Start Nachrichten Nach AfD-Wahlsieg: Französische Partnerregion erwägt Bruch mit Sachsen-Anhalt

Nach AfD-Wahlsieg: Französische Partnerregion erwägt Bruch mit Sachsen-Anhalt

5
Anzeige

MAGDEBURG/ORLÉANS. Schulpartnerschaften, Jugendbegegnungen und gemeinsame Projekte zur Erinnerung an die Shoah: Seit mehr als zwei Jahrzehnten arbeiten Sachsen-Anhalt und die französische Region Centre-Val de Loire eng zusammen. Noch im Januar wurde die Bildungskooperation ausdrücklich erneuert. Nach dem Wahlsieg der AfD bei der Landtagswahl stellt die französische Regionalregierung diese Zusammenarbeit nun infrage.

Kathedrale von Tours (in der Region Centre-Val de Loire). Foto: Shutterstock / Willy Mobilo

Centre-Val de Loire erwägt, die seit 2004 bestehende Partnerschaft mit Sachsen-Anhalt zu beenden. Regionalpräsident François Bonneau erklärte nach Angaben der französischen Tageszeitung „Le Parisien“, seine Region sei angesichts des Wahlergebnisses in „tiefer Besorgnis“. Die politischen Prioritäten der AfD stünden im „genauen Gegenteil“ zu den Werten der bisherigen Zusammenarbeit.

Das könnte insbesondere Schulen und Jugendprojekte treffen. Nach Angaben des Landes Sachsen-Anhalt unterhalten 13 Schulen und Berufsschulen Partnerschaftsbeziehungen zu Einrichtungen in Centre-Val de Loire. Im Januar 2026 reiste Bildungsminister Jan Riedel (CDU) in die französische Partnerregion, um die Bildungsvereinbarung mit der Académie d’Orléans-Tours zu erneuern. Gleichzeitig kamen Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte berufsbildender Schulen aus Magdeburg, Halle, Burg und Leuna zu einer Schulpartnerbörse zusammen, um bestehende Kooperationen auszubauen und neue anzubahnen.

PhoneLocker, verschließbare Smartphone-Tasche

Einen besonderen Stellenwert hat seit Jahren die gemeinsame Erinnerungskultur. Im Projekt „Mémoires croisées – sich erinnern, sich begegnen“ befassen sich Jugendliche und Lehrkräfte aus beiden Regionen mit der Vermittlung der Shoah, mit Friedenserziehung und europäischer Bürgerschaft. Regelmäßig finden Schülerbegegnungen und Studienfahrten statt. Noch im Januar nahmen rund 50 Jugendliche beider Regionen an Workshops teil und gestalteten gemeinsam eine Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag.

Ausgerechnet diese Arbeit nennt Bonneau nun als einen der Punkte, an denen er einen fundamentalen Gegensatz zur AfD sieht. Viele Positionen der Partei stünden „in radikalem Gegensatz zu den Werten und den historischen Leitlinien unserer Zusammenarbeit“, zitiert ihn „Le Parisien“. Er kritisierte politische Prioritäten, die auf „Abschottung, der Ablehnung jeglicher Vielfalt und Maßnahmen beruhen, die von einem für die Demokratie gefährlichen Nationalismus geleitet werden“.

Konkret verwies Bonneau laut „Le Parisien“ auf die von der AfD geforderte „Offensive für Abschiebungen und Remigration“, auf die Abkehr von Klimaschutzzielen zugunsten fossiler Energien sowie auf die Forderung nach einem Ende der Finanzierung von Projekten mit Bezug zur Shoah. News4teachers

42 Prozent bei den Jungwählern: Warum die AfD eine Generation erreicht, die anderen Parteien entgleitet

Anzeige

Info bei neuen Kommentaren
Benachrichtige mich bei
5 Kommentare
Augenblickfang
1 Monat zuvor

Sowas finde ich immer ganz schlimm, weil man 1. immer im Gespräch bleiben muss und 2. Menschen in Haftung genommen werden (auch darunter leiden), die gar nichts dafür können (wenn 44% die AfD gewählt haben, haben 56% sie nicht gewählt).

Gibt es nicht so eine Geschichte in der Bibel, wo Gott sagt, wenn ein Gerechter unter ihnen sei, dann würde er sie alle verschonen? (Hab gegoogelt, also wenn es 10 Gerechte in Sodom gegeben hätte, hätte Gott die Stadt nicht vernichtet.)

Rainer Zufall
1 Monat zuvor

Glauben die denn nicht an die „Entzauberung“ Rechtsextremer in Deutschland, deren Lügen, fehlenden Lösungen und gefährdende Potenziale bereits vor der Wahl bekannt waren?
Wie kommts?

Xxx
1 Monat zuvor

Erwägt oder bricht?
Sind die Umzungsunternehmen in Sachsen-Anhalt eigentlich schon auf Monate ausgebucht? Es müssten jetzt ja Tausende Menschen auswandern.

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  Xxx

Mehr freie Wohnungen für die tausende Ärzt*innen aus Schweden und Co, die versprochen wurden (augenroll).
Aber ich habe so ein Gefühl, dass Sie in Ihrem Bekanntenkreis nicht allzu viele Umzüge mitbekommen werden.