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Mathe, Chemie und Physik unterrichtet – Hochstaplerin drohen zehn Jahre Haft

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HEIDELBERG. Sie soll dank gefälschter Qualifikationen jahrelang als Lehrerin an Privatschulen in Baden-Württemberg und im Saarland unterrichtet haben. Wie konnte die 41-Jährige so lange tätig sein?

Das Gericht hat zu entscheiden. Foto: Shutterstock

Nachdem eine Frau jahrelang in mehreren Bundesländern ohne die entsprechende Qualifikation als Lehrerin gearbeitet haben soll, hat das Verfahren gegen die 41-Jährige am Heidelberger Landgericht begonnen. Das Gericht wirft der Frau laut einer Sprecherin unter anderem Betrug und Urkundenfälschung vor. Der Frau drohen demnach im Falle einer Verurteilung wegen gewerbsmäßigen Betrugs bis zu zehn Jahre Haft. Sie war bereits wegen ähnlicher Taten in Rheinland-Pfalz verurteilt worden. Die wichtigsten Fragen:

Wie lauten die Vorwürfe? Die Frau soll laut Anklage an Privatschulen in Heidelberg und im saarländischen Homburg jahrelang Mathe, Physik und Chemie unterrichtet haben. Demnach hatte sie dafür mehrfach sowohl entsprechende Hochschulzeugnisse gefälscht als auch ein polizeiliches Führungszeugnis ohne Einträge erstellt. Allein in Heidelberg soll sie laut Gericht von 2021 bis 2024 einen Bruttolohn in Höhe von fast 200.000 Euro erschlichen haben – in Homburg von Januar bis April 2025 wiederum 11.000 Euro Gehalt.

Die Privatschule in der Region Heidelberg entließ die Frau, nachdem sie laut Anklage monatelang wegen einer angeblichen Krebserkrankung krankgemeldet war und dafür gefälschte Atteste vorgelegt hatte. Die Angeklagte zog daraufhin laut Gericht ins Saarland und arbeitete dort ab Januar 2025 an einer Privatschule. Wenige Monate später, im April, wurde ihre fehlende Qualifikation entdeckt und ihr wurde fristlos gekündigt.

Ihr Anwalt gestand die Vorwürfe im Namen der Angeklagten ein. Ein Urteil könnte am 10. April verkündet werden.

Was hat die Angeklagte zu ihrer Verteidigung gesagt? «Ich empfinde extreme Scham», sagte die 41-Jährige. «Ich bin unfassbar ungläubig, wie ich das schaffen konnte, wie ich das überhaupt machen konnte.» Sie habe eine liebevolle Kindheit im rheinland-pfälzischen Landstuhl gehabt. Ihre Eltern seien beide Lehrer gewesen, erzählte die Frau mit leiser und teilweise gebrochener Stimme. Sie sei auch im Gymnasium Klassenbeste gewesen, habe ihr Abitur mit einem Schnitt von 1,3 abgelegt. Ihre Eltern hätten sich zu dem Zeitpunkt allerdings schon sehr auf ihren Bruder konzentriert, bei dem eine Veränderung im Gehirn gefunden worden sei.

Anschließend habe sie unter anderem Mathe und Chemie auf Lehramt studiert, sei aber durch die erste Matheklausur gefallen – und habe sich dadurch nutzlos gefühlt. Jahrelang habe sie sich weiter um einen Studienabschluss bemüht, sei aber depressiv gewesen und habe eine Essstörung gehabt. Sie habe ihre Antidepressiva immer höher dosiert, um auch ihre Schlafprobleme zu behandeln. Letztlich habe sie das Studium abgebrochen. Alle ihre Familienmitglieder seien Lehrer gewesen. Sie habe sich selbst unter Druck gesetzt, auch als Lehrerin zu arbeiten.

Wer hat die Frau angezeigt? Aufgeflogen war die Frau laut Anklage, als sie im Oktober 2024 ein Darlehen in Höhe von 25.000 Euro bei einer Bank beantragt hatte – mit gefälschten Gehaltsnachweisen. Ihr Gehalt war demnach als zu hoch angegeben. Die Bank erstattete Anzeige gegen die damals 40-Jährige, die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen ein. In den Gehaltsnachweisen war eine Privatschule als Arbeitgeber angegeben. In zwei weiteren ähnlichen Fällen soll sie laut Gericht erfolgreich Darlehen von Banken beantragt haben – und dabei insgesamt 30.000 Euro erlangt haben.

Ein Verkehrsunfall wurde ihr laut Gericht schließlich zum Verhängnis: Als sie diesen bei der Polizei anzeigen wollte, wurde die mutmaßliche Betrügerin im September 2025 festgenommen. Gegen sie lag bereits ein Haftbefehl vor.

War die Frau den Ermittlungsbehörden bereits bekannt? Die Frau war bereits 2021 in Rheinland-Pfalz zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Sie hatte sich mit gefälschten Universitätsabschlüssen Zugang zum Referendariat erschlichen. Ende 2023 war sie zudem in Heidelberg zu einer weiteren Bewährungsstrafe wegen Urkundenfälschung verurteilt worden.

Wie agieren Hochstapler? «Oft beginnen die Betroffenen ihre Täuschungsaktivitäten in einer „Verführungssituation“, ohne groß über die Konsequenzen ihres Tuns nachzudenken», sagt Psychologe Prof. Peter Walschburger von der Freien Universität Berlin. Anschließend machten sie dann unkritisch gegenüber ihren eigenen Verfehlungen immer weiter, wobei es immer schwerer werde, «sich aus ihrem Lügengespinst und ihrer falschen Identität zu befreien».

Ethische Standards spielten für diese Menschen keine hinreichende Rolle, um deswegen ihr Verhalten zu ändern. «Allgemein gesagt, ist die Balance zwischen ihrem Anspruch auf Selbstentfaltung und der Bindung an ihre Mitmenschen gestört», sagt der Wissenschaftler. «Häufig geht es um Menschen, die es nicht geschafft haben, mit der nötigen Disziplin im Berufsleben die Position zu erreichen, die ihren Wünschen und Sehnsüchten entspricht.»

Die Umwelt agiere oft leichtgläubig, sagt Walschburger. Die Hochstapler seien zudem oft intelligente Menschen, die sich meist durch eine gute Einfühlungsfähigkeit für ihre Mitmenschen auszeichnen. News4teachers / Von Stefanie Järkel, dpa

Notorische Hochstaplerin: Falsche Lehrerin arbeitet jahrelang an Schulen – U-Haft

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2 Kommentare
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Katze
1 Stunde zuvor

Mathe, Chemie und Physik unterrichtet – und niemand hat’s gemerkt.
Das sagt weniger über die Hochstaplerin aus als über das System, in dem sie nicht aufgefallen ist und das sie am Ende sogar durchgewunken hat.
Wenn Noten inflationiert werden, der Unterricht ans ‚Wir‑wollen‑alle‑mitgenommen‑werden‘‑Niveau angepasst wird und manche Eltern der Privatschüler ohnehin sagen: ‚Chemie haben wir damals auch nicht verstanden‘, dann fällt eine fachlich luftige Lehrkraft eben nicht weiter auf.
Und dann noch der Satz: ‚Die Hochstapler seien zudem oft intelligente Menschen, die sich meist durch eine gute Einfühlungsfähigkeit auszeichnen.‘
Na klar – perfekte Voraussetzungen für den modernen Unterricht: ein bisschen Fühli‑Fühli, ein paar empathische Nicken, ein paar Wunschzettel‑Noten, und schon fällt nicht auf, dass wir an Schule zunehmend Hochstapler mit Scheinkompetenzen ausbilden.
Da passt die Kollegin natürlich hervorragend ins Gesamtbild.
Bildungsinitiative Schland 2035 lässt grüßen.

Achin
1 Stunde zuvor

Schein und Sein an superteuren Heidelberger Privatschulen…