MÜNCHEN. Der Bayerische Beamtenbund (BBB) erhöht im Streit um die verzögerte Übertragung des jüngsten Tarifabschlusses den Druck auf die Politik. In einem Schreiben an die Abgeordneten des Bayerischen Landtags fordert der Verband, den entsprechenden Regelungen im Doppelhaushalt 2026/2027 die Zustimmung zu verweigern. Hintergrund sind Pläne der Staatsregierung, die Besoldung von Beamtinnen und Beamten – darunter überwiegend Lehrkräfte – erst mit sechs Monaten Verzögerung an die Tarifentwicklung anzupassen.

BBB-Vorsitzender Rainer Nachtigall warnt vor den Folgen dieses Vorgehens für den öffentlichen Dienst insgesamt. „Der öffentliche Dienst hat in den vergangenen Jahren die Handlungsfähigkeit des Staates gesichert und seine Kompetenz bewiesen. Ihn jetzt als Finanzierungsrücklage zu missbrauchen, schwächt nicht nur das Vertrauen der Beschäftigten in ihren Dienstherrn, es schwächt die Institution selbst“, erklärte Nachtigall laut Mitteilung. Der Verband spricht von einer gezielten Verschiebung von Haushaltslasten auf die Beschäftigten.
Bereits im Herbst hatte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) angekündigt, das Ergebnis der Tarifverhandlungen der Länder nicht zeitgleich auf die Beamtinnen und Beamten zu übertragen. (News4teachers berichtete.) Nach Abschluss der Tarifrunde im Februar konkretisierte die Staatsregierung diese Linie: Die vereinbarten Erhöhungen sollen für Tarifbeschäftigte ab April 2026 gelten, für Beamtinnen und Beamte hingegen erst ab Oktober 2026 wirksam werden. Finanzminister Albert Füracker (CSU) begründete dies zuletzt mit der angespannten Haushaltslage und signalisierte, von diesem Kurs nicht abweichen zu wollen.
„Von ihrem Dienstherrn können sie keine Unterstützung erwarten. Er zwingt jeden einzelnen in die Klage“
Der BBB stellt nun die politische Verlässlichkeit der Staatsregierung grundsätzlich infrage. Im Koalitionsvertrag sei noch zugesichert worden, „auch weiter zu einer zeitgleichen und systemgerechten Übertragung des Tarifergebnisses auf die bayerischen Beamtinnen und Beamten, insbesondere auch auf die Anwärterinnen und Anwärter sowie die Versorgungsempfängerinnen und Versorgungsempfänger“ zu stehen. Diese Zusage habe „ihre Gültigkeit verloren“, heißt es in der Mitteilung.
Zugleich verweist der Beamtenbund auf eine wachsende rechtliche Auseinandersetzung um die Besoldung. Hintergrund ist ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom November (News4teachers berichtete auch darüber.) „Allein im staatlichen Bereich gehen gerade rund 63.000 Beschäftigte gegen die Höhe ihrer Besoldung vor. Sie wollen ihre Ansprüche sichern, falls sich diese als zu niedrig erweist. Von ihrem Dienstherrn können sie keine Unterstützung erwarten. Er zwingt jeden einzelnen in die Klage“, so Nachtigall. Der Verband sieht darin ein Zeichen für ein tiefgreifendes Vertrauensproblem zwischen Beschäftigten und Staat.
Im Schreiben an die Abgeordneten zeichnet der BBB zudem ein strukturelles Bild der Entwicklung im öffentlichen Dienst. „Die Besoldung ist (etwa in den letzten 15 Jahren) deutlich langsamer gestiegen als die Steuereinnahmen und die Staatsausgaben insgesamt. Im gleichen Zeitraum sind die staatlichen Aufgaben aber deutlich gewachsen und auch der Freistaat selbst hat mit einer Million zusätzlichen Einwohnern an ‚Verwaltungsmasse‘ hinzugewonnen.“ Zwar seien „in den letzten 15 Jahren rund 48.000 neue Stellen geschaffen“ worden, diese konzentrierten sich jedoch auf einzelne Bereiche. „In vielen anderen Teilen der Verwaltung müssen die Beschäftigten den Aufgabenzuwachs weiterhin mit nahezu unverändertem Personalbestand bewältigen.“
„Das haben die Beamtinnen und Beamten im Freistaat nicht verdient“
Vor diesem Hintergrund bewertet der BBB die geplante Besoldungsverzögerung als „unausgewogenes Sonderopfer“ für den Beamtenbereich. Die Maßnahme ist nach Darstellung des Verbands bereits fest in die Haushaltsplanung einkalkuliert. „Im aktuell im Landtag zu behandelnden Entwurf des Doppelhaushalts 2026/2027 sind die Mittel aus der verzögerten Besoldungsanpassung bereits eingerechnet“, so Nachtigall. „Das haben die Beamtinnen und Beamten im Freistaat nicht verdient.“
Der Appell des Beamtenbunds richtet sich nun direkt an das Parlament. Gemeinsam mit mehr als 25.000 Unterstützern einer Online-Petition fordert der Verband die Abgeordneten auf, „für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst, für den öffentlichen Dienst selbst und damit für ein starkes Bayern von Ihrer Stimme im Landtag Gebrauch zu machen und den entsprechenden Teilen des Haushaltsgesetzes nicht zuzustimmen“. News4teachers
Nichts mehr verpassen, was für die Bildung relevant ist!

Halten Sie sich auf dem Laufenden – und verschaffen Sie sich einen schnellen Überblick: mit unserem täglichen News4teachers-Newsletter. Direkt in Ihren Posteingang. Darüber hinaus bieten wir auch spezielle Fachnewsletter, die monatlich erscheinen – für Schulleitungen, Schulträger und die frühkindliche Bildung.
Hier gratis bestellen (E-Mail-Adresse angeben und kurz aus Ihrem Postfach heraus bestätigen): www.news4teachers.de/newsletter/
Söder bleibt hart: Beamten wird Besoldung nur zeitversetzt erhöht (ab Oktober)









Aber sofort! Es ist ein drastischer Reallohnverlust und er kann froh sein, wenn noch kein 13. Monatsgehalt oder ein Präsenzarbeitszuschlag gefordert wird! 🙂
Unbedingt, stimmt 🙂
vor allem bei 5 Tagen, der Benzinpreis ist massiv gestiegen. Die im Homeoffice lachen sie schon wieder ins Fäustchen. Unfair
Und “Homeoffice-Pauschale” kassiere sie auch…
Ach ja, Gewinneinbruch bei VW, Audi und Porsche, massivste Probleme in China, Milliardenabschreibungen im E-Auto-Bereich, neue Subventionen (= Sozialhilfe vom Staat) für E-Autos…
und…
“VW-Beschäftigte erhalten Sonderprämie
,,,
Rund 100.000 Beschäftigte in den Werken in Niedersachsen und Sachsen sollen 1.250 Euro mit ihrer Mai-Abrechnung überwiesen bekommen. Das Werk in Osnabrück ist davon ausgenommen, hier soll dafür ein Jubiläumsgeld gezahlt werden.
…
Leistung und gemeinsamer Erfolg anerkannt.”
https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/trotz-gewinneinbruchs-vw-beschaeftigte-erhalten-sonderpraemie,vw-1104.html
Und beim Staat? Nichts, gar nichts und wieder nichts.
Gen Z: …
“Diese Zusage habe „ihre Gültigkeit verloren“, heißt es in der Mitteilung.”
Wer das politsiche Geschehen in Bund und Ländern schon länger verfolgt, dürfte mitbekommen haben, dass sich Politker*innen nicht unbedingt an die Vereinbarungen in Koaltionsverträgen gebunden fühlen, wenn sie von der Wirklichkeit umzingelt werden.
Also sollten Ihre Kolleg”innen klagen?
Nachtigall, ich hör Dir Trapsen…
Viel Erfolg!
Aber Vorsicht, hier werden nicht wenige Kolleg*innen zwischen dem Wunsch, sich über Belastungen zu beschweren und der Leibeigenschaft gegenüber des status quo möglicherweise zerrieben ^^
Durch die höheren Spritpreise infolge des Irankrieges sind die Gehaltserhöhungen wohl schon wieder aufgefressen. Wir haben nichts davon. Wir zahlen nur eben mehr. Aber hätten wir die nicht bekommen, wäre das Minus noch größer gewesen. Das stimmt auch.
Den Beamten bleibt ja nur der Rechtsweg. Demonstrieren könnten sie nur in ihrer Freizeit. Aber das, nein, das wollen sie nicht, das wäre zuviel Widerstand.
@Stubentiger
“Demonstrieren könnten sie nur in ihrer Freizeit. Aber das, nein, das wollen sie nicht, das wäre zuviel Widerstand.”
Diesen Geistesblitz 😉 müssen Sie aber auch unbedingt noch an diesen Personenkreis geben – die könnten ja schließlich auch … :
https://www.zdfheute.de/wirtschaft/oepnv-warn-streik-wann-nahverkehr-bundeslaender-100.html
MP Söder lässt kein Fettnäpfchen aus.Erst die unsinnigen Angriffe auf die Grünen, dann bringt er die Beamtenschaft des Freistaates gegen sich auf. Weiß er nicht, dass auch in Bayern gewählt wird. Siehe hierzu das Wahlverhalten der Beamtenschaft in Baden-Württemberg!!! Wer stoppt ihn?
Söder ist doch als beamtentreu bekannt
Zu glauben, die Union würde sich anständiger verhalten als die volksfeindlichen Grünen und die restliche Steuererhöhungs-SPD, war und ist ein Irrglaube.
Die Vergütung ist doch das geringste Problem, da gäbe es ganz andere Baustellen.
Alle Mitglieder des Beamtenbundes sollten sich mal frage, ob sie bei der letzten Landtagswahl die CSU gewählt haben oder nicht. Falls ja, handelt es sich um ein geliefert wie bestellt.