
Ministerpräsident Winfried Kretschmann hält wenig vom Beamtenstatus von Lehrerinnen und Lehrern. «Nein, den braucht es eigentlich nicht», sagte der Grünen-Politiker in Stuttgart auf die Frage eines Journalisten, ob es den Beamtenstatus für Lehrer denn unbedingt brauche. «Das muss man nicht als hoheitliche Aufgabe organisieren, es gibt ja auch angestellte Lehrerinnen und Lehrer, die können ihren Beruf genauso ausüben.» Es gebe keine tieferen Gründe für den Beamtenstatus. «Man kann das auch anders machen.»
Trotzdem hält er die Debatte nach eigenen Worten für nicht zielführend, weil alle Länder dann auf die Verbeamtung der Pädagogen verzichten müssten, dazu fehle aber die Bereitschaft.
Knackpunkt Länderkonkurrenz
Der Beamtenstatus sei attraktiv, kein Bundesland könne sich erlauben, Lehrerinnen und Lehrer an die Konkurrenz zu verlieren, sagte Kretschmann, der selbst Lehrer war und bald aus dem Amt scheidet. Auch sei der Abschied von der Verbeamtung bereits versucht worden, allerdings habe man wieder zurückrudern müssen. Die damalige Ministerpräsidentin Schleswig-Holsteins, Heide Simonis (SPD), hatte in den 90er Jahren in ihrem Land einen Sonderweg beschritten und Lehrer nur noch als Angestellte und nicht als Beamte eingestellt. Von 2001 an wurden Lehrer auch in Schleswig-Holstein wieder verbeamtet.
Zudem sei ein solcher Schritt teuer, sagte Kretschmann. «Das geben die Haushalte erstmal gar nicht her», sagte er. Insofern sei der Beamtenstatus für Lehrerinnen und Lehrer eingeführt und funktioniere. «Man könnte das auch ändern. Dann müssten es alle machen, dazu sind aber nicht alle bereit. Also halte ich das für vergossene Liebesmühe, jetzt diese Debatte wieder aufzumachen. Das wird nicht zielführend sein.» News4teachers / mit Material der dpa









Wie andere schon schrieben, es geht wohl gar nicht um die Abschaffung, sondern mehr um die Reduzierung der Privilegien.
Sehr gerne. Zur Rückgabe welcher Rechte, auf die ich verzichte, wäre man im Gegenzug bereit? Streik? Bezahlte Überstunden? Eigenständige Wahl des Dienstortes?
Da liegt der Landesvater genau richtig.
Und im Wahlkampf macht man sich mit Lehrerbashing und Beamtendissen gerne Freunde.
BeamtInnen werden weniger angegangen als andere Gruppen
Das ändert sich und wird noch Fahrt aufnehmen, denn “die Beamten” sind das ideale Feindbild: eine klar vom sozialen Umfeld abgrenzbare Gruppe, angeblich unverdient privilegierte Position und kollektiv als defizitär definierbar, damit auch in letzter Konsequenz entbehrlich. Läuft!
Das hat doch nichts mit “Feindbild” zu tun! Oder sind Rentner das Feindbild der Pensionäre? Wie ich gerade las, hatte eine Pensionär geklagt erfolgreich gegen die Nicht-Besteuerung der Renten, die dadurch nun besteuert werden, obwohl sie eh schon deutlich geringer sind als die Pensionen.
Soweit ich weiß, wurde eher gegen die Besteuerung der Pensionen geklagt.
Welche stichhaltigen Gegenargumente haben Sie auf Lager?
Jaja Wasser predigen und Wein saufen. Ich bin übrigens der Meinung es braucht keine Diäten, sollen sie doch alle Lobbyarbeit machen.
Für mich gibt es keinen vernünftigen Grund, warum es *privat* Schulen (und private Krankenkassen) gibt. (Verständliche Gründe wie Egoismus sehe ich tatsächlich gegeben.)
Aber darüber eine Diskussion zuführen – wird keine schnelle Änderung ergeben – jedoch ohne Diskussion wird sich nichts ändern.
Für mich gehören alle Berufsgruppen in den Beamtenstatus sobald der Arbeitsgegenstand der Mensch ist , und damit diese Arbbeit nur mit wirtschaftlichen Kosten und eher nie mit Gewinnen verbunden sein wird.
Ein Staat muss nicht reich sein, aber seine Bürger gesund und wohlhabend.
Also auch Erzieher. Und Verkäufer. Und Ärzte. Und Altenpfleger. Und …
Und die Kosten zahlen die anderen?
Es ist ja nicht nur das, dass alle Bundesländer es gemeinsam beschließen sollten (nicht müssen, aber sollten); es ist auch das, dass jede neue Landesregierung das ja wieder aufheben könnte. Wir hatten ja gut 20 Jahre die Situation, dass die ostdeutschen Bundesländer nicht verbeamtet hatten. Das war in Zeiten des Lehrerüberschusses kein Problem. Umzüge gibt’s immer und Lehrer haben oft ein Häuschen, das sie schlecht mitnehmen können.
Das Einzige, was jetzt bzgl. Beamtentum bei Lehrern Sinn macht, aber dann gleich bei allen Beamten ist der Abbau der Beamtenprivilegien, z.B. die Angleichung von Pension und Rente, weil es nicht mehr vermittelbar ist, dass die Beamten diese Art von Pension bekommen, während die Renten ständig neu auf irgendeine Art und Weise gekürzt werden, egal, ob Anhebung des Renteneintrittsalters oder Absenkung des Rentenniveaus usw.
Das ist nicht mehr hinnehmbar!
Und Besteuerung der Renten, was ein Beamter eingeklagt hatte. So viel zum Thema Neid!
Unglaublich!!! Ist das Neid gewesen? Obwohl man selbst 1000 Euro mehr bekommt?!?
Sie wissen aber schon, dass die Beamtenbezüge mit Verweis auf die hohe Pension in Summe um ca. 20% gekürzt wurden? Wenn sie die Pension schmälern wollen, müssen die Bezüge der aktiven Beamten um eben diese 20% ansteigen. Aber das will dann natürlich auch niemand hören.
Er hat recht.
Die Länder verbeamten um kurzfristig Geld zu sparen.
Die Lehrkräfte sollen verbeamtet werden, um mehr netto zu haben. Die Kosten dafür sind die Rechte zum streiken und mehr…
Die Politiker wollen ihre Wähler nicht verlieren.
Keine nachhaltige Politik! Also geht’s weiter tiefer!
Das kann man nur in Zeiten eines neuen Lehrerüberschusses, was uns ja bevorsteht.
Zudem sei ein solcher Schritt teuer, sagte Kretschmann. «Das geben die Haushalte erstmal gar nicht her», sagte er. (…). «Man könnte das auch ändern. Dann müssten es alle machen, dazu sind aber nicht alle bereit. Also halte ich das für vergossene Liebesmühe, jetzt diese Debatte wieder aufzumachen. (…).»
Also bleibt die aktuelle Debatte folgenlos? Nein, nicht ganz: Der Beamtenstatus wird – diesmal – nicht abgeschafft werden, doch in den Köpfen der Leute wird sich Folgendes noch tiefer eingraben:
Beamtenstatus / Privilegien / ewiges Gejammer / Halbtagsjob / faule Säcke / ständig Ferien
Das kann man dann für immer mehr finanzielle Einschnitte und noch mehr systematisch geduldete, möglicherweise sogar geplante Überlastung nutzen. Also ist die Stoßrichtung hier nicht notwendig die tatsächliche Abschaffung der Verbeamtung für Lehrkräfte – es geht (wie immer) um die Rechtfertigung weiterer Sparmaßnahmen.
Sieht man auch daran, dass die Bundesländer ja gar nicht einseitig ihre Lehrkräfte “entbeamten” könnten: Nicht dass das Teil des Vorschlags von Conrad Clemens gewesen wäre, doch diese Unmöglichkeit bedeutet (wie Kretschmann völlig richtig sieht), dass man erst mal die Pensionen der Bestandsbeamten (darunter die der Boomer-Generation, die sich gerade massenhaft in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet) zahlen müsste und gleichzeitig anteilig die Sozialversicherungsbeiträge der neuen angestellten Lehrkräfte zu stemmen hätte. Es würde also erst mal teurer.
Man kann jetzt natürlich, aufgrund der historischen Eigenheiten der Wiedervereinigung, spekulieren, ob Sachsen derzeit eine ebenso hohe Pensionierungswelle von verbeamteten Boomer-Lehrkräften erlebt wie andere Länder, oder ob die eben nie verbeamtet wurden. Dann fiele ein Systemwechsel in Sachsen natürlich leichter – aber eben nur dort und nicht in anderen Bundesländern, sodass viele Länder weiter verbeamten würden und Sachsen bei der Personalgewinnung vermutlich ins Hintertreffen geriete.
Dass Conrad Clemens seinen Vorschlag trotzdem weiter verfolgt, zeigt meines Erachtens, wie verzweifelt die Politik in Sachsen ist. Es ist offenbar so: Die müssen um jeden Preis sparen, sparen, sparen, egal wie, und nicht nur so ein kleines bisschen, sondern ganz, ganz viel.
Insofern gilt: Weder möchte ich dort gerade Lehrkraft sein noch überhaupt aktuell dort leben.
Ausgerechnet Kretschmann, der vor gut einem Jahr seine grünen Schäfchen, z. B. Pressesprecher, dauerhaft ins Trockene gebracht hat, bevor die Legislatur zu Ende geht, obwohl diese “Geisteswissenschaftler” in keiner Weise mit hoheitlichen Aufgaben betraut waren:
https://www.ardmediathek.de/video/swr-aktuell-baden-wuerttemberg/kretschmanns-plaene-zur-leichteren-verbeamtung-sorgen-fuer-aerger/swr-bw/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzIxMDEwMzM
https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/beamte-streit-um-verbeamtung-in-ministerien-100.html
https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/winfried-kretschmann-gruenes-staatsministerium-will-neue-laufbahn-fuer-beamte-schaffen-19938041.html
https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.chance-fuer-geisteswissenschaftler-umstrittene-beamtenlaufbahn-ist-jetzt-geschaffen.6860730f-dc38-4e87-8cec-dff5edfdbd53.html
Die Pläne dazu waren extrem umstritten, weil es bis dato keine passende Beamtenlaufbahn gab, und keinen Grund, solche Berufsbilder als staatstragend zu betrachten – er hat die deutlich zweistellige Anzahl neuer Stellen extra für seine grünen Schützlinge ins Leben gerufen und politisch durchgesetzt!
Komisch. In solchen Fällen sagt niemand: “Der muss es ja wissen. Schließlich war er mal Lehrer / hat mal Lehramt studiert”
Ach wie erfrischend konstant das hier doch alles ist.
Wer sich den aktuellen Print-SP**** durchgelesen hat, mit seiner Attake auf die Beamten, merkt schnell, dass es NUR um die Lehrer geht: Alle “Negativbeispiele” (dauerkrank, Pensionshöhe, Vergleich Verdienst Angestellte-Beamte) sind Lehrer!
Es ist eine gezielte Kampagne gegen verbeamtete Lehrkräfte. Wer das immer noch nicht kapiert hat, dem ist nicht zu helfen!
Ja geil. Mein Mann und ich stehen gerne als Positivbeispiele parat. Arbeiten 7 Tage die Woche, ziehen nebenher noch drei soziale Kinder mit Bestnoten groß. Haben das gammligste Haus der ganzen Siedlung, weil nie Zeit für irgendwas außer Schule.
Wie schön, dass Sie Ihre Arveitszeit verteilen können wie sie wollen.
„ Wie schön, dass Sie Ihre Arveitszeit verteilen können wie sie wollen.“
Wäre schön, wenn es so wäre. Ist bei Lehrern aber nicht so.
Aha. Das ist mir neu.
Lehrer müssen also jeden Tag mindestens 8 Stunden am Stück arbeiten. Lehrer können also nicht statt Freitag Nachmittag Samstag Morgen oder Freutag Abend arbeiten?
Lehrer können also nicht Korrekturen vor den Ferien erledigen, um die Ferien frei zu haben?
Lehrer sind also verpflichtet, ihre Arbeitszeit in der unterrichtsfreien Zeit nach einem bestimmten Plan abzuleiten?
Sehr interessant
Freie Zeiteinteilung bedeutet, dass ich selbst entscheiden kann, wie ich meine Arbeit über die Arbeitswoche verteile.
Dem stehen der Stundenplan, Konferenzen, Prüfungstermine, Elterngespräche (9.30 am Morgen?) usw. entgegen.
Mit freundlichen Grüßen,
Mika BB
(im echten Leben: Lehrer)
Aha. Und wer hat Ihrer Meinung dann die freie Zeiteinteilung?
Jeder der Kunden hat muss sich an Termine halten, um mit anderen zusammenzuarbeiten.
(Keine Sorge, den Lehrer merkt man Ihnen an, den Hinweis braucht es gar nicht)
BeamtInnen bei Rentenkassen, Unfallkassen, Wetterdienst scheinen normal zu sein, traurig
Es geht immer oder fast immer um
BesmtInnen unter den Lehrkräften, bin da sogar bei Ihnen
Ca. ein Drittel aller Beamten sind Lehrer. Es ist statistisch einfach kaum möglich, bei drei zufällig herausgegriffenen “Negativbeispielen” nur Lehrer zu erwischen, die Chance ist 1 zu 27, also ca. 3,7%
Irgendwo im Spiegel-Artikel steht z.B., dass sich die Zahl der “dauerkranken” (> 6 Monate) Lehrer im Promillebereich bewegt, und dann steht da sinngemäß “das ist zwar wenig, aber bei Lehrermangel kommt es auf jeden einzelnen an.” Das ist eine perfide Stimmungsmache!
Im letzten Abschnitt steht doch klar geschrieben, was Sache ist.
Da wird auch der nächste Artikel auch nur zu den gleichen Positionen / Kommentaren führen. Und täglich grüßt,dea Murmeltier.
Schätze, mein Eid war für meinen Dienstherren eher eine Art Einbahnstraße 😛