Start Nachrichten Schulgeländer seit 100 Jahren sieben Zentimeter zu niedrig: Stadt schickt Wachdienst

Schulgeländer seit 100 Jahren sieben Zentimeter zu niedrig: Stadt schickt Wachdienst

40
Anzeige

FRANKFURT/MAIN. Weil das 100 Jahre alte Geländer nur 103 und nicht 110 Zentimeter hoch ist, sitzen seit Montag zwölf Wachleute im Treppenhaus einer Schule – für einen fünfstelligen Betrag pro Woche. Die Schulleiterin ist fassungslos.

Sieben Zentimeter (Symbolbild.) Foto: Shutterstock

Auf Kosten der Stadt bewacht ein Sicherheitsdienst das Treppengeländer einer Frankfurter Grundschule – weil es sieben Zentimeter zu niedrig ist. Dafür seien «momentan zwölf Personen zu unterschiedlichen Zeiten an verschiedenen Posten in den Treppenhäusern im Einsatz», sagte eine Sprecherin des zuständigen Dezernats.

In der Frauenhofschule, einer Grundschule im Stadtteil Niederrad, seien die fehlenden Zentimeter bei einer Routinebegehung aufgefallen, so die Sprecherin: Es misst statt 110 nur 103 Zentimeter. Bis eine «bauliche Lösung» gefunden ist, werde das Geländer bewacht. «Die Situation wird voraussichtlich noch zwei bis vier Wochen so bestehen bleiben», sagte die Sprecherin. Dafür fallen nach Angaben der Stadt aktuell Kosten von rund 13.700 Euro brutto pro Woche an.

100 Jahre niemanden gestört

Solmaz Heidlindemann, die die Frauenhofschule aktuell vertretungsweise leitet, war «baff», als am vergangenen Freitag der Anruf des Amts für Bau und Immobilien (ABI) kam, wie sie im Interview berichtet. Am Montag sei dann der Sicherheitsdienst angerückt, seither säßen Wachleute auf Kinderstühlen im Treppenhaus.

Das Geländer sei seit 100 Jahren so «und bisher hat es niemanden gestört». Soweit sie wisse, habe es auch nie einen Unfall gegeben. Die Schulleiterin ist sicher, dass man für wenig Geld im Baumarkt etwas hätte finden können, um das Geländer zu sichern – wenn das denn überhaupt nötig sei.

«Für die Bewachung werden jetzt Steuergelder verbraten, die dringend für die Schulen benötigt würden», sagt Heidlindemann. Der ganze Fall zeige «die ganze Planlosigkeit und das Missmanagement» der Frankfurter Ämter und Behörden.

Bewachung auch in den Ferien

Für das Dezernat für Bildung und Immobilien «gehören solche Vorgänge zur gängigen Arbeit des Objektmanagements». Die Stadt sei verpflichtet, alle gesetzlich geregelten Sicherheitsbestimmungen zu erfüllen. «Wenn Mängel auffallen, müssen diese behoben werden – unabhängig von den anfallenden Kosten.»

Auf die Frage, wieso die Geländerhöhe bisher niemanden gestört hat, verweist die Dezernatssprecherin auf die hessische Bauordnung. «Die Anforderung an die Höhe von Geländern in unseren Schulen von 1,10 Metern ergibt sich aus der Muster-Schulbau-Richtlinie. Die aktuell gültige Fassung stammt aus dem Jahr 2009.»

Auch in den Osterferien, die in Hessen nächste Woche beginnen, wird das Geländer weiter bewacht. Dann allerdings könnte es günstiger werden, weil nur wenige Schüler da seien und einzelne Treppen gesperrt werden könnten. Die Stadt rechnet dann nur noch mit 5.000 bis 6.000 Euro. Bei einem Ortstermin am Montag soll besprochen werden, wie es weitergeht. News4teachers / mit Material der dpa

Konflikt mit Eltern: Sicherheitsdienst beschützt Personal einer Kölner Kita

Anzeige

Info bei neuen Kommentaren
Benachrichtige mich bei
40 Kommentare
Inline Feedbacks
View all comments
Simone L.
17 Tage zuvor

Ein Schildbürgerstreich?

Hans Malz
17 Tage zuvor
Antwortet  Simone L.

Ah, ich war zu langsam. Aber klingt doch wirklich so.

Katze
17 Tage zuvor

In einer Frankfurter Grundschule bewacht ein Sicherheitsdienst ein Treppengeländer. Zwölf Leute, 13.700 Euro pro Woche – alles, weil das Geländer sieben Zentimeter zu niedrig ist. Willkommen in Absurdistan am Main. Der Ostfriese würde sagen:
„Sieben Zentimeter zu kurz? Da habt ihr einfach zu früh gemessen.“
Absurdistan oder Realsatire: ein Land, in dem man lieber Menschen abstellt, als eine Schraube zu drehen. Häää?
Während also ein Dutzend Wachleute verhindert, dass Kinder die Treppe hinunterstürzen, geht im Schulalltag der eigentliche Absturz weiter:
Leistung und Disziplin fallen seit Jahren schneller als jeder Grundschüler über ein zu kurzes Geländer.
Und die Frage, die sich wirklich aufdrängt:
Wo sind eigentlich die Fachleute, die man für Unterricht bräuchte – früher mal als Lehrkräfte bezeichnet?
Für ein Geländer findet man zwölf Leute – für Mathe oft nicht einmal eine.

Philanthrop
17 Tage zuvor
Antwortet  Katze

Merken Sie eigentlich, wie Sie mit Ihrer Art der Argumentation Ihre durchaus nicht unberechtigten Forderungen ad absurdum führen, da Sie selbst die an andere gestellten Qualitätsansprüche nicht einhalten (wollen/können?).

Katze
16 Tage zuvor
Antwortet  Philanthrop

“…da Sie selbst die an andere gestellten Qualitätsansprüche nicht einhalten (wollen/können?).” HÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄ?

Es ist bemerkenswert, wie sicher Sie sich in der Beurteilung meiner „Qualitätsansprüche“ fühlen, obwohl Sie weder meinen Unterricht kennen noch meine Arbeit jemals gesehen haben. Aber gut – wer hier im Forum regelmäßig andere Foristen mit seinen moralpädagogischen Ergüssen drangsaliert, verwechselt offenbar das eigene Framing gern mit einer belastbaren Analyse.
Sie basteln sich ein bequemes Bild von mir als „Oldschool-Lehrkraft“, die angeblich ihre Schüler nicht abholt, nicht motiviert und fachlich irgendwo im letzten Jahrhundert stehengeblieben ist. Das ist natürlich praktisch – denn wenn man sich seine Gesprächspartner erst passend zurechtfantasiert, muss man sich mit deren tatsächlichen Argumenten nicht mehr auseinandersetzen.
Nur zur Erinnerung:
Ich beschreibe empirisch belegte Missstände der IQB-Bildungstrends.
Sie beschreiben Missstände, die ausschließlich in Ihrem Kopf stattfinden.
Kurz: Sie kritisieren nicht meine Haltung, sondern Ihre eigene Projektion.
Und die hat mit mir ungefähr so viel zu tun wie Ihr Nickname Philanthrop mit Ihrem Diskussionsstil.

Katze
15 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Es irritiert mich, dass sich eine Redaktion, die Neutralität für sich beansprucht, inhaltlich in eine Auseinandersetzung zwischen zwei Foristen einmischt – und zwar nicht moderierend, sondern wertend. Damit verlassen Sie die Rolle eines unparteiischen Rahmens und treten als aktiver Teil der Debatte auf.
Mein Beitrag an Philanthrop war eine inhaltliche Replik auf seine Unterstellungen. Ihre Antwort hingegen verschiebt die Diskussion bewusst von der Sachebene auf eine persönliche Ebene, indem Sie mir ein angebliches ‚Muster‘ zuschreiben. Das ist bemerkenswert – nicht wegen seiner Schärfe, sondern wegen seiner Funktion: Es soll die inhaltliche Auseinandersetzung umgehen, indem Argumente durch eine pauschale Charakterdeutung entwertet werden. Eine solche Intervention beansprucht Deutungshoheit, nicht Moderation.

unfassbar
16 Tage zuvor
Antwortet  Katze

Der Sicherheitsdienst verdient pro Person und Woche mehr als 1000€, sprich über 4000€ im Monat. Mal Minsdestlohn angenommen, weil ich mir viel mehr nicht vorstellen kann, schnappt sich die Sicherheitsdienstfirma etwa ein Drittel davon. Da hat sich die Stadt aber keinen guten Vertrag organisiert …

Anne
17 Tage zuvor

Das kommt mir sehr bekannt vor, allerdings rückte bei uns kein Wachdienst an. Eine Fachfirma setzte für viel Geld über das alte Geländer (seit rund 70 Jahren unfallfrei genutzt) einen neuen Handlauf…

dickebank
16 Tage zuvor
Antwortet  Anne

Das wird auch im beschriebenen Fall so technisch gelöst werden.
Nur was ist in der Zeit, bis die Maßnahme vor Ort umgesetzt werden kann. Zunächst muss die Maßnahme ja erst einmal geplant und europaweit ausgeschrieben werden. Nach erfolgter Submission kann dann mit der umsetzung begonnen werden.

Rüdiger Vehrenkamp
17 Tage zuvor

Mit gesundem Menschenverstand hat dieses absurde Theater nichts mehr zu tun.

dickebank
16 Tage zuvor

Nein aber mit nachvollziehbarer Angst davor, verklagt zu werden.

Rüdiger Vehrenkamp
13 Tage zuvor
Antwortet  dickebank

Dann haben auch die Regelungen dahinter nichts mehr mit gesundem Menschenverstand zu tun. Überregulierung und Bürokratie sind mit die größten Geldfresser.

Realist
17 Tage zuvor

So zeigt sich ein dysfunktionaler Staat:

12 Wachleute, die pro Woche mehr als zehntausend Euro kosten, wegen eines sieben Zentimeter zu niedrigen Geländers.

Dagegen: Massenhaft Schulen, in den Gangs die Schüler- und Lehrerschaft terrorisieren, und die einzige Reaktion der Politik: “Weitergehen, hier gibt es nichts zu sehen!”. Morgenstern hatte Recht: “Weil, so schließt er messerscharf,
nicht sein kann, was nicht sein darf.”

Ich gebe diesem Ganzen noch 10, max. 15 Jahre, dann wird keiner diese Republik wiedererkennen…

Omg
16 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Mal noch doofer gefragt: Warum hat es keine Folgen, denn die Höhe der Geländer ist grundlegend dokumentiert zu sein und nach tödlichen Vorfällen wurden die alle überarbeitet. Wer also hat das verpennt? Was wurde in den jährlichen Sicherheitsprotokollen vergessen?????

laromir
16 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Naja. Man könnte ja einfach mal einen stabilen, massiven Handlauf kaufen und vom Hausmeister oder irgendeiner Firma anschrauben lassen. Natürlich auf der Korrekten Höhe. Gibt es sicherlich irgendwo genormt zu bestellen.Wäre man pragmatisch unterwegs, wäre das der richtige Weg. Problem schnell und kostengünstig gelöst.

Sepp
16 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

dass das offensichtlich jahrelang verpennt wurde – und dann?

Das Geländer ist 100 Jahre alt. Die Richtlinie ist von 2009, also 17 Jahre alt.
In der ganzen Zeit gab es keinen Unfall durch das Geländer – also wird es ohl noch 2-3 Wochen gutgehen, bis eine Firma das gute Stück um 10 cm erhöht hat.

Würden Sie als verantwortlicher Referent beim Schulträger, dem der Bruch von Sicherheitsvorschriften vorgetragen wird, in die persönliche (!) Haftung gehen und befinden: “Ach, Quatsch – ist 100 Jahre gutgegangen und wird auch weiter gutgehen. Lassen wir so!”? Natürlich nicht.

Wie wäre es denn, wenn der verantwortliche Referent einfach einer Fachfirma das entsprechende Geld gibt, damit das Geländer in 2 Tagen etwas höher angebracht wird?
Mit knapp 14 000 Euro pro Woche kann man sicher einiges beschleunigen…

Fräulein Rottenmeier
14 Tage zuvor
Antwortet  Sepp

Sie denken einfach zu praktisch…..so funktioniert das aber nicht.
Das Problem fängt an, sobald klar ist, dass das Geländer aufgrund der Verordnung zu tief ist. Aber genau diesem Zeitpunkt gibt es Verantwortlichkeiten für den Fall, dass etwas passiert. Da steht dann jemand (gerne auch die Kommune) in der Verantwortung und kann ggf. verklagt werden.

So ein neuer Handlauf ist auch nicht einfach so zu beschaffen, da schlägt dann die ganze Mühle der Bürokratie zu. Es muss erstmal ein Gutachten geben, dann muss der Auftrag ausgeschrieben werden, dann kommt die eigentliche Planung und zum Schluss die Umsetzung…..ganz ggf muss da auch noch der Stadtrat zustimmen, denn das Geländer ist ja mit Sicherheit historisch und da ist es nicht egal, ob es ertüchtigt wird oder abgerissen, oder oder….
Der ganz Prozess dauert mindestens Monate, wenn nicht sogar länger…..

bla
16 Tage zuvor

das Bild zeigt gar keine 7cm

Realist
16 Tage zuvor
Antwortet  bla

Einfach mit den offiziellen Linealen der Polizei nachmessen, das passt schon:
https://www.news4teachers.de/2026/01/polizei-verschenkt-ungenaues-lineal-an-schulen-schueler-ertappt-sie/

GBS-Mensch
15 Tage zuvor
Antwortet  bla

Von drei bis zehn sind schon irgendwie sieben mit der richtigen Transferleistung.

Möhrchen
16 Tage zuvor

Vier Tage später hätte ich es für einen Aprilscherz gehalten.

blau
16 Tage zuvor

Erinnert mich an unsere Mülleimer, die nach 40 Jahren abmontiert wurden aus Brandtschutzgründen. Funfact: Neue, sicherere sind zu teuer, deshalb gibt es jetzt halt keine mehr.

dickebank
16 Tage zuvor

Eher Risikoabwägung.
Wie hoch wird das Schadensersatzrisiko eingestuft, dass sich aus dem erkannten und nicht abgestellten Mangel in einem Schadensfall ergeben könnte.
Hinzu kommt ja noch, dass die einzige Alternative, die unmittelbar zur Gefahrenabwehr besteht, die Sperrung des Treppenhauses gewesen wäre. Da dadurch aber die Fluchtwegsituation in einem möglichen Brandfall nicht mehr vorschriftsmäßig gewesen wäre, hätte die Schule auf Grund des Fehlens eines zweiten, unabhängigen Fluchtweges komplett geschlossen werden müssen.

Indra Rupp
16 Tage zuvor

Dann schicken Sie doch :

Einen Antrag auf Erteilung eines Antragformulars, zur Bestätigung der Nichtigkeit des Durchschriftexemplars, dessen Gültigkeitsvermerk von der Bezugsbehörde stammt, zum Behub der Vorlage beim zuständ’gen Erteilungsamts!

Indra Rupp
16 Tage zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Behuf, Erteilungsamt

mama51
15 Tage zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Indra Rupp:
Ja! Reinhard Mey hat es in den 1970-er Jahren schon gewusst…

Cora
16 Tage zuvor

Bin gespannt, wann das bei Extra3 ‘Der reale Irrsinn’ kommt…

Arno Handke
16 Tage zuvor

Woran erkennt man, dass man in Deutschland ist?
In anderen Ländern wäre wenigstens Korruption eine Lösung … achtung, das war jetzt ironisch gemeint.

Arno Handke
16 Tage zuvor

Welche Gefahren dräuen eigentlich während der Osterferien?

Sepp
15 Tage zuvor
Antwortet  Arno Handke

Darauf gibt der Text einen Hinweis:

>> Auch in den Osterferien, die in Hessen nächste Woche beginnen, wird das Geländer weiter bewacht. Dann allerdings könnte es günstiger werden, weil nur wenige Schüler da seien und einzelne Treppen gesperrt werden könnten. Die Stadt rechnet dann nur noch mit 5.000 bis 6.000 Euro. <<

Das hört sich für mich nach einem Ferienprogramm für Schüler an, sowas gab es bei uns auch mal…

Tatsächlich müsste man sich dann aber fragen, ob der Mehrwert eines gut-gemeinten Programms wirklich die 5.000 – 6.000 Euro alleine für den Wachschutz legitimiert.
Im Zweifelsfall lässt man sowas ausfallen (die Schule ist ja ganz gefährlich und keineswegs sicher) und lässt in den Ferien lieber eine Fachfirma kommen.

Fräulein Rottenmeier
14 Tage zuvor
Antwortet  Sepp

So einfach ist das nicht mit dem Entfall der Ferienspiele/Betreuung…..da tun sich dann neue Probleme auf, denn der Träger der Ferienbetreuung wird u U Regresspflichtig……

HarneEinrichson
15 Tage zuvor
Antwortet  Arno Handke

In Grundschulen sind in der Regel auch in den Osterferien Kinder

Indra Rupp
15 Tage zuvor
Antwortet  Arno Handke

Osterhasen – Arbeitsschutz!

Rainer Zufall
15 Tage zuvor

Wie es wohl wäre, wenn die (zuständige) Politik sich hier melden würde, dieses Beispiel von unverhältnismäßiger Bürokratisierung als Anlass nehmen, eine Lösung mit Augenmaß zu unterstützen, anstatt zuständige Behördenmitarbeiter*innen bei jeder möglichlichen Eventualität “eigenverantwortlich” haften zu lassen.. (träum)

Aber was, wenn irgendwer klagen könnte? Schnell absichern, egal wie teuer es (für andere) wird! Absichern statt Gestalten, Prozess- anstelle von Ziel- bzw. Bürger*innenorientierung 🙁

Se Länd
14 Tage zuvor

Und in Berlin gibt es teilweise keine Grundreinigung mehr.

https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2026/03/berlin-neukoelln-bezirk-schulen-fehlende-grundreinigung.html

Manchmal sind solche Nachrichten schwer nachzuvollziehen.