Pilotprojekt zur Erfassung der Lehrer-Arbeitszeit wächst (auch hinter den Kulissen)

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BREMEN. Das bundesweit einzigartige Pilotprojekt zur digitalen Arbeitszeiterfassung an Schulen gewinnt an Fahrt: Nach mehreren Pilotschulen in Bremen beteiligt sich nun erstmals auch die Stadt Bremerhaven. Damit wächst das Vorhaben, ein praxistaugliches und rechtssicheres Modell für die Erfassung der Lehrkräftearbeitszeit zu entwickeln, zu einem landesweiten Projekt heran. Ziel ist es, das System ab dem Schuljahr 2026/27 unter realen Bedingungen zu erproben und anschließend für eine mögliche flächendeckende – bundesweite? – Einführung weiterzuentwickeln. Auf Arbeitsebene sind die anderen Bundesländer auch schon eingebunden.

Mit Druck. (Symbolfoto.) Foto: Shutterstock

Bildungssenator Mark Rackles (SPD) treibt das Projekt voran. „Ich freue mich sehr, dass wir die Basis der Pilotschulen jetzt auf zehn ausweiten und dabei auch Bremerhaven mit einbinden können. Mit den zusätzlichen Schulen aus Bremen und Bremerhaven wächst unser Vorhaben zu einem echten Landesprojekt heran, das noch besser die Vielfalt der Tätigkeitsschwerpunkte und Zeitsysteme abbilden kann“, sagt er. Die Einbindung erfolge in enger Kooperation mit Lehrkräften, Schulleitungen, Personalvertretungen sowie den beiden kommunalen Verwaltungen. Der Vergleich unterschiedlicher Schulstrukturen verspreche wertvolle Erkenntnisse für ein realistisches Modell, von dem am Ende auch andere Bundesländer profitieren könnten.

Neu im Projekt ist die Gymnasiale Oberstufe des Schulzentrums Carl von Ossietzky in Bremerhaven – ein Sonderfall im Land Bremen, weil das Modell der eigenständigen Oberstufe nur dort existiert. Schuldezernent Prof. Hauke Hilz betont die Besonderheiten: Der Magistrat Bremerhaven sei Anstellungsträger der Lehrkräfte und damit anders aufgestellt als die Stadtgemeinde Bremen. Trotzdem unterstütze man das Vorhaben. „Ich bin froh, dass sich das Kollegium der Gymnasialen Oberstufe des Schulzentrums Carl von Ossietzky zur Teilnahme an dem Pilotprojekt bereiterklärt hat. Wichtig ist, dass ein derartiges Projekt vom Kollegium getragen wird“, so Hilz. Eine weitere Bremerhavener Schule könnte folgen; entsprechende Gespräche laufen.

Wie der Pilot aufgebaut ist: Drei Phasen bis mindestens 2027

Das Projekt folgt einem langfristig angelegten Dreischritt:

  • Vorbereitungsphase (bis 31. Juli 2026): Entwicklung der technischen und organisatorischen Grundlagen, Konzeption der digitalen Erfassung per App auf dienstlichen Endgeräten, Entwicklung eines Ordnungsrahmens zum Datenschutz und zur Nichtverwendung der Daten für Leistungsbewertungen.
  • Pilotphase (1. August 2026 bis 31. Juli 2027): Ein komplettes Schuljahr lang erfassen alle Beschäftigten an den Pilotschulen ihre Arbeitszeit digital. Zwischenevaluationen sollen frühzeitig Hinweise auf Optimierungsbedarf liefern.
  • Evaluationsphase (ab 1. August 2027): In Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualitätsentwicklung im Bremer Bildungswesen sowie der Telekom-Stiftung werden die Ergebnisse analysiert und in Empfehlungen überführt. Grundlage soll langfristig eine neue Lehrkräftearbeitszeit- und Dienstverordnung sein.

Durch die Aufnahme Bremerhavens wird der Prozess nun landesweit abgestimmt vorbereitet. Die beteiligten Verwaltungen und Schulen wollen ihre Erfahrungen fortlaufend austauschen. Das Vorhaben soll so eine solide Datenbasis schaffen, die auch für andere Bundesländer vorbildhaft sein kann.

Hintergrund: Warum Bremen vorangeht – und welches Problem das Projekt lösen soll

Mit der Einführung des Pilots reagiert Bremen auf ein grundlegendes strukturelles Problem: das über 150 Jahre alte Deputatsmodell. Dieses regelt lediglich die Zahl der zu haltenden Unterrichtsstunden, nicht jedoch die Vielzahl weiterer Tätigkeiten – von Korrekturen über Elterngespräche bis zu Konferenzen. Studien und Expertisen weisen seit Jahren darauf hin, dass Lehrkräfte regelmäßig über die gesetzlichen Arbeitszeitnormen hinaus arbeiten, oft mit gesundheitlichen Folgen. Dabei gibt es mittlerweile zwei Grundsatzurteile, die die Pflicht zur Arbeitszeiterfassung für Arbeitgeber fixiert haben.

Das Bundesarbeitsministerium erkennt den Anspruch von Lehrkräften auf Erfassung ihrer Arbeitszeit schriftlich an. In einem Brief an Rackles – seinerzeit noch nicht im Bremer Amt – heißt es, die Verpflichtung zur Arbeitszeiterfassung ergebe sich „bereits unmittelbar“ aus der Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts von 2022 (das seinerzeit ein Urteil des Europäischen Gerichtshof für Deutschland bestätigte). Sie gelte schon jetzt für alle angestellten Lehrkräfte. Für beamtete Lehrkräfte seien die Länder zuständig. Klar sei jedoch: Das „Ob“ der Verpflichtung sei entschieden – es gehe nur noch um das „Wie“.

Jacob Chammon, Geschäftsführer der Deutschen Telekom Stiftung, bringt es auf den Punkt: „Das derzeit geltende Arbeitszeitmodell ist nicht mehr zeitgemäß und verhindert, dass Lehrkräfte ihre Potenziale zum Wohle von Kindern und Jugendlichen wirklich voll ausschöpfen können.“ Die Stiftung begleitet den Bremer Pilot im Rahmen ihres Werkstattprojekts „Freiräume(n)“, das seit 2024 an Schulen erprobt, wie Arbeitszeit und pädagogische Innovation zusammengedacht werden können.

Den Impuls für die umfassende Reform lieferte unter anderem Mark Rackles selbst: Der heutige Senator legte bereits 2023 eine Expertise im Auftrag der Telekom-Stiftung vor, in der er ein Jahresarbeitszeitmodell mit vier Tätigkeitsclustern vorschlug. Schulen sollten demnach eigenverantwortlich mit einer Globalzuweisung wirtschaften können. Ein Ziel: Teilzeitkräfte durch transparente Arbeitsbedingungen wieder für mehr Stunden zu gewinnen. Rackles bezifferte das Potenzial bundesweit auf bis zu 30.000 zusätzliche Vollzeitstellen.

Politische Brisanz: Bremen hat die KMK-Linie aufgebrochen

Während Bremen handelt, halten andere Länder an der Position fest, Lehrkräfte seien von der Pflicht zur Zeiterfassung ausgenommen. Doch diese Lesart gilt als überholt. Das Bundesarbeitsministerium schrieb Rackles im Sommer, damals noch nicht im Amt des Bremer Bildungssenators, unmissverständlich in einem Brief, die Verpflichtung zur Arbeitszeiterfassung ergebe sich „bereits unmittelbar“ aus der Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts von 2022 (das seinerzeit ein Urteil des Europäischen Gerichtshof für Deutschland bestätigte). Rackles kommentierte daraufhin: „Das ‚Ob‘ der Verpflichtung zur Erfassung der Arbeitszeit auch bei Lehrkräften ist bereits geklärt! Es geht nur noch um das ‚Wie‘.“

Ein bundesweites Austauschforum ist inzwischen eingerichtet – unterstützt von der Telekom-Stiftung. Im Dezember findet erstmals ein Treffen auf Staatssekretärsebene statt, parallel – so ist zu hören – werden Fachreferentinnen und Fachreferenten sowie Projektleitungen miteinander arbeiten. News4teachers

“Schafft keinen Mehrwert”: Erster Lehrkräfteverband fordert, auf Arbeitszeit-Erfassung im Schuldienst zu verzichten

 

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blau
1 Monat zuvor

Ich bin froh dass die Telekom-Stiftung involviert ist. Sie setzt sich schon lange für bessere Schulen ein und ist wie ein unabhängiger Beteiligter.

Wie aber. Zeiterfassung zu weniger Teilzeit führen soll, itst mir schleierhaft. Eine Klassenlehrertätigkeit lässt sich nicht zeitlich deckeln, um dann mehr Unterricht zu machen. Sparen könnte man an Konferenz, was aber auch nicht geht wegen Dienstpflicht… lediglich an der Unterrichtsstundenzahl oder Schüler pro Lehrkraft ließe sich leicht Zeit einsparen. Und die wollen scheinbar das Gegenteil? Hä?
Also definitiv am meisten meiner Arbeitszeit geht für Unterrichtsvorbereitung, Nachbereitung und Korrektur drauf.

Realist
1 Monat zuvor
Antwortet  blau

Denken wir einmal logisch, es sind drei Ergebnisse möglich:

  • Die Lehrkräfte arbeiten zu viel
  • Die Lehrkräfte arbeiten zu wenig
  • Die Lehrkräfte arbeiten genau richtig

Immer “im Durchschnitt” natürlich.

Was passiert, wenn?

Möglichkeit 1: Unterricht streichen? Niemals! (“Standort Deutschland”, “Wettbewerbsfähigkeit”, Blabla, Blubber). “Pädagogik” einschränken? Weniger Kommunikation mit Schüler, Eltern, …? Niemals! (“Demokratierettung”, “Soziale Probleme”, “Schulen als gesamtgesellschaftlicher Reperaturbetrieb”, …) Bürokratie abbauen? Weniger Konferenzen, Berichte, “Konzepte”? Niemals! (“Schulentwicklung”, “Kontrollzwang der Behörden”, “Wissenschaft”, …)

Also Möglichkeit 1 DARF nicht das Ergebnis sein!

Möglichkeit 2: Bingo! Satteln wird noch etwas drauf, damit die “f… S…” einmal so richtig beschäftigt sind. Der “Bügerrat” wird schon die richtigen Ideen liefern, so im Prinzipg wie: “Jeder macht und bekommt an der Schule was er will, wie er will, wann er will. Nur die Lehrer, die müssen liefern und alle Wünsche erfüllen: “Lieferando-Prinzip” als neues Leitbild für den Lehrer-Beruf.

Möglichkeit 3: Alles bleibt wie es ist. Will auch keiner.

Also tippe ich auf Möglichkeit 2. Alleine der Logik des gewünschten Ergebnisses wegen.

Petra OWL
1 Monat zuvor
Antwortet  Realist

nur noch mit etwas Homeoffice und 4 Tage Woche, Freunde! 🙂
Das Gehalt stagniert ja schon.

Ulla
1 Monat zuvor
Antwortet  Petra OWL

Passt wieder nicht zum Thema

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  Ulla

Nur weil Sie meinen, dass die Antwort auf alles 42 sei.
Wenn Sie an fünf Tagen in der Woche in der Schule präsent sind, kann @Petra doch in OWL vier Tage im HO arbeiten.
Bielefeld ist auch nicht existent und trotzdem das Oberzentrum in OWL.
Würde es Bielefeld de facto nicht geben, gäbe es logischerweise auch kein Vanelin und kein Puddingpulver

Unfassbar
1 Monat zuvor
Antwortet  Realist

Ich bin auch gespannt auf die Auswertung, die Ergebnisse und die Konsequenzen. Insbesondere interessiert mich die Berücksichtigung von Korrekturzeiten, die von nicht oder kaum vorhanden (Sport) über wenig (“Nebenfächer” in der Sek I) über viel und vergleichsweise schnell (Mathe inkl. Oberstufe) bis hin zu viel, aufwändig und nahezu andauernd (Fremdsprachen inkl. Oberstufe inkl. Vokabeltests) reichen. Ich prognostiziere eine Anpassung der optionalen Korrekturzeiten an die vom Land vergütete Zeit bei ggf. verlängerter Dauer bis zur Rückgabe, weniger Vokabeltests usw..

Mika
1 Monat zuvor
Antwortet  Unfassbar

Mathe geht schnell? Na dann, bitte vormachen! Und nicht vergessen: wenn SuS Rechenfehler machen, rechnen Sie die Arbeit mit diesem Fehler durch – Nix mit „einmal falsch – bleibt falsch“!

Chefdenker
1 Monat zuvor
Antwortet  Unfassbar

Nebenfächer in SEK I schreiben doch genauso Klassenarbeiten. Wo der Unterschied zwischen z.B. einer Deutscharbeit und einer Politikarbeit sein soll, ergibt sich mir nicht.
Da ich Mathe auch selbst unterrichte, gebe ich Ihnen da recht, das geht meist tatsächlich schneller.

mimü
1 Monat zuvor
Antwortet  blau

Richtig erkannt. Im Moment haben Teilzeitkräfte den „Nachteil“, dass sie unteilbare Aufgaben, v.a. Konferenzen und Besorechungen, voll wahrnehmen müssen. Mit einer Arbeitszeiterfassung ist doch vollkommen logisch vorhersehbar, dass Teilzeitkräfte eher weniger unterrichten müssen. Damit wird Teilzeit attraktiver und genau der gegenteilige Effekt setzt ein.

Chefdenker
1 Monat zuvor
Antwortet  mimü

Konferenzen kann man Teil. Es wäre möglich, dass man einen „Konferenz-Partner“ hat und z.B. abwechselnd an DBs teilnimmt und sich gegenseitig informiert. Das geht natürlich nicht bei Zeugniskonferenzen

Linea
1 Monat zuvor
Antwortet  Chefdenker

Genau den Vorschlag hatte ich an die Schulleitung herangetragen und wurde direkt abgewiesen☹️

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  blau

Wegen der derzeitigen hohen Arbeitsbelastung, die – wie mehrere Gutachten feststellen – ferienbereinigt bei ca. 46 Wochenstunden liegt, führt dazu, dass viele Lehrkräfte ihre Stundenzahl reduzieren. Die AZE wird die Überschreitung der gesetzlichen und tarifliche festgesetzten Wochenstundenzahl rechtssicher belegen. Folglich wird es zu einer Entlastung bei ausserunterrichtlichen Aufgaben kommen müssen. Die Vermutung ist, dass das viele Lehrkräfte in TZ bewegen könnte, die Zahl der Unterrichtsstunden wieder aufzustocken.

Uwé
1 Monat zuvor

“Das bundesweit einzigartige Pilotprojekt zur digitalen Arbeitszeiterfassung an Schulen gewinnt an Fahrt:”
In Sachsen wurde doch bereits im Schuljahr 2024/25 solch eine Erfassung der Arbeitszeit in Form von Stichproben bereits durchgeführt und ausgewertet. Die Reliabilität der Ergebnisse sowie die Durchführung der Erfassung wurde seitens der GEW kritisiert.
Es handelt sich also nicht um ein “bundesweit einzigartiges Pilotprojekt” Bremens.
https://www.prognos.com/de/projekt/arbeitszeituntersuchung-saechsische-lehrkraefte

Lera
1 Monat zuvor

Warum feiert N4T dieses “Pilotprojekt” dermaßen ab?

Es ist doch offensichtlich, dass die 1. auf Zeit spielen und 2. am Ende gar keine echte AZE anstreben.

  1. Zehn (!) Schulen fangen NÄCHSTES Schuljahr an, in zwei Jahren (!) wird angefangen (!) das zu evaluieren (!). Ich setze logisch fort: Ein Abschlussbericht mit Handlungsempfehlungen wird überreicht. Es wird eine Kommission gegründet, die “Richtlinien” für die “Implementierung” erarbeitet – wieder ein Jahr rum. Dieses Papier geht als “Arbeitsgrundlage” ins KM und wird erstmal gründlich ausgewertet. 2035 wird erstmals ein Referentenentwurf erwartet. Kurzer Reminder: Der jetzige Zustand ist illegal! Aber bloß kein Stress, Leute!
  2. Echte AZE ist SEHR, SEHR EINFACH! man muss dazu nur die tatsächlich geleistete AZ messen und dokumentieren. Wer von “Tätigkeitsfeldern” schwafelt, träumt von einer illegalen (!) Kontingentierung.

Der Move von Bremen ist kleingeistig, lächerlich und verlogen.

Dass Bremen DAMIT relativ gut aussieht im Vergleich zu den anderen BL, heißt NICHT, dass es besonders gut, sondern dass alle anderen tatsächlich NOCH schlechter sind.

Eigentlich ist das für sich genommen schon (ein weiterer) Grund, in den Sack zu hauen.

Also bitte vielleicht auch mal kritische Fragen stellen! WARUM dauert das so lange? Ist das wirklich notwendig? Warum fangen wir nicht morgen an? Es gibt fertige Apps. Und Uhren. Let’s go!

Canishine
1 Monat zuvor
Antwortet  Lera

In der Tat ist es bemerkenswert, dass man anscheinend überhaupt nicht (mehr?) weiß, was Lehrer so alles arbeiten, dass man das zunächst erstmal ausgiebig erfassen muss.

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  Canishine

Wäre in der Tat einfacher, die wöchentlichen Pausenzeiten zu erfassen und den Wert von 7 mal 24 abzuziehen.

Alese20
1 Monat zuvor
Antwortet  Lera

“Also bitte vielleicht auch mal kritische Fragen stellen! WARUM dauert das so lange? Ist das wirklich notwendig? Warum fangen wir nicht morgen an? Es gibt fertige Apps. Und Uhren. Let’s go!”

Da kann ich nur zustimmen!

Arbeitszeit
1 Monat zuvor

Blätterte gerade in einer Korrigierpause im Heftchen meiner Krankenkasse: Die suchen Azubis und bieten eine 35,5-Stunden-Woche.

Ich arbeite mindestens 50 Stunden (ja, ferienbereinigt!), auch nahezu jedes Wochenende, und komme an einem normalen Schultag nach vier erschöpft nach Hause, weil Lärm, weil viele Menschen, weil ständig wechselnde Situationen und Erwartungen, weil für alles verantwortlich. Immer lustig, wenn die Sportkolleg:innen beim Gehen “Schönen Feierabend” wünschen – meiner ist noch Stunden entfernt.

Ich liebe meinen Beruf und meine Schüler:innen sehr, aber diese Ungerechtigkeit k**zt mich ebenso an wie die Tasache, dass sie die Politik seit Jahrzehnten einen Sch**ß interessiert.

MrPlaguette
1 Monat zuvor
Antwortet  Arbeitszeit

Klingt nicht gesund, so viel zu arbeiten. Es gibt sicher viele Tätigkeitsfelder, in denen mehr Arbeit zu mehr Ertrag führen würde (Verbrechensbekämpfung , Pflege, Sozialarbeit), aber nach Feierabend muss Feierabend sein, denn das ist Ihr einziges Leben und der Dank hält sich in Grenzen.

Arbeiten Sie mehr mit Stechuhr und effektiver.

Ulla
1 Monat zuvor
Antwortet  Arbeitszeit

Ich bin Sportlehrerin und froh über jeden Tag, an dem ich nicht in die Sporthalle muss. Nichts ist anstrengender als der Lärm, das Auf- und Abbauen von Geräten und die ständige Angst vor Verletzungen.
Ich habe Respekt vor denen, die zwei Korrekturfächer haben. Diesen Respekt erwarte ich aber umgekehrt auch.
Und ich habe nicht mittags Feierabend.

Arbeitszeit
1 Monat zuvor

Angestellt bin ich übrigens außerdem – und das Interesse an dieser Ungerechtigkeit ist ähnlich überschaubar.

Ahorn2
1 Monat zuvor

In Sachsen kam bei einer Studie heraus, manche arbeiten zu viel und andere zu wenig. Da wurde dann eben einfach die Studie infrage gestellt. So macht man das dann ja immer. Wie will man nun “unliebsame Ergebnisse” verhindern???

Ulla
1 Monat zuvor

Ich finde es schon sehr bezeichnend, dass allein das Pilotprojekt über mehrere Jahre vorbereitet, nachbereitet, evaluiert wird. Wie wäre es erst, wenn man es dann auf alle Schulen bundesweit übertragen würde?
Ich (mit Mitte 50) werde davon sicher nicht mehr profitieren. Allerdings wünsche ich allen, die nachrücken, dass sich dadurch etwas bewegt.

447
1 Monat zuvor
Antwortet  Ulla

Zeit, selbst etwas zu bewegen.

Das geht ganz einfach:
Wenn man (wie diverse Vorposter) um 1600 völlig zerstört ankommt und DANN noch weiterarbeiten “muß”, wird es mal Zeit, …
1) ‘nen fetten langen Termin beim Hausarzt zu buchen.
2) die 100 oder 200 Eurodollar in die Hand zu nehmen und sich mit klaren Fragen ‘nen Anwaltstermin zu buchen. Spoileralarm in dieser Sache: Sie glauben garnicht, was alles keineswegs “muss” oder “dringend” ist.
3) sein Arbeitsverhalten mal hard zu resetten.

SuS sind sicherlich für Zuwendung, Präsenz im Gespräch usw. in einigen Fällen wirklich (nicht nur scheinbar) dankbar.

Ob Sie aber Arbeitsblätter verteilen oder Vokabeltests schreiben (oder eben Showstunden machen), die Arbeiten nach zwei, drei oder vier Wochen zurückgeben…das interessiert kein Rüsseltier.
Die stundenlangen “nur-mal-fünf-Minuten-hier-und-da”-Agitprop-Aktionen, Fahrten, Sonderausflüge, Schulentwicklungsquatsch, Bekenntnisgottesdienste an den Zeitgeist…ändern nix (alles Relevante wird eh alternativlos von BzReg befohlen), niemand wird sich an Ihren Einsatz erinnern und das Zeug hat mit Lehrer und Schule eigentlich eh nix zu tun.

Alternativ dazu kann man jahrzehntelang X Zusatztermine wahrnehmen, damit ANDERE befördert werden und dafür bestenfalls sowas wie “150 Eurodollar mehr” bekommen, um NOCH MEHR in Schule rumzuhängen: Scheidungen, Alkoholismus und krankhaft verfestigte Lehrerpersönlichkeiten mit schwerer Realirätsabstinenz sind die Folge.

Ulla
1 Monat zuvor
Antwortet  447

Ich verstehe diesen Beitrag nicht.
Dass ich keine Arzttermine zur Kernarbeitszeit buchen kann, ist ja wohl klar. (Darf mein Mann bei einem privaten Arbeitgeber auch nicht.)
Dass ich meine Arbeit gut machen will, um nicht völlig unzufrieden zu werden, ist auch klar.
Wenn andere ausprobieren wollen, Dienst nach Vorschrift mit den immer gleichen Arbeitsblättern und ohne Ausflüge etc zu machen, von mir aus. Ändern werden sie auch nichts.

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  Ulla

Laut IG-Metall darf das aber jeder Tarifbeschäftigte. Heißt Vertauensarbeitszeit.

447
1 Monat zuvor
Antwortet  Ulla

Wenn Sie den Beitrag nicht verstehen ist das was passiert für Sie persönlich halt so in Ordnung.
Völlig ok.

Es ändert sich übrigens die (zweit)wichtigste Sache der Welt: Was mit einem selbst passiert.

DienstnachVorschrift
1 Monat zuvor
Antwortet  447

Ich verstehe den Beitrag von 447 als Inhaber eines Korrekturfaches sehr gut. Es ist reiner Selbstschutz. Dennoch bestehen die SuS die Prüfung.

Ulla
1 Monat zuvor
Antwortet  447

Mir geht’s besser so, weil ich nur so Freude an meiner Arbeit habe.
Aber das muss jeder selbst für sich entscheiden. Ich arbeite im Durchschnitt nicht mehr und nicht weniger als andere Arbeitnehmer.

447
1 Monat zuvor
Antwortet  Ulla

Dann passt es doch für Sie.

Fräulein Rottenmeier
1 Monat zuvor
Antwortet  Ulla

Sie müssen den fetten langen Termin beim Hausarzt auch nicht während der Arbeitszeit buchen, wichtig ist, dass Sie ihn überhaupt buchen, um sich mal ganz gründlich durchchecken zu lassen und mit ihm das Thema „Überlastung und die konkrete Auswirkungen“ zu besprechen.
Und was 447 mit dem Rest sagen wollte ist, dass es an einem selber liegt, wie sehr man sich verausgabt oder verausgaben lässt.
Gerade in unserem Beruf ist es wichtig auf die eigenen Grenzen der Belastbarkeit zu achten. Dauerhafte Überlastung macht krank, schlimmstenfalls süchtig oder reißt eine Ehe in den Abgrund…..

Ulla
1 Monat zuvor

Keine Sorge, ich schaffe es auch, meine Arzttermine wahrzunehmen, ohne dass Unterricht ausfällt.

Fräulein Rottenmeier
1 Monat zuvor
Antwortet  Ulla

Das war nicht meine Intention….aber gut….

Fräulein Rottenmeier
1 Monat zuvor
Antwortet  Ulla

Nicht so verkniffen, ich meine es wirklich gut und ehrlich…..habe schon zu viele Kolleginnen in den Burnout gehen sehen…..

Fräulein Rottenmeier
1 Monat zuvor
Antwortet  Ulla

Und natürlich dürfen Sie den Anspruch an sich haben, ihre Arbeit gut zu machen…..aber Sie kennen bestimmt die 80% Regel, die besagt das 80% hinreichend sind, denn die letzten 20% erfordern so viel Kraft und Energie, dass es unverhältnismäßig ist, diese erreichen zu wollen. Für Perfektionisten schwer umzusetzen, aber man kann das lernen. Ein Coaching hilft da Wunder….

Ulla
1 Monat zuvor

Ich bin seit 25 Jahren im Dienst und kriege meine Zeiteinteilung etc ganz gut hin. Auch ohne verkniffene 80-20-Regelung.

Rudi Ratlos
1 Monat zuvor

Ausgerechnet das Bundesland mit den miesesten Testergebnissen bundesweit, großartig.

Sporack
1 Monat zuvor

Man darf gespannt sein …
Wie ehrlich “nicht-angeordnete” Mehrarbeit/Überstunden …
a) von Lehrkräften, die inhaltich zur Selbstausbeutung neigen, nicht gemacht werden
b) von Lehrkräften auch ohne Anordnung eintragen, wenn selbige geleistet werden
c) in der Evaluation auch unter Berücksichtigung von Minderzeiten als gemacht gewertet werden

und zu welchen Änderungen die Auswertung dann führen wird…

jpw
1 Monat zuvor

Als Berufsschullehrer war ich schon angestellt bei privaten Bildungsträgern und jetzt im öffentlichen Dienst.

Beim privaten Bildungsträger stand im Arbeitsvertrag 40 Wochenarbeitsstunden, gesetzlicher Urlaub und auch eine genaue Tätigkeitsbeschreibung. Es mussten ca. 24 Unterrichtsstunden pro Woche gehalten werden und wenn nicht Urlaub war dann war Anwesenheitspflicht und in dieser Zeit konnte man alles nötige (Vor-/Nachbereitung, Pflege der Labore usw.) erledigen. Alles was darüber hinausging wurde als Überstunden vergütet. Ich brauchte _keine_ Arbeit mit nach Hause zu nehmen.

Im öffentlichen Dienst sind die Wochenunterrichtsstunden (26) klar geregelt. Vieles andere ist unbestimmt (Arbeitsaufwand für Laborarbeiten, Dienstbesprechungen, Mitwirkung in Aufgabenerstellungskommissionen, Vor-/Nachbereitung, Messeauftritte, Amtshilfen [Formulare …] usw.). Anwesenheitspflicht außerhalb der Unterrichtsverpflichtung gibt es im allgemeinen nur für Dienstbesprechungen.

Ich finde das die Beschäftigung im öffentlichen Dienst deutlich mehr Freiheiten zulässt. Wenn man nun krampfhaft jeden Handgriff der im dienstlichen Kontext steht buchhalterisch als Arbeitszeit erfassen soll, dann empfinde ich das als kontraproduktiv. Für mich hat das dann nichts mehr mit einem kreativen Beruf zu tun.

Ulla
1 Monat zuvor
Antwortet  jpw

Ich wäre froh, wenn ich meine Arbeit komplett in der Schule erledigen könnte. Da habe ich aber keinen Arbeitsplatz.