Start Leben Lehrerberuf im Wandel: Schulleitungsverband fordert grundlegende Reformen – “pädagogische Professionalität” stärken!

Lehrerberuf im Wandel: Schulleitungsverband fordert grundlegende Reformen – “pädagogische Professionalität” stärken!

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BERLIN. Der Allgemeine Schulleitungsverband Deutschland (ASD) sieht den Lehrerberuf in einer Phase tiefgreifender Umbrüche. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und veränderte gesellschaftliche Erwartungen verschieben die Anforderungen an Schulen und Lehrkräfte deutlich. In einer aktuellen Stellungnahme formuliert der Verband konkrete Forderungen – und macht deutlich, dass es nicht nur um technische Anpassungen geht, sondern um ein neues Verständnis professionellen Lehrerhandelns.

“Lernen ist und bleibt ein sozialer Prozess”: Sven Winkler, Bundesvorsitzender des ASD. Illustration: News4teachers

Der Lehrerberuf steht nach Einschätzung des Allgemeinen Schulleitungsverbands Deutschland vor strukturellen Veränderungen, die weit über einzelne Reformprojekte hinausgehen. In einer aktuellen Stellungnahme beschreibt der Verband einen tiefgreifenden Wandel, der durch technologische Entwicklungen ebenso vorangetrieben wird wie durch gesellschaftliche Erwartungen an Schule.

„Der Lehrerberuf verändert sich derzeit grundlegend – technologisch, gesellschaftlich und pädagogisch“, erklärt der ASD-Vorsitzende Sven Winkler. „Lehrkräfte sind heute längst nicht mehr nur Wissensvermittler. Sie begleiten Lernprozesse, moderieren Diskussionen und unterstützen Schülerinnen und Schüler dabei, selbstständig zu lernen und kritisch zu denken.“

„Lehrkräfte müssen darauf vorbereitet sein, mit heterogenen Lerngruppen zu arbeiten, Lernprozesse zu begleiten und individuelle Förderung zu ermöglichen“

Mit dieser Verschiebung geht eine veränderte Rolle von Schule insgesamt einher. Unterricht wird zunehmend als offener Prozess verstanden, der stärker auf individuelle Förderung, eigenständiges Lernen und kooperative Arbeitsformen ausgerichtet ist. Konzepte wie projektorientiertes Arbeiten, forschendes Lernen oder der Einsatz digitaler Werkzeuge prägen bereits vielerorts den Schulalltag. Zugleich erweitern sich die Aufgabenfelder von Lehrkräften. Neben der Vermittlung von Fachwissen rücken Medienbildung, Demokratieerziehung, Inklusion und soziale Entwicklung stärker in den Mittelpunkt.

Vor diesem Hintergrund sieht der ASD insbesondere in der Lehrkräftebildung erheblichen Anpassungsbedarf. Der Verband kritisiert, dass in vielen Studiengängen weiterhin die fachwissenschaftliche Ausbildung dominiere, während pädagogische Kompetenzen nicht ausreichend gewichtet würden. „Fachwissen bleibt wichtig, aber pädagogische Professionalität ist die Grundlage guten Unterrichts“, so Winkler. „Lehrkräfte müssen darauf vorbereitet sein, mit heterogenen Lerngruppen zu arbeiten, Lernprozesse zu begleiten und individuelle Förderung zu ermöglichen.“

Konkret fordert der Verband eine stärkere Verankerung von Pädagogik, Diagnostik und Beziehungsgestaltung in allen Lehramtsstudiengängen. Diese Kompetenzen dürften nicht als Ergänzung einzelner Fächer verstanden werden, sondern müssten als grundlegende Voraussetzung professionellen Handelns gelten. Auch der Umgang mit Vielfalt im Klassenzimmer solle systematischer Bestandteil der Ausbildung werden.

Eine zusätzliche Dynamik erhält diese Entwicklung durch die Digitalisierung. Der ASD verweist darauf, dass insbesondere Künstliche Intelligenz neue Möglichkeiten für Unterricht und individuelle Förderung eröffne, etwa durch automatisiertes Feedback oder adaptive Lernsysteme. Gleichzeitig entstünden neue Herausforderungen, etwa bei der Leistungsbewertung oder im Umgang mit KI-generierten Inhalten.

Winkler betont jedoch die Grenzen technologischer Lösungen: „Künstliche Intelligenz kann Unterricht unterstützen, aber sie ersetzt keine Lehrkraft. Lernen ist und bleibt ein sozialer Prozess, der Beziehung, Vertrauen und pädagogisches Gespür braucht.“ Daraus leitet der Verband die Forderung ab, digitale Technologien konsequent pädagogisch zu denken und Lehrkräfte entsprechend zu qualifizieren. Es gehe nicht nur um technische Kompetenzen, sondern um didaktische Konzepte und reflektierten Einsatz im Unterricht.

Neben Ausbildung und Digitalisierung rückt der ASD auch die Arbeitsbedingungen von Lehrkräften in den Fokus. Der Verband beschreibt eine zunehmende Verdichtung von Anforderungen, die vielerorts die pädagogische Arbeit erschwere. Lehrkräftemangel, wachsende Heterogenität der Schülerschaft sowie steigende administrative Aufgaben führten zu einer hohen Belastung im Berufsalltag.

Die Folge sei eine Entwicklung, die sich in vielen Kollegien bereits abzeichne: steigende Teilzeitquoten, Überlastungsanzeigen und eine sinkende Attraktivität des Berufs. Vor diesem Hintergrund fordert der ASD eine spürbare Entlastung der Lehrkräfte. Dazu gehörten neben dem Abbau bürokratischer Aufgaben auch eine bessere personelle Ausstattung der Schulen und der Ausbau multiprofessioneller Teams.

Zugleich plädiert der Verband für ein erweitertes Verständnis von Professionalisierung im Lehrerberuf. Diese dürfe nicht mit dem Abschluss des Referendariats enden, sondern müsse als kontinuierlicher Prozess organisiert werden. Fortbildungen, insbesondere in den Bereichen Digitalisierung, Diagnostik und Unterrichtsentwicklung, sollten systematisch verankert werden. Schulen selbst müssten stärker zu Orten professionellen Lernens werden, in denen kollegiale Zusammenarbeit und Austausch strukturell ermöglicht werden.

„Der Lehrerberuf gehört zu den wertvollsten Berufen unserer Gesellschaft“

Die Stellungnahme des ASD verweist damit auf ein zentrales Spannungsfeld bildungspolitischer Diskussionen: Während sich die Anforderungen an Schule stetig erweitern, bleiben strukturelle Anpassungen häufig hinter dieser Entwicklung zurück. Der Verband formuliert seine Forderungen deshalb ausdrücklich als Beitrag zu einer grundsätzlichen Neujustierung des Lehrerberufs.

„Der Lehrerberuf gehört zu den wertvollsten Berufen unserer Gesellschaft“, sagt Winkler. „Lehrkräfte prägen Generationen junger Menschen. Wenn wir über die Zukunft unseres Bildungssystems sprechen, müssen wir deshalb auch über die Stärkung des Lehrerberufs sprechen.“ News4teachers 

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Katze
21 Tage zuvor

Aaah, „pädagogische Professionalität stärken“. Ich hatte wirklich einen kurzen Moment Hoffnung, dass es diesmal um etwas Substanzielles gehen könnte – Fachwissen, klare Strukturen, Unterricht, der tatsächlich funktioniert. Aber dann kam wieder der unvermeidliche Satz aus dem pädagogischen Bullshit-Bingo: „Lehrkräfte sind heute längst nicht mehr nur Wissensvermittler. Sie begleiten Lernprozesse, moderieren Diskussionen und unterstützen Schülerinnen und Schüler dabei, selbstständig zu lernen und kritisch zu denken.“ Moderator, Lernbegleiter, Prozessbetreuer – alles außer jemand, der einfach mal etwas erklärt. Hauptsache, man „moderiert“ ein Lernsetting, das so offen ist, dass selbst die Luft darin Orientierung sucht.
„Konzepte wie projektorientiertes Arbeiten, forschendes Lernen oder der Einsatz digitaler Werkzeuge prägen bereits vielerorts den Schulalltag.“ Ja, und genau deshalb haben so viele Lehrkräfte inzwischen sehr lebendige Exitfantasien. Während die Theorie jubelt, dass Schüler „forschend“ und „selbstorganisiert“ in „Schülerexpertengruppen“ lernen sollen, sieht die Realität so aus: Chaos, Überforderung, und am Ende doch wieder die Lehrkraft, die alles retten muss – nur diesmal mit dem Vorwurf, sie hätte nicht genug „begleitet“. Die frontal unterrichteten Schüler der 1990er waren (Überraschung!!!!) trotzdem in der Lage, sich selbst zu organisieren, wenn es nötig war. Vielleicht, weil sie vorher überhaupt mal etwas gelernt hatten, das man organisieren konnte.
Aber klar, weiter im Takt: Trallala und hoppsasa, auf in die Schule der Zukunft, in der Lehrkräfte gleichzeitig Coach, Sozialarbeiter, IT-Support, Mediator, Diagnostiker, Lernbegleiter, Motivationskünstler und nebenbei irgendwie noch Fachleute sein sollen. Nur unterrichten zu wollen – diesen Wunsch sollten sie im neuen Normal endlich aufgeben.

Der „Allgemeine Schulleitungsverband Deutschland (ASD) sieht den Lehrerberuf in einer Phase tiefgreifender Umbrüche.“ Viele von uns sehen das anders. Das sind nicht nur Umbrüche, das ist auch die Phase der Ausbrüche vieler LUL – raus aus einem System, das sich in seinen eigenen pädagogischen Luftschlössern verheddert hat. Viele von uns Oldschool‑Lehrern gehen, weil sie seit Jahren von SOL-Zirkus und Kompetenzgedöns zermürbt wurden. 

blau
20 Tage zuvor
Antwortet  Katze

In anderen Ländern geht man ganz andere Wege. Zurück zu mehr zu Struktur. Mit den Methoden von Doug Lemov. Da schwimmt man in Deutschland aber völlig gegen den Trend und das ist sehr ermüdend

dickebank
20 Tage zuvor
Antwortet  blau

Wer Struktur möchte, sollte den Wänden der Klassenzimmer einen Strukturputz verpassen, ist auch gut für den Schallschutz.

Pädagogin vom Dienst
20 Tage zuvor
Antwortet  Katze

Ich habe SOL damals noch nach dem Sandwich-Prinzip gelernt: Wir beginnen gemeinsam (= Grundlage). Es folgen Gruppenphasen etc. Die Lehrkraft macht dann in einer Sicherungsphase (sic!) den Deckel drauf.
Was wir nicht gemeinsam ausgewertet hatten, durften wir auch nicht abprüfen.
Das hat damals für mich Sinn ergeben und so “coache” und unterrichte ich auch heute noch.
Das Unterrichten lasse ich mir nicht nehmen – sonst bin ich auch weg.

unfassbar
20 Tage zuvor

Sind Sie mit SOL und Ihrer Sicherung genauso schnell wie “klassisch”, bezogen auf Vorbereitung und Durchführung? Ich frage, weil ich beim Stationenlernen u.ä. bei mehr organisatorischem Aufwand im Vorfeld in der Summe weniger Ertrag habe, weil es von zu vielen Schülern nicht ernst (genug) genommen wird, und die Sicherung noch oben drauf kommt.

Lachmöve
2 Tage zuvor
Antwortet  Katze

Ja, so wie sich die Welt verändert, so verändert sich auch der Lehrerberuf, endlich wird dies auch mal formuliert , nur die Lehrer- zum größten Teil Beamte- wollen dies nicht erkennen. Sie tragen Verantwortung für die Zukunft unserer Kinder, sollen als Beamte im Sinne des Staates diese Aufgabe übernehmen….sind dazu aber nicht bereit, denn das ist eine sehr große Herausforderung und macht Arbeit. ….traurig.

Realistin
21 Tage zuvor

Ach es muss sich so viel ändern, viele sind so erschöpft, die Klassen sind laut und oft nicht mehr beschulbar.
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dickebank
21 Tage zuvor
Antwortet  Realistin

Schön für die angestellten Lehrkräfte. Und bitte keine Übertragung auf die Beamt*innen. Endlich mehr Netto, yeah.
Scheibenkleister, gerade wieder aus meinem Tagtraum hochgeschreckt.

Thomas
21 Tage zuvor
Antwortet  dickebank

Sie können doch Beamter werden, brauchen eben nur die Berechtigung dazu. Müssen ja nicht Angestellter sein?
Gehen sie in dorthin, wo es Homeoffice, 35 Std Woche und ab Mai einen netten Bonus von 2K gibt 😉
Schule muss sich dringend ändern!! Keine 41 Stunden mehr, Homeoffice und auch 35 Stunden. Was soll das noch?

dickebank
19 Tage zuvor
Antwortet  Thomas

Ich bin im Ruhestand.
Übrigens Eignung und Befähigung habe ich sowohl im Bereich des Wirtschaftsministeriums als auch im schulischen Bereich jeweils mit erfolgreich abgeschlossenem 2. StEx nachgewiesen.
Im ersten Bereich hatte ich kein Interesse zur Arbeit in einer Landesbehörde, brauchte aber die Laufbahnprüfung, um eine entsprechende Stelle als Assessor in der freien Wirtschaft zu erhalten. Beim Einstieg in den Lehrerberuf, hatte ich die Altersgrenze überschritten, da mein erstes Berufsleben inkl. Studium und Vorbereitungsdienst schon 27 Jahre angedauert hat. Das zweite dann noch einmal 20 Jahre. Bei 7 Studienjahren sind meine beiden Berufsleben gleich lang gewesen.

Ulla
6 Tage zuvor
Antwortet  Realistin

Laaangweilig

Osterhase
21 Tage zuvor

Ich will hier keine Reklame für Waldorfschulen machen, aber interessant könnte doch sein, mit welchen Argumenten ein Waldorf-Lehrer das selbstbestimmte Lernen kommentiert:
https://www.erziehungskunst.de/artikel/der-betrug-mit-dem-selbstbestimmten-lernen

GriasDi
19 Tage zuvor
Antwortet  Osterhase

Danke für diesen Artikel.

unverzagte
9 Tage zuvor
Antwortet  Osterhase

Dank ebenfalls für den link, allerdings nervt der einleitenden Satz “Ein neues Gespenst geht um…”. Selbstbestimmtes Lernen entstammt aus der über hundertjährigen Reformpädagogik insbesondere M. Montessori und C. Frenet. Wer sich mit deren Konzepten nicht beschäftigt hat, klammert die Didaktik der Urheber*innnen aus.

Osterhase
5 Tage zuvor
Antwortet  unverzagte

Neu ist ja vielleicht das “Gespenst”, dass dieses “selbstbestimmte” Lernen jetzt flächendeckend propagiert wird und eingeführt werden soll, OHNE die Ideen dieser über hundertjährigen Reform-pädagogik dabei mit zu berücksichtigen. Es heißt einfach: Das ist modern, das ist “digitales Lernen” und gehört zur “Kultur der Digitalität”. Wer dagegen ist, ist altmodisch. Aus dem verlinkten Artikel:

“Am Ende der Entwicklung stünde dann der vom Computer mehr oder weniger überwachte Schüler, der dessen Lernstand misst.”

Walter Hasenbrot
21 Tage zuvor

Dass KI Lehrkräften Arbeit abnimmt, glaube ich erst, wenn Vera und zentrale Abschlussklausuren von einer KI werden und nicht mehr von Lehrkräften korrigiert werden müssen.

Rainer Zufall
21 Tage zuvor

“Vor diesem Hintergrund sieht der ASD insbesondere in der Lehrkräftebildung erheblichen Anpassungsbedarf. Der Verband kritisiert, dass in vielen Studiengängen weiterhin die fachwissenschaftliche Ausbildung dominiere, während pädagogische Kompetenzen nicht ausreichend gewichtet würden.”
So eine freundliche Art zu sagen, dass einige Lehrkräfte hier heutigen Ansprüchen nicht mehr gerecht werden und völlig unprofessionell sind, sich daraus folgenden Anpassungen – jahrelang! – zu verweigern 🙂

Die Wirtschaft darf über unprofessionelle, unzureichend ausgebildete Schneeflöckchen ablästern, aber Lehrkräfte sind da wohl zu zart, um 40 Jahre alte Vorstellungen mal gaanz langsam an das neue Jahrhundert anzupassen…

GriasDi
19 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Laut dem Lehrer-Pisa (Coactiv-Studie) oder der TedsM- Studie sind aber die Lehrkräfte im Schnitt erfolgreicher die fachlich besser sind.

Rainer Zufall
18 Tage zuvor
Antwortet  GriasDi

Fachlichkeit ist doch kein Gegensatz, im Gegenteil.
Ich traue Lehkräften durchaus die Kompetenz in beiden Bereichen zu 😉

GriasDi
17 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Zitat:
“Fachlichkeit ist doch kein Gegensatz…”

So wird es aber immer hingestellt bzw. auch öffentlich gegen einander ausgespielt.

Rainer Zufall
16 Tage zuvor
Antwortet  GriasDi

Ja, beispielsweise hier:
https://www.news4teachers.de/2026/03/lehrerberuf-im-wandel-schulleitungsverband-fordert-grundlegende-reformen-paedagogische-professionalitaet-staerken/#comment-791551

Die Fachlichkeit zu würdigen ist doch toll und richtig, niemand zwang Sie, dies gegen die pädagogische Arbeit aufzurechnen 🙂

Osterhase
5 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Die anderen sind unprofessionell, aber Sie selbst sind vorbildlich professionell, weil Sie die “richtigen” Buzzwords verwenden (das neue Jahrhundert …). 🙂

Sepp
20 Tage zuvor

Schulleitungsverband fordert grundlegende Reformen – “pädagogische Professionalität” stärken!
Wir sind doch längst nicht mehr hauptsächlich Lehrende, sondern Animateure, Erzieher und
Dompteure, Sozialarbeiter, Schulbegleitung, Sonderpädagogen, Geldeinsammler oder -eintreiber, Reiseveranstalter, Psychologen und Therapeuten, Inneneinrichter & Handwerker (wenn man sich so manchen Klassenraum anschaut), Ernährungs-Coaches, BNE-Vermittler, Drogen-Beauftragte, Fachkräfte für interkulturellen Dialog und Queerness. Ganz nebenbei übernehmen Lehrkräfte Aufgaben im Brandschutz, als Gefahrstoff- und Strahlenbeauftragte, beim Aufrechterhalten der IT-Infrastuktur usw.
An sich sind wir multiprofessionelle Teams, in einer Person, die mal besser mal schlechter funktionieren…

Wenn man den Titel also wörtlich nehmen würde, käme ich zu einer ganz anderen Einschätzung als der Artikel. Dann müssten wir uns als Lehrkräfte nämlich wieder vermehrt professionalisieren, also auf unsere eigentliche Profession konzentrieren – und zwar auf das Unterrichten!

Unterricht wird zunehmend als offener Prozess verstanden, der stärker auf individuelle Förderung, eigenständiges Lernen und kooperative Arbeitsformen ausgerichtet ist. Konzepte wie projektorientiertes Arbeiten, forschendes Lernen oder der Einsatz digitaler Werkzeuge prägen bereits vielerorts den Schulalltag. Zugleich erweitern sich die Aufgabenfelder von Lehrkräften. Neben der Vermittlung von Fachwissen rücken Medienbildung, Demokratieerziehung, Inklusion und soziale Entwicklung stärker in den Mittelpunkt.

Gerade für erfolgreiches projektorientiertes Arbeiten und forschendes Lernen braucht es aber eine sehr solide fachliche Basis – bei Lehrkräften und bei Schülern.

Lehrkräfte sind eben keine “Eierlegenden Wollmichsäue”, auch wenn man das gesellschaftlich zu erwarten scheint. Wer soll sich diesen Beruf noch antun, wenn wir immer mehr Erwartungen an Lehrkräfte stellen und immer weniger von den Familien einfordern?

Zugleich plädiert der Verband für ein erweitertes Verständnis von Professionalisierung im Lehrerberuf. Diese dürfe nicht mit dem Abschluss des Referendariats enden, sondern müsse als kontinuierlicher Prozess organisiert werden. Fortbildungen, insbesondere in den Bereichen Digitalisierung, Diagnostik und Unterrichtsentwicklung, sollten systematisch verankert werden. Schulen selbst müssten stärker zu Orten professionellen Lernens werden, in denen kollegiale Zusammenarbeit und Austausch strukturell ermöglicht werden.

Die ersten Sätze sind doch Binsen. Es wäre sehr traurig, wenn man nach dem Referendariat nichts mehr lernen würde und sich nicht weiter professionalisieren würde.

Aber während man in den ersten Jahren des Lehrerberufs noch sehr viel Arbeit in die Vorbereitung des Unterrichts steckt, kommen mit der Zeit immer mehr andere Aufgaben (siehe oben!) hinzu, derer man sich auch annimmt. Man denke an die Göttinger Arbeitszeitstudie, nach der wir nur etwa 1/3 unserer Arbeitszeit mit Unterricht verbringen!

Ich habe auch den Eindruck, dass Lehrkräfte vielfach besseren Unterricht machen würden, aber einfach zu sehr in andere Aufgaben eingebunden sind. Kollegialer Austausch und Zusammenarbeit bedeuten eben auch, dass man dafür Zeit geben muss und im Zweifelsfall andere Aufgaben reduzieren muss.

Mr. Smith
20 Tage zuvor

Blablabla

Realität:
keine Arbeitszeiterfassung

KI ist voll da, man ändert aber weder Klassenarbeits- noch Prüfungsformate

keine Reform der Unterrichtsformate – 90 min alles reinstopfen was geht im engen Stundekorsett

Prüfungsniveau nimmt immer mehr ab – warum sollten sich SuS noch strecken? Dabei sein ist alles!

Da fragt man sich, was man eigentlich in den Ministerien so den ganzen Tag macht

vhh
20 Tage zuvor

‘Pädagogische Professionalität’, ein Lieblingsbegriff der zahlreichen Coachs und Impulvortragenden am pädagogischen Tag. Haben wir das überhaupt nicht, nicht genug oder nur nicht passend? Kann man diese ‘Pädagogik, Diagnostik und Beziehungsgestaltung’ im Studium lernen? Kann man ‘Beziehung, Vertrauen und pädagogisches Gespür’ studieren? Referendare stellen schnell fest, dass die täglichen Probleme nicht nacheinander nach Handbuch auftauchen, versuchen aber oft sehr lange, das Chaos aus gleichzeitigen Aufgaben nach erlernten Theorien zu entwirren. Ich habe perfekt ausgebildete Referendare erlebt, in allen Theorien fit, leider ohne jedes Gefühl für soziale Situationen. Kann mehr Theorie das vermitteln? Oder sollte man ihnen nicht besser drei Jahre Zeit geben, ‘Unterrichtserfahrung’ wirken lassen, dann eine ehrliche Beratung mit im schlimmsten Fall eventuellen Ausstiegsoptionen?
Schulleitungen können gut damit leben, wenn bei Problemen nach erlernten formalen Vorgaben gehandelt wird, das ist in jeder Verwaltung so. Kann die Schule auch damit leben, bringt ‘endlich handeln alle gleich, treten gleich auf’ Lösungen für die Zukunft? Der ASD verweist auf zunehmende Dynamik und die Anpassung des Berufs an diese Veränderungen, will aber gleichzeitig das ganze Berufsbild stärker formalisieren. Schüler empfinden Schule schon jetzt meist als Zwangsveranstaltung, ich lese aus diesen Ideen zur ‘Professionalisierung’ eine große Angst vor Kontrollverlust heraus. Irgendwie originell, viele Schulleiter unterrichten kaum noch, sonst wüssten sie, dass die schönen Regeln und Handreichungen für die einfache Lehrkraft kaum praktische Bedeutung haben.

Sepp
20 Tage zuvor
Antwortet  vhh

Ich habe perfekt ausgebildete Referendare erlebt, in allen Theorien fit, leider ohne jedes Gefühl für soziale Situationen. Kann mehr Theorie das vermitteln? Oder sollte man ihnen nicht besser drei Jahre Zeit geben, ‘Unterrichtserfahrung’ wirken lassen, dann eine ehrliche Beratung mit im schlimmsten Fall eventuellen Ausstiegsoptionen?

Ich denke, dass ist einer der wichtigsten Punkte:
Wir Lehrkräfte sind alle ganz unterschiedliche Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen, aber auch mit unterschiedlichen Vorlieben und Unterrichtsstilen. Ebenso unterscheiden sich die Lerngruppen deutlich von einander.
Was für mich im Unterricht in einer Lerngruppe klappt, mag für eine andere Lerngruppe nicht passen. Und wenn ein Kollege meine Stunde “nach Rezept” nachkocht, kann sie völlig schief laufen, weil sie nicht zu ihm passt.

Man kann doch nur angehende Lehrkräfte mit einem grundlegendem Rüstzeug ausstatten und sie in der Schule ihre eigenen Erfahrungen machen lassen. Das zugehörige Bild des Lehrers als “Reflektierendem Praktiker” ist keineswegs neu; man schaut, was eine Lerngruppe gerade braucht, steuert nach, passt ggf. seinen Unterrichtsstil usw.

Eine ältere Kollegin hatte viele Referendare betreut und meinte mal, man bräuchte nach dem Ref. 5-10 Jahre, bis man wirklich eine gestandene Lehrerpersönlichkeit sei. Das kann man mit ein paar Vorlesungen oder Seminaren mehr im Studium eben nicht abfangen. Die Zeit “on the job” muss man den Lehrkräften schon geben.

In anderen Berufen ist das doch genau so. Ein Azubi wird nicht direkt Handwerksmeister, weil er ein paar Stunden mehr Theorie-Unterricht macht, ein Medizin-Student wird nicht gleich Chefarzt, wenn er ein paar Vorlesungen mehr belegt.

Alese20
20 Tage zuvor
Antwortet  Sepp

“Ich denke, dass ist einer der wichtigsten Punkte:
Wir Lehrkräfte sind alle ganz unterschiedliche Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen, aber auch mit unterschiedlichen Vorlieben …”

Deshalb glaube ich auch, dass die Alemannenschule Wutöschingen auch sehr gut für LuL wäre. Diese sind dort immer in 4er Team zusammengesetzt und jeder übernimmt Aufgaben je nach Vorlieben und persönlicher Fähigkeit: die einen können besser Coachen, während die anderen besser neues Material erstellen können, Organisatorisches übernehmen können, Elterngespräche führen oder Aufsicht machen oder doch mal wieder etwas Unterricht in Form von Impulsen geben können. Man teilt sich die Aufgaben im Team, so dass jeder seine Stärken nutzen kann.

Achin
20 Tage zuvor

Leider erwähnt auch Herr Winkler als ehemaliger Praktiker nicht, wie seine Impulse konkret und mit welchen personellen sowie finanziellen Ressourcen umgesetzt werden sollen.

Lehrkräfte, die sich bewusst gegen eine Schulleitungskarierre aussprechen, weil ihnen das Kerngeschäft des Unterrichtens am Herzen liegt, bleiben hier verwundert zurück.

Astrid
20 Tage zuvor

Es ist prinzipiell ein Glück, mit jungen Menschen an deren (und auch meiner) Bildung zu arbeiten.
Die Probleme, die sich dabei immer mehr zeigen, liegen meines Erachtens nicht vornehmlich an dem Ausbildungssystem (das sicher reformbedürftig ist), sondern eher an der allgemeinen gesellschaftlichen Verrohung. Erziehende erziehen und lehren nicht, Familien (ob klassisch oder nicht) funktionieren nicht, geistige Vorbilder fehlen und es herrscht allgemeines Desinteresse aneinander und an den Dingen, die uns umgeben.
Ich weiß, das ist ein weites Feld, kaum zu beackern, aber ich sehe es so.
Viel Kraft und Erfolg und berufliche Zufriedenheit wünsche ich denen, die diesen eigentlich wunderbaren Beruf noch eine Weile ausüben.

Pädagogin vom Dienst
20 Tage zuvor

Vieles, was wir heute unterrichten sollen, lernte sich besser im Verein oder bei der freiwilligen Feuerwehr. Dies müsste unsere Gesellschaft stärken, damit jedes Kind davon profitieren kann.