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A13 für alle – aber… Lehrer-Gewerkschaften warnen vor neuer Ungerechtigkeit und „erheblicher Demotivation“

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DÜSSELDORF. Die Angleichung der Einstiegsbesoldung für Lehrkräfte in Nordrhein-Westfalen sollte ein Signal der Gleichwertigkeit senden. Doch kurz vor Inkrafttreten der Reform wächst der Protest. Gewerkschaften und Opposition kritisieren, dass Beförderungs- und Leitungsstellen von der Anpassung ausgenommen bleiben – und sehen dadurch neue Ungerechtigkeiten entstehen.

Da fehlt was… (Symbolfoto.) Foto: Shutterstock

Die Angleichung der Einstiegsgehälter für Lehrkräfte in Nordrhein-Westfalen sorgt für wachsenden Unmut in den Lehrerzimmern. Ab dem 1. August 2026 sollen alle Lehrkräfte unabhängig von Schulform und Lehramt mit der Besoldungsstufe A13 in den Dienst starten. Damit wird die bisher niedrigere Eingangsbesoldung für Lehrkräfte der Primarstufe sowie der Sekundarstufe I an Haupt-, Real- und Gesamtschulen auf das Niveau der Gymnasien angehoben.

Die schwarz-grüne Landesregierung verfolgt mit dieser Reform das Ziel, die Gleichwertigkeit der Lehrämter auch finanziell abzubilden und insbesondere die Personalsituation an Grundschulen und Schulen der Sekundarstufe I zu verbessern. Das Vorhaben gilt als eines der kostenintensivsten bildungspolitischen Projekte der laufenden Legislaturperiode.

„Am 1. August 2026 stehen wir vor der absurden Situation, dass Eingangsamt und erstes Beförderungsamt besoldungsgleich sind. Das ist nicht akzeptabel“

Doch während die Einstiegsgehälter angeglichen werden, bleibt die Besoldung von Beförderungs- und Funktionsstellen sowie von Schulleitungen unverändert. Hier setzt die Kritik der Gewerkschaften lehrer nrw und Verband Bildung und Erziehung Nordrhein-Westfalen (VBE NRW) an. In einem gemeinsamen offenen Brief an Schulministerin Dorothee Feller (CDU) warnen sie vor erheblichen Folgen. In dem Schreiben heißt es wörtlich: „Mit großer Sorge stellen wir fest, dass der Haushaltsplan für 2026 keinerlei Weiterentwicklung für Beförderungs- und Funktionsstellen sowie für Schulleitungen in der Primarstufe und der Sekundarstufe I vorsieht.“

Weiter führen die Verbände aus: „Wird hier keine neue Perspektive eröffnet, ist von einer erheblichen Demotivation dieser hoch engagierten Kolleginnen und Kollegen auszugehen.“

Konkret entsteht nach Darstellung der Gewerkschaften eine Situation, in der das Eingangsamt und das erste Beförderungsamt künftig besoldungsgleich sind. Sven Christoffer, Vorsitzender von lehrer nrw, erklärt: „Am 1. August 2026 stehen wir vor der absurden Situation, dass Eingangsamt und erstes Beförderungsamt besoldungsgleich sind. Das ist nicht akzeptabel.“ Im offenen Brief heißt es, die fehlende Weiterentwicklung entwerte die betroffenen Stellen: „Dies nicht umzusetzen, entwertet die Stellen.“

„Diese Aufgaben sind für das System Schule unverzichtbar – ihre fehlende besoldungsrechtliche Weiterentwicklung ist nicht länger vermittelbar“

Betroffen seien insbesondere Lehrkräfte, die nach einem Revisionsverfahren Funktions- oder Beförderungsstellen übernommen haben. Sie koordinierten zentrale Aufgaben, entlasteten Schulleitungen und trügen Verantwortung für Schul- und Unterrichtsentwicklung. „Diese Aufgaben sind für das System Schule unverzichtbar – ihre fehlende besoldungsrechtliche Weiterentwicklung ist nicht länger vermittelbar“, schreiben die Verbände. Der VBE NRW betont zudem die strukturelle Dimension des Problems. In dem Brief heißt es: „Die fehlende Fortentwicklung betrifft nahezu ausschließlich die Primarstufe und die Sekundarstufe I, während in anderen Schulformen Laufbahnperspektiven selbstverständlich sind.“

Neben den Gewerkschaften äußert auch die Opposition im Landtag Kritik. Die FDP-Bildungsexpertin Franziska Müller-Rech erklärte einem Bericht der „Rheinischen Post“ zufolge: „Wer eine Schule leitet oder zusätzliche Aufgaben etwa als Fachleitung übernimmt, muss mehr verdienen als jemand, der das nicht tut. Der fehlende Lohnabstand macht Leitungs- und Funktionsstellen besonders in Grundschulen und der Sekundarstufe I unattraktiv – und das rächt sich bereits heute.“

Die SPD sieht einen Zusammenhang zwischen der Besoldungsstruktur und den landesweit rund 1200 unbesetzten Schulleitungs- oder Stellvertreterposten. Die schulpolitische Sprecherin der Fraktion, Dilek Engin, wird von der „Rheinischen Post“ mit den Worten zitiert: „Ist das ein Denkfehler bei der Besoldung nach A13, oder macht die Landesregierung das mit Absicht, um Geld zu sparen?“ Weiter sagte sie: „Jedenfalls ist es vollkommen ungerecht. Man darf sich wirklich nicht darüber wundern, dass das Land den Lehrermangel nicht in den Griff kriegt, wenn einerseits Schulleitungen und Personal fehlen und die Landesregierung andererseits alles tut, um die Menschen zu vergraulen, die im System sind.“

Die Gewerkschaften fordern eine „zeitnahe Weiterentwicklung der Besoldung für Schulleitungen sowie für Beförderungs- und Funktionsstellen in der Primarstufe und der Sekundarstufe I“ sowie „verlässliche und gerechte Laufbahnperspektiven“ und eine „klare haushalterische Absicherung dieser Schritte zum Jahr 2027“. News4teachers / mit Material der dpa

Hamburg befördert alle Grundschullehrkräfte zu Studienräten (was bedeutet: A13 plus Zulage). GEW: Vorbildlich!

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dickebank
1 Stunde zuvor

Wie, jetzt wollen die NRW-Lehrkräfte an GS und Schulen der SekI, die für die Übernahme zusätzlicher Aufgaben ein Beförderungsamt innehaben und zu A13 bzw. E13 vergütet werden, noch mehr Geld (mind. 450 EUR/Monat) haben? Das ist ja wohl die Höhe.
“Mitarbei bei …” an HS oder RS soll jetzt wie an einem richtigen GY mit A14 vergütet werden?
War doch an GE bis jetzt immer so lustig, dass z.B. Mitarbeit bei der Organisation (Stundenplanung) für Lehrer A13 und für Studienräte A14 gab – bei gleichen Tätigkeitsmerkmalen. Der Vertretungsplan vom A14er war aber auch nicht besser als der vom A14er