chimie denn beim Mathe oder Physik wird kein Chimie unterrichtet. Im diesen Fall kommplet studieren.
4. IN D muss C2 haben, studieren und Referendariat machen. Und im Osterreich muessen C1 Deutsch, studium nur ein Modul schulrecht und koennen Unterrichten mit ein Fach.
5. DAS D. Studium ist katastrophe.. wen profesoren keine Uebungen in der Uni loesen man bekommt nur ubungsbletter und mus Nachhilfe machen.. Studium fuer Gutverdiener oder Akademiker..
6 studium im Ausland der Profesor macht uebungen, loesen, kannst eine Pruefung MEHR ALS 3 MAL ABLEGEN. es gibt nicht die zwischenpruefungen wie Medizin , Recht und die Professoren kommen nicht mit bletter leptos zum unterricht.. alles Auswendig

Caro
2 Monate zuvor
Antwortet  Anonym

Sie haben auch kein C1.

Wutbürger
2 Monate zuvor
Antwortet  Anonym

2. Die Lehrer aus tuerckei wird nix Anerkannt..“

Die Lehrer aus Deutschland in Türkei wird auch nix Anerkannt.. In Deutschland Ausländer wird Lehrer, wenn gut kann Sprache. In Türkei nur Türken dürfen Lehrer, Ausländer nix – egal wie gut türkisch Sprache.

1. Im Ausland wird nur ein Fach studiert und unterrichtet und es gibt KEIN Lehramtstudium.“

In Türkei gibt Studium für Lehramt. Nix sagen Lüge du! Gibt sogar Üniversite nur für Lehrer.

Lehrerin
2 Monate zuvor
Antwortet  Anonym

Soll das ein schlechter Witz sein?

Anonym
2 Monate zuvor

Im Ausland wenn man Studiert kann man von 6. Bis 12. KLASSE unterrichten Z.B Physik. Im Ausland Physik wird von 6 klasse unterrichtet. Im ausland muss keine Anerkennung machen in dem selben Land… wie in D von Norden nach Sueden inerhalb D muss man Anerkennen lassen.

Raucherpflaster
2 Monate zuvor
Antwortet  Anonym

Tipp:
Im Ausland studieren und Lehrer werden, wenn dort alles so toll und easy-peasy ist!
Muss doch nicht ausgerechnet das doofe Deutschland sein, in dem einem alles so schwer gemacht wird.

Wutbürger
2 Monate zuvor
Antwortet  Anonym

Welche Ausland?
USA? Nein, musst bestehen Prüfung.
Australien? Nein, musst bestehen Prüfung.
Kanada? Nein, musst bestehen Prüfung.
Türkei? Nein, Ausländer dürfen nix Lehrer.
Welch Ausland?

Quelle?
2 Monate zuvor
Antwortet  Wutbürger

Quelle her: wo steht geschrieben, dass in der Türkei Ausländer keine Lehrkräfte sein dürfen? Alle von mir gefundenen Quellen sagen, dass es keine spezielle Einschränkung für Ausländer gibt, die als Lehrkräfte arbeiten wollen. Sie müssen den normalen Behördenweg mit einer Arbeitserlaubnis bestreiten – wie alle anderen Ausländer für alle anderen Berufe auch.

Also sag an, du in der Sprache herablassend-rassistischer Wutbürger: aus welcher Quelle hast du deinen Bullshit?

Müllerin
2 Monate zuvor

Vorschlag Nr. 4 (3):
„Rekrutierungsstrategien für unterschiedliche Zielgruppen ausbauen, etwa für Bildungsaufsteiger:innen mit und ohne Migrationshintergrund (z.B. über ‚Scouting‘), Lehrkräfte mit internationaler Berufsqualifikation oder Fachstudierende — unter Berücksichtigung eines zweiten Wegs in das Lehramt.“
Offenbar ist ‚Scouting‘ eine Rekrutierungsstrategie, beides ist ein geradezu wunderbares Deutsch, vorbildlich für Deutsch-Aufsätze. 🙂
Hoffentlich findet man genügend viele Bildungsaufsteiger:innen und andere Zielgruppen, die nicht schon anderweitig aufgestiegen sind oder dabei sind das zu tun. Die Idee ist natürlich gaaanz neu.