Erziehung: Wenn Eltern zu viel schützen und zu wenig führen – was das für Kita und Schule bedeutet

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BERLIN. Eltern schützen ihre Kinder immer intensiver – und muten ihnen gleichzeitig immer weniger zu. Der Soziologe Norbert F. Schneider und die Psychotherapeutin Maria M. Bellinger warnen in ihrem neuen Buch, dass diese Kultur der Überbehütung Kinder schwächt und Kitas wie Schulen überfordert. Ihre Analyse zeigt, wie stark der gesellschaftliche Erwartungsdruck auf Familien gestiegen ist – und warum es pädagogisch notwendig wäre, Kindern wieder mehr zuzutrauen.

Verwöhnung schafft Probleme - auch (und vor allem) in der Schule. Foto: Shutterstock
Überbehütung schafft Probleme – auch (und vor allem) in der Schule. (Symbolfoto.) Foto: Shutterstock

In einer Kita platzt im Sommer ein Wasserrohr. Drei Monate lang müssen die Gruppen in die Turnhalle der benachbarten Schule ausweichen, Notbetreuung im Provisorium. Andere Zeiten, andere Gruppenzusammensetzung, anderes Essen, mehr Lärm, weniger Struktur. Am Ende dieser Phase, berichtet eine erfahrene Kita-Leitung, seien „die Eltern […] völlig am Ende, was dort alles passieren könne“, während die Kinder die Ausnahmesituation „als Abenteuer genommen und super vertragen“ haben. Die Episode steht beispielhaft für eine grundsätzliche Frage, die pädagogische Fachkräfte in Kitas und Schulen heute täglich beschäftigt: Was ist Kindern eigentlich zuzumuten – und was nicht?

Mit diesem Beispiel – und der „Frage der Zumutbarkeit“ – setzen der Soziologe Norbert F. Schneider und die Psychiaterin und Psychotherapeutin Maria M. Bellinger in ihrem neuen Buch „Mut tut gut – warum wir unseren Kindern mehr zutrauen können“ an. Ihr Befund, basierend auf 55 Interviews mit Kindern, Eltern sowie Fachkräften, Eltern stehen massiv unter Druck, Kinder wachsen in einer Kultur der Überbehütung auf – und Bildungseinrichtungen geraten in die Rolle von Reparaturbetrieben einer Erziehung, die gut gemeint, aber oft kontraproduktiv ist. Schneider war von 2009 bis 2021 Direktor des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung, lehrt als Honorarprofessor in Frankfurt und Gastprofessor in Wien. Bellinger leitete bis 2025 die psychosoziale Beratungsstelle eines Bundesministeriums und arbeitet an der Schnittstelle von Gesundheit, Arbeit und Familie.

„Die Besseren und ihr Streben nach Leistung und Erfolg bleiben dagegen auf der Strecke“

Ihr Buch richtet sich zwar primär an Eltern, ist aber für das Bildungssystem hoch relevant. Denn was Schneider und Bellinger beschreiben, bekommen Erzieherinnen, Erzieher und Lehrkräfte unmittelbar in ihrem Alltag zu spüren: das Verhalten von Kindern, denen vieles zugetraut wird, die mit Veränderungen, Konflikten und Frustrationen umgehen können – und das von anderen, für die schon eine umgestellte Gruppenstruktur oder der erste Lernstandstest zum Drama wird. „Die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der Frage der Zumutbarkeit erfährt gegenwärtig eine hohe Aufmerksamkeit und schlägt erstaunliche Volten“, schreiben die Autorin und der Autor. Was Kindern nicht zugemutet werden dürfe, ändere sich rasant – und oft ohne pädagogische Reflexion.

Deutlich wird das an schulnahen Beispielen: Noten in der Grundschule werden abgeschafft, Sitzenbleiben gilt als pädagogisch überholt. Im Kinderfußball, eng an Schule und Ganztagsbetreuung gekoppelt, gelten seit der Saison 2024/25 neue Regeln: Tabellen in G-, F- und E-Jugend sollen weg, Gewinnen und Verlieren werden pädagogisch entschärft. Die dahinterstehende Intention – Druck reduzieren, möglichst niemanden verlieren – mag vielen Lehrkräften vertraut vorkommen. Schneider und Bellinger fragen: Ist Kindern wirklich geholfen, wenn ihnen die Lernerfahrung vorenthalten wird, dass auch Niederlagen zum Leben gehören und dass es andere gibt, die besser sind?

Eine Mutter schildert im Buch, wie ihr Sohn Fußball erlebt: „Mein Sohn will gar nicht entlastet werden … er will sich messen, Tore schießen, gewinnen, besser sein als andere.“ Und was bedeutet es für Kinder, die ein Turnier tatsächlich dominiert haben, wenn ihnen am Ende erklärt wird, am Ende seien doch irgendwie alle Sieger? Die Orientierung verschiebt sich – weg von den Leistungsstarken, hin zum Schutz der Schwächsten. „Die Besseren und ihr Streben nach Leistung und Erfolg bleiben dagegen auf der Strecke“, warnen Bellinger und Schneider. Für Schule heißt das: Wo Leistung nur noch vorsichtig benannt werden darf, fehlen auch die starken Vorbilder, an denen andere wachsen können.

Verunsicherte Eltern verschärfen das Problem noch. Im Kern, so Schneider in einem Interview mit der „Welt“, gehe es um eine Überfrachtung von Elternschaft – und die wirkt unmittelbar in Kita und Schule hinein. „Aus soziologischer Perspektive nehme ich wahr, dass der Erwartungsdruck, der von der Gesellschaft auf Eltern ausgeht, immer weiter steigt. Gleichzeitig wird dieser von den Eltern verinnerlicht, die sich zusätzlich selbst unter Druck setzen“, sagt er dort. Und weiter: „Wir sehen zunehmend überlastete und verunsicherte Eltern, die zur Überbehütung neigen. Das schadet nicht nur den Kindern, sondern auch der Gesellschaft, da die nachwachsende Generation nur schwer Resilienz entwickeln kann. Unser Anliegen ist es, Druck von den Eltern zu nehmen.“

Überbehütung ist für Schneider und Bellinger dabei nur eine Seite der Medaille. In den Gesprächen, die sie für das Buch geführt haben, begegnen ihnen Lehrkräfte aus sogenannten Brennpunktschulen, die das genaue Gegenteil schildern: Eltern, die kaum erreichbar sind, Kinder ohne Frühstücksbox, wochenlanges Fernbleiben vom Unterricht, das auf Hinweise der Schule kaum Reaktion auslöst. Im „Welt“-Interview beschreibt Schneider diese Spannweite so: „Beide (Lehrkräfte, d. Red.) schilderten, wie wenig sich die Eltern für die schulischen Belange ihrer Kinder interessieren. Diese Eltern seien so stark mit sich selbst beschäftigt, dass sie keine Zeit, keine Energie oder keine Motivation aufbringen, sich um ihre Kinder zu kümmern, die nicht mal eine Frühstücksbox in die Schule mitbekommen.“ Kitas und Schulen sehen sich also gleichzeitig mit Überfürsorge und Vernachlässigung konfrontiert – und sollen beides ausgleichen.

„Wir nehmen ihnen zu viel ab, tragen den Schulranzen, erledigen ihre Hausaufgaben. Das kann negative Folgen hervorrufen“

Im Zentrum steht die Frage, ob Kinder vor Frustration, Kritik oder Misserfolg geschützt werden sollten – oder eben nicht. Schneider und Bellinger beschreiben, wie sich eine neue Pädagogik der allgegenwärtigen Bestätigung etabliert. „‚Ihr alle seid prima‘, wird Kindern häufig durch die Erwachsenenwelt vermittelt“, heißt es im Text. Eine Mutter berichtet im Interview mit den Autoren, dass die Vierjährigen in der Kita täglich mit Inbrunst ein Lied singen: „Wir sind super, wir sind Helden …“. Sie fragt sich, was das mit den Kindern macht. Die Autorin und der Autor spitzen zu: Wie viele Helden verträgt eine Gemeinschaft? Was macht exzessive Bewunderung mit einem Kind, das nie erlebt, dass andere etwas besser können – oder dass es selbst an Grenzen stößt?

Für Kitas und Schulen ist das eine zentrale Frage der Feedbackkultur. Geht es darum, jedes Kind permanent zu ermutigen – oder gehört es zur professionellen Aufgabe, auch deutlich zu sagen, wenn etwas nicht gelungen ist? Schneider betont im Gespräch mit der „Welt“, dass genau diese Erfahrungen für die psychische Gesundheit entscheidend sind: „Unsere grundsätzliche Einschätzung: Wir räumen den Kindern zu wenig Freiräume und Entfaltungsmöglichkeiten ein. Wir nehmen ihnen zu viel ab, tragen den Schulranzen, erledigen ihre Hausaufgaben. Das kann negative Folgen hervorrufen. Wenn wir es unter dem Stichwort Überbehütung zusammenfassen, birgt diese ein hohes Risiko für eine geringere Motivation der Kinder, irgendetwas selbst zu tun. Hinzu kommen höhere Risiken für die psychische Gesundheit und die Lebenszufriedenheit. Wir reden hier von der ‚erlernten Hilflosigkeit‘, die oft einhergeht mit einem höheren Risiko für depressive Verstimmungen und Angststörungen.“

Was das im pädagogischen Alltag bedeutet, illustriert Schneider mit einer typischen Szene aus dem Kindergarten: Zwei Kinder, drei und vier Jahre alt, streiten im Sandkasten um die gelbe Schaufel – obwohl noch vier andere danebenliegen. Die Mütter sitzen daneben und versuchen, den Konflikt für die Kinder zu klären. Aus Sicht der Autorinnen und Autoren ist das ein Fehler: „Die Kinder müssen selbst darauf kommen, wie man mit dieser Situation klarkommt. Das ist Befähigung.“ Für Eltern, Erzieher*innen und Lehrkräfte lautet die Botschaft: Nicht jede Auseinandersetzung muss moderiert werden, nicht jedes Problem braucht sofortige Erwachsenenhilfe. Gerade in der Kita werden Grundlagen gelegt für das, was Kinder später in der Schule an sozialer Kompetenz mitbringen.

In einem Interview mit der „Zeit“ analysiert Schneider die dahinterliegenden Bilder vom Mutter- und Vatersein. „Elternschaft wird mit immer mehr Erwartungen aufgeladen – von der Gesellschaft, von Kitas und Schulen, aber auch von Müttern und Vätern selbst“, sagt Schneider dort. „Doch wenn man unerreichbare Standards an die Kindererziehung anlegt, kann das nur zu Überforderung und Verunsicherung führen.“ Gleichzeitig habe sich die Erwartung etabliert, dass Eltern die kindlichen Bedürfnisse „zu jedem Zeitpunkt entwicklungsgemäß begleiten“ müssten – mit dem Effekt einer „Semiprofessionalisierung und Semipädagogisierung“ von Eltern, die mit Intuition wenig zu tun habe.

Eine der schärfsten Passagen in diesem Interview betrifft das, was Schneider als „Servicementalität“ vieler Mütter und Väter bezeichnet – eine Haltung, die Erzieherinnen, Erzieher und Lehrkräfte aus Elternabenden und Entwicklungsgesprächen gut kennen. Zur Verdeutlichung verweist Schneider auf ein Gespräch mit einer Psychiaterin aus seiner Interviewreihe: Wenn ein Kind Tee trinken solle, erklärte sie, sollten Eltern nicht fragen, ob es überhaupt Tee wolle, sondern lediglich, aus welcher Tasse es ihn trinken möchte. Die Grundentscheidung treffe der Erwachsene – das Kind wähle innerhalb eines klaren Rahmens.

„Ich muss Ziele und Regeln formulieren, muss deren Einhaltung kontrollieren und Sanktionen aussprechen“

Viele Eltern, so Schneider weiter, überforderten sich jedoch selbst, indem sie jede Grundsatzentscheidung dem Kind überließen und mehrere völlig unterschiedliche Optionen eröffneten: „Möchtest du Tee, Apfelsaftschorle oder doch lieber Kakao? Hast du jetzt schon Hunger oder willst du lieber später essen?“ Solche Fragen seien, so Schneider, Ausdruck einer „Führungsschwäche“ – weil sie Kinder mit Entscheidungen überfrachten, die eigentlich Erwachsene treffen sollten, und zugleich die Eltern selbst unter Druck setzen.

Schneider betont: Eltern müssten akzeptieren, dass sie einen Wissens- und Erfahrungsvorsprung gegenüber ihrem Kind haben, und daraus klare Entscheidungen ableiten. Im „Welt“-Gespräch formuliert er das so: „Das heißt, ich muss Ziele und Regeln formulieren, muss deren Einhaltung kontrollieren und Sanktionen aussprechen, wenn sie massiv verletzt werden. Das ist wichtig für die Kinder und ihre Entwicklung, ebenso wie für die Eltern.“

Gleichzeitig wendet sich der Soziologe deutlich gegen ein pauschales Schwarz-Weiß-Bild, das im öffentlichen Diskurs über Elternschaft und Kindheit verbreitet ist. „Die aktuelle soziale Konstruktion von Kindern lautet: verletzlich, schutzbedürftig und bedroht“, sagt er gegenüber der „Welt“. „Folgt man dem Forschungsstand der Pädagogik, Psychologie und Soziologie, konnten Kinder noch nie so zufrieden, so gesund und so behütet aufwachsen wie heute.“ Und in der „Zeit“ unterstreicht er: „Kinder werden als schutzbedürftig, verletzlich und bedroht wahrgenommen. Das widerspricht der empirischen Datenlage: Nie konnten Kinder so gesund und sicher in Deutschland aufwachsen wie heute.“ Für Schulen heißt das: Die reale Lage vieler Kinder ist deutlich besser als die Krisenrhetorik vermuten lässt – das Problem liegt eher im Umgang mit dieser komfortablen Situation.

Damit rückt eine andere Ebene in den Fokus: die Rolle der Institutionen selbst. Schneider, über viele Jahre ein prominenter Befürworter des Ausbaus öffentlicher Kinderbetreuung, warnt im „Zeit“-Interview vor einem Missverständnis: „Öffentliche Kinderbetreuung kann Eltern unterstützen, sie kann Eltern entlasten, aber sie kann ihnen niemals die Hauptverantwortlichkeit für ihr Kind abnehmen.“ In der Praxis erleben Kitas und Schulen aktuell jedoch häufig das Gegenteil: Eltern erwarten „Qualität auf Klinikniveau“, also verlässliche Betreuung und Versorgung in jeder Lage – und machen Träger oder Lehrkräfte verantwortlich, wenn der Betrieb angesichts Personalmangels, Krankheit oder Sanierungsstau ins Stocken gerät. Aus pädagogischer Sicht verschärft dieser Vertrauensschwund die Tendenz zur Überkontrolle: Wenn Eltern der Einrichtung nicht trauen, kontrollieren sie umso mehr – Hausaufgaben, Eltern-Chatgruppen, tägliche Rückmeldungen aus der Kita.

Was folgt daraus für den pädagogischen Alltag? Schneider und Bellinger propagieren kein Zurück zu autoritären Erziehungskonzepten, sondern ein „sturdy parenting“, eine robuste, stabile Elternschaft, die klar zwischen den Bedürfnissen der Kinder und den eigenen Wünschen unterscheidet, Grenzen setzt und Frustration aushält. Schneider beschreibt im „Welt“-Interview eine typische Szene: „Eltern nehmen die Gefühle und Wünsche der Kinder wahr und bestätigen sie. Das klingt in etwa so: ‚Ich weiß, du hättest gern ein Eis und bist enttäuscht, wenn du keins bekommst; ich möchte auch manchmal ein Eis und kaufe es mir nicht.‘“ Übertragen auf Schule könnte das heißen: Die Enttäuschung über eine Note wird ernst genommen – aber die fachlichen Anforderungen werden nicht abgesenkt.

Am Ende geht es – gerade mit Blick auf Kita und Schule – um eine kulturelle Verschiebung: weg von der ständigen Sorge, etwas könne „zu viel“ sein, hin zu einem pädagogisch verantworteten „Wir trauen euch das zu“. Schneider bringt das in der „Zeit“ auf eine knappe Formel: „Eltern sollten wieder mehr Gelassenheit wagen und mehr Zutrauen entwickeln, in die eigenen Kompetenzen und die ihrer Kinder.“ In einem Bild, das er dort beschreibt, sitzen ein paar Erwachsene am Rand eines Gartens, in dem acht Kinder frei spielen, streiten und sich wieder vertragen. Nur gelegentlich mischen sich die Erwachsenen ein.

Genau solche Räume brauche es auch in Kitas und Schulen – im Gruppenraum, auf dem Pausenhof, im Klassenrat. Räume, in denen Kinder nicht permanent überbehütet, aber auch nicht allein gelassen werden. In denen sie üben dürfen, Konflikte auszutragen, Niederlagen zu verkraften, Verantwortung zu übernehmen. Und in denen pädagogische Fachkräfte an der Seite von Eltern stehen – nicht als Dienstleister, die jedes Problem ausräumen, sondern als Profis, die Kindern zumuten, woran sie wachsen können. News4teachers 

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NetterMisanthrop
1 Monat zuvor

Nach meiner Erfahrung sind die fast alle Eltern für faire, aber fordernde Leistungskontrollen, das konsequente Durchsetzen von Regeln und Disziplin und auch dafür, dass Fehlverhalten angemessene Konsequenzen hat.

Bis es um das eigene Kind geht.

Biene
1 Monat zuvor
Antwortet  NetterMisanthrop

Jupp genau so erlebt.
Der nächste Elternsprechtag wird lustig. Mal schauen, welche Typen Eltern ich dort wieder treffe.
Evtl. wäre eine Runde Bullshit Bingo im Kollegium angebracht. 😉

Rollo
1 Monat zuvor
Antwortet  Biene

In welche Typen kategorisieren Sie denn die Lehrkräfte?

Cuibono
1 Monat zuvor
Antwortet  Rollo

Diese Typisierung nehmen doch die Eltern vor.

Warenhausdetektiv
1 Monat zuvor
Antwortet  NetterMisanthrop

Ja! Gut gesagt!

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  NetterMisanthrop

Wenn Sie aber auch immer die Kinder der jeweilsanderen Eltern bevorzugen, dürfen Sie sich doch nicht wundern:)

NetterMisanthrop
1 Monat zuvor
Antwortet  dickebank

Weh mir, ich bin erkannt… mea culpa, mea maxima culpa.

Unfassbar
1 Monat zuvor
Antwortet  NetterMisanthrop

Das Schulgesetz, die Dezernate und die Gerichte stehen ja auf der Seite der Wähler ääähhh ich meine Eltern.

Rollo
1 Monat zuvor
Antwortet  NetterMisanthrop

Nach meiner Erfahrung sind fast alle Lehrer für weniger Hausaufgaben, möglichst wenig Leistungskontrollen, aber Disziplin und Erledigung aller Lernaktovitäten zuhause. In den Vertretungsdtunden sollen die Kinder mit ihren Handies irgendwelche Quizzes spielen. Lernen und erklären sollen bitte die Eltern machen, die haben die Kinder ja auch in die Welt gesetzt.
Ich bin froh, wenn meine Kinder die Schulzeit hinter sich haben. Schade, wenn die Struktur und das System aus der Kindheit und Jugend nur Krampf und Schluder macht.

blau
1 Monat zuvor
Antwortet  Rollo

Also ich schonmal nicht.

Tigrib
1 Monat zuvor
Antwortet  Rollo

Also an meiner Schule sind wir sehr hinterher, dass die Kids in der Schule was lernen.Zuhause geht bei vielen fast gar nichts mehr.
Blöd nur, wenn ab der 7. , 8. Klasse die meisten Kids nur noch Unsinn im Kopf haben und Anstrengung total out ist. Eine gute Lernatmosphäre ist in kaum einer Klasse vorhanden. Wir haben nur wirkungslose Mittel in der Hand: Strafarbeiten, Nachsitzen, Elterngespräche, das zieht alles nicht.

Lieber Rollo, gerne zu uns kommen und meinen Unterricht übernehmen. Sie haben bestimmt prima Ideen, wie es anders laufen kann. Seiteneinsteiger sind herzlich willkommen!

Mein_Senf
1 Monat zuvor
Antwortet  NetterMisanthrop

…und bis es um eigene Erziehungsmethoden geht…
“Von Schule und Kita muss man das ja fordern können“

Mika
1 Monat zuvor

Ich unterschreibe jeden!einzelnen!Satz!

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Mika

Ich! Auch!

EMu
1 Monat zuvor
Antwortet  Mika

Ich nicht so ganz.

Ich bin voll dafür, beispielsweise einen fachlichen Anspruch aufrecht zu erhalten, auch wenn es immer mehr Enttäuschungen gibt. Und auch in meiner Klasse kämpfe ich gerade mit nicht-altersgemäßer Konfliktlösungsunfähigkeit und dem elterlichen Anspruch an Lehrkräfte, ständig alles klären zu sollen.

Gleichzeitig muss ich nicht jede Rückmeldung in Form einer Note geben. Und dass Sitzenbleiben in vielen Fällen zu nichts führt, ist hinlänglich beschrieben. An dieser Stelle vermischt mir der Artikel zu viel. Anspruch und Niveau lässt sich auch auf alternativen Wegen umsetzen, das erlebe ich auch in Projektarbeit immer wieder. Natürlich funktioniert das nicht bei allen Schülern (und das kann man gut als Feedback geben) – aber das schaffen gängige traditionelle Methoden auch nicht, teils noch weniger.

L. a. L.
1 Monat zuvor
Antwortet  EMu

Danke! Endlich ein fachlich differenzierter Kommentar!

Warenhausdetektiv
1 Monat zuvor

Ich stimme zu, aber ich erweitere: Wenn Lehrer zu viel schützen und zu wenig führen… Das erlebe ich ebenso mit katastrophalen Auswirkungen.

Kleopas
1 Monat zuvor

„Die Besseren und ihr Streben nach Leistung und Erfolg bleiben dagegen auf der Strecke“
Da haben wir sie, die Fördermentalität, ohne Konkurrenz, ohne Leistungsdruck, ohne Ansprüche an die Kinder (oder gar an die Eltern), Hauptsache Gerechtigkeit ohne irgendwelche “Disparitäten” in den Statistiken von PISA & Co. Geringe Leistungsunterschiede in der Gemeinschaftsschule gelten als Tugend und sind ein Kennzeichen der “neuen” Schule im 21. Jahrhundert mit den “21st Century Skills”. Und Pädagogen gelten dann als besonders gut, wenn sie wohlklingende Sätze mit “Ko-Konstruktion” darin drechseln können.

Anna Bunse
1 Monat zuvor

Ich halte diese Art von Erziehung als einigermaßen verlogen. Da draußen erwartet die Kinder ein kapitalistisches System, dass kein bisschen rosarot ist. Wir Eltern sollten am anderen Ende unserer Sphäre (der Politik) beginnen wärmer, freundlicher, toleranter, respektvoller zu sein. Nach außen hin erlebe ich die Menschen immer intoleranter und rechte Parteien sind plötzlich Mainstream, nach innen wird gemauert. Früher waren Eltern froh, wenn ein paar ihrer Kinder das Jugendalter überlebten. Heute denkt jeder, er erzieht den nächsten Musk. Dabei ist der eine schon Zuviel für diese Welt. Soviel zum Thema Erwartungen. In Wirklichkeit kommen dann solche Absurditäten heraus, wie eine 1.Klässlerin, die ihre Lehrerin niederschreit, dass diese Quatsch erzähle. Das Aushalten von Spannungen, Flexibilität Fehlanzeige. Kinder, die so eingefahren sind, dass es an die Verknöchertheit von Hochbetagten erinnert. Das eine ist physiologisch erklärbar, dass andere erlernte Hilflosigkeit oder „Glaube fest an dich, da du immer richtig bist“. Nein bist du nicht, ist keiner!

Unfassbar
1 Monat zuvor

Dazu kommt die immer größer werdende Anzahl Eltern, denen die schulische Leistung und das Sozialverhalten ihrer Kinder völlig egal sind.

Martin
1 Monat zuvor
Antwortet  Unfassbar

“Die immer größer werdende Anzahl Eltern” ist selbst schon verzogen statt erzogen worden, weil auch sie eine “moderne” und “fortschrittliche” Erziehung genossen haben, vor der zu wenige Kritiker bereits vor Jahrzehnten als unseliges “laissez-faire” warnten.
Wie sollen Eltern, die selbst kaum mehr erzogen wurden, mit der Forderung nach besserer Erziehung ihrer Kinder umgehen? Sie sind vermutlich mehr hilflos als desinteressiert, weil ihnen die Vorbilder fehlen.

Salida
1 Monat zuvor

Das ist jetzt ein mehr als wirrer Artikel. Klar kann und muss man Dinge benennen und kritisch hinterfragen, aber genau das fehlt. Es wird schlagwortartig aufgelistet, kontrastiert, und dann gesagt, man wolle keine schwarz-weiß Malerei. Die eingeforderte pädagogische Reflexion bleibt auch hier aus.

Marion
1 Monat zuvor

Da ist schon so einiges dran, dem ich zustimme.
Allerdings bin ich über den ersten Satz in der fett gedruckten Einleitung gestolpert: “Eltern schützen ihre Kinder immer intensiver – und muten ihnen gleichzeitig immer weniger zu.”
Ja, einerseits stimmt das. Andererseits wird Kindern aber auch ganz schön viel zugemutet.

1.Stichwort: Zu frühe, zu lange Trennung von den Eltern, durch frühzeitige, zu lange tägliche Krippenbetreuung. (Wohlgemerkt: Nicht jedes Kind leidet in der Krippe. Aber es wird zu wenig die individuelle Entwicklung eines Kindes berücksichtigt, bei der Frage, ob, ab wann und wie lange es in die Krippe gehen soll.)

2.Kinder werden häufig krank in die Einrichtungen gebracht und/oder dürfen Erkrankungen nicht richtig auskurieren, weil Eltern ihren beruflichen Pflichten nachkommem müssen.

3.Kinder haben sich heute im Allgemeinen schon im frühen Kleinkindalter den Bedürfnissen der Arbeitswelt von Erwachsenen anzupassen, was oft ihren eigen Bedürfnissen, ihrem eigenen individuellen Rythmus zuwiderläuft.

4.Stichwort: “Durchinstitutionalisierung- und pädagogisietung von Kindheit” – Das heißt, Kinder haben heute weniger persönliche Freiheit, was den allgemeinen Bewegungsradius betrifft, die Zeit, die ihnen unverplant zur Verfügung steht, das von Erwachsenen unbeobachtete Spielen und die Möglichkeit zum Rückzug.

Ich finde, in dieser Hinsicht wird Kindern schon so einiges zugemutet. Und weil das, wie ich vermute, vielen Eltern im Grunde klar ist, zumindest unbewußt, versuchen manche das mit Überbehütung, Verwöhnung, Kontrolle – im Allgemeinen als “helikoptern” bezeichnet, auszugleichen.

Man nehme bitte zur Kenntnis, dass ich ich von “vielen” und “manchen” Eltern schreibe, bevor die Empörung hochkocht.
Man nehme bitte ebenso zur Kenntnis, dass ich oben betone, “nicht jedes Kind würde in der Krippe leiden” und weiter unten, dass die Erfordernisse der Erwachsenenwelt “oft” (nicht immer) dem individuellen Rythmus des Kindes zuwiderlaufen.

Wenn meine Ausführungen also auf Sie, Ihr Kind, Ihre Familie persönlich nicht zutreffen, dann ist alles in Butter.
Es heißt aber nicht, dass es nicht auch einen durchaus relevanten Aneil von Familien gibt, die davon schon, in jeweils unterschiedlichem Ausmaß, betroffen sind.

Es muss sich also niemand persönlich angegriffen fühlen.
Wer will, darf sich aber angesprochen fühlen.

TaMu
1 Monat zuvor
Antwortet  Marion

Was Sie so gut beschreiben, trifft anscheinend auf sehr viele Familien zu.

BaKa
1 Monat zuvor
Antwortet  Marion

Nö nicht persönlich, leider ist Ihr Beitrag rein subjektiv und basiert auf keiner wissenschaftlichen Grundlage.

Marion
1 Monat zuvor
Antwortet  BaKa

Stimmt. Ich vermute und spekuliere lediglich auf Basis meiner persönlichen beruflichen Erfahrungen.
Gut möglich, dass ich mich irre.
Welche Therorien haben Sie so zum Thema?

Anonym
1 Monat zuvor

Ich bin sehr skeptisch. Die Forderung vom “wieder mehr” beruht mir zu sehr auf der Annahme, es hätten Eltern früher sehr viel besser gemacht (und das übrigens unter radikal anderen Bedingungen) . Wo sind diese Eltern, die ihre Kinder so ideal erzogen haben? Dieses Idealbild finde ich weder in meiner Familie noch aus den Erzählungen von Freunden und Bekannten. Auch die vergangenen Generationen haben ihre je eigenen (und nicht harmlosen) Fehler gemacht.
Der Fehler der heutigen Eltern besteht meines Erachtens gewiss nicht in der vermeintlichen Überbehütung oder der engeren Begleitung. Gewiss nicht darin, die Bedürfnisse der eigenen Kinder wahrzunehmen. Er besteht darin, unsere Kinder der grenzenlosen Technik auszuliefern. Und das verhindert dann auch, unsere Kinder eben wieder mehr sie selbst sein zu lassen oder sie freier aufwachsen zu lassen: Wie soll das gehen, wenn wir Kinder zugleich mit Smartphone und Sozialen Medien einer von Erwachsenen bis ins Detail gestalteten und gesteuerten Welt überlassen, die ein unbeschwertes Kindsein gar nicht erst ermöglicht? Wer heute als Elternteil “am Rande” steht und zugleich seinen Kindern Smartphones überlässt, der überfordert auf die maximal nur mögliche Weise.

Susanne M.
1 Monat zuvor
Antwortet  Anonym

Ich finde schon, dass die Kinder viel zu früh mit Erwachsenen – bzw Pubertätsproblemen konfrontiert werden. Da geht es nicht um einen Streit um eine Schaufel wie im Beispiel, sondern um Krieg, Corona, Klima oder: Lebe ich im richtigen Geschlecht?

blau
1 Monat zuvor

Ja, setzt sich in NRW in den Schulen fort. Heißer Scheiß ist gerade “angstfreie Prüfungsformate”. Damit die Schüler keine Angst vor Klassenarbeiten haben und ihre volle Leistungsfähigkeit abrufen können, bekommen sie jetzt Hilfen. ZB Spickzettel erlaubt, erste 5 min der Arbeit mit Nachbarn reden erlaubt, ganze Mappe verwenden dürfen usw. Leistungsgedanke geht runter, Wohlfühlgedanke geht rauf. Ich als Schülerin hätte auch gedacht, warum soll ich mich noch anstrengen? Ich kann das alles locker ohne irgendwelche Hilfen.
Nunja und die Schüler lernen dabei auch nicht mit Prüfungen und Versagen umzugehen.
Ist das in anderen Bundesländern auch so? Mich wundert Null dass NRW in Leistungsstudien so schlecht abschneidet.

Susanne M.
1 Monat zuvor
Antwortet  blau

Eine jüngere Lehrerin hat durchgesetzt, dass die Kinder Wörter nachschlagen dürfen. Ihr Argument war, dass es um das richtige Resultat geht, beispielsweise bei einem Bewerbungsschreiben, und nicht darum, wer am meisten Orthographie im Kopf behält. Allerdings war nur ein richtiges Wörterbuch erlaubt, kein Handy.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Susanne M.

Selbst bei der Abi-Prüfung ist der Duden (als Buch) erlaubt, zumindest kenne ich das noch so, und für Fremdsprachen ein einsprachiges Wörterbuch.

Tigrib
1 Monat zuvor
Antwortet  blau

Ist das Ironie?
Wenn das bei uns kommt, bin ich raus. (BW)

Susanne M.
1 Monat zuvor

Auf der anderen Seite erwarten aber auch Lehrer, dass sich die Eltern um alles kümmern und die Kinder kräftig pampern. Ein Beispiel: Eine meiner Töchter wollte einen Tag partout keine Hausaufgaben machen. Ich sagte: Gut, kläre das mit deiner Lehrerin. Ich bin auch gewöhnt, dass man selbst Dinge regeln muss, und ich hoffte, dass ihr Verhalten Konsequenzen haben würde und dass sie daraus – als plietsche Zehnjährige – etwas daraus lernt. Das gute Verhältnis zu ihrer Lehrerin war ihr nämlich wichtig. Was kam? Leider nichts! Keine Konsequenz, nicht einmal Kritik. Stattdessen wurde ich später darauf angesprochen.

Stine
1 Monat zuvor
Antwortet  Susanne M.

Haha super. Das kenne ich auch. Ich sag morgens, geh endlich los, du bist zu spät, und das Kind sagt, na und? Passiert doch eh nix, gestern und vorgestern hat auch keiner was gesagt…

Fräulein Rottenmeier
1 Monat zuvor
Antwortet  Stine

Da hatte Ihr Kind wohl nicht bei mir Unterricht…..ich will nämlich pünktlich anfangen und da wir einen offenen Anfang haben, sitzen alle Kinder genau zu Unterrichtsbeginn im Bänkekreis für den Morgenkreis. wer dann noch reinpoltert, muss leider draußen bleiben und warten….ist doof….aber alles andere stört….und ja, ich lege auch Wert auf gemachte HA…..gehört mit zur aktiven Unterrichtsbeteiligung. Das gibt tatsächlich Abzug in der Note (die den Kindern ab Klasse drei ja so heilig ist).
Das hat beides in der Regel zur Folge, dass Kinder pünktlich erscheinen mit gemachten HA…..auch schon in der Grundschule…..

Fräulein Rottenmeier
1 Monat zuvor
Antwortet  Stine

Da bin ich ganz die Fräulein Rottenmeier…..tja….

Mario
1 Monat zuvor

Rotti meine erste große Liebe aus Kindertagen, nicht Heidi!

Fräulein Rottenmeier
1 Monat zuvor
Antwortet  Mario

Wirklich? Was ist denn bei Ihnen falsch gelaufen? 😉

Mario
1 Monat zuvor

Die war doch klasse

laromir
1 Monat zuvor
Antwortet  Susanne M.

Wäre bei mir nicht passiert. Nach dreimal Arbeitsverweigerung, einmal nacharbeiten kommen. Ich hab dann das Gegenteil hier, Eltern die alles entschuldigen und empört sind, wenn Kinder Aufgaben nacharbeiten müssen, wenn sie im Unterricht ihre Sachen nicht erledigen wollen oder ihre Hausaufgaben nicht machen. Eltern, die sich gegen alle Konsequenzen seitens Schule stellen.

Katinka
1 Monat zuvor
Antwortet  laromir

Diese Erfahrung mache ich auch überwiegend…

Marion
1 Monat zuvor
Antwortet  laromir

Achtung, Triggerwarnung: Wer Angst vor Textwänden hat – einfach ganz schnell weiterscrollen.

Jetzt wird hier wieder hin und her debattiert, wer mehr Fehler macht, wer größere Schuld trägt.
Aber darum geht es eigentlich gar nicht.
Es geht auch nicht darum, ob, und wenn ja, was, Eltern früher besser oder schlechter gemacht haben.
Im Grunde ist es ein Zusammenwirken vieler Faktoren. In früheren Zeiten gab es weniger individuelle Freiheiten. Die Menschen waren stärker in feste Strukturen eingebunden, die ihnen einen eher schmalen Weg boten, eher weniger Raum, individuell über ihr eigenes Leben bestimmen zu können. Viele wuchsen im Großfamilienverband heran, wo jeder eine ihm zugewiesene Aufgabe zu erfüllen hatte. Dazu kam eine enge Bindung zur Kirche und ihren Glaubensvorschriften- ritualen- und jährlich wiederkehrebden Tratitionen. Außerdem spielte es für den Lebensweg eine entscheidende Rolle, ob man als Mann oder Frau geboren worden war.
Diese engen gesellschaftlichen, religiösen und geschlechtsspezifischen Vorgaben ließen dem einzelnen Durchschnittsindividuum kaum Platz, eigene Vorstellungen zu entwickeln, geschweige denn sie umzusetzen, sobald sie der gesellschaftlichen Norm widersprachen. Und sie boten den Autoritäten viele Möglichkeiten, ihre Macht zu mißbrauchen.
Das engte einerseits ein. Wer nicht in die Norm paßte, wer vom vorgegebenen schmalen Pfad abweichen wollte, hatte es ausgesprochen schwer. Er und vor allem sie, mußte gegen harte Widerstande kämpfen, mit Ausgrenzung und Verurteilung rechnen.
Andererseits gaben diese Regeln und Strukturen manchem auch Halt. Man war fest in eine Gemeinschaft eingebunden.
Um Kinder und Alte wurde sich im Familienverband gekümmert.
“Auslagerung” war nicht nötig.
Die Generationen lebten oft unter einem Dach und unterstützten sich gegenseitig, machten sich oft aber auch gegenseitig das Leben schwer.
In der heutigen Zeit haben sich diese Strukturen fast völlig aufgelöst, weil der Mensch, so wie er es schon immer getan hat, stets auf der Suche nach Verbesserung seiner persönlichen Lebensumstände ist und war. So begehrten irgendwann die Armen und Machtlosen gegen die Reichen und Mächtigen auf.
Frauen gegen Männer. Junge gegen Alte.
Im Streben nach individueller Freiheit, haben wir nun einen Punkt erreicht, wo die Verwirklichung der persönlichen Lebensvorstellungen mit den Erfordernissen, die das Leben nun mal auch oft mit sich bringt, kollidieren. Irgendwie scheint der Mensch inzwischen nicht mehr in der Lage zu sein, Prioritäten zu setzen. Durch den Wohlstand der vergangenen Jahrzehnte, durch die stetig zunehmenden Möglichkeiten, uneingeschränkter Gestalter des eigenen Lebens zu sein, hat er verinnerlicht, ein Recht auf die Erfüllung seiner individuellen Lebensvorstellungen zu haben.
Alles geht, alles ist möglich und zwar nicht nacheinander, sondern gleichzeitig.
Kinder? – Ja, aber bitte ohne dafür große Verwerfungen in anderen Lebensbereichen hinnehmen zu müssen.
(Und wenn es auf natürlichem Wege nicht klappt, kaufen wir uns eins und bezahlen dafür eine ukrainische Leihmutter – anything goes, wir schrecken vor nichts zurück. Grenzen, die die Natur uns setzt, werden nicht mehr hin genommen.)
Es muss doch irgendwie alles unter einen Hut zu bringen sein:
Beziehung, Kinder, Beruf, Hobbies, Haushalt, Urlaub etc.pp
Und viele kriegen das tatsächlich hin. Viele haben aber auch mit vierzig Burnout und/oder mit 50 Herzinfarkt und fragen sich dann, wie es nur so weit kommen konnte.
Und weil jeder sich ein Leben in Harmonie in der Kleinfamilie, den eigenen Kindern wünscht, und weil jeder weiß, dass das mit der autoritären Erziehung früher auch nicht das Gelbe vom Ei war, und weil man aber irgendwie auch immer so entsetzlich wenig Zeit für alles hat, also auch für die Erziehung des eigenen Nachwuchses, verfällt so mancher ins andere Extrem: Bevor ich mich wirklich ernsthaft mit der Frage nach dem richtigen Weg in der Erziehung auseinander setze – nämlich dem in der Mitte, zwischen autoritär und laisse fair, (der m.E. auch der komplizierteste und zeitaufwändigste wäre), versuche ich lieber, best buddy meiner kids zu sein. Also zumindest in der schmalen Zeitspanne, die ich wirklich noch mit ihnen zu tun habe. Da soll es dann schließlich friedlich und harmonisch zugehen. Stress gabs in der Arbeit schon genug.
Also besser nicht nein sagen, besser keinen Konflikt riskieren, lieber nachgeben, lieber ein paar Steinchen aus dem Weg räumen, über die der Nachwuchs stolpern und dann Terz machen könnte.
Dazu kommt der technische Fortschritt, der uns vieles im Leben immens erleichtert, aber auch dazu führt, dass wir einer totalen Reizüberflutung ausgesetzt sind, uns ständig berieseln lassen und uns nahezu jeden materiellen Wunsch mit einem Klick nach Hause liefern lassen können. Jederzeit. Rund um die Uhr.
Und schon unsere Kinder setzen wir dieser Reizüberflutung aus und verfestigen die Vorstellung, dass im Leben immer alles, jetzt, sofort und gleich zu haben sein muss. Ich weiß, das ist ein wenig überspitzt formuliert, aber die Grundtendenz geht schon stark in diese Richtung.
Und auch, wenn ich mir damit wieder die ein oder andere saftige Rüge einfange, ich sag’s trotzdem:
Der Mensch ist inzwischrn derart besoffen von der eigenen Großartigkeit, dem Wahn alles bestimmen zu können, sämtliche (natürliche) Grenzen überschreiten zu dürfen, dass er jedes vernünftige Maß zu verlieren droht.
Mir scheint, die Bodenhaftung haben wir schon lange verloren.
Alles in allem sind die derzeitigen Verwerfungen, die sich u.a. und ganz besonders in der schlechten psychischen Verfassung heutiger Kinder und Jugendlicher manifestieren, ein Ergebnis hochkomplexer gesamtgesellschaftlicher Entwicklungen, auf die der Einzelne nur sehr wenig Einfluß hat. Vereinzelt steigen manche aus dem Hamsterrad aus. Wählen einen alternativen Lebensstil. Verweigern sich dem Materialismus, dem Streben nach immer mehr.
Andererseits, würden plötzlich alle aus dem derzeitigen System aussteigen, würde keiner mehr nach materiellem Wohlstand streben und alle ihr Glück im einfachen, bescheidenen, naturnahen Leben suchen, dann würde das unweigerlich zum Zusammenbruch unserer Gesellschaft führen.
Auch nicht schön.
Gibt es nicht irgendwas dazwischen?
So ‘nen gut ausgeloteten Mittelweg?
Hat den schon einer gefunden?
Wenn ja – raus damit.

Marion
1 Monat zuvor
Antwortet  Marion

Ach ja – das alles kann ich nicht durch Studien belegen.
Es beruht lediglich auf persönlicher Wahrnehmung und Erfahrung.
Ist also alles nur Vermutung und Spekulatius.
Manche nennen es auch Geschwurbel.
Aber Schwurbeln war schon immer mein liebstes Hobby.
Ich bitte also um Nachsicht.

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  Marion

Nur so ganz abwegig ist die Situationsanalyse aus meiner Sicht nicht. Vielem davon kann ich grundsätzlich zustimmen.
Grundgedanke ist doch,
“um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf.”

Heißt im Umkehrschluss doch, es bedarf größerer gemeinsamer Kontrolle, die aber auf konsens beruhende gesellschaftliche Regelungen braucht.

Fräulein Rottenmeier
1 Monat zuvor
Antwortet  Susanne M.

Natürlich muss ich noch erwähnen, dass den Eltern mitgeteilt wurde, dass die Kinder bis 10 Minuten vor Unterrichtsbeginn anwesend sein sollen, um sich zu organisieren……Es gibt natürlich Kinder, die ihre Eltern wecken müssen…und die sind dann auch schon mal entschuldigt, weil wir das wissen…

Hanne
1 Monat zuvor
Antwortet  Susanne M.

Wenn das Kind partout keine Hausaufgaben machen will, müssen dies die Eltern mit ihrem Kind klären und nicht die Lehrerin!

laromir
1 Monat zuvor
Antwortet  Hanne

Ich würde sagen, dass das im Zuge der Zusammenarbeit zwischen Schule und Eltern beide Seiten mit dem Kind klären müssen. Und am besten natürlich mit dem gleichen Ansprüchen und ggfs. Konsequenzen.

Tigrib
1 Monat zuvor
Antwortet  Susanne M.

HAUSaufgaben sagt eigentlich, dass das IHR Verantwortungsbereich ist.
Was hat das mit Pampern zu tun, wenn Sie ihr Kind an seine Pflichten erinnern?

Mary-Ellen
1 Monat zuvor

Kleines Beispiel, welche Blüten Überfürsorge von Eltern treiben kann…
https://www.landeszeitung.de/lokales/lueneburg-lk/ilmenau/eltern-wollen-fuer-die- sicherheit-ihrer-kinder-kastanie-auf-spielplatz-faellen-lassen-7E4JSDLOGNBHZEPVLW2NOBHEWQ.html

Mary-Ellen
1 Monat zuvor
Antwortet  Mary-Ellen

Oh, schade, der ist nicht mehr verfügbar.