DÜSSELDORF. Der Lehrkräftemangel stellt bundesweit eine wachsende Herausforderung dar – besonders auch an berufsbildenden Schulen. Offiziellen Modellrechnungen zufolge müssen sie auch in den kommenden Jahren mit erheblichen Personalengpässen rechnen. Das trifft nicht nur die Schulen, sondern das duale Ausbildungssystem insgesamt.

Bereits 2018 wies eine im Auftrag der Bertelsmann Stiftung erstellte Untersuchung des Bildungsforschers Prof. Klaus Klemm auf den bevorstehenden Engpass hin. Diese stellte schon damals in Aussicht, dass „bis zum Jahr 2030 fast die Hälfte der rund 125.000 Berufsschullehrerinnen und Berufsschullehrer in den Ruhestand“ gehen wird. Gleichzeitig würden jährlich „durchschnittlich nur rund 2.000 neue Berufsschullehrer“ ausgebildet, obwohl der Bedarf deutlich höher liege. Der damalige Vorstand der Bertelsmann Stiftung erklärte: „Ein Mangel an Berufsschullehrern schwächt unser Ausbildungssystem. Das nimmt Jugendlichen wichtige Bildungschancen und schadet der Wirtschaft.“
Prognose der Bildungsministerkonferenz
Aktuelle Modellrechnungen der Bildungsministerkonferenz (BMK) bestätigen den prophezeiten Mangel und zeigen: Die Entwicklung setzt sich fort. In ihrer Veröffentlichung „Lehrkräfteeinstellungsbedarf und -angebot 2025-2035“ hält die BMK fest, dass insbesondere bei den Lehrämtern für den Sekundarbereich II (berufliche Fächer) oder die beruflichen Schulen „in keinem Prognosejahr der Einstellungsbedarf gedeckt werden“ kann. Insgesamt benötigt das System in den Jahren 2025 bis 2035 der Prognose zufolge 50.500 Lehrkräfte. Diesen Bedarf können die etwa 26.500 Junglehrkräfte dieses Bereichs, die im genannten Zeitraum ihren Vorbereitungsdienst abschließen, nur etwa zur Hälfte decken.
In ihrer Analyse ergänzt die BMK zudem, dass strukturelle Faktoren wie fachliche Passungsprobleme oder regionale Disparitäten bei der Stellenbesetzung den rechnerischen Mangel noch zusätzlich verstärken könnten. Diese Aspekte seien in den Modellrechnungen nur begrenzt abbildbar.
Ursachen des Lehrkräftemangels in der beruflichen Bildung
Auf die Frage nach den Ursachen des Lehrkräftemangels verweist die Bildungsministerkonferenz unter anderem auf den altersbedingten Abgang vieler Lehrkräfte sowie die steigende Konkurrenz um Fachkräfte auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Gleichzeitig sei noch bis in die 2030er-Jahre mit steigenden Schülerzahlen zu rechnen. Zum einen schiebe sich etwa der Geburtenanstieg der Jahre 2012 und 2016 zeitversetzt durch die Bildungsbereiche, zum anderen haben Flucht und Zuwanderung die Schülerzahlen steigen lassen.
Nicht überraschend spielt daher laut BMK die gezielte Qualifizierung von Quer- und Seiteneinsteiger*innen im Bereich der beruflichen Bildung eine wichtige Rolle, um dem bestehenden Lehrkräftebedarf zu begegnen. Damit hat sich an der Personalsituation seit der Bertelsmann-Untersuchung von 2018 wenig geändert.
Folgen – für Schule und Wirtschaft
Die Folgen des Mangels sind konkret – für Schulen und Wirtschaft. Ohne ausreichende Lehrkräfte leidet die Unterrichtsversorgung. Beispiel Sachsen-Anhalt: Das dortige Bildungsministerium meldete vergangene Woche, dass die Unterrichtsversorgung an den Berufsschulen zum jüngsten Stichtag bei lediglich 93 Prozent lag. Im Klartext: Unterrichtsausfall gibt es selbst dann, wenn keine einzige Lehrkraft während des Schuljahres krank würde. Die Personalnot wiederum beeinflusst den Erfolg der Ausbildung.
Berufsbildende Schulen und Ausbildungsbetriebe sowie deren Verbände fordern seit Jahren Investitionen in die berufliche Bildung. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) bezeichnete zuletzt Meldungen zum fortschreitenden Lehrkräftemangel im berufsbildenden Bereich als alarmierend. Die duale Ausbildung sei nur dann erfolgreich, „wenn die beiden Partner Berufsschule und Betrieb jeweils stark und leistungsfähig sind“. News4teachers
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Faktencheck: Welche Sterotype über Ausbildung bestehen (und was in Wahrheit stimmt)









„ Auf die Frage nach den Ursachen des Lehrkräftemangels verweist die Bildungsministerkonferenz unter anderem auf den altersbedingten Abgang vieler Lehrkräfte sowie die steigende Konkurrenz um Fachkräfte auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt.“
Dann sollte man vielleicht mal darüber nachdenken den Job attraktiver zu machen und nicht auf die Beamten noch weiter einzudreschen, wie es aktuell in der Bild-Zeitung von der Politik lanciert wird?
Wie wäre es zuerst einmal die Bezahlung und die Arbeitsbedingungen an den Standard anzugleichen, den die IG Metall im allgemeinen Arbeitsmarkt gesetzt hat?
Warum laufen den aktuell Kampagnen gegen Beamte, Pensionäre und Lehrer im Speziellen? Zufall? Man WILL nicht angemessen bezahlen. Stattdessen Neid, Missgunst und “Schlaraffenland”. Es ging immer nur um möglichst viel Arbeit für möglichst wenig Geld aus den f… S… herauszupressen. “Bildungsrepublik Deutschland” war schon immer eine Lüge!
If Metall bewirkt keine Unkündbarkeit
Man muss ja auch mehr bieten als den IG Metall Standard, wenn man Leute abwerben will. Außerdem hat man in der Industrie eher nicht das Problem, dass man als Arbeitnehmer ggf. gewalttätigen Jugendlichen alleine ausgesetzt wird.
Auf gar keinen Fall, das könnte ja funktionieren … kostet aber Geld. Da ist Jammern doch viel effektiver und billiger.
Rund 300 anerkannte Ausbildungsberufe vs. geschätzt 22.000 unterschiedliche Studiengänge. Ich würde ja allzu gerne wissen, warum der Faktor 70 notwendig ist.
Liegt vermutlich daran, dass selbst eine Vergütung zwischen W1 und W3 attraktiver ist als ein Meistergehalt oder eine A13-Eingangsbesoldung für SekII-Lehrkräfte an berufsbildenden Schulen – von Fachlehrkräften in NRW, die bei Berufseinstieg mit A9 vergütet werden, einmal abgesehen.
Der Referendar, der im bedarfsdeckenden Unterricht schon alleine vor der Klasse steht, bekommt mitunter geringere Anwärterbezüge als der Azubi, den er unterrichtet.
Sie sehen das Problem?
Ist in anderen Vorbereitungsdiensten auch nicht anders.
Bei beruflichen Schwerpunkten wie Metall, Elektro, Bau sind mit den Ingenieurstudien oder Architektur statt Lehramt eben starke Konkurrenz aus der privaten Wirtschaft.
Als Lehramtsstudium Metall Technik ist der Weg zum Ingenieur mit besserer Bezahlung und bedeutend besseren Arbeitsbedingungen relativ nahe.
Da locken eigentlich nur die Sicherheit und die Pension der Beamtenlaufbahn ins Lehramt.
Alle anderen Argumente sprechen klar für die freie Wirtschaft als als Ingenieur.
Bei einem allgemeinbildenden Lehrer mit Deutsch und Kunst ist der Weg in die Karriere in der freien Wirtschaft da schon weiter entfernt.
Daher der Mangel an den beruflichen Schulen.
Das zeigt, dass die innere Berufung zum Lehramt wegen der leuchtenden Kinderauge im Prinzip quatsch ist. Der Verdienst und die Arbeitsbedingungen machen den Stich.
Das Hemd ist dann vielen näher als die Jacke.
Ohne Verbeamtung wäre ich mal gespannt wer überhaupt noch Metallberufe beschult, wenn man als Ingenieur 600€ mehr bei 2-3 Tagen Home-Office hat.
Die Anzahl der Überzeugungstäter die sich freiwillig gängeln lässt, Klos aus der Kaiserzeit nutzt und mit Technik von vor 30 Jahren auskommt ist in der Realität eben doch überschaubar.
Seit wann sind Lehramtsabsolventen Ingenieure oder Ingenieuren gleichwertig?
Es verdient auch nicht jeder Ingenieur das, was sie hier unterstellen und wenn, dann rechnen Die einmal die notwendigen Rücklagen/In estitionen gegen, um auf eine äquivalente Altersversorgung zu kommen.
…und doch finden die dann ihren, wie Sie sagen beschi**enen Armutsjob, doch attraktiver als den gülden glänzenden Lehrerjob…
„ Seit wann sind Lehramtsabsolventen Ingenieure oder Ingenieuren gleichwertig?“
Bei uns am technischen Berufskolleg haben praktisch alle Kollegen neben dem 2. Staatsexamen noch den Dipl.-Ing. in der Tasche.
Ingenieuren, Informatikern, Wirtschaftswissenschaftlern, Naturwissenschaftlern und Mathematikern kann man eh nur vom Lehramtsstudium abraten. Das Referendariat und die pädagogischen Fächer im Studium sind so seriös wie die Werke eines Erich von Dänikens und somit für analytisch-logische Menschen nur schwer zu ertragen.
Wozu auch, als Ing oder Naturwissenschaftler kannste ja nach der Kündigung in der freien Wirtschaft ohne Probleme als Seiteneinsteiger an eine Schule deiner Wahl.
Und der Seiteneinsteiger bekommt dann auch im Vorbereitungsdienst (OBAS) gleich ab dem ersten Tag E13, während der Referendar mit Anwärterbezügen abgespeist wird.
Dafür sind die Werke von Erich von Däniken wesentlich unterhaltsamer und dazu auch noch weniger dogmatisch.
Müssen die ganzen Flüchtlinge und Migrant*innen schuld sein, die einen Beruf lernen wollen!
Freuen wir uns über die, welche es wollen
Als seinerzeit A13 für Grundschullehrer verfochten wurde, wurde gewarnt, wenn man schon als Grundschullehrer A13 bekommen kann, fehlen bald die Berufsschullehrer und dann muss man denen A14 bieten oder was? Es hieß ja damals gerne, keiner will mehr Grundschullehrer werden, wenn man nicht A13 bekommt.
Nun gibt es A13 und Lehrer fehlen trotzdem und keiner will Berufsschullehrer werden, wenn man dann genauso verdient wie ein Grundschullehrer.
Ein Thema, welches von der Politik seit 40 Jahren erfolgreich konserviert und unter den Teppich gekehrt wird. Berufsschulen haben keine Lobby.
Die Ursache liegt auch in fehlenden universitären Studiengängen. Meist versteckt, anders genannt, zu wenig oder gar nicht im Bundesland vorhanden, das sind grundlegende Ursachen.
Wer bildet Erzieher aus? Lehrkräfte für Sozialpädagogik. Und wo kann man das in Deutschland grundständig studieren? …an einer Hand abzuzählen.