Start Themenmonate Schule der Zukunft Zeitgemäße Pädagogik braucht neue Lernumgebungen!

Zeitgemäße Pädagogik braucht neue Lernumgebungen!

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ÖHRINGEN. Die Wurzeln unseres heutigen Schulsystems reichen zurück ins 19. Jahrhundert – in eine Zeit, in der Bildung vor allem dazu diente, „preußische Tugenden“ wie Gehorsam, Pünktlichkeit, Ordnung und Fleiß zu vermitteln. Doch die Welt, in der junge Menschen künftig leben und arbeiten werden, stellt ganz andere Anforderungen. Um sie darauf vorzubereiten, brauchen wir neue Kompetenzen – und diese wiederum verlangen nach Lernumgebungen, die mehr ermöglichen als der traditionelle Klassenraum in der klassischen Flurschule. Moderne Raumkonzepte schaffen Platz für Zusammenarbeit, Kreativität und selbstständiges Lernen und eröffnen Wege hin zu einer zeitgemäßen Bildungskultur.

Eine moderne Lernlandschaft jenseits von Flurschule und Klassenräumen.

Raumkonzepte müssen sich dem Primat von Pädagogik und Didaktik unterordnen. Die herkömmliche Flurschule mit Standard-Klassenräumen und Frontalunterricht ist nicht mehr zeitgemäß, da sind sich Expertinnen und Experten einig. So, wie sich Pädagogik und Didaktik auf Kompetenzerwerb und Kreativitätsförderung, auf „Future Skills“ und „21st Century Skills“ einstellen müssen, so müssen sich auch Lernräume im Bildungsbau entsprechend ändern.

Innovative Räume für selbstorganisiertes Lernen

In Diskussionen über die „Schule der Zukunft“ ist oft von „selbstorganisiertem“ oder „selbstreguliertem Lernen“ die Rede. Die aktuelle Bedeutung des selbstorganisierten Lernens resultiert aus einem Paradigmenwechsel in der kognitionswissenschaftlichen und lernpsychologischen Perspektive in den letzten Jahren: Das Modell des behavioristischen Lernens wurde zunehmend aufgegeben zugunsten konstruktivistischer Lehr-Lern-Theorien, welche die aktive Rolle der Lernenden in den Mittelpunkt stellten. Das Konzept der aktiven Wissensaneignung mit dem „Denken vom Schüler her“ wurde bereits in der Reformpädagogik geprägt, wird heute durch zahlreiche neurowissenschaftliche Studien untermauert – und wird durch die digitalen Möglichkeiten der Individualisierung nun in der ganzen Breite umsetzbar.

Selbstorganisiertes Lernen – was, wie und wo

Um selbstorganisiertes Lernen zu fördern, müssen selbstgesteuerte Lernprozesse gestartet werden: Aufgaben, die selbstständig in der Gruppe oder in Einzelarbeit gelöst werden, regen zu Lernaktivitäten an und setzen somit individuelle Lernprozesse in Gang. Die Lernenden strukturieren dabei ihren Lernprozess eigenständig, ordnen und organisieren ihr Lernen selbst, wobei sich idealerweise individuelle und kollaborative Lern- und Arbeitsphasen abwechseln.

Kennzeichnend für das Konzept des selbstorganisierten Lernens ist dabei, dass Lernende über Inhalte, Ziele, Wege und Zeiten, die Ergebnisse und die Orte des Lernens selbst entscheiden können. Welche Lernaktivitäten die Lernenden wann, wo und in welcher Reihenfolge ausführen, bestimmen sie letztlich selbst.

Von der Industrieschule zur „Schule der Zukunft“

Die pädagogische Architektur unserer heutigen Flurschulen ist aber immer noch auf das „7G“-Modell ausgerichtet, welches mittels der „preußischen Tugenden“ Gehorsam, Pünktlichkeit, Ordnung und Fleiß auf die Welt der Industrialisierung vorbereiten sollte: Kinder, die zufällig gleich alt sind, sollen im gleichen Raum mit der gleichen Lehrkraft und den gleichen Lehrmitteln das gleiche Ziel in der gleichen Zeit gleich gut erreichen. Wer in diesem System nicht klarkommt, wird aussortiert. Dieses System hat nicht das bestmögliche, individuelle Lernsetting aus Sicht der Lernenden im Blick, sondern die Normierung für einen Staat, der Gehorsam forderte und einen industriellen Arbeitsmarkt, den es so kaum noch gibt. Für die „Schule der Zukunft“, also eine Schule, die unsere Kinder auf eine ungewisse Zukunft und eine VUCA-Welt vorbereitet, die volatil, unsicher, komplex und ambig ist, brauchen wir daher neue Konzepte – pädagogisch, didaktisch, methodisch und auch räumlich.

Von der Digitalisierung…

Unsere Lebens- und Arbeitswelt ist digital – wir schreiben E-Mails statt Briefe, nutzen AI-Tools statt mehrbändiger Enzyklopädien und schauen Netflix ohne „Sendeschluss“. Das Smartphone in der Hosentasche bietet eine ständige Verbindung zur Welt. Da Schule unsere Kinder auch auf die Lebens- und Arbeitswelt vorbereiten soll, finden langsam, aber stetig auch digitale Lehr- und Lernmethoden ihren Weg in den Unterricht. Dabei müssen allerdings auch Lernraumkonzepte neu gedacht werden.

Wichtig ist, dass wir bei der Einführung digitaler didaktischer Konzepte nicht einen Schritt vor und gleichzeitig zwei Schritte zurück machen, um am Ende wieder bei frontalen Unterrichtskonzepten zu landen, die wir doch eigentlich überwinden wollen: Die Lehrkraft präsentiert frontal auf einem Smartboard, die Lernenden nutzen digitale Endgeräte statt Schulbücher und Hefte – mit dieser „Elektrifizierung des Analogen“ schöpfen wir die Potentiale einer Kultur der Digitalität nicht aus! Dann erinnert das Ganze an das Schulfernsehen der 1960er und 70er-Jahre, das abgefilmtem Unterricht ähnelte und lediglich die Lehrkraft durch einen Fernseher ersetzte.

… zu einer Kultur der Digitalität

Lernen in einer Kultur der Digitalität jenseits der Lehrerzentrierung braucht stattdessen flexible Lernräume, die verschiedenste Unterrichtsverfahren, vielfältige Sozialformen, selbstorganisiertes Lernen und individualisierte Lernwege ermöglichen. Das didaktische Konzept des „Flipped Classroom“ beispielsweise, bei dem Lernende sich individuell und asynchron mit Wissensinhalten beschäftigen und der eigentliche Lernvorgang im konstruktivistischen Sinne anschließend selbstorganisiert und individuell in der sozialen Gruppe stattfindet, braucht kein Standard-Klassenzimmer, in dem 30 Kinder frontal ausgerichtet dasitzen.

Die Digitalisierung des Lehrens und Lernens bietet, richtig eingesetzt, viele Vorteile – mit adaptiver Lernsoftware beispielsweise kann der 100 Jahre alte Ansatz der Reformpädagogik von der „Individualisierung des Lernens“ nun flächendeckend umgesetzt werden, ohne Lehrkräfte durch einen Differenzierungsspagat zu überfordern. Um das Potential der Digitalisierung ausschöpfen zu können, braucht es neben digitaler Ausstattung allerdings auch innovative Konzepte für die Ausstattung von Lernräumen und eine neue pädagogische Architektur jenseits der klassischen Flurschule.

Erkenntnisgewinn durch eigenes Experimentieren und „Machen“

In den Naturwissenschaften und damit auch im naturwissenschaftlichen Unterricht ist das Experiment „die“ Methode der Erkenntnisgewinnung. Lange war hier das Demonstrationsexperiment der Standard: Die Lehrkraft führt ein Experiment auf dem frontal positionierten Lehrerexperimentiertisch vor, während Schülerinnen und Schüler im fest verschraubten Hörsaalgestühl unbewegt (körperlich wie geistig) zuschauen. Doch auch hier findet selbstorganisiertes Lernen in Verbindung mit Handlungsorientierung in Form von Schülerexperimenten zunehmend Verbreitung (wobei das Demonstrationsexperiment bei der Fokussierung auf zentrale Konzepte oder bei gefährlichen Versuchen weiterhin seine Berechtigung behält). Auch für die allgemeine technische Bildung wurden in den letzten Jahren Konzepte wie „Lernwerkstätten“ und „Makerspaces“ als Bereich eigener Theorie und Praxis erkannt, wurden Schülerlabore wie Makerspaces grundlegend beforscht und in Schülerforschungszentren, Science Centern und zunehmend auch in Schulen umgesetzt.

Auch zeitgemäße Fach-, Labor- und Werkräume müssen daher aktuelle Konzepte naturwissenschaftlicher und technischer Bildung unterstützen und möglichst anpassungsfähig an die jeweilige Lernsituation und Sozialform sein: Weg von hörsaalbestuhlten Fachräumen mit aufsteigenden Sitzreihen hin zu multifunktionalen, offenen und flexiblen Lernräumen, in denen Schülerinnen und Schüler sich selbstbestimmt mit naturwissenschaftlichen und technischen Fragestellungen beschäftigen – die Ausstattung der Räume von mobilen Tischen und Stühlen, Schränken und Raumtrennern bis zur flexiblen Versorgung mit technischen Medien wie Strom, Gas, Wasser oder Druckluft verlangt auch hier maximale Offenheit und Variabilität.

Besuchen Sie uns an unserem Stand auf der didacta 2026. Wir zeigen Ihnen gern unser Portfolio und beantworten Ihre Fragen.

Sie finden uns hier: Halle 6, Stand B-014

Autor: Dr. rer. nat. Dr. phil. Dierk Suhr
Leitung Pädagogik & Hohenloher Academy
Hohenloher Schuleinrichtungen GmbH & Co. KG
www.hohenloher.de

Dies ist ein Advertorial / eine Pressemeldung der Hohenloher Schuleinrichtungen GmbH + Co. KG.

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